Humnhne EZ ua tr $ Der 3 Ey) \ “ rh " ANON u . “ Va fi | NN Rensn Da [ICON AT El 4 U RR “ rk PR RIEU BIT VATR BE De RER EU ER} KAER n DE EB ae SE; ra Are In “ a BR N Be ) en i N ER Kuh RR ER. LAN A ER KORAN HEN NR RATE N { d Ro “ OR CHEN } REM) EN BIER Ki E “is [nat Ad AN LEID 3 Kun 1 LAS en hr Ay u ER A RATTEN RR ih RUry- nn \ BE $ af! FRENCH WORT ER \ a S Ya) kun a rat A a N N 4 5 Bi He abe AM DEE NHL { u x ad Rn MR \ OL AemE Au er Rn U & a Den ae Are nn mahnt JE Un Ken a kat de her WeinN ch. ein ws De I u JOURNAL ORNITHOLOGIE DEUTSCHES CENTRALORGAN ‘für die sesammte Ornithologie. In Verbindung mit der tentachen ornithulugiachen Gearllschnit zu Berlin, mit Beiträgen von Eug. F. v. Homeyer, Dr. A. E. Brehm, Dr. Ant. Fritsch, Hauptm. Alex. v. Ho- meyer, Hof-Rath M. Th. v. Heuglin, Dr. Ed. Baldamus, Victor v. Tschusi, Dr. Wilh. Lühder, Dr. H. Golz, Forstmeister H. Goebel, Dr. Ant. Reichenow, Dr. Dybowski, L. Taczanowski, G. v. Koch, Dr. H. Dohrn, Leonh. Stej- . neger, Dr. E. Rey, Prof. Dr. B. Borggreve, A. Nehrkorn, Dr. Jean Gundlach, Karl Arlt, Th. Lorenz, W. v. Nathusius, Dr. F. Wahlgren und anderen Ornithologen des In- und Auslandes, ern: au te,e ie bien von Dr. Jean Cabanis, erstem Custos am Königl. Zoolog. Museum der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin; ecr. d. deutschen ornithologischen Gesellschaft zu Berlin. XIX. Jahrgang. Dritte Folge, 2. Band. Mit 3 schwarzen und 3 Buntdruck-Tafeln. Leipzig, 1871. Verlag von L. A. Kittler. NEW-YORK, A. Franck, rue Richelieu, 67. B. Westermann & Co. 440 Broadway. Williams & Norgate, 14, Henrietta Street, Coventgarden. inbsis des XIX. Jahrganges. Dritte Folge, 2. Band. 7>“Ffeit. Ne. 109. Aufsätze, Berichte, Briefliches etc.: 1, 2. >. 4. 11. 12, Beiträge zur Ormithologie der en Inseln. Von Dr. H. Dohrn Brieflicher Bericht er eine PER: im a cher den Von M. Th. von Heuglin N Zur Charakteristik einiger End clen ken Von Dı. Karl Russ Eine Reise von eine De Renanelks ns Miwer, ne law, Wologda und Ustjug vom 8. Mai bis 1. Juni 1864. Von Forstmeister H. Goebel . DENE Se Se Curiosa. Von Demselben Notizen über den Flussrohrsänger (8 lie nn urn sein Vor. kommen in der Nähe von Breslau. Von Karl Arlt . En: Zur Fortpflanzungsgeschichte des Purpurhuhns. Von A.E, Beelm Monographische Beiträge. Gennaja und Falco Kaup. VonE.F. von Homeyer 3 A u Ma ci Notiz über die EN: OR Von L. Tacza- nowski . ; Beleuchtung einiger Kidgen! die Herr Y ade zu meiner FUebek. sieht der Vögel Algeriens gestellte. Von Demselben Wanderungen im Böhmerwalde, a Notizen von wie Ritter von Tschusi } Sula bassana in Hannover selingen. Von v. Minnigenekie e Beutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin: 13. Protokoll der XXIX. ns, Verhandelt Berlin, Montag 14. den 5. December 18X0 . Protokoll der XXX. Monalaaude: ÜVerkandekt Bett Montag den 2. Januar 1871 . ns 15. Nachtrag zum Verzeichniss A: Mislider der "Gerellschafs, 16. Benachrichtigung an die Mitglieder . ee Nachrichten: 17. An die Redaction eingegangene Schriften II. Heft, No. 110. Aufsätze, Berichte, Briefliches etec.: 1. Die Vogel-Fauna im hohen Norden. Ornithologische Notizen aus Finmarken und Spitzbergen. Von M, Th. v. Heuglin. Seite 1 10 14 8 2. Briefliche Mittheilungen. Von Hauptmann Alex. v. Homeyer 107 IV INHALT. 3. Buieo tachardus sive desertorum zum zweiten Mal in De erlegt. Briefliche Notiz von ©. v. Krieger 4. Wanderungen im Böhmerwalde. Tagebuch - Nöligen von cn Ritter v. Tsehusi (Schluss von 8. 62—73) ... 5. Ormnithologische Mittheilungen aus Oesterreich 1570) Von De selben . . . 6. Pfarrer Bl. Hanfs ornithologische Sammlımg, in Masiahol Yon Demselben 7. Ormithologische Notizen) aus Merhn. Süd- Tirol, während a Win- ters 1869/70 und 1870/71. Von Leonhard Stejneger Die Lasurmeise, Parus (Cyanistes) cyanus. Von Th. Lorenz . 9. Die in den Jahren 1867, 68 und 69 im Umanschen Kreise (Gou- vernement Kiew) beobachteten Vögel. Von Forstmeister H. Goe- bel. (Schluss von November-Heft 1870, S. 440456). 10. Ueber das Nisten der Seidenschwänze in Deutschland. Notiz von Pfarrer J. Hocker Deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin: 11. Protokoll der XXXI. Monats-Sitzung. Verhandelt Berlin, Mon- tag den 6. Februar 1871. (Cabanis: Referat über G. v. Koch, Stellungen der Vögel. Hierzu Tafel I. und II. — O. v. Krieger: Ueber Raubvögel Thüringens. — Brehm: Darstellung von Vö- geln en relief des Herrn Plaschke; Abfärben der Federn von Corythais persa. — Hellmann: Präservativ. — Cabanis: Ur- sprung der Beeoeur’schen Seife, und über sibirische Sylvien: Zo- eustella ochotensis und Phyllopneuste Schwarzi) . . 12. Protokoll der XXXII, Monats-Sitzung. Verhandelt Bale Mon- tag den 6. März 1871. (Cabanis: Referat über Bronn’s Thier- reich, Abth. Vögel, und A, Fritsch, eh AHEaBARı Hierzu Tafel III.) RG Na RE Nachrichten: 13. An die Redaction eingegangene Schriften . 14. Druckfehler-Berichtigung 15. Verlags-Anzeigen: Borggreve, el Faund: von Norddeutsche land; Brehm, Gefangene Vögel . . . 2: 2. 2 2 200. x III. Heft, No. 111. Aufsätze, Berichte, Briefliches ete.: 1. Die Vögel Böhmens. Von Dr. Ant. Fritsch 2. Nachtrag zu meinem Bericht über die Ornithologie Spicber sed Von M. Th. v. Heuglin. (8. März-Heft, S. 87 u. ff.) 3. Ueber die rothäugige Drossel, Turdus olivacınus = Von Demselben Anas Stelleri in Europa ann m A. @. Nor a 5. Erster Nachtrag zu meiner Arbeit über „Die Vogel-Fauna von Norddeutschland. Von B. Borggreve [ . Seite ..109 . 110 116 . 119 122 124 130 151 152 157 158 159 160 161 205 206 208 210 PR 10, 11. INHALT. Die Schnee-Eule auf Hiddens-Oee erlegt. Von G. Kessler Ueber Kuckukseier. Von Dr. E. Rey RE ER ten Briefliches über Serinus pusillus Von Dr. E. Baldamus Ornithologische Notizen vom Jahr 1870. Von G. v. Koch Briefliches über Merops Forsteni. Von Dr. Adolf Bernhard Meyer Friede den einen Vogels Or als der dekensehätt Bet „Fr eöhlik der kleinen Vögel“ zu Gothenburg in Schweden Deuische ornithologische Gesellschaft zu Berlin: 12. Protokoll der XXXIII. Monats-Sitzung. Verhandelt Berlin, Mon- tag den 3. April 1871. (Cabanis: Vogelschutz — Holtz: Oologisches. — Bau: Oologisches; Absonderliche Nistplätze) 13. Protokoll der XXXIV. Monats-Sitzung. Verhandelt Berlin, Mon- tag den 1. Mai 1871. (Cabanis: Ueber Parus (Poecila) obtec- tus n. sp. als Abart von P. eincetus. — D’Alton: Notiz zum Vogelschutz. — etc.) . Nachrichten: 14. An die Redaction eingegangene Schriften . 15. Tauschgesuch. (Europ. Vogeleier) . IV. Heft, No. 112. Aufsätze, Berichte, Briefliches ete.: 1. 2. d. > Die Structur des Vogel-Eies und deren ee zur Syste- matik. Von W.v. Nathusius i ; } Ein Ei im Eie. Von Dr. Fr. Venen ER ; Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas, nach Bi 80jährigen Beobachtungen zusammengestellt von Dr. Jean Gundlach Zusätze und Berichtigungen zu dem Aufsatze „die im Umanschen Kreise in den Jahren 1867, 1868 und 1869 beobachteten Vögel“ nach Beobachtungen gemacht im Jahre 1870. Von Forstmeister H. Goebel Notizen über den Bock“ bä nd Von Wilhielin Bähl den, Die Vögel Böhmens. Yon Dr. RR na in Bias (Forte, : s. Mai-Heft S. 161—205.) . Bi, N Deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin: . Protokoll der XXXV. Monats-Sitzung. Verhandelt Berlin, Mon- tag den 5. Juni 1871. (Reichenow: Briefliches aus Frank- reich, Nisten von Merula vulgaris. — E. F. v. Homeyer: Er- innerungsschrift an die Frühjahrsversammlung in Görlitz 1870. — Cabanis: Notiz über die Gattung Pyrrhula und die in Sibirien vorkommenden Speeies.) . ae 4 he Nachrichten: 8. 9. An die Redaction eingegangene Schriften Verlags-Anzeigen Seite 224 225 223 231 231 232 241 260 300 305 313 319 320 VI INHALT. V. Heft, No. 113. Aufsätze, Berichte, Briefliches ete.: Seite 1. Zur Bildung des Brustbeins und Sehultergürtels der Vögel. Von 2. 6. Dr. Wilhelm Lühder .. Ei rk Neue Beiträge zur Ornithologie Cabar Nach eigenen 30jährigen Beobachtungen zusammengestellt von Dr. Jean Gundlach. (Forts. von 8. 265—2%.) . . . . .. 308 . Die Vögel Böhmens. Von Dr. Anika Fr tech (na von us 305-313.) . . . 318 . Zur Wortplnenesesehichte de Kuckuks Brtefhche Mirthlilene aus Öst-Sibirien von Dr. Dybowski. . . . . Brenn Nachtrag zur Notiz über die ostsibirischen Na: an (S. d. Journ. S. 56.) Von L. Taczanowski . . . . re) Erwiederung. Vom Hauptm. Alexander von on, . 2 80 Deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin: [F Protokoll der XXXVL Monats-Sitzung. Verhandelt Berlin, Montag den 4. September 1871. (Golz: Nachruf an Freese. }) . . . 398 8. Benachrichtigung an die uelede, ET Nachrichten: 9. An die Redaction eingegangene Schriften . . 1. 2 2.......8% VI. Heft, No. 114. Aufsätze, Berichte, Briefliches etc.: 25 2. 3. 4. Die Fussbildungen der Vögel. Von Dr. Anton Reichenow. (Hierzu Tafel VI). . . . OL Notiz über Ardeola minuta (Ein); ‚Mon ia Nehrianh "38 458 Jugendkleider und Eier einiger Vögel aus Klein-Asien. Von Dr. EugeneRey ... 459 Nachtrag zu den präitholo gischen Nokizeit ; aus ; Mera an, . Süd- Tir soil Von Leonhard Stejneger. (Siehe Seite 122.) . . . - 462 Ueber die verschiedene Färbung der Eier von Lanzus minor. Von J: Hsckeui lit: ni At RN . 464 Index der systematischen Namen des XIX. Jahrganges, 1871. Dritte Folge, 2-Band .... 0. wear Tafeln des Jahrganges. Probe-Tafeln zum Referat über G. v. Koch „Stellungen der h Vögel“. (Siehe Seite 152.) Probe-Tafel zum Referat über A. Fritsch „Vögel Europas“. (Siehe 8. 158.) Pternistes infuscatus Cab., Ost-Afrika. (Siehe Journ. 1868, S. 413.) Otis maculipennis Cab., Ost-Afrika. (Siehe Journ. 1868, S. 413.) Fussbilduagen der Vögel. (Erklärung siehe S. 458.) JOURNAL für ORNITHOLOGIE. Neunzehnter Jahrgang. N: 109. Januar. 1871. Beiträge zur Ornithologie der Capverdischen Inseln. Von Dr. H. Dohrn, in Stettin. Wenige in verhältnissmässig geringer Entfernung von Europa gelegene und leicht zu erreichende Gegenden sind von den Zoologen so wenig berücksichtigt worden, wie der südlichste Ausläufer der längs der westafrikanischen Küste gelegenen Atlantiden, und man begreift dies erst dann, wenn man sich mit den localen Verhält- _ nissen der Capverdischen Inseln, so weit diese vom Schiffsverkehr berührt werden, vertraut gemacht hat. Denn gerade die unfrucht- barsten und trostlosesten Inseln der Gruppe, die beiden am öst- lichsten gelegenen Salzinseln, auf denen es selbst an dem noth- wendigsten Trinkwasser mangelt, und die kleine, mit einem vor- trefflichen Hafen versehene und durch englische: Industrie zu einer der wichtigsten Dampfschiff-Stationen gemachte, gänzlich jedes Baum- und Strauchwuchses entbehrende Insel San Vincente sind ‘es, welche das von der Vegetation höherer Breitengrade nicht ent- wöhnte Auge des Reisenden meistentheils zu sehen bekommt; daher ist denn auch der Ruf der Inseln übler als sie selbst. Hat man sich einmal zu dem Wagniss entschlossen, die anscheinend unwirth- lichen Küsten der grösseren gebirgigen Inseln zu betreten, so wird man bald entschädigt durch die Mannichfaltigkeit der wunderbarsten Gebirgsformen, deren Zerrissenheit nicht leicht in europäischen Ge- birgsländern übertroffen wird, durch die darin befindlichen schmalen Schluchten, die in der Tiefe von strömenden Bächen durcheilt die mannichfache Abwechselung der tropischen Vegetation zeigen, wäh- rend höher hinauf an den steilen Abhängen, so weit es nicht mensch- | Cab. Journ, f. Ornith, XIX, Jahrg. No. 109. Januar 1871. 1 3 | Dr. H. Dohrn: licher Cultur möglich war sie fruchtbar zu machen, Gräser und niedrige Kräuter folgen, welche ihrerseits erst in einer Höhe von einigen tausend Fuss der mattgraugrünen Euphorbia Tuckeyana Platz machen. Diese bedeckt dann die höchsten Kuppen der Berge überall, wo ihr der felsige Boden ihre Wurzeln anzuklammern ge- stattet, sie ist gewissermassen die Trägerin des gesammten Lebens auf den Inseln, denn mit ihrer dichten immergrünen Belaubung hält sie die Niederschläge der Wolken fest und spendet den vielen Gebirgswässern durch die lange trockene Jahreszeit hindurch fort- während neue Zufuhr, um das Grün der Thäler zu erhalten und zu ernähren. Es kann an dieser Stelle nicht meine Aufgabe sein, mich weit- läufig über die Schönheit und Sehenswürdigkeit der Inseln auszu- lassen, durch die man selbst als verwöhnter Europäer reichlich entschädigt wird für die vielen Strapazen und Entbehrungen, mit denen das Reisen in wenig bevölkerten, mit Schwierigkeit zu durch- wandernden Gebirgsgegenden verbunden ist, und begnüge mich deshalb mit obiger in wenig Worten ausgeführten Skizze des Cha- rakters derselben, zumal ich die Leser dieses Journals auf einen trefflichen Vortrag verweisen kann, den vor einer Reihe von Jahren Herr Dr. Carl Bolle über das gleiche Thema gehalten und dieser Zeitschrift zum Abdruck gegeben hat. *) In dieser Arbeit hat der Verfasser ausser seinen eigenen Be- obachtungen auch das spärliche literarische Material zusammenge- stellt, was über die Vogelkunde bis dahin existirte. Es beschränkt sich das auf drei Werke: 1) Die Reise des Beagle, welche Darwin als Zoolog mitmachte, deren ornithologischer Theil von Gould ausgearbeitet wurde. 2) Zwei portugiesische Werke, die alıgemein von den Capver- dischen Inseln handeln, nämlich a. Lopez de Lima. Ensaios sobre a statistika da provincia de Caboverde; b. Chelmicki. Corografia Caboverdiana. Ich habe diesen drei Autoren noch beizufügen: 1) A. Adams Voyage of the Samarang, worin nur der Geier der Inseln erwähnt wird, und 2) Einen Aufsatz von Keulemans, einem von mir als Präparator auf meiner Reise mitgenommenen jungen Holländer, der, lediglich aus einer Reihe während der Reise gemachter Notizen zusammen- *) Jahrgang 1856. Beiträge zur Ornithologie der Capverdischen Inseln. 3 gesetzt, sowohl in Bestimmung der Arten, als auch in manchen anderen Angaben genügender Zuverlässigkeit entbehrt. Derselbe ‘ist abgedruckt in der Nederlandsch Tijdschrift voor de Dierkunde, Jahrgang 1866. Ich gehe nun zum Verzeichnisse der von mir beobachteten Vögel über: 1. Neophron percnopterus, L. Merkwürdiger Weise habe ich diesen Vogel nur zweimal gesehen; das erste Mal traf ich ihn bei einem langen trostlosen Ritt durch eine stundenlange steinige Wüste auf der Insel S. Nicolau, wo ich Gelegenheit hatte fünf Exemplare auf einem hervorragendem Krater- rande sitzen zu sehen; später sah ich ein einzelnes Exemplar, als ' ich das Plateau nördlich von Porto Praya eines Abends durchritt. Dr. Bolle hat ihn in Schaaren gleich Gänseheerden vielfach ange- troffen, freilich unter günstigeren Verhältnissen für einen Aasvogel. Während der letzten Hungerjahre ist der Viehstand der Inseln auf ein Minimum redueirt worden und damit wohl die Hauptquelle seiner Nahrung versiegt. Ich will gleich constatiren, dass Darwin, der Santhiago ebenfalls nach einem regenlosen Jahre mit Miss- ernte besuchte, den Vogel auch wohl nicht gesehen hat; er würde ihn wenigstens sicher erwähnt haben, wenn sein Auftreten für die Landschaft charakteristisch gewesen wäre‘; dagegen spricht Arthur Adams in der Reise des Saınarang von ihm ähnlich wie Dr. Bolle. Keulemans führt ihn in seinem Verzeichnisse nicht auf. Chelmicki und Lopez de Lima begnügen sich mit der Erwähnung des „Abutre“. 2. Pandion haliaetos, L. Ein von mir mitgebrachtes Exemplar lässt keinen Zweifel über die Species des Capverdischen Seeadlers. Chelmicki nennt ihn ganz richtig und giebt an, dass er in Santhiago „Manoel Lobo“ senannt werde; damit erledigt sich wohl Lopez de Lima’s Notiz über den Manoel Lobo, ohne dass man nach einer andern Adlerart ‚sucht, zumal Angaben, wie die, dass der M. L. grösser als ein Truthahn sei, bei Laien nicht gar zu genau genommen werden dürfen. Adams und Bolle führen diesen Vogel als Hahaetos vocifer auf, letzterer freilich mit einem Fragezeichen. 8. Milvus regalis, Br. Von dieser Art habe ich einige Exemplare von den nördlichen _ Inseln der Gruppe mitgebracht. Das Vorkommen des von Bolle eitirten M. aier bleibt daher noch zweifelhaft. 1* 4 Dr. H. Dohrn: 4. Falco tinnunculus. Unser Thurmfalke ist der gemeinste Raubvogel der Inseln, den man den ganzen Tag über nach kleinen Vögeln und grossen In- secten umherjagen sieht. Fast überall ist er unter dem portugiesi- schen Namen Francelho bekannt; auf San Nicolau heisst er Sabe- linha (Isabelchen) und dazu gehört die Geschichte, wie ein aller- liebstes Mädchen, das immer leichtsinnig und lustig umher getän- zelt, eines guten Tages für sein unkirchliches Gebahren in diesen Vogel verwandelt sei. Also mutatis mutandis, dieselbe Sorte von Märchen, wie wir sie auch an anderen Stellen finden. Dem „Ma- noel Lobo“ liegt jedenfalls eine ähnliche Geschichte zu Grunde. Das Vorkommen von Strix flammea ist wohl ausser allem Zwei- fel; ich habe oft den Eulenschrei gehört, freilich keine zu Gesicht bekommen. Chelmicki führt noch Astur nisus, Bolle Elanus me- lanopterus und andere vermuthungsweise auf, die ich nicht beob- achtet habe. 5. Halcyon rufiventris, SW. Syn? Alcedo semicoerulea, Gm. — Actaeon, Less. — Dacelo ery- throrhynchus, Gd. — Jagoensis, Darw. Ueber die Lebensweise dieses Vogels auf Santhiago ist Bolle’s Bericht erschöpfend, die Brutzeit fällt jedenfalls in den Spätherbst. Im März erlegte junge Vögel haben schwarzbraunen Schnabel, bräunliche Füsse, eine schmutzig weisse Kehle und weisse Flecke an der braunen Unterseite. 6. Calamoherpe brevipennis,n. Sp. Tarsi mediocres scutellati; unguis hallueis validus, curvatus, reliquis major; alae breves apice rotundatae, remigibus primi ordinis decem, prima dimidium secundae, secunda nonam aequante, quarta et quinta longissimis; cauda longiuscula. Supra cinerea, olivascens, subtus albidogrisea, lateribus fuscescens, subcaudalibus albidis, iride brunnea, rostro et pedibus flavocorneis. Ich habe lange geschwankt, ob ich diese ausgezeichnete neue Art zur selbstständigen Gattung erheben sollte, da sie sich durch ihre Schwingenverhältnisse wesentlich von den verwandten unter- scheidet. Ihre Fussbildung ist jedoch, wenn auch nicht ganz so kräftig wie bei unseren Rohrsängern, die von Calamoherpe. Beson- ders erinnert der starke Nagel der Hinterzehe sofort an diese; in der That klettert auch unser Vogel vielfach in den Zuckerpflan- zungen umher, ist aber eben so häufig höher in den Bergen in der Region der Euphorbien zu finden. Im Habitus hat er grosse Aehn- lichkeit mit Ficedula; im Flügelbau steht er ganz isolirt. Ist es Beiträge zur Ornithologie der Capverdischen Inseln. 5 schon beim ersten Blick auffallend, dass die Flügel sehr kurz, mit kaum hervorragender Spitze sind, so zeigt sich die Abweichung im Schwingenverhältniss noch viel deutlicher; die erste Schwinge ist halb so lang als die zweite, diese gleich der neunten, die vierte und fünfte sind die längsten, und zwar die vierte noch etwas länger als die fünfte. In der Färbung ist sie der südeuropäischen Ficedula elaeica, Linderm. sehr ähnlich, doch ist die Oberseite unserer Art dunkler, die Seiten sind viel bräunlicher, der Bürzel ist nicht rost- fahl sondern weiss. Männchen und Weibchen sind nicht verschieden. Die Maasse aus- gewachsener Exemplare sind: ganze Körperlänge 155, ganze Länge des Schwanzes 61, Länge des Schwanzes von der Flügelspitze nach hin- ten 52, Länge des Flügels 63, des Schnabels von der Kieferspalte 22, von der Stirn 13, des Tarsus 28, der Hinterzehe 18 Millimeter. Auf San Nicolau und Santhiago ist die Art nicht selten, scheint aber wohl in San Antao wie in San Vicente zu fehlen. Dies ist der einzige auf den Inseln vorkommende Vogel, der keinen Trivial- namen bei den Einwohnern führt und sich ihrer Aufmerksamkeit entzogen zu haben scheint. 7. Sylvia conspicillata, Marm. Häufig auf den von mir besuchten Inseln der Gruppe, in den Thälern, wie auf den Höhen. Sollte ihr Gesang Dr. Bolle zu der Angabe veranlasst haben, dass Sylvia cinerea dort häufig sei, die ich nicht beobachtet habe? 8. Sylvia atricapilla, L. Ueberall gemein. Im Januar fand ich Nester mit Eiern an Orangenbäumen auf San Antao. 9 Corvus corone,L. Was Bolle von der Neigung dieses Raben erzählt, die Mais- felder zu verwüsten, trifft auf unsere einheimischen Raben und Krähen ebenso zu, wie unsere Landleute wohl wissen, und ich selber erfahren habe; auch bei uns ist es nothwendig, junge Mais- pflanzen gegen ihre Angriffe zu schützen. 10. Alauda einctura, Gld. Diese von Gould als Melancorypha cinctura in der Voyage of the Beagle beschriebene Art habe ich nur auf Santhiago angetroffen, wo sie auf dem Plateau um Porto Praya nicht selten vorkommt. Sie ist synonym mit Alauda pallida, Licht. Keulemans führt sie als Alauda elegans ohne Autornamen an; wie aus einer brieflichen Mittheilung vom Herrn Professor Schlegel in Leiden hervorgeht, 6 Dr. H. Dohrn: soll es Alauda elegans, Brehm sein. Ist diese algierische Art wirk- lich mit der capverdischen identisch, so gebührt doch immer dem Gould’schen Namen die Priorität. Mein Freund Finsch bezweifelt indessen die Identität und vermuthet eine Uebereinstimmung der Brehm’schen Art mit Ammomanes regulus, Bp. Jedenfalls scheint die Art durch ganz Nordafrika sich zu ver- breiten, ebenso die folgende: 11. Pyrrhulauda nigriceps, Gld. Ich theile, was diese Art anbetrifft, die Ansicht Heuglin’s, dass sie mit Alauda frontalis, Licht. identisch ist, und bin nicht einmal abgeneigt, auch Pyrrhulauda crucigera, Rüpp. hierher zu ziehen, da mir die angeblichen Artunterschiede der drei Species nicht ein- leuchten wollen. Ich verweise übrigens auf die gegenstehenden Ansichten von Cabanis und Heuglin (Journal 1868 pag. 218 sq.). Keulemans führt sie auf Schlegel’s Autorität hin unter letzterem Namen auf. Ich habe sie nur in derselben Localität mit der vorigen Art angetroffen, also als echten Steppenvogel. 12%. Passer salicarius, Vieill. Diese wohlbekannte an den Mittelmeerküsten verbreitete Art ist gemein, fehlt aber auf San Antao und San Vicente. 13. Passer jagoensis, Gould. Nach Vergleichung mit Gould’s Abbildung in der Voyage of the Beagle ist kein Zweifel darüber, dass mir die von ihm gemeinte und von Bolle irrthümlich auf ?. salicarius gedeutete Art vorliegt. Durch diesen Irrthum ist Dr. Bolle zu einem zweiten veranlasst worden, dem nämlich, diese Art als neu unter dem Namen P. Hansmanni noch einmal zu beschreiben. Dies geht sowohl aus der Beschreibung hervor, als auch aus den beigefügten Be- merkungen. Er sagt nämlich, dass dieser Sperling in der Grösse und im Allgemeinen unserm Feldsperling ähnelte, sich aber von diesem schon deshalb unterscheide, weil bei ihm das Weibchen nicht gleich dem Männchen sei, sondern ebenso verschieden, wie beim Haussperling. Zudem hat Dr. Bolle ebenso wie ich nur zwei Arten von Sperlingen auf den Capverdischen Inseln beobachtet, und das zerstört den letzten Zweifel an der Identität seiner Art mit der Gould’schen. Nach einer Mittheilung von Herrn Schlegel würde auch Passer erythrophrys, Temm., unter welchem Namen die Art auch von Keulemans angeführt wird, hierher zu ziehen sein, der allerdings äusserst ähnlich sein muss, aber einen gelben Schnabel haben soll, Beiträge zur Ornithologie der Capverdischen Inseln. 7 was bei unserer Art nur bei jungen Exemplaren vorkommt. Jeden- falls würde auch in diesem Falle der Gould’sche Name die Priorität haben. Die Eier, welche ich im Januar erhielt, sind denen unserer Haussperlinge gleich. ZPasser jagoensis ist auf allen Inseln gemein. 14. Estrelda cinerea, Vieill. Wie Herr Keulemans dazu kommt, Zstrelda astrıld als cap- verdische Art anzuführen, ist mir um so weniger klar, als er seit unserm Aufenthalt in Santhiago nicht Gelegenheit Babe hat, ein Exemplar von dort wieder zu sehen, da ich auch dem Leidner Museum keine Doubletten davon abgeben konnte und die Be- stimmung der Art mir selbst an Ort und Stelle keinen Augenblick zweifelhaft war. — Nur in einigen durch Pflanzenwuchs ausge- zeichneten Thälern von Santhiago fand sich dieser niedliche Vogel in kleinen Schaaren. Es ist sehr möglich, dass von jetzt ab sich noch mehrere Arten, E. phoenicotis, subflava, melpoda etc. auf den Inseln finden werden; ich will aber gleich darauf aufmerksam machen, dass sie durch passive Wanderung dorthin gekommen sind. Als ich nämlich im März 1865 in S. Vicente war, kam dorthin ein französischer‘ Vogelhändler von Gorea mit Tausenden dieser Bengalis, um nach Europa weiter zu reisen. Unglücklicker Weise für ihn war aber der Postdampfer an der brasilianischen Küste gescheitert, und während seines wider Willen um mehrere Wochen verlängerten Aufenthalts entkamen ihm Hunderte von Exemplaren, so dass an- zunehmen ist, dass sich wenigstens einige davon vor den Angriffen des Tinnunculus gerettet haben werden, um sich den Verhältnissen der neuen Heimath anzubequemen. 15. Columba livia, L. Diese Taube ist zwar, so weit mir bekannt, nur auf Santhiago beschränkt, aber dort immerhin häufiger als Dr. Bolle angiebt. Sie nistet allerdings am liebsten zwischen Klippen, verschmäht aber keineswegs die von der Küste entfernten, wenn sie nur mög- lichst schwer zugänglich sind. Ich sah ihrer viele im oberen Theile der Ribeira de San Martino ziemlich weit vom Meere, auch kamen sie oft in Porto Praya zu Markte, was nicht für ihre Seltenheit spricht. Keulemans erwähnt diese Art nicht. +16. Numida meleagris, Lin. Ueber das Vorkommen dieser Art auf den Capverdischen Inseln haben Darwin und Bolle so ausführlich berichtet, dass mir nur 8 Dr. H. Dohrn: übrig bleibt, ihre Berichte zu bestätigen. Eine scheinbare Differenz liegt übrigens in ihren Angaben; bei Bolle treten sie blos an den hochgelegenen Stellen der Gebirge auf, bei Darwin in einer Fläche. Beides ist aber richtig. Da sie äusserst scheu sind, so haben sie sich meist hoch in’s Gebirge zurückgezogen, wo sie fast nur von durchreisenden fremden Naturforschern mit ihrer Gegenwart be- lästigt werden, da jedes culturfähige etwas ebenere Stück Landes mit Mais oder Zuckerrohr bepflanzt und demgemäss von den scheuen Vögeln gemieden wird. Auf dem ausgedehnten Plateau um Porto Praya, das durch seine Dürre jeder Cultur Hohn spricht, haben sie dagegen ein ihrer Natur mehr entsprechendes Terrain ge- funden, das sie dann auch in grösserer Anzahl bewohnen, als ich sie irgend sonst angetroffen habe. Gezähmt fand ich sie nur auf San Vicente, woselbst mein ausgezeichneter Freund, der englische Consul Thomas Miüler, eine ganze Schaar bei seinem Land- hause hielt. Ä AT. Coturniz communis, Bonn. Ueber die Wachtel und ihr Vorkommen auf den Capverden ist Bolle’s Bericht nichts beizufügen. Eine sehr vergnügliche Beschreibung giebt W. Winwood Read in seinem Buche „Savage Africa“ von einer Wachteljagd auf San Nicolau. 418. Ardea cinerea, L. scheint sich nur selten auf dem Zuge so weit zu verirren. Ich sah auf San Nicolau ein dort erlegtes übel ausgestopftes Exemplar. 19. Ardea garzetta, L. ist dagegen Standvogel und gemein auf allen Inseln. Ich muss annehmen, dass Dr. Bolle sich geirrt hat, wenn er Ardea fla- virostris als den weissen Reiher der Inseln anführt, da ich nur die viel kleinere A. garzetta gesehen und mitgebracht habe. Ab- gesehen von dieser Namensveränderung ist Bolle’s Bericht correct und ausführlich, wie gewöhnlich. +20. Phaeton aethereus, L. habe ich einige Male auf Santhiago fliegen sehen, bin seiner aber nicht habhaft geworden. Keulemans führt ihn als A candidus an. +21. Dysporus sula. Sonderbarer Weise scheint dieser in Westafrika ganz gemeine Vogel seit Linne, der ihn ausdrücklich als im afrikanischen Ocean lebend anführt, gar nicht mehr als solcher berücksichtigt worden zu sein, da ich seiner nirgend Erwähnung finde. Und doch sind Beiträge zur Ornithologie der Capverdischen Inseln. g alle Klippen der Capverden, ja-ich möchte behaupten alle Klippen "Westafrikas von ihm bevölkert, und weithin ist ihre Anwesenheit sehr deutlich gekennzeichnet durch die weissen Streifen und Flecke ihrer Guano-Ablagerungen. Er ist von ausserordentlicher Trägheit und Dummheit, und man kann, wo ihrer eine Schaar unbeweglich auf den Felsen sitzt, mehrere hintereinander fortschiessen, ehe die übrigen in Erkenntniss der Gefahr sich auf die Flucht begeben und langsam niedrigen Fluges das Weite suchen. Nach den Mit- theilungen von Dr. Bolle über den Fregattvogel möchte ich fast vermuthen, dass er unsere Art dabei im Sinn gehabt habe. Ich will indess keineswegs in Abrede stellen, dass nicht auch Tachy - petes aguila an den Inseln vorkommt, wenngleich ich keinen Belag dafür vor mir habe. Bei den Nestjungen unserer Art im Daunenkleide ist der ganze Körper, mit Ausnahme der schwarz- braunen Flügel und des gleichgefärbten Schwanzes, weiss. Ausser diesen von mir beobachteten Arten und den wenigen schon aus Bolle’s Aufsatz erwähnten bleiben zur u ee der Fauna noch folgende nachzutragen: 1. Cypselus apus bei Keulemans = C. unicolor (Bolle). +2. Numenius phaeopus — von Keulemans im Fluge beobachtet. 3. Tringa spec. Keulemans Bericht beruht auf einem un- möglich zu bestimmenden Nestjungen aus dieser Familie. 4. Grus pavonina. Wird von Keulemans wohl aus einem Missverständniss eitirt. Sie ist in Chelmicki’s Buch abgebildet, es umfasst aber die Corographia Oaboverdiana zugleich die Portugiesi- schen Besitzungen Bissao etc., und der Autor erwähnt‘ den Vogel nur von dort. 5. Phoenicopterus antiquorum. Das Vorkommen des Flamingo auf den drei östlichen Inseln ist unzweifelhaft, und er fehlt in meinem Verzeichnisse nur, weil ich selbst ihn leider nicht aufsuchen konnte. Ausser diesen finden sich noch mehrere Seevögel als be- ständige Bewohner der Inseln; Zugvögel werden bei längeren Beobachtungen wohl noch in Menge zu constatiren sein. End- lich sind noch als Hausthiere zu erwähnen: das gemeine Huhn, der Puter und die Moschusente, so dass man vielleicht bis auf 50 Arten das Verzeichniss erweitern mag. Besonders verlockend ist das nun freilich nicht, und speciell für ornithologische Studien wird sich wohl nicht leicht Jemand durch die bisherigen Resultate 10 M. Th. von Heuslin: verführen lassen, auf die Capverdischen Inseln zu gehen. Sollte jedoch ein Ornithologe aus andern Gründen einmal dorthin ver- schlagen werden, so wäre eine etwas genauere Durchforschung der Inseln Maio und Santhiago, welche die meisten afrikanischen Formen in Thier- und Pflanzenwelt darbieten, besonders erwünscht. Auch auf Boavista mag noch auf den grossen Sandflächen sich ein vereinzelter Wüstenbewohner finden, der den bergigen Inseln im Westen fehlt. Briefliches über eine Reise im europäischen Norden. Von M. Th. von Heuglin, An den Herausgeber, ER Sie werden wohl meine flüchtigen Zeilen, die ich zur Orni- thologen-Versammlung nach Görlitz adressirte, richtig erhalten haben, mit welchen ich Sie von meinem Plan, mit einem Lands- mann, dem Grafen von Waldburg-Zeil-Trauchburg, nach dem Polar- meer zu steuern, zu unterrichten mir erlaubte. Die Ausführung des Unternehmens wurde so eilig bewerkstellist, dass mir kaum Zeit blieb, mich nur nothdürftig vorzubereiten. Am 3./4. Juni schifften wir uns in Hamburg ein und zwar auf einem norwegischen Postdampfer, der uns längs der Küste bis Tromsö führte, wo wir am 19. d. M. landeten. Die rasche Fahrt mit nur kurzem Aufent- halt in Christianssand, Stavanger, Bergen, Throndhjem und auf den Lofoten bot allerdings wenig Gelegenheit zu ornithologischen Beobachtungen, doch werde ich Ihnen kurz melden, was mir bisher aufgestossen ist. Im nördlichen Norwegen nordwärts bis Bergen: Oorvus coraz, corniz, pica und eine vierte Art (wohl C. frugilegus) bemerkt. Sturnus vulgarıs überall häufig. Passer domesticus; Fringilla coelebs; Em- beriza citrinella; Saswicola oenanthe; Muscicapa grisola; Turdus pilaris in Gärten, immer paarweise. — Ürex pratensis; Cypselus_ apus; Hirundo rustica; Cotyle riparia. — Somateria mollissima; Uria troüle; Alca torda; Larus fuscus, canus und argentatus; Sterna macroura. Nördlich von Bergen bis zu den Lofoten bemerkte ich: Aaliaetos albieilla; Falco aesalon; Cinclus aquaticus var.; Carbo; Lestris; Anser segetum; Anas tadorna, A. nigra; äusserst zahlreich Eiderenten, Alken und Lummen, auch die schon genannten Möven und Seeschwalben; Briefliches über eine Reise im europäischen Norden. 11 Numenius arquata; Hlaematopus; Colymbus septentrionalis. Das nor- wegische Schneehuhn (Tetrao subalpinus) sehr häufig, auf vielen Inseln in Birkengebüsch, oft ganz nahe an der See. Hier in Tromsö (69° 39° N. Br.) hatte ich einige Muse, die Insel selbst und einen kleinen Theil des benachbarten Festlandes zu durchstreifen. Corvus pica ist hier noch ziemlich häufig und hat sich dem Menschen mehr angeschlossen, als sonst; lebt in Gärten und auf Häusern. Corvus corax sehr häufig, wahrscheinlich aber nicht auf der Insel Tromsö nistend, da hier weder Hochbäume noch Felsen; einmal konnte ich 12 Stück beisammen sehen, die während der Zeit der Ebbe die ausgeworfenen Algen am Strand durchsuchten. Der Kolkrabe frisst auch See-Igel, die er auf Klippen trägt, vielleicht um sie dort zu zerschlagen. Die Nebelkrähe ebenfalls hier bemerkt. In Gärten, namentlich aber im Buschwald von Birken und Weiden, lebt hier Turdus ikacus und sehr häufig Turdus pdaris, beide Arten immer paarweise. Die && der Wachholderdrossel lärmen und streiten viel; der Gesang ist wenig angenehm, der Lockton dem von T. viscivorus ähnlich, aber weniger hölzern klingend. Nähert man sich den Brutplätzen, so flattern die Alten, ängstlich zirpend und rätschend, hin und her, stossen auch auf Katzen und lassen dann noch zuweilen einen andern Ruf hören, der wie „tai‘ klingt. Ich fand die Nester auf Dachsparren der Landhäuser und auf Birken, hier in einer Gabel hart am Stamme und zwischen > und 25 Fuss über der Erde. Die Unterlage ist gebildet von schmutzigem, dürrem Gras mit einigen Reisern von Haide und Heidelbeer, dann folgt ein schwerer Kleister von Erde und Kuh- dünger, in den einige Grashalme eingebunden sind, in der tiefen Nesthöhle feineres, trocknes Gras. Höhe des Nestes 4—5’'; Durch- messer 5—6°; Durchmesser der Nesthöhle 4”; Tiefe 21/,—3". 5—6 Eier oder Junge. Im Magen der Alten kleine Landmuscheln oder Käfer. Phyllopseuste trochilus in Tromsö nicht gerade selten. Am 235. Juni ein Nest am oberen Rand eines Walles von Torf und Rasen- stücken in kleiner Höhlung in der Erde, das durch einige Saal- weidenzweige etwas verdeckt war. Der Bau sehr locker und gross; Unterlage weniges Moos, dann feinere Grashalme, Nest- höhle mit Federn von Tetrao subalpinus ausgefüttert. Tiefe des Nestraums 2° 1’. Darin 2 unbebrütete Eier. Sonst nur wenige Singvögel hier, als Sazicola oenanthe, Motacilla alba und Mot. flava, 12 M. Th. von Heuglin: ein Anthus (wohl pratensis, doch scheint er etwas von der deutschen Form abzuweichen), Cyanecula suecica. Der gewöhnlichste Sänger der Insel ist Calamoherpe phragmitis, überall auf feuchten, morastigen Wiesen, in Birken- und Weidengebüsch. Das & steigt oft rasch und fast senkrecht in die Höhe, und fällt dann singend, mit etwas ausgebreitetem und aufwärts gerichtetem Schwanz, langsam und schräg herab; auch auf Gipfeln von höheren Birken und zuweilen ganz niedrig, nah an der Erde singend; niemals auf Grashalmen gesehen. Fringila coelebs gehört, doch nicht mit aller Sicherheit unter- schieden. Fringilla linaria brütet im Juni auf Birkenbüschen. Nest 5—16' hoch, hart am Stamm in Astgabeln, im Ganzen leicht gebaut, klein, rund, tief. Die Unterlage besteht aus Samen von Wollgras und grauen, seidenglänzenden Halmen, und dann folgt ein wenig compactes Gefüge von feinen, dürren Reisern aus Heidelbeer und Weiden, dazwischen Federn von Schneehühnern, seltener Grashalme; die Nesthöhle mit Schneehühnerfedern aus- gepolstert. Ganzer Durchmesser des Nestes 4”; Nestraum 1° 10° Durchmesser und 1?/,‘° Tiefe. Auch das & brütet und sitzt sehr fest. Wird der Vogel aufgescheucht, so flattert er immer langsam und schräg zur Erde, wo er auf 20—80 Schritt Entfernung ein- fällt. 5—6 Eier, die gegen Ende Juni alle bebrütet. Ausserdem erwähne ich noch als hier vorkommend: Cuculus canorus; Hürundo rustica (selten); Strie brachyotus. Tetrao subalpinus ist hier gemein. Lebt jetzt nur paarweise und hat bereits Junge. Vorzüglich im Buschwald, hier zwischen Steinen, Haide, Heidelbeerbüschen. Die 22 drücken sich oft und lassen sich dann auf wenige Schritte nahe kommen, während sich der stattliche Hahn gerne abstiehlt oder bald scheltend aufgeht. Numenius (wohl phaeopus); Charadrius auratus auf Wiesen, im Buschwald; Aegialitis hiaticula ; Totanus calidris brütet auf sumpfigen Wiesen mit Zwergbirken. Zwei andere Strandläufer, wahrscheinlich Tringa maritima und Totanus hypoleucos, gesehen, aber nicht erlegt. Nach Versicherung eines Jägers soll die Waldschnepfe zuweilen im August auch hier vorkommen. | Von Wasservögeln beobachteten wir die schon oben angeführten Arten. Ausnehmend häufig sind Anas nigra und A. mollissima, die bekanntlich zur Brutzeit fast zu Hausthieren werden, namentlich die Eiderente. Diese brütet aber nicht nur in künstlichen Brut- Briefliches über eine Reise im europäischen Norden. 13 gängen, Stallungen, unter Mauern, sondern selbst in den Wohnungen der Landleute. Ein Nest fanden wir übrigens auch auf: einer feuchten Wiese unter diehtem Saalweidengestrüpp. Das 2 brütete und liess sich berühren, ehe es niedrig flatternd aufging. Dieses Nest hatte keine eigentliche Unterlage und bestand fast ausschliesslich aus sehr feinen, wolligen, bräunlichen Dunen, die ziemlich fest, fast filzartig aneinander hafteten, und in denen die Eier wie in einer Pelzmütze ganz eingehüllt lagen. Gegen Ende Juni begegnet man schon den Alten mit den Jungen, die ganz braunschwärzlichen Flaum zu haben scheinen, im Meer herumschwimmend. Die 8 schaaren sich während der Brütezeit oft zu 20 und 30 und mehr zusammen, selten bemerkt man unter solchen Flügen ein 9. Colymbus septentrionalis, 6—8 Paare auf einem Süsswassersee in Tromsö. & und 2 halten treu zusammen; streichen auch zur Abendzeit paarweise hoch über dem Meer hin und fliegen sehr gut und ausdauernd. Selten sah ich sie tauchen. Ihr Geschrei ist gänseartig: gagagera, gag-gag, gagagerau. Das Nest steht auf halb schwimmenden Torfinselchen, ist klein, ziemlich tief, ohne alle Unterlage von Neststoffen. Am 23. Juni 2 unbebrütete Eier. Noch muss ich bemerken, dass es mir aufgefallen ist, dass die meisten hiesigen Vögel während des Hochsommers, wo die Sonne nicht untergeht, zu jeder Tageszeit gleich munter sind und singen und ihrer Nahrung nachgehen. Nur sSierna arctica schaart sich spät Abends zu gemeinschaftlicher Nachtruhe auf Felsen zusammen; auch Alken und Lummen streichen nach Mitternacht weniger häufig auf der See herum, als Abends. Dagegen sind Möven, Raubmöven und Cormorane, ebenso die Entenarten immer thätig und in Bewegung, ebenso die Singvögel. Morgen werden wir uns auf einem eigens gechaterten kleinen Schoner hier einschiffen, zunächst um Spitzbergen und zwar womög- lich die östlichen Theile zu besuchen; auch hoffe ich noch ein paar Vogelholme der finischen Nordküste sehen und auf die Bären-Insel anlaufen zu können. Unsere wissenschattliche Thätiekeit soll eigent- lich erst jetzt ihren Anfang nehmen, und ich werde nicht er- mangeln, Ihnen seiner Zeit Bericht hierüber zu erstatten...... Tromsö (Finmarken), 30. Juni 1870. 14 Dr. Karl Russ: Zur Charakteristik einiger fremdländischen Finken. Von Dr. Karl Russ. Die Vogelliebhaberei in Deutschland hat sich in neuerer Zeit bekanntlich den fremdländischen Vögeln vorzugsweise zugewandt, welche man wohl am zutreffendsten als die Gemeinschaft der Schmuck- oder Prachtfinken (Amadinae) bezeichnet. Die hierher gehörenden Vögel verdienen diese Bevorzugung auch in der That, und es ist hier wohl am wenigsten nothwendig, auf ihre Vorzüge einzugehen. | Neben den Amadinen aber gelangen auch noch andere Finken- vögel in den Handel, welche der Berücksichtisung ebenfalls werth sind und dieselbe auch zum Theil bereits in nicht geringem Maasse finden. Einige von ihnen sind bis jetzt erst selten bei uns zu ha- ben, andere gehören schon zu den regelmässigen Erscheinungen des Vogelmarktes. Unter den letzteren ist es namentlich der graue Edelfink, von Reichenbach Sängerschuppenfink (Pholidocoma) genannt und von Vieillot mit der wohlverdienten Bezeichnung „musica“ belegt, welcher in letzterer Zeit die ihm gebührende Anerkennung auch bei den deutschen Vogelfreunden gefunden, während er bis vor wenigen Jahren noch so unbekannt war, dass er nicht selten als Weibchen des Atlasvogels verkauft wurde. Gerade dieser Vogel zeichnet sich durch so zahlreiche rühmliche Eigenschaften aus, dass er der im- mer zunehmenden Beachtung unter den Liebhabern ohne Frage werth ist. Er gehört zu den besten und fleissigsten Sängern unter den Finkenvögeln; sobald er von der Reise sich erholt und sein volles Gefieder erlangt hat, ist er nicht weichlicher als andere afri- kanische Vögel; schliesslich erfreut er die Liebhaber durch den Vorzug einer ganz auffallend leichten Züchtbarkeit — Vorzüge ge- nug, um ihn den Vogelfreunden sehr werthvoll erscheinen zu lassen. Dieser Fink kommt bekanntlich immer nur von Zeit zu Zeit in beträchtlicher Anzahl in den Handel. Der erste, welchen ich er- hielt, wurde mir eben als Weibchen eines Atlasvogels verkauft, und als ich mir darauf aus Paris einige Pärchen dieser Chanteurs d’Afrique mitbrachte, bemerkte ich erst ganz zufällig den herrlichen Gesang, und hatte auch die Freude, sehr bald mehrere glückliche Bruten erstehen zu sehen. Ueber den Verlauf des Nistens dieses Vogels brauche ich hier nichts mehr hinzuzufügen, da ich bereits Zur Charakteristik einiger fremdländischen Finken. 15 früher Nest und Eier ausführlich beschrieben und darüber Angaben gemacht, welche von Herrn von Heuglin in seinem vortrefflichen Werke „Ornithologie Nordost-Afrikas“*) aufgenommen sind. Da- gegen beabsichtige ich hier die Aufmerksamkeit noch auf einige andere nahe verwandte Vögel zu lenken. Die Gemeinschaft der Schmuckfinken oder Amadinen ist von allen übrigen Finkenvögeln durch so auffallende charakteristische Merkmale unterschieden, dass zweifellos kein tüchtiger Ornithologe jemals eine Verwechselung beider sich zu schulden kommen lassen und z. B. den grauen Edelfink zu den Prachtfinken zählen wird; schon die Eigenthümlichkeit, dass sie sämmtlich reinweisse Eier legen und überwölbte kugelrunde Nester, mit sehr engen seitlichen Schlupflöchern bauen, so wie dass die Gatten eines Pärchens sich in absonderlicher Weise, mit den Schnäbeln berührend, küssen und nicht einander aus den Kröpfen füttern, sind für den Liebhaber, geschweige denn für den Kenner Unterscheidungszeichen genug. Die Gruppe der Finken, zu welchen der graue Edelfink gehört, ist im Vogelhandel dagegen erst mit wenigen Arten vertreten. Unter diesen die häufigste ist der Hartlaubszeisig, wel- chen Heuglin, sowie Hartlaub und Finsch (im IV. Bande des v. d. Decken’schen Reisewerkes) als Crithagra butyracea, Dr. Bolle dagegen als C. Hartlaubii benannt und beschrieben haben. Er ist im Vogelhandel als Hartlaubs- oder Mozambique-Zeisig allgemein be- kannt und erfreut sich in manchen Gegenden, z. B. in Leipzig, srosser Beliebtheit. In meiner Vogelstube nistete ein Pärchen mehrmals ohne alle Schwierigkeit. Nest und Eier habe ich hier bereits ebenfalls ausführlich beschrieben. Bemerkenswerth dürfte es aber sein, dass ein Pärchen, welches ich drei Jahre besessen, jetzt noch im vierten Jahre bei Herrn von Bomsdorf in Berlin wieder ein Nest voller flügger Jungen hat, nachdem es bei mir in jedem vorherigen Jahre schon regelmässig drei Bruten aufgezogen. ‚ Dem vorigen sehr nahe verwandt, im Gefieder ähnlich, jedoch bedeutend grösser ist ein Vogel, welcher nur selten von Zeit zu Zeit in den deutschen Vogelhandel kommt. Es ist der Fink, wel- chen Bolle als ©. butyracea besprochen hat. Mehrere Pärchen habe ich Jahre lang beobachten können. Es ist zunächst ein ganz vor- züglicher Sänger, welcher, wenn auch nicht an Kraft und Volllaut der Stimme, so doch an Melodie dem grauen Edelfink keineswegs nachsteht. Auch zeigt er ein sehr ruhiges zutrauliches Wesen und *) Bei Th. Fischer, in Cassel erschienen. 16 Dr. Karl Russ: würde, falls er öfter in den Vogelhandel gelangte, die Beachtung der Liebhaber ebenfalls verdienen. Zu meiner grossen Freude kann ich das Brutgeschäft dieses Vogels ganz genau beschreiben. Ein Pärchen, welches im ersten Jahre gar keine Anstalt zur Brut gemacht hatte, auch niemals verträglich gelebt, so dass das Weibchen von dem Männchen vielmehr immer verfolgt wurde, zeigte im Januar des zweiten Jahres fast plötzlich eine Annäherung, in- dem das Männchen jetzt begann, das Weibchen aus dem Kropfe zu füttern. Bald wählten sie ein dichtes Gesträuch, welches auf dem Ofen stand, und ich sah sie in der Weise des Buchfinken mit dem Nestbau beschäftigt, indem das Weibchen das Nestmaterial suchte, herbeitrug und das Nest auch formte, jedoch beim Hin- und Her- fliegen vom Männchen immer auf das zärtlichste begleitet wurde. Da mir Alles daran gelegen war, die erste Brut glücklich flügge werden zu sehen, so störte ich die Vögel möglichst wenig. Auch verhinderte mich der dichte Busch, in welchem das Nest etwa vier Zoll hoch über dem Boden stand, genau zu sehen. Die Brutdauer währte 15 Tage. Sobald ich jedoch Junge bemerkte, bahnte ich mir mit aller Vorsicht eine Oeffnung durch das Gebüsch, um nahe heranzugelangen, und zu meiner grossen Freude liessen sich die Vögel auch gar nicht weiter beirren, sondern erzogen die Jungen mit bestem Erfolge, indem aus den fünf Eiern nur drei Junge er- brütet, aber sämmtlich flügge wurden. Bis hierher konnte ich also wohl die Entwickelung der Jungen beschreiben, ohne jedoch die Farbe und Grösse der Eier genau zu wissen. Das Nest war auf einer Grundlage von getrockneter Vogelmiere, kleinen Reisern, Baumwoll- und anderen Fäden, Fasern und Haaren, Kokosfasern aufgeschichtet und innen mit Fäden, Baumwollflöckchen, Heede und Bast kunstlos gerundet. Die Jungen zeigen einen bläulichen Flaum und sind beim Verlassen des Nestes der Mutter fast völlig gleich, schlicht dunkelgrünlichgrau gefärbt, jedoch etwas heller und matter. Als ich dann, durch die Krankheit meiner Frau, zu einer mo- natelangen Abwesenheit von Berlin gezwungen, alle meine Vögel abschaffen musste und auch diese gelbstirnigen Finken an Herrn Hendschel nach Dortmund verkauite, nisteten sie bereits wieder zum zweiten Male, ich konnte jedoch, zu meinem grossen Bedauern, die Beendigung dieser Brut nicht mehr abwarten. Diesmal stand das Nest in einem Gebüsch von Strandhafer und enthielt vier Eier, welche ich jetzt vor mir habe und beschreiben kann. Dieselben Zur Charakteristik einiger fremdländischen Finken. 17 sind weisslich-blaugrün, am spitzen Ende sparsam, am dicken reich- lich mit dunkelbraunen Punkten ünd hellbraunen Flecken und ' Strichelehen gezeichnet. Die drei Jungen erhielt von mir Herr Schuster in Löwenberg und ich hoffe über sie späterhin noch Nä- heres angeben zu können. Der Stammvater des Kanarienvogels (Sycalis cana- riensis), welcher sodann zu diesen Finken gehört und den Herr Dr. Bolle so interessant beschrieben hat, dürfte unter den fremd- ländischen Stubenvögeln wohl kaum mitgezählt werden dürfen; desto häufiger, wenn auch nicht allgemein geschätzt, ist der Sa- franfıink (Sycalis brasikiensis), von den Händlern brasilianischer Kanarienvögel oder mit seiner französischen Bezeichnung Bouton d’or genannt. Herr Leuckfeldt in Nordhausen wird jedenfalls der Erste sein, welcher diesen Fink in der Gefangenschaft gezüchtet; ein Pärchen brachte bei ihm in einem Jahre dreiundzwanzig flügge Junge auf. In meiner Vogelstube hat ein Paar zwei Jahre hinter- einander ebenfalls sehr gut genistet, doch sind sie üble Gäste, weil sie durch ihre stürmische Lebhaftigkeit andere Vögel stören und namentlich die Verwandten nicht zur Brut kommen lassen. Ein sehr interessanter Vogel, den man aber seiner Seltenheit ' wegen wiederum kaum als Stubenvogel mitzählen darf, ist der graue, weisskehlige Girlitz (Crithagra albigularıs sive Selbyi); ein Pärchen, welches ich von Hagenbeck erhielt und längere Zeit besass, erfreute mich durch einen sehr angenehmen melodienreichen Gesang, welchen das Männchen namentlich in stiller Mitternacht häufig erschallen liess. Auch nisteten sie und erbauten in einem an einer Seite offenen Harzer-Bauerchen aus Wurzeln und Fasern eine flache Mulde, welche namentlich mit Pferdehaaren ausgerundet war. Beide trugen gemeinsam das Nistmaterial herbei, während jedoch das Weibchen allein das Nest formte. Drei blaugrüne, am dicken Ende bräunlich getüpfelte Eier bildeten das Gelege, doch wurden dieselben vom Männchen vor dem Erbrüten aus dem Neste geworfen. Herr Graf Roeder in Breslau erhielt sie von mir, und ich hoffe späterhin noch Weiteres über sie mittheilen zu können. Kaum minder selten kommt der Winterfink (Niphaea hiemalis) aus Nordamerika in den Handel. Auch von ihm erhielt ich ein Pärchen durch Hagenbeck, welches sich zwei Jahre hindurch in meiner Vogelstube sehr gut erhalten hat, auch mehrmals nistete und im dichten Gebüsch aus Grasrispen, Papierstreifen und Baum- wollfäden ein sehr kleines, mit Pferdehaaren ausgerundetes Nest Cab. Journ, f. Ornith. XIX, Jahrg. No. 109. Januar 1871. 2 18 | Dr. Karl Russ: erbaute. Die Winterfinken brachten jedoch keine einzige Brut glück- lich auf, weil sie zu lebhaft sind und bei der geringsten Beunruhi- gung durch andere Vögel immer die Eier verlassen oder die Jungen vernachlässigen. Die drei bis vier Eier des Geleges sind graulich- ) weiss, rothbraun getüpfelt. Als Stubenvogel bietet er kein beson- | deres Interesse, weil er bei anspruchsloser Färbung auch nur einen leisen unbedeutenden Gesang hat. | Ungleich schöner ist ein anderer Nordamerikaner, der Pur- purfink (Carpodacus purpureus), welcher leider ebenfalls nur sehr selten in den Vogelhandel gelangt. Ein Pärchen, welches ich wiederum von Hagenbeck erhielt, dauerte mehrere Jahre in der Vogelstube gut aus, nur verlor das Männchen nach der ersten Mauser sein schönes Roth; das Gefieder wurde gelblich-, an Kopf und Hals goldgelb-grau, zeigte jedoch hier und da eine lebhaft rosenrothe Feder. Auch diese Vögel dürften unschwer zur Brut gelangen. Dies schliesse ich daraus, dass das Weibchen, nachdem das Männchen durch den Biss eines Papageien einen Fuss verlo- ren, allein ein sehr grosses Nest erbaute und die Annäherung eines Karmingimpels duldete. Zur Brut kam es jedoch nicht. | Leider kommen viele nordamerikanische Vögel so sehr selten in den deutschen Vogelhandel, dass es recht schwer, oft jahrelang geradezu unmöglich hält, sie wieder zu bekommen, wenn man sie durch Zufall einmal erhalten und dann verloren hat. Dies ist auch mit dem Weibchen der beiden im Vogelhandel gar nicht seltenen Zierfinken der Fall; vom Papstfink (Spiza ceiris) sind wenigstens hin und wieder Weibchen zu haben, während ich vom Indigovogel (Spiza cyanea) noch niemals ein Weibchen erlangen konnte. Ein Pärchen Papstfinken (jener prachtvolle Fink, welcher mit Recht „Nonpareil“ oder Unvergleichlicher genannt wird) nistete in meiner Vogelstube sowohl freifliegend als auch im Käfige unge- mein leicht. Mit dem Beginn der Brut wurden diese sonst ver- träglichen Vögel ausserordentlich aufgeregt und böse gegen andere. Das Weibchen erbaut das Nest allein, legt drei bis fünf bläulich- weisse, braun und violet bespritzte Eier, an deren dickerem Ende die farbigen Pünktchen einen Kranz bilden, und erbrütet allein in dreizehn Tagen die Jungen. Während der Brut bewacht das Männ- chen das Nest, treibt jeden Vogel aus der Nähe fort, füttert. das Weibchen zuweilen, dann aber mit ihm zusammen auch sehr eifrig die Jungen. Das Nest besteht in einer Unterlage von weichen Papierstreifen, Hälmchen und Bastfasern, auf welcher aus Moos, Zur Charakteristik einiger fremdländischen Finken. 19 _ Baumwollfälen und Pferdehaaren eine flache Mulde geformt ist. Die Jungen haben bläulichen Flaum und gleichen beim Verlassen des Nestes dem alten Weibchen, nur sind sie düsterer und unbe- stimmter in dem Gelbgrün. Sie verfärben sich in der ersten Mauser ' (wodurch sich diese Finken von den Schmuckfinken ebenfalls ganz bedeutend unterscheiden, welche bekanntlich nicht durch Feder- ' sondern durch Farbenwechsel ihr Prachtkleid erlangen). Da der Papstfink auch als angenehmer Sänger sehr geschätzt ist, so bleibt es um so mehr zu bedauern, dass sein buntes Federkleid in der Gefangenschaft ebenfalls nach der ersten Mauser verbleicht, indem das Blau und Roth in unscheinbares Grüngelb übergeht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Papstfinken, welche in der Vogel- 'stube frei umher flogen und den Einfluss der directen Sonnen- strahlen geniessen konnten, nach jeder Mauser die lebhaften Far- ben zurückerhielten; ob dies auch in einem dem Sonnenschein zu- "gänglichen engen Käfige der Fall sein wird, habe ich noch nicht beobachtet. Zu den nur zuweilen in grösserer Anzahl in den Vogelhandel gelangenden amerikanischen Finken gehört der amerikanische Stieglitz oder Golddistelfink (Astragalinus tristis). Wäh- ‚rend ich im Laufe der Zeit zahlreiche Pärchen angeschafit, ist es mir doch nicht gelungen, ein einziges derselben längere Zeit in der "Vogelstube am Leben zu erhalten. Auch mehrere meiner Bekannten, unter denen sehr tüchtige Vogelzüchter, theilten mir dieselben Er- fahrungen mit. Dagegen sah ich, dass ein Pärchen in einem Käfige im Freien geraume Zeit hindurch sich vortrefflich erhielt; ich ‚glaube daher, dass man diesen Vogel niemals in einer geheizten Stube ausdauern sehen wird. Weiter reichen meine Erfahrungen über ihn nicht. Dagegen vermag ich sehr Interessantes über den kleinen Kubafink oder Gelbkragen (Euethia canora) zu berichten. Dies reizende Vögelchen kommt wiederum nur sehr selten unter dem Namen Chanteur de Cuba in den Vogelhandel und hat eine unge- meine Aehnlichkeit mit den kleinen Astrilden, welche sonst bekannt- lich in Amerika gar nicht vertreten sind. Ich beziehe diese Aehn- lichkeit nicht allein auf seine Kleinheit und Gestalt, sondern auch auf sein lebendiges Wesen und seine anmuthige Beweglichkeit. Als diese Vögel nun auch frei in’s Gebüsch ein kugelrundes Nest bauten, in welchem das erste Gelege aus fünf rein weissen, kaum in’s Bläuliche schimmernden Eiern bestand, neigte ich mich bereits zu 20 H. Goebel: der Annahme, dass dieser Vogel ein Vertreter der Schmuckfinken | in Amerika sein könne. Allein weitere Beobachtungen zeigten doch ganz gewichtige Unterscheidungsmerkmale. So ähnlich die Zärtlich- keitsbezeigungen des Pärchens denen der Amadinen auch sind, ihr | Schnäbeln ist doch vielmehr das bei den hierher gehörigen Finken | übliche Füttern aus dem Kropfe. Ferner ist das Nest ein aus den feinsten Fasern von Pflanzenseide, Pflanzenwolle und Haaren kunst- | voll gefilzter Beutel, mit einer schief nach unten gehenden Ein- gangsröhre. Auch zeigten sich die Eier der zweiten und dritten Brut dunkler bläulich und sehr fein rothbraun besprizt; beim ersten Mal hatte es daher jedenfalls an einem Farbstoff gefehlt. Beide Gatten des Pärchens erbauen das Nest gemeinsam, brüten auch zu- gleich, indem sie sich fortwährend bei einander halten. Brut- dauer elf Tage. Der Flaum der Jungen ist weisslich-grau; im Jugendkleide beim Verlassen des Nestes sind die Jungen einfarbig olivengrünlich-grau und lassen, weder das Schwarz der Brust und des Gesichts, noch das Gelb des Halskragens wahrnehmen. Die Verfärbung, wobei das Gelb und Schwarz erscheint, geschieht, mit der aller dieser Finken übereinstimmend, in der ersten Mauser. Eine Reise von Petersburg nach Archangelsk über Twer, Jaroslaw, Wologda und Ustjug vom 8. Mai bis 1. Juni 1864. *) Von Forstmeister H. Goebel. Wenn ein Bewohner Süd- und Mitteleuropas, der nicht Natur- forscher ist, an den hohen Norden unseres Erdtheils denkt, so überläuft ihn am wärmsten Sommertage ein gelindes Frösteln; er sieht im Geiste Eisbären auf den schnee- und eisbedeekten Ge- filden sich tummeln, er erblickt Rennthierheerden, von hässlichen Samojedenzwergen gehütet, sich ihr Futter mühsam unter dem Schnee hervorscharren, vielleicht glaubt er auch in das Gesicht eines erstarrten Reisenden zu sehen, und was dergleichen mehr für den Norden schmeichelhafte Bilder dem Bewohner glücklicherer Zonen vorschweben mögen. — Es ist wahr, der Norden Europas, , und vorzüglich der russische Theil desselben, ist eine unwirthliche,, menschenleere Gegend, in der Wald mit Tundra und reinem) Sumpfe abwechseln, doch ist er zugleich auch ein Paradies, wenn) *%) Datum nach neuem Styl. Eine Reise von Petersburg nach Archangelsk. 21 auch nur für drei Klassen der Gattung Homo, für den speculirenden Kaufmann, den Jäger und den Naturforscher. Diesen Norden kennen zu lernen war mein innigster Wunsch, und als ich in's Gouvernement Archangelsk als Taxator commandirt ‚wurde, fühlte ich natürlich die grösste Freude darüber. An einem für Petersburg schönen Apriltage wurde ich mit etwa 50 anderen jungen Forstofficieren, die nur eben die Praktikantenjahre absolvirt ‚hatten, dem Domaineminister vorgestellt, uns die Ordres in die verschiedenen Gouvernements ausgetheilt, und bald stoben wir auseinander, nach Nord und Süd, Ost und West unseres ungeheuren Vaterlandes. — Wohl neidisch blickte Mancher, der in die nörd- lichen Gouvernements commandirt war, dem gen Süden eilenden Kameraden nach, und besonders wit sieben, die die Ordre „Gouver- nement Archangelsk‘ hatten, wurden wohl am wenigsten beneidet, und Manche konnten meinen und meines Freundes Schmemann ‘ Gleichmuth nicht begreifen, mit dem wir in die nordischen Sümpfe zogen. — Doch ihm als Botaniker winkte Zinnaea borealis etec., während ich mich schen unter Schaaren Eiderenten, Lummen etc. 'träumte. Da ich beschlossen hatte, dem Frühlingszuge folgend zu reisen, so fuhren wir Beide denn auch in südlicher Richtung mit ‘der Eisenbahn bis Twer, wo wir uns einschifften und den schönen Wolgastrom hinabdampften. Kaum hatten wir die Stadt im Rücken, als auch der Fluss sich mit Entenvögeln zu beleben begann. — In kleineren und grösseren Schaaren kamen sie zu Gesicht, anfangs noch recht scheu dem Boote ausweichend, bald jedoch uns näher heranlassend, weil sie in den einsameren Gegenden wohl weniger durch Jäger beunruhigt wurden, als in der Nähe der Stadt. Vor- züglich war es Anas boschas, die mit querquedula, erecca und acuta ihren Wohnsitz in den schilfigen und fast abgeschlossene Weiher bildenden Flussarmen aufgeschlagen hatte; von diesen Arten waren nur Männchen oder gepaarte Thiere zu sehen, die Damen gingen wohl meist schon an das Brutgeschäft. — Mareca penelope und Fuligula clangula erschienen in grösseren Schaaren, während Spatula elypeata und Aethyia ferina nur in je einem Paare von mir ' bemerkt wurden. Von Sumpfvögeln beobachteten wir ausser dem Weltbürger Actitis hypoleucos — Totanus ochropus und merkwürdiger Weise 2 Hlaematopus ostralegus.. Ueber dem Strome kreisten un- aufhörlich Zaliaetus albieila, Pandion haliaetus und Milvus ater, letztere beide häufig in das vom Dampfer aufgewühlte Wasser ' stossend, um Beute zu machen. Nie habe ich weder früher noch 53 H. Goebel: später den Seeadler so furchtlos gesehen; er umkreiste, besonders an den Stationen, das Boot in so geringer Entfernung, dass ich einen mit gewöhnlichem Entenschroot schiessen konnte. Auch Sterna hirundo, Larus ridıbundus und Larus argentatus wurden beobachtet; von Raubvögeln noch Aguda fulva, Astur palumbarius und nisus, Dendrofalco subbuteo und Buteo vulgaris. Der Frühlings- zug hatte die Wolga passirt und nur wenige nordische Brutvögel | waren noch als Gäste vorhanden. — Von Jaroslaw, wo wir die ersten Airundo urbica und rustica sahen, setzten wir unsere Reise am 13. Mai per Achse nach Wologda fort. Einige Waldschnepfen, die wir am Abend im Herüberfliegen über die Poststrasse schossen, sowie ein paar Doppelschnepfen und Krickenten war so ziemlich alles, was wir Jagdbares fanden. — Nach 8 Tagen Aufenthalt in Wologda, in denen ich leider keinen Ausflug machen konnte, durch das schlechte Wetter, das gerade herrschte, daran gehindert, schifften wir uns in einem Ruderboot mit Bretterdach auf der Wologda ein. Anfangs sind die Ufer dieses Flusses hoch und engen das Flussbett ziemlich ein, bald jedoch werden sie immer flacher, Weidengebüsch, trockene und überschwemmte Wiesen wechseln ab, von Tausenden von Sumpf- und Schwimmvögeln belebt, die bei jedem Schritt auffliegen. — Da wir Bootscommandeure waren, hielten wir uns an günstigen. Stellen jagend am Ufer auf, um so viel als möglich von der Vogel- fauna kennen zu lernen. Hier stiess denn auch mir zum ersten Male die aus dem Petersburger Museum mir bekannte Terecia cinerea auf und wurde in recht vielen Exemplaren erlegt. — Sie hält sich in kleinen Flügen am Flussufer auf, ist nicht scheuer als Actitis hypoleucos, hat überhaupt mit letzterem im Betragen viel Aehnlichkeit. Die immer grösser werdenden überschwemmten Stellen setzten unseren Jagdausflügen leider bald ein Ziel und zuletzt hatten wir einen zusammenhängenden See von wenigstens 70 Werst Durchmesser vor uns, aus dem blos die Spitzen des Weiden- gebüsches, mit dem die Niederung besetzt ist, und einzelne Hügelchen hervorragen. Die Nacht oder vielmehr die Dämmerung brach herein, als wir in diesen improvisirten See einlenkten, und als nach wenigen Stunden die Sonne wieder emporstieg, befanden wir uns mitten inne, umgeben von einem wahrhaften Gewimmel der verschiedensten Wasser- und Sumpfvögel. Mächtige Schaaren von Fuligula eristata und clangula, Mareca penelope, Anser segetum*) und albifrons gesellten sich zu den bleibenden Bewohnern der *) Vielleicht auch A. cinereus. Eine Reise von Petersburg nach Archangelsk. 23 Flussebene, den März-, Spiess- und Krickenten. Auf kleinen ‚Inseln stolziren im Morgenlichte Heerden von Kranichen umher, wie überall, scheu das Boot nicht nahe heranlassend; Charadrius | auratus und Machetes pugna® streichen pfeilschnell in kleinen ' Schaaren über den Wasserspiegel hin, in langer Linie auf einen trocknen Streifen Landes sich werfend, Larus ridibundus, argen- tatus, canus, Sterna hirundo schweben über dem Wasser, hin und wieder ertönt der schrille Schrei eines Baumfalken oder eines Buteo. — Einen sehr komischen Eindruck machen die durch die plötzliche Ueberschwemmung ihrer Balzplätze beraubten alten Birkhühner, die jetzt genöthigt waren, auf ganz kleinen Plätzchen, meist allein, ihre wunderlichen Kapriolen zu machen, dabei sich ganz abenteuerlich vom hochrothen Morgenhimmel abhebend. Der Tag, den ich auf diesem See zubrachte, wird mir immer in angenehmer Erinnerung bleiben; die verschiedenen Laute, die man von allen Seiten hört, bilden ein wahres Concert; das Kollern des Birkhuhns, das Mäckern der Becassine, das Schnattern der Stock- ente mischt sich mit dem weit herübertönenden Kuckuckruf, den pfeifenden Locktönen der Mareca penelope und dem Krickentenlaut. ‚Grosse Flüge Gänse und Kraniche zogen über uns hin, zuweilen ihren Ruf hören lassend, durch’s Rohr und Weidengestrüpp tum- melten sich Schwalben, kurz es war Leben und Bewegung, wohin das Auge blickte. Den ganzen Tag über hatte ich das Vergnügen, ‚diese T'hiere, die meist wohl recht scheu sind, ganz in der Nähe beobachten zu können, denn sie beachteten das mit Weidenzweigen ‚besteckte Boot kaum, hielten es wohl für einen der vielen umher- ‚schwimmenden entwurzelten Weidenbüsche, bis die aus den Zweigen hin und wieder aufblitzenden Schüsse sie eines Besseren: belehrten. Nachdem wir diesen See so langsam, als es die ziemlich starke ‚Strömung erlaubte, durchschnitten hatten, wurden die Ufer der ‚Buchona (in diesen Fiuss war die Wologda inmitten der Niederung gefallen) höher, Dörfer beginnen sich zu zeigen, die Entenvögel werden scheuer und misstrauischer gegen das nahende Boot und erheben sich meist in Entfernungen, wo es kaum möglich ist, die Art zu unterscheiden, geschweige denn zu Schuss zu kommen. — Unsere Jagdausflüge zu beiden Seiten des Stromes begannen wie- der, es wurden nun hauptsächlich Schnepfen- und Regenpfeiferarten beobachtet und geschossen. — Am häufigsten schienen Actitis hy- poleucus und Terecia cinerea zu sein, beide wie es schien als Brut- vögel, dann recht häufig doch vereinzelt auftretend Glottis cane- DA H. Goebel: scens. — Actodroma minuta und Temminckü, sowie Aegialites hiatieula | und minor in kleinen Schaaren, Pelidna subarguata in 6, Numenius | phaeopus in 7, Totanus ochropus in 2 und glareola in 12 Exemplaren. | — Gallinago scolopaeina war recht häufig vertreten, meist fanden | wir sie paarweise am Rande der die Wiesen überschwemmenden | Gewässer sitzend. — In der Nähe der Stadt Totma bemerkte ich | die letzten Anas querquedula, die in der ganzen Niederung nicht von uns bemerkt wurde, bei Archangel ist sie, so viel ich mich bei Jägern erkundigte, nur zweimal erlegt worden. Unweit Ustjugs sah ich das letzte Pärchen Totanus ochropus, so wie sehr viele Va- nellus cristatus, die hier ihre letzte nach Norden vorgeschobene Ko- lonie haben und von denen bei Archangel auch nur ein Exem- plar geschossen worden ist, das in der Sammlung des Herrn Kauf- mann Heinrichs sich befindet. Bei Ustjug sah ich auch ein Paar Petersburger Bekannte wieder, nämlich Erythropus vespertinus, die über einer Wiese rüttelten und von denen ich das 3 schoss. | Den fünftägigen Aufenthalt in Ustjug benutzte ich zu grösse- ren und kleineren Ausflügen in der nächsten Umgebung der Stadt und: bemerkte folgende Arten: Scolopax rusticola, gallinago, major und gallinula, Totanus ochropus (2 Exempl.), glareola, glottis, hypo- leucos, Terecia cinerea, Limosa? (rufa wahrscheinlich), Anas boschas, acuta, penelope, erecca, Fuligula clangula, eristata, maria? (nicht genau erkannt), Mergus serrator, Anser spec., Uygnus musicus, Bernicla leu- copsis, (es flog eine Schaar dieser Gänse so niedrig, dass ich mit Bekassinenschrot hätte schiessen können, wenn ich nicht leider die Flinte eben abgeschossen hatte). Tetrao tetrix, urogallus und bona- sia, so wie Lagopus albus fand ich als Menu der Hoteltafel, Ulula lapponica 1 Ex., Tinnunculus alaudarıus 2 Ex., vespertinus 2 Ex., Hali- aetus albieilla, Pandion haliaetus, Buteo vulgaris, lagopus, Astur pa- lumbarius 1 Ex., nisus 2 Ex., Falco aesalon, Picus martius, major, leu- conotus ‚ minor, Parus borealis, cristatus, caudatus, major, coeruleus, Frigilla coelebs, montifringilla, spinus, linarıa, Passer domesticus, mon- tanus (letzterer häufiger als ersterer), Alauda arvensis, arborea, Lo- zia pihyopsittacus, Erythrothorax erythrina, Rabenarten ausser corone; Garrulus glandarius, Pica caudata, Hirundo urbica, rustica, riparia, Turdus visciworus, püaris, ihacus, musicus, Muscicapa grisola, Rubecula Jamiliaris, Ruticilla phoenicura, Cyanecula suecica, Sawicola oenanthe. — Zuweilen sah man noch grosse Schaaren nach Norden ziehender Vögel, besonders viele Oedemia, es war ja auch schon hohe Zeit, | | | | Eine Reise von Petersburg nach Archangelsk. 25 da die Ueberschwemmungsgewässer abnahmen und die Brut- und Futterplätze frei wurden; war doch der Frühling 1864 ein für diese Breiten sehr günstiger, da das Eis der Dwina schon Ende April aufging. Auch wir bestiegen am 29. Mai einen Dwinadampfer, und hinab ging es den breiten, Inseln bildenden Strom, der bei Ar- changel, 60 Werst vor der Mündung, schon 10 Werst von Ufer zu Ufer breit ist, natürlich mit Inseln in der Mitte. — Ungeheure Schaaren Oedemia fusca und nigra, Fuligula eristata und clangula, so wie recht viele kleine Gesellschaften Mergus serrator und albellus trafen wir an, von anderen Entenarten war wenig zu sehen, sie hatten sich wohl schon in die schatten- und schilfreichen Waldbäche zum Brüten zurückgezogen. Endlich am 1. Juni tauchten vor uns die weissen Thürme Ar- changels auf, und nun ging es an schwere, gefährliche Arbeiten ent- weder in den sumpfigen Urwäldern, oft 100 und mehr Werst vom nächsten Dorfe entfernt, oder auf den Stationen der Flussforstpolizei (Forstsastawa). Der archangelsche Sommer begann, kurz und zu- weilen heiss, ohne Nächte und Sternengeflimmer, dagegen mit Mil- lionen Mücken, die den Aufenthalt in den Wäldern oder auf den Flüssen zur fürchterlichen Tortur machen. — Ueber den Abzug 1864, das Brutgeschäft 1864 und 65 und die Ankunft 1865 der von mir beobachteten oder im Museum be- findlichen Vögel will ich ein anderes Mal sprechen, hier nur eine kurze Uebersicht über die Arten, deren Verbreitungskreis in den von mir durchschnittenen Breitengraden begann oder endete, so wie meine Reiseroute: ' Terecia cinerea, zuerst bei Wologda. Anas querquedula, zuletzt bei Totma. Vanellus eristatus, zuletzt bei Ustjug. Totanus ochropus, zuletzt, bei Ustjug. Actitis hypoleucos, ist ungeheuer häufig bis Ustjug, von dort ab wird er seltener, bei Archangel habe ich nur ein Paar beobachtet und das Nest gefunden. Parus borealis, bei Ustjug. Ulula laponica, dito. Corys arborea, zuletzt gehört im Schenkurskschen Kreise (süd- lichster Kreis des archangelschen Gouvernements, bei Archangel nicht). Hirundo urbica und rustica sieht man zuweilen bei Archangel, Brutvogel dort ist nur riparia. — 36 H. Goebel: a. St, Reiseroute: n. St. 26. April Abreise‘ von-Petersbure% ..#. 11.0 10778 SMar 21.58, F „ “llwezi( Wolgareise)r 2:2. 7933 1. Mai R „ Jaroslawa ale IrDA 2==9, Mai. Aufenthaltim Wologda 07 >». 8 ua er 9.—12. „ Reise aufder Wologdaund Suchona . 21.—24 , 12:17... Aufenthalo mUstug . na an rar 17.—20. „ Dwinareise nach Archangel . . . 29.—1. Juni. Uman, 10./22. September 1870. - Curiosa Ich habe mich oft über die Redactionen vielgelesener Journale ge- wundert, die die ergötzlichsten naturwissenschaftlichen Abhandlungen dem Publikum vorführen ; vor Kurzem fielen mir zwei so grossartig lächerliche Sachen in die Hände, dass ich nicht umhin kann, sie den Lesern unseres Journals vorzuführen. Der eine Artikel findet sich im Feuilleton der Berliner Roman- zeitung, ich glaube Jahrgang 1869, wo uns Herr Janke als grosse Neuigkeit mittheilt, dass man endlich den Beweis geliefert habe, dass der Strauss selbst brüte und nicht dieses Geschäft der Sonne überlasse. Diese Beobachtung sei im Thiergarten von Melbourne in Australien gemacht worden. „Warum in die Ferne schweifen, sieh’ das Gute liegt so nah!“ In Berlin, wo Männer wie Cabanis, Brehm, Bodinus wirken, veröfientlicht man jetzt erst eine Be- obachtung, die vor langer Zeit schon in europäischen Thiergärten gemacht ist, als australische. Nun, es ist wenigstens eine Wahrheit. Die zweite Neuigkeit findet sich in Payne’s Illustr. Familien- Journal unter dem Titel: „Wo bleiben unsere Schwalben?“ Man höre, was uns dort ein Naturforscher, wie er sich selbst nennt, er- zählt. Er habe einen träumerischen, naturforschenden Freund, der, wenn er an schönen Herbsttagen auf die Jagd fährt, zwischen dem Schilf im Boote, anstatt zu jagen, zu träumen liebt. — Während solcher Träumerei, die wohl in Traum überging, hört er denn einen Schwalbengesang, der ihm verdächtig klingt, es ist mehr ein weh- müthiges Schreien als Singen, und siehe da, {piötzlich stürzt die Hälfte der vorbeiziehenden Schwalben rings um ihn in’s Wasser, während die anderen, wohl das Bad scheuenden Abschiedslieder singend weiter fliegen. — Der träumerische Naturforscher fährt nach Hause, nimmt Netze mit, fischt nach den Schwalben, fängt aber Curiosa. 97 keine, doch im Winter wird der Beweis eclatant geliefert, dass die Schwalben im D..ck überwintern; es werden nämlich beim Fischen . einige Schwalben herausgezogen, leider erhielt sie der Herr nicht ' mehr lebend, da die dummen Fischer sie einige Zeit auf dem Eise _ hatten liegen lassen. — Nun, der Beweis ist geliefert; die Schwal- ben überwintern, wie es uns unsere Wärterinnen erzählen, im _ Schlamm und nicht in den Tropen. Schade nur, dass der Schrift- ' steller aus übergrosser Bescheidenheit weder seinen noch seines Freundes Namen genannt hat. — Die Erzählung steht, glaube ich, im Jahrgange 1868. H. Goebel. Notizen über den Flussrohrsänger (Sylvia fluviatılis) und sein Vorkommen in der Nähe von Breslau. Vom Lehrer Carl Arlt. Schon vielseitig ist die Bemerkung gemacht worden, dass die befiederten Bewohner unserer Gärten und Wälder sich in den ‚letzten Jahren bedeutend vermindert haben, und dass durch die _ fortschreitende Bodeneultur, durch das Ausroden von Gebüschen und das Trockenlegen von Sümpfen einzelne Arten derselben _ immer mehr verdrängt, ja sogar zu einer Art von Auswanderung gezwungen worden sind. Lässt sich das Thatsächliche dieser Be- merkung nicht wegleugnen, so steht andererseits doch auch wieder fest, dass in jüngster Zeit Vögel anderer Art dafür bei uns ein- sewandert sind. Einer der merkwürdigsten Einwanderer der Neu- zeit ist unstreitig der Flussrohrsänger (Sylvia Jluviatilis), ein Vögelchen, das bisher in Schlesien noch wenig bemerkt und gekannt ist, und das ich, durch die Veröffentlichung dieser Notizen, gern einer genaueren Beobachtung empfehlen möchte. Ich kann aber nicht den Flussrohrsänger nennen, ohne nicht auch des Buschrohr- sängers (Sylvia locustella) zu gedenken, da beide in zu engen Be- ziehungen zu einander stehen. | Es war im Jahre 1865, als ich, von einem schönen Maimorgen begünstigt, eine Excursion nach der Strachate machte, einem Walde, der etwa zwei Stunden von Breslau entfernt ist, und der mit herrlichen Eichen und dichtem Unterholz bestellt, durchbrochen von saitigen Wiesenplätzen, zu einem der schönsten Aufenthaltsorte für allerlei Vögel wird. Nach kurzer Wanderung hatte ich das 23 Carl Arlt: Weichbild der Stadt, den zoologischen Garten mit seinen in- und ausländischen Insassen, die mir stets ein gewisses Mitleid ab- zwingen, hinter mir. Begrüsst von dem Gesange vieler meiner alten Bekannten, die, mit Ausnahme von Sylv. hypolais, bereits alle wieder bei uns angelangt waren, setzte ich meinen Weg unter so mancherlei Eindrücken auf dem Damme längs der Oder weiter fort. In der Nähe von Schafigotsch-Garten angelangt, vernahm ich in ziemlicher Entfernung von mir ein ganz eigenthümliches Schwirren, das ich anfangs der grünen Heuschrecke (Locusta viri- dissima) zuschrieb; von der es aber auch wieder nicht gut kommen konnte, da sich dieselbe im Monat Mai nicht hören lässt. Vorsichtig suchte ich mich daher jener Stelle zu nähern, von der aus diese sonderbaren Töne zu mir drangen, und war nicht wenig überrascht, nach kurzem Forschen ein Vögelchen auf dem oberen Theile eines niedrigen Busches zu entdecken, das von hier aus seinen schwirrenden Gesang hören liess, und das ich sehr bald als den Buschrohrsänger erkannte. Von da ab habe ich noch öfter Gelegenheit gehabt, diesen Rohrsänger näher zu beobachten.‘ Im Jahre 1868 war ich sogar so glücklich, im Vereine mit dem Stud. Herrn C. Fickert ein Nest mit Jungen von besagtem Sänger zu finden. Die Jungen sind von Herrn Fickert mit bestem Erfolge aufgezogen und einer derselben fast über zwei Jahre in der Ge- fangenschaft erhalten worden. Da Herr F. seiner Zeit über das Aufziehen und Gefangenleben dieser Vögel ausführlich berichtet hat, halte ich ein längeres Verweilen bei demselben für überflüssig. Ebenso übergehe ich den weiteren Verlauf meiner Excursion mit Stillschweigen bis dahin, wo mir die Gelegenheit ward, meine Be- kanntschaft mit dem Flussrohrsänger zu machen. Es war gegen 7 Uhr Abends, als ich mich an jenem Tage von meiner Excursion auf den Heimweg begab, und zwar auf dem Hauptwege, der längs der Oder durch die Strachate führt. Von allen Seiten von munteren Vogelstimmen umgeben, die mir zu‘ einem der schönsten Abendeoncerte wurden, schlenderte ich ge- mächlich meines Weges weiter, und war, ohne dass ich es eigentlich wollte, bereits im Vorholze des Waldes angelangt. Schon seit geraumer Zeit hatte es mir scheinen wollen, als ob ich ab und zu Töne hörte, die mit dem Schwirren des Buschrohrsängers viel Aehnlichkeit hatten. Mit jedem Schritte, den ich vorwärts that, wurden die Töne immer vernehmbarer, und erkannte ich in den- selben allmählich den Gesang eines Vogels, der mit dem Busch- Notizen über den Flussrohrsänger. 29 rohrsänger verwandt sein müsse. Der nächste Schritt war der: Anstalten zu treffen, des Vogels ansichtig zu werden, doch das war nicht so leicht. Gleichsam als ob mein neuer Sänger Versteck mit mir spielen wollte, liess er sich bald nahe vor, bald weiter hinter mir, bald im dichtesten Gestrüpp nahe der Erde, bald in dem lichten Gezweige eines höheren Strauches hören. Diese Orts- veränderungen aber wurden so schnell und so unbemerkt ausgeführt, dass ich bereits älle Hofinung aufgegeben hatte, den Vogel zu Gesicht zu bekommen. Doch was man oft mit Geschicklichkeit und List nicht erreicht, erlangt man mit Ruhe und Ausdauer. Und so war es auch hier. Sei es, dass der Vogel seiner Neckereien müde ward, sei es, dass er sich mehr an meine Anwesenheit ge- wöhnt hatte, kurz, er wurde allmählich zahmer, und schon war es mir gelungen, ihn auf Augenblicke durch das Gebüsch schlüpfen zu sehen. Wie erfreut aber war ich, als derselbe aus einem Weiden- busche, den er längere Zeit durchkrochen, an einer abgestorbenen Ruthe seitlich schreitend — in Absätzen -— emporstieg, und von hier aus mit seinem Schwirren fast alle kleineren Sänger über- schrie. An ein genaueres Betrachten war allerdings nicht mehr zu denken, indem die hereinbrechende Dunkelheit mich daran hinderte. So viel aber war mir klar, dass ich es hier nicht mit dem Buschrohrsänger, sondern mit einem nahen Verwandten des- selben zu thun hatte Es war, wie es sich später herausstellte, der Flussrohrsänger. Glücklich über meine neuen Entdeckungen erzählte ich die- selben am Morgen einem meiner Collegen, dem kürzlich ver- storbenen Lehrer A. Leist, der aber meine Angaben stark in Zweifel zog, indem er meinte, dass auch er sich viel im Freien bewege, und dass bei dem Interesse, das er vorzugs- weise für die Vögel habe, ihm zwei so merkwürdige Sänger gewiss nicht entgangen sein würden. Bei einem Spaziergange, den wir einige Tage darauf zusammen bis nach der Strachate ausdehnten, hatten wir das Glück, beide Vögel fast zu gleicher Zeit zu hören, wobei uns neben der Aehnlichkeit, die beide Vögel in ihrem Ge- sange haben, besonders auch der Unterschied in demselben zum Bewusstsein kam. Dem Gesange beider Vögel liegt nämlich ein Rzum Grunde, das bei dem Buschrohrsänger weniger zischelnd und mit einem I in Verbindung gebracht, etwa wie’ „Dirrirrirrirrirrirrirrirrirr“ klingt und womit der Sänger ohne abzusetzen bisweilen so lange 30 Carl Arlt: anhält, dass ich das Einemal bis 127 Pulsschläge an mir zählen konnte. Bei dem Gesange des Flussrohrsängers erscheint das R mehr zischelnd-wetzend und mit einem E in Verbindung gebracht, etwa wie „ZerTzelYrzerrzerrzerTzerrzelrzerr“. Auch hält der Flussrohrsänger mit seinem Gesange nicht so lange aus, wie der Buschrohrsänger. Die Strophen sind kürzer, die Pausen häufiger, das Tempo langsamer; es kommt dieser Gesang, in der Ferne gehört, dem Schwirren der grünen Heu- schrecke eigentlich viel näher, als dies bei dem Buschrohrsänger der Fall ist. Wie ich häufiger zu bemerken Gelegenheit hatte, will es mir fast scheinen, als ob der Gesang des Flussrohrsängers viel Aehnlichkeit mit den drei ersten Noten von dem Gesange „einzelner“ unserer Goldammern hatte. Eine Eigenthümlichkeit des Gesanges beider Vögel ist die, dass man ihren Gesang noch immer zu hören vermeint, obgleich man schon lange aus dem Bereiche desselben entfernt ist. Seit jener Zeit habe ich auf beide Vögel, besonders aber auf den Flussrohrsänger stets ein aufmerksames Auge gehabt; habe ihn aber 1866 um Breslau herum gar nicht, dagegen das folgende Jahr zweimal vertreten, von Mitte Mai bis Anfang Juli im Ottwitzer Holze schwirren gehört. Im Jahre 18638 war ein Exemplar in dem sumpfigen Gehölze hinter Schafgotsch-Garten, aber nur vorüber- gehend, so wie ein Pärchen im Ottwitzer Holze und ein zweites in der Strachate den Sommer hindurch. Merkwürdig war in dieser Beziehung das Jahr 1869, als ich am 9. Mai in der Strachate wohl an 10 Flussrohrsänger zählte, die bisweilen zu dreien in ganz verschiedenen Richtungen schwirrten, von denen sich aber keiner wieder hören liess, mit Ausnahme eines Pärchens im Ott- witzer Holze. Anzunehmen ist, dass diese Vögel damals noch auf ihrem Zuge waren, und dass sie bei ihrem Verschwinden wohl noch nördlicher gegangen sind. In diesem Jahre habe ich die Ankunft des Flussrohrsängers unter dem 11. Mai notirt, woran sich später über denselben eine Menge anderer kurzer Notizen reihen, die ausführlicher gegeben etwa Folgendes besagen: Es war am 24. Mai in später Nachmittagsstunde, als ich noch einen Spaziergang nach der Strachate machte, um daselbst einige Vogelnester zu revidiren. Mein Weg führte mich auch in die Nähe der Oder. Schon in weiter Ferne, etwa 1000 bis 1500 Notizen über den Flussrohrsänger. 31 Schritt von mir hörte ich lustig den Flussrohrsänger schwirren. Es war fast auf derselben Stelle, wo ich ihn vor 5 Jahren zum ersten Male bemerkt hatte. Bald war ich in seiner Nähe, d. h. ich stand auf einen Plätzchen, das etwa 8—10 Schritt im Durchmesser und 15—20 Schritt von der Oder entfernt war, und an welchem ein wenig betretener sogenannter Graseweg vorüber führte. Hier sass der Flussrohrsänger, für das Auge ganz frei, tief unten seit- lings in einem Strauche und sang, ohne wie es schien von mir die geringste Notiz zu nehmen, ruhig fort. Da ich mein Doppelglas bei mir führte, so benutzte ich diese Gelegenheit, um mir den Vogel jetzt einmal recht genau anzusehen. Verglichen mit dem Busch- rohrsänger ist er in Form und Gestalt diesem gleich, nur merklich grösser. Sein Federkleid ist durchweg lichter als das des letzteren. Ganz besonders aber macht er sich von dem Buschrohrsänger da- durch kenntlich, dass der obere Theil seines Körpers einfarbig braungrünlich erscheint, und dass man, mit blossem Auge gesehen, von den matten Längsflecken, die seinen Rücken zieren, gar nichts merkt, während man bei dem Buschrohrsänger die dunkelbräun- lichen Flecken auch mit unbewafinetem Auge erkennen kann. Interessant war es mir, hierbei auch zu bemerken, wie der Vogel bei seinem Gesange den Schnabel ungemein weit öffnete und wie dabei der ganze Körper, namentlich die Flügel und der Schwanz, in eine stark zitternde Bewegung geriethen, was bei der Kehle in noch höherem Grade der Fall war. Fast unwillis wurde ich, als ich mich in meinen Betrachtungen durch ein Blaukehlchen gestört sah, das Futter im Schnabel hielt und fortwährend sein ängstliches „Füd teck teck“ hören liess. Dem ar- men Dinge schien die Zeit bald zu lang zu werden. Denn ich sah, wie es nach mehreren schüchternen Versuchen endlich mir zur Seite unten in einem Strauche verschwand, aus dem es mit Excre- _ menten bald wieder zum Vorschein kam. Neugierig, zu sehen, wie weit die Jungen bereits in ihrer Entwickelung vorgeschritten sein möchten, schickte ich mich an, das Nest zu suchen. Bei der ersten Berührung des Strauches rutschte ein Vögelchen aus demselben, das ich aber nicht erkennen konnte. Wie erstaunt war ich jedoch, als ich nach kurzem Suchen in ein- und demselben Strauche nicht allein das Blaukehlchennest mit fast flüggen Jungen, sondern, kaum 1!/, Fuss von dem ersteren entfernt, auch noch ein zweites Nest mit sechs Eiern fand. Die Eier waren weissgrundig, fast durchsichtig und mit vielen kleinen braunröthlichen Tupfen ver- 32 Carl Arlt: sehen, die sich am stumpfen Ende des Eies zu einem Ringe ver- einigten. Das Nest selbst stand lose auf nach der Seite gedräng- ten Grashalmen etwa einen halben Fuss von der Erde entfernt, und war ringsum mit hohen, grünen Gräsern umwachsen. Da ich die Nester und Eier unserer einheimischen Singvögel ziemlich genau kenne, so frappirte mich mein neuer Fund, der aber nichts Anderes als das Nest vom Flussrohrsänger war. Denn nach kurzem Warten umschlich bald wieder das von mir aufgestörte Weibchen sein Nest und begab sich, wenig Scheu zeigend, auf dasselbe, während das Männchen, das ebenfalls mit dem gestörten Weibchen verschwunden war, seinen Gesang an der früheren Stelle, ich möchte fast sagen auf demselben Aestchen, wieder aufnahm. In der Absicht, später die Jungen auszunehmen, aufzuziehen und an diesen meine Beobach- tungen weiter fortzusetzen, liess ich das Nest stehen, obgleich ich Eiersammlern keinen grossen Gefallen damit gethan habe. Als ich jedoch 2 Tage später wieder dahin kam, war es leider leer, ob durch Menschenhand ausgenommen, oder durch ein Thier zerstört, liess sich nicht ermitteln. Befremdend war, wenn es ein Thier ge- wesen wäre, dass da nicht auch die jungen Blaukehlehen mit ver- schwunden waren. Ich nahm das leere Nest mit nach Hause. Dasselbe ist napfförmig gebaut mit wenig engerem Nestrande. Im Vergleiche zum lockern Neste des Buschrohrsängers ziemlich fest geflochten und im Innern wie ausgedrechselt. Es besteht äusser- lich, namentlich der obere Theil des Randes, aus mittelstarken, trocknen Stengeln vom kletternden Labkraut (Gahum aparine), die durch ihre feingezahnten Kanten mit einander verflochten dem Neste eine ganz besondere Festigkeit geben. Die übrigen Bestand- theile sind grösstentheils Schmalgräser. In dem Bestreben, trotz meines ersten Missgeschickes, dennoch in den Besitz von jungen Flussrohrsängern zu gelangen, habe ich zu verschiedenen Malen auch das Terrain im Ottwitzer Holze, wo meiner Ansicht nach zwei Flussrohrsänger nisten mussten, mit der grössten Sorgfalt abgesucht, aber vergeblich. Glücklicher wäre ich bald wieder am 12. Juni in der Strachate gewesen. Wohl über 1000 Schritt von der Oder entfernt, ziemlich tief in den Wald hinein, am Saume einer nassen Waldwiese, traf ich an jenem Tage einen Flussrohrsänger schwirrend an. Sein Nest konnte dem Anscheine nach nicht weit sein. Doch wo sollte ich mit Suchen anfangen. Während ich noch so mit mir zu Rathe ging und die Gegend sorglich musterte, hörte ich mit einem Male Notizen über den Flussrohrsänger. 33 in meiner Nähe ein Rascheln und sah, wie fast zu meinen Füssen ein Vögelchen mit Futter durch einen mit Hopfen und sonstigen Schlinggewächsen durchrankten Weidenbusch schlüpft. Es war verschwunden, kehrte bald zum zweiten Male an denselben Ort mit Futter zurück, wo ich es denn auch als das Weibchen vom Fluss- ' rohrsänger erkannte. Um recht sicher zu gehen, wartete ich das _ Ankommen und Verschwinden so lange ab, bis ich genau die Stelle _ wusste, wo der Vogel sein Futter losgeworden war. Als ich meiner Sache gewiss war und mich daran machte, das Gewirr jenes Strau- ches auseinander zu ziehen, schob Etwas, geschützt und verdeckt durch altes Gras, wie eine Maus auf die andere Seite des Strauches, und so, als ich nach jener Seite ging, wieder zurück. Dasselbe Manöver wiederhoite sich noch ein-, zweimal, ehe ich gewahr wurde, - _ dass die vermeintliche Maus ein junger Vogel war. Jetzt galt es, denselben aus dem Dickicht heraus, und mehr in’s Freie zu be- _ kommen, was mir auch so weit gelang, dass ich denselben, im hohen - Grase niedergedrückt, unter meine Hand bekam. Doch in dem | Bemühen, ihn beim Hervornehmen nicht durch Druck zu verletzen, entwischte er mir wieder, und zwar in so dichtes, mit Schilf und Rohr durchwachsenes Gesträuch, dass jede weitere Verfolgung un- möglich ward, die auch ohnedies hätte bald aufgegeben werden _ müssen, da es bereits dunkel war. Interessant war mir, bei diesem Falle zu bemerken, wie sich das Männchen um das Aufziehen der Jungen gar nicht zu küm- mern schien. Denn so lange ich an jenem Orte verweilte, sass ' dasselbe fast fortwährend schwirrend in ein und demselben Strauche, den es nur dann verliess, wenn das Weibchen allzu sehr in seine Nähe kam, wo es dann seinen Gesang sofort abbrach und letzteres in einer Weise trieb und verfolgte, wie man solches zur Paarungs- zeit der Vögel häufiger wahrnimmt — eine Bemerkung, die ich fünf Tage später ebenfalls im Bischwitzer Holze machte. Auch hier fand ich in der Nähe eines kaum zu erkennenden Fussweges, an einer lichten Stelle am Rande eines 10—15 Fuss hohen Gehölzes, das Nest eines Flussrohrsängers, aus dem aber die Jungen erst vor kurzer Zeit ausgeschlüpft sein konuten, wie dies aus den im Neste befindlichen, noch ganz frischen Kielabgängen deutlich zu ersehen war. Zwar habe ich an jenem Orte das Weibchen nicht Futter tragen sehen, doch konnte es mir nicht entgehen, wie das Männ- chen, dem es hier beliebte seinen Gesang von einer Erle in Höhe ‚von etwa 30—40 Fuss hören zu lassen, zeitweise schwieg und dann Cab. Journ. f. Ornith, XIX. Jahrg. No. 109. Januar 1871. d 34 A. E. Brehm: verfolgend das Weibchen durch Dick und Dünn trieb. Der an- haltende Gesang des Flussrohrsängers in einer Zeit, wo die Jungen kaum das Nest verlassen haben, so wie das Treiben und Verfolgen des Weibchens zu jener Zeit, wie es hier durch zwei Fälle ver- bürgt ist, dürfte auf eine zweimalige Brut des Flussrohrsängers schliessen lassen. Ebenso dürfte anzunehmen sein, dass der Fuss- weg und das freie Plätzchen des Flussrohrsängers, wie von mir wiederholt bemerkt, keine Zufälligkeiten, sondern Regeln sind. Mit meinen Mittheilungen über den in Rede stehenden Sänger am Ende, würde es mich freuen, wenn es mir hiermit gelungen wäre, auch Andere, die ein Interesse namentlich für unsere schle- sischen Vögel haben, für unsern von Neuem eingebürgerten Lands- mann, den Flussrohrsänger, zu interessiren und zu weiteren Beob- achtungen über denselben anzuregen. Zur Fortpflanzungsgeschichte des Purpurhuhns. Von A. E. Brehm. Das Purpurhuhn, welches wir alljährlich in ziemlich ansehn- licher Menge lebend erhalten, ist nicht die europäische, in Süd- italien, Spanien, Algier und Marocco vorkommende Art (Porphyrio hyazinthinus), sondern die grünrückige afrikanische, welche zunächst uns in Egypten, häufig aber in Westafrika lebt und von hierher zu uns gelangt (Porphyrio smaragnotus Temm., P. chlorynotus Vieill., P.erythropus Stephens, P.smaragdonotus Licht., P. chloronotus nobis). In welchen Ländern der Westküste es eigentlich gefunden wird, weiss ich nicht; so viel aber scheint festzustehen, dass die Händler es wirklich aus Westafrika erhalten. Hierin stimmen sie, den Hauptschacherer Vekemans in Antwerpen inbegrifien, trotz ihrer Geheimnisskrämerei unter sich überein. Nächst dieser Art erhalten wir ebenfalls durchaus nicht selten das schwarzrückige Purpurhuhn (P melanotus), welches bekanntlich den grössten Theil von Australien in namhafter Menge bevölkert; niemals dagegen habe ich in irgend einem Thiergarten das südeuropäische, eigent- liche Purpurhuhn gesehen, trotzdem uns von ihm gesagt worden ist, dass es im Süden Italiens in Gefangenschaft gehalten werden soll. Um die übrigen Gefangenen der Gruppe aufzuzählen, will ich hinzufügen, dass die verwandten Sammethühnchen aus Westafrika und Südamerika, Porph., (Caesarornis, Hydrornia) Alleni und P, (C. H,) Zur Fortpflanzungsgeschichte des Purpurhuhns. 35 martinıca, deren erstgenanntes bekanntlich auch schon wiederholt in Europa und zwar in Italien und Spanien erlest wurde, wenn auch nicht zu den häufigen, so doch zu den regelmässigen Er- scheinungen unseres Thiermarktes zählen. Alle Arten, die Purpur- wie die Sammethühner, sind genügsame, die ersteren auch ausdauernde hartlebige Vögel, welche den Pfleger in jeder Hinsicht erfreuen. Denn nicht allein ihre schmucke Hal- tung und die Reinlichkeit, deren sie sich selbst im grössten Vogel- gewimmel befleissigen, sondern auch ihre Verträglichkeit befriedigen. Doch darf man in letzterer Hinsicht ihnen nicht allzu viel zumu- then, ihnen insbesondere nicht Fleischnahrung vorenthalten, weil sie sonst wohl als ächte Rallen sich zeigen und, wie ich selbst beobachtet, über kleinere Vögel herfallen können, um sie zu ver- speisen. So leicht sie sich halter, so selten schreiten sie übrigens in der Gefangenschaft zur Fortpflanzung, ohne dass man dafür eine durchschlagende Erklärung zu geben wüsste. Anscheinend mit dem ihnen Gebotenen vollständig zufrieden, lassen sie doch in der Regel den liebeweckenden Lenz an sich vorüber gehen, ohne entsprechende Frühlingsgefühle zu äussern. Meines Wissens haben sie sich bis- ‘her nur in den „zoological gardens“ zu London und im Thier- garten zu Antwerpen fortgepflanzt. Um so grösser war meine mit Erstaunen gemischte Freude, als sich im April dieses Jahres unter der ziemlich zahlreichen Ge- sellschaft grünrückiger Purpurhühner, welche das „Berliner Aqua- rium‘“ neben den übrigen genannten Arten besitzt, ungewöhnliche Unruhe kundgab und bald in eine sehr gehobene Stimmung über- sing, bei einigen wenigstens. Fast ununterbrochen vernahmen wir ‚jetzt das eigenthümlich dröhnende und dabei doch klagende „Trööh‘“ wie mir scheinen will, dem einzigen Stimmlaut unserer Vögel, und nachdem dieser Ruf geraume Zeit in verschiedener Betonung erschallt war, ging esauch wohlzum Kampfe zwischen zwei Männ- chen über, gleichsam als sei der Ruf ein Trompetenstoss zur Ein- leitung der Fehde gewesen. Namentlich eines der Männchen — welche übrigens vom Weibchen nur dann zu unterscheiden sind, wenn man zwei lebende Stücke vor sich sieht und die fast unmerk- lich geringere Grösse des letzteren wirklich herausfinden kann — fühlte sein Herz von höheren Gefühlen geschwellt und betrachtete sich demzufolge als der unbeschränkte Selbstherrscher im Käfige, ‚stürzte sich, wenn gerechter Zorn es übermannte, auf irgend einen ‚der eifersüchtig gehassten Gegner und prügelte, wie es unter Teich- 3* 36 A. E. Brehm: hühnchen üblich, so lange mit den langen Beinen auf ihn los, bis er zu Boden stürzte und die Stellung und Geberden des Ueber- wundenen annahm. Derselbe Vogel hielt sich fortwährend mit einem anderen, dem erkorenen Weibchen, zusammen, verliess dasselbe keinen Augenblick und begleitete es auf Schritt und Tritt, wohin es sich auch wenden mochte. Ende Mais beobachteten wir, dass sie Miene machten, zum Neste zu tragen, und zwar betheiligten sich hierbei beide Geschlechter in gleicher Weise. Sie hatten sich zur Niststelle einen Platz er- wählt, auf welchen wir beim besten Willen nicht gekommen sein würden: eine heimlich verborgene Ecke auf der höchsten Spitze des Gefelses, welches den sogenannten „Allerweltskäfig“ des Flug- gebauers im „Berliner Aquarium“ ziert. Da hinauf trugen sie mit dem Schnabel die verschiedenen Pflanzenstoffe, welche im Käfig zur Nahrung gereicht wurden, namentlich Salatblätter und Vogelmiere. Hier galt es, unterstützend einzugreifen, und ich liess deshalb zunäehst frische Schösslinge von Schilf reichen, welche auch dankbar angenommen und verbaut wurden. Inzwischen währte dies denn doch zu lange, und deshalb entschloss ich mich kurz, selbst ein Nest zu bereiten. Letzteres machte der rohen Menschenhand wahrscheinlich alle Ehre, war aber doch, im Grunde genommen, nichts Anderes, als ein Heuhaufen mit eingedrückter Nestmulde. . Zum Schutz gegen die übrige Bewohnerschaft des Raumes, unter welcher sich insbesondere ein Scharlachibis (Ibis rubra) und die Ajaja (Platalea Ajaja) durch frauenhafte Neugier hervorthaten, liessich das heimliche Plätzchen mit stacheligen Dornen überdecken. Nachhülfe und Schutzwehr wurde nach längerer, höchst wahrschein- lich sehr eingehender Begutachtung abseiten der Vögel dankbar angenommen, und das Weibchen machte sich jetzt darüber her, zu legen. Währenddem erreichte die Aufregung des Männchens ihren Höhepunkt. Mit stolz aufgerichtetem oder gestelztem Schwanze, welcher gelegentlich wippend bewegt wurde, um dem Vollgefühl geeigneten Ausdruck zu geben, schritt es durch den Käfig, und wü- thend fiel es über jedes andere Purpurhuhn her, welches sich nahete, ich möchte fast glauben, unhöflich auch über andere Weibchen. Die Nebenbuhler griff es jetzt ungestüm und nicht allein mit den Beinen prügelnd, sondern ebenso mit Schnabelhieben und Flügel- schlägen an, wusste sich in Folge dessen auch sehr bald die ge- bührende Achtung zu verschaffen. Zur Fortpflanzungsgeschichte des Purpurhuhns. 37 Inzwischen legte das Weibchen einen Tag um den andern seine Eier, vier an der Zahl, das erste am 30. Mai, das letzte am ersten _ Pfingsttage. Schon währenddem hatte es über Tages mehrere Stunden _ im Neste zugebracht, vom zweiten Pfingsttage, also vom 6. Juni ab, begann es regelmässig zu brüten. Die Eier ähneln den von Bä- deker abgebildeten des europäischen Purpurhuhnes derartig, dass ich beinahe dem Gedanken Raum geben möchte, Bädeker habe _ gar nicht die von Porphyrio hyacinthinus vor sich gehabt. Ihre Länge beträgt 5,6—7 Cm., der Durchmesser der dicksten Stelle 3,5—6 Cm.; die Gestalt ist rein eiförmig, das Korn fein, der Glanz gering, wachsartig, die Grundfärbung ein gleichmässiges Isabell- fahlgelb; die Zeichnung besteht aus unregelmässig über das ganze Ei zerstreuten, an der Spitze am dünnsten stehenden blassvioletten Unter- und hell- und dunkelbraunen Öberflecken. Ob Weibchen und Männchen während des Brütens abwech- selten, konnte ich selbst nicht in Erfahrung bringen; die aufmerk- sam gemachten Wärter behaupteten übrigens, zweimal gesehen zu haben, dass eine derartige Ablösung stattfand, und zwar soll sie beide Male in den Vormittagsstunden geschehen sein, jedoch nicht länger gewährt haben, als zur Sättigung des Weibchens unumgäng- lich nöthig erschien. Das Männchen hielt sich über Tags getreu in der Nähe des Nestes, lockte auch zeitweilig oder erhob zornerfüllt _ seine dröhnende Stimme, sobald sich ein anderes Purpurhuhn nä- ' herte, während es der neugierigen Zudringlichkeit des Löffelreihers ' und Ibis nicht entgegen zu treten wagte. | Am 4. Juli, also nach 27-, beziehentlich 28tägiger Brutzeit, schlüpften zwei kräftige Junge aus; ein Ei hatten die Vögel selbst eingedrückt, ein anderes war faul. Die Jungen ähneln in Grösse und Färbung denen unseres Wasserhuhns (Fuhca atra) so, dass man sie auf den ersten Blick für solche halten kann; nur ist das Zimmt- oder Rostroth am Kopfe nicht so weit verbreitet und nicht so lebhaft, als bei diesen; der Flügelrand und namentlich der Daumentheil desselben zeigt eine recht lebhafte, rostrothe Färbung. Der Schnabel und der Ansatz zur Stirnplatte sind hellblau, die sehr plumpen Beine schwarzblau. Beide Junge wurden mehrere Tage lang vom Weibchen im Neste erwärmt, während das Männchen Atzung zutrug. Wir fürch- teten jedoch, sie durch irgend einen andern Vogel verlieren zu können oder mindestens gestört zu sehen, leerten deshalb einen ' andern Käfig des Fluggebauers bis auf einige kleine Finken, be- 38 A. E. Brehm: reiteten in einem dicken und dichten Dornbusche ein zweites Nest, spritzten Männchen und Weibchen mit Wasser an, um das rechte Paar dadurch zu kennzeichnen, und brachten die ganze Gesellschaft in den neuen Raum. Anfänglich etwas ängstlich, liessen die Vögel es sich doch bald hier gefallen, und schon am Abende desselben Tages sahen wir die Henne mit ihren Küchlein in dem neu ange- wiesenen Neste sitzen. | Zur Nahrung wurde den jungen Vögeln anfänglich ein Misch- futter gereicht, bestehend aus frischen Ameisenpuppen, fein geriebe- ner Semmel, etwas feingehacktem, rohem Fleische, gewiegtem Salat und Teichlinsen. Die Erwartung, dass die Eltern das für ihre zarten Sprossen tauglichste Futter aus diesem Gemisch selbst aus- suchen würden, erlitt keine Täuschung; wir sahen beide Alten um den Napf stehen, mit dem Schnabel das Futter durchwühlen und bald von diesem, bald von jenem Stoffe ein Bröckchen nehmen. Dieses wurde so zart mit der Spitze gepackt, dass es an dieser mehr zu kleben, als von ihr gehalten zu sein schien. Der atzende Vogel bog sich dann zu dem Küchlein herab, und dieses nahm den ihm vorgehaltenen Brocken aus dem Schnabel weg. Anfänglich trugen die beiden Alten die Atzung bis in das Nest; schon acht Tage, nachdem die Jungen ausgeschlüpft waren, aber verliessen diese unter Führung ihrer Eltern das Nest und folgten letzteren bis zum Futternapfe, woselbst dann die Atzung in der geschil; derten Weise vor sich ging. Am 27. Juli sprossten die ersten Federn am Flügel. Das Rostroth war verschwunden, Schnabel und Füsse waren noch blau- schwarz, die Platte ebenso, in der Mitte hornweiss. Am 4. August durften die Jungen als halbwüchsig angesehen werden. Auf der Oberseite waren sie noch schwarz, auf der Unterseite zeigten sich weissgraue Längsstreifen, gebildet durch die unter den Dunen her- vorsprossenden Federn, und begannen sich die Beine röthlich zu färben. Beide Eltern fütterten sie noch immer, und oft geschah es, dass jedes der Alten ein Junges führte. Schon vorher hatten sie gelernt, von einem ihnen vorgehaltenen Fische zu fressen, nah- men auch wohl schon dann und wann einen Fisch selbst in die Fusshand und verzehrten das Fleisch. Mit den Alten gingen sie noch allabendlich in das Nest. Vom 4. bis zum 16. August machte die Befiederung grosse Fortschritte, auf Rücken und Flügel namentlich ; die sich hier bildenden Federn glichen im Ganzen durchaus denen der Eltern, obwohl die Färbung etwas trüber war. Auf der Unter- Zur Fortpflanzungsgeschichte des Purpurhuhns. 39 seite hatte sich jetzt auch eine gleichmässige Färbung herausge- bildet; die einzelnen Streifen waren verschwunden und dafür ein bräunlichfahlgrauer Farbenton zur Geltung gelangt, welcher nach und nach, und zwar durch Verfärbung, nicht durch Mauser, in blau oder Graublau überging. Je weiter diese Verfärbung vorschritt, um so deutlicher wurde das Blau, so dass man alle Uebergänge _ vom Fahlgrau dyrch Schmutzig- oder Graulichviolett bis zum Grau- blau beobachten konnte. Die Umfärbung des Schnabels und der Füsse hielt damit gleichen Schritt. Erst Mitte Octobers hatten Schnabel, Platte und Füsse eine Röthe erlangt, welche der bei alten Vögeln auf gedachten Theilen vorhandenen fast gleich war. Der Rücken und die Oberseite überhaupt unterschied die jungen Vögel kaum noch von ihren Eltern; die Kehle war eben so lebhaft blau, wie bei diesen; an der Brust dagegen blieb der grauliche Ton im- _ mer noch sichtbar, und auf dem Bauche war die dunkle Färbung _ der Alten noch nicht vorhanden. Dieses letztere Kleid darf als das _ eigentliche Jugendkleid der Vögel betrachtet werden; unsere Jungen trugen es bis Anfang Decembers. Um diese Zeit begann die Mauser, welche gegenwärtig (Ende Decembers) noch fortwährt und den Uebergang von dem Jugendkleide in das vollständige Alterskleid ' bewirkt. | Bemerken will ich noch, dass ein ausführlicheres Lebensbild der Purpurhühner, insbesondere eine eingehende Schilderung des Betragens der Eltern und Küchlein während der frühesten Jugend- zeit der letzteren, nebst einer vorzüglichen, unter meiner Aufsicht gezeichneten Abbildung in der „@artenlaube“ erscheinen wird, wo- rauf ich namentlich diejenigen Herren aufmerksam mache welche, eine volksthümliche Darstellung naturwissenschaftlicher Aufgaben für unwürdig des Naturforschers und der Wissenschaft selbst zu halten geneigt sind. Monographische Beiträge. | I. Gennaja und Falco Kaup. Von E. F. von Homeyer. In vielen Gruppen der Vögel, und namentlich der europäischen hat man seit den letzten 25 Jahren eine solche Menge von Namen ' angehäuft, dass es immer schwieriger wird, eine übersichtliche Ord- 40 E. F. von Homeyer: nung herzustellen. Sehr viel hat dazu beigetragen, dass man nicht verschmähte, alte Falkenbücher hervorzusuchen und, auf solche un- wissenschaftliche Autorität gestützt, Namen zu verdrängen oder, was noch schlimmer war, zu verwechseln. Seit Jahren habe ich dagegen protestirt, aber das Unwesen dauert in Deutschland noch fort, und es wäre nicht abzusehen, wohin es schliesslich führen müsste, wenn nicht die Engländer mit ihrem praksischen Sinne all- gemein damit vorgegangen wären, alle Namen zu verwerfen, welche älter sind als die Zwölfte Ausgabe des Linneschen Natursy- stems.. Somit bildet das Jahr 1766 die Grenzscheide unserer wissenschaftlichen Namengebung, und damit ist des unwissenschaft- lichen Plunders schon ein hübsches Häuflein beseitist. Hiermit ist es jedoch nicht genug, und man darf neue Namen nur aufneh- men, wenn sie die Art unzweifelhaft sicher bezeichnen. Anders ist es schon, wenn allgemein eingeführte Namen, die von den Autoren sicher auf eine bestimmte Art gedeutet sind, auch schliesslich einen etwas zweifelhaften Ursprung haben, wie es mit manchen Linn®- schen Namen der Fall ist. Innerhalb dieser Grenzen muss dann - die Priorität entscheiden, wenn dieselbe nicht geeignet ist, neue Missverständnisse hervorzurufen. Diese Gesichtspunkte der Namen- sebung erneuet festzustellen, schien mir nöthig, um a priori die Gründe darzulegen, welche mich geleitet haben. Dabei kann ich nicht unterlassen zu erwähnen, wie durch die Zertheilung vieler Genera in ganz kleine Gruppen, die unter Umständen allerdings die Uebersicht erleichtern, häufig aber nicht allein ganz unnöthig, sondern sogar entschieden zu verwerfen sind, die alten Linne’schen Namen fast ganz verdrängt wurden. Man ist nun, um den ersten Autoren ihr Recht nicht zu verkürzen, darauf verfallen, auch diese neue Namengebung unter die alte Autorität zu stellen. Geschieht dies, wie so häufig ohne alle nähere Bezeichnung, so gehört eine nicht unbedeutende Kenntniss der Literatur dazu, um sich nur zu- recht zu finden, da diese Citate den grossen Uebelstand haben, dass sie alle unwahr sind, da sie nirgends in der angegebenen Weise bei dem citirten Autor vorkommen. Diese Methode ist daher ent- schieden zu verwerfen und der Autor des Gattungs- mit dem bezüg- lichen Artnamen ist unzweifelhaft zu citiren, doch in einer Weise, dass dem ersten Autor, so weit dies möglich ist, sein Recht wiederfährt. Dies kann nun auf verschiedene Weise geschehen, z. B. nach der Methode von Bonaparte im Conspectus oder, dass der Name des “ Autors — des ersten Namengebers — in Parenthese hinter den Gennaja und Falco. 41 ' Namen kommt und dann gleich mit genauer Bezeichnung zu An- fang der Synonymen noch einmal folgt. Beide Methoden haben ihre Vortheile, doch scheint die letztere vorzuziehen. A. Habicht-Raubfalke. — Gennaja Kaup. 1845. Die Mittelzehe ohne Nagel ist kürzer als die Fusswurzel; der Schwanz länger als der Oberflügel. | Bewohner der warmen und der gemässigt warmen Gegenden der alten Welt. *) 1. Falco tanypterus Licht. M. B. 2. Falco tanypterus Schleg., Abh. p. 5. Taf. 12. und 13. . tanypterus Bp., Consp. I. p. 25. . tanypterus Kaup, Isis 1847. p. 71. . tanypterus Selat., Proc. 1864. p. 107. . tanypterus Finsch et Hartl., v. d. Decken p. 67. . tanypterus Heuglin, Ibis 1859. p. 339. tanypterus, cervicalis, biarmieus C.L. Brehm, Naumannia 1856. p. 330. tanypterus, cervicalis, biarmicus A. Brehm, Naum. 1856. p. 222— 229. Blasius, Naum. 1857. p. 256. barbarus L., S. N.? barbarus Gm., S. N. p. 272? barbarus Bp., C. I. p. 24. partim. barbaricus Brisson ? lanarius nubieus Schlg., M. P. B. Falc. p. 15. lanarius Cochran, Ibis 1864. p. 183. lanarius v. Heuglin, N.-O.-Afrika p. 23. lanarius Lindermayer, V. Griech. 1860. p. 16. laniarius v. Pelzeln, Geyer und Falken II. p. 20. biarmieus Rüppeil (nec Temm.), Neue Wirbelthiere, p. 44. 1855. biarmieus = F. cervicalis Taylor, Aegypten, Ibis 1859. p. 44. . biarmicus (Brehm) Adams, Cab. Journ. 1864. p. 385. cervicalis Heuglin, Uebs. No. 44. cervicalis Hgl., Cab. Journ. 1862. cervicalis Antinori, Cat. p. 14. Hartmann, Cab. Journ. 1860. p. 422 und 1863. p. 235. König-Warthausen, Ibis 1860. p. 422. Selater, Procid. 1864. p. 107. F. Osiris Pr. v. Würt., (teste Heuglin). *) Der Falco lanarius Pallas mit seinem Verwandten F. mezicanus steht dem grossen Edelfalken näher, bildet aber wohl besser eine eigene Gruppe. 42 E. F. von Homeyer: b. Falco Feldeggiü Schlegel, Abh. T. 10 und 11. _ — Susemihl, Taf. 8. — — Fritsch, Vög. E. Taf. V. fig. 1. et 2. F. alphanet Schlegel, Trait. Fauc. F. barbarus Bp., Consp. I. 24. No. 16. partim. F. lanarius graecus Schlg. F. peregrinoides Fritsch, V. E. p. 6. Il. 2. = vd alle, ben 13. r babylonicus Howard Irby, Ibis 1861. p. 218. Pl. 7. F. lanarius v. Heuglin, N. O. Afrika p. 26. . Fritsch, Cab. Journ. 1855. p. 267. F. lanarius Bp., Consp. p. 24. No. 15. F. peregrinoides Gray, = en Horst x Biyth., Ibis 1863. p. 8, gehören ebenfalls zu einer dieser Gruppen. Schlegel hat sich veranlasst gesehen, aus alten Falkenbüchern (diesem Falken den Namen Falco lanarius nubicus und F\ I. graecus zu geben, und wunderbarer Weise ist diese Namengebung von vielen Autoren, darunter auch von Heuglin angenommen. Einmal kann ein altes Falkenbuch nimmer eine wissenschaitliche Autorität sein und daher auch keinen Anspruch auf Priorität begründen, andern Theils aber war ein anderer Falke bereits unter diesem Namen allgemein eingeführt, wenn auch von Linne zweifelhaft, doch von Pallas unverkennbar. Wollte Schlegel nun den von ihm selbst ge- gebenen Namen Falco Feldeggü abändern, so musste er ausserhalb der Falkenbücher und — wie oben dargethan — nach Einführung des Linn@’schen Systems, den ältesten bekannten Namen wählen. So lange nun die hier vereinigten Arten getrennt betrachtet wurden, musste Falco Feldeggü erhalten bleiben für die dalmatinische, re- spective griechische Form, während die nordafrikanische den älte- sten Namen erhalten musste, und dieser war Falco tanypterus Licht. Man könnte hier einwenden, dass dieser Name nur ein Museums- name sei; allein dies ist in diesem Falle nicht stichhaltig, da der- selbe von vielen Autoren unzweifelhaft für diese Art angewendet wurde und damit der Einwand wegfällt. Sonach muss der Lichten- steinsche Name als der allein berechtigte betrachtet werden. Es konnte sich nunmehr nur darum handeln, ob Falco Feldeggü noch als besondere Art betrachtet werden könne, oder mit Falco tany- pterus vereinigt werden müsse. Seit langen Jahren habe ich diese Gennaja und Falco. | 43 Falken einem sorgfältigen Studium unterworfen und unermüdlich gestrebt, Artkennzeichen aufzufinden, welche den Feldegg-Falken von dem pfeillleckigen Falken unterscheiden; allein es ist mir nicht ge- lungen, auch nur ein einziges stichhaltiges Kennzeichen aufzufinden, weder in der Form, noch in der Färbung oder in der Grösse, so dass ich zu der Ueberzeugung gelangt bin, dass beide nur eine Art ausmachen und nicht einmal als geographische oder klimatische Varietäten zu betrachten sind. Dennoch habe ich getreu dem, was ich oft bei Vereinigung von bisher getrennten Arten ausgesprochen und nach dem Vorgange Heuglin’s die Synonymen beider bisheriger Arten, soweit es mir möglich war, auseinander gehalten und Falco tanypterus unter a., Falco Feldeggü unter b. aufgeführt, damit spä- teren Forschern die Untersuchungen erleichtert werden. Es konnte hierbei hauptsächlich nur das Vaterland die Entscheidung geben und auch dies ist kaum überall ein unbedingt richtiger Leitfaden, da in Nordostafrika nicht allein zur Winterzeit die europäischen Falken in Menge einwandern, sondern dort auch zur Sommerzeit solche Exemplare nicht selten sind, welche von den europäischen in kei- ner Weise zu unterscheiden sind. Den südafrikanischen und den indischen rothköpfigen Falken habe ich jedoch mit dem nördlichen nicht vereinigen können, da derselbe sich davon zu unterscheiden scheint, wenn auch die Unter- schiede kaum. sicher festzustellen sind. Da jedoch dieser Falke bisher in den deutschen Sammlungen ausserordentlich selten ist, so war es nicht möglich, eine hinlängliche Anzahl von Stücken zu vergleichen, um zu einem festen Resultate zu gelangen. Der in- dische ist nach dem Zeugnisse Blyth’s verschieden, und auch mir schien eine Vereinigung nicht wohl möglich. Hier will ich noch erwähnen, dass die Beschilderung der Füsse des Falco tanypterus keineswegs ein Kennzeichen zur Unterscheidung vom f. Feldeggü abgiebt, da dieselbe nicht so constant verschieden ist, als Schlegel dies meint. Finsch und Hartlaub, die sonst sehr schwierig in der Aufstel- lung von Arten geworden sind, trennen die hier vereinigten Falken noch vorläufig. l. c. Aber schon Kaup in seiner Monographie der Falken (l. c. Anmerk.) sagt: „Mit dem besten Willen kann ich Schlegel’s laniarius sive Feldeggü nicht von dem tanypterus unterscheiden. Die Differenzen in den Dimensionen sind so unbedeutend, und die Beschreibung, der verschiedenen Kleider so wenig abweichend, dass ich nicht ein 44 E. F. von-Homeyer: sicheres Kennzeichen anzugeben vermag, wodurch beide Arten sich von einander unterscheiden sollen.“ Es ist dies gewiss ein sehr gewichtiges Urtheil, da Kaup sich stets eine unabhängige Ansicht bewahrt und die Falken einem speciellen mühsamen Studium unter- worfen hat. | F. barbarus L. Gm. und barbarieus Brisson, sind nicht mit Sicherheit zu bestimmen, da es in neuerer Zeit wahrscheinlich ge- | worden ist, ‘dass sowohl dieser Falke, als auch der zur Gruppe der echten Wanderfalken gehörige peregrinoides Temm. in Nord- afrika vorkommt. Es wird nämlich der F. puniceus von verschiede- nen Seiten und auch von Heuglin in seinem neuesten Werke zu peregrinoides Temm. gezogen, und es sprechen auch verschiedene Gründe dafür; allein für erwiesen ist es nicht zu betrachten, so lange nicht das Verhältniss der Mittelzehen zum Tarsus und des Schwanzes zum Oberflügel festgestellt ist. Die angegebenen Maasse (Ibis 1859. p. 183. Taf. VI) sprechen allerdings für peregrinoides, allein es fehlt die Länge der Mittelzehe und des Oberflügels. Die prächtige, von dem berühmten Wolf gegebene Abbildung von der Vorder- und Rückseite zeigt aber nicht die so charakteristische Färbung des Hinterkopfes, wie wir dieselbe bei peregrinoides ken- nen, sondern stimmt ganz mit alten griechischen Männchen von F. Feldeggü überein. Es bleiben daher noch begründete Zweifel über die Stellung von puniceus zu erledigen, bevor demselben sein Platz endgültig angewiesen werden kann. F. lanarius Schlegel, und zum Ueberflüsse nach der’ beliebten Schlegel’schen Methode auch noch ein dritter Name — nubicus oder graecus — ist bereits eben besprochen. Nur der Name selbst ver- dient noch einer kurzen Erörterung. Lichtenstein, Kaup und Blasius sind mit Entrüstung über Temminck hergefallen, wegen seines Di- armicus, und man hat ihm gesagt, dass der Name nicht etwa die Bartstreifen bedeute, sondern von Biarmien (Pern) abzuleiten sei. Es fragt sich nun, wie Gloger bereits angeregt, ob Lanarius von etwas Anderm als Zana abzuleiten sei und würde ZDanarius danach eben so unpassend gewählt sein, als Diarmicus. Gloger hat nun eine Verbesserung dieses Namens vorgeschlagen und durch Einschiebung _ eines I, Zaniarius daraus gemacht; allein diese Aenderung ist gleichbe- deutend mit einer neuen Namengebung und daher zu verwerfen, _ denn man würde doch Linn6 oder Pallas unmöglich eitiren können, da dies eine directe Unrichtigkeit enthalten würde. F. biarmicus, dieser so arg verpönte Name, und cervicalis wird Gennaja und Falco. 45 ' von einigen oben citirten Schriftstellern aus Egypten aufgeführt, allein es fehlt bisher der Beweis, dass dieser südafrikanische Falke jemals in Nordafrika vorgekommen ist. Es ist daher mit grosser Wahrscheinlichkeit F. tanypterus darunter zu verstehen. | b. F. Feldeggii wurde zuerst durch den Oberst Feldegg in Dal- matien, später durch Lindermayer in Griechenland aufgefunden. Exemplare aus letzter Localität scheinen in der Mehrzahl um ein Weniges grösser, als die dalmatinischen, ohne sich weiter zu unter- scheiden. Dieser Name würde bei Verwerfung von tanypterus die Priorität haben. F. alphanet ist ein ganz verrosteter Falkoniername, von dem es unmöglich ist, einen bestimmten Nachweis zu führen. Fritsch 1. c. bildet auf Taf. II. fig. 2 einen Falken als peregr:- noides ab, der als junger Vogel bezeichnet, der Färbung nach aber ein altes Weibchen ist. Derselbe ist von Pregl aus Dalmatien - gebracht und in jeder Beziehung ein echter F. Feldeggu. Es ist sehr zu bedauern, dass Fritsch nicht das Verhältniss der Mittelzehen zur Fusswurzel angegeben hat, was allein hinreichen würde, beide Vögel sofort mit Sicherheit zu unterscheiden, indem peregrinoides den echten (langzehigen) Wanderfalken, Feldeggü den (kurzzehigen) Raub- falken angehört. Erstere sind bisher mit Sicherheit nicht in Europa nachgewiesen. | F. babylonicus ist unzweifelhaft ein jüngerer Vogel dieser Art, wie ich ganz ähnliche aus Griechenland erhielt. Hierher möchte ich auch noch den F. lanarius v. d. Mühle rechnen, indem es sehr wahrscheinlich ist, dass die in der Türkei nistenden Falken dieser Art auf dem Herbstzuge Griechenland häufiger berühren, als der lanarius Pallasii, der bei seinem mehr östlichen Vorkommen seinen Zug mehr nach Asien hat. Derselbe kommt zwar auch in Ungarn vor, allein doch immerhin in kleiner Zahl und bisher kaum aus Griechenland nachgewiesen. Bei dieser Gelegenheit will ich noch erwähnen, dass der von Baldamus in Ungarn nistend gefundene Falke — wie ich mich überzeugt — der echte F. /anarius Pallas ist und nicht hierher gehört, wie ich irgendwo gelesen, ohne augenblicklich den Autor angeben zu können. Viele der vorstehend bezeichneten Verwechselungen und Irrungen hat Schlegel durch die Namenänderungen herbeigeführt, die man berechtigt ist directe Verdrehungen zu nennen, da, was dem einen 46 E. F. von Homeyer: zukam, dem andern gegeben wurde. Die Verwirrung ist dadurch in die ganze Falkengruppe gekommen, da sich die Mehrzahl der Autoren diese Namen angeeignet hat. Selbst Heuglin in seinem neuesten Werke hat leider diese Schlegel’schen „Verbesserungen“ acceptirt, während Finsch und Hartlaub sich frei davon gehalten haben. Ueber letzteres Werk habe ich, betreffend die Synonymen, die mit gewohnter Schärfe der Kritik gewählt wurden, nichts zu erinnern, als dass einige Bezeichnungen fehlen, die hierher gehören und welche den Autoren vielleicht zweifelhaft geblieben sind. Es ist dies Verfahren weit besser, als eine Menge unzuverlässiger Na- men zusammen zu häufen, die sich später als unrichtig erweisen. Heuglin’s Ornithologie N.-O.-Afrikas enthält ausser der erwähnten Bezeichnung des Hauptnamens noch einige Citate, mit denen ich durchaus nicht einverstanden sein kann und die ich weiter unten bei F. peregrinoides besprechen werde. Ganz ausserordentlich übersichtlich hat Blasius in Cab. Journ. l. c. diese Gruppe behandelt, namentlich eine grosse Zahl sehr genauer Ausmessungen gegeben, die bei Beurtheilung derselben von grossem bleibenden Werthe sein werden. Ich werde weiter unten bei specieller Besprechung der Arten noch besonders darauf zurückkommen. Die Gruppe der kurzzehigen Wanderfalken unterscheidet sich durch die oben angegebenen Verhältnisse sehr leicht von den eigent- lichen Wanderfalken. Desto schwieriger ist die Feststellung und Unterscheidung der Arten untereinander, indem sie, wie die Wander- falken, nach dem Alter ganz ausserordenlich abändern, auch noch, wenn man sie bereits als ausgefärbt betrachten muss. Namentlich die Flecken der Unterseite sind auch unter den alten Vögeln gar sehr verschieden: hier scharf und deutlich, dort fast ganz fehlend, hier die Grundfarbe fast weiss, mit wenig bemerkbarem rostlichen Anflug, dort die ganze Brust einfarbig weinröthlich. Die Ober- seite, welche bei den alten Vögeln mehr oder weniger in’s Grau- blaue zieht, wenigstens bei frisch vermauserten Vögeln, ist oft dü- sterer als beim Wanderfalken; namentlich ist dies bei Exemplaren der heissen Klimate der Fall, wenn das Gefieder bereits lange den Einwirkungen der brennenden Sonne ausgesetzt gewesen ist. An solchen Vögeln verschwindet dann auch wohl der bläuliche Schein des frischen Gefieders ganz und es tritt an die Stelle ein düsteres Braun, während der Oberkopf und Nacken durch Abreibung dunkler Federtheile und dadurch bewirktes Hervortreten, vielleicht auch | | | | Gennaja und Falco. 47 weiterer Ausbreitung der Rostfarbe, ein ganz anderes Aussehen ‚ erhält. Es ist daher ausserordentlich schwierig, bei so wandelbaren Färbungen ein constantes Artkennzeichen zu finden, auch ist dies bisher noch Niemand gelungen. Die Maasse der europäischen und | | \ der nordafrikanischen Rothkopffalken lassen eben so wenig eine ' Grenze erkennen, wenn es auch im Allgemeinen erscheinen will, _ als seien die europäischen, namentlich die griechischen Exemplare _ ein wenig grösser. Die Verhältnisse im Bau der einzelnen Theile sind jedoch durchaus dieselben und selbst die von Schlegel hervor- gehobene Beschuppung der Tarsen, die bei den afrikanischen Falken stärker und deutlicher sein soll, als bei den europäischen, bietet durchaus kein constantes Kennzeichen. Es bleibt daher nichts übrig die Trennung von F. tanypterus und F. Feldeggü zu begrün- den; weder die Farbe, die Grösse, oder die Verhältnisse, noch die geographische Verbreitung, denn der europäische Falke kommt nicht allein in Esypten, sondern bis Nubien ganz ebenso als Brutvogel vor, wie in Europa, ja alle Abänderungen stets an derselben Stelle. Es ist mir daher unmöglich, hier eine Artverschiedenheit festzuhalten. Das Vaterland dieses Falken würde demnach begreifen: Egyp- ten (Brehm), Nubien, Kordofan, Syrien (Heuglin, Hempr. und Erhenb.), Abessinien (Rüppell), Algier (Tristram, Levaillant?), Marocco, Malta? ( ), Griechenland (Lindermayer, v. d. Mühle), Dalmatien Feldegg, Pregl). Es ist unmöglich festzustellen, welche dieser Fund- orte für den europäischen oder für den asiatischen Falken gelten sollen. Wieweit die Verbreitung einerseits südlich nach Innerafrika, anderseits östlich nach Asien gehen mag, bleibt noch festzustellen. 2. Falco cervicalis Licht. M. B. F. cervicalis Kaup, Isis 1847. p. 69. — Bp. Consp. p. 24. No. 17. F, biarmieus Temm., Pl. col. 21. p. 324. F\. chiqueroides A. Smith. F. lanarius capensis Schlegel. Wie bereits bei F. tanypterus erwähnt, ist der Temminck’sche Name der ältere, und wenn sich auch begründete Einwendungen gegen die etymologische Bildung desselben machen lassen, so be- gründen dieselben doch nicht die Verwerfung. Wollte man mit solcher nutzlosen Kritik eine strenge Sichtung aller Namen vorneh- men, so würde eine Menge der bisher allgemein eingeführten Na- men verworfen werden müssen, zumal alle diejenigen, welche nach dem ersten besten Laute einer wilden Völkerschaft nachgebildet sind und wovon es eine ganze Menge giebt. Es kommt aber für die Wissen- 48 E. F. von Homeyer: schaft sehr wenig auf die Bildung des Namens an, sofern er nur den Gegenstand von allen ähnlichen unterscheidet und nicht bereits | früher anderweitig angewendet wurde. Die Unterscheidung von allen ähnlichen Gegenständen ist ja der einzige Zweck der Namen- gebung und wenn die Diagnose klar und die Bestimmung unzweifel- | haft ist, so bleibt der Name selbst ziemlich gleichgültig. Ja es wird durch dergleichen Verbesserungen, wo man nur zu leicht ver- sucht werden kann sein Licht leuchten zu lassen, der Wissenschaft geschadet, indem theils Verdunkelungen hervorgerufen, theils ganz unnöthiger Weise die Zahl der Synonymen vermehrt wird, wodurch dem Forscher eine kostbare Zeit genommen wird, die jedenfalls für die Wissenschaft anderweitig nützlicher zu verwenden wäre. In vorliegendem Falle liegt die Sache jedoch etwas anders, in- dem der Name cervicalis allgemein angenommen ist und daher eine Aenderung nur neue Verwirrungen hervorrufen würde, die, wie wir oben gesehen, ohnehin in der Gruppe der grossen Falken alles Maass überschreiten. Der rothköpfige Falke steht dem pfeilfleckigen Falken sehr nahe, und es bleibt späteren Untersuchungen überlassen, ob die Artverschiedenheit beider aufrecht zu erhalten sein wird; indessen sprechen doch verschiedene Gründe für die Selbstständigkeit der Art. Alte tanypterus kommen zwar auch mit ungefleckter weinrother Brust vor, allein dies ist nur in Ausnahmefällen im höchsten Alter der Fall, während F. cervicalis, wie ein Exemplar des Mainzer Mu- seums beweist, diese Färbung sogleich nach der ersten Mauser erhält, auch das Jugendkleid stärkeres Rostroth im Genicke hat, wie tanypterus. Dabei ist er constant kleiner, und nach den wenigen Exemplaren, die ich untersuchen konnte, scheinen die Verhältnisse und namentlich der Flügelbau etwas abweichend, wie dies weiter unten in den aufzustellenden Tabellen weiter erörtert werden soll. Man fand diesen Falken bisher nur im südlichen Afrika, und alle Angaben seines nördlichen Vorkommens sind unerwiesen und beruhen wohl auf einer Verwechslung mit dem tenypterus im ganz hohen Alter mit weinrother ungefleckter Brust. | 3. Falco jugger Gray, Ind. Zool. Gould, B. of A. 1. Schlegel, Abh. I. 15. Kaup, Isis 1847. p. 71. Bp., Consp. I. p. 24. Gennaja und Falco. 49 Blyth, Ibis 1863. p. 8. F. lugger Jerdon. F. thermophilus Hodgs. ? | Constant in einigen Verhältnissen und in der Färbung von den | beiden vorigen verschieden. Er ist in Indien gemein und daher ‚in englischen Sammlungen, wie Kaup angiebt, sehr zahlreich ver- treten. In den deutschen Sammlungen scheint er immer noch ' ziemlich selten. Zu dieser Gruppe der Falken werden gewöhnlich auch noch die Würgfalken gerechnet, von denen F, lanarius Pallas der Typus ist. Diese unterscheiden sich jedoch in wesentlichen Dingen, z. B. durch die Färbung, wo alles Aschblaue oder Schieferblaue fehlt, durch die in der Jugend blauen Füsse und durch etwas andere Verhält- nisse. Ausserdem weichen sie in der Lebensweise ab und nähern ‚sich in mancher Beziehung dem grossen Edelfalken. Man kennt drei Arten, von denen eine dem westlichen Asien und südöstlichen Europa angehört, die anderen beiden in Amerika vorkommen. Die Auseinandersetzung dieser Gruppe wird einstweilen unterlassen, und wir kommen zu der Gruppe der echten Wanderfalken. | Falco, Kaup. Die Mittelzehe ohne Nagel, so lang oder länger als die Fuss- wurzel; der Schwanz kürzer als der Oberflügel. Ueber die ganze Welt, mit Ausnahme der äussersten Polar- gegenden, verbreitet. uk ab00 pere grinus Auct., Gemeiner Wanderfalke. | 2. - Naumann, T. 24 et 25. Gould, B. of. E. T. 21. Schlegel, Cat. Falc. p. 1 partim. — fauconn. fig. Rüppell, Syst. Ueb. No. 24. Heuglin, Syst. Ueb. No. 41. Brehm, Habesch p. 211. — . Liierleben II. p. 417. Falco abietinus Bechst. F. communis (Gm? I. p. 270) Bp. Cp. 19. F. gyrfalco (Fauna suecica L.?) Schlegel, Kritische Ueber- sicht p. I. Cab. Journ. f. Ornith. XIX. Jahrg. No. 109. Januar 1871. 4 50 E. F. von Homeyer: “os. Falco anatum Bp., Csp. p. 23. — =. an. Oral. 0: _ — Audubon, Am. Orn. T. 16. Dieser Falke bietet ganz ähnliche Erscheinungen, wie wir die- selben beim tanypterus gesehen haben, nur treten hier noch mehr verwandte Formen auf, die theilweise noch nicht endgültig festzu- stellen sind. Aber auch die alten europäischen Vögel ändern ausser- | ordentlich, sowohl in der Grösse, als auch in der Färbung ab. | Ganz unzulässig erscheint namentlich die Trennung der nordame- rikanischen Wanderfalken, indem in Europa viele Exemplare eben so dunkle Köpfe haben und ausserdem auch nicht der geringste Unter- schied aufzufinden ist. Ausserdem giebt es noch drei Arten, welche wir hier noch besonders aufführen und deren Artselbstständigkeit noch nicht hinlänglich erwiesen ist. Es sind dies F. minor aus | Südafrika, P, calidus aus Ostindien und F. melanogenys aus Australien, | Man hat in neuerer Zeit diesem Falken auch einen andern Namen gegeben und zwar den Gmelin’schen F. communis. E3s wäre nun zwar eine wahre Wohlthat für die Wissenschaft, wenn alle Gme- lin’schen Werke dem Feuer überliefert würden, da dieser Erzcon- | fusionarius den Linne so verballhornt hat, dass in der That nichts daraus zu machen ist. Es ist jedoch schwer zu begreifen, wie man aus der Diagnose des F. communis unsern Wanderfalken hat er- kennen wollen. Gmelin sagt l. c.: cera, iridibus pedibusque luteis. Bisher hat man denn doch noch keinen Wanderfalken mit hell- gelben Augen gesehen, ja die dunkelbraunen Augen haben alle wahren Falken gemein. Aber auf solche Kleinigkeiten kommt es nicht an, wenn ein alter allgemein eingeführter Name verworfen werden soll, , und um auf der Höhe der Wissenschaft zu bleiben, greift man rasch‘ solche vermeintlichen Berichtigungen auf. Auch der Anfang der‘ Gmelin’schen Diagnose lässt keineswegs einen Wanderfalken er-- kennen, wenigstens keinen alten. Dieselbe lautet vollständig: F. fuscus, pennarum margine'rufo, cauda taenüs tvansversis; saturatioribus, rostro ex einereo coerulescente, cera, iridibus pedi-- busque luteis. Das sind Bezeichnungen, die man nach Belieben auf viele’ Raubvögel anwenden kann, nur nicht auf einen alten Wanderfalken.. Es ist viel wahrscheinlicher, dass Gmelin einen jungen palumbarius: vor sich gehabt hat, wenn er überhaupt mehr gethan hat, als aus: alten Büchern ohne alle Kritik abgeschrieben. Hier scheint Gm. | Gennaja und Falco. 51 ‚den Brisson, aber nicht zum Vortheil der Wissenschaft verbessert ‘zu haben, was aus der Reihenfolge der Falken hervorgeht. In ‚meiner (lateinischen) Ausgabe des Brisson finde ich unter dem Gmelin’schen Citat p. 92. No. 4. Falco fuscus. In der Diagnose heisst es: Pedes sunt flavi ad viridi inclinans ete. Sollte nun Gmelin in seiner bodenlosen Unzuverlässigkeit aus viridi — iridi- bus construirt haben? Unmöglich wäre dies eben nicht. Schlegel eitirt 1. c. die Fauna suecica p. 23. No. 64 (In ' meiner Ausgabe (Lugduni 1746) p. 21. No. 62) unter F. Gyrfalco Linn. Nun hat aber Linn& in der ganzen Diagnose den Namen _Gyrfalco gar nicht und führt ihn nur unter den Citaten von Will. und Raj. auf. Es ist daher gänzlich unthunlich, hier F. Gyrfalco L. zu sagen. Ueberhaupt kann die Fauna suecica wohl wesentlich zur Erkennung der Linne’schen Arten beitragen, allein als Grund- ‚lage zur Namengebung ist sie nicht geeignet, da Linn& zu der Zeit (1746) die doppelte Namengebung noch nicht durchgeführt hatte und dabei die 12. Ausgabe seines Natursystems allein maassgebend ‚sein kann. Vorstehend glaube ich die Unzulässigkeit des F. com- munmis dargethan zu haben, der, wie so mancher Schlegel’sche Name, wohl nicht so allgemeine Verbreitung gefunden hätte, wenn Bp. dieselben nicht fast alle im Conspectus aufnahm. Die Verbreitung dieses Falken lässt sich heute noch nicht mit einiger Sicherheit bestimmen, theils weil die Grenze der Art über- haupt noch nicht feststeht, theils weil bei den so nahe stehenden Arten Verwechselungen zu häufig vorkommen. In Europa geht er ‚fast bis in den äussersten Norden, scheint jedoch im nördlichsten Asien nicht vorzukommen, wenigstens fand Middendorff ihn dort nicht und erwähnt seiner nur als gesehen am Ochotskischen Meere. Schrenck fand ihn im Amurlande nicht selten, allein es steht keines- wegs fest, ob hier nicht eine der indischen Formen vorkommt. Nach Blyth kommt er bisweilen in Indien vor. Im westlichen Asien und nördlichen Afrika ist er eine gewöhnliche Erscheinung und kommt nach Gurney — wiewohl selten — bis in die Südspitze Afrikas vor. Die Form b. ist in Nordamerika heimisch. 2. Falco minor Bp., Der südafrikanische Wanderfalke. Rev. d. Zoolg. 1850. p. 484. Id. Consp. I. p. 23. No. 5. Gurney, Ibis 1861. p. 131. Kaup, Isis 1847. p. 74. No. 15. partim. Ein kleiner Wanderfalke, der in Südafrika heimisch ist und 4* 52 E. F.von Homeyer: sich ausser der geringen Grösse (das Weibchen ist S0 8Y0SS, wie das Männchen von peregrinus) noch durch sehr starken Backen- streifen auszeichnet. Hielten nicht sehr tüchtige englische Natur- | forscher die Art aufrecht, so würde ich gerathen haben, dieselbe mit peregrinus zu vereinigen, indem in Europa und namentlich in 1 Deutschland — öfter auf dem Zuge — eben so klein® Falken vor- kommen und die Breite der Backenstreifen ebenfalls wandelbar ist. | Kaup 1. c. vermischt diesen Falken mit peregrinoides. 3. Falco calidus Lath. Blyth, Ibis 1863. p. 7. F. peregrinus of India. Auct. Es scheint mir sehr zweifelhaft, ob dieser Falke, der nach | Gurney nicht östlich von der Bai von Bengalen vorkommen soll, sich von peregrinus constant unterscheidet. Da ihn jedoch die eng- lischen Naturforscher, die bei indischen Vögeln so reiches Material zur Hand haben, noch gesondert halten, nehme ich Anstand, ihn damit zu vereinigen. 4. Falco peregrinator Sund. Physiografiska Tidskrift 1838. Isis 1842. p. 683: F. sultaneus Hodgs. F. ruber indicus Aldrov.? F. herbaceus Tickel? - F. shaheen Jerdon. F. peregrinator Gould, B. of. A. T. 36. Blyth Ibis 1863. p. 8. Kaup Isis 1847. p. 74. Die Sundevall’sche Diagnose lautet: Niger; subtus ferrugineus, antice pallidior: pectOore longitudi- I naliter nigro maculato, abdomine, crisso Ublisque. irregulariter nigro fasciatis; cauda alas superante. Diese Falke scheint stets einen dunkeln Oberkörper und rost- | farbene Seiten zu haben, auch ausserdem sich durch abweichende I Verhältnisse von peregrinus constant zu unterscheiden. Sundevall, || der ihn frisch erhielt, sagt: „Möglicher Weise ist er für eine tropische Abart von peregrinus anzusehen; aber die reine schwarze Farbe oben auf dem Körper, die kurze Flügel und die ungewöhnlich | grossen, hervorstehenden Augen zeigen bei diesem Vogel eine be- deutende Verschiedenheit von der gewöhnlichen Form der ge- nannten Art.“ Dieser Falke muss wohl als ehtschäökienh Art betrachtet werden, |: | | Gennaja und Falco. 53 ‚dessen Verbreitung aber noch nicht genügend festgestellt ist. In ‚Ostindien ist er durchaus nicht selten, fehlt aber noch vielen deut- schen Sammlungen. 5. Falco melanogenys Gould. B. of Aust. T. 8. 7 Bp. Csp. p. 23. No. 2. F. macropus Sw.? Dieser Falke, der in Australien und auf den Inseln der Südsee vorkommt, scheint dem peregrinus ganz ausserordentlich nahe zu stehen, und es ist immerhin möglich, dass spätere Forscher, wie das zum Theil schon heute geschehen, ihn damit vereinigen werden. Immerhin wird es jedoch nöthig sein, die Wanderfalken dieser Länder noch scharf in’s Auge zu fassen, da es sehr zweifelhaft ist, ob alle zu einer Art gehören. Wir wissen zwar, dass die Wander- falken, wie manche andere Raubvögel, ganz ausserordentlich in der Grösse abändern, dennoch kommen Exemplare von so riesigen Ver- hältnissen vor, dass sie nicht mit peregrinus zu vereinigen sind. Ich spreche hier nicht von F. subniger, der überhaupt nicht in diese Gruppe gehört und der daher später abgehandelt werden soll, allein ich will darauf aufmerksam machen, dass ausser demselben möglicher Weise noch zwei Wanderfalken in Australien vorkommen, was sich erst feststellen lässt, wenn Jemand ein reicheres Material zur Hand hat, wie es mir beschieden war. In deutschen Samm- lungen scheint dies allerdings nicht zu finden, dech lässt sich wohl annehmen, dass England dergleichen bietet, vielleicht auch Leiden. | 6. Falco peregrinoidesT. Pl. ecol. 479. — Susemihl, T. 9. fig. 1. Bp. Csp. 1. p. 23. Schlegel, Traite de fauc; idem Cat. Falc. p. 5. F. barbarus Heuglin, N.-O.-Afr. p. 21. F. peregrinoides Kaup, Isis 1847. p. 74. partim. F. Feldeggii Brehm (nec Auct.), Naum. 1856. p. 218. 328. Blasius, ibid 1856. p. 465. 478 und 1857. p. 260. F, puniceus Lev. jun. Algier?? F, puniceus Salvin, Ibis 1859. p. 188. T. VI.?? So leicht dieser Falke bei hinlänglicher Kenntniss von allen anderen zu unterscheiden ist, scheint er doch noch immer zu selten zu sein, um allgemein gekannt zu werden. Kaup, der die Falken einem speciellen eingehenden Studium 54 E. F. von Homeyer: unterworfen hat, vermischt ihn mit dem kleinen südafrikanischen | minor. | Fritsch, in seiner Naturgeschichte der Vögel Europas, bildet | einen F. Feldeggü 1. c. ab, wie dies bereits bei Besprechung des letzteren Falken erwähnt wurde. | Brehm, durch v. d. Mühle, der ihn glaubte in Griechenland | gefunden zu haben, veranlasst, hielt ihn für F. Feldeggü. | Heuglin, Salvin u. A. halten ihn für den F. barbarus der alten Schriftsteller und man kann behaupten, dass die Linne’sche Diag- nose sich mit einigem guten Willen auf diesen Vogel deuten lässt, aber auch ebenso auf F. tanypterus, und es kommt nur darauf an, welcher von diesen Falken in Nordafrika vorkommt, oder ob beide dort heimisch sind. Dass ein tanypterus, der, wie wir oben gesehen haben, nicht allein in N.-O.-Afrika, sondern auch in S.-O.-Europa keine seltene Erscheinung ist, ebenfalls in Tunis und Algier und, wenn auch‘ seltener, in Marocco vorkommt, wird sich ohne Zweifel herausstellen. F. peregrinoides, der, so viel bekannt, ein mehr südliches Vor- kommen hat, scheint allerdings auch im nördlichen Afrika, wenn auch seltener, zu leben, und wenn es sich bestätigt, dass F. puniceus, wie Heuglin meint, hierher gehört, so sind alle Zweifel gehoben. Wie jedoch bereits bei F. tanypterus auseinander gesetzt ist, habe‘ ich vorzüglich auf die Autorität des in der afrikanischen Ornithologie so hochunterrichteten Heuglin diesen Falken, wenn auch mit grossem Zweifel, hierher gezogen und halte fernere Untersuchungen über den puniceus für dringend geboten. Heuglin ist der Meinung, dass ich früher die Artselbstständig- keit des peregrinoides angezweifelt, indem ich dies in Bezug des barbarus Bp. bei Besprechung seiner critischen Uebersicht — Naum. 1852. p. 74 — that. Bonaparte’s barbarus gehört aber gar nicht hierher, wenigstens nur theilweise, denn F\. peregrinoides‘ v. d. Mühle und F. alphanet Schleg. sind zu Feldeggiü gehörig, auch rechnet Bp. in seinem Consp. den dbardarus zur Gruppe der kurzzehigen Falken. Der Name bardarus, den Heuglin leider ge- wählt hat, wird daher von mir auch heute noch ebenso angezweifelt, noch ebenso verworfen, wie dies vor achtzehn Jahren geschehen ist. Wäre seine Anwendung von Linn& auch unzweifelhafter festzustellen, als dies überhaupt möglich ist, so würde schon die Verwirrung, welche dieser Name in neuerer Zeit verursacht hat, davon abrathen.. Immer wieder muss ich darauf zurückkommen, dass durch Hervor- Gennaja und Falco. 55 _ suehung solcher unbestimmbarer alter Namen der Zweck jeder Namengebung (die sichere Bezeichnung des Naturproducts) ver- ' loren geht. Hier haben wir nun einen dardarus bei Bp. in der ' Gruppe der kurzzehigen, bei Heuglin in der Familie der lang- ' zehigen Falken, also nicht allein bei verschiedenen Arten, sondern ‚ bei verschiedenen Gattungen, und es ist nicht einmal zu entschei- den, wer Recht hat. Die Verbreitung dieses Falken giebt Heuglin an: „Tunis, Al- gier, Dalmatien (Fritsch), Hindostan (Mus. Lugd). Ferner: Hat sich nach Holland verflogen, wo ein Männchen im August 1857 ‚gefangen wurde.“ Nach Exemplaren der Berliner und der Heine’schen Sammlung kommt er in Sennaar und Nordostafrika wie in Nubien vor. 'Das Vorkommen in Dalmatien (nach dem Fritsch’schen Werke) muss ich entschieden bezweifeln, wie dies bei tanypterus bereits besprochen ist. Da sich das von Fritsch 1. c. abgebildete Exemplar in Wien in der Sammlung des zoologischen botanischen Vereins befindet, so wird wohl das Verhältniss der Mittelzehe zum Tarsus und des Schwanzes zum Oberflügel zu ermitteln sein und damit die Art endgültig festgestellt, was Hr. v. Pelzeln vielleicht übernimmt und den Erfolg im Journal mittheilt. Noch unwahrscheinlicher erscheint das Vorkommen dieses Vo- gels in Holland, und es ist wohl anzunehmen, dass hier ebenfalls eine Verwechselung vorliegt; überhaupt wäre es wünschenswerth, wenn die näheren Umstände dieses Vorkommens genau constatirt würden, da bisher noch kein Nachweis vorliegt, dass dieser Falke jemals in Europa vorgekommen ist. Was das Vorkommen in Hindostan nach dem Münchener Exemplar betrifft, so treten auch hier gewichtige Bedenken auf. Findet nicht hier etwa eine Verwechselung mit irgend einem in- dischen Falken statt, so muss das Herkommen etwas bestimmter nachgewiesen werden, als dies bisher geschehen, und nur, wenn die Quelle eine ganz sichere und unverdächtige, könnte eine so neue Erscheinung wie ein indischer peregrinoides Anerkennung finden, denn bisher haben Europa und Asien noch keine pere- grinoides aufgewiesen. Der vorstehenden Uebersicht dieser Falken soll demnächst eine Feststellung der Arten folgen. Warbelow, im November 1870. 56 L. Taczanowski: Nachsehrift. Wie verschieden die Ansichten über die Deutung alter Werke sein können, ersah ich in diesen Tagen, als ich die Raubvögel von Levaillant sen. durchmusterte. Sundevall, der mit grossem Scharfsinn die Kupfertafeln jüngst besprochen, deutet Taf. XIX der Quartausgabe auf Duteo tachardus, während mir dieses Bild den Pernis apworus unverkennbar darzustellen scheint, wenigstens so deutlich, wie wenige dieser Bilder ihren Gegenstand wiedergeben. Was will man nun dazu sagen, wenn es heute zur Mode geworden ist, auf blosse Vermuthungen hin allgemein eingeführte Namen zu verdrängen. Die Taf. XXVIII desselben so höchst unzuverlässigen Schrift- stellers, der sich nicht entblödet hat, unter seine afrikanischen Vögel beliebige Vögel aller Welttheile zu bringen, stellt einen gehäubten Wanderfalken dar, den man, wenn man will, als F. minor selten lassen kann. Es ist dies offenbar eine Verbesserung oder Verschönerung der Natur, die dieser leichtfertige Schriftsteller sich vielfältig hat zu Schulden kommen lassen. vH. Notiz über die ostsibirischen Numenius- Arten. Von L. Taczanowski. Pallas führt in seiner Zoographia rosso-asiatica nur zwei Arten von Brachvögeln an: N. arcuata und N. phaeopus, wobei er den ersteren einen in ganz Russland und Sibirien gemeinen Vogel nennt. Ausser der kurzen Diagnose: „N. corpore scolopaceo, alis nigris albo maculatis“ giebt er sonst keine specielle Beschreibung, selbst in einer Anmerkung folgen nur einzelne Sachen, die zur Aufklärung des fraglichen Gegenstandes nicht beitragen. Offenbar hielt er die grossen ostsibirischen Brachvögel und die europäische Art für eine und dieselbe. Erst in neuerer Zeit (1860) führte Dr. Schrenck in die Fauna dieses Landes eine Art ein, die früher von Australien, den Sunda- Inseln und Japan bekannt war und zwar N. australis Gould, von dem die Herren Woznesenski und Maack zwei Exemplare auf der Behrings-Insel und am Flusse Wilui erbeuteten. — Er selbst brachte einen jungen Vogel vom Amur her und zählte ihn zu dieser Art. Später fand Hr. Gustav Radde ein Männchen dieser Art an der Notiz über die ostsibirischen Numenius-Arten. 57 Kumara-Mündung, und dann glückte dies auch dem Hauptmann Przewalski im Ussuris-Lande Endlich sandte Dr. Dybowski dem Warschauer Zoologischen Museum ein Weibchen dieser Art, das am 1. Juni 1870 in Kuschtuk am Südstrande des Baikalsees erlegt war. Vorliegende Art ist so verschieden von der europäischen, dass sie Jeder leicht zu erkennen vermag. Doch giebt es in Ostsibirien noch eine Art des grossen Brachvogels, die dem europäischen Vogel ähnlicher ist und daher wohl mit diesem verwechselt werden konnte. Von dieser Art wurden mir durch die Herren Dybowski und God- lewski vier Exemplare zugeschickt, und zwar ein Männchen und zwei Weibchen von Darasun, jenseits der Jablonna-Gebirge, so wie ein Weibchen von Kuschtuk nebst einigen Eier-Gelegen. Dieser Vogel hat so viele wichtige unterscheidende Merkmale, dass er mit N. arcuata durchaus nicht verwechselt werden kann. Ich halte ihn für identisch mit dem N. nasicus Temm., den man von Ost-Indien und Sumatra her kennt. Zur bessern Darstellung des Unterschiedes dieses Vogels von der europäischen und der sibirischen Art, lasse ich hier eine ver- gleichende Beschreibung des N. arguata und australis folgen, die ich wörtlich dem Werke des Dr. Schrenck „Reisen und Forschungen im Amurlande“ Band I. Lieferung 2. p. 427 entnehme, der ich aber auch gleich eine entsprechende Beschreibung der zweiten ost- sibirischen Art beifüge. TN. argquata. „sesammtfärbung der Oberseite schwarzbraun und rostgelblich- weiss gemischt, mit grober, .- längsgestreifter als gesprenkelter Zeichnung. „Unterrücken von der Farbe und Zeichnung des Oberrückens abweichend, weiss; Bürzel und obere Schwanzdecke weiss mit schwarzbraunen Tines: und Pfeilflecken; Steuerfedern weiss und dunkelbraun gebändert; die braunen Bänder auf dem Schwanze ziemlich breit. „Die grossen Schwingen schwarzbraun, die ersten zwei oder drei nur mit weisslicher, braunbespritzter Innenkante oder, wie die folgenden, mit grossen weissen Zackenflecken auf der Innenfahne. „Unterseite weiss, meist nur an der Gurgel, in der Kropf- gegend und an den Brustseiten rothgelblich angelaufen; Gurgel, Kropf und Brust mit schmalen schwarzbraunen Längsflecken, die Weichen auch mit einigen breiteren Quer- und Pfeilflecken; die 58 3 L. Taczanowski: unteren Schwanzdeckfedern nur mit wenigen feinen braunen Schaft- strichen; Bauch und Schenkel ungefleckt weiss. „Unterseite des Flügels an der Spitze dunkelgrau, nach oben grau und weiss gebändert; Deckfedern weiss mit wenigen schwarz- braunen Querflecken; Achselfedern rein weiss, selten mit wenigen Längs- oder Querflecken.“ N, australis. „Gesammtfärbung der Oberseite schwarzbraun und rostgelblich gemischt, mit grober, mehr längsgestreifter als gesprenkelter Zeichnung. „Unterrücken und Bürzel von der Farbe und Zeichnung des Oberrückens, braun mit rostgelblichen Zackenflecken an den Feder- kanten; obere Schwanzdecke und Steuerfedern rostgelblichgrau und dunkelbraun gebändert; die braunen Bänder auf dem Schwanze ziemlich breit. „Die grossen Schwingen schwarzbraun, von der ersten an mit mehr und mehr tief einspringenden Zackenflecken auf der Innenfahne. „Unterseite rostgelblich, nur am Kinn und an der Kehle weiss; Fleckung an der Gurgel, am Kropf, an der Brust und den Weichen wie bei N. arquata; die unteren Schwanzdeckfedern ınit breiteren Schaftstrichen und die seitlichen auch mit Pfeilflecken wie die Weichen versehen; Bauch und Schenkel rostgelblich mit wenigen feinen braunen Schaftstrichen. „Unterseite des Flügels an der Spitze dunkelgrau, nach oben. grau und weissgebändert; Deckfedern weiss mit vielen schwarz- braunen Querflecken; Achselfedern in ihrer ganzen Länge scharf abgesetzt, weiss und schwarzbraun gebändert. N. nasicus. Gesammtfärbung der Oberseite schwarzbraun und rostgelblich- weiss gemischt, die Saumfeder schmäler und deutlicher wie bei N. arquata, sehr wenige helle Querflecke der Armfeder und Flügel- decken. Unterrücken, Bürzel und obere Schwanzdecke rein weiss, mit langen, sehr schmalen schwarzbraunen Streifen in den letzteren; | alle Steuerfedern rein weiss und dunkelbraun gebändert; die brau- nen Bänder auf dem Schwanze schmäler als bei der vorigen Art. Die grossen Schwingen schwarzbraun, die erste mit schmälerem | oder breiterem weissen Saume der Innenkante; die Innenfahne der | zweiten oder auch dritten und vierten mit breitem weissen Saume braungesprenkelt; die folgenden mit grossen weissen Zackenflecken. | Notiz über die ostsibirischen Numenius-Arten. 59 Unterseite weiss, an der Gurgel, Kropfgegend und an den Brustseiten sehr leicht rostgelblich angelaufen, mit schwarzbraunen Flecken der Gurgel, des Kropfes und der Brust, schmäler und länglicher wie bei N. arguata, ohne Querflecken an den Weichen; die schwarzbraunen Schaftstriche der unteren Schwanzdeckfedern sehr fein und lang; Bauch und Schenkel ungefleekt weiss. Die unteren Flügeldeckfedern rein weiss, mit wenigen schwarz- braunen kleinen Fleckchen am Vorderrande des Flügels; Achsel- federn rein weiss, ohne dunkle Flecken. Die Maasse der Exemplare dieser drei Arten in Millimetern sind folgende: N. argquata. Polnische Ex. Egyptische, Er ? ? Länge des zusammengelegten Flügels 2834 302 297 eandessSchwanzes + - 4 et sl 124 123 des Schnabels vom Mundwinkel 118 155 166 ” Höhe des Schnabels an der Stine . 12 14 13 Breite des Schnabels ebendaselbstt . 10 11 11 5 55 am End . . 3 4 3,6 Länge des Laufesa... Re 79 18 „ der Mittelzehe ohne Sag 40 41 42 „ des Nagels an der Mittelzehe . 8 ) 8 „ der Hinterzehe ohne Nagel . 12 14 12,5 „ des Nagels an der Hinterzehe 6 6 6 N. australis. N. nasieus. Vom Baikalsee. Daurische., ? e) 2 Länge des zusammengelegten Flügels 310 300 316 „» des Schwanzes. . . . 132 120 128 „ des Schnabels vom ndeinke 204 148 200 Höhe des Schnabels an der Stirn. . 15 13:.5-:16 Breite des Schnabels ebendaselbst . 13 1202 ei an Ende! :. ; 4,8 3 3,2 Bin des Laufes . . . 3 92 82 1.89 „ der Mittelzehe ohne Nagel : 47 395 8 „ des Nagels an der Mittelzehe 7 ) 9,5 „» der Hinterzehe ohne Nagel . 17 14 14 „ des Nagels an der Hinterzehe 4,5 6,5 6,5 pP 60 L. Taeczanowski: N. nasiceus ist grösser als N. arguata, sein Schnabel ist viel länger und die Füsse höher; die Färbung ist eine ähnliche, doch erscheint sie heller, besonders auf der Unterseite des Körpers, wo die Flecken schmäler sind, und an den Seiten, wo. die Querflecken ganz fehlen. Hier hat jede Feder nur einen Mittelstreif, von den dem Gefieder des europäischen Vogels eigenthümlichen seitlichen Querflecken auch keine Spur. Dabei ist der Grund der rostfarbigen Stellen heller. Die Färbung des Rückens und der Flügeldeckfedern ist weniger bunt und gleichmässiger. Der Grund der Steuerfedern ist rein weiss; bei einigen nur sind die mittleren leicht graurost- farbig angeflogen, doch nie so stark, als bei N. arquata. Die dunkeln Querstriche sind schmäler, werden nach der Basis immer kleiner und schwinden dort bei manchen ganz; der weisse Strich vor und über dem Auge ist fast gar nicht gefleckt und daher deutlich. | Auch am Schnabel ist der wesentliche Unterschied, dass die Seitenfurche des Oberkiefers beim N. nasicus weiter nach der Spitze zu ausläuft; beim Weibchen schwindet sie bei 15 Mm. Entfernung von der Schnabelspitze, beim Männchen aber schon bei 11 Mm., während sie: dagegen beim N. arguata selten bis 20 Mm. reicht, ja öfter schon bei 70 Mm. Entfernung aufhört. Der Schnabel des N. australis -ist an der Spitze breiter und stärker gebogen; die Furche schwindet bei 5 Mm. vor der Spitze und ist dann weiter noch durch eine Art von Kiel angedeutet. Die Eier des sibirischen N. nasicus unterscheiden sich durch nichts von denen des europäischen N. arquata, selbst in den Maassen sind sie gleich, so z. B. zeigen die Exemplare, die im Jahre 1867 in Darasun gesammelt waren, folgende Maasse: 72—48; 170—48; 67,4—46; 66,4—50 Mm. N. phaeopus befindet sich in ganz Ostsibirien und ist mit dem europäischen durchaus identisch. ‚Ich erhielt deren aus der Gegend von Czyta, Nestschinsk und Darasun in Daurien, so wie aus Kiachta und Kuschtuk. | Der dem amerikanischen N. borealis Lath. ähnliche aber kleinere N. minutus Gould (N. minor S. Müll.) kommt weiter nach Süden von Sibirien, als man bis jetzt angenommen. Dr. Dybowski näm- lich lieferte mir davon einige Exemplare im Jahre 1867 aus Darasun in Daurien, und später gegen zehn Stück im Jahre 1869 aus Kuschtuk am Baikalsee. Diese Vögel, die alten sowohl als die jungen, wur- den während des Herbstzuges erlegt, woraus zu schliessen ist, dass Vögel Algeriens. 61 sie wahrscheinlich im Norden von Sibirien nisten, und dann zum Winter nach dem Innern des”asiatischen Festlandes ziehen. Beleuchtung einiger Fragen, die Herr v. Heuglin zu meiner Uebersicht der Vögel Algeriens gestellt. (S. Journ. f. Ornithol. 1870. S. 33 und 383.) Von L. Taczanowski. Aquila pennata wurde mehrere Male im Monate December beim See Fezzara, und Ende Januar in der Gegend von Batna und Bouarif gesehen. Der Vogel wintert demnach in diesem Lande, wenn auch nur in geringer Zahl. Dromolaea leucura. Alle erlegte und gesehene Vögel dieser Gattung waren identisch mit der europäischen Form. Nach Loche soll sich dort auch D. monacha befinden, wenigstens führt er in der Algerischen Sammlung ein Exemplar, Männchen, auf, das aus Ouargla, einer an der Südgrenze der Sahara gelegenen Oase, die zur Provinz Constantine gehört, herstammen soll. Ich meinerseits sah jedoch diesen Vogel dort nirgends. Pyrophthalma melanocephala. Dieselbe Form, die in Südeuropa heimathet; ‚sie ist in Algerien den ganzen Winter über sehr gemein, sowohl in der Nähe des Meeres, als in der Wüste selbst. Cotyle rupestris ist durchaus identisch mit der europäischen. Was nun Porzana marginalis anbetrifft, so war mein Vogel, in der Oase Biskra gefunden, durch Herrn J. Verreaux mit Hartlaub’s zwei typischen Exemplaren, die sich im Pariser Museum befinden, verglichen, und als identisch mit solchen anerkannt. Es ist dies ein junger Vogel im ersten Kleide, der Ortygometra pygmaea sowohl als der O. minuta durchaus nicht ähnlich. Er ist etwas grösser, zeichnet sich durch einen kürzeren, viel höheren Schnabel, bedeutend längere Zehen und viele Einzelheiten der Färbung aus, worin er selbst mit der kurzen Beschreibung des Dr. Hartlaub grösstentheils übereinstimmt. Zum Beweise gebe ich hier die specielle Beschrei- bung des Vogels: Rücken und Unterrücken nebst den Schwanzdeckfedern schwärz- lich; die Federn des .‚Vorderrückens und der Schulter haben eine breite olivenfarbige: Einfassung, und ausserdem sind noch beide Ränder schmal reinweiss gesäumt, wodurch ein charakteristisches 62 L. Taczanowski: Vögel Algeriens. Bunt entsteht. Die Federn des Hinterrückens und des Bürzels, so wie die Schwanzdeckfedern haben nur sehr schmale roströthlich- olivenfarbige Einfassung. Scheitel und Nacken ist olivenfarbig, die Mitte des Kopfes mit einem etwas dunkleren Striche; die Seiten des Gesichtes dagegen heller, während die Kehle rein weiss bleibt. Der Vorderhals und die Brust sind roströthlich grau; die Mitte des Bauches weisslich; die Seiten graulich mit nicht sehr deutlichen weisslichen Längsstrichen, die sich beiderseits am Saume jeder Feder befinden. Die Federn des Hinterleibes, so wie die unteren Deckfedern des Schwanzes rostfarbig (ähnlich wie beim Kiebitz). Die Flügel sind olivenfarbig; der Rand der ersten Schwungfeder ist weiss; auf den Deckfedern sind einige längliche weisse Striche; die unteren Deckfedern der Flügel sind grau, weiss gefleckt. Die Steuerfedern sind dunkel olivenfarbig mit einer breiten roströthlich- olivenfarbigen Einfassung. Der Schnabel ist schmutzig olivenfarbig mit roströthlich hor- niger Spitze und gelbgraulichem Saume der Mundwinkel. Die Füsse sind dunkel olivenfarbig. Die Iris ist hellbraun. — Die Maasse sind folgende: Länge des zusammengelegten Flügels 1035 Mm. = „ SCHWANnZesl 0 & DAeniie u „ Schnabels a 2D, Ne Höhe des Schnabels an der Basis . BD ir ebaufesi siele- Da Länge der Mittelzehe ohne ee, DIR Se. 5 DRREERIRS a u Kralleininie ck ö 8.0 5 „ Hinterzehe ohne Kralie ee m su Krallei rn. ihre Sr Wanderungen im Böhmerwalde. Tagebuch-Notizen. Von Vietor Ritter v. Tschusi. Jener ausgedehnte Gebirgszug, der sich in einer Länge von 30 geographischen Meilen durch den ganzen Westen und einen Theil des Südens des böhmischen Landes zieht und die natürliche Grenze gegen Baiern hin bildet, ist bis in die neueste Zeit den ÖOrnithologen gänzlich unbekannt geblieben. Dieser Umstand war es vorzüglich, der mich bewogen hat, dieses Waldgebirge zu durch- wandern. V.von Tschusi: Wanderungen im Böhmerwalde. 63 Unter dem Namen ‚Böhmerwald‘ versteht man das ganze - Waldgebirge, das sich von der Westgrenze Böhmens, von Ober- österreich aus bis zum Egerthale hinzieht. Gewöhnlich aber wird der Böhmerwald in zwei fast gleiche Theile getheilt: der südliche Theil, der eigentliche Böhmerwald, — das ‚Sumava‘‘ der Böhmen beginnt im Süden mit dem Plöckelstein (4352’) und endet mit dem Osser (4050‘). Der nördliche Theil, „Cesky Les‘ genannt, fängt mit dem Cerchow (3282) bei Taus an und schliesst mit dem Dillen- berge (2895') bei Eger. Die vorwiegende Gesteinmasse des ganzen Gebirgszuges ist der Gneis. Die nördliche Hälfte, obschon auch grösstentheils bewaldet, bot mir weniger Interesse, da bedeutende Erhebungen fehlen, ihr daher der Gebirgscharakter abgeht. Die südliche Hälfte hingegen, mit ihren meistens über 4000’ hohen Erhebungen, mit ihren un- ermesslichen Nadelwäldern, an vielen Stellen noch reiner Urwald, versprach für mich reichere Ausbeute. — Den 31. Mai verliess ich Arnsdorf — den 2. Juni befand ich mich in Budweis. — Etwa zwei Fahrstunden davon entfernt liegt das prachtvolle, im Windsorcastle-Styl erbaute fürstlich Schwarzen- berg’sche Schloss Frauenberg, das, auf einer bewaldeten Anhöhe erbaut, weit hinaus in die Ebene schaut. — Unfern befindet sich das Jagdschloss Wohrad mit bedeutenden naturwissenschaftlichen Sammlungen. Vorzüglich findet hier der Ornithologe reiche Schätze, meistens in bedeutenden Suiten. Da eben in die Sammlung nur Sachen aufgenommen werden, die auf den fürstlichen Herrschaften erlegt worden sind, so hat der Besuch derselben für den den Böhmer- wald bereisenden Ornithologen besondern Werth. — Die Vögel und Säugethiere sind von der geübten Hand des Försters Spatny sehr naturgetreu gestopft. - Von den bemerkenswerthen Arten, die übrigens grösstentheils in der Ebene erlegt worden sind, traf ich: Vultur fuvus (1 St.), er wurde vor vielen Jahren bei Budweis erlegt; Aguila fulva, A. naevia (7 St.) und Haliaötus albieılla, hier Brutvögel; Buteo vulgaris und Archibuteo lagopus fand ich in sehr bedentender Zahl, in den verschiedensten Kleidern vorhanden. Falco sacer und Falco aesalon sind in mehreren Stücken — Falco rufipes durch 2 & und 2 9 ver- treten. Als grosse Seltenheit für Böhmen verdient auch Tinnun- culus cenchris & erwähnt zu werden, der 1869 zwei Stunden von Budweis entfernt erlegt wurde. Syrnium uralense ist in 8 Exem- 64 ‘_ Vietor Ritter von Tschusi: plaren (5 St. ad. und 3 St. juv.) vorhanden. Alle diese Stücke wurden aus den Wäldern von Winterberg und Sumba eingeliefert, wo diese Eule auch brütet. Glaueidium passerinum so wie Strie fu- | nerea*) kommen selten vor, von letzterer sah ich & und 9. Nyctale Tengmalmi mehrfach. Das Uebergangskleid von Corvus cormix zu corone bemerke ich auch hier. Von Picus tridactylus findet sich 19, von Pastor roseus 2 & und 1 ?; Motacilla cinereocapilla &, Syrrhaptes paradoxus $ 1864 bei Liebjez erlegt, Fulica atra juv. mit rosa An- flug auf dem Unterkörper, eben dieselbe abnorme Färbung zeigt sich bei 2 Anas querquedula 8 und 2. Oidemia fusca ist in 6 St. — Fuligula rufina in 3 Exemplaren (3, &, 2) — Ardea alba in 2 St- — Himantopus rufipes in 3 St. (2 & und 1 juv.) vertreten. — In der oologischen Sammlung verdienen Erwähnung ein Ge- lege (3 St.) von Syrnium uralense und ein Gelege (7 St.) von Zur- dus pilaris, das im Revier Altthiergarten ausgehoben wurde; ebenso ein Nest mit 2 Eiern von Lowia curvirostra aus Winterberg. | Sehr zu bedauern ist es, dass nähere Aufzeichnungen über Zeit und Fundort fehlen; dieses würde das wissenschaftliche In- teresse der schönen Sammlung bedeutend erhöhen. — Budweis verliess ich am 3. Juni und fuhr über Krumau und Rosenberg nach Hohenfurt. In den Parkanlagen Krumaus ist Aypolais salicaria gemein, Corvus monedula brütet in grosser Menge auf dem Schlosse. Auf dem Wege nach Hohenfurt beobachtete ich an der Moldau ein Paar Cinchus aquaticus; Motacılla alba und M. sulphurea sind zahlreich; Corvus corone sah ich oft — C. corniw selten; Fringilla serinus hörte ich nur einmal. In Hohenfurt, einem Marktflecken mit uraltem Cistereienser- Stift, blieb ich zu Nacht. Von hier aus begann ich meine Wande- rungen in’s Gebirge. I. Durch das Moldauthal über Heurafl nach | St. Thomas. Nachmittags den 4. Juni brach ich mit einem Träger von Hohenfurt auf. Mein heutiges Ziel war das Forsthaus zu St. Tho- mas. Ueber den Feldern Hohenfurts kreisen mehrere Buteo vul- garis; Corvus corone ist gemein. — Kaum hatten wir den Ort ver- *) Palliardi’s Angabe (Uebersicht der Vögel Böhmens pag. 15), dass diese Eule im Böhmerwalde brüte, beruht wohl auf Irrthum. Weahrschein- lich ist hier eine Verwechselung mit Syrnium uralense vorgekommen. / Wanderungen im Böhmerwalde. 65 lassen, so nahm uns ein schöner aus Fichten und Tannen beste- hender Wald auf, durch den die wohlerhaltene Poststrasse nach Friedberg führt. Ich höre hier überall häufig den Gesang von Fringilla spinus, Fringilla coelebs und Emberiza cürinella. — Picus mar- tius klettert an dem Stamm einer alten Tanne empor, in der sich sein Brutloch befindet. Rechts ab von der Poststrasse führt ein Fusssteig zur soge- nannten Teufelsmauer. Von einer Felsplatte, die Teufelskazel ge- nannt, hat man eine hübsche Aussicht auf die tief unten befindlichen Moldaufälle. Kolossale Granitblöcke, die sich im Laufe der Zeit von den umliegenden Felsen losgelöst haben, liegen nun im Fluss- bette übereinander gethürmt, zwischen denen sich der Strom mit weithörbarem donnerähnlichen Getöse hindurchzwängt. — Nachdem wir wieder auf die Strasse zurückgekehrt sind, lassen sich wieder Fringilla spinus, Troglodytes parvulus, Sitta caesıa, Parus major und - Phyllopneuste rufa hören. Wiesen und jüngere Bestände wechseln nun mit dem geschlossenen Walde ab.. Vor Kienberg senkt sich der Weg zur Moldau hinab, die hier wieder einen ruhigen Lauf hat. Ich beobachte bei den wenigen Häusern 8 Paare Hirundo urbica, ein Paar HZ. rustica; mehrfach Sylvia hortensis und Rusticilla domestica. Die Berge, die zu beiden Seiten das Thal einschliessen, sind zum Theil bewaldet, zum Theil mit nacktem Geröll bedeckt. Bei den zwei Kapellen sehe ich Motacilla sulphurea. Zwischen Neuheusel und Heurafl zeigen sich 14 Paare Airundo urbica, einzelne Anthus arboreus, Phyllopneuste rufa, Ruticilla domestica und Motacilla alba. Gerade als wir den ersteren Ort verlassen woilen, beginnt ein starker Regen, der uns zwingt in einer offenstehenden Scheune Zuflucht zu suchen. Nach einstündigem Warten hat es aufgehört zu regnen und wir setzen unsern Weg weiter fort und gelangen nach Heurafl, dessen Kirchthurm einige Paare von Cypselus apus _ umfliegen. Hinter dem Dorfe steigen wir etwas bergauf. Aus den Feldern und Wiesen erheben sich zahlreich Alauda arvensis. _Cor- vus corone und Fringilla cannabina sind hier häufig. Auf den sum- pfigsen Wiesen laufen mehrere Vanellus cristatus, die hier auch brüten. — Gegen Abend komme ich im Forsthaus zu St. Thomas (3000°) an, wo ich übernachte. Beim Abendessen erzählt mir Revierlörster Rodler, dass jährlich im Schlosswalde Aaliadtus albicilla brüte; Falco peregrinus ist selten, — Astur nisus und A. palumbarius sind gemein. Letzterer vorzüglich richtet unter den jungen Waldhühnern Cab. Jouın, f. Ornith, XIX. Jahrg. No. 109. Januar 1871. 6) 66 Vietor Rittervon Tschusi: beträchtlichen Schaden an. Nyctale Tengmalmi ist recht häufig, ihr Ruf wird oft gehört. Athene noctua brütet in der nahen Ruine Wittinghausen. Picus martius ist gemein — Alcedo ispida zeigt sich wenig — Üinclus aquaticus zahlreich an der Moldau — Turdus pi- laris brütet jährlich in mehreren Paaren bei Untermoldau in sum- pfiger Gegend auf Kiefern; Turdus torquatus, hier „Schneekater“ genannt, Kommt nur spärlich — Zanius minor und L. ewcubitor öfters vor. Bonasia sylvestris und Tetrao urogallus finden sich überall. 5. Juni. (Pfingstsonntag.) Schon am frühen Morgen fing es an zu regnen, später fiel starkes Eis, das bei der tiefen Temperatur liegen blieb und erst nach einigen Stunden verschwand. Als es aufgehört hatte, besuchte ich mit dem Rervierförster den Schloss- wald. Auf dem Wege dahin sehe ich im Dorfe Zrerundo rustica in wenigen Paaren und Autieilla domestica — auf den Feldern singen Alauda arvensis und arborea. Von der Ruine Wittinghausen, die von Witek, dem Ahnherrn der Rosenberge, im 12. Jahrhundert erbaut ist, hat man an reinen Tagen eine prachtvolle Aussicht auf die fernen Kalkalpen Ober- österreichs und Steiermarks. Mir wurde dieser Anblick nicht zu Theil. In der Ruine selbst brüten 12—15 Paare Corvus monedula und einige Oypselus apus. Als wir den Wald betreten, zeigen sich Sitta caesia und Picus major. Hier sieht man herrliche Tannen, von einer Schönheit und Grösse, wie man sie schwerlich wo anders wiederfindet. Der Riese dieses Waldes ist eine Tanne, die nach genauen Messungen eine Höhe von 27 Klafter ohne die Spitze hat, die abgebrochen ist und 2 Klafter misst — einen Durchmesser von 7 Fuss und einen Holz- gehalt von 20 Klafter. Wenn man die umstehenden Bäume, die einen Durchmesser von 3—4 Fuss haben, mit diesem Riesen vergleicht, so sehen sie wie Bäumchen aus. — Hoch oben auf dieser Tanne hat vor einigen Jahren ein Seeadler gebrütet, jetzt nistet Picus major in einer Höhe von 2 Klafter. — Picus martius ruft mehrfach. Dieser Wald scheint vor allem viele Spechte zu beher- bergen; denn ich finde unzählige Brutstätten. Fringilla coelebs schlägt sehr fleissig und ausgezeichnet. In einem Holzstosse finde ich das fertige Nest von Troglodytes parvulus, einmal beobachte ich Accentor modularıs. eh Auf dem vorzüglich gehaltenen Pürschsteige kehren wir nach St. Thomas zurück. Auf den Wiesen, an denen wir vorüber kommen, sehe ich einige Sturnus vulgaris, die hier in hohlen Bäumen brüten. Wanderungen im Böhmerwalde. 67 Ausserdem zeigen sich noch Zanius collurio, Fringila spinus, Turdus viscworus, T. merula und Ruticilla arborea. Kaum sind wir im Forsthaus angelangt, so beginnt es wieder heftig zu regnen. Den ganzen Nachmittag dauert dieses Wetter fort. Dabei ist es recht empfindlich kalt — mein Thermometer zeigte um 5 Uhr Nachmittags nur 5°. I. Ueber den Rosenhügel, den Flösskanal entlang nach Glöckelberg und Hirschbergen. 6. Juni. (Pfingstmontag.) Erst am Morgen liess der Regen nach. Dichter Nebel lag auf der ganzen Gegend, als ich um 9 Uhr das gastliche Forsthaus verliess. — In Rosenhügel, wohin mich noch der Revierförster begleitete, heiterte sich das Wetter etwas auf. Hier befindet sich die Wasserscheide zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meer. Auf den nassen Wiesen laufen Vanellus eristatus — im Walde sehe ich Astur nisus, A. palumbarius und Loxwia curvirostra. | Naelı Glöckelberg führt der Weg beständig an dem Flöss- kanal — durch prachtvollen Wald fort. Ich höre Pyrrhula vulgaris und beobachte Motacilla sulphurea. Eine halbe Stunde vor Glöckelberg, bei der Glashütte, lichtet sich der Wald. Anthus pratensis steigt singend aus den Schlägen auf. — Vor dem Orte breiten sich Felder und Wiesen aus. Im Dorfe ist Zirundo urbica und Sturnus vulgaris — bei Hüttendorf auch Hirundo rustica gemein. Der Weg führt jetzt grösstentheils durch Fichtenbestände. Auf den wenigen Feldern, an denen wir vorüber kommen, zeigen sich Alauda arvensis und SE a — an der Strasse eine Saxicola oenanthe. Um 6 Uhr erreichen wir das Forsthaus zu Hirschbergen, wo ich beim Revierförster Soucha freundliche Aufnahme finde. Noch _ denselben Abend besuchte ich den in der nächsten Nähe gelegenen berühmten Flösstunnel, der den sogenannten „Flösslberg“ in einer Länge von 221 Klafter durchbricht. Der Flösskanal, der das Fluss- gebiet der Moldau mit dem der Donau verbindet, hat eine Länge von über 27000 Klafter. In Hirschbergen beobachte ich nur Zirundo urbica und Rutieilla domestica. 7. Juni. Starker Regen nr dichter Nebel machen es mir ‚ unmöglich, heute weiter zu gehen. | 5% 68 Vietor Ritter von Tschusi: II. Ueber den Plöckelsteinersee, den Plöckelstein, | den Dreisesselberg nach Böhm.-Röhren und Kuschwarta. 8. Juni. Bis 9 Uhr hatte es noch stark geregnet, — dann heiterte es sich etwas auf, und ich beschloss mit meinem Träger aufzubrechen. | Gleich nachdem wir dem Forsthaus den Rücken gekehrt hatten, nahm uns ein schöner Fichtenwald auf. Sylvia rubecula, Turdus musicus und Fringilla coelebs lassen eifrig ihre Lieder erschallen. Später steigen wir durch jüngere Bestände, in denen sich einzelne uralte Ahorne, Fichten und Tannen finden, zum Plöckel- steiner See hinauf. Kaum tritt man aus dem Walde heraus, so erblickt man auch schon den See, der von dichtem Fichtenwald und hohen Felsen eingeschlossen, in tiefer Waldeseinsamkeit liegt. Spiegelglatt ruht die schwarze Wasserfläche, die kein Fisch belebt, aus der gespenstig nur von den Felsen herabgestürzte Baumstämme ragen. Der See liegt bereits in einer Höhe von 3376 — sein rechtes Ufer ist mit Pinus pumilio bewachsen. Auf sehr steilem Waldwege steigen wir zum Plöckelstein (4352') auf, von dem man einen wunderbaren Blick auf den tief unten liegenden See und weit in das Land hinaus hat. Wie mein Führer sagt, haben sich auf dem See öfters Enten gezeigt — welcher Species sie angehörten, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Anthus arboreus, Fringilla coelebs und Sylvia rubecula sind die ein- zigen Vögel, deren Gesang die Stille unterbricht. Von da führt ein Durchschlag bis zu dem Dreieckstein, der die Jahreszahl 1765 trägt, und wo die Grenzen Oberösterreichs, Böhmens und Baierns zusammenstossen. Durch 40jährigen Fichten- bestand, auf theils sumpfigem theils steinigem Wege, gelangen wir zum Dreisesselberg (4116‘). Tetrao urogallus steht öfters vor uns, auf —, ein Zug von Lozia curvirostra zieht an uns vorüber. — Der Dreisesselberg ist eine gegen 40 Fuss hohe, aus überein- ander gehäuften Granitblöcken gebildete Felsmasse, zu der hinauf 36 Stufen führen. In jedem der drei nebeneinander stehenden Fels- blöcke, Sessel genannt, befindet sich eine ausgehöhlte Vertiefung. Hier sollen einst der Sage nach die Herrscher der drei Lande zu! Rathe gesessen sein. Von da wie vom naheliegenden Hohenstein schöne Fernsicht. Wir steigen nun hinab nach Baiern und gelangen durch schönen: Tannen- und Buchenwald nach Neuthal. Ich bemerke auf dieser‘ Wanderungen im Böhmerwalde. 69 Route Phyllopneuste rufa, Fringilla coelebs und Loxwia curvirostra. Columba oenas fliegt vor uns aus einer hohlen Buche heraus. — :Troglodytes parvulus brütet zahlreich in den Wurzeln der umge- stürzten Bäume. Am Flösskanal erblicke ich Motacilla sulphurea — zahlreich macht sich Fringilla spinus bemerkbar. Hoch oben über einer Lichtung, auf der eine Brettsäge steht, jagen sich mehrere Oypselus apus, die hier walırscheinlich in hohlen Bäumen brüten. Die wenigen Häuser Neuthals umfliegen Airundo urbica und A. rustica — auf dem Giebel eines Hauses singt Ruticilla domestica. Während der heutigen Tour hatten wir bis jetzt schönes Wet- ter; dass man aber den Tag vor dem Abende nicht loben soll, musste ich nur zu bald erfahren. Kaum waren wir eine halbe Stunde von Neuthal entfernt, so stiegen drohende Wolken auf, und mein Führer rieth nach dem Orte zurückzukehren. Da ich aber durchaus: nicht seiner Ansicht war, so beschloss ich trotz der sauren Miene meines Mentors den Weg fortzusetzen. Noch waren wir nicht weit gegangen, so erhob sich ein heftiger Wind, ihm folgte bald ein starker Regen, der uns bis auf die Haut durchnässte. Einmal nass geworden, blieb uns nichts Anderes übrig, als weiter zu gehen. Wir passiren Böhmisch-Röhren und kommen wie aus dem Wasser gezogen, triefend vor Nässe, in Kuschwarta an. Im Gasthause bei Reif blieb ich zu Nacht. Man findet hier, wie an keinem andern Orte im Böhmerwalde, eine vorzügliche Unterkunft. IV. Von Winterberg aufden Kubany und durch den Urwald nach dem Forsthause zu Sattawa. 9. Juni. Da der Regen am Morgen noch nicht nachgelassen hatte, so benutzte ich die Post nach Stadt Winterberg, wo ich Herrn Forstmeister John besuchte, der mir mit der grössten Bereitwillig- keit Empfehlungsschreiben an die unter ihm stehenden Forstmänner mitgab. 10. Juni. Bei schönem Wetter verliess ich um 1/5 Uhr früh die Stadt. In den Gärten singen Aypolais salicaria und Fringüla serinus, doch nicht häufig. — Auf der schönen Poststrasse zeigt sich Pratincola rubetra — auf den Feldern bemerke ich Alauda arvensis und Zmberiza citrinella. — Aus einem kleinen noch in der Ebene befindlichen Vorholze steht 29 Schritte vor uns Tezrao tetrix & auf. — In einer mit jungen Birken und Wachholder be- wachsenen ‚Viehweide singen Turdus musicus, Sylvia atricapilla und S. cinerea. | 70 Vietor Rittervon Tschusi: Bei den Tafelhütten sind Airundo rustica, H. urbiea und Oy- \ pselus apus gemein; letzterer brütet in bedeutender Zahl in den Korkushütten. Auf den Schlägen singt Alauda nemorosa. Beim Bergansteigen lassen sich in einem Fichtenanfluge PAhyl- lopneuste rufa, Sylvia curruca und Columbda oenas hören. Ein Turdus torquatus, der vor uns in das Dickicht einfällt, veranlasst meinen Führer, der Heger ist, zu der Aeusserung, dass er am Tage vorher an der gleichen Stelle Aulss eben Hügge „Schnee- kater‘‘ erlegt habe. Durch einen uralten Fichtenwald steigen wir sehr steil hinauf - nach dem Johnstein (4082). Auf dem Wege dahin liegen noch zahlreiche Spuren des grossen Sturmes, der am 7. December 1868 so furchtbar gewüthet hat. Das Steigen über die umgestürzten Baumstämme, als auch durch das hohe und dichte Heidelbeerge- büsch ist höchst beschwerlich. Durch jüngere Fichtenbestände ge- langen wir auf den Kubany (4300). Aus den Heidelbeerbüschen stehen vor uns mehrfach Tetrao wurogallus und Bonasia sylvestris auf. — Auf der Spitze stand früher eine Pyramide, die aber jetzt umgeworfen liegt. Eine schöne Aussicht bietet sich von diesem Punkte dem Auge dar. Nach Nordwest und Südost schaut man weit in das böhmische Land hinein — im Südwesten zeigt sich der ' Lusen und der Rachel — im Süden der Dreisesselberg. Anthus arboreus und Sylvia rubeeula höre ich hier öfters, selten Phyllopneuste rufa. Beim Hinabsteigen zeigt sich Vrpera berus, die hier durch- aus nicht zu den Seltenheiten gehört. Bei den zwei „Balzhütten‘‘ sehe ich Birtiejlia arborea &. Ein Reitsteig ist bis hierher angelegt und indem wir denselben weiter verfolgen, gelangen wir auf die sogenannte Luckenstrasse, die grösstentheils durch Urwald gebahnt ist. Tiroglodytes parvulus zeigt sich in grosser Menge, Parus ater fliegt mit Neststoffen, — Muscicapa grisola brütet in einem verlassenen Spechtloche Hoch über einer Waldblösse jagen sich laut 3 Oypselus apus; Cuculus canorus, den ich wenig im Böhmerwalde vernahm, meldet sich da- für hier recht fleissig. | Zu beiden Seiten des Weges beginnt nun prächtiger Urwald, der aus Fichten, Tannen, Buchen und Ahorn besteht und eine Aus- dehnung von mehreren tausend österreichischen Jochen hat. Auf Befehl des Fürsten Schwarzenberg, dem der grösste Theil dieses Wanderungen im Böhmerwalde. | | 7 Waldgebirges auf böhmischer Seite gehört, bleibt diese Waldstrecke, unberührt von der Axt und Säge, in ihrem Urzustande erhalten, um der Gegenwart zu zeigen, was das ganze Gebirge vor Jahr- hunderten war. — Man schaut, man staunt! — festgebannt bleibt der Wanderer stehen, der diesen Waldtheil betritt. Tiefe Stille herrscht ringsum — die Kronen der Bäume greifen ineinander und bilden auf diese Art ein dichtes Dach, das selbst das Licht der Sonne nicht zu durchdringen vermag. Eine beständige Däm- merung, wie sie dem Aufgange der Sonne vorhergeht, erfüllt diese Räume — eine ernste feierliche Stimmung befällt die Menschenseele. — Sie ist der Stimmung zu vergleichen, die wir beim Eintritt in ein altehrwürdiges Gotteshaus empfinden. — Derselbe Boden, in dessen Schooss einst der Same gefallen, der dem aufkeimenden Ptlänzchen Nahrung zugeführt, — der seine Wurzeln geborgen hatte; derselbe Boden nimmt sein Kind, nachdem es Jahrhunderte den Stürmen getrotzt, als Leiche wieder zurück. Moos und hohe üppig wuchernde Farnkräuter bedecken den sumpfigen Boden, auf dem die Riesenleichen umgestürzter Bäume wirr durcheinander liegen. Wie überall, so auch hier, giebt der Tod tausend anderen Keimen neues Leben. Kaum hat der Wald die Leiche eines seiner Söhne empfangen, so ist er auch schon bemüht, die Spuren des Todes zu verwischen. Bald überzieht eine dichte Moosdecke den gefalle- nen Stamm, aus der mit der Zeit zu Hunderten junge Waldbäum- chen spriessen. Wohin das Auge sieht, gewahrt es solche Stämme, „Bohnen“ genannt. Anfangs gewährt den kleinen Bäumchen die Moosdecke Nahrung genug; wenn sie jedoch grösser werden und die Wurzeln sich auszubreiten suchen, so ist gewöhnlich noch der Kern des Baumes gesund und gestattet nicht das Eindringen der Wurzeln: — deshalb gleiten diese zu beiden Seiten des Stammes allmählich hinab zur Erde, wo sie sich befestigen. Wenn nun nach einer langen Reihe von Jahren der alte Stamm in Moder zerfällt, so stehen die Wurzeln der inzwischen längst gross gewordenen "Bäume oft 4 und mehr Fuss, je nachdem der Stamm stark war, aus der Erde heraus. Es ist ein höchst befremdender Anblick, einen - solchen Baum förmlich auf Füssen stehen zu sehen, unter dem man beinahe durchgehen kann. — Es ist höchst merkwürdig, dass sich hier so wenig gefiederte Geschöpfe zeigten. Ich habe nur Fringilla coelebs und F. spinus gehört. Beim Weitergehen beobachte ich auf dem Zweige einer dürren Tanne einen kleinen Vogel, der bald leb- haft herumhüpft, bald wieder in einem der vielen Spechtlöcher 72 Vietor v. Tscehusi: Wanderungen im Böhmerwalde. verschwindet. Sein Betragen ist ganz fliegenschnäpperartig, und es kam mir vor, als hätte ich etwas Roth auf der Brust bemerkt. Natürlich kam mir gleich der Gedanke, dass ich die Muscicapa parva vor mir habe. Nach kurzer Zeit zeigte sich auch wieder der Vogel und flog diesmal etwas näher auf einen benachbarten Baum. Zu meiner Freude überzeugte mich mein Binocle, dass ich recht ‘gesehen hatte. Der Vogel kam später noch näher und ich konnte ihn ganz genau beobachten. — Sehr wahrscheinlich stand in einem der Spechtlöcher das Nest und das Weibchen brütete wohl zu dieser Zeit auf den Eiern. Die Nistlöcher standen in einer Höhe von 4—5 Klafter. Der Baum war unbesteigbar, da er ganz brüchig ‘war. In Böhmen ist dieser Fliegenfänger noch nicht beobachtet worden. — Certhia familiarıs zeigt sich öfters. Wo der Urwald aufhört, beginnt junger Fichtenwald. Mehrfach beobachte ich da Phyllopneuste sibllatriv. Nachdem wir den Wald verlassen haben, gehen wir an Getreidefeldern vorüber. Alauda “arvensis singt auf den Feldern, und aus den Hecken dringt der Gesang von Sylvia atricapilla und Eimberiza citrinella herüber. In dem herrlich gelegenen Forsthause zu Sattawa finde ich bei Revier- förster Novotny liebenswürdige Ausfnahme. Im Dorfe zeigen sich Hirundo urbica, Passer domesticus häufig; Rutieilla domestica brütet hier in einigen Paaren, Sturnus vulgaris ist gemein — die Jungen bereits Hügge. Gegen 100 Stück zeigten sich den Tag vorher in dem Garten des Herın Kralik zu Eleonorenhain, wo auch Hypolais salicarıa in drei Paaren Brutvogel ist. Auf den grossen im Thale gelegenen Wiesen, die die Moldau durchzieht, ist Corvus corone häufig. Gleich beim Eintritt in das Zimmer des Revierförsters fiel mir ein schön gestopftes Exemplar der Uraleule, Syrnium uralense, auf, die nach Aussage des Besitzers vor einigen Wintern bei tiefem Schnee auf dem Haidberge auf der Erde sitzend, von Holzhauern. ergrifien und ihm gebracht wurde. — Sie kommt in dem Sattawa- revier auf dem Schreiner- und Haidberge regelmässig als Brut- vogel vor und horstet dort in Felsen, in hohlen Buchen und Tannen. Ihr Ruf, sagte mir der Revierförster, lautet wie: „Hü-hu“ und erinnert etwas an den Uhu. Zur Fortpfianzungszeit hört man ihn oft. Auch eine Aguda naevia, die im Bassumwalde erlegt wurde, Sah ich hier gut präparirt. — Der Tannenheher Nucifraga caryo- catactes, dem ich auf meiner ganzen Tour gar nicht begegnete, scheint hier sogar zu brüten; wenigstens wurde mir ein vor drei v. Minnigerode: Sula bassana in Hannover gefangen. 73 Wochen erlegter alter Vogel gezeigt. — Scolopax rusticola ist Brut- vogel. Ein Heger traf vor einigen Tagen halberwachsene Junge. (Schluss folgt.) Sula bassana in Hannover gefangen. Da es von ornithologischem Interesse sein dürfte, so erlaube ich mir mitzutheilen, dass am 2. September d. J. bei Giboldehausen in Hannover, 2 Meilen nördlich von Göttingen, ein schönes altes männliches Exemplar des bassischen oder weissen Tölpels (Sula bassana Briss., Pelecanus bassanus L.) gefangen ist. Dasselbe hat sich nämlich an gedachtem Tage plötzlich aus der Luft mitten zwischen eine in dasigem Felde auf der Weide befindliche Heerde zahmer Gänse niedergelassen, ist dann, ohne übrigens Flucht- versuche gemacht zu haben, von der die Heerde führenden Hirtin trotz heftiger Gegenwehr mit der Hand ergrifien und noch ungefähr 14 Tage lang mit eingestopften Fröschen — freiwillig hat es keine Nahrung angenommen — am Leben erhalten worden. Ein Verwandter von mir, Herr A. Grupe zu Giboldehausen hat dann den Vogel nach dessen Tode erworben, und wird derselbe jetzt von Herrn F. Sasse zu Nordheim ausgestopft, um später auf dem Rittergute zu Giboldehausen aufbewahrt zu werden. Wahrscheinlich haben die Stürme in den letzten Tagen des August diesen echten Seevogel so weit von seiner nordischen Heimath geschleudert, bis er zuletzt, durch Nahrungsmangel entkräftet, sich zur Erde gesenkt hat. Borkenhagen, Regierungsbezirk Erfurt, d. 11. October 1870. v. Minnigerode. Deutache oruityalagiache Genellschnft zu Berlin. Protokoll der XXIX. Monats-Sitzung. _ Verhandelt Berlin, Montag den 5. December 1870, Abends 7!/, Uhr, in Stropp’s Hötel. | Anwesend die Herren: D’Alton, Bau, Cabanis, Golz, Brehm, Sy und Michel. Von auswärtigen Mitgliedern: Hr. Dr. Luchs aus Warmbrunn. Vorsitzender: Herr Golz. Protokollf.: Hr. Bau. Herr Cabanis theilt mit, dass von Dr. Russ „Handbuch für 74 Deutsche ornithologische Gesellschaft: Vogelliebhaber, -Züchter und -Händler‘ der I. Band „Fremdländische Vögel“ erschienen sei und referirt über dasselbe wie folgt: Nach einer Uebersicht, in welcher der Verfasser seine Bestrebungen dar- legt, schildert er die „Prachtfinken“ (Spermestinae), Witwenvögel ( Viduanae), Webervögel (Ploceinae), mit einer kurzen Skizzirung | jeder einzelnen Gruppe, in etwa sämmtlichen, jetzt auf den Markt kommenden Arten. Daran reiht er gleiche Schilderungen der | übrigen im Vogelhandel vorkommenden Sperlingsvögel, Lerchen, Tangaras u. s. w.; ferner die Staarvögel, Drosseln u. a. Sodann kommen die Papageien der alten sowohl wie der neuen Welt, in Gruppen eingetheilt. Hierauf folgen die Tauben und sodann eine Anzahl verschiedenartiger bunt zusammengewürfelter, theils noch sehr seltener Vögel, welche den Beschluss der einzelnen, gleichsam biographischen Beschreibungen machen. Die Behandlung und Pflege in Hinsicht der Käfige und Nist- Apparate, der Nahrungsmittel, der Züchtung in Käfigen oder in Vogelhäusern und Vogelstuben, in Hinsicht der Krankheiten u. s. w. bilden die zweite Hälfte des Buchs. Eine Firmenangabe der „zu- verlässigsten‘‘ Vogelhändler und sodann eine fleissig gearbeitete „Uebersicht aller fremdländischen Stubenvögel“ bilden den Beschluss. In der letzteren sind zugleich die lateinischen, sämmtliche deutschen, die englischen und französischen Vogelhändlernamen angegeben; | auch ist eine Angabe der Literatur hinzugefügt, so weit dieselbe für die populäre Kenntniss der Vögel nothwendig erschien. Der zweite Theil des Werkes soll die einheimischen Vögel abhandeln. — Hierauf trägt Herr Brehm einen Brief eines australischen Arztes über den Wellensittich (Melopsitiacus undulatus) vor und spricht dann ausführlich über die Zucht desselben in Belgien, namentlich in Antwerpen. Es werden dort, nach Art der Treib- häuser, grosse gläserne Hallen mit gewölbtem Dache erbaut und innen mit Nistkästchen, hohlen Weidenstämmen etc. decorirt. Hierin brüten nun jährlich, je nach der Grösse des Hauses, 250—500 Pärchen Wellensittiche. Nach jeder Brut werden Männchen und Weibchen getrennt und mehrere Monate allein in einem Raume: gehalten. — Der Secretär berichtet über Geschäftsangeiegenheiten. Ein im vorigen Jahre von Berlin nach Leipzig übersiedeltes Mitglied hat seinen diesjährigen Beitrag nicht entrichtet und sind dessfallsige Aufforderungen als unbestellbar zurückgekommen. In Betracht, dass die Versendung der Journalhefte bei Zeiten sistirt wurde, die Ge- Protokoll der XXIX. Monats-Sitzung, 75 sellschaftskasse mithin keinen Verlust erlitten hat, Wiederholungs- fälle auch nicht anzunehmen seien, wird beschlossen, im gegebenen Falle vom Rechtspunkte abzusehen und das betreffende Mitglied einfach als verschollen zu streichen. Die Zahl der in das Jahr 1870 übergegangenen Mitslieder ist daher auf 67 zu normiren. Da mit dem heutigen Tage die statutenmässige Abmeldungs- frist für 1871 bereits abgelaufen ist, wird in Betracht der Zeit- verhältnisse beschlossen, den zur Zeit bei den deutschen Reichs- heeren anwesenden Gesellschafts-Mitgliedern die spätere Erklärung bis nach erfolgter Rückkehr offen zu halten. — Golz. Bau. Cabanis, Secr. Protokoll der XXX. Monatssitzung. Verhandelt Berlin, Montag den 2. Januar 1871, Abends 7Y/, Uhr, in Stropp’s Hötel. Anwesend die Herren: Cabanis, Bau, D’Alton, Brehm, @olz, Sy und Michel. Von auswärtigen Mitgliedern: Herr Amtmann Nehrkorn aus Riddagshausen. Vorsitzender: Herr Golz. Protokollf.: Herr Bau. In einer allgemeinen Discussion theilt Herr Nehrkorn die Beobachtung mit, dass. er niemals das Männchen der kleinen Rohr- dommel, Ardea minuta, auf dem Neste gesehen habe. Da dieser Vogel auf den vielen mit Rohr bestandenen Seen seiner Besitzung bei Braunschweig ziemlich häufig sei, habe er sehr oft die Gelegen- heit gehabt, denselben zu beobachten. Diese Beobachtung weicht zum grossen Theil von vielen ornithologischen Werken ab, nach welchen beide Geschlechter dieser Rohrdommel brüten sollen. Ferner erwähnt Herr Nehrkorn, dass der Podiceps rubricollis vielfach bei ihm vertreten sei. Eine interessante Beobachtung seines Bruders Reinhold er- wähnt Herr Brehm. Ersterer, der sich zur Zeit der letzten Sonnen- finsterniss in Genua befand, bemerkte, als die grösste Verfinsterung _ eintrat, dass sämmtliche Sperlinge in die Wipfel der Pappeln flogen und dort, den herannahenden Abend vermuthend, ihr gewöhnliches Abendceoncert anstimmten. Die auf den Feldern umherlaufenden Krähen flogen einer nahen Haide zu, wahrscheinlich um sich Schlaf- plätze aufzusuchen; und endlich die Hühner begaben sich in ihre 76 Deutsche ornith. Gesellschaft: XXX. Monats-Sitzung. Ställe. Als nun die Verfinsterung ihr Ende erreicht hatte, be- grüssten die Hähne mit lautem Krähen den vermuthlichen neuen Morgen. Diese Beobachtung wird von Herrn Sy vollkommen be- stätigt, welcher sich im Jahre 1864 bei einer Sonnenfinsterniss im Harz befand. Dort schwiegen bei der Verfinsterung alle Sänger, setzten jedoch nachher ihr Concert wieder fort. Der Secretär erstattet Bericht über den Stand der Gesellschaft beim Beginn des neuen Jahres. Hiernach ist die Zahl der Mit- glieder fortgesetzt in erfrenlichem Wachsen begriffen. Während der Verein am Schlusse des Jahres 1869 67 Mitglieder zählte, ist diese Zahl im Laufe des Jahres 1570 auf 123 angewachsen. Von diesen haben die Herren Schotte, Foertsch, Donndorf und J. Mayer ihren Austritt statutenmässig angemeldet. Ausserdem wurde der Gesellschaft leider der berühmte, hochbetagte Fr. Boie, Vorstandsmitglied, durch den Tod entrissen. Zu den in das Jahr 1871 übergehenden 118 Mitgliedern sind bereits mehrere neue hinzugetreten. Es wird beschlossen, einen Nachtrag zu dem Mit- glieder-Verzeichnisse vom Januar 1870 dem gegenwärtigen Proto- kolle anzulängen und auch besonders abzudrucken. Die diesjährigen Sitzungen werden stattfinden am ersten Montage im Monat, Abends 7, Uhr, bis auf Weiteres im Sitzungszimmer des Restaurant ,„Schlossbrauerei“ Unter den Linden Nr. 8; folglich: am 6. Februar; 6. März; 3. April; 1. Mai; 5. Juni. Im Juli und August fallen die Sitzungen der Sommerferien wegen aus, und werden deshalb die nächsten Sitzungen stattfinden am 4. September und 2.October. Letztere dient zugleich als Vorversammlung zu der am 3. und 4. October stattfindenden vierten Jahresversammlung. Die letzten Sitzungen im Jahre fallen auf den 6. November und 4 De- cember. Hierauf legt Herr Cabanis einige von Herrn C. Euler ein- gesandte und in der Färbung sehr verschiedene Eier vom Molodrus sericeus Vor, sowie einige von diesem Mitgliede gefertigte Abbildungen dieser Eier. Letztere haben Bezug auf seine früheren Aufsätze im Journal und werden zunächst an Herrn L. Holtz zur Vergleichung und Berichterstattung gesandt und demnächst dem Zoologischen Museum zur bleibenden Aufbewahrung übergeben werden. Golz. Bau. Cabanis, Secr. 99. 96. I. 98. 3: 100. 101. 102. 103. 104. 108. 106. 107. 108. 109. 110. Lit, 112 113. 114. 115. Nachtrag zum Verzeichniss der Mitglieder der Gesellschaft. 77 Nachtrag zum Verzeichniss der Mitglieder der Gesellschaft. (Nach der Zeitfolge des Beitritts.) Vondenim Verzeichniss vom Januar 1870 aufgeführten Mitgliedern sind 6 inzwischen durch Tod und sonst ausgeschieden, so dass die Zahl der älteren Mitglieder 95 beträgt. Neu hinzu- getreten sind dagegen: 94. Herr Hans Graf von Beriepsch, z. Z. in Cassel. ” 2 von Warnsdorf, Rechtsanwältin Corbach, Fürstenth. Waldeck. Stoltz, Franz, Fabrikant, in Berlin. Bau, Alexander, Kaufmann, in Berlin. Wippermann, Ernst, in Halver. Beines, Peter, Kaufmann, in Rheydt. Fiedler, H., Buchhändler, in Agram. Nowicki, Doctor, Professor an der Universität in Krakau, Galizien. Linden, Emil, in Radolfzell, Baden. Henrici, Regierungs-Rath, in Hannover. d’Alton, Guido, in Berlin. Peter Graf Yorck von Wartenburg, auf Schlei- bitz bei Hundsfeld. Baldamus, Eduard, Doctor, in Coburg. Holland, Theodor, Gymnasiallehrer, in Stolp, Pommern. von Fischer, Johannes, in St. Petersburg. Schöpff, A, Inspector des Zoologischen Gartens zu Dresden. Stader, W., Vogelhändler, in Moskau. (Adr. Vogel- magazin von Stader & Co.) Ebers, Martin, Doctor, prakt. Arzt, Rittergutsbesitzer, in Berlin. Reichsgraf Ludwig Schaffgotsch, auf Warm- brunn, Schlesien. | Luchs, Ernst, Doctor, Badearzt in Warmbrunn. Schuster, W., Doctor, in Danzig. Dörffel, Paul, Mechanicus u. Opticus, U. d. Linden 46 in Berlin. 18 Benachrichtigung an die Mitglieder. 116. Herr Kessler, Gustav, Baumeister u. Civil-Ingenieur, Insel Hiddens-Oee u. Stralsund. 117. „ Naumann, Alexander, Kaufmann, in Zittau. 118. „ Becher, Hermann, Particulier, in Süderstapel, Schleswig. 1.8.01; 119. Herr Brehm, Reinhold, Doctor, Arzt der Gesandtschaften zu cr. 120. „ Klippert, Gust. Herm,, Kanfmann, in Vegesack bei Ban: 121. „ von Löwis, O. zu Kudling, Livland. 122. „ von der Gabelentz, Grossherzoglich Sächsischer Kammerherr, in Münchenbernsdorf, Sachsen-Weimar. 123. Mr. Sharpe, R. B., Bibliothekar der Zoologischen Gesell- schaft zu London. 124. Herr Born, Emil, Hauptmann im eidg. Generalstab, in en hare Schweiz. 125. „ Girtanner, A., Doctor medicinae, in St. Gallen, Schweiz. 126. wa EDielte; Ra in Bergen, Norwegen. 12. oMr. eiilen „Eh: Ir, De Secretär der Zoologischen Ge- sellschaft zu an 128. Herr Stejneger, Student, in Bergen, Norwegen. Ferner hinzutretende Mitglieder werden demnächst im Journale verzeichnet werden. Um etwaige Veränderungen oder Berichtigungen der Adressen wird ergebenst gebeten. Berlin, im Januar 1871. J. Cabanis, Secr. Benachrichtigung an die Mitglieder. Diejenigen Mitglieder, welche in Folge der früheren Benach- richtigung (September-Heft 1870, S. 399 u. 400) den Jahres-. beitrag pro 1871 zur Gesellschaftskasse bereits eingesandt haben, finden die Mitgliedskarte für das laufende Jahr, welche zugleich als Quittung dient, hier beigefügt. Restanten mögen hiermit, statt besonderer Zuschrift, an die Einsendung (thunlichst durch Post- Anweisung) des nunmehr fälligen Beitrages erinnert sein. Dr. J. Cabanis, Seer. (Berlin, Simeons- Str. 23.) | | 906. 909. 910. 911. Nachrichten: Eingegangene Schriften. 79 Nachrichten. An die Redaetion eingegangene Schriften. (Siehe Jahrg. 1870, September-Heft, Seite 400.) Allen Hume. My Scrap Book or Rough Notes on Indian Oology & Ornithology. Part I. Raptores. No. I. London & Caleutta, 1869. — Vom Verfasser. . Dr. F. Stoliezka. A Contribution to Malayan Ornithology. [From the Journal of the Asiatie Soc. of Bengal, Vol. XXXIX, Part II. 1870.] — Vom Verfasser. . Tommaso Salvadori. Revista ceritica del Catalogo desecrittivo di una Collezione di Uccelli fatta da Orazio Antinori nell’ Interno dell’ Africa centrale nord. Cum 2. Tabb. (I. Eremomela canescens & Necta- rinia acik; II. Drymoeca troglodytes et Antinorü.) [Extratto del Vol.V. - degli Atti d. R. Academia d. Science di Torino, 13. Maggio 1870.] — Vom Verfasser. R. B. Sharpe and H. E. Dresser. A. History of the Birds of Eu- rope, including all the Species inhabiting the western palaearctic Re- gion. London at the Office of the Zoological Society, 11 Hannover Square, W. — Pröspecetus. — Von den Verfassern. Dr. O0. Finsch. Ueber eine Vögelsammlung aus Nordwest-Mexico. [Abhandlungen herausgegeben vom naturwissenschaftl. Verein in Bre- men 1870.] Vom Verfasser. Karl Russ. Handbuch für Vogelliebhaber, -Züchter und -Händler. I. Fremdländische Vögel. Kurzgefasste Ausgabe des Werkes „Die fremdländischen Stubenvögel“. Hannover, Karl Rümpler. 1871. — 912. 913. 914. 915. 916. 917. 918. Vom Verfasser. M. Th. von Heuglin. Ormithologie Nordost-Afrikas. Doppel-Lie- ferung 16—17. Verlag von Th. Fischer in Cassel. — Vom Verfasser. A. E. Brehm. Gefangene Vögel. Ein Hand- und Lehrbuch für Liebhaber und Pfleger einheimischer und fremdländischer Käfigvögel. Erster Theil: Die Stubenvögel. II. u. III. Lieferung. Leipzig, C.F. Winter'sche Verlagshandlung, 1870. — Vom Verfasser. Dr. Ph. L. Sclater. On some new or little-known Birds from 'he Rio Paranä. Cum Tab. III. (Coryphistera alaudina.) [From the Proceed. of the Zool. Soc. of London, Jan. 27, 1870.] — Vom Ver- fasser. Selater. Notice of the arrival in the Soeciety’s Gardens of living Specimens of two newly described Species of Phasianidae. Cum Tab. XIV, XV. (Lophophorus Sclatert, Cericrnis Blythü,) [From Proc. Z. Soc. London, March 24, 1870.] — Von Demselben. Selater. Further Notes on the Cuckoos of the Genus Cocceyzus. [From Proc. Z. S. London, March 24, 1870.] — Von Demselben. Selater. Notices of some new or little-known Species of South-Ame- rican Birds. [Fr. Proc. Z. S. London, May 12, 1870.] — Von Dem- selben. Scelater and Osbert Salvin. Deseription of six new Species of American Birds of the Families Tanagridae, Dendrucolaptidae, 80 919. 926. IN. 28, 329. I50. Nachrichten: Eingegangene Schriften. Formicarüdae, Tyrannidae and Scolopacidae Cum Tab. XXVIIN- (Calliste florida.) [Fr. Proc. Z. S. London, June 10, 1869.] — Von den Verfassern. Selater & Salvin. On two new Birds collected by Mr. E. Bartlett || in Eastern Peru. Cum Tab. XXX. (Euphonia chrysopasta, Neopipo rubicunda.) [From Proc. Z. Soe. London, June 24, 1869.] — Von | Denselben. . Scelater & Salvin. Synopsis of the Oracidae. [From Proe. Z. Soe. | London, June 9, 1870.] — Von Denselben. . Selater & Salvin. On some recent Additions to the Avifauna of | Mexico. [From Proe. Z. Soe. London, June 23, 1870.] — Von Den- selben. . D. G. Elliot. Deseription of some new Genera and Species of Birds belonging to the Families Formicarüdae, Pachycephalidae and Syl- viidae. Cum Tab. XIX, XX. (Olytorhynchus pachycephaloides, Cly- toctantes Alixii,) [From Proc. Z. Soe. London, April 28, 1870.] — Vom Verfasser. . Elliot. Description of new Species of Pheasants from the Province of Yarkand, Eastern Turkestan, and from the Island of Formosa. [From Proe. Z. Soe. London, June 9, 1870.] — Von Demselben. . Elliot. Remarks on some lately described Pittae, with a Synopsis of de Family as now known. Cum Tab. XIT, XII. (Brachyurus me- | garhynchus; B. oreas, B. bankanus.) — Von Demselben. . Elliot. Description of a new Species of Pheasant from the Province of Sechuen, China. (Phasianus elegans.) — Description of a new Spe- cies of Humming-Bird, (COhrysolampis chlorolaema.) [From the An- nals and Magazine of Nat. History, October 1870] — Von Dem- selben. Geo. N. Lawrence. Catologue of Birds from Puna Island, Golf of Guayaquil, in the Museum of the Smithsonian Institution, colleeted by J. F. Reeve, Esq. [From Annals of Lyceum of Nat. Hist. Vol. IX, June 1869.] — Vom Verfasser. Lawrence. Characters of some New South American Birds, with Notes on other rare or little known Species. [From Ann. Lyceum Nat. Hist. Vol. IX.] — Von Demselben. Proceedings of the Academy of Natural Seiences of un For 1868 & 1869. — Von der Akademie. Dr. L. Buvry. Zeitschrift für Acclimatisation. Organ des Acelima- tisations-Vereins in Berlin. Neue Folge. VIII. Jahrgang 1870, No. VII—-XII. — Von der Gesellschaft. Annual Report of the Trustees of the Museum of Comparative Zoö- logy, at Harvard College, in Cambridge, together with the Report of the Director for 1869. Boston, 1870. — Vom Vorstande. Druck von @. Pätz in Naumburg ala, JOURNAL für ORNITEOLOGIE. RWeunzehnter Jahrgang. Die Vogel-Fauna im hohen Norden. ÖOrnithologische Notizen aus Finmarken und Spitzbergen. Von _M. Th. v. Heuglin. Ende Juni 1870 habe ich bereits einen kleinen Bericht über die Vogel-Fauna Norwegens und West-Finmarkens an das Organ unserer Deutschen ornithologischen Gesellschaft eingesandt, der im Januar-Heft 1871 S. 10. u. 11 Platz gefunden hat. Demselben liess ich weitere, während meiner Reise nach Spitz- bergen verfasste Notizen und Beobachtungen folgen, welche in den Geographischen Mittheilungen von Professor A. Petermann, Jahrg. 1871. p. 57. etc. veröfientlicht worden und die als Fortsetzung jenes ersten zu betrachten sind. Seither habe ich etwas eingehen- der das Studium und die Vergleichung der gesammelten Vögel betreiben können und gebe ich hier die in den Geogr. Mitthei- "lungen erschienene Abhandlung in etwas umgearbeiteter und auf Grund der nun vorgenommenen Untersuchung vermehrter Form wieder. | | Nach Absendung meines gedachten ersten Berichtes hatten wir noch Gelegenheit, einen mir bisher unbekannten Theil von Tromsö zu besuchen, wo in kleinen Teichen und auf Moorgrund noch neben Oharadrius pluvialis u.a. Totanus calidris, Phalaropus cinereus und Tringa Temminckü vorkommen. Den Lappenfuss fand ich später sehr häufig im nördlichen Finmarken, namentlich auf Skorö, zuweilen 3 bis 4 Paare auf einem sehr beschränkten District. Er lebt hier ausschliesslich an und auf Sümpfen und seichten Wassertümpeln, gemeiniglich 2- bis 400 Fuss über dem Meere; in tieferen Seen habe ich ihn nicht ge- Cab, Journ. f. Ornith. XIX. Jahrg. No. 110. März 1871. I 82 M. Th. v. Heuglin: sehen, obgleich er gern und gut schwimmt. Esist ein höchst zu- | trauliches, liebes Thierchen, doch nicht so gewandt und lebhaft wie die meisten Strandläufer. Im Gras und Schilf läuft der Lappen- || fuss seltener hin und her und bevorzugt vor Allem Moorgrund, auf dem sehr seichtes Wasser steht. Hier fischt er beständig nach Käfern, Würmern und kleinen Schnecken, auch findet man immer Steinchen im Magen. Die Haltung ist äusserst zierlich, der Körper | etwas nach hinten gesenkt, der schlanke Hals meist hoch erhoben. Eine der besten mir bekannten Abbildungen dieser Art in Sturm’s Fauna Deutschlands. Der Lockton hat einige Aehnlichkeit mit dem der Bekassine, ein weiches ‚‚tetsch“, das öfter hintereinander ge- hört wird. Im Flug vernahm ich übrigens nie seine Stimme. Ueber das Brutgeschäft dieser Art sowohl als von Tringa Temminckvi habe ich keine eigenen Erfahrungen machen können, doch erhielt ich die Eier beider aus Nordost-Finmarken. Die &Z beider Arten mit Brutflecken. [Das &. von Phalaropus cinereus misst: ganze Länge 6!/, französs. Zoll; Die Flügel überragen den Schwanz kaum um 1), Linie. — Schnabel schwarz; Füsse dunkel bleifarb, der gezähnte Rand der Lappen weisslich; Iris dunkelbraun.) [ Tringa Temmincki im Hochzeitkleid hat bräunlich-horngelbliche Ständer.] | Während unserer Fahrt durch die Kanäle Nordwest-Finmarkens nordwärts bis Skorö hatte ich wenig Gelegenheit zu ornithologischen Beobachtungen. In der Nähe eines grösseren Sees auf Ringwadsö war Emberiza schoeniclus nicht selten im Birkengebüsch. Die dd. sangen recht fleissig und angenehm. Dort fanden wir in den ersten Tagen des Juli auch zu verschiedenen Malen einen Anthus brütend, den ich für eine dunkle Localform des Wiesen- pipers halte; Nest unter Haidekraut mit 6 bis 7 sehr dunkel rost- braunen Eiern. | Die ersten Papagei-Taucher (Mormon arctica) begegneten mir auf der Höhe von Karlsö. — Widriger Winde halber waren wir genöthigt, mehrere Tage bei Skorö anzulegen, und zwar vom 5. bis 8. Juli. Hier viele Brutplätze von Schwimmvögeln, namentlich | Anas tadorna, A. mollissima, Larus argentatus, canus, marinus, Sterna arctica, einzelner Cepphus grylle, Lestris parasita, der schon genannte Anthus, Saxicola oenanthe. Die Elster als Bewohner der Dächer der Fiseherhütten. Colymbus septenirionaks auf allen Teichen. Vom Morast-Schneehuhn (Tezrao subalpinus) erhielt ich hier eben- Die Vogel-Fauna im hohen Norden. 83 falls die Eier und fing den Vogel im Flaumkleid, ein höchst nied- liches und liebliches Geschöpfchen. Der alte Hahn ist um diese Zeit noch stark in der Mauser, Schwingen, Schwingendeckfedern und Unterleib von der Brust abwärts mit abgetragenem, schmutzig- weissem Gefieder, der Rest bunt, neu und hier die Federn nicht durch Verfärbung, sondern durch Mauser ersetzt. Ganze Länge des & 1 Fuss 2 Zoll; Schnabel hornschwarz; Iris braun; Kamm über dem Auge mennigroth; Zehen und Nägel horngrau. Beim jungen Vogel im Flaumkleid fast der ganze Zehenrücken be- tiedert. Auf der Scheitelmitte ein von der Stirn ausgehender glän- zend umbra-brauner Fleck, der schwarz umsäumt ist; Zügel und Flecken hinter dem Auge auf der hinteren Ohrgegend schwarz ; Gesicht und ein breiter Streif über den Augen oliven- bis braun- selblichweiss; Kehle mehr von der Farbe der Maikätzchen; Brust- seiten bräunlich-gelb, ebenso der Grund der sehwarz getigerten Oberseite; übrige Unterseite gelblich-weiss, Füsse noch heller; Schnabel schwärzlich; äusserste Zehenglieder, Sohlen der Zehen und Nägel sehr hell bräunlich-hornfarb. Im dünnwandigen, unge- mein dehnbaren Kropf der Morastschneehühner findet man im Herbst namentlich viel trockenes Kraut (Blätter und die Enden der Stiele) von Heidelbeeren neben verschiedenen reifen und unreifen Früchten und Samen. Sonst hier noch bemerkt Oharadrius pluvialis, Totanus calidris, Telmatias gallinago, mehrere Paare Seeadler, die viel in Hader mit Falco islandicus leben, Einzeln brütet noch Anser cinereus und die Nebelkrähe. 2 Von nicht geringem Interesse für mich war eine Bootfahrt nach Fuglö, einer der bedeutendsten Vogelinseln Finmarkens, unter 70° 20° N. Br. gelegen und aus einem 5 nautische Meilen langen, mehrere tausend Fuss Höhe erreichenden und allseitig steil abfal- lenden Felsgebirge bestehend. Der Besitzer dieser Insel, Herr _ Advocat J. ©. Figenschou in Tromsö, war so freundlich, uns ein- zuladen, daselbst nach Belieben zu sammeln und zu jagen. Hier begegnete ich dem Seeadler, vielen Paaren von Corvus corax und Ü. cornix mit ihren Jungen, Turdus torguatus und Anthus, wohl auch Fringilla linaria, weiter den schon oben bei Skorö beobach- teten Möven und Seeschwalben, selbst die dreizehige Möve soll hier nisten; dann Carbo graculus in Trupps von 10 bis 20 Stück auf niedrigen Klippen. Diese Scharbe brütet auf dem Nordende der Insel in Klüften, auf nur wenige Fuss über dem Meer gelegenen Fels- 14" 84 M. Th. v. Heuglin: stücken und baut ihr ziemlich grosses Nest aus Seetang und Algen. [Das alte & von Carbo graculus misst 2° 2’. — Die Flügelspitze steht um 41/,‘' hinter der Schwanzspitze zurück. — Schnabel von der Stirn 2° 3. — derselbe vom Mundwinkel 3° 3‘. — Flüg. 9’ 9". — Schwanz 5" 3°. —- Tarsus 3’ 2°, — Aussenzehe mit Nagel 3° 6°". — Schnabel hornschwärzlich mit einigen schrägen, olivenweisslichen Streifen und Schiefern; Schnabelwinkel und Rachen hochgelb; Iris lebhaft smaragdgrün; nackte Kehlhaut gelb und schwarz punktirt; Füsse schwärzlich; Fersengelenk und Schwimmhäute hell und schmutzig oder bräunlich. Der Magen enthielt ausser Fischen und Kräten viele kleine Taenien. — Das Ei ist auf sehr hell meergrünem Grund mit einer hellen, zumeist auch grünlich angehauchten Kalk- kruste überzogen und misst 2° 411," — 2 6 auf 1° 6" — 1° 7’ Dicke. Unzählig ist aber die Menge von Mormon, Uria trolle, Cepphus grylle und Alca torda — die, wenigstens auf der Ostseite der Insel — von etwa 100 Fuss Meereshöhe an bis auf die höchsten Kanten der Steilabfälle nisten, Cepphus grylle niedriger und gewöhnlich in Löchern unter Trümmergestein. Auch unter- scheidet sich letzterer in seiner ganzen Lebensweise und Aeusse- ren wesentlich von D. zrode, was ich später auch bei der spitz- bergischen Form zu beobachten Gelegenheit hatte. In seiner Stellung und Haltung im Wasser zeigt ersterer (Cepphus grylie) viel Analogie mit dem Wasserhuhn, sonst auch mit Pierocles und den Tauben, während U. troile sich meist aufrecht hält, wie der Alk (Alca torda); auch erinnerte mich letzterer viel an den Pinguin, nur läuft er we- niger oder gar nicht mit so aufgerichtetem Körper wie dieser. Eine höchst drollige Erscheinung ist der Papagei-Taucher, ein Klas- sisches Bild von sentimentaler Ruhe und Gleichmuth und doch ein gewandter, kräftiger Flieger und Taucher; sein oft schnurrender Flug ist am meisten zu vergleichen mit demjenigen von Pesittacus Majeri und hat auch etwas von Coccothraustes. Zu Lestris parasita habe ich zu bemerken, dass ich anfänglich die weissbäuchige Form für den jüngeren Vogel zu halten ge- neigt war. Diese Färbung kommt in beiden Geschlechtern gleich häufig vor, und finden sich gepaarte Paare sowohl der einen als der andern Form und endlich beide gemischt... Naumann hält, wie es scheint, die weissbäuchigen für ganz alte Vögel. In ihrem Magen fand ich meist die Reste einer grossen Schnaken- art, welche die Raubmöve laufend fängt. Sonst stösst sie be- kanntlich sehr gern auf fliegende Möven, bis diese ihr ihren Raub - Die Vogel-Fauna im hohen Norden. 85 überlassen oder sich auf das Wasser oder die Erde flüchten; auch sah ich, wie sie die Eier von Anas mollissima ausleerte.. Auf Ex- crementen von Seehunden etc. habe ich sie dagegen nicht bemerkt; nach Dr. Bessels’ mündlichem Bericht würde dieser Vogel fast ausschliesslich von solchen leben, doch besucht er nach meinen Erfahrungen niemals Treibeis-Felder. [3. 18° lang bis zur Spitze der verlängerten mittleren Steuerfedern. — Die Flügel überragen die äussersten (seitlichen) Steuerfedern gewöhnlich um 2". — Schnabel von der Stirn 111/,''—12:/,''. — Flügel 11" 8" — 11” 10°“. — Mittlere Schwanzfedern 7'/,'—8'”. — Schnabel grau- lich hornschwarz; Rachen und Schnabelwinkel violettgrau, Füsse hornschwärzlich; Iris braun.] Am 8. Juli richtete unser Schoner seinen Curs nach Spitz- bergen zu. Bis zu 74° N. Br. war die See vollkommen eisfrei, aber hier trat plötzlich Treibeis in ziemlich dichten Massen auf, in dem wohl da und dort noch Wasserstrassen nach Nord zu offen blieben, die sich aber nach wenigen Meilen Kreuz- und Querfahrt immer wieder schlossen. Da wimmelte das Meer von kleinen Cru- staceen und namentlich von Quallen, die eine Lieblingsnahrung von Uria Brunnichü, Sabine, Cepphus Mandtx, Licht. und Mergulus bil- den und welche auch Procellaria glacialis allem Andern vorzieht. Seltener ist Larus £ridactylus, auch bemerkte ich einige Flüge von Enten. Uria Brünnichii in bedeutend überwiegender Anzahl, zu- weilen ein Exemplar mit weissem Supercilienstreif, häufig Jüngere ‘ (einjährige) Vögel, jetzt in der Verfärbung begriffen. Immer vom Treibeis belästigt, veränderten wir unsere ursprüng- liche Richtung gegen Ost-Spitzbergen (Stor-Fjord); das Süd-Cap konnte am 15. Juli doublirt werden. Längere Zeit noch wurde unsere Geduld auf die Probe gestellt, ehe es möglich war, auf der Südwestküste von Spitzbergen zu landen, da uns Strömung und Windstille vor Hornsund festhielten. Eine Menge Sturmvögel, Dreizehiger und Bürgermeister-Möven, Lummen (Uria Brünnichü), Teiste /Cepphus Mandti) und einzelne Papagei- und Krabben-Taucher umschwärmten das Boot. Trotz einer Entfernung von etwa 5 Meilen vom Lande, beschlossen mein Begleiter und ich am Abend des 16. Juli in unserm Harpunier- boot eine Landung nördlich von Horsund zu versuchen. Es war Ebbe, die Dünung aber ziemlich hoch und schäumend sich an ei- nem niedrigen Strandwall von Thonschiefer brechend, der da und dort in ruinenartigen Massen ansteht. Das Vorland steigt hier 86 M. Th. v. Heuslin: in einigen Terrassen seicht an und ist, wie auch die meisten der benachbarten Gehänge, mit Vegetation bedeckt, die vorzüglich in Moosen und Saxifragen besteht; dazwischen eine Menge kleiner Teiche, gespeist von unzähligen Giessbächen, welche ihren Ur- sprung in den nahen Gletschern und Schneefeldern des Rotjes-Fjell haben, den eine nach Westen zu ziemlich steil abfallende Berg- masse bildet und welcher wohl 1500 Fuss Höhe erreichen dürfte. Auf den bereits erwähnten Thonschiefer-Klippen brüten einige Bürgermeister-Möven, .in grossen, zierlich aus Moos und Sazxifraga gebauten Nestern, andere schweifen truppweisse und lärmend an sandigen Stellen des Gestades hin und stossen zuweilen auf junge Eiderenten, doch die stets wachsamen Mütter schaaren sich schnat- ternd zusammen, nehmen die Jungen in ihre Mitte und verthei- digen sie kühn gegen die Räuber. Meister Reinecke (Canis lagopus) giebt indess eine Production am Ufer und fängt sich eine Möve weg, die er ruhig nach Hause trägt. Auf Gefelse und den Bächen tummeln sich Schnee-Ammern mit ihrer kaum flüggen Nachkommen- schaft; um die Teiche weiden Flüge von Grasgänsen, weisswangigen und Ratgänsen ( Anser brachyrhynchus, Bernicla leucopsis et B. bren- ta), und einige Paare Seestrandläufer ( Tringa maritima) rennen emsig im Steingerölle hin und her; Colymbus septentrionnlis haust paarweise auf kleinen Landseen. Der nahe Fuss von Rotjes-Fjell ist meist überlagert von einer oder mehreren Terrassen von losem Gestein, grösseren und kleineren eckigen Felsstücken; zwischen denselben hat einige niedrige Vege- tation Platz gegriffen, anfänglich Moose und Flechten, die verwit-: ternd im Verein mit angeschwemmter Dammerde den kleinen Saxi- fragen, Draben und Ranunculaceen, sowie einigen Gräsern Nahrung und Schutz bieten. Schon aus weiter Ferne bemerkt man um diese Terrassen und längs der Gehänge weissliche, wolkenartige Flecke, die sich nach und nach in Flüge von Krabbentauchern (Mergulus alle, Norwegisch: Roties, d. h. Rättchen) auflösen. Ihr wirres Ge- schrei gleicht dem fernen Rauschen von Giessbächen und Wasser- fällen. Zu Tausenden und Abertausenden bedecken sie die Felsen, und hier, unter dem Conglomerat von Schutt, Gerölle, Dammerde und bescheidenem Pflanzenwuchs, stossen wir auf die Brutplätze: meist enge Felshöhlen und Löcher, die sich der Vogel selbst aus- scharrt. Die Alten sitzen oft so fest auf den Eiern, dass ich letztere wegnehmen konnte, ohne dass die Vögel abflogen. Weiter nord- wärts am Strande treffen wir wieder auf Gänse, alte mit ihren Die Vogel-Fauna im hohen Norden. 87 Jungen und zahlreiche vorjährige Junge, die eben in der Mauser begriffen und deshalb nicht flusfähig sind. Letztere suchen sich durch Flucht in die hohe Brandung der Verfolgung zu entziehen. Ein dichtgeschaarter Trupp von Grasgänsen (Anser brachyrhyn- _ chus) wird aber mittelst Boot verfolgt und vom Land abgeschnitten, und auf4 Schüsse fallen uns nicht weniger als 15 Stück zur Beute: Leider habe ich von dieser Form oder Art kein altes Exemplar mitgebracht und nicht einmal Zeit gehabt, ein solches genau zu be- schreiben, indem über die vielen von unserlegten ohne mein Wissen und meinen Willen verfügt und sämmtliche sofort der Küche und den Matrosen überantwortet wurden.. Der Schnabel des alten Vogels ist nach Malmgren (Cab. Journ. 1865) schwarz, der Nagel glänzend schwarz, vor den Nasenlöchern ein 2—3 Linien breiter blutrother Ring (ich glaube mich zu erinnern, dass derselbe rosen- farbig bis mennigroth ist), welche Farbe sich längs des Oberkiefers nach hinten erstreckt; der Unterkiefer schwarz, aber die Haut im Maxillarwinkel und ein 1'/, Linien breites Querband über der Vereinigung der Maxillarknochen ebenfalls blutroth; Füsse hell- roth. Newton (Ibis 1865. p. 513. 514) hält den spitzbergischen A. dbrachyrhynchus wahrscheinlich mit allem Recht für eine ganz besondere Art, die Schlegel bei Bearbeitung seines Katalogs nicht vor sich gehabt zu haben scheint, wie denn überhaupt die Museen Mitteleuropas ausserordentlich arm an spitzbergischen Vögeln sind, Ein Originalexemplar von A. brachyrhynchus Baillon im Leydener Museum aus der Picardie wird allerdings von Schlegel zu A. sege- Zum gestellt neben einigen in Holland erlegten Exemplaren mit kleinem Schnabel und rosenrothen Füssen und eben so gefärbtem Querband über ersterem. Der junge Vogel im Flaumkleid hat olivenbräunlichen Schnabel mit weisslich fleischfarbener Spitze; Füsse hellgrünlich bleifarb mit gelblichem Anflug; Flaum obenher olivenfarb, Scheitel dunkler; Unterseite grüngelblich, nach der Bauchmitte zu am intensivsten. Am folgenden Tag wird unser Schoner nach den Dunen-Inseln (Dunöarne) bugsirt, wo man für kurze Zeit vor Anker geht, um bessern Wind abzuwarten. Diese Inseln, etwas nordwärts von 77° N. Br. gelegen, bestehen wie Rotjes-Fjell aus flachen, bis 80 Fuss hohen Klippen eines quarzitartigen Gesteines (der Hekla-Hook- Formation angehörig). Ihre Oberfläche zeigt da und dort noch Schneefelder und eine Menge kleinerer und grösserer Teiche, theils auf sumpfigem Grund, theils in Felsklüften und thalartigen Ein- 88 M. Th. v. Heuglin: schnitten. Viele weite Stellen sind mit Grus und sterilem Gerölle bedeckt, andere ernähren eine, obwohl niedrige, so doch ziemlich üppige Vegetation. Einige Bürgermeister-Möven haben sich steile Strandklippen zu ihren Brutplätzen auserwählt, auch Anser bernicla nistet einzeln unter ihnen, und zwar in Nestern, welche denen von Larus glaucus nicht unähnlich sind. Die überwiegende Mehrzahl der Brutvögel besteht aber in Ei- dergänsen, namentlich Somateria thulensis Malmgr., der wohlzu- unterscheidenden spitzbergischen Form von 8. mollissima. 8. spec- tabelis ist seltener. Ich habe S. zhulensis noch nicht mit der con- tinentalen Form von S. mollissima vergleichen können, doch scheint sie sich schon durch Form des Schnabels und Farbe der Weich- theile hinlänglich zu unterscheiden. [Das &. misst 22°; die Flügel sind um 1° hinter der Schwanzspitze zurückstehend; ihre Länge beträgt 10 16‘; Schnabel von der Spitze der Stirnschneppe 2° 0,3°; vom Mundwinkel 2” 6°. — Schwanz 3” 8°. — Tarsus 1 8°. — Mittelzehe mit Nagel 2‘ 9. Beim Weibchen misst der Flügel 10”—10'' 2. — Der Schnabel des Männchens lebhaft orange, nach der Spitze zu mehr hell grünlich; Füsse trüb orangefarb, Schwimmhäute schwärzlich ; Rachen hell gelblich; Zunge mehr hell fleischfarb ; Iris braun.] In Bezug auf ihre Nistplätze ist die Eiderente gar nicht wählerisch. Gebüsch, das ihr einigen Schutz verleihen könnte, giebt es nicht. Sie brütet nur an Orten, welche für den Polar- fuchs unerreichbar sind, auf Inseln, auf Klippen hart am Meer, auf Morästen und Brüchen, im Sand des Hochgestades, im Gerölle und am Fusse von Schneefeldern; oft trifft man die Nester vereinzelt, zuweilen stehen ihrer 3 bis 6 und mehr ziemlich nahe beisammen. Das verhältnissmässig kleine Nest besteht in einer Vertiefung in der Erde, im Moos oder Gerölle, und ist mit Moos und anderen Pflanzenresten ausgefüttert, worauf eine ganz gleichförmige, fast zolldicke Decke feinster, bräunlicher Dunen liegt, welche auch seitlich und häufig sogar von oben die Eier ganz einhüllt. Ist das Weibchen öfter der frischen Dunen beraubt worden, so benutzt es alte, die mit Excrementen der Jungen, Moos und anderen Pfianzenstofien gemischt sind. Bekanntlich sitzt das brütende Weibchen sehr fest, namentlich wenn die Jungen schon mehr entwickelt sind. Platt und den Hals und Kopf meist vorwärts auf die Erde gelegt, sucht es sich den nahenden Menschen möglichst unsichtbar zu machen und geht oft erst unter den Füssen auf, die Eier mit einem stinkenden Die Vogel-Fauna im hohen Norden. 9 srüngelben Saft bespritzend. Andere bedecken dieselben mit Flaum, stehlen sich aber auch bei Annäherung von Gefahr laufend, sich möglichst niederdrückend und mittest der Flügel unterstützend vom Brutplatze. Wahrhaft rührend ist die Art, wie sie die Jungen zu schützen und zu vertheidigen suchen. Schon an dem zweiten oder dritten Tage führt sie die Mutter zum Wasser, wo sie bald auf ein Zeichen der Alten geschickt tauchen lernen. Unter einer Co- lonie von Hunderten von 2? bemerkten wir nur sehr wenige alte 38, die übrigens ersteren auch selten Gesellschaft leisten, sich gar nicht um ihre Nachkommenschaft kümmern und meist auf hoher Dee herumschweifen. Sie dürften auch früher wandern. Auf den Süsswasserteichen der Dunöarne hausen ferner kleine Flüge von Eis-Schellenten (Harelda glacialis), ich traf sie meist inmitten der ersteren, hier schwimmend und viel tauchend, seltener auf Klippen ruhend oder niedrig über Meeresarme streichend. An- geschossene gehen leicht verloren, indem sie tauchen und sich unter dem Wasser festbeissen. [Das alte &. misst bis zur Spitze der längsten Steuerfedern 20’; die Flügel erreichen die Spitze der äussersten (seitlichen) Steuerfedern; Schnabel hornschwärzlich mit breitem, dunkel rosenrothem Band vor der Spitze; Iris bräunlich- gelb; Füsse sehr hell bleigrau, Hinterseite des Laufes und Zehen- gelenke etwas schwärzlich, ebenso die Schwimmhäute mit Aus- nahme eines Randes längs der Zehen. Schnabel vor der Stirn 12’. — Breite desselben 7'“. — Flügel 7’ 10. — Mittlere Steuer- federn 7 3] Die Eis-Schellente brütet jedenfalls auf Felsen mitten in den Süsswasserteichen. Man hat bisher, so viel mir bekannt ist, an- genommen, dass dieser Vogel im sogenannten Prachtkleid (Nau- mann, V.D.t. 319 fig. 1) sein Brutgeschäft verrichte. Dies ist irr- thümlich, denn ein am 18. Juli in Spitzbergen erlegtes & hat noch braunen Hals, Brust und Schulterdecken; der grosse Fleck vor dem Auge ist graulich weiss, hinter demselben reiner weiss, aber hier gemischt mit einigen rostbräunlichen Federchen; im Nacken jederseits ein langer, weisser, schwarzbraun gescheckter Fleck; die Federn der Hauthalsbasis seitlich breit und lebhaft zimmtfarb, die der Schultern fahler rostbräunlich weiss gerandet, einige der- selben allerdings weiss. Sonst fanden wir auf Dunö noch Procellaria glacialis, Sterna arctica, diese letztere theils noch brütend, theils mit kleinen Jungen im Flaumkleid; ZLestris parasita; Larus tridactylus, der nicht auf 90 M. Th. v. Heuglin: den Inseln, aber massenweise in den benachbarten Felsbergen des Festlandes nistet; selten Zarus eburneus. In der See treiben sich neben Mergulus alle auch Teiste und Lummen (Uria Brünnichü und Cepphus Mandtü) herum, darunter einzelne Papagei-Taucher (Mormon glacialis); auf den Landseen. der rothhalsige Polar- taucher oder Lom (Colymbus septentrionalis) und namentlich Pha- laropus fulicarius, der in seiner Lebensweise viel übereinstimmt mit Phalaropus cinereus; doch rottet er sich häufiger in grössere Gesellschaften zusammen, die dann meist aus Männchen bestehen. Das buntere Weibchen ist immer beträchtlich grösser als letztere und zeichnet sich durch die rauchschwarze, eircumseripte Scheitel- platte und breiten, reinweissen Streif durch’s Auge aus; der Scheitel des g. dagegen ist zimmtfarb und schwarz gescheckt. [Ganze Länge dest alten 8. 7 5-7“ 10. — Flügel: 4" 44" 1". — Die Flügel erreichen die Schwanzspitze bis auf 1 bis 2 Linien. — Schnabel dunkel orangegelb mit schwärzlichem Nagel und dunkel olivenfarbiger Spitzhälfte der Firste; Füsse fahl fleischfarb-gelblich, Gelenke dunkler, Rand der Schwimmlappen orangegelb, Iris braun. — Ganze Länge des 9. 8“ 2', Beide Geschlechter mit Brutflecken. ] Nest im Gerölle und auf Moorgrund, im Innern der Inseln und ganz in der Nähe der Fluthmarke. Es besteht in einer kleinen Grube, die durch Steine gegen Wind etwas geschützt ist. Darin je 1, 2 und 4 bebrütete Eier. Laufen oft truppweise, bis zu 12 Stück beisammen, auf Moorgrund in der Nähe der Teiche hin und her, andere am Rand der letzteren, während manche im seichten Wasser umherschwimmen. Zuweilen wird ein Flügel hoch gehoben, oder verfolgt ein Vogel spielend den andern. Der Flug meist ziemlich hoch, etwas unsicher, reissend, in Ziekzack-Linien. Auch im ruhigen seichten Meerwasser beobachtet. Die Nahrung besteht in klei- nen Fliegen. Einjährige & mausern das Kleingefieder Mitte Juli, während die Alten dann schon längst verfärbt sind. Nur 22 fand ich auf den Nestern. Scheint über ganz Spitzbergen verbreitet, jedoch seltener im Norden und auf Barents-Land und Stans-Foreland. Am 21. Juli wandte sich unser Schoner wieder südwärts, wir passirten Südcap nach einem heftigen Sturm am 23. Nochmals sollte nun ein Versuch gemacht werden, nach Stans-Foreland und Ba- rents-Land überzusetzen. Im ewigen Kampf mit Windstille, Nebel und mit dem Treibeis, gelangt man in den Stor-Fjord. Hier viele vergebliche Anstrengungen, um in Whales Point, der Disco-Bai, bei Die Vogel-Fauna im hohen Norden. 91 | Cap Lee, Anderssonsö und an der Verwechselungsspitze anzulaüfen. _ Wir wenden daher nach der Ostküste von West-Spitzbergen und ; müssen hier vom 28. Juli bis 7. August zwischen der Agardh-Bai ' und dem grossen Gletscher südlich vom Edlund-Berg zubringen ; endlich (am 9. August) gelingt uns die Landung am Cap Lee. ' Von da aus besuchten wir die Walter Thymen-Strasse und einen Theil von Stans-Foreland am östlichen Eismeer, und zwar im Boot; _ später Landung bei der Verwechslungsspitze in Barents-Land, von wo ausich ebenfalls im Harpunierboot und zuletzt noch ein Stück zu Fuss durch die Ginevra-Bai bis zum Helis-Sund gelangte. Erst am 27. Au- gust verliess der Schoner den Stor-Fjord bei Wahles Point. Unsere Jagdbeute im genannten Fjord und seinen Armen beläuft sich auf etwa 70 Stück Rennthiere und einige 80 Seehunde, darunter viele Exemplare der riesigen Phoca barbata. Ausser der Jagd beschäftigte ich mich vorzüglich mit Bergbesteigungen behufs meiner geographischen Aufnahmen, vernachlässigte aber neben Sammlung von Seethieren, Pflanzen und Petrefacten keine Gelegenheit zu ornithologischen Beobachtungen. Ich hoffe dieselben in einem besondern Anhang zu meinem allgemeinen Reisebericht im Detail veröffentlichen zu können und beschränke mich hier nur noch auf einige Notizen. Malmgren kennt im Ganzen 27 Arten spitzbergischer Vögel, dar- unter 4 (Falco gyrfalco, Nyctea scandiaca, Oygnus spec.? und Lestris pomarina), welche nur zufällig erscheinen sollen. Mir ist keine dieser letzteren vorgekommen, auch dürften dieselben viel- leicht mit Ausnahme von Cygnus nur als irgend einmal hierher verschlagene und verirrte Gäste zu betrachten sein. Unser Har- punier, Nils Andersen, der Spitzbergen oft besucht hat, will keinen dieser Vögel hier gesehen haben; ein Capitän versicherte mich je- doch, er habe Falco islandicus im Laufe dieses Sommers öfters im Eis-Fjord beobachtet; dann erwähnt Keilhau noch des Mornell- Regenpfeifers, als im südlichen Stans-Foreland gefunden. Nach mündlicher Versicherung von Dr. E. Bessels endlich hat derselbe den allerdings mit keiner andern Möve zu verwechselnden Zarus Sabinei in den spitzbergischen Gewässern gesehen. Noch ist an- zuführen, dass Steuermann Sengstake bei der Koldeweyschen Ex- pedition im Jahre 1868 Podiceps rubricollis von Spitzbergen mitge- bracht hat und kürzlich einem Herrn Finkenhagen in Hammer- fest eine Upupa epops zuging, welche sich an der spitzbergischen Küste auf ein Schiff niederliess, ergriffen und längere Zeit lebend erhalten wurde. Martens (Spitzbergische Reisebeschreibung p. 72) 92 M. Th. v. Heuglin: berichtet, dass „eine Schwarze Krähe auf Spitzbergen gesehen worden“. Längs der Küste Ost-Spitzbergens und auf den Eismassen des Stor-Fjordes haben wir von den übrigen 23 von Malmgren erwähnten spitzbergischen Vögeln nicht angetroffen: ZLagopus hyperboreus Sund. (L. hemileucurus Gray, die wohl speeifisch von L. alpinus zu trennen und in West-Spitzbergen Standvogel ist), Aegialites hiatieula, Lestris Buffoni, Anser brachyrhynchus (wohl doch ge- sehen), Harelda glacialis und Mormon arcticus; dagegen sammelte ich die einfarbige (nicht weissbäuchige) Form von Lestris parasita (also von Z. zephras Malmgr.) am östlichen Eismeere bei der Mündung von Walter Thymen-Fjord ein, bemerkte ebendaselbst noch einen wahrscheinlich von Mergulus alle verschiedenen, sehr kleinen weisskehligen Krabbentaucher, im Stor-Fjord mehrmals Gänse, oder sehr grosse Enten welche ganz dunkel (schwarz) waren und rein weisse Schwingen oder Flügeldecken zu haben schienen; endlich glaube ich auch Alca torda hier gesehen zu haben und in der Nähe von Hornsund Anas histrionzca und eine Tringa von der Grösse von Calidris arenaria; doch kann da immer eine Täuschung obwalten. Einer der häufigsten befiederten Sommergäste des Stor-Fjordes ist die Elfenbeinmöve (Larus eburneus), gleichwohl gelang es mir nicht, ihre Brutplätze mit Sicherheit aufzufinden oder den Vogel im Jugendkleid zu erlegen. Die Alten dagegen trifft man hier einzeln und paarweise, selten in Gesellschaft ihrer Gattungsver- wandten und nur zufällig am Festland, z. B. an der Mündung von Eisbächen und auf den Moränen der Gletscher. Ihre vorzüglichsten Aufenthaltsorte sind die treibenden Eisberge und grosse Schollen von Packeis. Was seine Lebensweise, Benehmen und Haltung an- belangt, so weicht Zarus eburneus auch hierin mehr oder weniger von den anderen Lariden ab. Er ruht und läuft meist mit einge- zogenem, nach vorwärts und abwärts gerichtetem Kopf und Hals und schwimmt höchst selten. Der Flug ist leicht, schwebend. Vor- seworfene Fleisch- und Speckstückchen nimmt diese Möve nur flie- gend von der Oberfläche des Wassers auf und verzehrt sie nicht an Ort und Stelle, auch zumeist nicht im Flug, sondern auf einem Eisschemel. Man begegnet ihr vorzugsweise entweder auf dem Gipfel oder der Kante eines Eisblockes ruhend, oder — namentlich bei hellem Wetter — ziemlich hoch über dem Meere hin und her streifend. Der Magen aller von mir untersuchten Elfenbeinmöven Die Vogel-Fauna im hohen Norden. 95 enthielt nur geronnenes Blut und Fleischreste. Kleine Krebse (Gammarus), die wir als Köder benutzen wollten, berührten sie nieht. Wird ein Seehund geschossen, so ist es üblich, ihn auf ein Stück treibenden Eises zu ziehen und hier Haut und Speck abzu- nehmen. Kaum ist das Thier geöffnet, so versammeln sich unter eigen- thümlichem Zirpen, das wie „grii-grii“ oder „zrii-zrii“ klingt, Duzende dieser Vögel, umflattern die arbeitenden Matrosen und lassen sich womöglich auf erhabenen Stellen des Eises nieder. Die kühneren laufen sofort herzu, nähern sich dem Menschen bis auf wenige Schritte und picken hier den mit Blut getränkten Schnee auf; da- bei setzt es kleine Raufereien. Sobald der abgespeckte Körper des Seehundes verlassen wird, geht es über diesen her, und die Möven suchen sich Brocken vom Fleisch abzureissen, haben es aber auch auf die Eingeweide abgesehen, die sie oft ein Stück weit weg: ziehen oder niedrig flatternd im. Schnabel forttragen. Zuweilen theilt Zarus glaucus die Beute mit ihnen, L. zridactylus wagt sich dagegen nicht in diese Gesellschaft. Waren wir längere Zeit am Treibeis oder am. Gestade vor Anker, so wichen die Eismöven Tag und Nacht nicht mehr aus der Nähe des Schiffes, da immer Abfälle aus der Küche und vom Präpariren von Thieren ausgeworfen wur- den. Mehrere, die abgebalgt werden sollten, vergiftete ich mit Strychnin, da es kaum möglich ist, geschossene Exemplare voll- kommen zu reinigen. Trotz seiner unsaubern Lebensweise ist der Vogel immer blendend weiss, höchstens um den Schnabel und am Vorderhals etwas gelblich angelaufen. Hatte man Rennthiere er- lest, die am Strand ausgeweidet und abgehäutet wurden, so durfte man ebenfalls mit Sicherheit auf den Besuch unserer Vögel zählen. Einer durchsuchte, während ich wenige Schritte davon am Uier sass, unser Harpunierboot, lief auf dem ganzen Rande desselben und auf den Ruderbänken hin und her, pickte hier einige Fleisch- stücken auf und trank von dem auf dem Boden eingedrungenen und mit Seehundsblut gemischten Seewasser. Uebrigens greift diese Möve auch schwimmende junge Vögel an. In den Eingeweiden findet man hier und da Bandwürmer. Einzelne mausern im August, dies sind wohl einjährige Vögel. Das etwas.kleinere 2 hat einen grossen Brut- tleck. [Ganze Länge 18—18*/,‘'; Flügel beim 3. 1’ 41/,°, beim. 1° 4,“ lang, sie überragen die mittleren Paare der Steuerfedern um !/,”. — Grundfarbe des Schnabels beim alten &. lebhaft bleifarb in’s Violette, Spitze blass hornfarb bis orangegelb, ersterer beim 9. zuweilen mehr pistaziengrün; ein breiter Streif jederseits von den | | 94 M. Th. v. Heuglin: | | Antien über das Nasenloch; Mundwinkel, ein Fleck vor der Kiefer- schneppe des Unterschnabels und Gonys lebhaft violett; Schneiden | meist mehr grünlichgelb; vor der hellen Spitze des Unterschnabels jederseits ein lauchgrüner Fleck; Rachen hell bleifarb; Gaumen und Zunge bläulichfleischfarb; Augenkreis korallroth; Iris kaffee- ' braun; Füsse braunschwärzlich, sehr rauhschuppig.)] | Larus glaucus. Die ersten ganz erwachsenen jungen Vögel dieser stattlichen Art sahen wir im Walter Thymen- und Stor-Fjord gegen Antang September. Sie befanden sich meist in Gesellschaft der Alten und zeigten fast mehr als andere Möven die Gewohnheit, geschossene Kameraden zu umflattern und auf sie zu stossen. Sie sehen in der Ferne fast einfarbig düster rauchgrau aus, aber die hellen grossen Schwingen lassen sich schon deutlich unterscheiden. | Schnabel und Füsse sind sehr hell graulich-Heischfarb, ersterer mit breiter hornschwärzlicher Spitze; Augenring fleischfarb-bräun- lich; Iris braun, um dieselbe, wie bei den meisten Möven, die Scle- rotica auffallend hell, fast rein weiss. Beim alten Vogel im Hochzeitkleid ist der Schnabel orange- gelb, Spitze und untere Seite des Unterschnabels heller, weisslich bis fleischröthlich-hornfarb; Mundwinkel graulich-feischfarb, eben- so der Rachen, vor der Spitze des Unterschnabels ein grösserer oder kleinerer feuerrother, um den Rand gelb verwaschener Fleck; Augenring trüb orangegelblich; Iris hell erdbräunlich in’s Gelbe; Füsse hell fleischfarb, da und dort in’s Bleigraue spielend. Ganze „Länge des g. 2’; die Flügel überragen den Schwanz um 6—12''. In ihrer Stellung, namentlich wenn sie auf Treibeiskanten oder Felsen sitzt, hat die Bürgermeister-Möve ‘etwas ganz Eigen- thümliches. Der Körper wird wenig nach hinten geneigt, der Hals dagegen ganz aufrecht und hoch gestreckt, und daher auffallend dünn erscheinend in Anbetracht des sehr massiven Kopfes und' Schnabels. Die Stimme klingt wie „gogäu-gogäu“ und „gaggag‘“ oder „rogrogrogru“, zuweilen hat sie Aehnlichkeit mit dem Bellen‘ eines kleinen Hundes. | In ganz Spitzbergen häufig ist der Graue Sturmvogel (Pro- cellaria glaciales). Man trifft ihn einzeln und gesellschaftlich na- mentlich um das Treibeis, sowohl weit vom Festland entfernt als: in den Fjorden und im Vorland, wie am Rand der Steilabfälle der: Küstengebirge, hier noch auf 1500° über dem Meere beobachtet. Ist nichts weniger als schüchtern und oft wirklich dummdreist.. Sein Flug ist nicht ausnehmend reissend, weich, etwas eulenartig; Die Vogel-Fauna im hohen Norden. 95 entweder macht er kurze rasche Flügelschläge, oder er bewegt sich schwebend und oft kreisend und dann häufig nicht den Körper ho- rizontal haltend, sondern nach rechts oder links geneigt. Zuweilen stösst er wie spielend auf Elfenbeinmöven. Er folgt nicht gerade den Fahrzeugen, sondern umschwärmt sie mehr und ist sehr gierig auf Speck, den der Sturmvogel aber nicht wie die Möven im Flug von der Oberfläche des Wassers wegnimmt, sondern schwimmend. Bei nebliger Witterung und Windstille sitzen zuweilen Trupps von D bis 10 Stück und mehr auf treibenden Eischollen, mit eingezoge- nem Kopf, den Körper ziemlich schräg haltend, meist ganz auf den Fersen. Hier reinigen sie sich das Gefieder, in welchen oft Mallo- phagen hausen. Geht einer auf, so läuft er eine Strecke weit mit stark eingebogenen Tarsen und unter leichten, hohen Schwingungen der Flügel; dies geschieht auch auf dem Wasser. Auch sieht man ihn fest schlafend auf ruhiger See treiben, den Schnabel unter den Mantelfedern versteckt und den Hinterleib ziemlich erhaben. Der schwimmende Vogel nickt viel mit dem Kopf und rudert ofienbar nicht mit beiden Füssen zugleich, sondern förmlich schrittweise, was an den Bewegungen des Körpers deutlich zu erkennen ist; dabei ruht ‚das Kinn auf dem ziemlich erhabenen Hals, der kropfartig vorsteht. Scheint nicht die Fähigkeit zu haben, tief zu tauchen. Die Stimme besteht in einem rauhen, entenartigen Gackern, das sich etwa mit „gaggeraragaggagaga“ wiedergeben lässt; ganze Trupps schwätzen oft so gemüthlich zusammen. Im Magen fand ich meist Reste von Mollusken, welche einen gelblichen thranigen Schleim geben, den angeschossene in Menge ausspeien. Fleisch frisst dieser Vogel nicht, wohl auch kaum Krebse. Von Eingeweidewürmern ist er selten belästigt. & und ? haben einen grossen Brutfleck, ersteres ist auch beträchtlich grösser. Die grossen Schwingen scheinen im Juli gewechselt zu werden, doch fliegt der Vogel mit sechs Pri- marschwingen eben so gut, als wenn dieselben vollzählig sind. Die Luftröhre ist in ihrer ganzen unteren Hälfte zweitheilig, hier beide Röhren aber nur durch eine dünne knorpelige Scheidewand getrennt. Vögel, welehe eben tüchtig gebadet haben, sind nicht im Stande, sich von dem Wasserspiegel zu erheben. [Ganze Länge des &. 18". Die 12" langen Flügel erreichen selten die Schwanzspitze ganz und stehen zuweilen um 1/,‘ hinter derselben zurück. Schnabel hell ' hornfarb, nach der Basis mehr bleifarb, an den Schneiden und der Spitze geblich, der Nagel fast orangegelb, Nasenröhre dunkel blei- bläulich, auf der Firste und um die Nasenlöcher schwärzlich; ein 96 M. Th. v. Heuglin: undeutliches schwärzliches Querband hinter dem Nagel und vor der Spitze des Unterschnabels; Rachen sehr hell bleibläulich; Zunge hell grau-fleischfarb; 'um die Kinnwinkel längs der Unterkieferäste ein 1—2‘ breiter, kahler, bleifarbener Rand; Iris dunkelbraun; Füsse und Nägel hell bleifarb in’s Fleischröthliche.] Mein Begleiter, Graf Waldburg-Zeil, erlegte in der Ginevra-Bai eine ganz atlas- glänzend weisse Varietät (?), die Weichtheile waren übrigens nor- mal gefärbt. Unser ursprünglicher Reiseplan, insofern überhaupt ein solcher wirklich festgestellt worden, ging dahin, Ost-Spitzbergen ganz oder theilweis zu umsegeln, womöglich das sogenannte Gillis-Land zu erreichen und endlich den Tausend Inseln südlich von Stans Fore- land einen Besuch abzustatten. Nach übereinstimmenden Nach- richten, welche wir in Tromsö erhielten, sind {wie auch die Re- sultate der Schwedischen Expeditionen ergeben) die genannten Theile Spitzbergens gewöhnlich erst nach der zweiten Hälfte des Sommers (d. h. Ende August) erreichbar, in manchen Jahren gestatten dies die Eisverhältnisse überhaupt nur sehr schwer oder gar nicht. Nachdem wir den grössten Theil der für die Reise zugemessenen Zeit zwecklos im Stor-Fjord verschwendet, hätten wir allerdings meiner Ansicht nach mit Leichtigkeit die im Boot durch Walter Thymen-Fjord auch wirklich erreichte Ostküste mitteist unseres Schoners ein gutes Stück weit bereisen können; selbst einen Ver- such, das Land im Osten*) anzufahren, hätte ich — nachdem wir *) Die Schwedische Expedition, welehe im J. 1864 den Stor-Fjord ‚. und die Ginevra-Bai besuchte, hat (nach dem Bericht unseres Capitäns Nils Isakson, der damals als Steuermann auf dem „Axel Thordsen“ diente) von einem Hügel südwestlich vom Weissen Berge aus Laud in Ost (79° N. Br.) wahrgenommen und einvisirt, welches jedenfalls dasselbe Tafelland ist, das wir selbst mit unbewaffnetem Auge und bei ziemlich trübem Him- mel von einem höheren Berg an der Nordküste von Stans-Foreland ganz deutlich in N. 651,9 W. (magnetischer Meridian) vor uns liegen sahen. Wir sind der Ansicht, dass dieses Tafelland nicht mit Gillis-Land zu iden- tifieiren ist. Es erschien als ganz gleichförmiges Plateau von sehr be- trächtlicher Höhe, dessen steil abfallende Nord- und Südkanie von unserm Standpunkt aus (auf etwa 60 Meilen Entfernung vom Observations-Punkt, der gegen 20 Meilen westlich von der Ostmündung von Walter Thymen- Fjord gelegen ist) stark 1'/, Bogen-Grade von einander abstehen. Eben so deutlich konnten wir hinter diesem Tafelland am fernsten Horizont eine sehr lange Reihe von scharfzakigen, meist mit Schnee bedeckten Gipfeln wahrnehmen, die jedenfalls alle einem und demselben Festland angehören. a m Er e S Die Vogel-Fauna im hohen Norden. | 97 die Lage dieser weitläufigen und hohen Landmasse mit aller Sicher- heit constatirt — für sehr leicht ausführbar gehalten, denn das östliche Eismeer zeigte trotz des vielen Treibeises überall segelbare und eisfreie Stellen. Eine Fahrt durch den Helis-Sund erachtete ich dagegen nicht für rathsam. Plötzlich liess man aber alle wei- teren Versuche (ernstliche sind niemals gemacht worden), nach Osten vorzudringen, fallen und wandte sich südlich nach den Tau- - send Inseln, der unwirthlichsten Gegend Spitzbergens. Windstille und Strömung verhinderten hier ein rasches Vordringen. Im Boot konnte ich zwar mehrere der Inseln besuchen, die — so weit #ch sie kennen gelernt — nur aus niedrigen Hyperit-Klippen bestehen. Unter heftigem Nordsturm liefen wir am 50. Augustin der Deevie- Bai ein; das Unwetter währte acht volle Tage. Am 7. September setzte der Sturm in Ost um, der Capitän erklärte, er könne sich nicht mehr länger am Anker halten, damit war — obgleich uns der östliche Hafen bei Wahles Point allen Schutz gewährt haben würde, um günstigere Witterungsverhältnisse abzuwarten — das Zeichen zum gänzlichen Rückzug gegeben. Schon in der Frühe des 8. September hatte uns der Sturm bis zum Südcap von West- Spitzbergen geführt, dieses sollte nochmals umschifft und im Bel- Sund und Eis-Fjord ein Besuch gemacht werden; letzterer nahm uns endlich am 10. September auf, am 11. landeten wir in der Advent-Bai, jedoch nur auf wenige Tage, während es mir nicht einmal vergönnt war, die so interessanten geologischen Merkwür- digkeiten des Eis-Fjordes kennen zu lernen. Schon am 15. Sep- tember wurden trotz Gegenwind die Anker gelichtet und nach Nor- wegen zugesteuert. Das Eis-Fjord bietet im Vorsommer den Orni- Ob sieh dieses bis zum Giles-Land der van Keulen’schen Karte (80° 10°) nordwärts erstreckt und mit demselben zusammenhängt, ist noch nicht nachgewiesen. Nach den mir von Capitän Carlsen gemachten Mittheilungen scheint dies nicht der Fall zu sein. (Was die Schweden gesehen haben, zeichnen sie auf ihrer Karte, — s. auch Tafel 2 Ergänzungsheft Nr. 16 Geogr. Mitth. 1865, — wie eine 13 Seemeilen lange schmale Insel, also kaum mehr als halb so gross wie die Bären-Insel; — von einer ausgedehnten Landmasse dahinter oder in der Nähe zeigt die Karte nichts, und was im Bericht steht, beschränkt sich auch nur auf diese Insel oder Landspitze. Dagegen sahen A. Newton und Birkbeck von Süden her in 1864 das Land in 77° 20° N. Br. und gelangten bis in seine Nähe; übereinstimmend mit Heuglin und Zeil ist es ein aus- gedehntes Land, nicht eine kleine Insel, wie die Schweden es angeben. A. Petermann.) Cab. Journ. f. Ornith. XIX. Jahrg. No. 110. März 1871. 2 98 M. Th. v. Heuglin: thologen Gelegenheit, das Brutgeschäft der Alken (Ur:a troile und | Ur. grylle var.), Papagei-Taucher, Krabbentaucher und Eiderenten (Somateria thulensis und 8. spectabilis) zu beobachten. Letztge- | nannte Enten-Arten hausen auf den Holmen, alle Alken und Mor- | mon in grossen Colonien in den Hekla-Hook-Felsen bei Safe-Hafen | und in den senkrechten, von Trias-Schichten gebildeten Klippen zwischen der Kohlenbucht und Advent-Bai, verschiedene Möven- Arten und Sturmvögel in den wild zerrissenen Wänden der Alpen- kalk-Formatior der Sassen-Bai. Doch war jetzt natürlich die Brut- zeit längst vorüber und es wurden nur die Jugendkleider verschie- dener Arten eingesammelt. Hier auf der Westküste Spitzbergens haust auch wahrscheinlich der einzige eigentliche Standvogel der Inseln, das stattliche nordische Schneehuhn Lagopus hemieucurus (Tetrao hyperboreus, Sund.). Es lebt an felsigen Gehängen und geht hoch hinauf in’s Gebirge, im Herbst familienweise 10 bis 12 Stück vorkommend. Die Alten vermausern schon anfangs September, dabei verfärbt sich nur ein kleiner Theil des Kleingefieders; die ' Jungen wechseln ihr Jugendkleid etwas später und mehr durch Verfärbung als die Eltern, obgleich auch hier der grösste Theil des Winterkleides neu ist. Die Nahrung des spitzbergischen Schnee- huhns besteht im Herbst in den halbreifen Samen von Papaver nudicaule, Polygonum und anderen Alpenpflanzen. Ich habe noch keine Gelegenheit gehabt, den Vogel mit allen verwandten Formen genauer zu vergleichen, und beschränke mich vorläufig auf einige kurze Notizen. Die Füsse von Teirao hyperboreus sind ganz dicht befiedert mit Ausnahme des äussersten Zehenschildes und eines schmalen Saumes auf der Mitte der Zehensohlen. Der Schwanz hat nur 16 Steuerfedern, deren mittleres Paar im Winter weiss ist, die übrigen schwarz mit breiter weisser Basis und mit weissem Spitzrand; dieser auf den seitlichen schmäler als bei den folgenden. Ganze Länge des alten & 16°; ,Schnabel 51/,-- 6°, Flügel 8" 6—8" 9", Schwanz 5 6“—5’' 9", — Tars. 1” 7—1' 8"'. Schnabel horn- schwärzlich, an der Basis in's Hornblaue, Spitze mehr hornbräun- lich; über dem Auge ein kahler ziegelrother Fleck; Iris braun; nackte Theile der Zehen hell bräunlichgelb, Nägel hornbraun, nach der Wurzel zu dunkler, seitlich am Rand heller braun. Ganze Länge des 2 13—14‘. Schnabel an der Wurzel heller, vorzüglich Basalhälfte des Unterschnabels; Nägel hell bräunlich- gelblich-hornfarb. | Die Vogel-Fauna im hohen Norden. 09 Beide Geschlechter im Alter und Winterkleid mit schwarzem Zügelstreif, der übrigens beim 2 viel weniger entwickelt ist. Der junge Vogel im Herbst (Mitte Septembers) hat Kopf, Hals, Brust und Oberseite ziemlich lebhaft fahlgelb (fwvus); Zügel rauchfarb, obenher zuweilen etwas fahlweisslich eingefasst. Die Scheitelfedern etwas lebhafter ockergelb mit breiten schwärzlichen Querbändern; Kinn weisslich ; Kehle fahlweisslich, jede Feder mit einem breiten, über dem Schaft absetzenden, rauchfarbenen, ver- waschen fahl umrandeten Querband; übrige Theile des Halses und Brust deutlich rauchfarb gebändert; ebenso, aber etwas schmaler und dunkler rauchschwärzlich quergewellt und gewässert. ist die übrige Oberseite; die Federn um Hinterhalsbasis und auf den Schultern mit noch mehr Braunschwarz und weniger und feinerer fahler Zeichnung; ein Theil der Schwingendecken, Unterleib und Schwingen rein. weiss, die letztere bereits dem Winterkleid ange- hörig, also meist neu und mit schwarzen Schaften auf den Primar- schwingen; unter letztern befinden sich auch einige rauchgraue -Schwungfedern, die auf der Spitzhälfte sehr fein lichtfahl bespritzt, auf der Wurzelhälfte aber weiss, auf der Grenze beider Fär- bungsstufen endlich weiss bespritzt sind, so dass es wahrscheinlich ist, dass diese nicht ausfallen, sondern sich verfärben; Aehnliches dürfte auch mit einzelnen Schwingendecken der Fall sein; (die ©, äusseren Steuerfedern oben schwarz, unten grauschwärzlich mit nach innen progressiv zunehmendem weissen Spitzsaum; die Aussen- fahne der !/, äusseren mit Ausnahme eines I—1'/,' breiten Stückes oberhalb des Spitzrandes schneeweiss, die Wurzelhälfte dieser so- wie der °/, folgenden ebenso; die 7! Steuerfeder weiss, vor der breiten weissen Spitze bei manchen Exemplaren nur ein unregel- mässig rhomboidförmiger schwarzer Fleck von etwa 1‘ Länge, der- selbe übrigens seitlich breit weiss gesäumt; bei anderen ist dieser Fleck grösser und nimmt die ganze Breite der Feder ein. , Die #, Mittelfedern (also das St: Paar) bei allen vorliegenden Jungen nicht ausgewachsen, aber rein weiss. Der alte Vogel im Winter ist rein und blendend weiss, sein Gefieder dann viel länger und dichter als in der Jugend und im Sommer. Schwingen 1. Ordnung mit schwarzen Federschaften. Das mittlere Paar ($/,) Steuerfedern weiss, ‚die übrigen gezeichnet wie beim jungen Vogel, nur ist die weisse. Basis schmäler. und fehlt zuweilen (beim 3) der lange weisse Streif auf der Aussenfahne der äussersten Feder. Des schwarzen Zügelstreifs in beiden Geschlech- 100 M. Th. v. Heuglin: tern habe ich bereits Erwähnung gethan. — Beim & erstreckt er sich vom Nasenloch bis zum Auge, über den oberen Liderrand weg (dieser allein ist schwarz) und erscheint auch noch hinter dem Auge; während beim 2 nur die Stelle zwischen Auge und Nasenloch schwarz, die Augenlider ganz weiss zu werden scheinen. Die Grund- farbe des Sommerkleids ist, nach einzelnen alten Federn zu schliessen, viel mehr ockerfahl als beim Alpenschneehuhn, bei dem diese einen mehr fahlgraulichen Ton hat. | Was die spitzbergische Form der Lumme, Uria Brünncchü, anbelangt, so finde ich folgende Verschiedenheit zwischen ihr und der scandinavischen U. troile: U. Brunnichit' ist etwas grösser, hat einen viel kräftigeren brei- teren, kürzeren Schnabel mit hellerer, stumpferer Spitze; die Ecke am Unterschnabel tritt auch deutlicher hervor; der Oberkieferrand nach dem Mundwinkel zu blaulich hornfarb. Die Oberseite ist selbst bei jüngeren Vögeln und namentlich auf Scheitel und Rücken mehr blaugraulich schwarz, (bei U. troile reiner braunschwarz,) die weisse Binde auf der Spitze der hinteren Secundarschwingen viel breiter; Schnabel von der Stirn 1‘ 3°‘ — derselbe von der Nasenschneppe 13%/,". — Schnabelhöhe über den Eeken des Unterschnabels 64,‘". — Flügel 7” 97 11’, — Schwanz fast 2''. — Tarsus 1’ 4. Bei Uria troile messe ich Schnabel von der Stirn 1" 7 — Schnabel von der Nasenschneppe 1” 4”. — Derselbe hoch 53, '', — Flügel 7” 6. Cepphus grylie unterscheidet sich eben so constant von dem spitzbergischen ©. Mandti. Letzterer hat etwas kürzeren fast zarteren Schnabel; ihre Grössenverhältnisse sind dieselben; dagegen ist die Wurzelhälfte der den weissen Flügelspiegel bildenden Federn bei C. Grylle rein schwarz, bei ©. Mandtü weiss. Noch muss ich . eines jüngeren Exemplars von Cepphus erwähnen, das wir in der Nähe der Tausend Inseln erlegten. Es trägt bereits das Winterkleid und zeichnet sich durch 14 Steuerfedern von ©. Mandtü und C©. Grylle aus; die weissen grossen Flügeldeckfedern haben auch weisse Wurzel wie ©. Mandtiü, und breite schwärzliche Spitzen, welche allerdings in dieser Färbungs- stufe auch bei ©. Mandtü und wahrscheinlich bei ©. Grylie vor- kommen, dagegen haben die Secundarschwingen und die Deckfe- dernerster Ordnung der Primarschwingen deutliche weissliche Spitzen. Dies ist wahrscheinlich der ohne Zweifel Die Vogel-Fauna im hoben Norden. 101 auch zuweilen in Island und Grönland vorkommende ostasiatische C. Columba, Pall, Ich gebe hier noch die Maasse einiger Teiste: Schn. v. d, St. Flüg. Tars. Mittelz. m. Nag. C. Grylie (von Finmarken) 14", 54.2107. Hlal3lr 20°, C. Mandtüi (von Spitzbergen) 10-131, 5,37. .5. gr, 191,,4.131/, 180.181, C. Columba? (Tausend Inseln) 11,8%, Du mL 13. 14,7, Die grössere, grossschnäblige spitzbergische Form von Mor- mon arctica (M. glaciulis) misst (das 2), ganze Länge 1’. — Schna- bel von der Stirn 1” 10%/,‘‘, desgl. hoch 1” 81/,', — Flügel 6' 9°; — erreichen die Schwanzspitze bis auf 10—12'''. — Schwanz fast 2”. — Tars. 1° 1‘. — Mittelzehe mit Nagel 1'' 11. Somateria spectabilis haben wir im Gegensatz zu den meisten andern Enten ausschliesslich als Conchylien-Fresser kennen gelernt. Ihr Kropf ist oft dick erfüllt mit verhältnissmässig sehr grossen rauh- schaligen Bivalven (Sa.rzcava arctica), die in dem von Gletschergrus gebildeten Seeschlamm leben. *) Ich kann hier nur die genauen Maasse des? geben. Ganze Länge 21’. — Die Flügel erreichen die Schwanz- spitze bis auf 1‘ 3‘. — Schnabel von der Stirnschneppe 1’ 5". — Derselbe vom Mundwinkel 2” 7—8'', — Flügel 9 9. — Schwanz 3°. — Tarsus 1‘ 8°, — Schnabel schwärzlich, Unterseite des Unter- schnabels mehr horngrau; Gaumen und Zunge hellfleischfarb; Füsse trüb orange röthlich; Schwimmhäute schwärzlich; Iris braun. Die ?? dieser Art lassen sich auch von Weitem schon an den weissen Spitzen der Secundarschwingen und düsterer Färbung von denen von Somateria thulensis unterscheiden. Schon am 15. September verliessen wir, wie schon bemerkt, die Advent-Bai, den Eis-Fjord leider schon am 16., trotz heftigem Gegenwinde und ohne im Bel-Sund oder am Südcap nochmals an- zulegen. Erst am 23. hatte man die Bären-Insel in Sicht, am 25. endlich die Küsten Nord-Finmarkens. Was die geographische und quantitative Verbreitung der Vögel in Spitzbergen anbelangt, so habe ich hierüber — so weit ich aus eigener Ans-hauung zu urtheilen vermag — schon im Vorher- *) Aehnliches beobachtete ich im südöstlichen Deutschland bei Fa- sanen, die namentlich verschiedene Helöx-Arten lieben und dieselben eben- falls mit der Schale verschlingen; letztere dürfte wohl wieder wie Gewölle ausgeworfen werden. 102 M. Th. v. Heuglin: gehenden einige Andeutungen gegeben. Die Westküste von West- Spitzbergen ist sowohl in Bezug auf die Menge der vorkommenden Arten, als namentlich auch auf ihr massenhaftes Auftreten weit reicher als die Ostküste, der Stor-Fjord und die östlichen Inseln, Nordost- Land, Barents-Land und Stans-Foreland. Das mildere, vorzüglich durch - die Nähe der äussersten Verzweisungen des Golfstromes begünstigte Klima des Westens, die weit mannigfaltigere Vegetation, Ueberfluss an zahllosen Arten niederer Seethiere und endlich die Conformation der Küste mit ihren tiefen Fjorden, mehr schneefreien, steilen, sehr häufig geschichteten und in Stufen und Klippen ab- fallenden Gebirgen, den breiteren, von Bächen, Sümpfen, Morästen und Seen durchschnittenen Thälern und Vorländern. Der häufig seichte, mit Gletscherschlamm bedeckte Meeresgrund und verschie- dene niedrige Inseln, Sandbänke und Scheeren bieten den gefie- derten Bewohnern des hohen Nordens reichlichere Nahrung und Schutz, namentlich auch in Bezug auf ihre Nachkommenschaft. Der Stor-Fjord dagegen ist meist bis August mit Eis bedeckt, während die Westküste schon im Juni eisfrei zu werden pflegt. Ueber die Zugzeit der hiesigen Vögel konnte ich nur so viel erfahren, das Plectrophanes nivalis truppweise in der ersten Hälfte des Mai anzukommen pflegt, etwas früher erscheinen schon Eider- enten und Gänse. Ob die Alken, Krabben- und Papagei-Taucher, Möven und Sturmvögel eigentlich wandern oder sich den Winter über hauptsächlich nur nach den Eiskanten hinziehen, darüber konnte mir Niemand sichere Auskunft geben. Nach Keilhau er- Schienen auf der Bären-Insel schon im Februar Procellaria und Larus eburneus, in März Uria Mandtiü und Eiderenten. Mitte September dieses Jahres war (vielleicht mit Ausnahme von Phala- ropus) noch keine Vogelart von Spitzbergen abgezogen, doch sam- melten sich Eiderenten, Gänse (Anser brachyrhynchus und A. ber- nicla) und Schneeammern in grösseren Schaaren zusammen, ja selbst die Möven, namentlich Zarus tridactylus, leben nachdem sie ihr Winterkleid angelegt, bereits in dichten geschlossenen Flügen; Tringa maritima traf ich gleichzeitig in der Advent-Bai in Trupps von 10 bis 20 Stück vereinigt. Pleetrophanes nivalis wurde von uns in Westspitzbergen südlich vom Eis-Fjord, auf beiden Küsten des Stor-Fjordes, im Walter Thymen- Fjord, nicht aber am östlichen Eismeer und auf den Tausend Inseln beobachtet. Die Schneeammer ist an geeigneten Orten, auf Inseln, Klippen, am felsigen Strand, im Vorland und selbst in den Hyperit- Die Vogel-Fauna im hohen Norden. 103 Bänken, bis gegen 2000 Fuss Meereshöhe überall häufig. Im Juli tragen die Alten noch das Hochzeitkleid mit schwarzem Schnabel ; die Mauser erfolgt Ende August bis Mitte September, wo diese Vögel ungemein fett werden und der Schnabel eine lebhaft orange- gelbe Farbe annimmt. Lagopus hemileucurus ist, wie schon bemerkt, Standvogel. Von uns nur im Eis-Fjord (Sassen-Bai, Advent-Bai und am Alkhorn) beobachtet, wo diese Art nicht selten ist, indem es meinem Be- gleiter gelang, dort binnen wenigen Stunden allein 21 Stück zu erlegen. Kommt aber auch noch im nördlichen Spitzbergen vor. Die Angabe B. v. Löwenigh’s, das Schneehuhn finde sich häufig um Whales Point (Ergänzungsheft Nr. 16 der „Geogr. Mitth.“, S. 42), beruht sicherlich auf einem Irrthum. Sehr interessant wäre es, zu erfahren, welcher Form von Zagopus das Schneehuhn von Nowaja Semlä angehört (ob L. brachydastylus?). -} Aegialites hiaticula haben wir in Spitzbergen nicht angetroffen, sie brütet jedoch im Nordland (nach Malmgren). -+Tringa maritima. Gleich häufig im Westen wie im Osten. Am Meeresufer, auf Sandbänken, Klippen, Inseln, im sumpfigen Vor- land, an Gletscherbächen und auf an Vegetation reicheren und är- meren Stellen; im Küstengebirge bis auf 1890 Fuss Höhe be>b- achtet. Brütet spät, indem die Jungen erst zu Ende August függe werden. + Phalaropus fulicarius. Häufig auf Inseln und im Vorland West-Spitzbergens; an Sümpfen und Teichen; niemals weit vom Meere entfernt gesehen, kaum wohl über 2- bis 300° hoch anstei- gend; seltener am seichten Meeresgestade. Nur sehr einzeln in Stans Foreland, nicht am Ufer des östlichen Eismeeres beobachtet. —+ Sterna macroura. Nicht selten in meinem ganzen Beobachtungs- gebiet, häufig auf Dunö, Agardh-Bucht, Cap Lee, Anderssonsö, in der Deevie-Bai, einzeln auf den Tausend Inseln. Anfangs September flügge Junge, die sich mit den Alten in grosse Flüge vereinigen. —+Larus eburneus. Nur einzeln um Dunö und im Eis-Fjord, häufig in Stor-Fjord, Walter Thymen-Strasse, Ginevra-Bai bis an’s östliche Eismeer, doch überhaupt nicht in so grosser Anzahl hier angesie- delt wie Z. iridactylus und L. glaucus. + Larus tridactylüs. Die häufigste Möve Spitzbergens, im Westen _ wie im Osten, auch nicht selten um die Tausend Inseln. Brütet in unzähliger Menge auf den steilen Gebirgen des Eis-Fjordes, am Rotjes-Fjell, am Mövenberg in der Ginevra-Bai. Das Winterkleid 104 M. Th. v. Heuglin: wird theilweis durch Verfärbung angelegt, wenigstens was das Klein- gefieder betrifft. + Larus glaucus. In unserm ganzen Beobachtungsgebiet nicht selten, jedoch nirgends in grossen geschlossenen Colonien zusam- menhaltend. +-Lestris parasita. Ueberall paarweise, mehr am Gestade und auf Inseln als auf der See, geht weit landeinwärts und wurde noch auf 2000‘ hohen Gebirgen gesehen. Die sehr hübsch bunt gezeich- neten Jungen verlassen das Nest erst Ende August, sind ausneh- mend fett und werden im September flugfähig. Wie früher schon erwähnt, habe ich auf Spitzbergen nur ein einziges Exemplar mit ganz rauchbrauner Unterseite gesehen und erlegt, und zwar am östlichen Eismeer; in Finmarken dürfte diese letztere Form fast häufiger vorkommen als die weissbäuchige. Ein weissbäuchiges ? aus Spitzbergen ist auffallend gross. Schnabel von der Stirn 13X/2". — Flügel 12” 4“. — Mittlere Steuerfedern 8° 2. — Tarsus 1° 8°. — Mittelzehe mit Nagel 1" 8%. — + Lestris Buffon‘. Von Malmgren im Eis-Fjord eingesammelt. Auch wir haben diese Art an derselben Loealität öfter zu sehen geglaubt, doch ist es uns nicht gelungen, sie zu erlegen. +Procellaria glacialis. Häufig in unserm ganzen Beobachtungs- gebiet von der Höhe der Bären-Insel nordwärts, namentlich im Treibeis. Brütet auf steilen Felsgebirgen im Eis-Fjord und Stor- Fjord und umschwärmt einzeln und in zerstreuten Gesellschaften noch die höchsten Bergkanten, oft weit von der See entfernt; süd- wärts bis jenseit der Bären-Iusel gehend. -+Bernicla brenta. Die gemeinste Gans Spitzbergens, namentlich auch im Eis-Fjord, um Dunö, Rotjes-Fjell, ebenso in einzelnen Gegenden des Stor-Fjordes, in der Walter Thymen-Strasse und am östlichen Eismeer. Die Jungen, welche hezüglich ihrer Färbung den Alten sehr ähnlich sind (nur ist der Hals und Kopf mehr düster rauchgraubraun, die Flügeldeckfedern und Mantelfedern breiter weiss gesäumt und der weisse Halsring fehlt ihnen noch), werden erst im September flusfähig. Bernecla leucopsis. Nur in grösseren Flügen bei Rotjes-Fjell und wahrscheinlich einmal im Barents-Land gesehen. Anser brachyrhynchus. Häufig bei Dunö und Rotjes-Fjell, auch im Eis-Fjord.e Hat schon Mitte Juli ziemlich erwachsene Junge. Brütet am Festland in der Nähe von Gletschern und Eis- bächen. | Die Vogel-Fauna im hohen Norden. 105 +-Harelda glacialis. Nicht selten auf Dunö, Isö und im Eis-Fjord in kleinen Flügen; ausschliesslich Bewohner der Süsswasser-Teiche auf Inseln. —+ Somateria thulensis. Sehr häufig colonienweise auf den Sand- und Felsinseln West-Spitzbergens, auch um das Südcap, einzelner im Stor-Fjord, Walter Thymen-Fjord und auf den Tausend Inseln. 4-Somateria spectabilis. Seltener als die vorhergehende und theilweis gemischt mit derselben, Auf Dunö und im Eis-Fjord, auf den Tausend Inseln, einzeln wohl auch im Stor-Fjord. — Üolymbus septentrionalis. In meinem ganzen Beobachtungs- gebiet, wo sich günstige Localitäten bieten, sowohl auf Inseln als am Festland, immer auf kleinen Teichen und sich hier meist von Süsswasser-Crustaceen nährend. Die Alten besuchen übrigens oft auch den Meeresstrand, stille Buchten und die Mündungen der Fjorde; geht weit landeinwärts und zuweilen ziemlich hoch in’s Gebirge. Namentlich häufig um Dunö und in Deevie-Bai. Die Jungen sind Mitte September noch nicht flugfähig, werden jedoch früher auf die See geführt, weil die Teiche oft schon Ende August sich mit Eis belegen. + Cepphus Mandti. Einer der gemeinsten Vögel Spitzbergens, doch nicht so massenhaft auftretend wie U. troile und auch weniger gesellschaftlich lebend; zahlreich in West-Spitzbergen und um die Tausend Inseln. Brütet gern in Trupps bis zu 20 Paaren und mehr in den senkrechten Hyperitklippen auf 800 bis 1800’ Meeres- höhe. Die ersten Jungen im Winterkleid Ende September bei An- derssonsö eingesammelt. Liebt namentlich die Nähe des Treibeises. + Uria Brünnichii. Wohl mit Mergulus alle im Süden und Westen der in dichtesten Massen vorkommende Vogel, aber sehr einzeln in den Meeren des östlichen Spitzbergen. | —+Mergulus alle. Zu Tausenden und Abertausenden um Rotjes- Fjell brütend; häufig auf der ganzen Westküste, oft sehr fern vom . Land; einzeln im Stor-Fjord und um die Tausend Inseln. —+ Mormon glacialis. Nicht oder nur sehr vereinzelt im Stor-Fjord, häufiger in der Nähe des Südcaps, am Horn-Sund und im Eis- Fjord, aber auch hier nirgends in grösserer Anzahl und nicht in geschlossenen Colonien. Nachschrift. Erst nach meiner Rückkehr nach Norwegen kam mir der neueste Bericht über die Schwedische Expedition von 1868 (Svenska Polarexpeditionen ar 1863. Reseskizzer af Th. 106 M. Th. v. Heuglin: M. Fries och C. Nyström) zu, aus dem ich ersehe, dass von den Mitgliedern derselben Strepsilas interpres (auch früher von Newton schon hier nachgewiesen) auf Spitzbergen gefunden worden ist. Auf der Bären-Insel wurde beobachtet ein Flug Kreuzschnäbel (Loxia eructrostra) und in der Nähe dieser Insel ein Anthus („för- modligen odscurus“); durch Tobiesen endlich (a. a. ©. S. 40) eine Krähe (,Kräka“, wohl Corvus corni«). Möglicher Weise kommt auch ein Pieper auf Spitzbergen vor. Nach meinen Notizen be- merkte ich einen ähnlichen Vogel auf Felsblöcken am Teistberg im Stor-Fjord auf etwa 1500’ Meereshöhe. Leider gelang es mir nicht, denselben zu erlegen. So wären denn noch als zufällige Gäste auf Spitzbergen und Bäreneiland mit ziemlicher Sicherheit nachgewiesen: Falco tislandicus, Sirix nyctea, Upupa epops, Anthus Spec., wohl A. pratensis var. rupestris (Bären-Insel), Corvus cornix, (Bären-Insel), Loxia erueirostra. (Bären-Insel), Eudromias morinal- lus (nach Keilhau), Strepsilas interpres, Lestris pomarhina, La- rus Sabinei (nach Bessels), Cygnus spec.?, Uria hringvia (von uns bei Bären-Insel®%esehen) und Podiceps rubricollis. Ich muss bedauern, dass es uns nicht vergönnt war, weiter nach Norden vorzudringen, weil es mir dann wohl ermöglicht wor- den wäre, die nördlichen Grenzen der verschiedenen Vogel-Arten Spitzbergens festzustellen. Die grönländische Ornithologie ist namentlich durch Reinhardt und Holböll ausgebeutet worden. Auch dürfen wir viele interes- sante Details hierüber von den Mitgliedern der Deutschen Nord- pol-Expedition erwarten. Torell erwähnt 77 Arten grönländischer Vögel, Holböll 88., Reinhardt 118. *) | Von Vögeln des Nachbarlandes Nowaja Semlä führt Spörer (Ergänzungsheft Nr. 21 der „Geogr. Mitth.“) nach v. Baer und Pachtussow folgende Arten an: Serie nyctea; das Schneehuln (welche Form?); Plectrophanes nivalıs; Strepsilas collarıs; Tringa maritima; Falco buteo (?!); Anser segetum; Anas glacialıs; Anas mollissima und A. spectabilis; Oygnus musicus; Uria trodle (); U. grylle (2); Colymbus septentrionalis , Sterna hirundo (?); Larus glaucus ; L.tridactylus; L. canus; L. eburneus; Lestris catarractes (?); Procel- *) Dr. O. Finsch in Bremen schreibt mir dagegen, dass die Vogel- Fauna Grönlands eine sehr arme sei, eine Angabe, die sich wohl nur auf gewisse engere Localitäten dieses Landes beziehen kann, da sie in directem Widersprach mit Holböll’s Schilderungen steht. Finsch nimmt -etwa 57 Arten als dort brütend an. Die Vogel-Fauna im hohen Norden. 107 _ lariu glacialis; Mormon fratercula und Mergulus alle. Dann Anas nı- gra; verschiedene Arten „Schnepfen“ (wohl Tringa und Phalaropus). Gillett endlich hat im Ibis 1870, p. ... ., ein Verzeichniss von durch ihn selbst in Novaja Semlä nachgewiesenen Vogel- Arten ge- geben. Von oben nicht angeführten macht derselbe namhaft: Falco islandicus, Falco pereginus (?), Hirundo rustica, Lestris Bufont, paratita u. pomatorhina, Sterna macroura, Uria Brünnichi; Colym- busareticus u. glacialis, Anser segetum (wohl A. brachyrhynchus) u. Dernicla brenta. „ Ohne allen Zweifel kommen dort noch ausser den meisten spitzbergischen Arten auch vor: Bernicla rufieollis, Anser hyper- boreus; vielleicht Anas dispar und histrionica, Calidris arenaria ; Limosa tereck und weitere Tringa-Arten; möglicher Weise auch ‚verschiedene Bachstelzen, Ammern und Gimpel; Capitän Ulve sah auch Schwalben (wahrscheinlich Hirundo rustica). Was meine ornithologischen Sammlungen auf Spitzbergen und in Finmarken anbelangt, so bemerke ich noch, dass ich es mir vorzüglich angelegen sein liess, die Jugendkleider und Uebergänge aus denselben in verschiedenen Altersstufen zusammenzustellen. En- tozoen und Malophagen, welche ich noch nicht zu bestimmen vermag, fand ich bei Vögeln im Ganzen weniger häufig vor, als erstere bei den fischfressenden Seesäugethieren, Mallophagen nur bei ZLarus iridactylus, Procellaria und Cepphus Mandti. Capitän Ulve über- liess mir eine Partie von Eiern aus Nowaja Semlä (Uria Brun- nichii und Oepphus Mandtit, Anas mollissima?, Bernicla brenia 2), andere erhielt ich aus Nord-Finmarken und Vadsö. Allgemeiner bekannt dürfte sein, dass dort Anas dispar kein so seltener Gast ist; sie brütet selbst in den östlichen Theilen des Waranger-Fjordes. Nach Versicherung des Herrn Pedersen von Wadsö, der fleissig sammelt, brütet in jener Gegend sogar noch das Haselhuhn. In keiner von mir gesehenen Sammlung aus Nordost-Finmarken da- gegen sah ich Edelfalken oder ihre Eier. Stuttgart, 5. Februar 1871. Briefliche Mittheilungen. Von Hauptmann Alex. von Homeyer. An Herrn Dr. Karl Bolle. Du weisst, lieber Karl, dass ich vom 1. bis 18. Juli d. Jahres 108 Alex. von Homeyer: Briefliche Mittheilungen. mit meiner Compagnie zur Besetzung des Königsteins in Sachsen commandirt war, und darauf nicht nach Frankreich zog, sondern | beim Ersatz-Bataillon in Breslau Verwendung fand. Meine orni- thologischen Beobachtungen sind unbedeutend, doch dürfte Dich interessiren: Auf dem Königstein: 1. Serinus luteolus nistete meines Wissens nur in einem Pär- chen am Biela-Abhange, öfter jedoch im freundlichen Schandau (1 Stunde aufwärts). 2. Falco peregrinus horstete auf den benachbarten, wild zer- klüfteten Pfaffensteinen. 3. Sazxtcola rubicola nistete am Fuss des Königsteins zwischen dem Kirchhof und der Scheibenstandswache. Der Commandant vom Königstein, der preussische General von Rohrscheidt, hatte dies Vögelchen noch nie hier als Brut- oder Zugvogel angetrofien. Die Verbreitung dieses Steinschmetzers ist durchaus eine westliche, we- niestens für Deutschland, denn am Rhein, an der Mosel etc. trifft man ihn öfters. 1866 wurde er von mir nur einmal in Mähren beobachtet. 4. General von Rohrscheidt hat die Techodroma muraria ganz sicher im November 1863 wahrgenommen. Das Vögelchen liess sich an den Felsen kletternd während eines ganzen Monats ge- legentlich aus nächster Nähe betrachten. — Brutvogel ist Ticho- droma aber gewiss hier nicht, wenigstens nicht in diesem Jahre, denn ich habe mich sehr dafür interessirt, ohne auch trotz Sehens und Horchens nur einen Laut zu vernehmen. In Breslau: 1. Am 15. August waren 3—4 Muscicapa parva im botanischen Garten. Die Witterung war ungünstig, kühl und windig. Die Vögelchen schnarrten laut und viel, sie waren ziemlich hoch oben im Gezweige dreier dicht benachbart stehender Schwarzpappeln, und flogen eilfertig viel hin und her. Sie mochten Hunger haben. Uebrigens war es sechs Uhr Abends, und die Vögelchen andern Nachmittags 4 Uhr nicht mehr anzutreffen. Demnach hatte ich es mit Zugvögeln zu thun. In früheren Jahren (62 und 63) beobachtete ich die Muscicapa parva bei Glogau in Nieder-Schlesien am 11. und 7. August auf dem Zuge (s. Journ. f. Orn.). | 2. Am 29. August sah ich einen Flug von Vanellus cristatus von mindestens 250 Stück. Ich erinnere mich, den Kibitz viel- fach zu 50—70, aber nie zu 250 Stück vereint gesehen zu haben. i 8 | i OÖ. v. Krieger: Buteo tachardus. 109 3. Gallinula pusüla wird alljährlich in wenig Exemplaren bei Breslau lebend gefangen und auf den Markt gebracht, leider ist es mir noch nicht gelungen, eins für mich zu acquiriren. — 4. Serinus luteolus war vom 20. September bis 1. October hierorts auf dem Zuge sehr häufig. 5. Wir haben schon Eis gehabt, und dennoch habe ich heute noch einige Schwalben (Hirundo rustica) gesehen. Am 15. Oc- tober waren noch viele da. 6. Herr Conservator Tiemann erhielt einen in der Nachbar- schaft geschossenen Pernis apivorus, der fast ganz einfarbig russ- schwarz war. Breslau, den 17. October 1870. Buteo tachardus sive desertorum zum zweiten Mal in Thüringen erlegt. (Briefliche Notiz.) An den Herausgeber. Der Buteo tachardus scheint in Deutschland doch nicht so selten zu sein, als er bisher, vielleicht irrthümlich, gehalten worden ist; denn gestern habe ich, fast unter demselben Datum wie voriges Jahr, und unter denselben, Ihnen im vorigen Jahre geschilderten Umständen *), auf meiner Krähenhütte wiederum einen Zachardus geschossen. Wenn er wirklich in Europa selten ist und nur ganz ausnahmsweise in Deutschland vorkommt, so muss ich ein ganz enormes Glück gehabt haben, dass ich ihn nun zweimal, in zwei auf einander folgenden Jahren, erlegt habe. Sein Aeusseres gleicht dem in vorigen Jahre von mir geschossenen auf’s Haar und be- nahm der Vogel sich beim Attakiren auf den Uhu gerade ebenso, wie der vorige. Seine Art und Weise dabei ist ganz abweichend von der des Duteo communıs. Unter fortwährendem Schreien stösst er in vollster Wuth, wie D. lagopus, auf den Uhu, gleichsam als wenn er in seiner Heimath denselben vorher nie gesehen habe. Er ist sehr schnell und gewandt bei seinen Attaken und deshalb nicht leicht zu schiessen. **) Sondershausen, 20. September 1870. Kammerherr O. von Krieger. *) Vergl. Jahrg. 1870, S. 176. **) Siehe den Bericht, Jahrg. 1°70 S. 462. D. Herausg. 110 Vietor Ritter von Tschusi: Wanderungen im Böhmerwalde. Tagebuch-Notizen. Von Victor Ritter v. Tschusi. (Schluss ; s. S. 62—73.) | V.. Nach Fürstenhut, — dem Lusen und dem, Ferst- | hause zu Pürstling. 11. Juni. Früh. am Morgen verliess ich mit meinem Führer || das Forsthaus. — Auf der Strasse nach Obermoldau bemerke ich Sazıcola oenanthe, — im Orte selbst Cypselus apus und in den Gärten höre ich Aypolais salicaria, jedoch schlechte Sänger. Der Weg führt durch das kleine Dorf Elendbachel. Vor dem Orte sehe ich einige Fringila serinus. Hier gedeihen keine Obst- bäume mehr. Auf den Weidegründen liegen zerstreut grosse Stein- massen. — Der Wachholder überzieht bedeutende Strecken. Die ganze Gegend hat einen alpinen Charakter. Corvus corone zeigt sich hier öfters. | Bei Neuelendbachel führt der Weg bergauf in den Wald. Furchtbar sind hier die Verwüstungen, die der Sturm angerichtet hat. Phyllopneuste rufa vernehme ich einmal — Fringilla spinus oft. Gegen Mittag erreichen wir Fürstenhut, wo ich bei Revier- förster Schindler vorspreche. — Vor dem Forsthause, im Thale, liegt ein grosses Moor (hier Aue oder Filz genannt), das zum grössten Theil mit Krummholz überwachsen ist. Diese Auen oder Filze finden sich sehr häufig im Böhmerwalde Sie sind die Aufenthaltsorte von Teirao tetrir, das hier stets nur auf sumpfigem Boden vorkommt. Das Birkhuhn ist gerade nicht häufig, wohl aber ‚das Auerhuhn, von dem im heurigen Frühjahr auf den fürstlichen Herrschaften 91 Hahnen abgeschossen wurden. Nach kurzem Aufenthalt, nachdem ich wieder einen kundigen Führer erhalten hatte, setzte ich meinen Weg fort. Bei Dorf Huttel — auf dem Wege dahin zeigen sich Zirundo rustica und urbica, Ruticilla domestica, Emberiza citrinella und Alauda arvensıs, — betreten wir schönen Fichten- und Buchenwald und folgen dem Steige, der den Baierschen Flösskanal entlang führt, bis zur Schwelle. Von hier, etwas steil aufsteigend, gelangen wir in prächtigen Fichtenwald, in dem die Stürme arg gewüthet hatten. Auf einer nur spärlich mit jungen Fichten bewachsenen Lichtung sehe ich mehrere Turdus torquatus. Ein Paar Garrulus glandarius fliegen mit starkem Geschrei dem Walde zu. Troglodytes parvulus Wanderungen im Böhmerwalde. 111 ist zahlreich — Phyliopneuste rufa und Rutieilla arborea spärlich. Zwei Loxia curvirostra ziehen vorüber. An einem Bache, den wir im Weitergehen berühren, zeigen sich Cinclus aquaticus und Mota- eilla sulphurea. Ein Durchhau, der die Grenze bezeichnet, führt längs des Bergrückens bis unter die Kuppe des Lusen. — Der Steig ist nur durch das Vieh, das im Hochsommer heraufgetrieben wird, spärlich ausgetreten. — Bald muss man von Stein zu Stein, bald von Wurzel zu Wurzel springen und hat dabei die Aussicht, beim geringsten Fehltritt fusstief im’ Sumpf zu versinken. Doch wie man sich mit der Zeit an alles gewöhnt, so auch hier. Was man anfangs beiremdet fand, wird Einem, wenn es sich beständig wiederholt, gewöhnlich, und man gelangt auch in der Folge zu einer Sicherheit, die es ermöglicht, auch auf solchen Wegen recht rasch vorwärts zu kommen. Uebrigens ist das schnelle Gehen hier sehr nothwendig, da man, je langsamer man geht, je mehr man zögert, um so tiefer einbricht. Im dichten Fichtenwald liegen noch sehr bedeutende Schneemassen, und selbst noch auf dem Wege mussten wir eine noch viele Fuss tiefe, ziemlich beträchtliche Schneefläche überschreiten, die uns noch recht sicher trug. — Bei einer Wendung des Weges erblicken wir endlich den Lusen, dessen nackte Kuppe hell von der Sonne beschienen ist. Wir begrüssen diesen Anblick um so mehr mit Freude, da wir gegen fünf Stunden beständig durch dunklen Nadelwald gegangen waren. — Als wir Fürstenhut verlassen hatten, stand die Sonne noch sehr hoch und schien herrlich ; je tiefer wir in den Wald eindrangen, desto finsterer wurde es, und wir hegten schon Besorgniss vom Regen ereilt zu werden, als wir aus dem Walde tretend den schönsten Abend vor uns hatten. Mehrere Turdus torguatus trieben sich unter lautem Geschrei in den am Wege stehenden verkrüppelten Fichten herum. Ich suche mit meinem Führer jedoch vergebens nach einem Neste. Die Fichte erreicht hier ihre Grenze. An ihre Stelle tritt das Krummholz, das sich bis zur halben Höhe der Kuppe hinaufzieht. — Da mein Führer keinen Weg zu finden vermag, wir auch zu län- serem Suchen keine Zeit haben, so mache ich selbst den Weg- weiser und arbeite mich, so gut es eben möglich ist, durch das dichte Krummholz hindurch. Nach einer halben Stunde habe ich dasselbe passirt und erwarte nun meinen Führer, dem das Hin- durcharbeiten unsägliche Mühe macht und ihn zu den verschieden- sten Positionen veranlasst, die meine Lachmuskeln im höchsten Grade erschüttern. Ein Hinderniss wäre überwunden — jetzt be- 112 Vietor Rittervon Tschusi: ginnt ein zweites. Den übrigen Theil der Kuppe bedecken näm- lich kolossale Steinmassen, die wirr durcheinander liegen. Ueber diese geht nun unser Weg. Man muss von Stein zu Stein springen, ist auch gar häufig gezwungen, die Hände zu Hülfe zu nehmen, und erreicht auf diese Weise in einem gleichen Zeitraume die Spitze (4352). — Es hätte mich durchaus nicht gewundert, wenn ich hier den Ruf von Accentor alpinus vernommen hätte — die Oertlichkeit wäre für ihn wie geschaffen gewesen — doch keine Stimme vernahm mein Ohr — kein Vogel liess sich blicken; es war wie ausgestorben hier oben. Ebenso sieht es mit der Vegetation aus. Ausser einigen Heidelbeeren und ganz verkrüppelten Fichten und Ebereschen, die selbst an geschützteren Stellen kaum zwei Fuss hoch werden, fand ich nichts. Die Aussicht nach Böhmen und Baiern gehört zu einer der schönsten des Böhmerwaldes. — Da wir noch einen zweistündigen Marsch vor uns hatten, so konnte ich leider den Sonnenuntergang nicht mehr abwarten. — Auf einem recht bequemen Wege stiegen wir auf der entgegengesetzten Seite den Fichtenwald hinab. Ueber umgestürzte Bäume kletternd und springend, gelangten wir nach einer Stunde durch den sumpfigen Waldboden thalab zu einer Säule, bei der vor Zeiten die Hinrichtungen stattfanden. Fring:lla spinus lässt sich hier recht oft vernehmen. Von hier führt ein sehr gut gehaltener Fahrweg zum Forsthaus nach Pürstling, der sich durch das sumpfige Weideland, das der Lusenbach durch- fliesst, zieht. Die sumpfigen Thalwiesen sind zum Theil mit ein- zelnen Fichten bewachsen, zum Theil überziehen beträchtliche Strecken dichten Krummholzes dieselben. — Das Forsthaus, in dem ich übernachte, liegt mit einigen Hütten auf einer steil ansteigen- den Wiese, die von Wald umgeben ist. — In der nächsten Um- gebung zeigt sich Turdus torquatus sehr zahlreich. — Nach Aus- sage des Forstadjuncten Watenberg kommt Tetra» tetris spärlich — Tetrao urogallus häufig vor. Syrnium uralense wird zuweilen — Nyctale Tengmalmi oft beobachtet. Ascalopax gallinago (Moosgeiss) brütet zahlreich auf den Sumpfwiesen. VI. Ueber den Rachel nach Zwiesel. 12. Juni. Schon sehr zeitig meldet sich mein Führer, und nachdem ich einige Tassen Kaffee getrunken habe, verlasse ich das freundliche Forsthaus. 3 J \ 4 | j 1 ’ Wanderungen im Böhmerwalde. 113 Durch Fichtenwald führt der Weg zum Rachelhaus, das von einem Waldheger bewohnt wird. Vor demselben liegt ein. kleiner Teich, der zur Holzschwemme benuizt wird. — In der Nähe be-. findet sich ein unbedeutencder Filz. Von hier an beginnt das Gehen immer beschwerlicher zu werden. Wir steigen jetzt durch Fichten- hochwald auf; jeden Augenblick gleitet der Fuss von den schlüpfri- sen Baumwurzeln ab und versinkt im Sumpfe, und so geht es fort durch mehrere Stunden, bis wir endlich den Gipfel erre'chen. Der Rachel, der zweithöchste Berg des Böhmerwaldes, steht ganz auf baierschem Boden. Auf der höchsten Spitze (4580) steht eine Säule. Der Wind weht hier oben mit einer solcken Heitigkeit, dass wir Mühe haben, uns awv’recht zu erhalten. Dabei ist es ganz empändlich kalt; mein Thermometer zeigte um 8 Uhr nur 4°. Um etwas vor dem siarken Winde geschü:zt zu sein, verbergen wir uns hinter einigen Felsblöcken urd rehmen hier ein zweites Früh- stück ein. Dabei geniessen wir eine herrliche Aussicht auf das böhmische und baiersche Land. — Zwischen den Felstrümmern gedeihen nur düritig wenige Heidelbeeren und Fichten. Anthus arboreus: singt fröhlich sein Morgenlied — er zeigt sich hier zahlreich. | Nach einstündigem Aufenthalt brechen wir wieder auf. Kaum sind wir im Fichtenwald, so beginnen auch wieder die Strapazen. Der Wald: steht grösstentheils auf Sumpf, und die Wiesen, die wir überschreiten, sind alle unter Wasser. Ueber zwei Sıurden wan- dern wir bestärdig durch Sumpf, was sehr ermüdend ist. — Als wir die zusammengestürzte Brücke, die über den Regen führt, er- reicht hatten, wurde der Weg etwas besser. In den prachtvollen Wäldern (Fichter, Tannen und Buchen) meldet sich Fringilla spinus, — einmal höre ich Sylvia atricapılla. Troglodytes parvulus Ist überall gemein. Bei der Paschingersäge lässt sich Fringilla coclebs viel vernehmen, auch ein einzelner Kukuk ruft laut in der Nähe. Motacilla sulphurea zieht am Bache, Phyllopneuste ruja meldet sich mehrmals, Srtta caesia beobachte ich nur einmal. Picus meojor hat in einer alten am: Wege stehenden Tanne seine Jungen, die laut schreiend zum Nestloche heraussehen, während die besorgten Alten in sicherer Höhe herumklettern. Der Weg führt nun an einer Spiegelschleiferei und einer Bret- säge vorüber. — Als wir aus dem Walde heraustreten , schreiten wir über eine sehr bedeutende Viehweide. Alauda arvensis zeigt sich zahlreich, in einigen Paaren bemerke ich Pratincola rubetra, “ Cab Jouru. f. Ormith, XIX. Jahrg. No. 110. März 1871. 8 114 Vietor Ritter von Tschusi: mehrfach in der Nähe einiger Häuser Ahrundo urbica und rustica und Cypselus apus. Nachdem wir noch einen kleinen Hügel überstiegen hatten, sahen wir den baierschen Marktiliecken Zwiesel, unser heutiges Ziel, vor uns. Es ist auch hohe Zeit, denn schon fängt es wieder an zu regnen und die ganzen Gebirge hüllen sich in dichten Nebel. Schöne Aussicht für morgen! — VI. Ueber Bodenmais auf den Arber. 13. Juni. Bis nach Mitternacht hat es beständig stark geregnet. — Am Morgen standen alle Wege unter Wasser, und am Arber lagen dichte Nebel, die ihn dem Auge gänzlich unsichtbar machten. — Das Nasswerden war ich auf meiner heurigen Tour schon genügend gewöhnt, und so entschloss ich mich dennoch, den höchsten Berg des Böhmerwaldes zu besteigen. — In aller Frühe verliessen wir Zwiesel. — Durch das Regenthal steigen wir hinauf zum Arbersee, der in einer weit ausgedehnten Schlucht verborgen liegt. Derselbe ist von hohen Felsen und dichtem Hochwald eingeschlossen und hat eine Ausdehnung von beiläufig 35 österreichischen Jochen. Sein Wasser ist, wie das der übrigen Böhmerwaldseen, schwärzlich. Der Seebach, sein Abfluss, stürzt sich, einen Wasserfall bildend, in eine tiefe Schlucht. Hier höre ich einmal Fringilla spinus. Nach kurzem Aufenhalt steigen wir sehr beschwerlich durch pfadlosen Wald weiter. Der Boden ist von dem letzten Regen ganz sumpfig, und von den Bäumen herab überschüttet uns das noch auf den Zweigen haftende Wasser. Nach unsäglichen Mühen, nachdem wir aus dem Walde herausgekommen sind und uns durch Krummbolz hindurchgearbeitet haben (hier jagen wir einige Ringdrosseln auf), erreichen wir, über einige Steinblöcke kletternd, ganz durchnässt die vollständig in Nebel gehüllte Arberkuppe. Der Berggipfel besteht aus vier kahlen Felskuppen. Die zwei an der Ostseite ge- legenen sind die höchsten, die an der Westseite gelegenen die nie- deren. Zwischen den beiden ersteren befindet sich eine der heiligen Anna geweihte Kapelle und eine Hütte zum Uebernachten. Am höchsten Punkte (4608) ist ein Kreuz aufgestellt. Von der herr- lichen Fernsicht, die man von diesem Punkte an reinen Tagen haben soll und die man mir sehr gerühmt hat, war natürlich keine Spur. Wir waren hier oben ganz von Nebel eingehüllt, und da keine Aussicht auf besseres Wetter vorhanden war, so brachen wir wieder Wanderungen im Böhmerwalde. 115 auf, ohne dem Accentor alpinus oder Anthus aquaticus begegnet zu sein, die ich wenigstens hier vermuthete. Nachdem wir die Kuppe verlassen hatten, gelangten wir zuerst durch verkrüppelte Fichten, — dann in schönen Fichtenwald. Je tiefer wir hinabsteigen, um so häufiger tritt die Buche auf, die am Arber die herrschende Baumart ist. Bei den Brennethöfen geht es über eine mit Wiesen und Aeckern bedeckte recht steile Lehne bergab. — Wieder nimmt uns Buchenwald auf, und wir folgen jetzt dem Arberbache, — kommen dann durch gemischte Bestände an der Sackmühle und den Arber Glashütten vorbei und erreichen endlich nach anstrengendem Marsche die Glasfabrik Elisenthal. — Mit der Besteigung des Arber habe ich meine Wanderungen im Böhmerwalde beendet, und obschon auch der Besuch des Osser (4051°) auf meinem Programme stand, so musste ich diesen der schlechten Witterung wegen aufgeben. Es wäre für mich auch ganz nutzlos gewesen, denn bei solehem Wetter verbirgt sich jeder Vogel. — Mein Führer, den ich über das Vorkommen des Turdus tor- quatus am Osser befragte, versicherte, dass er ihm dort oft be- gegnet sei. | In Eisenstein übernachtete ich und fuhr den andern Morgen über Neuern und Neugedein nach Taus, von wo ich die Bahn nach Nürnberg benutzte. — Es wird wohl manchen Leser befremden, dass dieses so aus- sedehnte Waldgebirge so vogelarm ist. Wer es jedoch durchzogen hat, der wird auch dafür seinen Grund finden. — Das ganze Grenz- gebirge bedeckt nur ein zusammenhängender dichter Nadelwald, in dem nur wenig Laubholz und zwar nur in den Vorbergen einge- sprengt ist — der ausgedehnte Hochmoore enthält und zum grossen Theil selbst auf Moorgrund steht. —: Selbst die eigentlichen Wald- vögel fordern zu ihrem Aufenthalte eine andere Localität, als die vorhandene, der freie Plätze fast gänzlich mangeln, und nur wenige Arten sind es, die sich im Dunkel dieser Wälder so recht zu Hause fühlen. Unter diesen sind es vorzüglich der Zaunkönig, das Roth- kehlchen und die Spechte; ganz besonders letztere finden in den uralten Bäumen reichliche Nahrung und herrliche Brutplätze. Un- serer Amsel, Sing- und Misteldrossel begegnet man nur sehr selten, da sie an ihren Aufenthaltsorten Wiesen und freie Plätze erfordern. — Die Ringdrossel und der Baumpieper sind die einzigen Gebirgs- vögel, die noch über die Fichtengrenze hinaufsteigen. —- Vergebens 8% 116 V.R. v. Tschusi-Scehmidhofen: habe ich mich nach Anthus aquaticus und Accentor alpinus umge- sehen, die ich auf den kahlen Kuppen zu treffen hofite, und ich habe die sichere Ueberzeugung gewonnen, dass sie dem ganzen Gebirgs- zuge fehlen, obschon sich hier ähnliche, freilich beschränktere Lo- calitäten finden, als im Riesengebirge, wo ich beide gefunden habe. — Wenn einst nach vielen Jahren die rasch fortschreitende Cultur auch in diese jetzt noch unentweihten Wälder eindringen wird, — wenn dann Wiesen und Felder an Stelle des Waldes treten werden; dann wird auch die Ornis eine bedeutende Veränderung erleiden. — Interesse dürften unter den von mir gefundenen Vögeln etwa Aquila naevia, Syrnium uralense, Turdus pilaris, Nueifraga caryoca- tactes und Muscicapa parva verdienen. Die drei ersteren sind stän- dige Brutvögel, die beiden letzteren noch ungewiss (der letzte für Böhmen neu *), doch deutet ihr spätes Vorkommen wohl darauf hin. — Herr Revierförster Novotny, ein sehr unterrichteter Mann, hat mir für die Hinkunft Mittheilungen über seltene Vorkommnisse zu- gesagt und so hoffe ich, ähnlich wie aus dem Riesengebirge, noch öfters in, der Lage zu sein, über dieses hochinteressante Waldge- birge zu berichten. Wien, im November 1870. Ornithologische Mittheilungen aus Oesterreich (1870). Von V. R' v, Tschusi-Schmidhofen. Falco peregrinus, Briss. — Ein Paar dieses, an der Donau oberhalb Wien nur spärlich vorkommenden Falken, brütete heuer im Mai in einer hohen unzugänglichen Felswand, unfern von St. Jo- hann, im Arnsdorfer Revier. bDubo maximus, Ranz. — Der Uhu horstet in den zahlreichen Felswänden des Donauthales alljährlich in mehreren Paaren. Jeder Vogel hat in seinem ausgedehnten Jagdreviere mehrere bestimmte Plätze, wo er das geschlagene Wild verzehrt. Mitte September erlegte der Spitzer Förster Weninger ein 6, das unter den normal gefärbten Ohrenfedern einige rein weisse be- sass. — Es war von einem einzigen Schrote getroffen, der. das Gehirn durchbohrte. Scops zorca, Sav. Diese mehr dem Süden **) eigenthümliche *) Dr. Fritsch, Nurg. d. Vögel Europas pag. 196. *%*) Bereits in Süd-Steiermark eine der häufigsten. Eulenarten: Ornithologische Mittheilungen aus Oesterreich (1870). 117 Eule brütet in einigen Paaren im Kremsthal. — Ich bekam von dorther einen jungen Vogel. Syrnium aluco, Sav. Aus Süd-Ungarn wurde mir den 12. De- cember eine prachtvolle Varietät dieser Eule zugesandt. — Der sanze Oberkörper ist schwarzbraun, der Schleier schwarz, der Unterkörper, die Schwung- und Steuerfedern braun. Am Kopf und an der Brust finden sich einige normalgefärbte Federn. — Dieses Kleid erinnert an das, welches die junge Uraleule trägt. Die Section zeigte, dass es ein Weibchen war. Die Sammlung der k. k. zoolog.-botan. Gesellschaft besitzt ein ähnlich sefärbtes Exemplar. Corvus corax, L. Während meines mehrjährigen Aufenthaltes in Arnsdorf habe ich nie mehr als ein einziges Paar ‚Steinraben“ beobachtet. Nach Versicherung alter glaubwürdiger Leute hält sich dieses eine Paar schon seit mehr als 20 Jahren in den Arns- dorfer- und Spitzerbergen auf. Männchen und Weibchen halten treu zu einander; noch oft im Spätherbst begegnete ich ihnen in den Wäldern. Heuer, am 13. Mai, fand ich ihren Horst in einer sehr hohen, aus dem Walde hervorragenden Felswand. Derselbe stand gegen 150° hoch auf einem vorspringenden Steine und war von unten sehr deutlich sichtbar. Die Jungen, die sich öfters am Horstrande zeigten, waren halb flügge. Als ich nach einigen Tagen den Horst wieder besuchte, sah ich mich vergebens nach demselben um. An der Stelle, an der er sich befand, waren nur wenige Reste sichtbar. Nach längerem Suchen fand ich einen bereits von den Ameisen in Beschlag ge- nommenen Jungen und etwas abseits im Gebüsch den gänzlich zertrümmerten Horst. — Was diese Katastrophe veranlasst haben mag, ist schwer zu entscheiden, da der Horst unersteiglich war. — Den Wanderfalken, der auf der andern Seite derselben Wand gehorstet hatte, halte ich dieser T'hat nicht für fähig, wohl aber könnte es der Uhu gewesen sein, der sich der zahlreichen Felswände wegen gerne in diesem Revier aufhält. Die beiden Alten mit einem Jungen bekam ich noch öfter zu Gesicht. Nucifraga guttata, Vieill. Meine heurige Frühlingsexcursion _ auf den Jauerling lieferte nicht die gewünschten Resultate. Ich sah zwei einzige Tannenheher fliegen. Glücklicher war Dr. O. Füster in Steiermark, der in diesem Früh- 118 V. R.v. Tschusi-Schmidhofen: jahr drei Gelege — 2 mit 3 — 1 mit 2 Eiern erhielt. — Wie der- ° selbe mir schreibt, stammen alle 3 Gelege aus der Gegend von Bruck a. d. Mur.*) Picus minor, L. Diesen sonst nicht häufigen Specht be- obachtete ich heuer öfters in den Wäldern und Baumgärten Arnsdorfs. ÖOypselus apus, L. Die ersten Segler stellten sich in diesem Frühjahr den 10. Mai ein. Zwei Paare umflogen an diesem Tage die Dorfkirche Arnsdorfs. Den 30. Juli zogen alle aus der Um- gegend weg. — Den 23. August gegen Abend zeigten sich zwei Exemplare, ebenso am 26. drei, die eine Zeit mit Zirundo rustica und urdica herumflogen und dann verschwanden. Die im August beobachteten waren jedenfalls nordische Segler. Es wäre sehr interessant, wenn an verschiedenen Orten ge- naue Beobachtungen und Aufzeichnungen über Ankunft, Weg- und Durchzug (wie solehe v. Middendorf **), Hintz***) und A. v. Ho- meyerf) etc. gemacht haben) der gewöhnlichen Vögel angestellt würden. Ein solches durch mehrere Jahre fortgesetztes Verfahren möchte uns sicher höchst wichtige Aufschlüsse über die Zugrich- tung, die die Vögel bei ihrem Wegziehen und Wiederkehren nehmen, geben. — Turdus torguatus, L.77) Die „Schneeamsel“ zeigte sich in den letzten Tagen des April sehr zahlreich am Fusse des Riesenge- birges. Da auf den Höhen eine noch mehrere Fuss tiefe Schnee- decke lag, so kamen sie bis zu den Thüren der tiefer gelegenen Bauden. Petrocichla. saxatılis, L.. Nach langjährigem Ausbleiben hat heuer wieder ein Paar ‚Steinröthel“ auf der Ruine „Dürrenstein“ gebrütet; doch da die Jungen ausgehoben wurden, steht zu be- fürchten, dass die Alten die Gegend verlassen werden. Alauda cristata, L. Die Haubenlerche beginnt jetzt in der Arnsdorfer Gegend häufiger zu werden. Noch vor sechs Jahren gab es dort keine; heuer sah ich bereits gegen fünf Paare, die auf den Feldern gebrütet hatten. %) Es ist mir inzwischen gelungen, ein Nest mit 3 Eiern für meine Sammlung, ein 2. mit ebenfalls 3 Eiern für das k. Hof-Natur aliencabinet anzukaufen. Das 3. mit 2 Eiern besitzt Pfarrer Bl. Hanf. **) Die Isepiptesen Russlands. **=*) In der Naumannia und Cabanıs’ Journal. 7) Journal f. Ornithologie Jahrg. 1865. p. 311—314. ir) Nach brieflichen Mittheilungen des Försters Pazal. Örnithologische Mittheilungen aus Oesterreich (1870. 119 Emberiza cia L. Die Zigammer zeigte sich heuer recht zahl- reich am linken Donauufer. Förster Weninger, der diese Art sehr gut kennt, sagte mir, dass sie in der dortigen Gegend überwintern und sich zu 15—20 Stück in den Gärten einfinden, wo sie nach Sämereien suchen. — Zugleich bemerkte er, dass diese Art seit 20 Jahren in der Spitzer Gegend einheimisch — und ebenso der Girlitz vor etwa 25 Jahren eingewandert sei. Die Einwanderung des letzteren fand jedenfalls von Ungarn aus statt — die Donau aufwärts, von wo er sich weiter nach Baiern hin verbreitete. Crex pratensis Bechst. Der Wachtelkönig war im Jahre 1867 um Arnsdorf recht zahlreich. Damals gab es viele grosse Klee- felder. — 1868, 1869 und 1870 blieb er ganz aus, da man die sämmtlichen Kleefelder zum Getreidebau benutzte. _ Man sieht aus diesem einen Beispiel, welchen Einfluss die verschiedene Bodenbewirthschaftung auf die Vögel ausübt. Vanellus cristatus, M. et. W.*) Ein Zug von 80--90 Stück Kibitzen hat sich am 11. April auf den Wiesen bei der Spinde- mühle niedergelassen. Nach beiläufig zweistündigem Aufenthalte flogen sie auf und nahmen die Richtung gegen die Schüssel- bauden. Das Gebirge war damals von dichtem Nebel gänzlich verhüllt. Oharadrius morinellus L.*) In den ersten Tagen des Juni traf Förster Pazal einige Mornell’s auf der weissen Wiese an und be- auftragte die dort ihr Vieh weidenden Hirten, auf die Nester dieses Vogels zu achten. — Es glückte auch richtig einem derselben, ein Nest mit zwei Eiern zu finden. Doch da dieselben etwas bebrütet waren und durch längere Zeit unausgeblasen in der Baude liegen blieben, so sprengten die sich innen entwickelnden Gase die Schale. In diesem üblen Zustande kamen sie in die Hände des Försters, der sie mir zusandte. Mit einiger Mühe gelang es mir, sie noch recht leidlich herzustellen und für meine Sammlung tauglich zu machen. — Wien, im Januar 1871. Pfarrer Bl. Hanf’s ornithologische Sammlung in Mariahof. Die hochinteressanten Mittheilungen **) des Pfarrers Bl. Hanf *) nach Förster Pazal. *#) Verhandl. d. k. k. zoolog.—botan. Gesellschaft zu Wien. Jahrg. 1856 S. 671-700; 1858. 529548; 1868. 960—970. Mittheil. d. naturw. Ver- eines f. Steiermark. Il: u. Lil. Heft. 120 V. R.v. Tsehusi-Schmidhofen: über die in der Umgebung von Mariahof in Obersteiermark vor- kommenden Vögel hatten schon lange in mir den Wunsch rege ge- macht, diese an ornithologischen Seltenheiten so reiche Gegend selbst zu besuchen. Einer freundlichen Einladung des Pfarrers folgend, beschloss ich auf meiner vorjährigen Reise, einige Tage in Mariahof zuzubringen. Am 29. Mai gegen Abend langte ich per Eisenbahn in der Station Schauerfeld an, wo mich bereits Pfarrer Hanf erwartete. In einer halben Stunde brachte uns der Wagen in den schön ge- legenen Pfarrhof, in dem ich mehrere genussreiche Tage verlebte. Die Sammlung, die das Resultat einer mehr als 30jährigen Thätigkeit zeigt, enthält zum Erstaunen viele Arten und hat, da sie auschliesslich local ist, für den reisenden Ornithologen beson- dere Wichtigkeit. Sie ist nicht in Glasschränken aufbewahrt, son- dern in einem eigenen Zimmer in mehreren Gruppen aufgestellt. Wenn ich auch gestehen muss, dass ich dieser Art von Aufstellung durchaus nicht huldige, so kann dies einer Privatsammlung un- möglich zum Vorwurf gereichen, zumal die Vögel alle recht hübsch gruppirt sind. Was die Präparirung anbelangt, so ist dieselbe ganz vor- züglich und die abwechselnden Stellungen dem Vogel im Leben abgelauscht. Für mich war es von besonderem Interesse, dass ich selbst die seltenen Arten stets in mehreren Exemplaren antraf, die die verschiedenen Altersstufen und Uebergänge repräsentiren. Ich glaube dies um so mehr hervorheben zu sollen, da ein solches planmässiges Sammeln erst seit nicht langer Zeit in den grünpenen Museen Eingang gefunden hat. Besonderen Werth verleiht der Sammlung auch der Umstand, dass sich über den grössten Theil genaue Aufzeichnungen über Fundort, Zeit, als auch Bemerkungen über Betragen und Gesang vorfinden. Die besonders bemerkenswerthen Arten sind folgende: Tinnunculus cenchris, Falco vespertinus (6 St.), Falco aesa- lon (1 St.), Syrnium uralense 2, Nyctale Tengmalmi und Glauee- dium passerinum zahlr., Surnia fumerea (1 St.), Picus tridactylus, Fringilla linaria mehrfach im Sommer- und Nestkleid, Fringılla nivalis, Nucifraga caryocatactes, Pyrrhocorax alpinus &, 2 und Jwv. Merula rosea 2, Tichodroma phoenicoptera, Anthus rufogularis (6 St.), Motacilla flava (cinereocapila), Phyllopreuste montana, Bl. Hanf’s ornithologische Sammlung. 121 Muscicapa parva &, Perdix sawatilıs, Otis tarda 3 jur, Chara- drius morinellus, Vanellus melanogaster, Tringa Schinzü, Tringa Temminckuü, Totanus fuscus, Numenius phaeopus &, Himantopus rufipes 2, Ciconia nigra 2, Ardea garzetta & 9, Gallinula Baillonür, Gallinula pusilla, Colymbus arcticus, Anas glacialis, Anas fusca, Lestris pomarina, Puffinus cinereus, Sterna leucoptera etc. An die ornitholegische Sammlung schliesst sich eine kleine oolog- und nidologische Sammlung an, die manches Bemerkens- 'werthe enthält. Es finden sich hier Eier von Nyctale Tengmalmt, Glaueidium passerinum; ein erst heuer bei Bruck a. d. M. ausgehobenes Nest mit zwei Eiern von Nucifraga caryocatactes, Nest und Eier von Loxia curvirosira, Fringila linaria, Fringilla spinus, Phyllopneuste montana, 3 St. Eier von Charadrius morinellus etc. Es dürfte sich kaum eine zweite Gegend finden, in der man auf einem so kleinen Raum so viel des Seltenen vereinigt findet, wie in Mariahof. Veranlassung zu dem zahlreichen Erscheinen von Sumpf- und Wasservögeln während des Frühjahrs- und Herbst- zuges ist ein Teich, der Furtteich genannt, der eine Fläche von 18 österr. Jochen einnimmt und an einer Seite in einen Sumpf ausgeht. Ausser diesem, befindet sich noch in der Nähe die sogenannte „Hungerlacke‘‘, die sich jedoch nur in feuchten Jahren mit Wasser füllt. Auf diesen Teichen herrscht zu Zeiten ein reges Leben und Treiben. Schaaren von Colymbus arcticus, Anas boschas, A. quer- quedula, A. fuligula, A. ferina, A. crecca untermischt mit Colym- bus septenirionalis, Anas clargula und A. fusca beleben die Wasser: fläche — beständig kommen und »gehen neue Züge und es bietet sich dem Auge hier ein Bild, wie man es nur in den nordischen Gegenden zu schauen gewohnt ist. — In diesem Eldorado, einem zweiten Helgoland, wirkt Pfarrer Hanf mit regem Eifer schon seit mehr als drei Decennien im In- teresse der Ornithologie. Einer hartnäckigen Krankheit wegen ist er leider nicht mehr im Stande die nahegelegenen Judenburger Alpen und die Grewenze zu besuchen, dafür geht er aber um so öfters, mit Flinte und Fern- rohr bewafinet, nach seinen lieben Teichen, die ihm schon so vieles gebracht und hoffentlich noch bringen werden Wien im October 1870. V.R.v. Tschusi-Schmidhofen. 122 Leonhard Stejneger: Ornithologische Notizen aus Meran, Süd-Tirol, während der Winter 1869/1870 und «0/71. Von Leonhard Stejneger. Falco tinnunculus Lin. — Häufig den ganzen Winter. Scheint in den Mauern des nahen Zenoburgs zu brüten. Picus martius Lin. — Nicht selten. P. major Lin. — Ebenso. P. viridis Lin. — Sehr häufig. Certhia fameliarıs Lin. — Allgemein. Tichodroma phoenticoptera Temm. — Mir ist von einem Alpen- mauerläufer erzählt, der im Innern der Spitalkirche herunnlief. — Ich zeigte dem Vogelsteller Stern eine Abbildung von ihm, er kannte aber den Vogel nicht. 7. Süta caesia M. u. W. — 3 Exemplare habe ich diesen Winter bekommen. Anfang December. 8. Parus major Lin. — Sehr gemein. 9. P. ater Lin. — Nicht häufig. 10. P. palustris Lin. — Nur ein Exemplar gesehen. 11. :P. coeruleus Lin. — Ziemlich häufig. 12. P. caudatus Lin. — Im Winter nicht häufig. 2. Mai 1870 . Tand ich ein Nest mit 6 unbebrüteten Eiern auf der Zenobureg. 135. Emberiza citrinella Lin. — Gemein. 14. E. cia Lin. — Im Frühjahr 1870 bekam ich 3 Exemplare, eins d. 27. Januar und zwei d. 8. Februar. Im December be- kam ich ein in der Mauser begriffenes &. D. 31. December sah ich einen Zippammer im Kurgarten. 15. E. nivalis Lin. — D. 17. Januar 1771 bekam ich aus Pas- seier 2 Exemplare. 16. Fringilla coelebs Lin. — Sehr gemein. 17. F. montifringilla Lin. — Ziemlich häufig. 18. F. chloris Lin. — Nur wenige auf dem Vogelmarkt. 19. F. spinus Lin. — Sehr zahlreich. 20. F. carduelis Lin. — Nicht häufig auf dem Vogelmarkt. 21. F. domestica Lin. var. Italiae. — Sehr gemein. 22. F. montana Lin. — Winter 69/70 häufiger als 70/71. 23. Pyrrhula vulgaris Temm. — Nicht besonders häufig auf dem Markt. | 24. Loxia pityopsittacus Bechst. — 1869/1870 ziemlich selten; ich Ei U} SEHE a 25. 26. 21. 28. 29. 0. 31. 32. 39. 31. 35. 36. 37. 38. 39. 40. 41. 42. 43. 44, Örnithologische Notizen aus Süd-Tirol. 123 bekam nur 2 Stück zu sehen. — Diesen Winter kommen die Kreuzschnäbel zahlreich vor. — Vor zwei Jahren sollen sie auch sehr zahlreich gewesen sein. Coccothraustes vulgaris Klein. — Nur ein Exemplar bekommen den 17. Jan. 1871. Pica caudata Lin. — Nicht besonders häufig. Garrulus glandarius Briss. — Sehr zahlreich, besonders diesen Winter. Caryocatactes guttatus Nilss. — Ende November 1869 ist mir ein einziges Exemplar vorgekommen. Corvus corax Lin. — Anfang Januar 70 bei Rabland. C. cornix et corone Lin. — Von der Nebelkrähe habe ich vorigen Winter einige gesehen; heuer keine. Die Rabenkrähe ist sehr gemein, Sturnus vulgaris Lin. — Den 13. April 1870 kamen die ersten Staare an. Turdus viscivorus Lin. — Nicht häufig. T. musieus Lin. — Häufiger. T. üiacus Lin. — Nicht häufig. T. pilarıs Lin. — Zahlreich. T. merula Lin. — Ziemlich gemein. Cinclus aquaticus Bechst. — Sehr gemein. Petrocichla saxatilis Vig. — Kommt bisweilen beim Vogel- händler vor. Für ein ? wurde fl. 5 verlangt. Wird hier „Stein- röthel‘‘ genannt. Motacilla alba Lin. — Es überwintern immer welche, aber lange nicht so zahlreich wie folgende Art. M. Boarula Pen. — Ziemlich häufig. Anthus spinoletta. Den 31. December 1869 sah ich einen Pieper, den ich nach genauer Ueberlegung für diese Art halten muss. Er zeigte sich auch in den ersten Tagen des Januar, ver- schwand aber bald. Alauda arvensis Lin. — Ein Exemplar erhielt ich den 12. De- cember 1870. Accentor alpinus Bechst. — Wird in Menge zur Stadt gebracht. Den 2. Januar 1871 sah ich einen Alpenflüevogel nicht 20 Schritt vom Passeierthore am Wege. Er war gar nicht scheu. A. modularis Koch. — Den 5. Januar 1871 bekam ich aus Pas- seier 4 Exemplare. 124 | Sur Ehskierenz: 45. Sylvia tithys Scop. — Sowohl vorigen Winter als auch diesen habe ich im Anfang des Januar einzelne gesehen. 46. $. rubecula Laith. --- Den ganzen Winter in mehreren Exem- plaren vertreten. 47. S. africapil!a Latl. — Anfang April kamen 1870 die ersten. 48. KRegulus eristatus Willug. — Im Januar 1870 mehrmals gesehen. 49. Troglodytes europaeus Leach. — Gemein. 50. Lagopus subalpina Nilss. — Gemein. 51. Teirao tetrie Lin. — Nicht selten. 52. Perdix cinerea Lath. — Häufig. 53. P. saxatilis. — Ebenso. 54. P. coturnixz Lath. — Seltener. 55. Zotanus hypoleucos (Lin.) — Den 15. Jan. 1870 ein Exemplar. 56. Scolopax rusticula Lin. — Ist mir nicht oft vorgekommen. 57. Rallus aquaticus Lin. — Im December 1869 ein Exemplar. — Den 28. Nov. 1570 wurden mir 4 Stück gebracht. 58. Fulica atra Lin. — Habe ich nur selten getrofien. 59. Anas boschas Lin. — Im December. Für diesmal habe ich nichts mehr zu berichten. Später hoife ich diese Notizen vervollständigen zu können. Merau, 23. Januar 1871. Die Lasurmeise, Parus (Cyanistes) eyanus. Von Th. Lorenz. *) Der Kopf, die Brust, der Bauch dieses Vogels sind weiss, die Zügel bildet ein Band von dunkelblauer Färbung, welches sich ver- breitert und im Nacken zusammenkommt; der Rücken ist hellasch- blau, die Flüge] lasurblau mit breiter, weisser Binde, die Spitzen der Armschwingen sind am Ende weiss; der Schwanz ist schön lasurblau, die beiden äussersten Federn sind zur Hälfte weiss, die oberen Deckfedern des Schwanzes lasurblau mit ganz kleinen, weissen Spitzen. In der Mitte der Brust findet sich ein länglicher, dunkel- blauer Fleck, dessen Grösse von dem Alter und dem Geschlecht des Vogels abhängt. Bei alten & ist derselbe ziemlich gross; die: selben sind auch dadurch ausgezeichnet, dass der weisse Kopf la- survlau überpudert ist, was sich indessen schon in den ersten Tagen der Gefangenschaft verliert. Der Schnabel des Vogels ist *) Siehe den Sitzungsbericht, Jahrg. 1870, $. 463. ig FEIBRSEN ER PER NEN BAENERE 3 Die Lasurmeise, Parus (Cyanistes) eyanus. 125 stark und hornfarbig, das Auge dunkelbraun, der Fuss bleigrau, die Länge der Meise beträgt 6°, jedoch sind die Weibchen etwas kleiner. Was die Heimath der Lasurmeise anbelangt, so findet sich dieselbe im östlichen Sibirien; in der Zeit vom October bis Ende Januar streicht sie mehr südlicher umher, z. B. bis nach Moskau. xleichwohl ist sie hier ein wenig gekannter Vogel, denn es ver- sehen Jahre, ehe man ein Exemplar zu sehen bekommt *). Daraus kann man folgern, dass, wenn der Winter in jenen Breiten zu streng ist, der Vogel südlicher wandert. **) Im Herbst. des Jahres 1869 kam ich käuflich in den Besitz einer Lasurmeise; ich zahlte dafür 4 R. S., einen Preis, der für einen Vogel von solcher Seltenheit keineswegs zu hoch war. Zwei Wochen später wollte ich an einem Sonntagmorgen auf die Jagd sehen (mein Wohnort war 50 Werst östlich von Moskau); es war Mitte November; wir hatten bereits 7’ tiefen Schnee. Als ich ıneine Wohnung verlassen hatte und durch den Gemüsegarten schritt, welcher von ziemlich hohen Weiden umgeben und hart am Fluss gelegen ist, hörte ich plötzlich das Locken einer Lasurmeise. Ich zog meine Lockpfeife hervor, lockte und siehe, da sass, keine zwanzig Schritte entfernt, diese prachtvolle Meise. In der Eile legte ich das Gewehr an und schoss den Vogel herab, um we- nigstens seinen Balg zu erbeuten. Er war aber nur flügellahm geschossen, und so kam es, dass er noch etwas lockte, bis ich ihn gefangen hatte. Auf dass Locken der angeschossenen Meise kam noch eine andere herbeigeflogen. So schnell ich konnte, eilte ich nach Hause, nahm Schlaggebauer nebst meiner Lasurmeise, welche ich früber erstanden hatte, und ging wieder in den Gemüsegarten. Kaum hatte ich aufgestellt und mich fünf Schritte entfernt, da kam die Meise auf das emsige Locken meines Lockvogels herbeigeflogen. Die Pracht, welche dieselbe während des Fluges entfaltete, ist nicht *) Dies bestätigte auch Herr Stader, welcher in Moskau seinen Wohn- sitz hat, indem er versicherte, dass er während 3 Jahre daselbst keine Lasurmeise bemerkt habe. **) Herr Brehm fügte ergänzend an, dass sich der Vogel vorzugsweise an Flüssen und Sümpfen Östsibiriens aufhält, bei eintretendem Frost aber verschwindet. Herr Cabanis constatirt, dass er in früheren Jahren vom Prof. Eversmann bei Kasan und neuerdings von Dr. Dybowski am Baikalsee gesammelt sei. — Augenblicklich besitzt das berliner Aquarium 10. lebende Exemplare dieser Meise, welche mit Recht die Bewunderung jeden Vogel- liebhabers erregen und zu weiterer Beobachtung einladen. — 126 Th. Lorenz: zu beschreiben; entzückt stand ich da; das wunderschöne Weiss und das schillernde Blau stachen herrlich vom Schnee ab. Die Bewegungen des Vogels waren ungemein rasch, das weisse Häubchen wurde beständig auf- und niedergelassen. Ueberhaupt scheint mir diese Meise bedeutend flinker und anmuthiger in ihren Bewegungen zu sein, als alle übrigen Meisenarten. In meiner unmittelbarsten Nähe fing sich der Vogel, ohne jene Vorsicht zu gebrauchen, welche die anderen Meisen in An- wendung bringen. Als Lockspeise hatte ich getrocknete Ameisen und eine lebende Schwabe, deren es in Russland im Ueberfluss giebt, in das Schlagbauer hineingelegt. Der Vogel, welcher diese sah, wollte sie als willkommene Beute mitnehmen, was ihm aber die Freiheit kostete. Als „ich ihn im Zimmer hatte, gab ich ihm getrocknete Ameisen und enthülsten Hanf, über welchen er sich sofort hermachte. Nach einer halben Stunde etwa hielt ich ihm mittelst einer Federzange eine lebende Schwabe hin; er klammerte sich sofort an das Dachgitter seines Käfigs an, besah das Insect mit gierigen Augen und siehe da, wer beschreibt mein Erstaunen, mit einem Sprung hatte er es gepackt und verzehrte es in aller Gemüthsruhe in meiner Gegenwart. Weg war jede Scheu; sehr bald hatte die Meise die Freiheit vergessen; sogar Abends bei Licht war sie im höchsten Grade zutraulich und ergriff die vor- gehaltene Schwabe oder einen Mehlwurm, um ihn alsbald zu ver- speisen. | Eine Woche darauf, nachdem ich die erste Lasurmeise gefangen hatte, hängte ich das Schlagbauer mit dem schon längere Zeit im Käfig befindlichen Vogel und gutem Köder versehen in den oben näher bezeichneten Gemüsegarten. Ich passte gehörig auf und lauschte auf.jeden Meisenruf. Kohlmeisen kamen in Masse, aber keine ging in die Falle; sie liessen sich die trockenen Ameisen, welche aus derselben verstreut waren, gut schmecken. Endlich hörte ich den Ruf der Lasurmeise; der Lockvogel wurde unruhig und lockte sehr fleissig. Da sah ich in der Ferne drei der schönen Vögel angeflogen kommen; trotzdem sie sehr niedrig flogen, erkannte ich sie doch sogleich. Bis auf fünfzehn Schritt hatte ich mich unterdessen dem Schlagbauer genähert. Die beiden ersten Meisen waren sofort ge- fangen, so schnell als ich im Schnee fortkommen konnte, eilte ich, dieselben aus der Falle zu nehmen, was auch in kurzer Zeit ge- schah. In der Eile und bei der Aufregung, in welcher ich mich befand, hatte ich die Falle schlecht gestellt, so dass, als die dritte Die Lasurmeise, Parus ( Cyanistes) cyanus. 127 Meise, ein altes, prachtvolles Männchen, welche ganz ruhig mit an- gesehen hatte, wie sich ihre Kameraden gefangen und ich die Falle aufgestellt hatte, an dieselbe kam und hineingesprungen war, selbige zu langsam zuschlug, so dass der Vogel Zeit hatte zu ent- wischen. Aber dessen ungeachtet war er gleich wieder da und versuchte von der andern Seite der Falle hineinzukommen. Aber — 0 Verhängniss! — das andere Thürchen schlug auch zu lang- sam, und der Vogel entkam wieder, ohne jedoch weiter als fünf Schritt zu fliegen. Jetzt eilte ich, um die Falle in Ordnung zu bringen. Durch das schlechte Schlagen derselben, war aber die Meise vorsichtiger geworden; sie flog zwar gleich wieder auf das Schlagbauer, gab sich jedoch die grösste Mühe, den Köder so herauszuholen, dass sie nicht auf das Stellholz zu treten brauchte. Da das Insect ganz auf dem Boden lag, so war dies eine schwierige Sache; auf alle nur mögliche Weise versuchte sie den Köder zu erhaschen, was ihr jedoch nicht gelang. Endlich ging sie am Gitter hinein, packte das Insect und in der Freude war alle Vor- sicht vergessen; als sie zurückwollte, trat sie auf das Stellholz und war gefangen. Ich eilte, zufrieden mit dem guten Fang, meine drei Gefangenen unter Dach zu bringen, setzte jeden in einen Käfig und versuchte das Experiment mit der lebenden Schwabe, welches ich bei der zuerst gefangenen Meise mit Erfolg in Anwen- dung gebracht hatte. Auch hier war das Resultat ein günstiges; sie betrachteten dieselbe mit gierigen Blicken, nahmen sie dann aus der Hand und verzehrten sie Später hatte ich noch das Glück, vier Lasurmeisen an derselben Stelle zu fangen; auch sie gingen mit der grössten Leichtigkeit in die Falle und an das Futter. Ich bemerkte alsbald, dass die Vögel in Folge ihrer grossen Lebhaftigkeit im kleinen Käfig sich die Wurzel des Schnabels be- schädigten. Zwei der liebenswürdigen Geschöpfe starben an den Verletzungen. Für mich war dies kein grosser Verlust; ich zog ihnen den Balg ab und stopfte sie aus, um sie meiner bescheidenen Sammlung einzuverleiben, in welcher sie eine nicht germge Zierde bilden. Um aber die übrigen am Leben zu erhalten, sann ich nach, wie dem Umstande abzuhelfen sei. Endlich kam ich auf eine gute Idee, welche auch sofort zur Ausführung gebracht wurde. Da ich bemerkt hatte, dass sich zwei Lasurmeisen, welche ich in einen Käfig zusammengesetzt hatte, sehr gut vertrugen und nicht wie andere Meisen, z. B. Kohlmeisen, Blaumeisen, sich beständig befehdeten, so setzte ich alle meine sechs Vögel in einen grossen 128 Th. Lorenz: Drahtkäfig von 40’ Höhe und 28’' Breite, in welchem ich zwei Nymphenpapageien (Corellas) hatte. Diese waren im höchsten Grade erstaunt, solche Gesellschaft zu bekommen, schnappten auch wohl nach den Meisen, was konnten aber die plumpen Gesellen gegenüber den wie ein Blitz sich bewegenden Meisen ausrichten. Eis war eine Freude zu sehen, welch’ anmuthiger und behender Bewegungen dieselben fähig waren, beständig überschlugen sie sich und von Stillsitzen war gar keine Rede. In dem grossen Behälter konnte man auch ihr schönes Gefieder besser sehen, als in den e.gen Käfigen. Den Papageien kam es höchst sonderbar vor, wenn solch eine Meise zwischen ihnen hindurchfuhr, ehe sie noch daran denken konnten, darnach zu schnappen. In wenigen Tagen hatten sich die Corellas an die neue Gesellschaft gewöhnt und vertrugen sich mit den flinken Thieren vortrefflich, so das z. B. eine Meise beim Schlafen ganz dicht neben einem Papagei sass, ohne. dass derselbe von seiner Waffe Gebrauch machte. Im Gesellschaftskäfig zeigten sich die Meisen einander gegenüber sehr freundschaftlich ; bei dem gewöhnlichen Futter, welches in enthülstem Hanf und ge- trockneten Ameisen (nicht Ameisenpuppen) bestand, kam nie Streit vor, sobald ich aber mit einer lebenden Schwabe oder einem, Mehl- wurm kam, so hingen alle sofort am Gitter, um die leckere Speise in Empfang zu nehmen. Da ich nun jedes Mal nur ein Insect ver- - abfolgte, so kam es darüber zum Streit; der Stärkere jagte es dem Schwächern sofort ab, und das dauerte so lange, bis jeder Vogel befriedigt war. Im Uebrigen waren sie niemals unter einander streitsüchtig, einen Fall ausgenommen: wenn es nämlich zum Schlafen ging, dann wollte jede am höchsten sitzen, wobei es ohne Zank nicht abging, was indessen auch andere Vögel, wenn sie zusam- mensitzen, thun. Hatte sich jede Meise einen Platz erobert, dann: drängten sie sich ganz nahe an einander und sahen höchst sonder- bar aus, wenn sie während des Schlafens die bekannte Kugelform annahmen; dann sah man nur das Weiss der Brust, die Unterseite und, den langen blauen Schwanz. An Tagen, an denen die Sonne gegen Mittag in ihren Käfig schien, liessen die Männchen, wenn sie ihre Fresslust, welche bei ihnen sehr rege ist, etwas befriedigt hatten, ihren Gesang hören. Das Lied, welches sie hervorbrachten, ist kaum der Rede werth; es besteht aus den verschiedenen Lock- tönen und einem eigenthümlichen klirrenden Tone, welcher gar nicht zu. beschreiben ist. Uebrigens wurde es ganz leise, vorge- tragen, einzelne Lockrufe ausgenommen, welche. laut waren, Im. Die Lasurmeise, Parus (Oyanistes) cyanus. 129 Frühjahr, zur Zeit der Liebe, ist der Gesang wahrscheinlich besser und lauter, was ich jedoch nicht mit Bestimmtheit behaupten kann, da ich die Thierchen schon Mitte März durch einen Freund an das Berliner Aquarium schickte. Der Lockruf ist sehr mannichfaltig; wenn die Meise fliegt, lässt sie beständig ein weithin hörbares aber sehr feines Tirr, Tirr hören, woran sie der Kenner schon in der Ferne wahrnimmt. Sobald sie sich gesetzt hat und etwas Fremd- artiges sieht, ruft sie sehr laut und angenehm: tscherpink, tscher- pink, tscherpink , schnell hintereinander. Dann lässt sie einen Ruf hören, welcher dem bekannten pink, pink, tschsch der Kohl- meise täuschend ähnlich ist, nur das pink höher und die Fort- setzung nicht so schnarrend. Ferner hört man noch ein ganz leises Tirr, welches, wie mir scheint, Zufriedenheit ausdrücken soll; sie lässt es dann wahrnehmen, wenn sie gesättigt neben ihres Gleichen sitzt; endlich hört man noch das allen Meisen eigene St, St, St. Der Flug ist niedrig und geht nur von einem Busch zum andem; er ist bogeuförmig und sieht viel besser aus, als der der Finkmeise, welche mehr flattert, während der Flug der Lasurmeise dem der Bachstelze ähnlich ist, wozu übrigens der lange Schwanz wesentlich beiträgt. Im Gezweig ist die Lasurmeise ungemein flink; wenn sie einen Augenblick still sitzt, wird die Haube beständig auf und nieder gelassen. Es ist wirklich nicht zu viel gesagt, wenn ich behaupte, dass sie die schönste aller Meisen ist; man muss eben den Vogel in der Freiheit gesehen haben, und man wird von der Richtigkeit meiner Behauptung über- zeugt sein. Leider verliert der Vogel in der Gefangenschaft in kurzer Zeit zwar nicht seine Lebhaftigkeit, wohl aber seine Schön- heit in sofern, als der weisse, mit dem prächtigen Lasurblau über- puderte Kopf gelblich wird.*) Eine von den Lasurmeisen wurde mir von einer Katze aus der Falle geholt, eine schenkte ich einem Freunde, und diejenige, welche ich käuflich an mich gebracht hatte, *) Herr Brehm erwähnt, dass bei genügender Badegelegenheit die Schönheit des Kopfes sich nicht verringere. Es ist eine ausgemachte Sache, dass bei allen körnerfressenden Vögeln in Folge der Nahrung die Farben matter werden. Als Beispiel führt er auch Ibis rubra an, der gewöhnlich in der Gefangenschaft sein Gefieder ändert, aber durch Darreichung von Fischen und Fröschen an seiner Schönheit nichts einbüsst. Fast alle Körnerfresser - ‚nehmen auch Insecten an; und wenn man ihnen diese in genügender An- zahl darbietet, sie oft mit etwas Grünem versieht, ihnen Badegelegenheit, weissen Sand und Sonnenlicht giebt, so ist die Farbenpracht in der Ge- faugenschaft dieselbe, wie in der Freiheit. Cab. Journ. f. Ornith. XIX. Jahrg. No. 110. März 1871. I 130 Forstmeister H. Goebel: machte ich meinem Bruder zum Geschenk. Die noch übrigen vier Stück beschloss ich an das Berliner Aquarium zu schicken. Den Transport übernahm mein Freund Stader, Thierhändler in Moskau, welcher in Geschäften nach Berlin reiste. Derselbe hatte in dem- selben Jahre schon versucht, Lasurmeisen, welche er auf dem Vogel- markte gekauft hatte, nach Berlin zu bringen; allein sie kamen schon auf dem Wege nach Petersburg um. Meinen Rath, die Vögel in einem geräumigen Käfig zu transportiren, befolgend, brachte er alle vier glücklich nach Berlin. Mein Bruder setzte die Lasurmeise, welche ich ihm geschenkt hatte, in ein grosses Gesellschaftsbauer, in welchem sehr viele Vögel zusammen waren. Mit diesen verträgt sich die Meise ausser- ordentlich gut; da sieht man nichts von der Mordlust der Kohl- meise; sie wird auch von den übrigen Insassen in Ruhe: gelassen, trotzdem dass unter diesen (Finken, Ammern, Staaren, Lerchen etc.) immer Raurbolde sind. Sie ist ungemein zahm; sobald man mit einem Mehlwurm in das Gebauer geht (welches die Hälfte eines Zimmers einnimmt) und ihn auf die Hand legt, ist sie sofort auf derselben, nimmt den Wurm, verspeist ihn schnell und zeigt eine so begehrliche Miene, dass man gar nicht anders kann, als ihr noch einige von den Würmern zu geben. Ich hätte mich niemals von allen diesen netten Thierchen getrennt, müsste ich nicht meinen Wirkungskreis nach Petersburg verlegen, wo dieselben leider ganz unbekannt sind. Die in den Jahren 1867, 68 und 69 im Umanschen Kreise (kouvernement Kiew) beob- achteten Vögel. Von Forstmeister H. Goebel. (Schluss; s. November-Heft 1870, S. 440—456.) 112. Aegeithalus pendulinus, Beutelmeise. Den Vogel habe ich noch nicht beobachtet, jedoch in Herbste 1868 fand ich, nachdem das Schilfrohr theilweise ausgemäht war und man in die Rohrwälder tiefer eindringen konnte ein Nest dieses Vogels. — Bei Kiew ist er als Brutvogel nicht selten. — 113. Sitta wralensis, Uralische Spechtmeise. Ich muss gestehen, dass, seit ich diese Spechtmeise kennen gelernt habe, meine Meinung in Betreff der Spechtmeisen sich zu Die 1867—69 im Umanschen Kreise beobachteten Vögel. 131 ändern beginnt. Früher war ich von der Artselbstständigkeit der caesia und europaea überzeugt, jetzt, seitdem ich die wralensis kennen lernte, die meiner Ansicht nach genau in der Mitte zwischen ersteren beiden steht, glaube ich fast mit Bestimmtheit, nur eine Art mit 3 Varietäten annehmen zu müssen. — Ich finde in den Grössenverhältnissen durchaus keine Unterschiede — Dr. Kessler giebt in seinen Russischen Vögeln an, dass die uralensis um 1’ kleiner als europaea sei (6 Länge für europaea, 5‘ für uralensis); dem kann ich durchaus nicht beistimmen. Messungen, die ich an wenigstens einem Dutzend Vögeln anstellte, ergaben als Resultat: 5‘ 9'“—6‘' Länge. Die Farbe des Unterkörpers ist bald dunkler bald heller, bei einigen fast rein weiss; je heller der Bauch, desto dunkler rostfarben die Weichen sind; umgekehrt, bei Exemplaren, bei denen der Unterkörper recht stark rostgelb über- flogen ist, sind die Weichen heller als bei ersteren. — Die Eier sind 19—22 Mm. lang und 14—15,, Mm. breit, die Zeichnung ist über das ganze Ei verbreitet in grossen Flecken. 1867 Gelege am 1. Mai von 8 bebrüteten Eiern. 1868 erstes Gelege am 16. April von 3 frischen, letztes am 4. Mai von 7 bebrüteten Eiern. 1869 am 30. April Nest mit 3 frischen Eiern, am 9. Mai mit 7 bebrüteten Eiern. — Durchschnittlich: Länge 20 Mm., Breite 15 Mm. Ich bin im Augenblick beschäftigt, eine Reihe Exemplare zu präpariren, um sie an Herrn E. v. Homeyer zu schicken. 114 u. 115. Certhia famtiliaris u. brachydactyla. Beide scheinen mir in gleich grosser Anzahl vorzukommen ; mir scheint familiaris mehr den Hochwald und bdrachydactyla die Vorhölzer und Fruchtgärten zu bewohnen. — 3 Nester fand ich und schoss dabei die Weibchen, 2 von familiaris, 1 von brachydaetyla. Die Maasse sind folgende: a) Länge: Durchsch. 15 Mm., Max. 16, Min. 15. Breite: Durchsch. 11 Mm., Max. 12, Min. 11. b) Länge: ». E66 aa IB = „ 12 „ Die Nester waren 1 Mal in einer hohlen Weide und 2 Mal in Spalten von Eschenbäumen angelegt. 116. Upupa epops, Wiedehopf. Ist häufig vertreten, kommt zuweilen schon recht früh an und nistet am liebsten in alten hohlen Eichen und Obstbäumen, sehr nahe _ der Erde. | % t52 - Forstmeister H. Goebel: Ankunft: 1867 16. April. Abgang: 28. August. 1368 10. ,„ 2. September. 1869 ser 5 12. „ Gelege: 1867 erstes am 9. Mai von 3 frischen, letztes am 14. Mai von 5 frischen Eiern. 1868 erstes am 11. Mai von 5 frischen, letztes am 25. Mai von 6 bebrüteten Eiern. 1869 erstes am 22. Mai von 6 bebrüteten, letztes am 28. Mai von 6 stark bebrüteten Eiern. — Maasse: Länge. Breite. Gelegezahl. D.....Mx. 7 M. D...:4 Ma es 21.222928 17 ...19.,. 30 Die Farbe der Eier habe ich hier immer hellgrünlich an- getroffen; hell chocoladebraune, wie ich solche im Curländischen Gouvernement fand, traf ich hier bis jetzt nicht an. — 117. Picus canus, Grauspecht. Häufiger Standvogel, der regelmässig in Kirschenbäumen sein Nest anlegt, doch beginnt er oft 1 bis 2 Nester, ohne sie zu voll- enden, und erst in’s 3. legt er seine Eier. 1868 ein Nest am 7. Mai mit 8 frischen Eiern, 1869 erstes am 1. Mai mit 1 frischen, letztes am 10. Mai von 5 frischen Eiern. — Maasse: Länge. Breite. Gelegezall. D. Mx. M. D» = Me. em 4 28: 030 0 126 20 ei 218. 28. Die Eier sind auffallend klein, aber mit sehr starkem Glanz. 118. Gecinus viridis, Grünspecht. Viel seltner als vorige, ich habe ihn vielleicht zehnmal im Laufe von 4 Jahren beobachtet. 119. Picus major, Grosser Buntspecht. | Häufig, nistet am liebsten in Pappelbäumen, doch auch in Obst- bäumen. Gelege erhalten: 1867 erstes am 5. Mai von 4 frischen, letztes am 12. Mai von 6 frischen Eiern. 1868 am 14. Mai von 6 bebrüteten. 1869 erstes am 2. Mai von 2 frischen, letztes am 10. Mai von 5 frischen Eiern. — ea Die 1867—69 im Umanschen Kreise beobachteten Vögel. 133 Maasse: Länge. Breite. Gelegezahl. D. Mx M. D... Mx,. .M, 6 26 27 24 20 „20 19. Spurei Länge 18, Breite 13 Mm. 120. Picus medius, Mittelspecht. Etwas seltener als voriger, Nest immer in Pappeln oder Linden. Gelege gefunden: 1863 am 12. Mai mit 5 frischen Eiern. 1869 erstes am 13. Mai mit 5 frischen, letztes am 23. Mai mit 5 bebrüteten Eiern. Maasse : Länge. Breite. Gelegezal. D. M. M. D. Mxs M. 4 EIZWIGZAIRIEZE 17 0028: 1.116; 121. Jynx torguilla, Wendehals. Häufiger Zugvogel; zuerst: 1867 18. April. zuletzt: 10. September. 19689: 21%. 2°, 12. a 1869-12. ;, 14. Be Gelege erhalten: . 1867 erstes am 1. Mai von 2 frischen, letztes am 12. Mai von 7 frischen Eiern. . 1868 erstes am 4. Mai von 4 frischen, letztes am 24. Mai von 6 bebrüteten Eiern. 1869 erstes am 29. April von 1 frischen, letztes am 16 Mai von 6 bebrüteten Eiern. Maasse: Länge. Breite. Gelegezahll. D. Mx M. D. Mx M. 14 2. 22. °,.20 192. 16 15. Spurei Länge 14, Breite 11 Mm. 122. Cuculus canorus, Kuckuk. Nur die graue Varietät beobachtet. Die Eier und Junge bis jetzt immer in den Nestern von C. arundinacea und palustris ge- funden. In einem kleinen Rohrsumpfe (etwa 5 Desetinen gross), ‚der an ein Wäldchen stösst, fand ich 3 Nester von (©. arundina- cea, die von demselben Kuckukweibchen belegt worden waren, da in dem Wäidcehen nur ein Pärchen wohnte. Am 18. Juni ın einem Neste ein etwa 5 Tage altes Junge, die hochbebrüteten Eier des Nesteigenthümers lagen im Wasser unter dem Neste, und in die 134 Forstmeister H. Goebel: Nestwand war ein faules Ei eingedrückt. — Am 22. Juni ein Jun- ges, etwa 2 Tage alt, im Nest und 3 Eier des Nesteigenthümers im Wasser; an demselben Tage ein frisches Ei, das denselben Tag gelegt war, da ich am Tage vorher das Nest mit 2 Eiern des Nest- eigenthümers fand. — Das Kuckuksei ähnelt gar nicht dem der arundınacea, es hat violette Grundfarbe mit einzelnen dunklen Quer- zügen, manchen Zmb. miliaria-Eiern gleichend. Das Kuckuksweib- chen hatte also die Eier gelegt am 22. Juni, etwa den 6. Juni und den 50. Mai. In der Nähe eines andern grossen Sumpfes fand ich am 1. Juni ein Nest zwischen Nesselstengeln etwa 2 Fuss vom Boden entfernt; der Bauart nach zu urtheilen der Cal. palustris angehörend, mit einem Kuckuksei. In der Farbe ähnelt letzteres den palustris-Eiern, doch ist das Gefüge ganz kuckuksartig. Ich liess das Ei liegen, doch waren nach acht Tagen keine weiteren Eier zugelegt, das Nest also verlassen, Am 8. Juni 1868 fand ich ebenfalls im Nest der Cal. palustres ein Kuckuksei, das aber den Sumpfsänger-Eiern nicht gleicht, sondern wie ein sehr helles Alauda arvensis-Ei aussieht. | Maasse der 3 Eier: Länge a) 24, Breite 17, b) 23, 16, c) 24, 16,;. 123. Merops apiaster, Bienenfresser. Ist ziemlich häufig, doch sind die Colonien sehr klein, 2—4 Nester stark. Ankunft 1867: 1. Juni. Abzug 1867: 22. August. 1868: 3. Juni. 1868: 6. September. 1869: 30. Mai. 1869: 20. August. Gelege gefunden und ausgehoben: 1867: 3 Nester, eins ausgehoben mit 4 frischen Eiern; 16. Juni. 1865: 4 Nester, eins ausgehoben mit 5 frischen Eiern: 21. Juni. Die Niströhre war einmal 1!/,;, das andere Mal 2 Fuss lang, die Colonien befinden sich an Flussufern. Maasse: Länge D. 25, Mx. 26, Min. 24. Breite D. 21, Mx. 22, Min. 20: 124. Coracias garrula, Blauracke. .Sehr häufiger Brutvogel in lichten Eichenbeständen. Ankunft 1867: 27. April. Abzug 1867: 8. September. 186844284 "a: 1868: 2. 180929 1869: 5. 2) » Die 1867—69 im Umanschen Kreise beobachteten Vögel. 135 Gelege gefunden: 1867 erstes am 12. Mai von 2 frischen, letz- tes am 10. Juni von 4 bebrüteten Eiern; 1868 erstes am 20. Mai, letztes am 28. Mai von 4 frischen Eiern; 1869 erstes am 14. Mai, letztes am 30. Mai von 4 frischen und bebrüteten Eiern. Maasse: Länge D. 36, Mx. 40, Min. 34. Breite D. 28, Mx. 30, Min. 26. Nach der Ernte sieht man den Vogel häufig auf den Getreide- haufen sitzen und von hier aus Heuschrecken erspähen und ver- folgen. 125. Alcedo ispida, Eisvogel. Nur einmal am 2. Juli 1868 unterhalb einer Mühle, auf einem Stein sitzend, beobachtet. : 126. Columba venas, Hohltaube. Früh ankommender Zugvogel, der sehr häufig besonders im Herbste ist, zur Brutzeit findet man ihn hier nicht häufig. Ankunft 1867: 29. März. Abzug 1867: 30. October. 1868: 29. Februar. 1868: 28. 5 1369: 28. > 1869: 26. > Gelege gefunden: 1867 erstes am 29. April von 2 frischen, letztes am 6. Juli von 2 frischen Eiern; 1868 erstes am 20. April von 1 frischen Ei, letztes am 30. Juni von 2. frischen Eiern; 1869 erstes am 10. April von 2 frischen, letztes am 12. Juli von 2 be- brüteten Eiern. Maasse: Länge D. 40, Mx. 41, Min. 39. Breite D. 26, Mx. 27, Min. 25. 127. Palumbus torquatus, Ringeltaube. Häufiger als vorige als Brutvogel, ebenfalls einer der erst- ankommenden Zugvögel. Ankunft 1867: 18. März. Abzug 1867: 27. October. 1863: 12:5 1868: 28. ei 1869: 19. Februar. 1869: 1. November, Gelege gefunden: 1867 erstes am 25. April von 2 frischen, letztes am 1. Juli von 2 bebrüteten Eiern; 1868 erstes am 24. April von 1 frischen, letztes am 26. Juni von 1 frischen Ei; 1869 erstes am 12. April von 1 frischen, letztes am 3. Juli von 2 frischen Eiern. Maasse: Länge D. 42, Mx. 45, Min. 40. Breite D. 29, Mx. 31,”Min. 28, 136 Forstmeister H. Goebel: 128. Turtur auritus, Turteltaube. Die häufigste Taubenart, im Herbste mit oenas ungeheure Schaaren bildend, die in den lichten Eichenwäldern übernachten und Tags über m Felder besuchen. Ankunft 1867: 26. April. Abzug 1867: 14. September. 1868: 2. Mai. 1868: 2. E2 1869: 20. April. 1869: 25. & Gelege gefunden: 1867 erstes am 10. Mai von 2 frischen, letztes am 14. Juli von 2 bebrüteten Eiern; 1868 erstes am 14. Mai von 1 frischen, letztes am 20. Juli von 2 sehr bebrüteten Eiern; 1869 erstes am 15. Mai von 2 bebrüteten Eiern, letztes am 28. Juli mit 2 kleinen Jungen. Maasse: Länge D. 31, Mx. 34, Min. 28. Breite D. 22, Mx. 24, Min. 21. 129. Perdix cinerea, Feldhuhn. Sehr gemein nach günstigen Wintern, z. B. 1868. Gelege gefunden: 1867 am 16. Mai von 8 bebrüteten Eiern; 1868 am 10. Mai erstes von 4 frischen, : letztes am 24. Mai von 10 bebrüteten Eiern. Maasse von 2 Gelegen: Länge D. 35, Mx. 36, Min. 33. Breite D. 26, Mx. 26, Min. 25. 130. Coturnix dactylisonans, Wachtel. Sehr gemein in getreidereichen Jahren. Ankunft 1867: 16. Mai. Abzug 1867: 14. October. TE6BENIO,E, 1868: 30. en 1869 ul. ©, 1869: 28. N, Frische Gelege gefunden vom 28. Mai bis 2. September. Maasse: D. 28, Mx. 31, Min. 27 Länge. D. 22, Mx. 23, Min. 21 Breite. 131. Otis tarda, Grosstrappe. Ist häufiger Strichvogel, der zum Winter, d. h. im Do oder Januar, grösstentheils südwärts streicht, so dass man ihn in diesen en selten sieht. Obgleich er wenig beunruhigt wird, ist er sehr scheu, so dass es selten gelingt, ihn zu berücken. — Im Herbste weiden oft Schaaren von vielen Hunderten auf den Getreidefeldern. Gelege erhielt ich am 28. Mai 1867 von 2 frischen und am 6. Juni 1868 von 1 frischen Ei. Die 1867—69 im Umanschen Kreise beobachteten Vögel. 137 Maasse: Länge D. 80, Min. 76, Max. 84. Breite D. 59, Min. 58, Max. 60. Die Grundfarbe ist bei einem Gelege bräunlichgrau mit wolken- ähnlicher Zeichnung, beim andern grünlichgrau mit abgerundeten Flecken von schön brauner Farbe. Aus dem Chersonschen Gou- vernement erhielt ich 1869 ein Ei von weissblauer Färbung mit schwach angedeuteter Zeichnung. 132. Otis tetrax, Zwergtrappe. Soll vor wenigen Jahren im Umanschen Kreise ziemlich häu- fig gewesen sein, jetzt ist er wohl sehr selten. — 1866 sah ich im August 4 Stück, 1867 sah ich an der Chersonschen Grenze ein Paar und fand am 27. Mai das Gelege von 1 frischen Ei, 68 und 69 habe ich ihn nicht beobachtet. Im Chersonschen und besonders im Taurischen ist er sehr häufig; Gelege, die ich aus letzterem Gouvernement habe, stimmen in Farbe und Dimensionen ganz mit meinem hiesigen. Maasse: Länge 50 Mm., Breite 33 Mm. 133. Glareola pratincola, Wadeschwalbe. Bisher hatte ich den Vogel nur in 2 Exemplaren am 22. Juni 1867 beobachtet; 1869 hatte ich das Vergnügen, ein ganzes Geheck, bestehend aus den beiden Alten und 4 Jungen, zu finden und theilweise auszuschiessen. Die Gesellschaft hielt sich in einem Hirsefelde auf, und als ich auf Wachteljagd durch die Hirse gehend, mich den Vögeln näherte, flog mir zuerst einer derselben ängst- lich rufend entgegen, umkreiste mich mehrmals und flog zurück, um sofort mit einem Gefährten zurückzukehren. — Beide Vögel stiessen jetzt mehrmals auf den Hund, kurz, geberdeten sich fast wie Kibitze. — Ich schoss sie beide, sowie noch 2 flügge Junge, die späterhin aufflogen; die beiden anderen entkamen, da sie zu gleicher Zeit alle 4 aufflogen und ich die beiden übrig gebliebenen späterhin nicht mehr fand. Im Chersonschen Gouvernement, be- sonders an den Lemans und der Meeresküste, ist dieser Vogel im Herbste so häufig und so wenig scheu, dass mich Jäger versicherten, sie wären oft an Schaaren von Hunderten herangekommen, ohne besondere Deckung, und hätten mit einem Schuss bis 15 getödtet im Sitzen. 134. Aegialites fuviatikis, Kleiner Regenpfeifer, 1867 einige im Juli am Sokolowschen See, 1868 am 26. April 2 geschossen, dann am 14. Juli am obigen See 10 und am 12. Sep- tember 6 gesehen mit mehreren Totanus glareola gemischt auf einer 138 Forstmeister H. Goebel: Schlammbank; 1869 am 18. und 25. August einige Gesellschaften bemerkt. Scheint Brutvogel zu sein, doch nicht häufiger. 135. Vanellus eristatus, Haubenkibitz. Ist häufiger Brutvogel und einer der zuerst ankommenden Zugvögel. Sobald die Brut flugbar wird, schlagen sich die Gehecke zu Gesellschaften zusammen, verlassen die kleinen Sümpfe, auf denen sie meist zur Brutzeit hausen, und bewohnen dann bis Ende October die Ufer der grösseren Teiche und Seen. 1867 zuerst gesehen am 12. März, zuletzt am 24. September; 1868 zuerst am 16. März, zuletzt am 9. October; 1869 zuerst am 10. März, zuletzt am 21. October. Gelege erhalten: 1867 erstes am 31. März von 4 frischen, letztes am 12. April von 4 bebrüteten Eiern; 1868 ein Gelege am 18. April von 4 frischen Eiern; 1869 erstes am 12. April von 4 frischen, letztes am 15. April von 4 frischen Eiern. Maasse: Länge. Breite. Gelegezall D. Mx M. D. Mx M. bt 48:50: 11746 34:3 36a Grundfarbe zu gleichen Theilen grünlich und gelblich, Zeich- nung meist grossfleckig, besonders bei den Eiern mit grüner Grund- farbe, bei denen mit gelber sind die Flecken kleiner und meist rund. — Ein Ei mit schöner Schnörkelzeichnung. — Nest oft sehr _ frei, auf einem Hügelchen im Sumpfe, stehend. 136. Scolopax rusticola, Waldschnepfe. Ist auf dem Frühlingszuge oft sehr häufig, so dass man oft bis 5 und 6 Stück aus einem Strauche aufjagd. Der Abendstrich ist meist wenig lohnend, da er sehr kurze Zeit dauert. Ich habe bemerkt, dass die Schnepfen hier meist ziemlich lange nach Sonnen- untergang erst zu ziehen beginnen, so dass man höchstens !/, bis !/; Stunde auf Beute hoffen kann. Lohnender ist die Jagd mit dem Hunde. | Der Frühjahrszug begann 1866 am 22. März und endete am 7. April; 1867 vom 30. März bis 20. April, 1868 vom 8. bis 27. April, 1869 vom 16. März bis 17. April. Der Herbstzug: 1866 vom 20. September bis 2. November, 1867 vom 10. September bis 5. November, 1868 vom 24. Septem- ber bis 20. November, 1869 vom 4. September bis 1. December. Die grössere Varietät ist häufiger vertreten, erscheint auch meist zuerst, während man in der letzten Zeit des Zuges mehr kleine [2 Die 1867—69 im Umanschen Kreise beobachteten Vögel. 139 schiesst. Ueber einige Beobachtungen, die ich über die beiden Varietäten im Norden machte, will ich gelegentlich etwas mittheilen, hier nur so viel, dass ich im Archangelschen Gouvernement, wo die Schnepfe, wenigstens in der Umgegend der Stadt Archangelsk, recht selten ist, nur kleine schoss. 137. Gallinago major, Doppelschnepfe. Ist für unsern Kreis ein nicht häufiger Durchzugvogel; im Laufe von 4 Jahren habe ich, dessen Lieblingsjagd die Sumpfjagd ist, nur etwa 12 geschossen. 1867 traf ich nur 2 Paare an: am 2. und 17. October; 1868 am 17. und 18. April, am 18. und 23. September und 3. October; 1869 am 25. März, 2. und 19. April und am 10. September. 138. Gallinago scolopacinus, Bekassine. Ist für die nächste Umgebung der Stadt Uman nur Zugvogel, -im Norden unseres Kreises dagegen auf dem grossen Krasnosteno- und Sokolowsumpfe Brutvogel. 1868 überwinterten 5 Stück an einer warmen Quelle bei Uman. Frühlingszug. Herbstzug. 1866: 28. März bis 2. Mai. 1866: 16. August bis 28. October. 1867: 4. bis 24. April. iso: Seid Ar B2SKNOVDL. 1868: 30. März bis 23. April. 1868: 12. ,„ N er 1500. 12. „ ERS SCAN =, ED Von den 5 Exemplaren, die überwinterten, war eins am Flü- gel verwundet, so dass es sehr schlecht flog, die anderen beiden waren zur Gesellschaft dageblieben, indem sie durchaus ganz ge- sund waren. — Trotzdem, dass es an einigen Tagen 15—20° Kälte gab, waren die Vögel, wie es schien, ganz munter, wenig- stens flogen die beiden gesunden jedesmal, sobald ich sie auftrieb, ziemlich weit und hoch, beschrieben einige Kreise und kehrten zur Quelle zurück; es ist also wohl nur der Futtermangel, nicht die Kälte, der die Bekassen sowie die Märzenten zum Zuge treibt. — Die ersten flüggen Jungen am 4. Juli 1868 geschossen. 139. Phiolimnos gallinula, Haarschnepfe. Ist sehr häufig auf dem Durchzuge, wohl etwas seltener als vorige, jedoch immerhin in bedeutender Anzahl zu finden. Sie kommt im Frühlinge zugleich mit der Bekassine an und zieht auch so ziemlich zu gleicher Zeit ab, im Herbst kommt sie spä- ter an. 140 Forstmeister H. Goebel: Frühlingszug. | Herbstzug. 1866: 26. März bis 17. April. 1866: 14. Septbr. bis 31. Octbr. 1867: 5. April bis 24. „, 1867: 29. August bis 6. Novbr. 1868: 1A: N, shcbis WAR De 1868:h24:) su SolgaR 1869. 12. Marz bis 28, 1869: 10. Septbr. bis 2. Deebr. 140. Limicola pygmaea, Sumpfläufer. 1868 am 19. August an einem kleinen schlammigen Teiche ein Pärchen gesehen und geschossen. Sie fanden sich auf dem Lieblingsplatz der durchziehenden Totanus glareola vor. 141. Calidris arenaria, Sandläufer. 1368 am 3. October 4 am Sokolowschen See gesehen und 2 ge- schossen ; 1369 daselbst am 6. September eine Schaar von 12 Stück. 142. Actodroma minuta, Zwergstrandläufer. 1868 am 22. und 26. August 2 und 4 dieser Vögel an einem kleinen Teiche mit sandigem Ufer bemerkt und an jedem Tage je einen geschossen. Sie trugen noch das Sommerkleid. 143. Actodroma Temminckiü, Temmincksstrandläufer. 1568 am 22. August 2 an demselben Teiche mit vorigen be- merkt und das Pärchen, das schon das Winterkleid trug, geschossen. 144. Machetes pugnax, Kampfhahn. 1869 am 7. September am Ufer des Sokolowschen Sees ein einzelnes & geschossen, sonst nie beobachtet. 145. Actitis hypoleucos, Uferwasserläufer. Ist in manchen Jahren recht häufig, in manchen trifft man ihn selten an. Er bewohnt die Ufer der kleinen Teiche und nistet zuweilen auch hier; ich fand das Gelege von 4 frischen Eiern 1867 am 14. Mai, 1868 mit 3 frischen Eiern am 10. Mai, 1869 am 12. Juni kleine Junge. Maasse: Länge. Breite. Gelesezahll. D. Mx M. BD. : 7Mx... M. 2 u 21. ar 20 Ankunft. Abzug. 1867: 24. April. 1867: 3. September. 1868: nicht bemerkt. 1868: a, 8 1869: 6. April. 1869: 7. 5 146. Totanus glareola, Bruchwasserläufer. Ist zuweilen recht häufig auf dem Herbstzuge, so 1869. — 1867 habe ich ihn gar nicht beobachtet; 1868 vom 19. bis 31 Au- gust; 1869 vom 5. bis 16. April und vom 7. bis 27. August. Die 1867—69 im Umanschen Kreise beobachteten Vögel. 141 147. Totanus ochropus, Punktirter Wasserläufer. Ist Brutvogel in unserm Kreise und kommt sehr früh an. Man nimmt gewöhnlich an, dass die früh ankommenden Zugvögel auch am spätesten wegziehen, das ist aber nicht immer zutrefiend, so auch bei diesem Vogel. Während er im Frühling zu recht un- wirthlicher Zeit eintrifft und oft Frost und Schneestürme zu er- dulden hat, verlässt er uns als einer der ersten, fast mit dem Storche zu gleicher Zeit. — Was treibt diese Vögel fort zu einer Zeit, wo sie Nahrung in Fülle haben? Ist es die Absicht, in der Winterherberge sich gute Futterplätze aufzusuchen, bevor noch der Schwarm der übrigen Gäste eintrifft? Im Frühlinge trifft regel- mässig zuerst ein Einzelner ein, der oft wochenlang, wenn das Wetter unfreundlich ist, allein bleibt und einen bestimmten Platz behauptet; man möge ihn vertreiben, so oft man will, nach einigen Stunden stellt er sich wieder ein. — Ich habe an drei verschiede- nen Stellen im Kreise solche Plätze, wo man immer wenigstens tagelang den Quartiermeister beobachten kann, bevor die Kameraden nachkommen, und immer findet man auch wieder die ersten Ge- sellschaften in der Nähe desselben Platzes, der vom ersten so treu behauptet wurde. — Der Wunsch also, gute Wohnplätze zu haben, der diese Vögel früh zu uns im Frühlinge treibt, mag auch der Grund des frühen Abziehens sein. ! Ankunft. Abzug. 1867: am 17. März einzeln, am 26. März 1867: 17. Augüst. Gesellschaften. 1868: am 30. März mehrere. 1868131702 Il 1869: am 7. März ein einzelner, am 16. 1869: 27. , erste Gesellschaft. Das Gelege habe ich noch nicht gefunden, dock mehrmals flüisge Junge. 148. Totanus calidris, Gambettwasserläufer. 1863 am 22. August 2 Stück, 1869 am 12. August 4 Stück. 149. Totanus fuscus, Dunkelfarbiger Wasserläufer. 1867 am 21. September aus einer Schaar von 6 Stück einen geschossen, 1869 am 7. August ein Paar geschossen, an das ich mich, durch Hanf gedeckt, angeschlichen hatte. Ist sehr scheu. 150: Totanus stagnatilis, Teichwasserläufer. 1867 am 14. Juli ein Geheck am Sokolowschen See beobachtet und 1 Altes und 2 Junge geschossen; 1868 am 4. Juli nicht ganz flügge Junge gefunden. — Ist also Brutvogel, doch selten. 142 Forstmeister H. Goebel: 151. Glottis canescens, Grünfüssiger Wasserläufer. Erscheint, zuweilen in ziemlicher Menge, regelmässig auf dem Durchzuge und bewohnt die sandigen Ufer der Teiche. 1867 und 1868 war er nicht häufig, 1869 dagegen in sehr grosser Menge vertreten, besonders im Herbste vom 7. August bis 17. September. — 1867 beobachtete ich 2 Stück am 2. Juni nach Norden ziehend, und am 16. September eine Schaar; 1868 vom 10. bis 18. August 4 Stück. 152. Limosa melanura, Schwarzschwänziger Uferläufer. Brütet in einzelnen Paaren auf dem Sokolowschen Sumpf, wo ich denn auch am 14. Juli 1867 und 4. Juli 1868 Junge und Alte schoss. — 1869 am 18. August eine Schaar gesehen. 155. Numenius phaeopus, Rasenbrachvogel. Am 7. April 1868 6 Stück nach NW. ziehend, am 10. Septbr. 8 nach O. ziehend. 154. Grus cinerea, Grauer Kranich. Ist Brutvogel auf dem Krasnostaw- und Sokolowschen Sumpfe. — Wurde mit kleinen, etwa acht Tage alten Jungen am 29. Mai a. St. gefunden. Frühlingszug. Herbstzug. 1866: 26. März bis 21. April. 1866: 20. Septbr. bis 19. Octbr. 186%: 5. bis 29, Aprll. 1867 2085115, bis; 26: by; 1868: kepbisäl7. ,, 1868: 24, August bis 7. , 1869,47. Bis 22377 ,, 1869: 6. Septbr. bis 13. , 155. Ardea cinerea, Grauer Reiher. Ist sehr häufig in unserm Kreise, besonders im Herbste, wo man oft an dem Sokolowschen See bis 50 Stück und mehr antrifft. Gefunden habe ich bis jetzt nur einen Brutplatz von etwa 10 Horsten; der zweite Platz, auf dem sich Reiher ansiedeln wollten, wurde verlassen, da die Raben es nicht zuliessen. Die Horste stehen auf fast unzugänglichen Eichen und Eschen, so dass ich blos zwei Horste besteigen konnte, und zwar den einen in ein und demselben Frühlinge zweimal. Ich entnahm am 9. Mai 1869 aus dem einen 1 frisches, aus dem zweiten 2 frische Eier, und am 21. Mai dem zweiten Horst 5 schwach bebrütete Eier. Ob es das- selbe Paar war, kann ich natürlich nicht sagen. Ankunft. Abzug. 1867: 15. März. | 1867: 6. October. 186851 2%: 55, 1868: 10. u 1869: 7. 186941; r ”) Die 1867—69 im Umanschen Kreise beobachteten Vögel. 143 Maasse. Länge. Breite. Gelegzahll D. Mx. M. DN 'Mx -.M, 3 64 66 62 42. 42 4 Der niedrigste Horststand war 70°. — 156. Ardea purpurea, Purpurreiher. Ist fast eben so häufig als voriger, doch legt er seinen Horst auf völlig unzugänglichen, schwimmenden Inseln an, so dass ich bis zu den Eiern nicht gelangen konnte. — Er ist der am wenigsten scheue Reiher, beträgt sich zuweilen wie siellarıs, indem er den Hals und Schnabel ausstreckt, um übersehen zu werden. Man findet ihn jedoch nie: in grossen Gesellschaften, wie cinerea und nycticorax, sondern immer paarweise und einzeln. Ankunft. Abzug. 1867 1867: 26. September. 1868 / nicht bemerkt. 1868: 12. October. 1869 | 1869: 10. RR 157. Herodias egretta, Silberreiher. Ist nicht selten, brütet auf dem Sokolowschen Sumpf, doch an unzugänglichen Stellen. Im Herbste sieht man ihn paarweise an kleineren Teichen und wurden in diesem Jahre 3 Stück geschossen. 1867 im Sommer mehrmals beobachtet; 18683 zuletzt am 2. October; 1869 zuerst am 10. April, zuletzt am 27. September. Er ist etwas weniger scheu als cinerea. 158. Herodias garzerta, Seidenreiher. Habe ich zur Brutzeit auf dem Sokolowschen Sumpf 1867 und 1869 beobachtet, in letzterem Jahre noch am 2. October 5 Stück beobachtet. Ist der seltenste Reiher in unserm Kreise. 159. Nyeticorax europaeus, Nachtreiher. Hat eine grosse Colonie auf einer Insel im Sokolowschen _ Sumpf auf einigen dort wachsenden hohen Erlen und Eichen. Bis Anfang Mai kann man diese Insel zu Boot besuchen, später ist sie unnahbar, daher ich bis jetzt kein Gelege erlangen konnte. An kleineren Sümpfen und Teichen sieht man ihn nur auf dem Zuge, so beobachtete ich am 27. April 1867 eine Schaar von wenigstens 50 auf einem ganz kleinen Sumpfe, am 5. October 1868 30 Stück und am 1. October 1869 12 Stück. 160. Ardetta minor, Kleiner Rohrdommel. Ist gewiss recht häufig, da ich ihn so ziemlich an allen kleinen und grösseren Rohrsümpfen beobachtete, wenn auch immer nur 144 Forstmeister H. Goebel: einzeln; 1867 zuerst am 17. April, 1868 am 27. In demselben Jahre beobachtete ich am frühen Morgen vor Sonnenaufgang am 28. Mai am Sokolowschen See mehrere Pärchen, die sich trieben und dabei ganz frei auf Weidengebüsche sich setzten. — Am Tage habe ich sie immer nur sehr versteckt gefunden. Zuletzt be- obachtet 1863 am 2. October, 1869 am 10. October. 161. Dotaurus stellaris, Grosser Rohrdommel. Jeder grössere Rohrteich beherbergt wenigstens ein Paar die- ses Vogels. 1867 zuerst am 28. März, zuletzt am 16. October, 1809 0. „ . 10. April, Bee „ 1869, 22. Marz „„.27., November. Gelege am 16 Mai von 5 frischen Eiern gefunden. Lange: _D. 56, Mx. 57, Min. 93. Breite: D. 42, Mx. 43, Min. 41. 162. Ciconia alba, Weisser Storch. Ist häufiger Brutvogel, der in unserm Kreise wohl mehr als 20 Horste in Dörfern auf den Scheuerdächern hat. 1567 zuerst am 24. März, zuletzt am 12. August, 1809". So al. april a: „ 24. S 1809 0,13, Marz, ” ae s Nur am 23. April 1867 entnahm ich ein Gelege von 3 frischen Eiern: ‚Länge: D. 78, Mx. 80, Min. 77. Breite: D. 55, Mx. 56, Min. 54. 163. Otconia nigra, Schwarzer Storch. Nur 1867 zweiam 15. April auf einem kleinen Sumpf beobachtet. 164. Rallus aguaticus, Wasserralle. Ist häufig, doch lebt sie so versteckt, dass man mit dem flink- sten Hühnerhunde sie nur höchst selten herausstöbern kann. Am leichtesten entschliesst sie sich noch Abends spät, wenn sie aus dem Röhricht auf naheliegende nasse Wiesen hinausgelaufen ist, zum Auffliegen, und ich habe so einige geschossen. Zuerst: Zuletzt: 1867: 4. April. 1868: 16. October. 1868: erst im Sommer. 1868: 12. 4 1869: 29. März. 1869: 28. = 1867 am 10. Mai ein Gelege von 2 frischen Eiern gefunden. Länge: D. 40, Mx. 40, M. 39. Breite: D. 29, Mx. 29, M. 26. Die 1867—69 im Umanschen Kreise beobachteten Vögel. 145 165. Orex pratensis, Wiesenralle. Habe ich bis jetzt immer nur auf dem Durchzuge beobachtet. Im Frühlinge findet man sie vorzüglich auf Schlägen mit 2- bis 4jährigem Nachwuchs; im Herbste und Spätsommer in Hafer- und Buchweizenfeldern. Zuerst. Zuletzt. 1867: 16. Mai. 1867: 28. September. 1308: 20. -,, 1868: 10. October. 12098312" ,, 1869: 2. 166. Orthygometra porzana, Punktirtes Rohrhuhn. Jetzt sehr häufig vertreten besonders im Herbst. 1867 zuerst am 11. April, zuletzt am 12. October. 1868 ” ” 14. ” vB) ” 20. PZ] 1869 2) ” 12. ” 9) 2) 28. >) Das Nest habe ich noch nicht, doch ganz kleine Dunenjunge noch am Ende August gefunden. 167. Ortygometra pustlla, Kleines Rohrhuhn. 1867 am 1. August, 1868 am 4. Juli, 1869 am 23. Juli (Dunen- junge mit der Alten), 28. August geschossen. An 4 verschiedenen kleinen Rohrteichen fand ich es; da es sehr versteckt lebt und man den hohen Rohrwald kaum durchdringen kann, so bemerkt man es selten, ich bin aber überzeugt, dass es gar nicht selten ist. 168. Gallinula chloropus, Grünfüssiges Teichhuhn. Fast jeder Teich beherbergt sein Pärchen, doch lebt es ziemlich versteckt. Zuerst 1867 am 10. April, zuletzt am 3. October. las. 120... 5; 4 „ 29. September. ‚„ 1869 im Frühlinge = „» 27. October. nicht bemerkt. Gelege erhalten: 1867 erstes am 2. Mai von 2 frischen, letztes am 12. Mai von 4 frischen Eiern. Länge: D. 42, Mx. 45, Min 4‘. Breite: D.,32,:Mx. 33, Min 32. 169. Fulica atra, Wasserhuhn. Ist recht häufig in den Rohrteichen anzutreften. Zuerst 1867 am 10. April, zuletzt am 10. October. Nr LEO RER. & RD en od, a „ Manz Abs Gelege am 2. Mai 1867 von 3 frischen Eiern erhalten. Cab Journ. f. Ornith. XIX. Jahrg. No. 110 März 1871. 10 146 Forstmeister H. Goebel: Länge: D. 55. Breite: D. 36, Mx. 37, Min. 34. 170. Cygnus musieus, Singschwan. 1869 am 29. März 2 ım Herüberfliegen beobachtet, am 7. No- vember 3 auf einem Teiche. 171. Anser cinereus, Graugans. 172. ,, albifrons, Weissstirnige Gans. 173. ,„ segetum, Saatgans. Von Gänsearten habe ich diese 3 erkannt, und zwar ist erstere Brutvogel auf dem Sokolowschen See. Die Jungen werden regel- mässig flügge in den ersten Tagen Julis, und ist dann die Zeit der schönsten Jagd. (Ausnahmsweise fand ich am 14. August noch nicht Hügge Junge 1868.) Gänsezüge habe ich beobachtet: 1867 vom 15. März bis 2. April, vom 24. August bis 10. Novbr. 1868. „5270,53. 32. März gan aanseptember: ala 775 1869 210,03 801,5, Ar ADB 22,922.6: = »: 10..,Deebhr. Meiner Ansicht nach verlässt die Graugans unsere Gewässer früher als die beiden anderen Arten, den von Norden kommenden Schaaren Platz machend. Zur Untersuchung sind in meinen Hän- den gewesen 19 Gänse. Unter 6 im August geschossenen war weder albifrons noch segetum. Unter 7 im September 2 cinereus 5 segetum. Unter 6 im Oc- tober 5 segetum 1 albifrons. Selbst habe ich ausser den im Juli geschossenen jungen Graugänsen im October 2 albifrons, im No- vember 1 segetum und 1 albifrons während meines Hierseins ge- schossen ; überhaupt habe ich albifrons am häufigsten im October beobachtet; segetum und einereus freilich kann ich in der Ent- fernung auch mit dem Fernrohr nicht von einander unterscheiden. 174. Anas boschas, Stockente. Häufigste Entenart unseres Kreises. Es ist merkwürdie, wie spät im Vergleich mit viel nördlicheren Gegenden die Märzente hier zur Brut schreitet. Die Brutzeit der hiesigen Stockenten fällt mit denen des Archangelschen Gouvernements zusammen. Während im Curländischen Gouvernement die Hauptentenjagd auf eben Hügge werdende Vögel auf Alt-Johanni, 24. Juni a. St. fällt, im Petersburger Gouvernement auf Mitte bis Ende Juli a. St., findet *) Am 25. November eine einzelne albifrons geschossen auf einem Saatfelde. Die 1867—69 im Umanschen Kreise beobachteten Vögel. 147 man hier die ersten flüggen Märzenten erst Anfang August n. St. Den Grund weiss ich nicht anzugeben, die Gänse werden in Cur- land zu derselben Zeit flügge wie hier, bei den Enten stellt sich solch ein Unterschied dar, obgleich A. doschas hier noch vor Anser ci- nereus im Frühlinge eintrifft. Das zweite mir bei der Stockente unseres Kreises Auffallende ist ihre Vorliebe, ihr Nest auf Bäumen oder weit vom nächsten Gewässer entfernt in undichten Eichen- beständen unter einem Strauch anzulegen. Selten nur findet: man das Nest im Sumpfe, wenigstens einen Weidenstumpf sucht sich das Weibchen aus. Unter 20 Nestern, die ich fand, standen nur 8 im Sumpfe, 2 mitten im dichten Walde circa 5 Werst vom nächsten Wasser entfernt auf hohen Bäumen in Krähenhorsten bis 50° hoch, 5 unter Gebüsch im Eichenwalde 3 Werst: vom Wasser, 11 auf Seeinseln, an Teichen auf Kopfweiden (eins in, einer Höhlung). — Ankunft. Abzug. 1867 am 28. Februar. 1867 am 21. November. Ie6s, „.. 5. März. 1868 „10. Deceniber. 1869 ,„ 20. Februar. 1869 ,„ 25. December. Gelege gefunden: 1867 erstes am 20. April von 9 frischen Eiern. letztes „ 10. Mai ,, 6 bebrüteten ,, 1868: erstes IT ELN ‚5 „ 6 frischen = letztes. 15,7 28211, „ 8'bebrüteten ,, (4. Juli ganz kleine Junge.) ‚1869 erstes am 18. April von 4 frischen . Eiern. letztes »,,)!. 5/-Mails23, Siibebrüteten« ",, Maasse von 8 Gelegen: D. 60, Mx. 63, Min, 55. Länge. D. 44, Mx. 46, Min. 42. Breite. 175. Chaulelasmus streperus, Schnatterente. Habe ich recht häufig beobachtet, aber nur auf grösseren Teichen brütend gefunden: am 28. Mai 1868 auf einer kleinen Insel des Sokolowschen Sees mit 6 frischen Eiern und auf einem andern grossen Teich am 20. Mai 1869 Nest mit 4 frischen Eiern gefunden. 13867 nur am 12. und 25. September geschossen. 1863 zuerst am 12. April, zuletzt am 1. October. 1869 ,„ „ 2 „ „0. » 10* 148 Forstmeister H. Goebel: Maasse: Länge D. 56, Mx. 56, Min. 55. Breite D. 38, Mx. 38, Min. 37. 176. Anas querquedula, Kriekente. Ist ziemlich häufiger Brutvogel. Zuerst 1867 am 1. April, zuletzt am 20. October. 41,868 OO AH Be SALESCHE JUTS RN, % 220: Gelege nur am 28. Mai 1858 und 20. Mai 1869 Ausgenmmeh von 6 und 5 frischen Eiern. Maasse: Länge D. 48, Mx. 49, Min. 48. Breite D. 33, Mx:.: 33, Min. 32. 177. Anas crecca, Kriekente. Kommt nur auf dem Durchzuge vor und zwar in bedeutender Menge, besonders im Herbste. Beobachtet: 1867 vom 27. März bis 12. April, vom 8. September bis 26. October. 1868 vom 28. März bis 21. April und vom 1. September bis 4. November. 1869 vom 14. bis 31. März und vom 16. September bis 28. November. 178. Mareca penelope, Pfeifente. Ist eine ziemlich seltene, nur auf dem Durchzuge vorkom- mende Erscheinung. 1867 beobachtet vom 5. Apr bis 18. April, vom 10. Sep- tember bis 2. October. 1868 nur zweimal am 1. April und 16. September. 1869 einmal im Frühling am 2. April, im Herbste vom 8. September bis 6. October. 179. Daphila acuta, Spiessente. Häufiger als vorige und regelmässig jedes Jahr im Frühlinge und Herbst beobachtet. 1867 vom 29. März bis 16. April, vom 16. September bis 12. October. 1868 vom 30. Mai bis 12. April, vom 20. September bis 28. October. 1869 vom 14. März bis 2. April, vom 12. Sep- tember bis 18. October. 180. Spatula clypeata, Löftelente. Habe ich nur dreimal beobachtet: am 26. August und 26. September 1868 bis 4 und 6 Stück, am 27. März 1869 ein Z in Gesellschaft von einem Paar mit guerguedula. Sie soll im Po- dolschen Gouvernement brütend vorkommen. 181. Arthyia nyroca, Weissauge. Ist recht häufig als Brutvogel und brütet am spätesten von allen Enten, noch am 8. September fand ich ganz kleine Junge. ” Die 13867 —69 im Umanschen Kreise beobachteten Vögel. 149 Ankunft. Abzug. 1867: 12. April. 1867: 30. October. 863% 1097 ',, 1868: 28. 2 1869: 26. März. 1869: 14. November. Gelege am 8. Juni 1868 entnommen von 6 frischen Eiern. Maasse: Länge D. 55, Mx. 57, Min. 52. Breite D. 39, Mx. 39, Min. 38. 182. Acthyia ferina, Tafelente. Weniger häufig als vorige, doch nicht selten als Brutvogel. Die Nester findet man auf schwimmenden Inseln in grösseren Seen. Ankunft. Abzug. 1867: 30. März. 1867: 12. October. 1868: 12. April. 1868: 18. i 1869: 18. März. 1869: 26. -B 2 Gelege ausgehoben aın 28. Mai 1868 von 4 und 8 frischen Eiern. Maasse: Länge D. 66, Mx. 69, Min. 63. Breite D. 45, Mx. 47, Min. 44. 183. Fuligula elangula, Schellente. Einigemal beobachtet auf der Durchreise: vom 28. März bis 18. April 1868, den 16. September 1868 und am 2. 6. und 12. April, sowie 10. und 12. September und 20. October 1869. 184. Larus argentatus, Silbermöve. Ist nicht selten an den grösseren Gewässern, während der Zugzeit und bleibt bis zum Gefrieren. 1867 vom 28. März bis 12. April und vom 20. September bis 4. November. 1863 vom 24. März bis 3. April und vom 18. Sep- tember bis 10. November. 1869 vom 12. März bis 30. März und vom 21. September bis 15. November. 185. Larus canus, Sturmmöve. Einigemal auf dem Durchzuge: am 2. April, 16. October, 3. November 1868 und vom 20. März, 5. October 13., 18. und 20. November 1869.*) 186. Chroicocephalus ridibundus, Lachmöve. Ist in geringer Menge Brutvogel auf dem Sokolowschen See. Ankunft: 1867 12. April. Abzug: 25. October. 1868100 1, 26. " 1869 25. März. 29. » IE ET *) Noch am 25. November hörte ich in grosser Entfernung 2 Möven schreien, es schienen mir ebenfalls canus zu sein. 150 Forstmeister H. Goebel: 2 Gelege ausgehoben am 2. Juni von 2 und 3 frischen Eiern. Maasse: Länge D. 54, Mx. 56, Min. 51. Breite D. 39, Mx. 40,. Min. 38 187. Chrolcocephalus minutus, Zwergmöve. 2 Mal beobachtet am 12. Mai 1868 und 2. September 1869. 188. Sterna hirundo, Flussmeerschwalbe. Ist als Brutvogel ziemlich häufig, besonders an den grösseren (sewässern. Ankunft. Abzug. 1867: 4. April. 1867: 20. Oetober. 1868.:210J2 1868: 10. rn 1869,31 ©, 1869: 22. m 3 Gelege am 2. Juni ausgehoben von 3, 3 und 2 frischen Eiern. Maasse: Länge D. 45, Mx. 46, Min. 42. Breite D. 31, Mx. 32, Min. 30. 189. Sterna minuta, Zwergmeerschwalbe. Scheint Brutvogel zu sein, da ich sie im Sommer beobachtete, Gelege bis hierzu nicht gefunden. Ankunft. Abzug. 1867: 28. April. 1867: nicht bemerkt. 13685 202 46 4868: ,, a 1869: 223257, 1869: 29. September. 190. Hydrochelidon nigra, Schwarze Meerschwalbe. Ist häufig an grösseren Teichen, die in der Nähe Moräste be- sitzen, brütet, aber an so unzusänglichen Stellen, dass ich nur ein Gelege am 14. Juni 1869 von 2 frischen Eiern ausheben konnte Ankunft. Abzug. 1867: 28. April. . 1367: 1. October. 1868: 16. Mai. 1868: nicht bemerkt. 1869 :-25.. April: 1869: 1033 Äh Maasse: Länge D. 36, Mx. — Min. — Breite‘ D. 27, Mx. 27, Min. 26. 191. Aydrochelidon leuroptera, Weisstlügelige Meer- schwalbe. Habe ich nur 2 Mal in 1 Paar*) beobachtet, das eine Mal konnte ich das Nest nicht erreichen, das andere Mal, am 10. Juni 1868, erreichte ich es und entnahm 1 frisches Ei. *) Oder wohl beide Mal dasselbe Paar, da ich beide Mal es an der- selben Stelle traf, 1867 und 1868. Die 1867—6) im Umanschen Kreise beobachteten Vögel. 151 Maasse: Länge 39 Mm., Breite 26. In der Umgegend Kiews ist sie nicht seiten als Brutvogel, im Museum sind recht viele Gelege und Bälge. 192. Carbo cormoranus, Kormoran. Wurde 1869 im September geschossen und von einem meiner Bekannten als Gans gekauft und gebraten, war aber natürlich un- geniessbar. — Mir wurde der Kopf zugeschickt. — 193. Podiceps eristatus, Haubensteissfuss. Ist sehr gemein auf allen grösseren Teichen und Seen. Ankunft 1867: 15. März. Abzug 1867: 20. October. 1368:,202.° , 1368: 26. 2“ 15694. 12..r3 ,, 18692225 Am 28. Mai 1868 nahm ich auf dem Sokolowschen See 10 Gelege aus von 2—3 Eiern, die Nester waren alle im Schilfrohr in der Nähe von Inseln angelegt, und verliess das Weibchen, wenn es auf dem Neste sass, die Eier bei der Annäherung des Bootes tauchend ünd erst ausserhalb des Rohres aus dem Wasser her- vorkommend. Maasse: Länge D. 57, Mx. 60, Min. 53. Breite D. 38, Mx. 40, Min. 34. 194, Podiceps suberistatus, Rothhalsiger Steissfuss. Ist nicht häufig, nur ein Gelege gesammelt von 2 frischen Eiern am 28. Mai. Ankunft. Abzug. 1867: 26. März. 1867: nicht bemerkt. 1868: 1. April. 1868: 12. October. 1869: 18. März. 1869: 20. R Maasse: Länge D. 54. Breite 33. 195. Podiceps minor, Kleiner Steissfuss. Ist ebenfalls selten, nur einige Mal auf dem Sokolowschen See beobachtet: am 4. Juli 1867, 25. Mai 1868, 2. October 1868. 196. OColymbus septentrionalis, Rothkehliger Taucher. Am 19. November 1869 ein einzelnes Exemplar auf einem ziemlich grossen Mühlenteiche geschossen. Es war ein Junges von diesem Jahre. | Ueber das Nisten der Seidenschwänze in Deutschland sagt Dr. Gloger, dass in Oberschlesien Seidensehwänze mitunter ge- nistet hätten und dass Jäger behaupteten, Pärchen mitten im Som- 152 Deutsche ornithologische Gesellschaft: mer gesehen zu haben. Auch auf dem Hainichwalde, !/, Stunde von der Stadt Mühlhausen in Thüringen, sah der in unmittelbarer Nähe des Waldes wohnende Förster Bähr vor einigen Jahren im Sommer lange Zeit hindurch ein Paar Seidenschwänze, welche täg- lich unweit seiner Wohnung emsig nach Futter suchten. Leider hat aber derselbe kein Nest entdeckt. Ob er so eifrig und unab- lässig danach gesucht hat, wie es die Sache verdient, möchte ich bezweifeln. Jedoch an der Wahrheit seiner Aussage, das Vorkommen der Vögel betreffend, ist durchaus kein Zweifel. Gotha. J. Hocker Dontarhe urnithulugische Gogellschatt zu Berlin. Protokoll der XXXI. Monats-Sitzung. Verhandelt Berlin, Montag den 6. Februar 1871, Abends 7!/, Uhr, im Restaurant „Schlossbrauerei“ Unter den Linden 8. Anwesend die Herren: Cabanis, Bau, Bolle, Freese, D’Al- ton, Golz, Sy und Brehm. Von auswärtigen Mitgliedern: Herr Kammerherr O. v. Krieger, aus Sondershausen. Als Gast: Herr Dr. Hellmann aus Gotha. Vorsitzender: Herr Golz. Protokollf.: Hr. Bau. Der Secretär macht Mittheilang über die von auswärtigen Mitgliedern eingegangenen Zuschriften: Herr v. Heuglin und Herr Nehrkorn senden der Versammlung besten Gruss und werden deren für das Journal bestimmte Mittheilungen besonders abgedruckt werden. Herr G. v. Koch hat sich der dankenswerthen Mühe unterzogen, eine Sammlung von Stellungen der Vögel zu veranstalten. Mit kunstgeübter Hand sind in geiungenen Umrissen sowohl ausser einheimischen Vögeln auch exotische Typen auf Octavtafeln radirt. Diese Sammlung soll in einigen Heften je zu 10 Tafeln veröffentlicht werden. Das Werkchen ist besonders für Ausstopfer bestimmt, da diesen selten gute Werke, deren es in Bezug auf lebendige, na- turgetreue Stellungen «er Abbildungen überhaupt nicht zu viele giebt, zugänglich sind. Zweck der Herausgabe ist der Wunsch, Protokoll der XXXI. Monats-Sitzune. 153 endlich einmal etwas mehr Leben und Naturwahrheit in unsere Sammlungen ausgestopfter Vögel zu bringen. Das I. Heft mit 120 Figuren auf i0 Tafeln wird unter dem Titel: „Die Stellungen der Vögel. Für Präparatoren, Aus- stopfer und Freunde der Vögel. Heidelberg 1871, bei Carl Winter“, in diesen Tagen im Buchhandel erscheinen. Die von Herrn v. Koch zur Vorlage eingesandten Probetafeln finden den allgemeinen Beifall der Anwesenden, und nimmt die Ge- sellschaft das Anerbieten des Herrn v. Koch: dem Journale 2 seiner Stellungstafeln als Beilagen einzuverleiben, mit Anerkennung und besonderem Dank entgegen. *) Herr v. Krieger giebt eine kurze Beschreibung der Um- gegend von Sondershausen. Der höchste Berg, der s. g. Frauen- berg bildet ziemlich den Abschluss zweier Gebirgsketten, des s. g@. Hainleiter und Rathsfelder Gebirges, auf letzterem die Ruinen des Kyifhäusers und der Rothenburg gelegen, die sich zwischen Harz und Thüringerwald hinziehen. Dieser hohe, baumlose Berg, der sich gleichsam wie eine Halbinsel in das Wipprathal hineinerstreckt, besitzt 3 Krähenhütten, von denen eine das Eigenthum des Herrn v. Krieger ist. Es werden hier jährlich viele und oft seltene Vögel geschossen, wie z. B. im Jahre 69 Falco milvus, ater und Buteo tachardus, über den ein Brief vom Herrn v. Krieger im Journal für Ornithologie, S. 176, Jahrg. 1870, abgedruckt ist. Im Jahre 1870 wurden dort wiederholt Buteo tachardus, Aquia fulva und einige sel- tene Falken erlegt. In früheren Jahren Aguila albieilla und sogar in den zwanziger Jahren Agudla leucocephalus. Nachdem Herr v. Krieger ausführlicher die Hüttenjagd dortiger Gegend geschildert, auch ver- sprochen hat, sich später über das Hüttenwesen in einem Aufsatze für das ornithologische Journal auszusprechen, entsteht eine allge- meine Discussion über die Schädlichkeit aller Raubvögel, auch den Bussard nicht ausgenommen, in Bezug auf Jagd und die kleinen nicht zur Jagd gehörigen Vögel. Herr Dr. Brehm spricht die Behauptung aus, dass Falco tinnunculus, ruficeps, cenchris sowie alle kleinen Eulen zu schonen seien; auch Buteo vulgaris und lagopus, und Per- nis apivorus. Herr v. Krieger knüpft, dieses bestätigend, hieran Jedoch die Bemerkung, dass er einst zwei Buteo lagopus antrat, die einen gesunden Hasen geschlagen hatten; dass man sich überhaupt nicht täuschen lassen müsse, wenn man einen Buteo in der Luft *) Diese Tafeln sind als J. und Il. des Jahrganges 1871 bezeichnet, 154 Deutsche ornithologische Gesellschaft: stehend und rüttelnd antrefie, von dem ein Unkundiger anzuneh- men pflege, dass er nur auf Mäuse Jagd mache. Ebenso schildert er die Krähen, wenn sie auch Nutzen stiften, indem sie hinter dem Ackerpfluge Engerlinge und dergl. schädliche Insecten und Larven vertilgen, als gar nicht für so harmlose Geschöpfe, denn sie wären gerade die ärgsten Feinde der im März, besonders an Misthaufen, abgesetzten jungen Hasen; auch hätten sie in diesem strengen Winter an den Gerstendiemen im freien Felde dadurch grossen Schaden angerichtet, dass sie fusstiefe Löcher in dieselben ge- oraben und die Umgegend auf 100 Schritte mit den verschleppten Gerstenähren oft haufenweise bedeckt hatten, so dass von vielen Seiten Beschwerden um Abhülfe bei den Jagdberechtigten einge- laufen seien. Hierauf lest Herr v. Krieger 2 Falken vor, ein junges kleines Männchen von Falco peregrinus und einen diesem ähnlichen, jedoch viel stärkeren Vogel, beide ebenfalls bei Sondershausen ge- schossen. Letzterer soll nach der Versicherung des Herrn v. Krieger ein Männchen sein, andernfalls erklärt Herr Cabanis, denselben für ein jüngeres Weibchen von Falco peregrinus nehmen zu müssen, während Herr Brehm andeutungsweise an Falco gyrfalco erinnert, er habe Gelegenheit gehabt, viele Vögel dieser Species in den nordischen Museen genau vergleichen zu können. Echte und besonders alte F! gyrfalco sind in den meisten Museen (mit Aus- nahme der nordischen) noch zu den Seltenheiten zu rechnen. Der F. gyrfalco bewohne ganz Skandinavien, Finnland, und gehe bis nach Sibirien hinein. Ferner legt Herr v. Krieger 1 Pärchen von Duteo vulgaris vor, das ebenfalls bei Sondershausen geschossen ist. Diese beiden Vögel zeigten annähernde Aehnlichkeit mit Buteo tachardus (deser- forum) und unterschieden sich von der gewöhnlichen dunkeln Va- rietät des gemeinen Bussards dadurch, dass sie kleiner und ge- drungener gebaut ‘und em viel intensiveres Roth des Schwanzes zeigten wie auch Roth unter den Flügeln. Beide sind auf ihrem semeinschaftlichen Herbstzuge, als Männchen und Weibchen zusam- mengehörig, in Zeit einiger Minuten auf der Krähenhütte ge- schossen worden. *) | *) Herr v. Krieger hat die vorstehend besprochenen Falken und Bussarde dem Berliner Museum überlassen und sind diese interessanten Stücke daher dem Forscher dauernd zugänglich gemacht. Bei dem Bus- sard scheint die Annahme gerechtfertigt, dass es sich um eine nordische Protokoll der XXXI. Monats-Sitzung. 155 Herr Brehm legt hierauf 2 „en relief“ dargestellte Vögel vor, Coracias garrulus und Garrulus glandarius, indem deren Federn von dem Maler Herrn Joseph Plaschke zu Landeck sorgfältig auf Papier geklebt und mit gemalter Umgebung versehen sind. Herr Plaschke empfiehlt sich zur Lieferung von dergleichen Dar- stellungen und bittet Liebhaber hierauf aufmerksam zu machen. Herr Brehm macht hierauf einige Mittheilungen aus dem Ber- liner Aquarium: Pphialtes scops hat daselbst Eier gelegt und Pa- laeornis torguntus brütet. Der Vortragende spricht alsdann über das sehr merkwürdige Abfärben der Federn von Corythaix Persa. Wenn diese Vögel sich in reinem Wasser badeten, war hernach eine Menge rother Farbestoff in dem Wasser aufgelöst, ohne dass die Federn deshalb an Glanz verloren. Herr Dr. Hellmann erwähnt, dass der Steinsperling (Petronia stulta) sich in letzter Zeit in der Umgegend von Gotha angesiedelt habe; und bemerkt hierbei Herr Bolle, dass der Steinsperling in Spanien fast ausschliesslich in hohlen Bäumen brüte, selbst da, wo ausgezeichnete Felsklüfte wären. } Bei einer Discussion über Präservativmittel wird von Herrn Hellmann als sehr bewährt befundenes Mittel zum Vergiften der Vogelbälge arseniksaures Kali in Wasser gelöst em- pfohlen. Man kann dasselbe sehr leicht aus Aetzkali und arse- niger Säure (Arsenieum album) darstellen. Fast allgemein macht sich in der Versammlung die Ansicht geltend, dass die s. g. Arsenik- oder B£&coeur’sche Seife das beste Präservativ sei und bleibe. Herr Cabanis bemerkt hierzu, dass, so allgemein bekannt dies Mittel sei, fast eben so unbekannt sei dessen Ursprung. In „Daudin, Traite d’Ornithologie“, im Jahre 1800 erschienen, befinde sich im I. Bande ein Capitel über Taxidermie und werde daselbst pag. 445 einiger Aufschluss gegeben. Die bezügliche Stelle laute: „Preöser- vatif invente il y a environ vingt ans par Becoeur, alors Apothe- caire & Metz, et nomme a cause de cela Savon arsenical de B£- coeur.‘“ Daselbst sei auch das ausführliche Recept zur Anfertigung dieser Seife gegeben. Schliesslich spricht Herr Cabanis über einige sibirische Syl- Loealrace handeln möge. Auch in gegenwärtigem strengen Winter (Januar 1871) sind uns nicht weniger als 5 sehr ähnlich gefärbte Vögel im Fleische zu Gesicht gekommen, welche sämmtlich von Jagdliebhabern in der Um- gegend von Berlin erlegt wurden. D. Herausg eber. 156 Deutsche ornithologische Gesellschaft: vien des Berliner Museums und legt verschiedene, von Herrn Dr. Dybowski in Sibirien gesammelte Exemplare zur Ansicht vor. Gestützt auf diese weist der Vortragende nach, dass Zocustella ochotensis Midd. keine eigene Art, sondern der junge Vogel von certhiola Pall. im ersten Herbstkleide sei. Phyllopneuste Schwarzi Radde dagegen stelle sich als gute, der fuscata Blyth ähnliche, aber grössere Species heraus. Locustella ochotensis anlangend, bestätige Herr v. Middendorf selbst die fast vollkommene Uebereinstimmung mit certhiola in Bezug auf Grösse und Färbung der Oberseite. Als Hauptunter- schied führe v. Middendorf dagegen an, dass die Unterseite bräun- licheanariengelb, statt weiss, gefärbt sei. Ferner führt Herr v. Mid- dendorf an „dass 6 erwachsene Exemplare seiner neuen Art um den 24. Juli herum geschossen wurden und ein flügges Junge mit eben hervorspriessenden Steuerfedern (erst im folgenden Monat,) am 6. August. Hiernach sei es einstweilen nicht zulässig, den vorliegenden Vogel für ein junges Thier von certhiola zu erklären.“ Wären die im Juli erlegten Exemplare in der That alte Vögel, so wäre die Schlussfolgerung des Herrn v. Middendorf richtig. Herr Cabanis hält sie indess für junge Vögel und glaubt aus den vorstehenden Umständen nur die Schlussfolgerung ziehen zu dürfen, dass certhiola im Jahre zwei Bruten mache. Die gelbliche, statt weisse, Färbung der Unterseite ist bei vielen Feinschnäblern charakteristisch für das erste Herbstkleid. Letzteres ist bei jungen Vögeln vieler Arten, so namentlich auch bei allen Laubvögeln, lebhafter und schöner gefärbt als bei den alten Vögeln. Selbst das erste Herbstkleid der weissen Bachstelzen, Motacila alba ete., zeigt sogar einen gelblichen Anflug auf der weissen Unterseite! Dies Färbungsgesetz ist bei Unterscheidung vieler kleiner Sänger hauptsächlich in Betracht zu ziehen. Der Vortragende hat darauf schon vor längerer Zeit hingewiesen. *) Auch bei Phyllopneuste Schwarzi Radde zeigt sich derselbe Unterschied zwischen Herbst- und Frühjahrskleid. Der junge Vogel ist von Radde kennlich abgebildet und charakterisirt, nach der Ab- bildung und Beschreibung des alten Vogels würde man aber bei der Bestimmung irregeführt werden.“*) Herr Cabanis findet den *) Vergl. Journal f. Orn. Jahrg. 1853, S. 95. Nota. **) Wir sagen nicht zu viel; denn Exemplare des Dr. Dybowski wur- den zur Bestimmung nach Petersburg gesandt und kamen als unbestimmbar zurück, D. Herausgeber. Protokoll der XXXI. Monats-Sitzung. 157 Grund dazu darin, dass Herrn Radde nur ein altes, sehr verflogenes Exemplar, also mit stark abgeblichenem und abgetragenem Gefie- der zur Beschreibung vorlag. Gute Exemplare von Phyllopneuste Schwarz! zeigen den schwärzlichen Streif durch’s Auge und den- selben Superciliarstreif eben so deutlich und breit wie Ph. fus- cata, mit welcher Art Schwarze überhaupt auch im Flügelbau die nächste Verwandtschaft zeigt. Der Vortragende hatte auf der Ver- sammlung deutscher Ornithologen zu Görlitz im Frühjahre 1870 nachgewiesen, das Phyllopneuste sibirica Midd. identisch sei mit Phyl- loscopus fuscatus Blyth. und hat seitdem gefunden, dass eine gleiche Ansicht bereits früher von G. R. Gray vertreten sei. Ph. Schwarzi ist bei aller Aehnlichkeit ein etwas grösserer, kräftigerer Vogel als fuscata, namentlich sind Schnabel und Füsse stärker. Im Herbst- kleide sind die Oberseite entschieden grünlich, die Unterseite ent- schieden gelblich angeflogen, After und untere Schwanzdecken stets _ intensiver rostgelblich. Auch im abgetragenen Hochzeitskleide bleibt das letztere Kennzeichen, und der Bürzel sowie die Flügel- und Schwanzfedern bleiben noch deutlich grünlich gerandet, während fuscata stets durch ihre mehr in’s Bräunliche ziehende Färbung ihrem Namen entspricht. Dass Ph. Schwarzi eine gute Species sei, unterliegt keinem Zweifel, jedoch lässt der Vortragende die Frage offen, ob der Vogel nicht bereits vorher unter anderem Namen als indische Art be- schrieben sei. Die Beschreibungen der zahlreichen indischen Laub- vögel seien zum Theil sehr mangelhaft und unkritisch, so dass es schwer halte, ohne Typen, danach sicher bestimmen zu können. — Golz. Bau. Cabanis, Secr. Protokoll der XXXIH. Monats-Sitzung. Verhandelt Berlin, Montag den 6. März 1871, Abends 7!/, Uhr, im Restaurant „Schlossbrauerei“, Unter den Linden No. 8. Anwesend die Herrn: D’Alton, Bau, Cabanis, Golz, Brehm, Bolle, Sy, Michel und Stoltz. Vorsitzender: Herr Golz. Protokollf.: Hr. Bau. Herr Brehm berichtet über Dr. A. Girtanner’s „Beitrag zur Naturgeschichte des Bartgeiers der Centralalpenkette‘ in längerem Vortrage, demi er seine eigenen über Gypaetos in Spanien 158 Nachrichten: gemachten Beobachtungen beifügt. Herr Brelm wird den spe- ciellen Bericht hierüber dem Journal zum Abdruck übergeben. Hierauf berichtet Herr Cabanis über die Fortsetzungen einiger ornithologischer Werke: „Dr. Bronn’s Klassen und Ord- nungen des Thierreichs, Abtheilung Vögel, bearbeitet von Dr. Se- lenka“, ist bis zur 6. Lieferung gediehen. Für die umfassende und ausführliche Bearbeitung des Werkes spricht der Umstand, dass die bisherigen 6 Lieferungen lediglich die Anatomie der Vögel behandeln und durch so instructive wie überaus zahlreiche Abbildungen den anatomischen Bau der Vögel illustriren. Von A. Fritsch, „Vögel Europas“, ist die letzte, 14. Lief. der Abbildungen erschienen und somit das bekannte Werk zu voll- ständigem Abschlusse gebracht. Bekanntlich sind sämmtliche 61 Tafeln mit 708 Abbildungen durch Farbendruck hergestellt und hat die bekannte Offiein in Prag hierin höchst Lobenswerthes geleistet. Zum Beweise dessen hat sich Herr Dr. Fritsch freundlichst erboten, dem Journale eine Tafel seines Werkes als Probe beizugeben und wird dieselbe einem der nächsten Hefte als Taf. III. beigefügt werden. Den Schluss der Sitzung bilden freie Discussionen. Golz. Bau. Cabanis, Secr. Nachrichten. An die Redaction eingegangene Sehriften. (Siehe Januar-Heft Seite 80.) 931. G. R. Gray. Hand-List of Genera and Speeies of Birds, distingui- shing those contained in the British Museum. Part I. Accipitres, Fissirostres, Tenuirostres and Dentirostres. London 1869. Part. Il. Conirostres, Scansores, Columbae and Gallinae. London 1870. — Vom Verfasser. 932. The Ibis A. Quarterly Journal of Ornithology. Edited by Alfred Newton, Prof., New Series, Vol. VI. No. 23, July, 1870; No. 24, October 1870, — Von der British Ornithologist’s Union. 933. The Ibis. A Quarterly Journal of Ornithology. Edited by Osbert Salvin. Third Series, Vol I. No. 1 January 1871. London: John Van Voorst. — Von der British Ornithologist’s Union. 934. M. Th. von Heuglin. Ornithologie Nordost-Afrikas Doppel-Liefe- rungen 18—19, 20—21. Verlag von Th. Fischer in Cassel. — Vom Verfasser. 935, Introduetion von: A Monograph of the Bueconidae or Scausorial Bar- bets, by C. H. T. and G. F. L. Marshall. The Plates drawn and lithographed by J. G. Keulemans. London 1870—71. 4to. — Von den Verfassern. 956. 938. 989. 940. 941. 942, 943: 944, 949. 946. Eingegangene Schriften. Druckfehler-Berichtigung. 159 W.v. Nathusius. Nachträge zu der Arbeit „Ueber die Hüllen, welche den Dotter des Vogeleies umgeben“. Mit Taf. XXVI—-XXVU. [Abdr. aus d. Zeitschr. für wissensch. Zoologie, XIX Bd. 3. Heft.] — Vom Verfasser. W.v. Nathusius. Ueber die Struetur der Moa-Eischalen aus Neu- Seeland und die Bedeutung der Eischalenstructur für die Systematik. Mit Taf. XI. [Abdr. aus d. Zeitschr. f. wissensch. Zoologie. XX. Bd. I Heft.] Ueber die Schale des Ringelnattereies und die Eischnüre der Schlangen, der Batrachier und Lepidopteren. Mit Taf. VII. [Abdr. a. d. Zeitschr. f. wiss. Zoologie. XXI. Bd.] — Von Demselben. Gottlieb. v. Koch. Die Stellungen der Vögel. Für Präparatoren, Ausstopfer und Freunde der Vögel. I. Heft. Mit 120 Figuren auf 10 Tafeln. Heidelberg 1871, bei Carl Winter. — Vom Verfasser. A. E. Brehm. Gefangene Vögel. Ein Hand- und Lehrbuch für Liebhaber und Pfleger einheimischer und fremdländischer Käfigvögel. Erster Theil: Die Stubenvögel, IV. Lieferung. — Vom Verfasser. Bronn’s Klassen und Ordnungen des Thierreichs wissenschaftlich dargestellt in Wort und Bild. Fortgesetzt von Dr. Em. Selenka. Mit auf Stein gezeichneten Abbildungen. Sechster Band. IV. Abthei- lung: Vögel, Aves. 2.—6. Lieferung. Leipzig und Heideiberg 1870. ©. F. Winter. — Von der Verlagshandlung. H. Bannister. A Sketch of the Classification of the American Anserinae. (From Proc. Academy Not, Se. of Philadelphia, Nov. 1870.) — Vom Verfasser. | Allen Hume. My Serap Book or Rough Notes on Indian Ornitho- logie & Oology. Part. I. Raptores. No. 2. London & Caleutta 1870, Edw. Bumpus. — Vom Verfasser. i Catalogue of African Birds in the Collection of R. B. Sharpe. Lon- don, 1871. — Vom Verfasser. Vietor Ritter vv. Tsehusi-Schmidhofen. Nucifraga caryoca- tactes L. Aufzeichnung der mir bekannt gewordenen Fälle von der Auffindung des Nestes und der Eier des Taunenhähers. [Aus d. Ver- handl. der zool.-botan. Gesellsch. in Wien, Jahrg. 1871.] — Vom Verfasser. Dr. A. Girtanner. Beitrag zur Naturgeschichte des Bartgeiers der Centralalpenkette. (G’ypaetos alpinus, Alpen-Bartgeier.) [Separatabdr. a. d. Verhandl. der St. Gallischen naturwissenschaftl. Gesellsch. 1869— 70] — Vom Verfasser. Die Praxis der Naturgeschichte. Ein vollständiges Lehrbuch über das Sammeln lebender und todter Naturkörper; deren Beobachtung, Erhaltung und Pflege im freien und gefangenen Zustand; Conser- vation, Präparation und Aufstellung in Sammlungen, ete. Nach den neuesten Erfahrungen und unter Mitwirkung Anderer bearbeitet von Phil. Leop. Martin. Zweiter Theil: Dermoplastik und Museologie oder das Modelliren der Thiere und das Aufstellen und Erhalten von Naturaliensammlungen. Mit 6 lithographirten Tafeln. Weimar, 187. Bernh. Fried. Voigt. — Von der Verlagshandlung. Druekfehler-Berichtigung. Seite 122, Zeile 12 von unten, lies Fringilla statt Emberiza. „ 124, „8 ,„ oben, lies alpina statt subalpina. Verlags-Anzeigen: Zu beziehen durch alle Buchhandlungen: Die Vogel-Fauna von Norddeutschland. Eine kritische Musterung der europäischen Vogel-Arten nach dem Gesichtspunkte ihrer Verbreitung über das nördliche Deutschland. Unter Benutzung der einschlägigen Literatur und nach eigenen Beobachtungen bearbeitet von Dr. Bernari Borggreve, Königl, Preuss. Oberförster und Docent an der Forstakademie zu Münden. Preis 25 Sgr. Dies Buch ist Allen, welche sich für die heimische Vogelwelt inter- essiren, unentbehrlich. Es enthält das in den letzten Decennien durch die Mitglieder der deutschen Ornithologen-Gesellschaft und andere Natur- forscher gesammelte, in der „Naumannia“ und im „Journal für Ornitho- logie“ etc. zerstreut veröftentlichte Material über das Herkommen der ein- zelnen Vogel-Arten in unserem Vaterlande, kritisch gesichtet und über- sichtlich zusammengestellt von einem Verfasser, der fast alle Gegenden Deutschlands persönlich durchforschte und daher ganz besonders in der Lage war, das Richtige vom Falschen zu sondern, das Fehlende zu er- gänzen und alles thatsächlich Feststehende zu einem einheitlichen Bilde zu verwenden. - Alle Zeitschriften ete. haben sich sehr günstig über die Arbeit ausge- sprochen. In der ©. F. Winter’schen Verlagshandlung in Leipzig undHeid el-. berg ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Gefangene Vögel. Ein Hand- und Lehrbuch für Liebhaber und Pfleger einheimischer und fremdländischer Jäfiguögel von A. E. Brehm. In Verbindung mit Baldamus, Bodinus, Bolle, Cabanis, Cronau, Fiedler, Finsch, von Freyberg, Girtanner, Golz, Grässner, A. von Homeyer, Adolf und Karl Müller, Schlegel, M. Schmidt, Stölker und anderen be- währten Vogelwirthen des In- und Auslandes. Erster Theil: Die Stubenvögel. J Erste bis dritte Lieferung. Das vollständige Werk wird in zwei Theile zerfallen, von denen der erste die Stubenvögel im engeren Sinne, der zweite die Parkvögel behandeln soll. Der erste Theil des Werkes wird etwa 30 Bogen in gr. Lex.-Octav stark werden. Von ähnlichem Umfange wird der zweite Theil sein. Die Ausgabe des Werkes geschieht in Lieferungen & 10 Ngr., so dass sich der Preis eines Bandes auf ungefähr 2%, 'Thlr. stellen wird. Druck von G. Pätz in Naumburg als Us EDEN SEID EEE VAT NE JOURNAL für ORNITHOLOGIE. Neunzehnter Jahrgang. Die Vögel Böhmens. Von Dr. .Anton Fritsch in Prag. [Herr Dr. Fritsch, Verfasser des kürzlich vollendeten bekannten Werkes „die Vögel Europas“, veröffentlicht gegenwärtig, gestützt auf langjährige Er- fabrungen, in dem „Archiv für die naturwissenschaftliche Landes- durchforsehung von Böhmen“ eine schätzenswerthe Zusammenstellung der „Wirbelthiere Böhmens“. Das Folgende begreift die Abtheilung der Vögel. Indem wir dieselbe dem ornithologischen Publikum zugänglich zu machen wünschen, verweisen wir für die Synonymie und das Weitere in Bezug der einzelnen Arten zugleich gern auf das oben angeführte ausführliche Werk des Verfassers. Der Herausgeber] Mit einem dichten Schleier ist uns der Blick in die Vogelwelt der früheren Schöpfungsperioden verhüllt. Während man in Amerika riesige dreizehige Spuren aus der Triasperiode als die von Vögeln zu deuten versucht, findet man in Deutschland im lithographischen Kalkmergel der Juraformation Reste befiederter Wesen, die aber noch manche Kennzeichen von Eidechsen an sich tragen. Erst aus der Tertiärzeit kennt man namentlich aus dem Gypse des Pariser Beckens Skelette wahrer Vögel, deren Vorfinden man aber zu den äusserst seltenen Ereig- nissen zählen muss. Bei diesen Verhältnissen darf es uns nicht wundern, wenn wir in Böhmen auch keine Spur von dem einstigen Vorhandensein der Vogelwelt finden. Da wir uns aber nicht recht z. B. die üppigen Wälder der Braunkohlen-Periode ohne alle befiederten Geschöpfe vorstellen können, so müssen wir nach der Ursache fragen, warum sich von Allen, was da flog und sang, nichts in den Schichten der Erde erhalten hat. Cab. Journ. f. Omith, XIX. Jahrg. No, 111. Mai 1871, 3 EI RR 162 Dr. Anton Fritsch: Eine theilweise Antwort finden wir in der Thatsache, dass wir auch heutzutage nur äusserst selten im Freien einen todten Vogel finden. Der sterbende Vogel verkriecht sich in Schlupf- winkel von Felsen und Bäumen, um dort im [rockenen zu ver- modern, und selbst Wasservögel, wenn sie angeschossen sind oder ihr Ende ahnen, eilen aus dem Wasser, und so bleiben ihre Skelette nicht im Schlamme conservirt, sondern verschwinden am Trockenen bald zur Gänze. Unsere Erfahrungen sind auch arm in Beziehung auf das etwaige Aussterben der einzelnen Arten der Vögel, welche die jetzige Schöpfungsperiode angewiesen hat, in Böhmen zu leben. Nur unsicher sind unsere Vermuthungen, dass noch in den letzten Jahrhunderten die Pelikane und die Kormorane bei uns regelmässig vorkamen und dass besonders die grossen Raubvögel sowohl der Zahl der Arten, als auch der Individuen nach häufiger waren. Heutzutage, wo uns schon seit einer Reihe von Jahren ge- machte sichere Beobachtungen zu Gebote stehen, sehen wir die Abnahme der Arten, wie auch der Individuen deutlich. Nament- lich ist seit der Trockenlegung zahlreicher Teiche eine ziemliche Anzahl von Sumpf- und Wasservögeln aus dem Verzeichnisse der Gäste und der Brutvögel zu streichen, denn keine grossen Wasser- spiegel locken die ersteren während des Zuges zum Einfallen und die ietzteren finden ihre früher mit Schilf und Weidengebüsch bewachsenen Lieblingsorte nicht mehr, sondern an ihrer. Stelle fruchtbare Rübenfelder. Ich will es jetzt versuchen, in einigen Bildern den: jetzigen Stand des Vogellebens in Böhmen zu schildern. Wir wollen zuerst die fruchtbaren Niederungen der Haupt- ströme, der Elbe und der Moldau, betrachten, um uns dann zu dem Treiben des Wassergeflügels auf den Teichen zu wenden und nachdem wir auch den Wald der gebirgigen Gegenden durch- wandert, einen Besuch dem Riesengebirge und dem Böhmerwalde abzustatten. | Wandeln wir an einem warmen Frühlingstage an den üppigen Feldern vorbei, die hauptsächlich dem Schwemmland der Elbe und der Moldau ihre Fruchtbarkeit verdanken, so‘ vibrirt förmlich die Luft von dem Gesange der Lerchen, welche der Zahl nach gewiss die häufigsten Vögel Böhmens sind. | An den händern tiefer Hohlwege heisst uns die zahme Die Vögel Böhmens. 163 Schopflerche willkommen oder es flieht vor uns der Brachpieper. Schaaren von Saatkrähen fallen auf die Felder ein, um sie vom schädlichen Ungeziefer zu reinigen. Ueber dem Brachfelde rüttelt ein Thurmfalke, um eine Maus zu erspähen, und die Schwalben fliehen mit Geschrei vor dem nahenden Lerchenfalken. Im Ge- büsch längs des Waldrandes singen die Grasmücken, und der rothrückige Würger sitzt an einem vorstehenden Aste und verräth durch sein Geschrei das Nahen von etwas ungewöhnlichem. Aus dem nahen Garten des Dorfes, dessen Bäume in der herrlichsten Blüthe stehen, ertönt das eintönige: ‚‚kli, kli, kli, kli“ des Wende- halses und der muntere Schlag des Finken wechselt mit der gel- lenden Stimme des Grünlings. Aus dem Gestrüpp, das die Dorfgärten umsäumt, hört man das Getreibe des Hausspatzen, am Schornstein des Wohnhauses singt fleissig der Hausröthling sein zwitscherndes Lied und die lebhafte Bachstelze läuft der Dachfirste entlang. Im Stalle hat die Dorfschwalbe bereits ihr altes Nest gefunden und die Stadtschwalbe klebt das ihrige fleissig an die Verzierungen irgend eines modernen Gebäudes. Der Weg führt uns an einer feuchten Wiese vorbei, wo die grosse unbeholfene Grauammer uns mit ihrem widerlichen Ge-- zwitscher belästigt und die gelbe Bachstelze durch das prachtvolle Gelb ihrer Brust ergötzt. Eintönig erschallt der kreischende Ruf des Wachtelkönigs und munter der Schlag der Wachtel; aus der Ferne vernimmt man auch den Wiedehopf und den Kukuk. Ein eigenes Leben finden wir längs der Strassenalleen, gleich- viel ob sie aus kräftigen Obstbäumen oder aus schlanken Pappeln bestehen. Während der schwarzstirnige und rothköpfige Würger von ‚einem Baume zum andern vor uns flieht, lassen andere minder scheue Arten ruhig an sich herantreten und setzen ihren Gesang auch fort, wenn man sie ruhig beobachtet. Zu diesen ge- hören namentlich der Gartenrothschwanz und der braunkehlige Wiesenschmätzer, welche beide sich auch mit den neumodischen Telegraphendrähten ganz gut befreundet haben und auf ihnen gleich vielen anderen kleinen Vögeln ihre Lieblingsorte sich wählen. Wenden wir uns der Elbe zu, so treffen wir zuerst lange, mit Weidengestrüpp und Sumpfpflanzen umwachsene Wasserstrecken, ' welehe nichts anderes sind als die alten Flussbeete, die entweder nach grossen Ueberschwemmungen vom Hauptstrom verlassen wurden oder dadurch entstanden, dass die Navigationsbauten sie 11* 164 Dr. Anton Fritsch: vom Flusse abgeschnitten haben. Hier bietet sich dem beob- achtenden Ornithologen ein reges Leben, besonders im Bereiche der Singvögel, dar. Die unermüdlichen Rohrsänger wiederholen fleissig ihren Gesang fast bei Tag und Nacht. Wir kennen bisher nur den Sumpf- und Schilfrohrsänger, von da aber gewiss wird man hier noch manche andere Art entdecken können, z. B. den Flussrohrsänger. Auf dem feuchten Boden unter dem Weidengebüsch hüpft das Blaukehlchen und da wo die alten Flussbeete an niedere Ge- hölze anstossen — hier ist diewahre Heimath der Nachti- gall, die sich besonders längs der ganzen Elbufer von Brandeis über Elbekostelec bis nach Melnik hinzieht. Der strömende Fluss hat auch seine steten Bewohner. Der prachtvolle Eisvogel rüttelt gleich einem blauen Sterne über dem Wasserspiegel, um ein Fischchen zu erspähen; auf den sandigen und mit Gerölle bedeckten Ufern lassen die Flussregenpfeifer und die Flussuferläufer besonders Früh und Abends ihre Stimme hören, und zur Zugzeit ist es ausser manchen anderen Schnepfenarten besonders der helle Wasserläufer, der sich da bemerkbar macht. Die Lachmöve, deren wahre Heimat wir erst kennen lernen werden, treibt sich in einzelnen Paaren längs der Flüsse und brütet auch an ruhig gelegenen Inseln oder Ufern. Viel seltener erscheint da auch die Flussmeerschwalbe. Auch der kleine Taucher wählt zuweilen ruhige Partien des strömenden Flusses zu seinem Aufenthalte. Ein ganz anderes Bild liefern die genannten Gegenden im Herbste. Die Singvögel stellen bereits ihren Gesang ein und lassen nur noch ihre Lockstinnien vernehmen, Viele zarte Gras- mücken, der Baum und Wiesenpieper, selbst Rohrsänger besuchen auf dem Zuge die Gemüse und Kartoffeifelder. Die Wauderfalken, die Habichte und zuweilen auch die Milane besuchen fleissig die Fasangärten oder plündern die Remisen, während der letztere be- sonders gern die Geflügelhöfe besucht. Der Finkensperber, dem seine Sommerwohnung im Walde nicht mehr gefällt, decimirt die Sperlinge mit einer Dreistheit, die ihn selbst zuweilen in Gefahr versetzt. Bei den Rebhühnerjagden tritit man die Sumpfohreule beim Mäusefangen in Kartoffelfeldern an, und vom geackerten Felde fliegen Gold- und Mornellenregen- pfeifer auf oder es läuft der behende Triel dahin. Des Abends auf dem Anstande nıeldet uns ein starkes Brausen Die Vögel Böhmens. 165 das Nahen eines Zuges von Saat- und Ackergänsen und hoch in der Luft pfeifen die Brachvögel; der Waldkauz überrascht uns durch sein geräuschloses Erscheinen und während der Steinkauz sich von der alten Eiche hören lässt, hat auch schon die Schleier- eule ihren ruhigen Ort auf dem Kirchboden verlassen und spähet in der Nähe des Dorfes nach Mäusen umher. Ist aber der Winter mit seiner ganzen Strenge angerückt, wenn der Schnee hoch liegt und die meisten Gewässer zufroren, hat sich auch der Typus der Vogelwelt ganz verändert. Mäuse- Bussarde verlassen den Wald und ziehen mit den aus dem hohen Norden angekommenen Rauchfussbussarden über die Ebenen hin um ein jedes Mäuschen, das sich aus seinem Verstecke wagt, zu erhaschen, oder sich auch an Rebhühnern zu vergreifen. In Feld- hölzern sitzen zusammengekauert ganze Haufen von Ohreulen. Die Krähen und Raben kommen auf die Strassen, um mit Goldammern und Schopflerchen sich um die spärliche Nahrung, die ihnen der Pferdemist bietet, zu theilen. Schaaren von Schnee- ammern finden sich in manchen Jahren auch ein, und die zier- lichen Seidenschwänze beleben in manchen Wintern in Unzahl die Strassenbäume. “ In den Obstgärten stöbern Gesellschaften von verschiedenen Meisenarten mit Baumläufern und Goldhähnchen umher und dieser munteren Sippschaft gesellt sich auch der kleine Buntspecht oder der Kleiber oft zu. Erquickend ist zu dieser Zeit der Gesang des Zaunkönigs, den er von dem mit Reif bedeckten Gestrüppe der Gartenzäune ertönen lässt. | Lebhaft geht es an offenen Stellen der Ströme zu, wohin die verschiedenen Entenarten einfallen. Man trifft hier von den ein- heimischen besonders die Pfeifente, von den nordischen Gästen die Schellente, Bergente, Sammetente und die Segerarten an, und als grosse Seltenheit fallen auch Eisenten und Trauerenten ein. Während und nach dem Eisgange erscheinen die riesigen Eis- taucher am Flusse, um im Trüben zu fischen. Wollen wir das Leben des Wassergeflügels recht kennen lernen, so müssen wir jedenfalls nach dem südlichen Böhmen gehen und Frauenberg auf einige Zeit zu unserm Hauptquartier machen, denn längst sind die herrlichen Teiche der Herrschaft Pardubic trocken gelegt, die in früheren Zeiten an Artenreichthum die Teiche der Budweiser Ebene bei weitem übertrafen, 166 Dr. Anton Fritsch: Nähern wir uns im Mai der Gegend zwischen Strakonie und. Protivin, so staunen wir über die nach Hunderten zählenden Schaaren der Lachmöven, und der auf der Wiese herschreitende Storch er- innert uns, dass wir in eine andere ornithologische Region ge- kommen sind, von der sich etwa erwarten lässt, dass sie für einen im mittleren Böhmen wohnhaften Naturforscher manches Neue bieten wird. | | Am Ziele angelangt, haben wir von den mit riesigen Eichen bewachsenen Dämmen der Teiche aus die herrlichste Gelegenheit zur Beobachtung der Vogelwelt. Zuerst fallen uns die zahlreichen Blässenten auf, die man überall und immerwährend sieht und hört; ihnen gesellen sich auch die Teichhühner an, während man die Wasserralle und das kleine und gesprenkelte Sumpfhuhn nur bei Jagden zu sehen bekommt. Auf den stärkeren Aesten der Weidengebüsche klettert behende die kleine Rohrdommel, und der niedliche Gesang von Sumpf- sängern, untermischt mit dem der Rohrammer, wird plötzlich durch das unbändige Geschrei des Drosselrohrsängers gestört. Nur vorsichtig kommen aus dem Rohre und Schilfe die da- selbst brütenden Knäck- und Krickenten und auf grösseren Teichen auch die Moorente, Spiessente sowie die grossen Haubentaucher und die scheuen Ohrentaucher. Man verwundert sich, dass alle diese Vögel gar keine Furcht vor dem Flussadler zeigen, der eben einen Fisch am Teichrande erwischt hat, und wie alles mit Geschrei flieht, taucht und rudert, sobald sich am Horizonte eine Rohrweihe gezeigt hat. Die schwarze Meerschwalbe fliegt emsig und gewandt über: dem jungen Schilf, wo auch später ihre Brut zu finden sein wird, und zum Ermüden schwingt sich der um sein Nest besorgte Kiebitz in der Luft hin und her mit lautem Geschrei. Das Erscheinen einer Krähe bringt eine ganze Kolonie von brütenden Gambett- Wasserläufern in Aufregung, die dann mit kläglichem Gepfifie über den lästigen Gast einherfallen. Im nahen Hochwalde brütet der Schreiadler und weiter 'ent- fernt zuweilen der Seeadler, welcher sich auch sonst als Gast fast jedes Jahr einstellt. Der Reiher legt sein riesiges Nest auf Bäume und in seiner Nähe brüten die Staare, um sich im Herbste, in un- zählbaren Schaaren versammelt, zur Nachtruhe auf die mit Schilf bewachsenen Teiche zu stürzen. Des Abends vernimmt man noch die Stimme mancher Vogel- Die Vögel Böhmens. 167 art, die während des Tages unserer Beobachtung entgangen ist; dumpf brüllt die Rohrdommel aus der Ferne. Die Stockenten fliegen von einem Teiche auf den andern, und die unermüdlichen Teichsänger singen immer noch, wenn wir schon gar nichts mehr sehen und nur den grossen Chor der Frösche hören. ' Zur Zugzeit erkennt der erfahrene Forscher besonders bei Tagesanbruch die Stimme manches seltenen Gastes und besonders auf den schlammigen Ufern der halb oder ganz abgelassenen Teiche wimmelt es oft von Schaaren der kleinen Alpenstrandläufer, unter denen auch die bogen- schnäbligen Strandläufer vorkommen. Im Herbste laufen. hier be- sonders die dunklen Wasserläufer umher und die Kampfhähne führen hier im Frühjahre ihre merkwürdigen Kämpfe. Wo an solchen Stellen eine vereinzelte kleine Schnepfe sich zeigt oder ein Pärchen, das mit den übrigen nichts haben will, da kann man überzeugt sein, dass es etwas seltenes ist. Auf sumpfigen Wiesen fliegen im Herbste vor unseren Schritten zahlreiche Moosschnepfen und gemeine Bekassinen auf, aber nur selten eine vereinzelte grosse Sumpfschnepfe, die sogenannte. Doppel- bekassine, welche bald wieder einfällt. Zur Nachtzeit sammeln sich im Oktober Hunderte von Wildgänsen auf manchen Teichen, die sie besonders lieben, und wenn sie bei Anbruch des Tages den rothen Hund gewahr werden, welcher auf einer kleinen Insel hin und her läuft, da kommen die neugierigen Gänse ganz nahe heran, um: von. der tödlichen Salve von 30 verborgenen Schützen begrüsst zu werden. | Der Herbst und besonders der Winter, führt den Teich- gegenden noch manchen neuen Vogel zu als Ersatz für die, welche uns verlassen, um im Süden einen angenehmeren Aufenthalt zu finden. Es kommen nordische Enten und Eistaucher, denen unser Winter noch ganz erträglich erscheint. Sie begeben sich. nach voll- ständigem Zufrieren der Teiche auf die offenen Stellen der Flüsse, wie wir schon weiter oben gesehen haben, Einzelne Seemöven, die durch Stürme verschlagen den Weg zum Meere nicht wieder finden können, treiben sich an den Teichen umher und die ganz ermattete Raubmöve wird .oft auf Feldern mit Steinen erschlagen. Müde des Flachlandes und der einförmigen Wasserflächen, wenden wir uns den bewaldeten gebirgigeren Gegenden unseres Vaterlandes zu. 168 Dr. Anton Fritsch: Der Wespenbussard begrüsst uns in der Luft kreisend bei unserer Ankunft im Walde mit seiner pfeifenden Stimme; weit hin schallen die Lieder der Singdrossel und der Schwarzdrossel von den Gipfeln hoher Bäume und im Unterwuchs vernimmt man das bescheidene Rothkehlchen. Die Stille des tieferen Waldes wird an nichdhen Orten nur durch das sanfte Zwitschern der Goldhähnchen unterbrochen und zu gewissen Stunden ziehen kleine Haufen von Tannen- und Haubenmeisen von einem Baume zum andern. Lässt sich irgendwo etwas Schädliches sehen, sogleich lassen die Kleiber ihren hellen Warnungston erschallen und aufgeschreckt flieht mit durch- dringendem Geschrei der Schwarzspecht vom verdorrten Gipfel der hohen Eiche. Eintönig hört sich der Pfiff des Gimpels an und kreischend schallt durch den Wald die Stimme des Nuss- hähers. Am Gipfel einer felsigen Partie steht die Ruine eines alten Schlosses, und statt der alten Ritter beleben jetzt das öde Mauer- werk die Dohlen und die Mauerschwalben, während zur Nacht- zeit von da „die wilde Jagd“, die Stimme des Uhupärchens, die Schrecken der einsamen Waldpartie erhöht. Auf der kahlen mit spärlicher Vegetation bedeckten Waldlehne lodelt die Heidelerche ihr melodisches Lied, der schwarzköpfige Wiesenschmätzer sitzt am Gipfel des Wachholderstrauches und der Baumpieper singt in die Luft steigend mit aller Kraft, um seinen Namen Waldkanari zu rechtfertigen. Aus den dichten Heidelbeeren fliegt ein Birkhuhn auf ung die ganze Lage der Gegend erinnert uns, dass hier zur Balzzeit auch der Auerhahn sich wohl einfinden mag. Als wir wieder in den Wald treten, bäumt das Haselhuhn auf, um sich mit gesträubtem Federbusche nach dem Störenfried um- zusehen, weiter hin finden wir an einer freundlichen Waldblösse die in ihrem Brutgeschäft gestörte Waldschnepfe, wie sie uns mit ihrem grossen klugen Auge betrachtet. Der rieselnde Bach, der in der steinigen Schlucht des Laub- waldes sich dahin zieht, hat auch seine eigenthümliche Vogelwelt. Die Wasseramsel stürzt sich nach einem Fische gegen den Strom in’s Wasser, um weit vorne hin wieder zum Vorschein zu kommen, die Gebirgsbachstelze eilt von einem aus dem Wasser hervorragenden Felsblock zum andern. An den Erlen des Bachufers vernimmt man die: Lockstimmen Die Vögel Böhmens. 169 und den Gesang der kleinen Laubvögelarten. Zum Baden und zur Tränke finden sich hier ausser vielen der bereits genannten Waldbewohner auch die Hohl- und Ringeltaube, die Misteldrossel, die Sumpf- und Schwanzmeise ein. Und ist der erste Herbsttag erschienen, da geht das Vogel- stellen los: die rothen Vogelbeeren zeigen uns im Walde die Spur des Dohnensteiges, in welchem ausser den Wachholder- und Wein- drosseln auch mancher fleissige Sänger, die Singdrossel und die Amsel, ihr trauriges Ende findet. Am Vogelherd fallen Hunderte von Quäkern (Bergfinken) ein und von Flachsfinken mehr als dem Vogelsteller lieb ist. Und selbst die nützlichen Meisen fallen massenhaft der Raub- gier des Menschen anheim, der wegen eines unbedeutenden augen- blicklichen Genusses nicht den unermesslichen Schaden sieht, den er durch Vertilgung von Hunderten der emsigen Säuberer der Wälder anrichtet. Am Rande eines alten Eiehenbestandes treffen wir ein paar Mandelkrähen und die schlaue Elster kehrt heim von der Plünde- rung der Nester, in welchem Geschäfte sie auch von der Nebel- krähe und ihrer schwarzen Abart (die früher der gemeine Rabe genannt wurde) unterstützt wird. Der Grünspecht fliegt laut schreiend von der einzeln stehenden Eiche dem Walde zu, während der Buntspecht einen Baum nach dem andern durchmustert, wobei er sich mehr durch sein Klopfen als durch die Stimme bemerkbar macht. Von kleineren Vögeln können wir hier den grauen und schwarz- köpfigen Fliegenschnäpper antreffen und an einer sonnigen mit Gebüsch bewachsenen Lehne auch den schnarrenden Lockton der Sperbergrasmücke vernehmen. Nur äusserst selten kann es uns gelingen, dass wir in einsamen Waldungen den kurzzehigen Schlangenadler antreffen. Die zahlreichen isolirt stehenden Basaltkuppen des Mittel- gebirges haben einen der shönsten Sänger aufzuweisen, die Stein- drossel oder den einsamen Spatzen. Er nistet z B. am Mileschauer, an den Bösigen und an ähnlichen Orten, während er von den steilen Moldauufern, die er selbst unweit Prag bewohnte, ganz vershwunden zu sein scheint. | Von den unser Land umsäumenden Gebirgen hat der Böhmer- wald nur eine Eigenthümlichkeit aus der Vogelwelt und dies ist die daselbst brütende Habichtseule, und sein ornithologisches Interesse 170 Dr. Anton Fritsch: dürfte bedeutend gewinnen, wenn es gelingen möchte, daselbst den Taunenhäher brütend anzutreffen. Während das böhmisch-mährische Gebirg sowie das Erzgebirge nichts Besonderes aufzuweisen hat, was den Ornithologen anlocken könnte, ist es der hohe Kamm des Riesengebirges, welcher in Mittel-Europa einer der interessantesten Punkte für ornithologische Beobachtungen ist. Eine ganze Reihe von bewährten Fachmännern, Gloger, Homeyer, Tschusi, haben bereits wiederholt Reisen dahin unternommen und unsere Kenntniss der dortigen Vogelwelt sehr ver- vollständigt. Die auffallendste 'Thatsache ist, dass daselbst der Mornellen- Regenpfeifer (die Bierschnepfe) brütet, was doch nirgend anderswo in Europa unter dem 67. Grade nördlicher Breite geschieht, und man könnte dies mit manchen anderen Erscheinungen aus der Pflanzenwelt vergleichen, welche die Botaniker als Ueberbleibsel aus der Eiszeit betrachten. Die Alpenbraunelle und der Wasserpieper haben auch weit und breit keine anderen Brutplätze aufzuweisen als hier, und unter der Region des Knieholzes brütet auch die Ringdrossel, welche von da im Winter herabsteigt und sich hie und da im Lande her- umtreibt. In den grossen Waldungen am Fusse des Riesengebirges brü- tete sonst auch der Steinadler, aber es ist ihm jetzt auch da zu unruhig geworden und die Exemplare, welche hie und dain Böhmen erlegt werden, scheinen nur aus den Karpathen auf Besuch ge- kommen zu sein. Bevor ich diese Schilderung unseres Vogellebens schliesse, muss ich noch einiger neuen Zukömmlinge Erwähnung thun, die in früheren Jahren entweder gar nicht oder nur sehr selten bei uns vorkamen, aber jetzt immer häufiger werden. Es ist das der Hor- tolan, der im Sommer im Elbthale bei Melnik sowie im Egerthale in Obstbaumpflanzungen vorkommt und der Girlitz, der im östlichen Böhmen, vom Riesengebirge bis nach Budweis hin jedes. Jahr häufiger wird, aber bei Prag bisher noch fehlt. Als Brutvogel bürsert sich bei uns immer mehr und mehr auch die Weachholderdrossel (Kronovet) ein, die früher blos im hohen Norden nistete und nur auf dem Zuge zu uns kam. Aus dieser freilich noch sehr lückenhaften Schilderung ergiebt sich, dass dem beobachtenden Naturforscher sich überall und zu jeder Jahreszeit reichliche Gelegenheit bietet, das angenehme Stu- Die Vögel Böhmens. 171 dium der Ornithologie in Anwendung zu bringen, und es wäre zu wünschen, dass an recht zahlreichen Orten Böhmens gute Beobachter | des Vogellebens sich heranbilden möchten — dann wird mit der Zeit nach Vereinigung von neu eingesammelten Erfahrungen eine neue Schilderung die jetzt gelieferte bei weitem übertreffen. Bei der Zusammenstellung des nachstehenden Verzeichnisses der Vögel Böhmens hatte ich mich viel zahlreicherer literarischer Hülfsmittel zu erfreuen und konnte auch mehr Sammlungen benützen, als dies bei den Säugethieren der Fall war. Die ältesten Daten finden wir wieder bei Balbin Miscellanea regni Bohemiae, pag. 148—131, und es dürfte den Lesern ein kurzer Auszug aus dieser ornithologischen Erstlingsarbeit will- kommen sein. Cap. 65. Ueber das Fangen von Adlern am Georgsberge bei Raudnitz. Von der Vorzüglichkeit der böhmischen Jagdfalken. Trappen in Böhmen gefangen. 3 Cap. 66. Ueber den Zug der Zeisige, über Grasmücken, Drosseln und andere Vogelarten, die immer in 7 Jahren Böhmen besuchen. Von dem Zuge unserer Vögel überhaupt. Cap. 67. Vom Fange der Lerchen, und wie es möglich ist ihrer 800—900 auf einmal zu fangen; dasselbe von Rebhühnern. Cap. 68. Von weissen Sperlingen, Lerchen, Schwalben und Dohlen. Ueber einige Zugvögel. Ein kleiner Storch: wurde gesehen und Wasserraben. Cap. 69. Aufzählung von Vögeln, die bei. uns geboren werden und. bei uns leben. Weisser Pfau, Auerhähne, Papageien, Hasel- hühner, Drosseln, Staare, Schwäne, Gänse, Eisvögel, Sumpf- schnepfen, Kreuzschnäbel u. s. w. Cap. 70. Ueber Fasanen und Fasangärten in Böhmen. Von der Dummheit der Fasanen, Auerhähne und Birkhühner, Ueber Hühnerhunde, Cap. 71. Ueber einen böhmischen Vogel, welchen die Deut- schen Behemle oder Böhmerle, Gessner aber Garrulum bohemi- cum, nennen, den wir aber Brkoslav, Aldrovandus jedoch Ampelis benennt. In Cap. 72 werden mit besonderem Fleisse die sämmtlichen Vögel Böhmens aufgezählt. Hier zählt Balbin etwa 130 Arten auf und die böhmischen Namen sind mit wenigen Ausnahmen heute noch beim Volke 172 Dr. Anton Fritsch: gebräuchlich. Die Fledermaus zählt Balbin auch noch zu den Vögeln und führt nur eine Art an. Als ich bemerkte, dass in verschiedenen böhmischen natur- historischen Werken, namentlich durch Presl und Amerling, neu- seformte Namen der einheimischen Vogelarten eingeführt werden, obzwar dieselben gute alte Benennungen im Volke haben, sammelte ich die letzteren und veröffentlichte sie mit ihren lateinischen und deutschen Namen in der Museumszeitschrift 1851. Bald darauf erschien: Systematische Uebersicht der Vögel Böhmens, mit Angabe ihres Vorkommens, Strichzeit, Brütens und einer lateinisch-deutschen und böhmischen Synonymie von Dr. A. Palliardi, Brunnenarzt in Franzensbad. (1852. Leitmeritz. C. W. Medau.) Diese schätzenswerthe Arbeit enthält eine gute wissdhschäftkiel Aufzählung der Vögel Böhmens und besonders genaue Angaben über das westliche Böhmen, und meine nachfolgende Arbeit kann nur als eine Ergänzung derselben betrachtet werden, denn wo die Beobachtungen Palliardis enden, etwa im Jahre 1850, da begann ich meine ornithologische Thätigkeit, die ich die nächsten 20 Jahre fortsetzte. Die ersten Anfange meiner Privatsammlung, die ich später unserm Museum zum Geschenk machte, reichen bis in das Jahr 1844, wo ein Theil der Sammlung des Forstmeisters Liebig von meinem Vater angekauft wurde. Seit der Zeit besuchte ich täglich den Vogel- und Wildpretmarkt, erlernte aber das Ausstopfen erst im Jahre 1848, von wo an ich auf das Eifrigste sammelte, so dass meine Sammlung in wenigen Jahren auf 400 Stück 'anwuchs. Nach ihrer Uebertragung in’s Museum sollte sie als Grundlage zur selbstständigen einheimischen Sammlung dienen, musste aber bald aus räumlichen und finanziellen Gründen in die allgemeine Sammlung eingereiht werden. - Zu gleicher Zeit sammelte bei Prag und bei Rumburg mein Freund Em. Lokaj, dem ich für eine lange Reihe werthvoller Mit- theilungen zu besonderem Danke verpflichtet bin. Vielfache Belehrung boten mir einige Privatsammlungen und zwar: l. Die Sammlung des verstorbenen Herrn Joh. Woboril (jetzt im Besitze des Herrn Ant. Richter in Königsaal); sie entstand auf dem Landgute Klecan bei Prag und enthält die prachtvollste Suite von Würgfalken, die je ein Museum aufzuweisen hatte, sowie viele seltene, im mittleren Böhmen erlegte Arten, Die Vögel Böhmens, 173 ‘2. Die Sammlung des Obersten Feldegg, welche leider später durch stückweise Veräusserung zersplittert wurde und aus der ich nur einzelne Seltenheiten für unser Museum retten konnte, Die- selbe enthielt manche kostbare Arten, die bei Karlsbad und Fran- zensbad erlegt wurden. 3. Die Sammlung des Dr. Palliardi in Franzensbad, welche die Belege für die meisten in seiner obigen Schrift aufgeführten Arten enthält. 4. Das Museum des Fürsten Schwarzenberg auf dem Jagd- schlosse Wohrad bei Frauenberg enthält eine überaus reiche durch die Meisterhand des H. Fasanjägers Spatny ausgestopfte Sammlung der auf den fürstlich-schwarzenbergischen Herrschaften erlegten Vögel (221 Arten in mehr als 2000 Exemplaren). Die Wichtigkeit dieser Lokalsammlung, welche ein gutes Bild des südlichen Böh- mens bietet, wird aus den häufigen Berufungen in der nachstehenden Arbeit ersichtlich sein. 5. Die Kablikische Sammlung entstand in Hohenelbe haupt- sächlich durch den Eifer des Herrn Anton Fierlinger, welcher bereits im Jahre 1832 zu sammeln begann und auch wichtige Daten über Vorkommen und Brutorte sammelte und in dem Kataloge der Sammlung, welche von der verstorbenen Frau Kablik dem Gymnasium zu Jicin vermacht wurde, niederlegte. 6. Die Sammlung des H. Hromadko, emeritirten Kreiswundarzt zu Pardubic, enthält über 800 Stück meist auf den ehemaligen Teichen der Herrschaft Pardubie erlegten Vögel in ausgezeichnet von ihm selbst ausgestopften Exemplaren. Der äusserst sorgfältig geführte Katalog enthält genaue Angaben über Zeit und Ort der Erlegung, was den Werth der Sammlung bedeutend erhöht. 7. Sammlung des Apothekers Mendik in Pardubic, jetzt im Besitze der Realschule daselbst, zählt über 700 Stück in der Gegend von Pardubic erlegte Vögel. 8. Sammlung des Herrn Hugo Osterdal, Förster in Pohled bei Chrudim. Dieser als der beste Schütze weit und breit be- kannte eifrige Sammler lebte früher in der Gegend von Pardubic und lieferte viele Seltenheiten dem H. Hromadko, jetzt versorgt er besonders das hübsche Museum zu Chrudim. 9. Sammlung des Med. Dr. Schier in JiCin enthält über 300 in der Umgebung erlegte Vögel, unter denen besonders die von den Teichen bei Kopidlno interessant sind. 10. Die Sammlung der Realschule in Ji&in enthält auch durch 174 Dr. Anton Flritsch: Herrn Professor Kazbunda gesammelte, nett präparirte 300 Stücke aus derselben Region wie die Sammlung des Dr. Schier. il. Sammlung des H. Zimmermann in Bensen enthält viele Seltenheiten aus dem basaltischen Mittelgebirge und der böhmischen Schweiz. 12. Sammlung des H. Hoffmann, Gutsbesitzer in Podebrad, ent- hält meist an der Elbe und ihren Niederungen erlegte Arten, deren auch im Nachstehenden mehrfach Erwähnung gethan werden wird. 13. Sammlung des H. J. M. Schary, Bräuereibesitzer in Prag, enthält über 200 meist in der Gegend von Prag und Pürglitz erlegte Exemplare. 14. Die Sammlung des Förster Sike$ in Kost bei Sobotka, oing theilweise in die Sammlung der Forstschule in Weisswasser über, wo sie durch Prof. Em. Purkyne bereits bedeutend zunahm. 15. Sammlung des Pater Hypol. Kühnel, der als Mitglied des Kapuciner Konvents in der Gegend von Melnik und im Erzgebirge eifrig sammelte. Ausserdem untersuchte ich fast alle Sammlungen an den Real- schulen und Gymnasien in Böhmen, sowie viele kleinere Privat- sammlungen von Förstern, Gutsbesitzern und Apothekern. Ich sage hiemit allen, die mich in dieser Beziehung gefördert haben, meinen innigsten Dank. Was die Beobachtungen im Freien anbelangt, so machte ich dieselben in den früheren Jahren meist während der vielen Jagden, die ich besuchte und setzte dieselben in der letzten Zeit auf den zahlreichen geologischen Wanderungen fort. Erst im verflossenen Jahre habe ich im Auftrage des Durchforschungscomites einen Aus- flug nach dem südlichen Böhmen gemacht, um meine Erfahrungen vervollständigen und die gegenwärtige Arbeit zum Abschluss bringen zu Können. Von einschlägigen literarischen Hülfsmitteln sind noch zu er- ‘ wähnen die zahlreichen Artikel im Journal für Ornithologie, das seit dem Jahre 1853 unter der treitlichen Redaction des Dr. J. Cabanis erscheint. 1. Al. v. Homeyer. Streifereien im böhmisch-schlesischen Ge- birge. 1865. pag. 355. 2. Al. v. Homeyer. Zur Wanderung über das Riesengebirge. 1867. pag. 420. 3. Viktor Rit. v. Tschusi. Ornithologische Mittheilungen. 1869. pag. 224. Die Vögel Böhmens. 175 4. Dr. A. Fritsch über Syrrhaptes aus Böhmen. 1863. pag. 295. 5. Dr. A. Fritsch. Ornithologische Notizen aus Böhmen. 1869. pag. 45. “ 6. Dr. A. Fritsch. Ueber die Verbreitung des Ortolans in Böhmen: 1870. pag. 31. Hinsichtlich der Bestimmung der böhmischen Vogelarten er- laube ich mir auf mein Werk: Die’ Vögel Europas,*) aufmerksam zu machen; ich habe aus Rücksicht der allgemeinen Verbreitung desselben im nachstehenden Verzeichnisse bei jeder Art («dasselbe eitirt, um so das Studium zu erleichtern. Systematische Aufzählung der in Böhmen beob- achteten Vögel. Erste Ordnung. ZRaubvögel. 1. Der weissköpfige Geier. @yps fulvus, Gray. (Vul- tur fulvus, Gm.) Fritsch Vögel Europas Taf. 1. Fig. 3. pag. 2. — Der im südlichen Ungarn häufige Geier besucht Böhmen ziem- lich regelmässig immer nach Ablauf von einigen Jahren. Herr Hromädko besitzt einen, der bei Pardubic im Jahre 1841 am 8. Oktober erlegt wurde. 1843 2 Stück bei Brandeis. (Erwähnt Pal- liardi.) Das Exemplar des Frauenberger Museums wurde 1844 vom Förster Lustig im Ponesicer Revier erlegt. Uuser Museum besitzt ein Exemplar, welches im Jahre 1847 in Bubene, und ein zweites, das 1850 bei Kostelec an der Adler erlegt wurde. 1861 ein Exemplar bei Sezemic unweit Prelou© (Ostrdal). Im Jahre 1866 erschien eine ganze Gesellschaft dieser Vögel am Schlacht- felde bei Sadova, woselbst ein Exemplar von Dr. Schöbel, ein zweites vom Oberförster aus Miletin erlegt wurde. Diese Erschei- nung lässt sich dadurch erklären, dass die bei uns vorherrschenden Nordwestwinde den Verwesungsgeruch bis in die Bänäter Gegend brachten und so die Geier anlockten. 2. Der graue Geier. Vultur monachus. L. (Vultur cinereus, Gm.) Fr. Vög. Eur. Taf. .1. Fig. 4. p. 4. — Der graue Geier wird äusserst selten in Böhmen angetroffen. Im Juni des Jahres 1833 wurde ein Exemplar vom Budiner Müller bei König- *) Naturgeschichte der Vögel Europa’s. Von Med. Dr. An- ton Fritsch. — Das Werk enthält auf 61 Foliotafeln 708 Abbildungen der sämmtlichen Vögel Europas iu ihren verschiedenen Farbenkleidern. Preis 72 fl. In Commission bei F. Tempsky. Für österreichische Lehr- anstallen 40 fl. beim Verfasser im Museum zu Prag. 176 Dr. Anton Fritsch: grätz erlegt (Fierlinger); seitdem wurden nur einmal etwa ım Jahre 1854 mehrere Exemplare durch einen starken Gewittersturm zu uns verschlagen, von denen zwei am Georgsberg bei Raudnic erlegt und einer bei Leitomischl lebend gefangen wurde. 3. Der Steinadler. Aguela chrysaetos,Pallas. (Aquila fulva, Mayer.) Fr. Vög. Eur. Taf. 7. Fig. 1, 2, 3. pag. 8. — Es werden jedes Jahr im Herbste meist junge Vögel erlegt, und zwar zuweilen selbst in der Nähe der Stadt Prag (in Kr&, Jarosch). Im Jahre 1835 brütete er im Riesengebirge auf starken Bäumen im Bärengraben und zwar nach Mittheilungen des Försters Pacal bis zum Jahre 1864. (Fierlinger, V. Tschusi.) 4. Der Königsadler. Agqguila heliaca Sav. (Ag. im- perialis Cuv.) Fr. Vög. Eur. Taf. 8. Fig. 1, 2, 3. pag. 10. — Da man öfters angiebt, dass hie und da in Böhmen ein Königsadler geschossen worden sei, die Bestimmung aber meist sehr unzuver- lässig ist, so gebe ich hier die Kennzeichen dieser Art. Füsse bis an die Zehen dunkelfärbig befiedert‘, die Mittelzehe mit 5 grossen Schildern; Rachen bis hinter die kleinen, graugelben Augen ge- spalten. Nasenlöcher querliegend 1/,'' hoch, der obere Rand mit einem Einschnitt; Flügelspitze bis an und über das Ende des ge- raden Schwanzes ausreichend; die schmalen Federn am Nacken und Hinterhalse weisslich rostfarben ; die Schultern weiss gefleckt; der Schwanz aschgrau gewässert mit schwarzer Endbinde, am jungen Vogel einfarbig braun. Die 7 ersten Schwingen verengt. 5. Der Schreiadler. Agurla naevia, Br. (Agula clanga, Vieill. Pall.) Fr. Vög. Eur. Taf. 6. Fig. 3, Taf. 8. Fig. 8, pag. 11. — Von diesem kleinen Adler werden in Böhmen beide Hauptformen, sowohl die ungefleckte (naevia) als auch die gross- geileckte (elanga) angetroffen. Er nistet im südlichen Böhmen, namentlich im Velechviner und Zepper Revier bei Frauenberg. l:xemplare wurden erlegt 5. Juni 1847 bei Pardubic (Hromadko), bei Svijan 1349 Kopidino 1850 (Fierlinger), Stodulek bei Prag und Kladrup 1863 (Lokaj), bei Jiein 1864 (Dr. Schier) u. s. w. 6. Der Bonellische Adler. Aquila Bonellii, Bp. (Falco Bonelli, Temm.) Fr. Vög. Eur. Taf. 6. Fig. 4, 5, pag. 12. — Dieser in Griechenland heimische Adler wurde zur Ueber- raschung aller böhmischen Ornithologen bereits zweimal in Böhmen erlegt, und zwar nach Mittheilungen des Herrn Hüttenbacher, Konservator des fürstenbergischen Museums in Lana, das eine im April 1862 im Maxhofer Revier bei Pürglitz, später ein zweites Die Vögel Böhmens. 177 Exemplar bei Neustraschic. Das erstere Exemplar, das ich selbst zu besichtigen Gelegenheit hatte, war unten einfarbig rothbraun mit ganz schwachen dunkleren Schaftstrichen. 7. Der weissschwänzige Seeadler Baliaetus albicilla, L. (Falco ossifragus Gm.) Fr. Vög. Eur. Taf. 7, Fig. 4, 5, pag. 15. — Dieser kräftige Raubvogel gehört in Böhmen zu den regelmässigen Erscheinungen. Er nistete in früheren Jahren regelmässig im Velechviner und Zepper Revier bei Frauenbereg. Am häufigsten werden Exemplare in der Gegend von Pardubie erlegt. Die prachtvolle Sammlung des Herrn Hromädko in Pardubic besitzt ein Exemplar, das am 12. März 1840 im Hradeker Revier und ein anderes, das am 23. März desselben Jahres im Raaber Revier erlest wurde. Das Prager Museum, das Museum zu Frauenbersg, sowie fast jede grössere Privatsammlung besitzt in Böhmen erlegte Exemplare. Die von Palliardi veröfientlichte Mittheilung des Försters Spatny, dass auch der weissköpfige Seeadler (Haliaetus leuco- cephalus, Brisson) als böhmischer Vogel im Museum zu Frauenberg sich befinde, beruht blos auf einer Verwechslung mit einem alten ausgefärbten Männchen des weissschwänzigen Seeadlers. 8. Der Flussadler. Pandion haliaetus Cuv. (Falco haliaetus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 9. Fig. 1. pag. 18: — Der Fluss- adler nistet regelmässig an mehreren Orten in wasserreichen Gegen- den Böhmens, so beim Kre$icer Teiche bei KopidIno, am Semtiner Teiche bei Pardubic, im südlichen Böhmen auf der Herrschaft Krumau im Neuhofer Revier und Set. Thoma unweit der Ruine Wittingshausen. Exemplare wurden erlegt in Zävist bei Prag, Eule, Podebrad, Jiein, Pürglitzz, Rumburg, Zbirov (Lokaj), Hirsch- berg (Fierlinger), Pardubic (Österdal) u. s. w. 9. Der Schlangenbussard oder Schlangenadler. Circaetus gallicus, Gm. (Falco brachydactylus Temm.) Fr. Vög. Eur. Taf. 6. Fig. 6. pag. 19. — Diese Art gehört zu den seltensten Erscheinungen, denn es sind seit einer langen Reihe von Jahren nur“ wenig Exemplare beobachtet worden, trotzdem dieser Adler in Böhmen brütet. Palliardi theilt bereits mit, dass Förster Koch den Schlangenadler bei Karlsbad brütend angetroffen habe. Herr Lokaj erhielt einen alten und einen jungen Vogel, beide im Sommer. Ausserdem sind mir nur noch 3 Exemplare aus Böhmen bekannt, eins das bei Roztok auf der Krähenhütte erlegt wurde, das andere von Kammerburg bei Sazau und das dritte, welches Osterdal am 16. September 1864 im Seminer Revier bei Prelout Cab. Journ. f. Ornith, XIX. Jahrg. No, 111. Mai 1971. 13 178 Dr. Anton Fritsch: erleste. Sowohl der Kablikischen Sammlung als auch dem Museum zu Frauenberg fehlt diese Art. Das Exemplar des Prager Museums ist von zweifelhafter Herkunft. 10. Der Rauchfussbussard. Archibuteo lagopus Brehm. (Falco lagopus Brunn.) Fr. Vög. Eur. Taf. 5. Fig. 9. pag. 20. — Der Rauchfussbussard, bei uns meistens Schneegeier ge- nannt, trifft in Böhmen jeden Winter in ziemlich grosser Anzahl ein und wird durch Abfangen einer grossen Menge von Mäusen ungemein nützlich. Leider erfreut er sich nicht der gehörigen Schonung, denn es werden jährlich gewiss mehr als 200 Exemplare erlest. Herr Lokaj, welchem in manchem Winter bis 60 Exem- plare zum Ausstopfen eingesandt werden, bestätigt, dass sie immer den Kropf mit Feldmäusen gefüllt haben. Blos gegen das Ende des Winters und bei hohem Schnee findet man zuweilen Ueber- reste eines Rebhuhns darin. Statt ihn an der Krähenhütte so massenhaft zu vertilsen, sollte man in die offenen Felder Pfähle einschlagen, von denen aus er den Mäusen auflauern könnte. — Eine ganz besonders schöne Sammlung der verschiedenen Farben- kleider dieses sehr variirenden Vogels findet man im Museum zu Frauenberg. Die Angaben, dass er auch in Böhmen nistet, sind unsicher, da er dies, wie bisher bekannt, nur im hohen Norden thut. 11. Der Mäusebussard. Buteo cinereus Bp. (Falco buteo L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 5. Fig. 8. pag. 21. — Ein in Böhmen das ganze Jahr häufiger Vogel, der auch daselbst brütet. Er ist ebenso wie der frühere durch Vertilgung der Feldmäuse nützlich; doch findet man öfters auch Vögel in seinem Kropfe. Zahlreiche ausgestopfte Exemplare der verschiedenen Farbenkieider findet man in den meisten Privatsammlungen und ganz besonders vollkommen und zahlreich wieder im Museum zu Frauenberg. 12. Der Wespenbussard. Pernis apivorus Üuv. (Falco apivorus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 5. Fig. 6, 7. pag. 24. — Die Waldungen der Ebene besitzen diese Art als bei uns ziem- lich häufigen Brutvogel. Herr Lokaj, welchem jedes Jahr mehrere Exemplare sowohl alter als junger Vögel eingesandt werden, fand in ihrem Magen meist nur Wespen und Wespenbrut, einmal auch Frösche. Besonders häufig scheint der Wespenbussard in der Ge- gend zwischen Sobotka und Königsstadt zu sein, von wo Herr Hromädko eine prachtvolle Reihe der verschiedenen Farbenkleider besitzt. 13. Der rothe Milan., Mrlvus regalis Br. (Falco mil- Die Vögel Böhmens. 179 vus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 6. Fig. 7. pag. 25. — Dieser schöne Raubvogel ist im mittleren Böhmen eine seltene Erscheinung; da- gegen ist er häufig in der Gegend von Neuhaus und brütet im Altthiergarten und im Ponesicer Revier bei Frauenberg. Er stellt sehr dem Hausgeflügel und den Fasanen nach. 14. Der schwarzbraune Milan. Melvus niger Br. (Milvus ater Daud.) Fr. Vög. Eur. Taf. 9. Fig. 2. pag. 26. — Diese Art ist noch seltener als die vorige, und es wurden nur zu- weilen Exemplare bei Pardubic, Podebrad, Kundratic (Lokaj), Haidedörfel bei Niemes (E. Purkyne) erleg. Das Museum zu Frauenberg besitzt ausser 2 erwachsenen Exemplaren auch ein ganz junges, wornach es wahrscheinlich ist, dass diese Art wirklich bei uns brütet, wie es auch einmal bei Pardubic hat vorkommen sollen. 15. Der Wanderfalke Falco communis Br. et Gm. (Falco peregrinus Auct.) Fr. Vög. Eur. Taf. 2. Fig. 8, 9. pag. 28. — Ein Brutvogel Böhmens, der, wenn auch nicht häufig, doch überall und das ganze Jahr hindurch vorkommt und grossen Schaden unter Tauben, Rebhühnern und Fasanen anrichtet. Mehrere Jahre hindurch erschien er regelmässig an hellen Wintertagen in Prag zum Schrecken aller Taubenzüchter und verzehrte die gemachte Beute auf dem Thurme der Sct. Gallikirche, worauf er ganz regel- mässig die Nachmittagsruhe auf der Firste des Daches der Franzis- kanerkirche hielt. 16. Der Würgfalke. Falco sacer (Schlegel). (Falco la- narius v. d. Mühlen.) Fr. Vög. Eur. Taf. 2. Fig. 6, 7. pag. 32. — Den Brutort dieses prachtvollen und seltenen Falken fand Voboril im J. 1842 an den hohen Moldaufelsen in der Gegend von Moran, Letek und Vetrusic (zwischen den Eisenbahnstationen Roztok und Libsie nördlich von Prag). Er nahm das Nest aus und erlegte die Alten, und eine Reihe von 7 Exemplaren aller Altersstufen bildet den Glanzpunkt seiner Sammlung. Eine ausführliche Beschreibung dieses Vorkommens veröffent- lichte Voboril im 1. Hefte der Zeitschrift Rhea, von wo sie auch Palliardi in seine systematische Uebersicht der Vögel Böhmens aufnahm. Seit dem Aufbau der Eisenbahn durch das Moldauthal verschwand der Würgfalke aus dieser Gegend. Im Jahre 1850 soll er an den Felsen bei Kost unweit Münchengrätz vorgekommen sein. Die von Palliardi gebrachte Mittheilung, dass dieser Falke bei Frauenberg fast jedes Jahr im Herbst und Frühjahr als Strich- 12* 180 Dr. Anton Fritsch: vogel vorkomme, beruht auf einem Irrthum; denn ich überzeugte mich im Museum zu Frauenberg, dass die daselbst als Würgfaiken bestimmten Exemplare nichts anderes als junge Wanderfalken sind. Im vorigen Jahre will ein alter Heger, der den Vogel aus Voborils Zeiten genau kennt, denselben wieder bei Moran beobachtet haben. 17. Der Lerchenfalke Aypotriorchis subbuteo L. (Falco subbuteo L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 3. Fig. I, 2. pag. 37. — Der Lerchenfalke hält sieh ziemlich selten den Sommer über bei uns auf und nistet selbst unweit der Hauptstadt bei Kundratie, Brezan und in der Säarka (Lokaj). Die grauflaumigen Nestyögel werden fast jedes Jahr auf den Prager Vogelmarkt gebracht, und werden in der Gefangenschaft sehr zahm. 18. Der Zwergfalke. Hypotriorchis aesalon Gm. (Falco aesalon Gm.) Fr. Vög. Eur. Taf. 3. Fig. 7. Taf. 4. Fig. 4. pag. 38. — Ist viel seltener als der Thurmfalke und erscheint meist nur auf dem Herbstzug. Alte ausgefärbte Männchen gehören zu den Seltenheiten. Ich erhielt blos eins im Jahre 1850, welches in der Gegend von Brandeis auf die Lockvögel eines Vogelherdes stiess und sich in die Leimruthen verwickelte. Nach Gloger soll er am Kamm des Riesengebirges brüten, was er sonst nur im hohen Norden von Europa thut. 19. Der Rothfussfalke, Erythropus vespertinus Brehm. (Falco rufipes L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 3. Fig. 8, 9. pag. 39. — Erscheint fast jedes Frühjahr in Böhmen und scheint Anstalten zum Brüten zu machen, wird aber meist bald erlest. Nach Fier- linger soll er im Jahre 1850 bei Pardubic gebrütet haben. Im Jahre 1848 wurde ein Exemplar in Rosic bei Pardubie im: Mai erlegt. Im Frühling desselben Jahres erleste der Förster Koch auf der Hadernberger Herrschaft ein Weibchen, das ein entwickeltes Ei im Leibe hatte (Palliardi). Exemplare wurden ausserdem auch erlegt: bei Dobris (Lokaj) 1862 3 Exemplare in Ronsko bei Cho- tebor (Museum Chrudim); 21. April 1861 bei Merestadt unweit Bensen (Zimmermann). 20. Der Thurmfalke. Tinnunculus alaudarius Br. (Falco tinnunculus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 4. Fig. 6, 7. pag. 41. — Während des Sommers der häufigste Falke im böhmischen Flach- lande, wo er in Feldhölzern und an steilen Uferfelsen brütet. Er wird durch das Vertilgen einer grossen Menge von Mäusen sehr nützlich und sollte sehr geschont werden. Nach Palliardi soll er zuweilen bei uns überwintern, Die Vögel Böhmens. 181 21. Der Röthelfalke Teinnunculus cenchris DBp. (Falco cenchris Naum.) Fr. Vög. Eur. Taf. 4. Fig. 2. pag. 42. — ‚ Ein altes Männchen wurde im August 1867 im Picinarevier bei Frauenberg vom Forstadjunkten Leiner erlest und befindet sich jetzt im Museum zu Frauenberg. 22. Der Hühnerhabicht. Astur palumbarius Bechst. (Falco palumbarius L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 9. Fig. 3. Taf. 10. Fig. 4. pag. 43. — Ein häufiger Brutvogel der böhmischen Wal- dungen, besonders häufig in der Gegend von Frauenberg und im Böhmerwalde. Er richtet grosse Verheerungen in den Fasangärten an und wird deshalb von den Jägern stark verfolgt. Im Jahre 1864 erhielt Herr Kazbunda 12 Exemplare aus dem Fasangarten von Kameniec bei Jicin. In der Umgegend von Prag erscheint er viel seltener als der Wanderfalke. Nach Beobachtungen des Herrn Lokaj scheint er vor einigen Jahren zwischen Königssaal und Vran genistet zu haben. 23. Der Finkensperber. Accipiter nisus Pall. (Falco nisus L.) Fr. Vög. Eur: Taf. 4. Fig. 3, 5. pag. 44. — Ist nach dem Thurmfalken der häufigste Raubvogel Böhmens, der im Sommer -in den Gebirgswaldungen brütet und im Winter sieh in der Ebene recht bemerkbar macht. Er verfolgt hauptsächlich die Sperlinge und das sogar in den Gärten und Hauptstrassen Prags. Seiner Dreistigkeit wegen ge- räth er oft lebend in Gefangenschaft und fängt sich auf dem Vogel- herde bei Verfolgung der Lockvögel. 24. Die Rohrweihe. (Circus aeruginosus L. (Falco aeruginosus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 9. Fig. 5. Taf. 10. Fig. 5. 6. 7, pag. 46. — Kommt häufig in den wasserreichen Gegenden Böh- mens vor, und nistet namentlich in der Gegend von Frauenberg, bei Pardubic und am Kre$icer Teiche bei Kopidino. Im übrigen Lande wird sie nur selten angetroffen. Herr Lokaj erhielt ein Exemplar aus dem Sarkathal. | 25. Die Kornweihe. Sirigiceps cyaneus Bp. (Falco eyaneus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 9. Fig. 6. Taf. 10. Fig. 3. pag. 47. — Die Kornweihe ist über ganz Böhmen verbreitet, Kommt aber nicht sehr häufig vor. Junge Vögel werden öfters erlegt, die alten dagegen sehr selten. Das Brüten bei uns ist sehr wahrscheinlich, aber bisher nicht thatsächlich nachgewiesen. 26. Die Wiesenweihe. StrigrVceps einerascens Bp,. (Falco cinerascens Montag.) Fr, Vögl. Eur. Taf. 9, Fig, 7. Taf, 10. 182 Dr. Anton Fritsch: Fig. 5. pag. 48. — Ist häufiger als die vorige Art und es werden besonders oft im Herbste die rostroth gefärbten Jungen erlegt. Ausgefärbte alte Vögel sind sehr selten. Nach Lokaj brütete diese Weihe bei Rumbure. 27. Die blasse Weihe. Sirögiceps Swainsoni. (Falco pallidus Sykes.) Fr. Vög. Eur. Taf. 9. Fig. 3. Taf. 10. Fig. 2. pag. 49. — Wurde bisher nur zweimal in Böhmen beobachtet. Einmal erhielt Herr Lokaj ein altes Männchen und ein anderes befindet sich in der Sammlung des Herrn Hromädko bei Pardubic. Da diese Art sehr schwer von den vorhergehenden zu unterscheiden ist und ihre Beschreibung in der ersten Ausgabe des Textes der Vögel Europas ausgelassen ist, so will ich hier ihre Kennzeichen anführen. Diese Art ist der vorangehenden sehr ähnlich, aber unter- scheidet sich dadurch, dass die Flügel nicht das Schwanzende er- reichen; und dass die ganze Unterseite des Körpers und der Flügel rein weiss ist, ohne Flecken. Die Längenverhältnisse der. grossen Schwingen gleichen denen der Wiesenweihe. 23. Die Sperbereule Surnia ulula Bp. (Striw ulula L. Ser. nisoria M. Fr. Vög. Eur. Taf. 11. Fig. 5. pag. 50. — Eine . grössere Schaar dieser hochnordischen schönen Eulen erschien in den zwanziger Jahren in Böhmen, doch gelang es mir nicht, das Nähere darüber zu eruiren. Das Exemplar der Kablikischen Sammlung wurde bei Steiterhof erlest. Herr Braumeister Schary erhielt ein im Jahre 1863 in den Pürglitzer Waldungen erlegtes Exemplar. Das Museum zu Frauen- berg besitzt böhmische Exemplare ohne nähere Angabe des Ortes und der Zeit der Erlegung. Die Angabe Palliardi’s, dass diese Eule in Böhmen brütet, beruht auf einer Verwechslung mit der Habichtseule, Syrnzium ura- lense, welche er gar nicht anführt. 29. Die Schneeeule. Nycetea nivea Bp. (Strix nyctea L.) Fr Vög. Eur. Taf. 12. Fig. 4. pag. 51. — Ein Prachtexemplar dieser Eule, die sich aus dem hohen Norden zu uns verflogen hat, wurde gegen Ende März 1862 bei Jungbunzlau erlest und von Dr. Ru- dolt Taxis unserem Museum eingesendet. Ein zweites Exemplar erhielt der Gutsbesitzer Hoifmann in Podebrad im Herbste 1864 von Hradisko bei Sadska. 30. Die Zwergeule. @laucidum passerinum Boje. (Strix passerina L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 13. Fig. 7. pag. 52. — Dieser nied- Die Vögel] Böhmens. 183 liche Zwerg unter unseren Eulen ist bei uns eine seltene Erschei- nung und wenn die Art auch häufig übersehen worden sein mag, so scheint ihr Vorkommen doch nur auf gewisse Gegenden be- schränkt zu sein. Die meisten Exemplare in den böhmischen Samm- lungen rühren aus der Gegend von Neuhaus her. Herr Schary erhielt ein Exemplar aus Pürglitz lebend und pflegte es durch 7 Jahre, während welcher Zeit es aber wild blieb. In Oulibitz bei Jiein hat der Förster Bodenstein mehrere Exemplare in den Mar- derfallen gefangen. Ausserdem sind nachstehende Fundorte be- kannt: Radnic (Lokaj), Kuneticer Berg bei Pardubic, Königswerth und Nassabere (Hromadko); das Isergebirge (Dr. Luchs in Warmbrunn). 8l. Der Steinkauz. Aihene noctua Bp. (Strix noctua Retz.) Fr. Vög. Eur. Taf. 11. Fig. 2. pag. 53. — Ein häufiger Vogel im flachen Lande, der sich gerne in der Nähe der menschlichen Wohnun- gen aufhält. Auch trafich ihn in Steinbrüchen einmal zur Mittagszeit während der grössten Sonnenhitze herumfliesen. Diese Art wird von Vogelstellern mit gutem Erfolge zur Anlockung der Singvögel verwendet. 32. Die Zwergohreule. Scops zorca Sav. (Strix scops L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 13. Fig. 5. pag. 55. -- Das einzige Exem- plar, das mir von dieser kleinen Eule als sicher in Böhmen erlegt vorkam, ist das in der Kablikischen Sammlung, welches im Mai 18358 im Riesengebirge geschossen wurde. Die Angabe Palliardi’s, dass im Museum zu Frauenberg 6 Stück ausgestopft sind, ist wohl richtig, aber die Exemplare wurden von der schwarzenbergischen Herrschaft Murau in Steiermark eingesendet. Die Exemplare in der Sammlung des H. Hromadko wurden demselben vom Voboril zugesandt und dürften aus Ungarn stammen. Im Verlaufe der letzten 25 Jahre kam weder mir, noch meinem Freunde Lokaj ein Exemplar zu Gesicht. 83. Der Uhu. Bubo mazimus Sibb. (Strix bubo L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 12. Fig. 5. pag. 56. — Ein regelmässiger Brutvogel böhmens, der meistens an den steilen Uferfelsen der Moldau so- wie auf Ruinen sein Nest anlegt. Von den Brutorten will ich einige anführen: Stechovic (Lokaj), der Babafelsen im Altthiergarten bei Frauenberg, der Felsen Karvanice im Burgholzrevier bei Frauen- berg (Hojdar), die Ruine Krkavec bei Tremosnic (Ostrdal), die Sandfelsen bei Zar unweit Weisswasser (E. Purkyne), Aders- bacher Felsen (Homeyer) und die böhmische Schweiz. Ein bei Bensen im Jahre 1868 erlegtes Exemplar hatte den Magen 184 Dr. Alone Fritsch: ganz mit Maikäfern vollgepfropft, Die Schussliste vom Jahre 1857 führt an, dass in ganz Böhmen 202 Stück Uhus erlegt wurden, welche Zahl mir aber doch etwas bedenklich erscheint, obzwar dasselbe Verzeichniss die übrigen erlesten Nachteulen mit der Zahl 8670 angiebt. Die letztere Zahl ist aber auch sehr bedauerlich, denn nimmt man an, dass eine Eule täglich blos 5 Mäuse ver- tilgt, so ergiebt sich daraus, dass man durch dieses Vorgehen der Eulenvertilgung in diesem Jahre 14,966,750 Stück Mäusen das Leben gerettet hat. 34. Die Waldohreule Otzus vulgaris Flem. (Strix otus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 11. Fig. 3. pag. 58. — Brütet in dei Nadelwaldungen Böhmens und zeigt sich im Winter häufig im flachen Lande, oft sogar in Gesellschaften von 20—30 Stück bei- sammen. | 35. Die Sumpfohreule. Brachyotus palustris Bp. (Strie brachyotus Gm.) Fr. Vög. Eur. Taf. 11. Fig. 6. pag. 58. — Erscheint besonders häufig im Herbste, wo sie bei den Hühner- jJagden auf den Kartoffelfeldern aufgetrieben wird, und ich hatte oft Gelegenheit den Unwillen der Landleute bei dem Erlegen dieses ihnen durch die Mäusevertilgung so nützlichen Vogels zu be- obachten. 36. Der Waldkauz. Syrnium aluco Sav. (Strix aluco L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 11. Fig. 8. pag. 60. — Kommt das ganze Jahr vor, aber nur einzeln. Sie brütet in hohlen Bäumen und schadet verhältnissmässig unter allen kleineren Eulen am meisten der Vogelwelt. Junge Exemplare im Dunenkleid werden alljährlich lebend auf den Prager Vogelmarkt gebracht. 37. Die Habichtseule Syrnium uralensis Gr. (Strix uralensis Pall.) Fr. Vög. Eur. Taf. 12. Fig. 1, 2. pag. 62. — Diese prachtvolle Eule ist ein wahrer Stand- und Brutvogel des Böhmer- waldes, wo sie nach Mittheilungen des H. Forstmeisters Hojdar in den Revieren Ku$varda, Fürstenhut, Ferchenhaid, Salnau und Tus- set regelmässig vorkommt. Die jungen braungefärbten Exemplare wurden vom Forstmeister Hejrovsky in einem Jagdjournale als neue Art unter dem Namen Striw Schumavensis beschrieben und abgebildet. Das Museum zu Frauenberg besitzt zahlreiche Exem- plare der Habichtseule in den verschiedensten Farbenkleidern. Dass diese Art auch in anderen grösseren Waldungen Böhmens vorkommt, geht daraus hervor, dass H. Hüttenbacher 2 Exemplare von Pürglitz erhielt. Die Vögel Böhmens. 185 38.Der Rauchfusskauz. Nyetale funereaBp. (Strix dasypus Bechst.) Taf. 11. Fig. 1. Taf. 13. Fig. 8. pag. 63. — Gehört mehr den Gebirgswaldungen an, wo er auch nicht selten brütet. Im Riesengebirge geht er nach Tschusi bis zur Rennerbaude in’s Knieholz und ist daselbst unter dem Namen Puppeneule be- kannt. Nach E. Purkyne ist er auch häufig in den Kieferwäldern bei Weisswasser. In der Umgegend von Prag ist diese Art sehr selten. Herr Lokaj erhielt sie blos dreimal. Für die Vogelsteller ist sie nicht so gut zu verwenden wie der Steinkauz, da sie viel weniger lebhaft ist. 89. Die Schleiereule Strix fammeaL. Fr. Vög. Eur. Tat. 11. Fig. 4. pag. 64. — Diese schön gefärbte Eule komnit nicht sehr häufig vor und hält sich meist auf den Dächern grosser Ge- - bäude und Kirchen auf; wird auch in Prag öfters lebend gefangen, wo sie sich auch in die Taubenschläge verkriecht. An den Orten ihres Aufenthaltes findet man zahlreiche Gewölle, das heisst, Klum- pen von Knochen und Haaren der verzehrten Mäuse, welche diese Eule von Zeit zu Zeit ausspeit. Diese Gewölle liefern reiches Ma- terial an Schädeln von Spitzmäusen, Mäusen und anderen kleinen Säugethieren und helfen bei den Studien über die Verbreitung vieler Arten, die man sonst in der Gegend gar nicht vermuthet hätte. Das Einsenden der Gewölle zur Untersuchung an das Museum ist sehr wünschenswerth. | Zweite Ordnung. Klettervögel. 40. Der Schwarzspecht. Picus martiusL. P. ( Dryoco- pus martius Boje.) Fr. Vög. Eur. Taf. 15. Fig. 10. pag. 66. — Lebt als Standvogel in den grossen Waldungen Böhmens, wo er mit Vorliebe die dürren Gipfel grosser Laubbäume besucht. Er wird öfters auf den Prager Vogelmarkt gebracht und ich fand an einem Exemplar den Kropf ganz mit Ameisen gefüllt. 41. Der grosse Buntspecht. Picus major L. (Den- drocopus major Kaup.) Fr. Vög. Eur Taf. 15. Fig. 4, 5 pag. 67. — Der häufigste unter den Buntspechten, der sich um die Säuberung der Obstgärten und Parkanlagen grosse Verdienste erwirbt und daher sehr geschont zu werden verdient. Er ist in ganz Böhmen häufig und wird auch oft auf den Prager Vogelmarkt gebracht. 42. Der mittlere Buntspecht. Picus medius L. (Dendrocopus medius Kaup.) Fr. Vög. Eur. Taf. 15. Fig. 8. — Ist viel seltener als der grosse Buntspecht und wurde in der Um- gegend von Prag blos zweimal vom H, Lokaj beobachtet. Zimmer- 186 ! Dr. Anton Fritsch: mann erlegte einige Exemplare in der Gegend von Chlumee und Dobrenic. Bei Jicin soll er nach Dr. Schier ziemlich häufig sein. Aufiallend war mir, dass auch im Museum zu Frauenberg nur 1 oder 2 Exemplare sich befanden und überhaupt die Buntspechte sehr schwach vertreten waren. Man erklärte mir diesen Umstand dadurch, dass das dortige Forstpersonal sehr ungern diese nütz- lichen Vögel schiesst. 45. Der kleine Buntspecht. Picus minor L. Picus pipra Pall.) Fr. Vög. Eur. Taf. 15. Fig. 3, pag. 69. — Ist nicht viel häufiger als der mittlere Buntspecht, aber ziemlich überall an- zutreffen. Er besucht in Gesellschaft von Meisen, Kleibern und Baumläufern die Obstgärten. Ich beobachtete ihn im letzten Früh- jahre bei Horazdovie und Frauenberg. Vor Jahren einmal erlegte ich ein Exemplar hinter dem Strahöfer Thor auf dem Weingarten Panenska. H. Lokaj erhielt in 20 Jahren blos 4 Exemplare aus der Umgebung Prags. 44. Der weissrückige Buntspecht. Picusleuco- notus DBechst. (Preus cirris Pall.) Fr. Vög. Eur. Taf. 15. Fig. 6, 7. pag. 69. — Dieser grosse Buntspecht ist ein Bewohner des östlichen Europas und kommt schon in Schlesien häufiger vor. In Böhmen wurde er bisher nur in den Pürglitzer Waldungen er- legt, von wo H. Hüttenbacher mehrere Exemplare erhielt und auch eines unserem Museum gütigst zukommen liess. 45. Der dreizehige Specht. Apternus tridactylus Sw. (Pieus tridactylus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 15. Fig. 9. pag. 70. — Im Museum zu Frauenberg befindet sich blos ein in Böhmen er- legtes Exemplar, welches im Fleische von der Herrschaft Wittingau eingeliefert wurde. Die übrigen zahlreichen Exemplare, die sowohl das genannte Museum, als auch die Privatsammlungen des Forst- personales aufweisen, stammen aus Murau in Steiermark. 46. Der Grünspecht. Picus viridis L. (Gecinus viridıs Boje.) Fr. Vög. Eur. Taf. 14. Fig. 10, 11. pag 71. — Ist neben dem grossen Buntspecht die häufigste Art, die über ganz Böhmen verbreitet ist. Im Herbste geräth er oft in die Dohnensteige und wird dann häufig auf den Prager Vogelmarkt gebracht. 4%. Der Grauspecht. Prcus canus Gm. (Gecinus canus Boje.) Fr. Vög. Eur. Taf. 14. Fig. 9. pag. 72. — Ist in der Um- gebung von Prag fast so häufig als der Grünspecht. Da der Vogel häufig in den Ameisenhaufen herumhackt, so beschmutzt er sein Gefieder von dem Erdreiche und ich erhielt aus der Gegend von Die Vögel Böhmens. 187 Schlan ein auf der Unterseite ganz roth eingepudertes Exemplar, weil in dieser Gegend die Ackerkrume hellroth gefärbt ist. 48. Der Wendehals. Jynz torgquilla L. Fr. Vög. Eur. Taf. 18. Fig. 14. pag. 73. — Ist überall häufig von April bis Ende August und macht sich besonders im Frühjahr mit seinem durchdringenden Geschrei, das dem des Thurmfalken ähnelt, überall, selbst in den Gärten der Stadt Prag bemerkbar. 49. Der gemeine Kukuk. Cuculus canorus L. (Cu- culus rufus Bechst.) Fr. Vög. Eur. Taf. 4. Fig. 8, 9. pag. 75. — Ist während des Sommers überall häufig und geht nach Tschusi im Riesengebirge bis in die Region des Knieholzes. Bei unserem Landvolke ist die Sage verbreitet, dass sich der Kukuk im Winter in den Finkensperber verwandle (kuka@cka promeni se v zime v krahulika). Dies ist dadurch zu erklären, dass nachdem der Ku- kuk im Herbste nach dem Süden gezogen ist, der Finkensperber aus den Waldungen, wo er gebrütet hat, sich mehr in die Ebene herabzieht. Dritte Ordnung. Schreivögel. 50. Die Nachtschwalbe Caprimulgus europaeus mern: 0°. Kur, Tai. 15. Fig.:1.-pag. 81. — Ist, in: Böhmen nicht selten, wird aber seiner nächtlichen Lebensweise wegen wenig beobachtet. Er brütete schon im Zävistthal bei Prag, auch im Riesengebirge brütet er nach Fierlinger auf mit hohem Grase be- wachsenen Schlägen. Er kommt im April und zieht im October wieder südlicher. 51. Der Mauersegler. .Oypselus apus, L. Dl. (Mi- rundo apus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 13. Fig. 3. pag. S3. — Bildet im Sommer eine constante Staffage aller grösseren Thürme, Ruinen und schroffen Felspartien. In: den Waldungen bei Frauenberg nistet er auch in den Asthöhlungen alter Buchenstänme. In Prag erscheint er gewöhnlich am ersten Mai und bleibt bis Mitte August. Später beobachtet man nur die aus dem Norden ziehenden. Vor einigen Jahren (im August 1361) spiesste sich ein Exemplar auf den Blitzableiter des Museumsgebäudes mitten durch den Brust- korb und zwar so fest, dass der Rumpf 3 Jahre lang daselbst verblieb, bis ich ihn abnehmen liess und der Museumssammlung einreihte. Die Angaben Gloger’s, dass auch der Alpensegler (Uypselus melba) im Riesengebirge vorkomme, haben sich seitdem nicht be- stätigt. 188 Dr. Anton Fritsch: 52. Der Wiedehopf. Upupa epops L. Fr. Vög. Eur. Taf. 13. Fig. 11. pag. 84. — Der Wiedehopf ist nicht häufig in Böhmen, brütet jedoch selbst unweit Prag bei Komoran, und es werden fast alljährlich die Nestjungen sammt den Alten lebend auf den Prager Vogelmarkt gebracht. Nach Palliardi soll der Wiede- hopf früher in Böhmen häufiger gewesen sein und die Ursache seiner Verminderung darin liegen, dass das Vieh jetzt weniger auf die Weide getrieben wird und er daher in seiner Losung weniger Dungkäfer aufzufinden vermag. 88. Der Eisvogel. Alcedo ispida L. Fr. Vögel. Eur. Taf. 14. Fig. 1. pag. 86. — Wird in ganz Böhmen sowohl an grösseren Flüssen wie an Waldbächen angetroffen. Er kommt auch an Teichen vor und schadet sehr der Fischbrut. In Prag selbst hält er sich das ganze Jahr auf den Moldauinseln auf. 54. Der Bienenfresser. Merops apiaster L. Fr. Vög. Eur. Taf. 14. Fig. 3. pag. 88. — Gehört zu den seltenen Gästen, welche von Zeit zu Zeit aus Ungarn kommen und sogar schon bei uns gebrütet haben sollen. Nach Angaben des Herrn Voboril soll er in einem Weingarten bei einem der Friedhöfe Prags gebrütet haben. Auch Fierlinger behauptet, dass der Bienenfresser vor einigen Jahren auf der Herrschaft Pardubic gebrütet hat. Exemplare wurden erlegt bei Rumburg (Lokaj), im Jahre 1842 bei Prag (Pal- liardi), 1847 unter dem Kuneticer Berg, und beim Forsthause in Raab (Hromädko). 55. Die Mandelkrähe. Coraccias garrula. Fr. Vög. Eur. Taf. 14. Fig. 3. pag. 89. — In manchen Gegenden Böhmens ein häufiger Brutvogel; es nisten bei Kovat unweit Jicin jährlich über 20 Paare in hohlen Eichen (Kazbunda). Ebenso bei Polican (Dr. Schöbl), bei Brandeis (Lokaj). Nestvögel sammt den auf beimruthen gefangenen Alten werden fast jährlich auf den Prager Vogelmarkt gebracht; es ist dies unstreitig der am schönsten ge- färbte Vogel Böhmens. Vierte Ordnung. Singvögel. 56. Der Zaunkönig. Troglodytes europaeus (uw. (Sylvia troglodytes Lath.) Fr. Vög. Eur. Taf. 22. Fig. 17 und 18. pag. 92. — Kommt das ganze Jahr hindurch vor, im Sommer an Waldbächen, im Winter im Gestrüpp und selbst in den Gärten mitten in der Stadt Prag. Er ist ein vortrefflicher Singvogel, und wie er und die Singvögel überhaupt in der Gefangenschaft zu be- Die Vögel Böhmens. 189 handeln seien, findet man in Friedrich’s ‚‚Naturgeschichte der deutschen Zimmer-, Haus- und Jagdvögel“, Stuttgart 1863, Preis etwa 5 fl. 57. Der gemeine Baumläufer. Certhia familviaris L. (Certhia brachydactyla Brehm.) Fr. Vög. Eur. Taf. 25. Fig. 19, 20. pag. 93. — Kommt in Wäldern, Obstgärten und Baumalleen vor. Besonders häufig traf ich diesen emsigen Säuberer der Baum- rinden an den riesigen Eichen, welche die Dämme der Teiche in der Umgebung Frauenbergs zieren. Ich traf einmal ein Nest bei Prag in einem Zwischenraume einer Ziegelstellage am Weingarten Panenskä hinter dem Strahover Thore. : Es kommen in Böhmen beide Formen, sowohl die am Rücken rostfarbige als auch die mehr graubraune vor. Die Länge der Krallen und des Schnabels varlirt sehr. : 58. Der rothflügelige Mauerläufer. Teichodroma murarda Jlliser. (Certhia muraria L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 14. Fig. 5. Taf. 22. Fig. 21. pag. 95. — Ein seltener Gast in Böhmen, welcher grosse Felsenpartien, Ruinen und alte Kirchen besucht. Es wurden schon Exemplare erlegt: in Beneschau im Innern einer Kirche mit einer Windbüchse, bei Herrnkretschen (Schön- bach), bei Eger (Kablik), Tetschen und Mühlhausen (Palliardi). 59. Der gemeine Kleiber. Srtta caesta W. M. Fi. -Vög. Eur. Taf. 23. Fig. 21. pag. 96. — Das ganze Jahre häufig; im Sommer in grossen Waldungen, im Winter in Gesellschaft von Meisen und Baumläufern; auch in Gärten und Parkanlagen. Ver- räth mit seinem Geschrei das nahende Schädliche: Füchse, Marder, Hunde u. s. w. 60. Die Kohlmeise Parus major L. Fr. Vög. Eur. Taf. 17. Fig. 21. pag. 99. — Ueberall häufig und nistend. 6l. Die Tannenmeise. Parus ater L. Fr. Vög. Eur. Taf. 21. Fig. 5. pag. 100. — Eine typische Erscheinung in allen Tannen- und Fichtenwäldern. Leider werden ihrer Tausende im Herbste gefangen, was wohl ganz einzustellen wäre. 62. Die Blaumeise. Parus coeruleus L. Fı. Vög. Eur. Taf. ..., Fig. 20. pag. 101. — Ueberall häufig das ganze Jahr hindurch und ein wesentlicher Bestandtheil der Meisenzüge, die ausser ihr noch aus Kohlmeisen, Kleibern und Baumläufern bestehen. 63. Die Lazur-Meise. Parus cyanus Pall. Fr. Vög. Eur. Taf. 27. Fig. 7. page. 102. — Palliardi theilt mit, dass diese 190 - Dr. Anton Fritsch: dem hohen Norden gehörige schöne Meise im Jahre 1839 von Häring unter einem Bündel anderer Meisen auf dem Prager Markte gefunden wurde. Ein zweites Mal soll sie H. Voboril beobachtet haben. 64. Die Sumpfmeise. Parus palustris Auct. (Poecla palustris Kaup.) Fr. Vög. Eur. Taf. 21. Fig. 17. pag. 103. — In gemischten Waldungen und gerne in der Nähe des Wassers, jedoch viel seltener, als die Kohl- und Blaumeise. 65. Die Haubenmeise. Parus cristiatus L. Fr. Vög. Eur. Taf. 24. Fig. 6. pag. 150. — In Nadelwaldungen, doch viel seltener als die Tannenmeise. 66. Die Schwanzmeise. Parus caudatus L. Fr. Vög. Eur Taf. 26. Fig. 9. pag. 106. — Kommt in gemischten Waldungen vor und nistet selbst in der Nähe von Prag. Herr Lokaj beobachtete im Zävistthale ein Nest mit Jungen, welche von 3 Alten gefüttert wurden, und vermuthet, dass es ein Männchen und zwei Weibchen gewesen seien. Auf dem Zuge hält sie sich meist auf Birken auf; ich traf sie auch im Winter in den Anlagen der. Prager Schanz- mauern. 67. Die Bartmeise. Calamophilus bedarmicus Leach. (Parus biarmicus L.) Fr. Vög Eur. Taf. 26. Fig. 5 & 6. pag. 108. — Diese in den grossen Rohrwäldern Galiziens und Ungarns heimische Meise erschien in Böhmen im Jahre 1849, wo ein Flug von mehr als 100 Exemplaren auf dem Teiche bei Stredokluk erschien. Zwei davon erlegte Exemplare wurden Herrn Voboril eingesandt. Nach Palliardi wurde auch ein Pärchen in der Gegend von Graslitz aus einem Zuge von Parus caudatus geschossen. 68. Die Beutelmeise Agithalus pendulinus Wig. (Parus pendulinus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 27. Fig. 8. pag. 109. — Soll nach Fierlinger im Jahre 1850 bei Kost unweit Münchengrätz vorgekommen sein. Alle übrigen Angaben über das Vorkommen dieser Art in Böhmen sind unsicher. 69. Die Feldlerche. Alauda arvensis L. Fr. Vög. Eur. Taf. 16. Fig. 11. pag. 110. — Der häufigste Vogel Böhmens, der ausserhalb des Waldes überall anzutreffen ist. Im Riesenge- birge geht er nach Tschusi bis an die weisse Wiese und auf den Brunnberg. Nach Palliardi überwintern zuweilen einige bei uns. 170. Die Haidelerche Alauda arborea L. Fr. Vösg. Eur. Taf. 16. Fig. 3. pag. 112. — Vertritt die Lerche im Bereiche der Waldungen, Die Vögel Böhmens. 191 Bei Prag nistet sie schon im Zävistthale. Vom Volke wird sie „Linduska“ genannt, mit welchem Namen aber dasselbe auch die Pieperarten bezeichnet. 71. Die Haubenlerche Alauda cristataL. (@alerida cristata Boie) Fr. Vög. Eur. Taf. 16. Fig. 16. pag. 113. — Das ganze Jahr hindurch ein häufiger Vogel längs der Strassen und Feldwege, der in strengen Wintern selbst bis in das Innere der Hauptstadt kommt, um im Pferdemist nach Nahrung zu suchen. Seiner grossen Gelehrigkeit im Nachahmen vorgepfitfener Melodien wegen gehört er bei uns, besonders auf dem Lande, zu den belieb- testen Stubenvögeln. 12. Die Alpenlerche. Alauda alpestris L. Fr. Vög. Eur. Taf. 16. Fig. 13. pag. 119. — Im Winter 1868 wurde ein Exemplar bei Bensen gefangen (Zimmermann). Nach A. v. Homeyer kommt sie jährlich im Winter zwischen Warmbrunn und Hirschberg vor. Ihr regelmässiges Vorkommen auf dem Riesengebirge wird für zweifelhaft gehalten, weil die dortigen Bewohner mit dem Namen Schneelerche den Wasserpieper bezeichnen. Die Angabe Palliardi’s, dass das Museum zu Prag ein böh- misches Exemplar der Calanderlerche Alauda calandıa) besitze, ist sehr unsicher, denn alle ähnliche Angaben, welche von meinem Vorgänger Custos Dormitzer herstammen, beruhen mehr auf Ver- muthungen, als auf positiven Thatsachen, denn ich fand weder an «den Etiquetten noch in einem Kataloge einen Anhaltspunkt dafür, dass diese Lerche wirklich in Böhmen erlegt worden sei. 13. Der Brachpieper. Anthus campestris Bechst. Fr. Vög. Eur. Taf. 16. Fig. 8. pag. 122. — Kommt auf kahlen Hutweiden vor, und ich fand mehrere Paare in der Umgebung von Schlan und Laun brütend. Herr Lokaj beobachtete diesen Vogel bei Rumburg. 14. Der Wasserpieper. Anthus spinoletta Bp. (Anthus aquaticus Bechst.) Tr. Vög. Eur. Taf. 16. Fig. 2. pag. 123. — Brütet im Riesengebirge, wo sie bis zur halben Höhe der Knie- holzregion häufig und unter dem Namen „Schneelerche® bekannt ist. Junge Exemplare wurden auch schon hie und da in Böhmen und selbst auch bei Prag erlegt. 15. Der Baumpieper. Anthus arboreus Bechst. Fr. Vög. Eur. Taf. 19. Fig. 22. pag. 125. — Ein häufiger Vogel an offenen Waldstellen. Bei Frauenberg soll er in den letzten Jahren sehr zugenommen hahen. Im Riesengebirge kommt er nach Tschusi 192 Dr. Anton Fritsch: am häufigsten am Heuschober und bei der Planusbaude vor. Bei den Vogelstellern und Jägern ist er unter dem Namen „Wald- kanarie“ bekannt. 76. Der Wiesenpieper. Anthus pratensis Bechst. . Fr. Vög. Taf, 19. Fig. 20. pag. 126. — In feuchten gemischten Waldungen während des Sommers überall häufig, im Herbste trifft man sie während der Hühnerjagden in den Gemüse- und Kar- toffelfeldern.. Nach Tschusi ist er im Riesengebirge am Heuschober und bei der Planusbaude häufig. Höher hinauf wird er seltener und geht nicht so hoch als der Wasserpieper. 77. Der rothkehlige Pieper. Anthus cervinus R. et Bl. Fr. Vög. Eur. Taf. 16. Fig. 5. pag. 127. — Dieser seltene Pieper, welcher lange Zeit mit dem alten Männchen des Wiesen- Piepers verwechselt wurde, wurde von Palliardi am 10. Mai 1844 auf einer Mooswiese bei Franzensbad erlegt. 78. Die gelbe Bachstelze BDudytes flavus Cuv. (Motacilla flava K. et Bl.) Fr. Vög. Eur. Taf. 17. Fig. 17. und 15. pag. 123. — Kommt an den Wiesen längs der Elbe und Moldau vor. Vor Jahren war sie häufig zwischen Kuchelbad und Königs- saal. Im Herbste erscheint diese Art in grösseren Gesellschaften und hält sich gerne in der Nähe der Viehheerden auf. Die Varietät Dudytes cinereocapilla (Motacilla Feldeggi Mich.) Fr. Vög. Eur. Taf. 17. Fig. 16. wurde nach Palliardi schon mehr- mals bei Franzensbad geschossen. 79. Die Gebirgs-Bachstelze. Motacilla sulfurea Bechst. (Motacilla boarula Auct.) Fr. Vög. Eur. Taf. 17. Fig. 12. u. 14. pag. 130. — An Gebirgsbächen häufig, nistet schon bei Prag im Sct. Prokopthale und in Zävist (Lokaj). Ueberwintert bei uns, wenn nicht alle Bäche zufrieren. 80. Die weisse Bachstelze Motacilla alba L. Fr. Vög. Eur. Taf. 21. Fig. 14. pag. 131. — Gehört zu den häufigsten und am weitesten verbreiteten Vögeln Böhmens, und wird deshalb serne gesehen, weil sie zu den ersten Verkündigern des Frühjahrs gehört. Sie kommt bereits Anfangs März und bleibt bis Ende October, und verlässt uns manchmal in gelinden Wintern gar nicht. 81. Der Wasserschwätzer. , Oinelus aquatticus Bechst., Fr. Vög. Eur. Tat 207.Fig. 19. Taf 21. Fig 227288 133. — Dieser interessante Vogel, der bei uns meist „Wasser- amsel“ genannt wird, Kommt das ganze Jahr hindurch an Gebirgs- bächen vor, wo er der Forellenbrut sehr nachtheilig ist. Nach Die Vögel Böhmens. 193 Palliardi singt er zuweilen an sonnigen Tagen am Eise sitzend sehr angenehm. 82. Die Misteldrossel.e. Turdus viscivorus L. Fr. Vög. Eur. Taf. 18. Fig. 6. pag. 135. — Kommt das ganze Jahr, aber spärlich in Nadelwaldungen vor. Während des Winterzuges _ wird er häufig unter anderen Drosseln gefangen und auf den Prager Markt gebracht, doch viel seltener als die übrigen Arten. 85. Die Wachholderdrossel. Turdus pilaris L. Fr. Vög. Eur. Taf. 20. Fig. 17. pag. 156. — Die Wachholderdrossel, bei uns unter dem Namen ‚Krametsvogel“ oder „Kronovet“ bekannt, erscheint im Herbste in ungeheuren Schaaren aus nördlicheren Gegenden und wird in Unzahl auf den Vogelherden gefangen, von wo sie den ganzen Winter hindurch auf den Prager Wildpretmarkt kommt. Vor Jahren kannte man diese Art nur als Brutvogel der hochnordischen Länder, aber seine Brutgrenze zieht sich von Jahr zu Jahr südlicher. Fierlinger giebt an, dass die Wachholderdrossel seit 1840 in den Kiefernwäldern Böhmens brütet. Nach Ostrdal brütet sie seit 25 Jahren in den Laubholzwäldern der Elbeniede- rungen bei Pardubic. Palliardi führt als einen besondern Fall an, dass im Jahre 1848 bei der Stöckermühle unweit Franzensbad 5 Paare gesellschaftlich auf niederen Kiefern und hohen Erlen ge- brütet haben und am 31. Mai bereits die Jungen flügge waren. Nach ihm sollen sie auch alljährlich bei Böhm. Leipa in Stangen- holz brüten. Ausserdem brüten sie auch bei Rumburg, Brandeis a. d. Elbe (Lokaj), bei Bensen (Zimmermann) und auch im süd- liehen Böhmen im Altthiergartenrevier bei Frauenberg und in Blan bei Zahaj. ‘84. Die Singdrossel. Turdus musccus L. Fr. Vög. Eur. Taf. 18. Fig. 15. pag. 139. — Ist in ganz Böhmen in Wäldern, Parkanlagen und Gärten zu finden und erscheint auch in Prag auf den Moldauinseln und selbst auf den Pappeln des Museumsgartens. 85. Die Weindrossel. Turdus iliacus L. Fr. Vög. Eur. Taf. 18. Fig. 5. pag. 142. — Ist blos im Herbst und Früh- jahrszuge bei uns zu treffen, wird aber alsdann ziemlich häufig gefangen. 86. Die blasse Drossel. Turdus odscurus Gm. (Tur- dus pallidus Temm.) Fr. Vög. Eur. Taf. 18. Fig. 11. pag. 143. — Dieser in Asien einheimische Vogel wurde nach Palliardi schon zweimal in Emeth-Revier, Herrschaft Hardenberg, Elboguer Kreises Cab. Journ. f. Ornith. XIX. Jahrg. No. 111. Mai 1871. 13 194 Dr. Anton Fritsch: in Dohnen vom Herrn Förster Koch gefangen. Das eine Exemplar kam in die ornithologische Sammlung des Fürsten von Radziwill nach Berlin, das andere hat der Herr Förster in seiner schönen Vogelsammlung aufgestellt. 87. Die schwarzkehlige Drossel. Turdus atrigu- laris Temm. (Turdus Bechsteind.) Fr. Vög. Eur. Taf. 24. Fig. 19, 20, 21. pag. 144. — Von dieser seltenen asiatischen Art, welche bisher nur einigemal in Europa beobachtet wurde, fand Herr Lokaj ein junges Männchen auf dem Prager Vogelmarkte unter Wach- holderdrosseln. Das Exemplar ist auf Tafel 24. Fig. 21. abgebildet und gelangte in die Sammlung des leider zu früh verstorbenen Grafen Schlick. 88. Die Ringdrossel. Turdus torquatus. Fr. Vög. Eur. Taf. 15. Fig. 2. — Brütet im Riesengebirge, und zwar nach den neueren Beobachtungen von A. v. Homeyer in der Region unterhalb des Knieholzes. Herr Lokaj sah sie auch im Sommer am Schnee- berg bei Bodenbach. Im Zuge kommt sie als Seltenheit in ver- schiedenen Gegenden Böhmens vor. So kaufte ich am 16. Jänner 1850 ein Exemplar am Prager Vogelmarkt. Palliardi erhielt sie im October bei Franzensbad. Ausserdem kamen Exemplare auch bei Krumau und bei Pardubiec vor. 89. Die Schwarzdrossel oder Amsel. Turdus me- rula. Taf. 15. Fig. 1. Taf. 24. Fig. 10. pag. 147. — Kommt in den Waldungen und Gärten von ganz Böhmen vor und überwintert auch. Nach Ostrdal sollen aus seiner Gegend im Winter die Weibchen verschwinden, aber die Männchen bleiben. Dieser in Waldungen so scheue Vogel scheint eine besondere Vorliebe für die Stadt Prag zu haben, in deren Mitte viele Paare brüten und im Frühjahre ihren Gesang von den Schornsteinen und Dachfirsten ertönen lassen. Auf den Pappeln des Museumsgartens brüten die Schwarzdrosseln regelmässig seit vielen Jahren und kommen den ganzen Winter hindurch auf den Hofraum um Nahrung. 90. Der Drosselrohrsänger. Calamodyta turdoides M. W. (Sylvia turdoides M.) Fr. Vög. Eur. Taf. 18. Fig. 7. pag. 150. — Ist nicht häufig in Böhmen und wird bloss im Sommer in schilfreichen Gegenden angetroffen, wo er sich aber bald durch sein auffallendes Geschrei bemerkbar macht. Ich erhielt ihn aus der Gegend von Elbekostelec und sah Exemplare in den Samm- lungen zu Pardubic und zu Frauenberg. | 91. Der Teichrohrsänger, Calamodyta arundina- Die Vögel Böhmens. 195 cea M. W. (Sylvia arundinacea Latham.) Fr. Vög. Eur. Taf. 18. Fig. 18. pag. 151. — Der häufigste unter allen Rohrsängern, von dem es im Rohr und Gebüsch grösserer Teiche und auch an Flussufern oft im wahren Sinne des Wortes wimmelt. Durch seinen unaufhörlichen und eben nicht sehr angenehmen Gesang, den er sowohl bei Tag als bei Nacht erschallen lässt, wird er fast lästig. | 92. Der Sumpfrohrsänger (Calamodyta palustris Boie. Fr. Vög. Eur. Taf. 18. Fig. 8. pag. 152. — Dieser schön singende Rohrsänger ist nicht selten in Böhmen; er wird aber oft mit dem Gartenlaubvogel (Hypolais salicaria) verwechselt. Er hält sich im Weidengebüsch von Teich- und Flussufern auf. Bei Prag erhielt ich ihn blos einmal am Vogelmarkte in Mai 1850. 95. Der Schilfrohrsänger. Calamodyta phragmitis Bp. (Sylvia phragmitis Bechst.) Fr. Vög. Eur. Taf. 18. Fig. 10. pag. 155. —- Nistet häufig an den Teichen und Flussufern selbst in der Nähe von Prag. Ich’beobachtete ihn bei Königssaal und bei Kuchelbad, und jedenfalls ist er im mittleren Böhmen viel häufiger als der Binsenrohrsänger. 94. Der Binsenrohrsänger. Calamodyta aquatica Bp. (Sylvia cartceti Naum.) Fr. Vög. Eur. Taf. 18. Fig. 2. und 19. pag. 166. — Voboril erhielt zahlreiche Exemplare von dem Teiche bei Okor. Palliardi giebt an, dass er der häufigste unter den Rohr- sängern sei, was wohl für die Umgebung von Franzensbad richtig sein mag, im übrigen Böhmen ist er aber viel seltener als der Teichrohrsänger und der Schilfrohrsänger. 95. Der Buschrohrsänger. Calamodyta locustella M. et W. (Sylvia locustella Lath.) Fr. Vög. Eur. Taf. 18. Fig. 4. pag. 157. — Ist selten in Böhmen und seiner versteckten Lebens- weise wegen schwer zu beobachten. Am 11. September 1849 erhielt ich in Lidic bei Schlan ein Exemplar, das ein Knabe mit einem Steine erschlagen hatte. Herr Lokaj fand 3 Stück lebende am Prager Vogelmarkt. Das Museum zu Frauenberg besitzt ein einziges Exemplar. 96. Der Flussrohrsänger. Calamodyta fluviatklis M. W. (Sylvia flawviatilis Meyer.) Fr. Vög. Eur. Taf. 18. Fig. 1. pag. 159. -—- Soll nach Palliardi bereits in Böhmen beobachtet worden sein, und es ist sehr wahrscheinlich, dass er sich in den dicht bewachsenen Partien der Elbe und Moldauufer aufhalten mag. Exemplare fand ich bisher in keiner Sammlung, wie überhaupt 13# 196 Dr. Anton Fritsch: die Rohrsänger bisher von den Sammlern sehr wenig beachtet wurden. 97. Der Gartenlaubvogel., Hypolais salicaria Bp. (Sylvia hypolais Durazzo.) Fr. Vög. Eur. Taf. 19. Fig. 16. pag. 161. — Dieser bei uns „Sprachmeister“ genannte vorzügliche Sänger und Spottvogel ist häufig in Gärten und an den Rändern von Laubholzwaldungen. Er ist ein beliebter Stubenvogel, der aber sorgfältige Pflege verlangt. (Darüber siehe Friedrich’s Naturgeschichte pag. 55.) 98. Der Fitislaubvogel. Phyllopneuste trochelus Meyer. (Sylvia fitis Bechst.) Fr. Vögel Eur. Taf. 19. Fig. 8. pag. 164. — Ungemein häufig in allen unseren Waldungen, sowie in Parkanlagen und Gärten. Im Riesengebirge kommt er nach Tschusi bis oberhalb der Petersbaude vor. 99. Der Waldlaubvogel. TERN sibrlatrix Bp. (Sylvia sibllatrix Bechst.) Fr. Vög. Eur. Taf. 19. Fig. 18. pag. 165. — Ist seltener als der Fitislaubvogel, nistet schon bei Prag im Zävistthale. Homeyer fand ihn in den Buchenwäldern am Sternberg bei Braunau. Ich traf ihn bei Pardubitz in den Weidengebüschpartien zwischen den grossen Teichen. 100. Der Weidenlaubvogel. Phyllopneuste rufaL. (Sylvia rufa Lath.) Fr. Vög. Eur. Taf. 19%. Fig. 15. pag. 166. — Ebenfalls seltener als der Fitislaubvogel in den Laubholzwäldern. Im Riesengebirge brütet er nach Tschusi in den Siebengründen. 101. Das gelbköpfige Goldhähnchen. Regulus er:- status Ray. (Sylvia regulus Lath.) Fr. Vög. Eur. Taf. 19. Fig. 5, 6. pag. 168. — Das ganze Jahr hindurch überall in Nadel- waldungen anzutreffen. Soeben erhalte ich von meinem Freunde Zimmermann aus Bensen die Nachricht, dass dort die Wuth des _ Vogelfanges so weit geht, dass selbst die Goldhähnchen emsig ge- fangen und gegessen werden. 102. Das feuerköpfige Goldhähnchen Zegulus ignicapillus Quv. (Sylvia ignicapilla Br.) Fr. Vög. Eur. Taf. 19. Fig. 1. 2. pag. 16%. — Lebt ebenfalls in Nadelhölzern, aber _ viel seltener als das zgelbköpfige Goldhähnchen. Im Herbst- und Frühjahrszuge erscheint er auch in gemischten Waldungen, Park- anlagen und Gärten. Ich erhielt einst eine grössere Anzahl von . Exemplaren aus dem Zävistthale bei Prag. 103. Die Gartengrasmücke Sylvia hortensis M. Die Vögel Böhmens. . 197 et W. (Curruca hortensis Briss.) Fr. Vög. Eur. Taf. 24. Fig. 8. pag. 170. — Häufig in Gärten und niedrigen Laubholzwäldern. Ist ein beliebter Stubenvogel. ae 104. Die schwarzköpfige Grasmücke. Sylvia atrr- capilla Lath. (Curruca atricapilla Br.) Fr. Vög. Eur. Taf. 24. Fig. 9, 18. pag. 171. — Häufig im Gebüsch an Bachufern, in Waldungen, Gärten und Parkanlagen. Auch diese Art wird häufig wegen ihres vortrefflichen Gesanges im Käfige gehalten. : 105. Die Dorngrasmücke. Sylvia cinerea Lath. (Cur- ruca cinerea Gr.) Fr. Vög. Eur. Taf. 25. Fig. 7. Taf. 26. Fig. 1. pag. 173. — Häufig in Gartenzäunen und an Waldrändern. Im Riesengebirge fand sie Tschusi bis bei Sct. Peter in einem jungen Fichtenbestande. Die Vogelsteller nennen diese Art bei uns „Spa- liergrasmücke“. 106. Die Zaungrasmücke Sylvia curruca Lath. (Curruca garrula Koch.) Fr. Vög. Eur. Taf. 26. Fig. 2. pag. 174. — Ueberall häufig und selbst im einzeln stehenden Gestrüpp an- zutreiien; nistet seit Jahren im Museumsgarten am Stamme einer grossen Pappel 3 Schritt von der Thüre meines Laboratoriums, so dass ich das Füttern der Jungen oft ganz gut beobachten konnte. | 107. DieSperbergrasmücke. Sylvia nisoria Bechst. Adophoneus nisorius Kaup.) Fr. Vög. Eur. Taf. 24, Fig. 12. 14. pag. 177. — Ist die seltenste unter unseren Grasmücken und scheint nur in der Umgebung von Prag besonders im Zävistthale etwas häufiger zu brüten. In den zahlreichen Sammlungen im Lande traf ich nur sehr wenige Exemplare dieser Art an. Jenes der Kablik’schen Sammlung war nicht aus dem Riesengebirge, son- dern aus der Umgebung von Prag. 108. Die Alpenbraunelle. Accentor alpinus Bechst. (Motacilla alpina Gm.) Fr. Vög. Eur. Taf. 20. Fig. 14. pag. 178. — Brütet im Riesengebirge und zwar nach Fierlinger an der Schneekoppe in dichten, niederen Fichtenwäldern, nach anderen Angaben an den Felsen des Kesselberges. Nach Tschusi ist sie in der neueren Zeit nur in den Schneegruben anzutrefien. Einzelne Exemplare werden hie und da im Winter auch im Flach- lande geschossen. Herr. Lokaj erhielt welche von Brezan bei Eule und von Brandeis a. d. Elbe. | 109 Die Hecken-braunelle Accentor modularis Cuv. Fr. Vög. Eur. 25. Fig. 15. pag. 179. — Gehört zu den wenig: 198 - Dr. Anton Fritsch: gekannten Vogelarten. Bei Prag kommt sie nur selten vor. Herr Lokaj fand sie bei Rumburg im Sommer häufig. Kablik erhielt sie bei Hohenelbe. 110. Der Sprosser. Luscrola philomela K. ei DI. (Sylvia philomela Bechst.) Fr. Vög. Eur. Taf. 22. Fig. 10. pag 181. — Der Sprosser, auch „ungarische Nachtigall“ genannt, kommt als Seltenheit in der Umgebung von Prag vor, namentlich wurde er auf der Hetzinsel beobachtet. Ob er auch in Böhmen brütet, ist bisher nicht sichergestellt. 111. Die Nachtigall. Zusciola luscinia K. et Bl. (Sylvia luscinia Lath.) Fr. Vög. Eur. Taf. 22. Fig. 4 und 11. pag. 181. — Brütet häufig in der Gegend von Prag, besonders im Kanali’schen und Kinsky’schen Garten. Besonders zahlreich findet man sie längs des Eibstromes in der Gegend von Brandeis und Elbekos- teletz. Auch in der Gegend von Laun kommt die Nachtigall häufig vor. Viel spärlicher scheint sie im südl. Böhmen vorzu- kommen und vermindert sich daselbst ihre Zahl jährlich. Aus der Gegend von Frauenberg ist sie seit dem Jahre 1861 gänzlich verschwunden. 112. Das Rothkehlchen. Lusciola rubecula K. et Bl. (Sylvia rubecula Lath.) Fr. Vög. Eur. Taf. Fig. 21. pag. 183. — Ueberall in schattigen Wäldern häufig von Ende März bis in den October. Ist der beliebteste Stubenvogel unseres Landvolkes, welchem die Aufgabe zufällt, im Herbste die Wohnstuben von den zahlreichen Fliegen zu befreien und in den traurigen Wintertagen durch seinen Gesang die Leute zu erheitern. 113. Das Blaukehlchen. Zuscvola suecica K. Bl. (Sylvia eyanecula Meyer.) Fr. Vög. Eur. Taf. 23. Fig. 6,7, 8,9. pag. 154. — Kommt häufig am Zuge im April, wo es sich im Gebüsch von Bach- und Flussufern aufhält. Im Herbste trifft man es in Kartofiel- und Gemüsefeldern. Ob es auch in Böhmen nistet, ist mir nicht mit Sicherheit bekannt. Es kommen die Abarten ohne weissen Stern (Wolf/ü) sowie die mit rost rothem Stern aufder Brust (dichrosterna) bei uns vor. 114. Das Garten-Rothschwänzchen. Zusciola phoe- nicura K. Bl. (Sylvia phoenicurus Lath.) Fr. Vög. Eur. Tar. 23. Fig. 15. 16. pag. 186. — In ganz Böhmen ein häufiger Vogel | an Baumalleen, Gärten und in Waldungen. Kommt schon im April und zieht Ende September weg. Im Riesengebirge traf ihn Tschusi am Tannenstein. Die Vögel Böhmens. 199 115. Das Hausrothschwänzchen. ZLusciola ery- thaca Bp. (Sylvia tithys Scop.) Fr. Vög. Eur. Taf. 23. Fig. 13, 14. pag. 187. — Häufig in Steinbrüchen, Felspartien, sowie an Häusern von Dörfern und Städten. Wird von Jahr zu Jahr häu- figer. Bei uns ist der Hausrothschwanz einer der ersten Ver- kündiger des Frühjahrs, der durch sein auffallendes Betragen und den originellen zwitschernden Gesang Jedermann auffält. Im Rie- sengebirge ist er ebenfalls häufig und wird daselbst ‚„Hauswittlich‘“ genannt. 116. Die Steindrossel. Petrocincla saxatilis Vig. (Turdus saxatilis L.). Fr. Vög. Eur. Taf. 23. Fig. 22, 23. pag. 189. — Brütet in Böhmen an den steilen Flussufern der Moldau und der Elbe sowie an den isolirten Kuppen des basaltischen Mit- telgebirges. Von ersteren Fällen sind mir bekannt: Worlik, Ku- chelbad, Troja bei Prag und Schreckenstein bei Aussig, von letzteren die Rösigberge, der Milleschauer, der Boren bei Bilin und die Lausche. Nach Palliardi soll die Steindrossel, welche bei uns allgemein „einsamer Spatz“ genannt wird, auch in Prag im Waldsteinischen Garten genistet haben. Vor Jahren brütete sie auch an den Felsen bei Slichov unterhalb der Kirche, und Kablik erhielt im Jahre 1837 im Herbste ein bei Prag geschossenes Pärchen. In der neueren Zeit scheint aber dieser Vogel aus der Umgebung von Prag ganz verschwunden zu sein. Die zahlreichen Exemplare, die man lebend bei den Vogelliebhabern antrifft, stammen aus südlichen Gegenden, aus Ungarn, Krain u. S. w. 117. Der braunkehlige Wiesenschmätzer. Pratin- ‚cola rubetra Kaup. (Saxieola rubetra Bechst.) Fr. Vög. Eur. Taf. 25. Fig. 2, 3. pag. 191. — Ziemlich häufig an den Strassen- alleen, in Weingärten und Feldhölzern, im Herbste in Kartoffel- ‚feldern, wo er von einem Gipfel der Stauden zum andern fliegt. Bei Prag ist er an den Wiesen längs der Moldau häufig, ebenso in den Elbeniederungen, dann bei Ji&n, Laun u. s. w. 118. Der schwarzkehlige Wiesenschmätzer. Pra- tincola rubicola Kaup. (Saxzicola rubicola Bechst.) Fr. Vög. Eur. Taf. 25. Fig. 4. pag. 192. — Ist viel seltener als die vorige Art, hält sich an trockenen Hügeln, auf offenen Waldstellen auf. Auf meinen Excursionen traf ich den Vogel fast in ganz Böh- men an; nistend fand ihn Lokaj im Zavistthale bei Prag, Kablik bei Sobotka u. s. w. 119. Der graue Steinschmätzer. Saxticola oenanthe 200 Dr. Anton Fritsch: Bechst. (Motacilla oenanthe L.) Fr. Vög. Eur, Taf. 21. Fig. 20. Taf. 25. Fig. 12. pag. 193 — Ein häufiger Vogel an trockenen Hügeln, in Steinbrüchen, an Hohlwegen und in Felsengegenden. Im Riesengebirge nach Tschusi bis bei der Rennerbaude. 120. Derkleine Fliegenschnäpper. Muscicapaparva Bechst. ( Erythrosterna parva Bp.) Fr. Vög. Eur. Taf. 25. Fig 1. Taf. 24. Fig. 15. pag. 196. — Palliardi führt an, dass diese Art am Fusse des Riesengebirges vorkommen soll und dass im Museum zu Prag ein in Böhmen erlestes Exemplar sich befindet. Das letz- tere ist in sofern wahr, dass wir aus älterer Zeit ein wahrschein- lich aus Böhmen stammendes Exemplar besitzen, doch ist mir über seine Abstammung nichts Näheres bekannt. Dieses kleine, dem Rothkehlchen ähnliche Vögelchen kann bisher leicht übersehen worden sein, weil es sich meist in den dürren Kronen hoher Bäume alter Gebirgswaldungen aufhält. 121. Derschwarzrückige Fliegenschnäpper. Mus- cicapa atricapilla L. Er. Vög. Eur. Taf. 21. Fig. 6. Taf. 24, Fig. 5. pag. 197. — Kommt sparsam bei uns vor und wird na- mentlich im Frühjahr häufiger beobachtet. Scheint bei Prag zu nisten, indem er öfters im Sommer lebend auf den Vogelmarkt gebracht wird. Im Mai 1870 traf ich diese Art zahlreich in den schönen Eichenalleen bei Frauenberg in Gesellschaft mit dem weisshalsigen Fliegenschnäpper. 122. Der weisshalsige Fliegenschnäpper. Musci.- capa albicollis Temm. (Musc. collaris Bechst.) Fr. Vög. Eur. Taf. 21. Fig. 10. Taf. 24. Fig. 3. pag. 198. — Ist etwas seltener als die vorige Art, wird aber auch öfters lebend auf den Markt gebracht. Herr Lokaj hatte ein Exemplar mehr als ein Jahr in Gefangenschaft. 123. Der graue Fliegenschnäpper. Muscicapa grisola L. (Butalis grisola Boie.) Fr. Vög. Eur. Taf. 24. Fig. 4. pag. 198. — Häufig in Laubholzwäldern und Gärten, selbst auf den Moldauinseln innerhalb Prags.. Im Riesengebirge fand ihn Tschusi bis oberhalb St. Peter im Walde brütend, 124. DerSeidenschwanz. Bombyeilla garrula Temm. (Ampelis garrulus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 27. Fig. 4, 5. pag. 200. — Kommt in kleinen Schaaren in jedem Winter nach Böhmen, wo er vom November bis zum April beobachtet wird. In manchen Jahren erscheint er in grosser Menge, jedoch nicht gerade immer in 7 Jahren, wie man es gewöhnlich annimmt. Die Vögel Böhmens. 201 125. Die Dorfschwalbe. Zirundo rustica L. (Ceeropis rustica Boie). Fr. Vög. Eur. Taf. 23. Fig. 4. pag. 201. — Ueberall häufig und sich der allgemeinen Schonung erfreuend. Ihre Zu- traulichkeit zum Menschen geht so weit, dass sie ihr Nest selbst in Städten auf die Vorhäuser baut. So war ein Nest durch mehrere Jahre im physiologischen Institute in Prag oberhalb eines Glocken- zuges angebracht, und in Budweis fand ich eins an der Thür des Bergamtes 5’ von der Erde, so dass man bequem hätte hinein- greifen können. Im Riesengebirge fand sie Tschusi blos bis zur Krausebauden- mühle. Im Jahre 1845 spiesste sich eine Dorfschwalbe auf den Blitzableiter neben dem Uhrthurme auf dem Clementinum. 126. Die Uferschwalbe. Cotiyle riparia Boie. (Hürundo riparia L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 24. Fig. 1, 2. pag. 204. — Brütet colonienweise an steilen Lehmufern, den Flussufern sowie in Hohl- wegen u. s. w. Ich kenne Colonien von Uferschwalben am Mol- dauufer bei Komoran und bei der Kaisermühle bei Prag, im Eisen- bahneinschnitt bei Weltrus, in den steilen Egerufern bei Lenesie unweit Laun, in den hohen sandigen Ufern des Bestrever Teiches bei Frauenberg u. s. w. 127. Die Stadtschwalbe. COhelidon urbica Boie, (Hi- rundo urbica L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 24. Fig. 5. pag. 206. — Häufig in Städten und Dörfern. Kommt etwas später im Früh- jahre zu uns als die Dorfschwalbe. Ihre Nester an den Häusern werden häufig zerstört, weil man das immerwährende Verunreinigen der Fensterscheiben nicht dulden will. Im Riesengebirge brüten nach Tschusi 50—60 Paare an der Spindelmühle, 7 Paare an der Schlüsselbaude und sie brütet auch an der Rennerbaude. 128. Der grosse Würger. Lanius excubitor L. (La- nius major Pall.) Fr. Vög. Eur. Taf. 21. Fig. 12. pag. 207. — ist nicht sehr häufig, aber über ganz Böhmen verbreitet. Nistet an isolirt im Felde stehenden Bäumen, bei Frauenberg, Podebrad, Jicin u. s.w. Im Winter wird er öfter unter Drosseln und anderen Vögeln auf den Prager Wildpretmarkt gebracht. 129. Der schwarzstirnige Würger.. Lantus minor Gm. (Zanius üalicus Lath.) Fr. Vög. Eur. Taf. 21. Fig. 16, 18. pag. 209. — Brütet in der Gegend zwischen Kopidino, Jiein und Turnau häufig auf den Strassenbäumen, bei Prag selten an Waldrändern, auch bei Frauenberg. Sonst ist, er viel 202 | Dr. Anton Fritsch: seltener als die vorige Art und bleibt auch nicht den Winter über bei uns. 130. Der rothköpfige Würger. DLanius rufus Briss. (Einneoctonus rufus Bp.) Fr. Vög. Eur. Taf. 24. Fig. 11. Taf. 25. Fig. 9. pag. 209. — Kommt zugleich mit der vorigen Art und ebenfalls nicht häufig vor. Ich beobachtete ihn bei Jicin und bei Tredokluk. 131. Der rothrückige Würger. Lanius collurio Boie. (Enneoctonus collurio Boie.) Fr. Vög. Eur. Taf. 23. Fig. 12. Tat. 25. Fig. 8. pag. 211. — Ueberall häufig in Gärten und an Wald- rändern. Ist durch die Plünderung der Nester kleiner Singvögel sehr schädlich und sollte nicht geschont werden. Er kommt Anfangs Mai und zieht im September wieder südlicher. 132. Der Eichelhäher. Garrulus glandarius Bp. (Corvus glandarius L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 27. Fig. 10. pag. 212. — Ein häufiger Vogel unserer Waldungen, der uns auch im Winter nicht verlässt. 133. Die Elster. Pica caudata Gessn. (Corvus Pica L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 27. Fig. 6. pag. 215. — In den meisten Gegenden Böhmens gemein, bei Prag wegen der Entwaldung und starker Verfolgung bereits selten. 134 Der Tannenhäher Nucifraga caryocatactes Cuv. (Corvus caryocatactes L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 13. Fig. 10. pag. 217. —- Erscheint in manchen Jahren in grosser Anzahl, so nach Palliardi im Jahre 1844 und 1850 bei Franzensbad und an vielen Orten Böhmens immer nach 4—5 Jahren. Ä Zimmermann erhielt bei Bensen im October 1863 3 Exemplare, welche in dem Magen blos Wespen hatten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser Vogel, dessen Nist- weise erst in den letzten Jahren bekannt wurde, auch bei uns in Böhmen brütet. Im Isergebirge wurden ganz junge Vögel von einem Freunde des Herrn Lokaj beobachtet, und in der Gegend von Budislav soll er häufig sein und daselbst wahrscheinlich brüten. Besonders wäre der Böhmerwald in dieser Beziehung zu untersuchen. | 135. Die gemeine Dohle. Corvus monedula L. (Lycos monedula Boie.) Fr. Vög. Eur. Taf. 28. Fig. 2. pag. 218. — Eine angenehme Staffage des hundertthürmigen Prag, wo man das Treiben dieser klugen Vögel das ganze Jahr hindurch beobachten kann. Ausser auf Thürmen und Ruinen trifft man sie auch in den Die Vögel Böhmens. 203 Felsen, z. B. bei Tetin, Karlstein, und in hohlen Buchen, z. B. bei Frauenberg, nistend. Auffallend regelmässig kommen weisse Varietäten in der Gegend von Policka vor, von wo Herr Hromadko mehrere Jahre hindurch Exemplare erhielt. Die Dohlen der Stadt Prag übernachten daselbst nur sehr sparsam, denn sie ziehen des Abends schaarenweise in die Wal- dungen von Kundratic und Eule, wo sie auf grossen isolirten Bäumen die Nachtruhe halten. 136. Die Saatkrähe. Corvus frugilegus L. Fr. Vög. Eur. Taf. 28. Fig. 7, 8. pas. 219. — Dieser unter dem ganzen Rabengeschlecht der Landwirthschaft nützlichste Vogel ist im mittleren Böhmen in manchen Gegenden in Unzahl anzutrefien. Die berühmteste Colonie ist der Park von Weltrus, wo Tausende von Nestern zu finden sind und wo auch noch alljährlich das un- sinnige Rabenschiessen wiederholt wird. Im südlichen Böhmen sind der Wald Gernohaj bei Libejie und. dann der Wald bei Lomic die grössten Brutplätze. Seit etwa 10 Jahren entstand auf der Hetzinsel bei Prag eine Colonie, die bereits an 100 Nester zählt. Kleinere Brutplätze sind in Böhmen noch hie und da anzu- treften. Die Art erfreut sich bereits ziemlich der allgemeinen Schonung, während man sich zur Duldung der grauen Winter-Krähe, welche durch die Plünderung der Rebhühner- und Singvögelnester sehr schadet, nicht entschliessen kann. 137. Die graue Winterkrähe. Corvus cornixz L. Fr. Vög. Eur. Taf. 28. Fig. 1. — Ueberall, selbst in der Nähe der Hauptstadt anzutreffen. Im mittleren Böhmen vorherrschend, d. h. die folgende Art, die nur für eine Varietät der grauen Winterkrähe gehalten wird, kommt hier nicht oder nur selten vor. Uebergänge in der Färbung zwischen beiden Arten findet man in Sammlungen des Museums zu Prag, Frauenberg, Jiöin u. s. w. Die Augabe Palliardi’s, dass die graue Winterkrähe in ganz Böhmen seltener sei als die schwarze (Corvus corone), dürfte wohl nur für das Gebirgsland des westlichen Böhmen richtig sein. 158. Die schwarze Winterkrähe. Ü(orvuscorone. Fr. Vög. Eur. Taf. 28. Fig. 3. pag. 221. — Ist häufig in den Gebirgs- gegenden Böhmens, fehlt aber im Flachlande und namentlich der Umgebung Prags, von wo ich nie ein Exemplar erhielt. In Privatsammlungen fand ich oft die jungen Saatkrähen, 204 Dr. Anton Fritsch: Die Vögel Böhmens. welche das Gefieder am Schnabel noch nicht abgestossen haben, als ©. corone bestimmt. Diese haben aber mehr violettes Gefieder und zerschlissene Federn am Kopf, während man bei den (. corone die Conturen der Kopffedern unterscheiden kann und der Glanz des (Gefieders mehr in’s Grünliche geht. Weil sich die schwarze Krähe mit der grauen paart, hält man sie beide nur für eine Art. 139. Der Kolkrabe. Corvus coraxz L. Fr. Vög. Eur. Taf. 28. Fig. 6. pag. 221. — Kam noch vor einigen Jahren auf den Herrschaften Krummau und Winterberg (bei Kubani) vor, soll aber nach meinen in diesem Jahre eingesammelten Mittheilungen des dortigen Forstpersonales nur mehr auf der gegen Oberösterreich abfallenden Seite des Böhmerwaldes am Mihlfiuss und Leichten vorkommen. Das Museum zu Frauenberg besitzt blos 2 böhmische Exem- plare von Krummau (die übrigen sind von Murau). Hromädko in Pardubic besitzt ihn aus früheren Zeiten aus dem Isergebirge und die Kabliksche Sammlung hatte ein !847 bei Konecchlum erlegtes Exemplar. 140. Der Pirol (Goldamsel). Oriolus galbula L. Fr. Vög. Eur. Taf. 14. Fig. 7, 8. pag. 224. — In Gärten und Laub- holzwäldern besonders bei Prag häufig und wegen des Schadens, den er am Kirschobste macht, verfolgt. Er kommt Anfangs Mai und zieht schon Anfangs August südlicher. 141. Der Staar. Sturnus vulgaris. Fr. Vög. Eur. Taf. 27. Fig. 1, 3. pag. 225. — Brütet in den Gebirgsgegenden sowohl in hohlen Bäumen als auch in den im nördlichen Böhmen sehr gebräuchlichen Staarkästen. Im mittleren Böhmen brütet er nur sparsam, so z. B. bei Ouval, Brandeis a. d. Elbe u. s. w. Im Juli sammeln sich bereits grosse Schaaren und erscheinen dann an Teichen und nassen Wiesen, so z. B. im Egerthal bei Laun, in der Pardubicer und Frauenberger Gegend u. s. w. Sein massenhaftes Auftreten im Herbste verleitet noch manchen Jagdliebhaber zur Tödtung vieler dieser "nützlichen Vögel, was wohl ganz aufhören sollte. 142. Die rosenfarbige Staaramsel. Pastor roseus Temm. (Turdus roseus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 22. Fig. 19, 20. pag. 227. — Dieser dem südöstlichen Europa angehörige schöne Vogel erscheint von Zeit zu Zeit in Böhmen meist in Gesellschaft des gemeinen Staares, und scheint auch bei uns gebrütet zu haben Th. vonHeu glin: Nachtrag zum Bericht über Spitzbergen. 205 da er wiederholt im Sommer und mit entwickeltem Ei erlegt wurde. Exemplare wurden erlegt: Bei Prag 1837 und 1838 (Voboril), Stiahlau 1855 (Ziva III. pag. 383), Sezemin bei Pardubie 1859, Sobotka 1862 (Fierlinger), Podebrad 1865 (Hofimann), Rosendorf am Rosenberg bei Tetschen 1. Juni 1363 (Zimmermann), Dobrichovie bei Prag im Sommer (Lokaj), Wittingau (Mus. Be Pardubic wiederholt (Hromadko) u. s. w. Nachtrag zu meinem Bericht über die Ornithologie Spitzbergens. Von M. Th. von Heuglin. (Siehe März-Heft, S. 81 u. ff.) Professor Alfred Newton hat die Güte gehabt, einige der von mir in Spitzbergen eingesammelten Vögel einer genaueren Unter- suchung und Vergleichung zu unterwerfen, namentlich das spitz- bergische Schneehuhn. Was letzteres betrifft, so schreibt Newton, dass er ZLagopus hemileucurus als eigene Art anzuerkennen geneigt sei. Er unter- scheide sich von Zagopus rupestris (L. Islandorum, Reinhardtit etc.) 1) durch die Färbung der Steuerfedern. Bei einer grossen Serie von Exemplaren dieser Gattung findet sich nicht ein einziges, welches die charakteristische, weisse Zeichnung der Basalhälfte des Schwanzes zeigt wie Z. hemileucurus. Wohl giebt es einzelne Fels-Schneehühner (Z. rupestris), welche das Ende (wohl das obere Ende, die Basis) der Steuerfedern leicht weiss-gesäumt haben, dies ist aber Alles. 2) Das 3 hat eine blassere Färbung als dasjenige von Z. rupestris (sowohl von Island als von Grönland), und ein fahler Anflug erstreckt sich über die Oberseite und Brust. Was die Grösse anbelangt, so scheint diese nicht gerade mass- gebend. Denn die grössten Exemplare von Z. mutus (L. alpinus), die Newton je gesehen und untersucht hat, kommen auf der Insel von Hammerfest (Kualö) vor und die kleinsten auf den Gebirgen der norwegisch-schwedischen Grenze, kaum 60 englische Meilen von erst erwähntem Standort entfernt, und beide Formen, die sehr grosse und die sehr kleine, gehören sicherlich einer und derselben “Art (dem Z. mutus) an. 206 M. Th. von Heuglin: Professor Newton wird die Unterschiede in einem Artikel im Ibis noch besonders präcisiren. Die in meinem Bericht erwähnte rein weisse Varietät von Procellaria glacialis vom Helis-Sund (Ost-Spitzbergen) ist ein sehr schönes und interessantes Stück. Diese Varietät kommt von Zeit zu Zeit auch in Island vor, es ist der Smidur (Naumannia 1857. p- 437), von dem die Sammlung in Cambridge auch ein Gegenstück aufzuweisen hat. Der Cepphus mit !4 Steuerfedern, welchen ich in meinem Bericht als fraglichen Ü. columda aufgestellt habe, gehört nicht zu letztgenannter Art. Professor Newton hat die eingehendsten Vergleichungen mit zweifellosen echten Tauben-Teisten (C. columba) aus Californien, Columbien etc. angestellt. O. columba hat in allen Alterstufen einen längeren, stärkeren und breiteren Schnabel. Derjenige meiner vermuthlichen €. columba von Spitzbergen gleicht vollkommen dem von ©. Mandti; er ist sehr dünn und weicht in dieser Beziehung auch von dem des C. grylle wesentlich ab. Ob die 14 Steuerfedern allein hinreichend sind, hier eine besondere Art anzunehmen, lasse ich noch dahin- gestellt. Chr. L. Brehm erwähnt im Vogelfang p. 407 ebenfalls einer Gryll-Lumme, die aus Grönland an die, holländischen und deutschen Küsten kommt, „mit 14 Steuerfedern und Weiss auf den vordern Schwungfedern“ als Cepphus Meissneri Brehm. ©. Mandtiü ist gegen Schlegei’s Ansicht bestimmt als eine von ©. grylle wohl zu unterscheidende Art zu betrachten. Bei letzteren zeigt sich in allen Kleidern die schwarze Basalhälfte der grösseren Flügeldecken, welcher Theil bei ©. Mandtii immer rein weiss ge- färbt ist. Stuttgart, den 31. März 1871. Ueber die rothäugige Drossel, Turdus olivacinus Bp. Von M. Th. von Heuglin. In meiner Ornithologie Nordost-Afrikas (Vol. I. p. 332) habe ich den nordöstlichen Repräsentanten der südafrikanischen Oliven- drossel (Turdus olivaceus L.) nach ausführlichen Beschreibungen des Vogels, wie ich sie in meinen Notizbüchern aufgezeichnet fand, Ueber die rothäugige Drossel, Turdus olivieinus Bp. 207 zu charakterisiren ‚gesucht. Eine directe Vergleichung beider Arten konnte ich damals nicht vornehmen, weil von den von uns in Abessinien eingesammelten rothäugigen Drosseln kein Exemplar im hiesigen Königl. Naturaliencabinet aufbewahrt wird. Ein solches erhielt ich kürzlich vom Senkenbergischen naturhistorischen Mu- seum in Frankfurt. Die Vergleichung beider Formen ergiebt Fol- gendes: Turdus olivacınus ist constant kleiner als T. olivaceus; er hat etwas breiteren Schnabel, ist obenher und auf der Brust lichter olivenbraungrau, hat breite schwärzliche Zügel, von denen T' olivaceus keine Andeutung zeigt; die Kehlmitte, welche bei letzterem na- mentlich gegen den Kropf hin viel mehr weisse Grundfarbe hat, ist bei 7. olivacınus olivenbraungraulich und hier die schwärzliche Strichlung weniger weit nach unten verbreitet; die olivenrauchgraue Grundfarbe der Unterschwanzdecken mehr vorherrschend; bei T. olivaceus erscheinen die Unterschwanzdecken dagegen trüb weiss ‚und nur seitlich mit verwaschenen heller olivengraulichen Rändern oder Flecken; bei T. olivacinus zeigt sich nach der Spitze der Un- terschwanzdecken zu ein immer breiter werdender, ziemlich scharfer, weisser Schaftstrich; nach meinen Notizen wären die Aussenfahnen dieser Theile zuweilen auch ganz weiss gerandet. Layard nennt den Oberschnabel von T, olivaceus hornbraun, » Unterschnabel und Füsse gelb. Bei T. olwacinus ist der ganze Schnabel und die nackte Augengegend feuerroth; die Füsse hochorange; das Auge selbst braun bis hochrotb. Schn. v.d. St. Flüg. Schw. | Tars. aaoemuse Su Bl), [ag gu ge gı ge TG, Ta FT, olivaceus: gu _ gi, 4". gu _ zu PRIL | gu zu _ gu 6%, 15% ' Die Synonymie von 7. olivacinus gestaltet sich folgendermassen. Turdus olivaceus Auct., ex Afr. or. (nec. Lin... — T. erythro- rhynchus Rüpp., Mus. Francof. — T. oliwacınus Bp., Consp. ]. p. 273 (ex Afr. merid.!!) Merula olivacea Rüpp., N. Wirb. Abyss. p. 83. — Rüpp. Syst. Ueb. No. 194. — Heugl. Syst. Ueb. No. 274. — Lefeb. Abyss. Ois. p. 168*. — Cab. v. d. Decken, Reisen III. p- 21. Not. — Hartl. & Finsch, O.-Afr. p. 280 (not.). — Heugl. Cab. Journ. 1862 p. 294. — T. olivacinus Hgl., Ornith. N-O.-Atrik. I. p. 382. t. 14. 1. — Blanf. Abyss. p. 357. — T. olivaceus Ferr. & Gal. No. 54. — ? T. abyssinicus Gm., Syst. Nat. I. p. 2. f. 824. — 2 T. olivaceus Jard., Contr. 1852, Coll. Dauben. No. 24. — ?? Hartm. Cab. Journ. 1864. p. 147. 208 A. G. Nordvi: Similis Turdo olivaceo; minor; pallidior; gula media colore umbrino-cinerascente adumbrata; loris conspieue nigricantibus. Ex olivaceo umbrino-cinereus; tergo, uropygio et supracaudalibus magis cinerascentibus, collo laterali antico pectoreque pallidioribus; imento albicante, immaeculato; gula media sordide albicante, colore umbrino einerascente tincta, conspieue fusco-striolata; subalaribus, abdomine et tibialibus laete ochraceo-fulvis; erisso albicante; subcaudalibus umbrino-cinerascentibus scapis albis, in dimidio apicali late albo striatis; remigibus et rectriecibus fuscis; secundariarum pogonio externo tergaei colore limbato, primariarum magis cinerascente- marginato; rectricum margine externo basin versus olivaceo-cine- rascente; rostro orbitisque nudis igneo-rubris; iride tum umbrina, tum scarlatino-rufa; pedibus aurantiacis. Eine Beschreibung des Jugendkleides verdanken wir Finsch und Hartlaub (Ornith. Ost-Afrikas p. 280. not.). Bonaparte lässt übrigens seinen 7. olivacınus in Südafrika und seinen T. olivaceus in Afrika und zufällig in Europa vorkommen. Layard nennt fälschlich die Weichen von T. olivaceus tief braun- gestrichelt, auch die Beschreibung von Bonaparte im Conspectus ist unzureichend. T. olivacinus ist bis jetzt ausschliesslich als Be- wohner des abyssinischen Hochlands bekannt. Rüppell will diese Art auch im Küstengebiet von Habesch und Hartmann am oberen blauen Nil gefunden haben. Beide Angaben beziehen sich ohne Zweifel auf Turdus pelios, der in Afrika einen sehr grossen Ver- breitungsbezirk hat, dessen Heimath aber Bonaparte und Dybowski nach Asien verlegen. *) -fAnas Stelleri, in Europa brütend. Von A. G. Nordvi. An den Herausgeber. Mortensnäs pr. Vadsö, Norwegen, den 21. April 1870. Da ein jeder Beitrag zur Kenntniss der Vögel, zunächst der europäischen, von Interesse ist, möchte ich Sie bitten, folgende kurze *) Vergl. dies Journal, Jahrg. 1870, $. 238 und 306. Wir haben daselbst die Irrthümer über den wahren 7. pelios aufgeklärt und der oben gemeinten afrikanischen Art den Namen icterorhynchus vindieirt. D. Herausgeber. Anas Stellerd in Europa brütend. 209 Notizen über Anas Steller! in das von Ihnen herausgegebene or- nithologische Journal aufzunehmen: Während einer Reihe von Jahren bin ich der Meinung gewesen, dass man Anas Sielleri brütend finden müsste irgendwo längs der russischen Küste des sogenannten „Russisk Finmarken“, welches 2500 [L] Meilen umfasst und nur eine kurze Zeit im Sommer der Küste entlang von russischen Fischern und einigen wenigen Lappen bewohnt wird. Gegen Westen an der Küste grenzt diese Land- schaft an Norwegen, von dem sie durch den kleinen Grenzfluss Jakobselo getrennt ist. An dieser Küste ist es, dass A. Stelleri brütend gefunden worden ist. Unter einigen Eiern von Zarus, Sterna, Mormon u. S. w., die ein norwegischer Fischer auf der Russ- land gehörenden Inselgruppe „Heenöerne“, gelegen an der Küste des „Russisk Finmarken“, gesammelt hatte, fand ich Ende Juni 1859 auch ein Ei, von dem ich, obwohl keine Dunen mitfolgten, annahm, dass es der A. Steller! und keiner anderen mir bekannten Enten- art gehören müsste, um so mehr, weil es vollkommen mit den Ab- bildungen in Middendorf’s sibirischer Reise übereinstimmte. Das Ei wurde mit mehreren zusammen, wahrscheinlich ein Gelege, 14. Juni 1859 gefunden; die übrigen Eier wurden gegessen. Durch dieses eine Ei, was ich zufälliger Weise gerettet hatte, und welches Dr. Alfr. Brehm in meiner Sammlung während seiner Reise sah, hatte ich also Gewissheit dafür, dass A. Stellerd in Europa brütet. Trotzdem ich mich später auf jede Weise bemüht habe, in Besitz von mehreren Eiern zu kommen und zu erfahren, ob 4A. Stelleri in grösserer Anzahl längs der Küste brütet, sind doch meine Be- strebungen so gut wie vergebens gewesen, der localen Verhältnisse wegen, und weil es keine andere Verbindung mit der genannten Küste giebt als durch unwissende russische Fischer. Vor einigen Monaten war ich so glücklich, in Besitz von 3 Eiern mit Dunen von 4A. Stelleri zu kommen, die den letzten Sommer bei Petschinka ge- funden wurden. Ob sie in Menge brütet, ist mir noch nicht ge- lungen auszuforschen. Mittlerweile ist es durch das Auffinden dieser zwei Gelege dar- gelegt, das Anas Steller® in Europa brütet, worüber man bisher, so weit mir bekannt, keine Gewissheit gehabt hat. Cab. Journ. f. Ornith, XIX. Jahrg. No. 111, Mai 1871. 14 210 B. Borggreve: Erster Nachtrag | zu meiner Arbeit über „Die Vogel-Fauna von Nord- deutschland“. *) Von B. Borggreve. Es sind nun etwa drei Jahre her, seit ich das oben bezeichnete anspruchsiose Büchelchen verfasst habe. Da dasselbe einen Gegen- stand behandelt, welcher seiner Natur nach einen eigentlichen Ab- schluss nie gestatten wird, und überhaupt wesentlich deshalb der Oeffentlichkeit übergeben wurde, um für „weitere Forschungen zum Zwecke der Berichtigung und Vervollständigung der bezüglichen Kenntnisse anzuregen‘ (p. XII), so dürfte es angezeigt sein, das- jenige, was bis heute nach dieser Richtung hin mir bekannt ge- worden ist, in einem „ersten Nachtrage“ kurz zusammenzufassen und in dieser Zeitschrift — welche ja von allen Ornithologen Deutsch- lands gehalten wird — niederzulegen. Ich selbst lebe seit der Herausgabe des Buches in einer ornithologisch ziemlich trostlosen, wenn auch landschaftlich reizenden Gegend.**) Daher beschränkt sich das, was ich zu bringen habe, vorzugsweise auf die Mittheilungen anderer Ornithologen, welche entweder bei Gelegenheit der Recen- sion meiner Fauna in verschiedenen Zeitschriften niedergelegt oder auch direct an mich gelangt sind. Ein Theil dieser Mittheilungen ist in sofern völlig irrelevant, als er Specialia enthält, welche ich bei meinen Angaben über das Vorkommen etc. bereits generell inbegriffen habe. Ein anderer bringt mehr oder minder wahrscheinliche Vermuthungen. Die Zahl der thatsächlichen und unanfechtbaren Berichtigungen und Vervollständigungen ist verhältnissmässig gering. — I. Der (ungenannte) Referent einer sehr wohlwollenden Re- cension im literarischen Oentralblatte — dem ich hiermit bestens danke — führt an zu No. 122. Fringilla petronia L., dass er ‚selbst Zeuge der Erlegung eines Pärchens im Saalthale gewesen ist und zu No. 163. Techodroma muraria L, dass er ebendaher frisch ge- schossene Exemplare erhalten habe. Beide Mittheilungen sind von Interesse, bin aber zunächst eine andere Fassung meiner Angaben wohl nicht. ll. Prof. Dr. J. H. Blasius, der ewig unvergessliche ausge- *) Berlin b. Julius Springer 1869. *=*) Hannöversch Münden. Erster Nachtrag zur ‚„Vogel-Fauna von Norddeutschland“. 211 zeichnete Kenner der europäischen Wirbelthierfauna hat kurz. vor seinem-Dahinscheiden in Nördlinger’s , Kritischen Blättern“ (Band 52. p: 753) meine Arbeit noch einer äusserst schmeichelhaften einge- henden Besprechung gewürdigt, aus welcher ich folgende Berich- tigungen und Ergänzungen hervorhebe: a) Zum allgemeinen Theil wird bemerkt, dass die von mir be- sonders für das Flussgebiet der Elbe geltend gemachte grosse Reich- haltiokeit der Vogelfauna sich auch noch bis in die Gegend von Braunschweig (160 Arten Brutvögel!) erstreckt. b) Den speciellen Theil vervollständigt Blasius wesentlich *) durch folgende Mittheilungen: Zu No. 22. Buteo vulgaris Bechst. Derseibe soll für die Gegend von Braunschweig nicht Strichvogel in dem von mir definirten Sinne, sondern entweder Stand- oder Zugvogel sein. — Ich muss dem gegenüber bei meiner Angabe stehen bleiben: mein „Strich- vogel‘‘ bildet eben den Uebergang vom Stand- zum Zugvogel und Buteo vulgaris ist als Art ein entschiedener Repräsentant dieses Ueberganges. Zu No. 19. Circadios gallicus Gmel. ist nach Blas. bei Celle und Gifhorn im Lüneburgischen bestimmt Brutvogel. Zu No. 26. Aguda naevia Briss. geht nach Blas. westlich noch bis in die Gegend von Hannover und Hildesheim als Brutvogel. Zu No. 34 und 35. Astur palumbarius L. und nisus L. Beide will Blasius nicht als Strichvögel anerkennen — ich glaube aber meine Bezeichnung aufrecht erhalten zu müssen. Der Sperber ist 2.. B. im Winter ein ganz gewöhnlicher „Residenzbewohner“,. ver- lässt also entschieden dann den Rayon seines Horstes dauernd, ohne als Art unser Land zu verlassen. Aehnliches gilt vom Habicht! Zu No. 65. Piecus canus Gm. Wenn auch der Grauspecht nach Blasius bei Braunschweig in der Ebene etwas häufiger angetroften wird, als im Harz, so muss ich doch dabei stehen bleiben, dass derselbe im Gebiet sich wesentlich als Gebirgsvogel charakterisirt. In grösserer Entfernung vom Gebirgs- oder Hügellande wird er in der Ebene wohl nirgends regelmässig gefunden, während er fast alle von mir besuchten Gebirgsgegenden, z. B. Schlesien, Thüringen, Harz, Weser, Rhein bewohnt. Zu No. 67. Pieus leuconotus Bechst. auch im Solling als Gast vorgekommen. #) Einige Angaben, welche mit den meinigen ziemlich congruent sind, übergehe ich. 14* 212 B. Borggreve: Zu No. 76. Coracias garrula L. auch noch bei Braunschweig regelmässig brütend. Zu No. 108. Pyrrhula enucleator L. auch im Solling als Gast vorgekommen. Zu No. 130. Loxia leucoptera Gm. bis in die neueste Zeit einzeln vom Harz her in Braunschweig auf den Markt gebracht. Zu No. 153 und 154. Corvus corone Lath. und ©. cornix L. auch im Braunschweigischen nicht selten untereinander gepaart — aber Mittelformen sehr selten. Zu No. 212 und 213. ZBegulus ignicapilus Brehm und R. eristatus Koch. Nach Blasius eristatus „ziemlich in allen Nadelwäldern der Ebene bei Braunschweig, ignicapillus dagegen in den Gebirgswäldern häufiger“. Das würde nun ziemlich mit meinen Angaben stimmen. Inzwischen habe ich selbst mich überzeugt, dass diese meine An- gaben wesentlich zu modificiren sind, und dass ich insbesondere Brahts und Gloger gegenüber zu revociren habe. Regulus cristatus brütet in den Fichtenwäldern der Gebirge und resp. den Fichtenan- lagen der Parks vielfach eben so häufig, bei Münden sogar wohl et- was häufiger als ignicapillus! Es bleibt eine in vieler Beziehung sehr interessante Erscheinung, dass diese beiden so nahe verwandten Arten im Sommer so häufig und regellos durcheinander vorkommen und brüten — und sich doch wieder im Winter so streng sondern! Zu No. 165. Anthus spinoletta L. Blasius- bestätigt, dass diese Art die nördlich vom Harze gelegenen Gegenden nicht selten als Wintervogel besucht, „während die nordische Form A. odseurus hier nicht beobachtet wurde.“ — Es liegt gleichwohl nahe, die Winter- Wasserpieper Westfalens etc. für nordische Wanderer zu halten! Zu No. 171. Anthus Richardi Vieill. kommt nach Blas. auf den Inseln und an den Küsten der Nordsee in kleinen Schwärmen als Herbst- und Wintergast vor. Zu No. 301. KRallus aguaticus L. Nach Blas. unzweifelbarer Brutvogel 'der Sumpfgegenden nordöstlich von Braunschweig. Zu No. 307. Grus cinerea. Regelmässiger Brutvogel noch im Drömling an der Grenze des Weser- und Elbgebiets. Zu No. 323. Recurvirostra Avocetta L. Auf Borkum regelmäs- sig brütend. — | Zu No. 351. Tringa minuta Leisler. Als Durchzugsvogel in mächtigen Schwärmen auch bei Braunschweig. Zu No. 356. Ascalopaw major Gm. Von Blas. bei Braunschweig auf den Eiern erlegt. Erster Nachtrag zur „Vogel-Fauna von Norddeutschland“. 213 Zu No. 369. Ardea minuta 1. Regelmässiger Brutvogel bei Braunschweig. Zu No. 373. Ciconia nigra L. Bis weit in das Wesergebiet hinein Brutvogel. Zu No. 387. Anser cinereus M. et W. Auch bei Braunschweig von jeher Brutvogel. Zu No. 396. Anas strepera L. Regelmässiger wenn auch wenig zahlreicher Brutvogel bei Braunschweig. Zu No. 397 und 401. _Anas acuta L. und Zhynchaspis celypeata L. Beide ebenfalls einzeln bei Braunschweig brütend. Zu No. 435. FPodiceps suberistatus Jacq. Brutvogel bei Braun- schweig. — Ausser diesen Nachträgen nun, welche, wenn sie auch nur ausnahmsweise eine etwas veränderte Fassung meines Resum&s über die Verbreitung der betr. Arten im Gebiet bedingen, immer- hin von vielseitigem Interesse sind, giebt Blasius in der Recension meines Buches noch ein Verzeichniss der von mir aus mannich- fachen Gründen*) nicht mit berücksichtisten nur auf Helgoland beobachteten Gäste, so wie eine Aufzählung derjenigen Arten seiner „Wirbelthiere Europas“, welche sich inzwischen als Synonyme, Missverständnisse, Kunstproducte ete. herausgestellt haben. Die letzteren hatte ich selbst schon grösstentheils mit einem „(Species ?)“ bezeichnet und nur deshalb noch mit aufgeführt, weil ich einerseits den Anschluss an Blasius’ ‚Wirbelthiere“ erleich- tern und andererseits streng bei meinem Thema bleiben wollte, welches diagnostische . Erörterungen ausschloss. Als specifische Gäste Helgolands führt Blasius an: Zärundo rufula Temm. Lanius phoenicurus Pall. Turdus ruficollis Pall. Or- pheus lividus Wils. Toxostoma rufum L. Aödon familiaris’ Menetr. Calamoherpe certhiola Pall. Phyllopneuste superciliosa Lath. Phyl- lopneuste borealis Blas. Sylvia orphea Temm. Saxzcola aurita Temm. Samicola stapazina Temm. Dudytes citreola Pall. Anthus cervinus Pall. Anthus ludovreianus L. Gm. Anthus Richardi Vt. Alauda bra- chydactyla Leisl. Emberiza pusilla Pall. Emberiza caesia Cretschm. Emberiza aureola Pall. Emberiza melanocephala Scop. Pvrrhula rosea Pall. Fringilla eitrinella L. Grus Virgo L. Eudromias asiatı- cus Pall. Charadrius orventalis Schleg. Charadrrius virginianus Borkh. Actitis rufescens \t. Larus roseus Jard et Selby. Oidemia perspi- cillata L. *) Vergl. S. 1 meiner Fauna. 214 B. Borggreve: Zu streichen aus dem Verzeichniss der Europäer wären aber: Vultur Kolbii Lath. Falco concolor Temm. Circaetos hypoleucus Pall. Caprimulgus celimacurus Vt. Phileremos Kollyi T. Fringilla ın- certa Risso. Corvus spermologus Vt. Salicaria sericea Natt. Frce- dula teterina Vt. Sylvia sarda Marm. Lanius major Pall. Scolopaa: Sabin! Vig. Phalacrocora.z eristatus Fab. Selbstverständlich denke ich nicht daran, als Vertheidiger einer dieser von Blasius wieder aufgegebenen Grössen eintreten zu wollen — — mögen sie die verdiente Ruhe finden. — III. Baron Ferdinand von Droste-Hülshof bringt in seinem Bericht über die 18te Versammlung der deutschen Ornithologen-Gesell- schaft zu Hannover und Hildesheim (1870) eine Besprechung mei- ner Fauna, in welcher er die Confusion der sibirischen Drosseln rügt, auf das bereits oben von Blasius erwähnte Vorkommen von Anthus Richardi als periodischer Wintervogel unserer Küsten auf- merksam macht, und die Ausschliessung von Moz. lugudbris und campestris nicht gelten lassen will. Nun, die letzten beiden Formen mögen mehr oder weniger aus- geprägt hier und da vorgekommen sein — ich weiss sehr wohl, dass dieses behauptet wird — ihre specifische Abgrenzung gegen M. alba und resp. Budytes Hava dürfte sich aber schwerlich ver- treten lassen, und vorzugsweise aus diesem Grunde habe ich ihnen eine Stelle unter den „deutschen Vogelarten“ nicht einräumen zu können geglaubt. Ueber die sibirischen Drosseln gestehe ich gern zu, nicht so im Klaren zu sein, wie ich dieses wünschte, und glaube dass die meisten Ornithologen Deutschlands in dieser Beziehung Leidensgenossen von mir sind — vielleicht auch Freund v. Droste selbst. Andernfalls würde er sich durch eine Monographie der Gattung Turdus nebst Klärung ihrer Synonymie ein bedeutendes Verdienst um unsere Wissenschaft erwerben können. Immerhin aber dürfte die Klarheit eines Bildes der „Vogel-Fauna von Nord- deutschland“ nicht dadurch setrübt werden, dass ein oder an- derer sibirischer Irrgast nicht vollkommen richtig gewürdigt ist. — In derselben Schrift findet sich eine äusserst interessante Ar- beit v. Droste’s über die periodischen Winter- und Irrgäste Deutsch- lands, welche manche Daten meiner Fauna in erwünschter Weise vervollständigt, ohne jedoch im Allgemeinen Abänderungen meiner Angaben erforderlich zu machen, da die letzteren nicht die Te EEE Erster Nachtrag zur ‚„Vogel-Fauna von Norddeutschland“. 215 Tendenz verfolgen, alle Provenienzen seltener Gäste in Deutschland genau zu registriren. Doch muss ich einige Meinungsverschiederheiten berühren, be- sonders soweit sie Arten betreffen, deren Beziehungen zur nord- deutschen Fauna nähere sind oder sein sollen, als solche von Irr- gästen. S. 87. sagt v. Droste vom Carmingimpel, Carpodacus erythri- nus Pall. (Pyrrhula erythrina meiner Fauna.) „Er brütet in der nordöstlichsten Spitze Deutschlands.“ Nun, das ist leicht gesagt — — aber wer verbürgt dieses den?? Freund v. Droste selbst hat doch wohl dort keine Nester gefunden, und ich wüsste nicht, dass irgend ein namhafter Ornithologe dieses bisher behauptet hätte. — S. 86. behauptet v. Droste, ich hätte von Zimberiza rustica Pall. gesagt „kaum Europäer‘, während ich dieses (S. 72 meiner Fauna) nur für Z. fucata Pall. und zwar ausdrücklich, in Klammern, an- geführt habe. S. 67. Die Anführungen v. Droste’s über Loxia taenioptera Glog. dürften nach der oben mitgetheilten Bemerkung von Blasius doch zu modificiren sein, wenn v. Droste nicht die specifische Ab- erenzung der taenioptera Glog. von der leucoptera Gm. zu verfechten geneigt ist. S. 88. Es bleibt auffallend, dass Blasius ein so interessantes Vorkommen, wie das des Xenus cinereus Güld. nicht selbst ver- öffentlicht hat. Liegt da nicht vielleicht eine Verwechselung zu Grunde? | S. 69. Das von v. Droste beliebte Fragezeichen hinter meiner Angabe über das Vorkommen der Scheckente bitte ich zu streichen. Mein „öfter“ ist der Gegensatz von „einmal“ und das Vorkommen bei Danzig durch Böck verbürst. S. 88. Die von mir berührte Angabe Naumann’s über die Roth- halsgans findet sich in der Naumannia — ich bedauere aber, im Augenblick das Citat nicht sicher fixiren zu können, da ich nicht alle Jahrgänge dieses Journals zur Hand habe. Wahr- scheinlich findet sich die Angabe im Jahrgang IV. p. 269. Das in dem v. Droste’schen Bericht v. 1870 wieder mehr- fach verfochtene Brüten des Singschwans, der Stummschnepfe und der Sperbereule in Deutschland ist meines Erachtens noch nicht hinreichend verbürgt, um es als Thatsache gelten lassen zu können. — — 216 B. Borggreve: Die übrigen mehr oder weniger anerkennenden kritischen Be- sprechungen meines Buches, welche mir bekannt geworden sind *), bringen specielle Berichtigungen oder Zusätze nicht, obgleich dieses zweifellos erspriesslicher gewesen wäre, als z. B. die relativ sehr kurze, herablassend-billige Aeusserung des Herrn Dr. Hartlaub im Archiv f. Naturgeschichte i870. II. p. 8: „Ein nützliches Buch, dem indessen die berechtigte Kritik nicht fern bleiben wird.“ Im- mer heraus Herr Doctor mit der „berechtigten Kritik“! Da sich Niemand gefunden hat, Ihre Prophezeiung zu erfüllen, werden Sie doch wohi selbst Hand anlegen — oder stillschweigend zugeben müssen, dass man im Bremer Museum ein sicheres Ur- theil über den von mir behandelten Gegenstand nicht gewinnen kann. — Abgesehen von den Recensionen hat nun Herr Hauptmann A. v. Homeyer, zweifellos einer der competentesten Ornithologen in Bezug auf die Verbreitung der Vögel in Deutschland, eine Reihe von Zusätzen und Berichtigungen zu meiner Fauna in dieser Zeit- schrift (1870, 8. 214 ff.) niedergelegt. Dieselben stehen den Lesern des Journals zu Gebote, und ich muss es den Besitzern meiner Fauna überlassen, in wie weit sie meine Resumes nach den v. Ho- meyer’schen Angaben zu corrigiren für angezeigt halten. Oft und wesentlich dürfte dieses nicht nothwendig sein -—— womit ich je- doch keineswegs aussprechen will, dass nicht manche der bezeich- neten Mittheilungen A. v. Homeyer’s des Interessanten viel böten. Einer derselben, und zwar gerade einer solchen, welche, wenn sie richtig wäre, eine wesentliche Abänderung meiner Angabe bedingen würde, muss ich jedoch hier entgegentreten: S. 216 findet Hr. v. Homeyer es „unerklärlich“, wie ich von Md- vus niger sagen kann: „Sommervogel des östlichen und centralen Gebietstheils, dem westlichen ganz fehlend‘‘, und ferner: „im west- lichen Theil auch auf dem Zuge selten.‘ Nun ich meine, auch wenn wirklich, wie A. v. Homeyer an- giebt, der schwarze Milan bei Mainz und Frankfurt a. M. sehr häufig als Brutvogel wäre, so bliebe meine Angabe doch nicht srade unerklärlich. Denn 1. ist dies Vorkommen meines Wissens bisher in der Litera- tur nicht erwähnt worden, und *) Zoolog. Garten 1869 Juli. Zeitschr. für Forst- und Jagdwesen II. Bd. T'harander Jahrbuch 2i. Bd. Natur 1870. Troschel’s Archiv 1870. Baur Monatssehrift 1871. Erster Nachtrag zur „Vogel-Fauna von Norddeutschland‘. 217 2. ist dasselbe, wenn erwiesen, ein vollkommen isolirtes, so weit Norddeutschland in Frage kommt. *) Es bliebe hiernach wünschenswerth, wenn Herr v. Homeyer ganz bestimmt mittheilte, ob er selbst oder welcher andere Orni- thologe überhaupt oder sogar sehr häufig Horste vom schwarzen Milan bei Mainz und Frankfurt gefunden und den Vogel dabei er- legt oder bestimmt erkannt hat. Denn dass schwarze Milanen sich auf dem Durchzuge im Rheingau häufiger zeigen als in anderen Theilen des westlichen Gebietes, bezweifele ich keinen Augenblick. Meine Behauptung aber, dass das Brüten des schwarzen Milan im Rheingau, wenn erwiesen, für den westlichen Theil von Nord- deutschland als völlig isolirt oder exceptionell dasteht, brauche ich wohl kaum zu rechtfertigen. Ich habe bei Trier, Cöln, Ruhrort, Münster, Detmold, Cassel, Gotha, — sowie bei Halle, Magdeburg, Berlin, Greifswald, Oppeln und Königsberg zur Brutzeit die Wälder durchstreift und in allen hinter dem Gedankenstrich bezeichneten Gegenden den schwarzen Milan gefunden, in allen vor dem Strich stehenden ihn aber ebenso vermisst, wie in den Localverzeichnissen ' solcher Terrains des westlichen Gebietstheils, welche ich selbst nicht besucht habe, z. B. Oldenburg, Neuwied etc. — — Weitere Mittheilungen über das Vorkommen von Mdlvus niger im Rheingau, besonders über sein Brüten daselbst, bleiben daher sehr erwünscht! — Den übrigen A. v. Homeyer’schen Zusätzen habe ich That- sächliches nicht entgegenzustellen. Ihre Bedeutung ergiebt sich aus einem Vergleich mit meinen Angaben. Nachdem ich S. 135. Mergus serrator allgemein als „Stand- bis Strichvogel der baltischen Küsten des Gebiets bezeichnet habe, schien es mir unnöthig, noch ausdrücklich anzuführen, dass er auch auf der vogelreichsten unserer Ostseeinseln, Hiddensee brütet, wo ich selbst ihn schon 1859, also wahrscheinlich längst vor H. Holtz, aber gewiss auch nicht als der erste Ornithologe gefunden habe. Eben- so ist es nicht hervorragend wichtig, zu bemerken, dass Totanus ochropus in den Görlitzer und Glogauer Stadtforsten brütet, nachdem ich diesen Vogel einen charakteristischen Sommervogelaller Wald- Brücher des ganzen östlichen G ebietstheils genannt habe. Es würde eine ziemlich lange Reihe von Namen werden, *) Wenigstens bis zum Jahre 1867. Mir ist jedoch eine Mittheilung über das Brüten des schwarzen Milan bei Frankfurt überhaupt nicht be- kannt geworden. 218 B. Borggreve: wenn ich alle die Wälder herzählen wollte, in welchen ich diesen Vogel gefunden habe!! etc. etc. Ueberhaupt beruhen manche der Zusätze v. Homeyer’s und selbst Blasius’ wohl auf einer nicht ganz richtigen Auffassung der Aufgabe, welche ich mir gestellt hatte, und der Natur des Gegenstandes, den dieselbe betrifft, obgleich ich mich im allgemeinen Theil meines Buches klar genug darüber ausge- sprochen zu haben glaubte Es kam mir darauf an, aus den vor- liegendenvereinzelten Thatsachen Regelnzuabstrahiren und Durchschnittsgrenzen zu ziehen. Wenn ich daher z. B. die Elbe als Verbreitungsgrenze einer Art bezeichnet habe, und man hält mir in absprechender Weise entgegen, dass 6 oder 10 Meilen jen- seits der Elbe noch ein Exemplar der betreffenden Vogelart ge- schossen sei oder selbst gebrütet habe, so involvirt dieses immer- hin eine sonderbare Vorstellung von der Linien-Natur und Stetig- keit der Verbreitungsgrenzen der Organismen — und nun gar der flüchtigsten und unstetesten aller Organismen, der Vögel. Ob- gleich es selbstverständlich einen wissenschaftlichen Werth haben kann, diese Verbreitungsgrenzen für einen bestimmten Zeitpunkt so genau wie möglich zu fixiren, so darf man doch meines Er- achtens isolirten geringen Abweichungen von einer grossen Haupt- regel nicht eine Bedeutung beilegen wollen, welche der letzteren in den Augen Nichteingeweihter einen Schein von Unrichtigkeit verleiht. Die genaue Bezeichnung bestimmter Brutstätten ist — abgesehen von besonders seltenen Arten — Sache der Local-Faunen i. e. S. d. W., nieht die der faunistischen Behandlung eines grösse- ren Landes; ebenso wie z. B. Garcke mit Recht in seiner so all- seitig anerkannten Flora von Norddeutschland nur für namhafte Seltenheiten specielle Standorte anführt. Aber mit der von mir angestrebten taciteischen Kürze scheint manchen Ornitho- logen nicht gedient zu sein. Nun, das ist eben Geschmackssache! Mancher liebt reichliche Kost, auch wenn sie weniger nahrhaft ist. Ich bin jedoch einmal zum literarischen Vegetarianer verdorben und habe auch von Kindesbeinen auf lieber ein kurzes und gutes musikalisches Thema, als alle Variationen desselben gehört. Dass manche der Zusätze und Berichtigungen Herrn von Homeyer’s über- haupt mein Thema gar nicht berühren (vergl. z. B. No. 15, No. 75, No. 76 ete.), und andere gegen Behauptungen polemisiren, welche ich nirgends aufgestellt habe, wird sich bei einer Vergleichung mit meinen Daten leicht ergeben. Im Allgemeinen hätte Herr v. Ho- meyer daher vielleicht gut gethan, — wenn er einmal zu einem Erster Nachtrag zur „Vogel-Fauna von Norddeutschland“. 219 vollen Viertel meiner Nummern*) Zusätze und Berichtigungen bringen zu müssen glaubte, — die wesentlichen von den unwesent- lichen zu unterscheiden oder doch wenigstens durch eine allge- meine Bemerkung das Gute anzuerkennen, was meine Arbeit ent- hält, bevor er 90 Ausstellungen an derselben macht, welche dem- jenigen, welcher ihre Bedeutung nicht zu beurtheilen weiss, natur- semäss das Buch in einem miserablen Lichte erscheinen lassen müssen. Es hätte das mehr der literarischen Höflichkeit entsprochen, welche ich Herrn von Homeyer gegenüber im vollsten Maasse beob- achtet zu haben glaube. — Hiernach bringe ich noch einige Privatmittheilungen, welche mir zugegangen sind und Interessantes enthalten. 1. Nach einem freundlichen Schreiben des Herrn Oberjäger- meisters etc. von-Meyerinck zu Berlin brüten an einzelnen der Pots- damer Seen ziemlich häufig Fuligula ferina, Mergus serrator und M. castor, und zwar der letztere ebenfalls an der Erde. Obgleich Herr von Meyerinck ein ‚sehr guter Vogelkenner ist, so wäre es doch wünschenswerth, bezüglich eines wirklich so leicht zu ver- wechselnden Vogels wie M. serrator genauere Bestätigungen dieses immerhin auffallenden Vorkommens zu erhalten. (Wenn M. ser- rator auch im Norden an süssen Wassern brütet, so fehlt doch für Deutschland, abgesehen von der Angabe v. Preen’s für den Schweriner See, jede Analogie dafür — vielmehr ist M. castor bei uns der Säger der Landseen, M. serrator der der Ostsee — wäh- rend unsre Nordseeküste gar keinen brütenden Mergus zu beher- bergen scheint.) 2. Durch einen der Studirenden unserer Akademie, Herrn Forsteandidaten Engelmann, welcher früher auf einem der oberschle- sischen Reviere gewesen war, in denen das Rakelwild öfter vorge- kommen ist, habe ich folgende an ihn gerichtete briefliche Mit- theilung des Herrn Forstaufseher Adam aus der Oberförsterei Chrzellitz bei Oppeln erhalten: Pechhütte, den 1. November 1869. „Erst heute bin ich in der Lage, Ihren Wunsch, den Sie in Ihrem freundlichen Schreiben v. 19. September c. ausgesprochen, zu erfüllen und Ihnen über die Naturgeschichte des Tetrao medius einige sichere, auf Erfahrung beruhende Mittheilungen zu machen. Dieselben gründen sich einzig und allein auf die Angaben des alten Hegemeisters Kmitta, während ich aus den Aussagen der übrigen *) 90 von 340. 220 B. Borggreve: hiesigen Jäger, wie Zbabesker etc. einen sichern Anhalt nicht erlangen‘ konnte. „Der wesentliche Charakter dieser Federwildart ist der des Auer- und Birkhuhns, und Kmitta behauptet, dass dasselbe nur durch eine Kreuzung von beiden und zwar durch Paarung der Auerhenne mit dem Birkhahn entstanden ist. „Hennen hat Kmitta nicht gesehen, wohl aber vor mehreren Jahren Hähne geschossen, und giebt an, dass diese Wildart nunmehr hier, wie in den angrenzenden grösseren Nachbarrevieren wieder gänzlich ausgerottet zu sein scheint, da man nichts mehr von ihr hört oder sieht. Er hat dieselbe stets da angetroffen, wo sich das Birk- wild aufhielt, und schildert den Hahn als einen Vogel von excellenter Dummheit, weil er sich sehr leicht ankommen und schiessen lässt. „Der Balzton ist wiederum ein Mittelding vom Auer- und Birk- hahn, ähnelt letzterem, wenn auch sich wesentlich unterscheidend; er ist nicht so laut und kann demgemäss auch nicht so weit, wie der des Birkhahns, gehört werden. Der schleifende Ton ist na- mentlich nicht so ausgedehnt, sondern auffallend kürzer, und das Getrommele, wenn ich mich so ausdrücken darf, weniger laut und eigenthümlich anders, als beim Birkhahn. „Der Hahn balzt meist auf der Erde und zu derselben Zeit wie der Birkhahn. „Mehr konnte mir Kmitta nicht mittheilen und wollen Sie mit dieser Charakteristik vorläufig vorlieb nehmen. Sobald ich mit auswärtigen Jägern von Renomme zusammenkomme, will ich nicht unterlassen, weitere Erkundigungen einzuziehen und Ihnen das Er- gebniss selbstredend sodann mittheilen. Vielleicht gelingt es mir, etwas über die Hennen zu erfahren, — —..... He Ich bemerke zu diesem Briefe nur, das Chrzellitz nicht das einzige Revier Oberschlesiens ist, in welchem Rackelhähne geschossen sind, dass aber in der benachbarten Oberförsterei Grudschütz nach Mit- theilung des Herrn Oberförster Vosfeld z. Z. ebenfalls keine mehr vorzukommen scheinen. | 3. Herr Fromm zu Ehreshofen im Reg.-Bez. Cöln schreibt mir a) dass Muscicapa albicollis (nicht atricapilla!) nieht selten, wenn auch nicht alljährlich, die dortige Gegend auf dem Früh- jahrszuge berühre; b) dass Plectrophanes nivalis auch dort im October erlegt sei (Anfang November v. J. habe ich auch aus Rotenburg in Han- nover ein Exemplar erhalten) ; Erster Nachtrag zur „Vogel-Fauna von Norddeutschland‘ 221 ce) dass Bombdyclla garıula dort vorzugsweise zur Frühjahrs- Schnepfenjagd-Zeit, Nucifraga caryocatactes im Nachsommer beob- achtet wurde; | d) dass Corvus frugelegus und Salicaria locustella dort auch noch bei ppr. 1000° Meereshöhe nicht selten seien. 4. Herr Oberförster von Ehrenstein, ein sehr guter Kenner, der mehrere Jahre in den verschiedenen Theilen von Östpreussen (Masuren und Lithauen) zugebracht hat, meldet von dort u. A. a) dass Agudla naevia dort absolut oder doch ziemlich der häufigste aller Raubvögel sei; b) dass Bubo masimus dort relativ nicht selten vorkomme. Ein von ihm selbst geschossener Uhu „brütete in einem ca. 1!/a‘ tiefen, senkrechten, wie es schien selbst gegrabenen Erdloch (Ter rain wellenförmig)“; c) dass er Stirix funerea Lath.=Str. nisoria Wolf nach Mit- theilungen der dortigen Forstbeamten für einen Brutvogel Ostpreus- sens zu halten geneigt sei. Ein ausgestopftes Exemplar bei einem Förster habe die Gelegenheit geboten, festzustellen, dass es sich bei diesen Mittheilungen wenigstens nicht ausschliesslich um Verwechselungen mit Ulula uralensis handle (immerhin ist die Sache noch nicht ausreichend constatirt); d) dass Emberiza hortulana auch in Ostpreussen brüte, eben- so Corvus frugilegus und Salicaria arundinacea, wogegen Accentor modularıs zu fehlen scheine. e) dass Zusciola Tuscinia in der Nähe der Küste ganz fehle, in Masuren nur in einzelnen Pärchen vertreten sei, während Z. philomela überall sehr häufig, und zwar meist im eigentlichen Walde vorkomme. Z. tithys als Brutvogel schon sehr verbreitet (soll bekanntlich dort erst neuerdings eingewandert sein); f) dass Oolumba Turtur dort relativ selten sei; g) dass Aegvalites hiaticula auch an den masurischen Seen brüte. Ebenso Machetes pugnaw. h) dass Zarus canus auch im Sommer ca. 30 Meilen von der Küste auf den masurischen Seen sich in Schwärmen von 50—100 Stück zeige und vielleicht am grossen Spirdingsee brüte. | 5. Herr Baron Ferdinand v. Droste Hülshaff macht brieflich darauf aufmerksam, dass a) Picus martius laut Naumannia 1853 p. 35 nahe bei Celle gebrütet habe; 222 B. Borggreve: b) dass Zoxia pityopsittacus bei Münster mehrfach erlegt sei; c) dass Sawicola rubetra neuerdings als Brutvogel in Ostfries- land und Westfalen jährlich häufiger werde; d) dass Turdus torguatus vor mehreren Jahren am Püsberge bei Osnabrück genistet habe. — Eine nähere Angabe desjenigen Ornithologen, welcher dieses constatirt hat ete. etc., bleibt sehr wünschenswerth! e) dass Salicaria palustris im Münsterlande ganz besonders häufig sei; . f) dass Fulica atra im ganzen Marschlande der Nordsee sehr gemein sei, ebenso Salicaria phragmitis ; g) dass Somateria mollissima nicht erst neuerdings auf Sylt eingewandert sei, sondern schon von Naumann (Haushalt der nor- dischen Vögel) und Ranf (Naumannia 1857 pag. 128) als’ dort brütend aufgeführt werden ; h) dass Buteo lagopus auch das Litoralgebiet der Nordsee re- gelmässig als Wintervogel besucht; ; i) dass Phalaropus rufescens viel häufiger uns besuche, als Ph. cinereus, und dass er selbst noch vor Kurzem 4 Stück der ersten Art aus Ostfriesiand erhalten habe, wogegen die meisten in Deutschland erlegsten Exemplare, welche er in den Museen als Ph. cinereus bezeichnet gefunden habe, Winterkleider von Ph. rufescens darstellten ; k) dass Procellaria glacialis öfter an der Nordseeküste er- legt sei; l) dass anstatt der mit Ötierna macroura Naum. identischen Sterna paradises Brünn. Sterna Douglasi! mit unter den Gästen zu verzeichnen sei; m) dass Otis Mac (Jueendi auch in der Wetterau und in Mecklen- burg als Gast erlegt sei. | 6. Herr Prof. Dr. Zaddach zu Königsberg theilt in einem „beitrag zur preuss. Orvithologie“ mit, dass Salicaria locustella an mehreren Stellen Ostpreussens gar nicht selten sei, dass wenig- stens in dem bekannten Elchwildrevier Ibenhorst Salcaria Auviatılıs ziemlich häufig vorkomme (bekanntlich neuerdings auch bei Breslau aufgefunden); dass im Mai 1865 ein in Ostpreussen geschossenes Pärchen von Merula rosea und im Mai 1863 ein Totanus stagnatilis und ein Platalea leucerodius in die Sammlung des Königsberger Museums gekommen und dass Sylvia nisoria an mehreren Stellen Östpreussens nicht selten sei. Erster Nachtrag zur ‚„Vogel-Fauna von Norddeutschland“. 223 7. Nach Herrn Oberförster Renne brütet Salicaria phragmitis bei Lödderitz an der Elbe, 8. Zurdoides ausnahnısweise auch in Westfalen, und $. locustella berührt wenigstens auf dem Zuge einzelne Theile Westfalens häufiger, als dieses bisher angenommen wurde (Bericht über die XVII. Versammlung d. deutsch. Ornith. Gesellsch. Cassel 1869). 8. Herr Oberpostrath Pralle zu Hildesheim hat Eier von Totanus ochropus noch aus der Gegend von Celle erhalten. 9. Herr Dr. Baldamus bestätigt Journal £. ©. 1870 p. 278. ft., dass ARhynchaspis clypeata, sowie Fuligula nyroca, ferina und auch rufina an den Mansfelder Seen noch heute regelmässig brüten. Für F. rufina ist dieses wohl das einzige sicher constatirte regel- mässige Vorkommen in Deutschland. Derselbe Autor giebt in seineni Vogelschutzbuch (Leipzig 1868) p. 83 an: „Sterna anglica. An Binnengewässern in Schleswig.‘ 10. Nach einer Mittheilung des „Zoologischen Gartens“ ist am 2. Sept. 1870 bei Gieboldehausen in Hannover eine Sula bassanıı Briss ermattet gefangen. [Vergl. dies Journ., 1871, 8. 73.] An eigenen Beobachtungen habe ich en noch hinzuzufügen: a) dass bei Münden Sakcaria palustris und arundınacea fast *) gleich häufig, aber beide si nur an den Flussufern zu hören sind ; b) dass sowohl bei Bonn wie bei Münden von den Wiesen- schmätzern nur S. rubicola brütet; c) dass Columba turtur und Sylvia trochilus auliallender Weise 1869 u. 1870 bei Münden fast ganz fehlten, während beide, sowie Oriolus galbula, Saxicola oenanthe, Pica caudata, Phyllo- pneuste hypolais und noch manche andere sonst häufige Arten hier überhaupt auffallend selten sind, und Upupa epops ganz zu fehlen scheint; d) dass im südlichen Theile der Provinz Hessen (b. Hersfeld) sich noch ein vorzüglicher Auerwildstand in dem Reviere Michels- rombach findet; e) dass Creonia alba in vielen non 30) Pärchen eine frühere Reihercolonie in der Nähe der hessischen Eisenbahnstatio:ı Wabern bewohnt; a *) S. palustris scheinbar etwas vorherrschend. In diesem Jahre (1871) sind wohl alle oder fast alle Rohrsängerbruten an der Weser durch Hoch- wasser vernichtet. 224 G. Kessler: Die Schnee-Eule auf Hiddens-Oee. f) die irrthümliche Angabe meiner Fauna bezüglich des Vor- kommens der beiden Goldhähnchen - Arten wurde bereits früher bei Gelegenheit der Blasius’schen Zusätze berichtigt; g) von Interesse dürfte noch sein, dass ich während der 3 Jahre meines hiesigen Aufenthalts erst 1 Ex. von Cornus cornix bei Münden gesehen habe. Auch den Winter über haben wir hier ausschliesslich corone. Schon bei Cassel zeigt sich cornix häu- figer. Dieselbe scheint die Gebirgswald-Gegenden zu vermeiden ; h) Sylvia hortensis habe ich noch nirgends so häufig gefunden, als in den höher gelegenen Buchenschonungen der Wesergebirge. Ich nehme keinen Anstand, dieselbe als den häufigsten Vogel dieser Terrains zu bezeichnen. — Fernere Nachträge werde ich von Zeit zu Zeit in diesen Blättern veröffentlichen und dabei natürlich besonders solehe Mittheilungen berücksichtigen, welche ich brieflich erhalte oder in anderweiten, also z. B. forstlichen resp. allgemein-naturwissenschaftlichen Zeit- schriften finde, welche also sonst vielen Lesern des Journals f. O. entgehen würden. — Die Schnee-Eule auf Hiddens-Vee erlegt. Als ergänzenden Beitrag zu den von Herrn Dr. Quistorp in diesem Journal (Mai-Heft 1870, S. 209. 210,) gebrachten orni- thologischen Mittheilungen aus Neu-Vorpommern, nehme ich Ver- anlassung mitzutheilen, dass auch von mir eine Schnee-Eule am 15. Januar 1869 auf Hiddens-Oee erlegt wurde. Dieselbe wurde schon längere Zeit von zwei hiesigen Jägern verfolst, auch mir gegenüber benahm sie sich nicht so zahm als die des Herrn Werner, sondern erst dem dritten Versuche, sie kriechend zu beschleichen gelang es. Eine grosse Menge Läuse plagte die Eule, für mich, der ich Sammler dieser Schmarotzer bin, eine werthvolle Zugabe. Mit anderen Sammlern. von Vogelläusen bin ich gerne bereit in Austausch zu treten, ich gebe die Läuse entweder auf Glas- platten (3° und 1” in Canadabalsam montirt, oder in Glycerin und Wasser liegend ab. Genaue Bestimmung des Vogels, von dem der Schmarotzer herrührt ist natürlich beiderseitige Bedingung. Besonders von Wasservögeln besitze ich Doubletten. Stralsund, 24. Juli 1870. Gustav Kessler, Baumeister. Dr. E. Rey: Ueber Kuckukseier. 225 Ueber Kuckukseier. Von Dr. E. Rey. Anknüpfend an die interessanten Beobachtungen von Bal- damus und Anderen, über die Fortpflanzung unseres Kukuks, glaube ich auch ein Scherflein zur Fortpflanzungsgeschichte dieses Vogels beizusteuern, wenn ich nachstehend ein Verzeichniss der Kuckukseier meiner Sammlung gebe, deren Anzahl im Laufe der Jahre zu einem ganz ansehnlichen Umfange herangewachsen ist. Es finden sich darunter viele, deren Färbung und Herkommen sehr für die von Baldamus aufgestellte Theorie sprechen, und ich rechne dahin auch die Fälle, wo das Kuckuksei sich zwar nicht in einem Neste der Species fand, deren Eiern es ähnlich gefärbt ist, sondern auch diejenigen, wo ein irgend einer Sängerart ent- sprechendes Kucküksei, einer verwandten oder ähnlich bauenden Art untergeschoben wurde. Die auffallende Erscheinung, dass in den Nestern der Ruki- cilla phoenicurus sich immer nur diesen Eiern entsprechende Kuckukseier vorzufinden scheinen, liesse sich mit Hülfe der schon oben angedeuteten Auffassung der Theorie von Baldamus leicht erklären, da man nicht gut annehmen kann, dass ein Kuckuks- weibchen, welches in irgend einem freistehenden Neste der Sylvien Motacillen, Würger etc. gross geworden, bestimmt werden könne, ein Unterkommen für seine Nachkommenschaft in der ihm unge- wohnten Baumhöhle zu suchen. Dass aber auch umgekehrt in den Nestern aller übrigen Vögel, welchen der Kuckuk seine Eier an- zuvertrauen pflegt, mit Ausnahme von Accentor modularıs und Pratincola rubetra niemals blaue oder blaugrüne Kuckukseier ge- funden wurden, lässt sich, eben dieser Ausnahme wegen, nicht leicht erklären. Was den gegen die blauen Kuckukseier von manchen Seiten erhobenen Einwand angeht, dieselben seien Rieseneier der Ruti- cilla phoenicurus, so möchte ich dagegen anführen, dass sie in Bezug auf das Korn unter sich übereinstimmen, von den Eiern der Rothschwänzchen jedoch in jedem Falle abweichen. Da ich demnächst beabsichtige, die Spur- und Rieseneier meiner Samm- lung besonders zu besprechen, erlaube ich mir an dieser Stelle nochmals darauf zurückzukommen. In dem folgenden Verzeichnisse werde ich das Herkommen, Datum der Auffindung, die Anzahl der Eier des Nesteigenthümers, die Maasse in Millimetern, sowie die Färbung der betreffenden Kuckukseier angeben, und habe dabei nur noch zu bemerken, dass diese Kuckukseier in den Jahren 1854—1871 theils von mir selbst in der Umgegend von Halle a/S., theils von einem mir befreun- deten Sammler im Dessauischen gesammelt wurden. Cab. Journ. f. Ornith. XIX. Jahrg. No. 111. Mai 1871. 15 Be 1 & | u 2 86 s28u0210y °S rluyey ı „DT © 1 | | | ei d oduayowmw»y \1% Das Sen. | Zar Sa Bale =6 « & R4 v9ODmpun.ıw D youuaygay| LI "28 1 f « y2 « ec « & Auen! : 9, ii x 82 ; ; g & i ER, en nat h 2.0 n 8 | "kı | DVaommpun.n ad.ıayownD/) |2% SERIEN) a NE Kor ng I Dh ine Djnoagns SNORYMAT TG US EDIT UNO TUATIOL LOA | 9 « -unsdoegq Irgaeguıg | er 7) 1 jzueiyweogiegsyw # Ju E 2 2 “ “«“ “ Ai €3 1 [d r ? 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Dr. E. Rey "ueyasiaa '59 '”, Pun "ge "er URIed uap I sie oqeduy 91ajlaM auyo Aapier] pur} J9u19 Sne gar Ifalyıa 'uamwıysuteasqn pualfejjne zued U 6° 165 ydıs IoJun EIp “LaLy Teıp esaıgg "aquejpunın zone 2 2 ie 87 -nefqgojaryos Ilm 5N9409.10 smyyup yoıuye eaIHl II 8% 17 'puoyeys ayım Aop ur s2»7odhy ‘Ss puu DNSn907 'S uayasımz Junuydlaz pun Zungieg uf 91% 19% 219 1'S "SNINMUI0oYyd DIMIHINAT yaıuyay IL 08 lad "uajeyle II Weus sne pan 9.1 % yez 1aydlofd nz apIag "DOnAK4NDd 'S yaıruye ayas | “cr “12 |82 91 0 |e8 opdvarıyn 'S "dssa s2810440% "S Yoıyuyay r un he "9 Te 61 ZL1 °c 181 "09.19U19 'S Yolluyay a k & ZL ge el asseeM IN “uasset UALSIAAINELEUD UIOIH UaLapur yıuı HIEyypıLuyoYy yor [La “uofysJ uegesuy sreydıs au uawwmoyıay U9IEPp deqıı pun puıs 1281 ZIEM SI EISYNPT 199 Mopsuuewyyey Sg 21a pr oavf ToWw yoyuyey s 91 *oz ei “1 „83 61 29 om uonuyey ) 9! 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Baldamus: Briefliches über Serinus pusillus. 229 Briefliches über Seriönus pusillus. Ich theile Ihnen, liebster Freund, einige mir neulich zu- gegangene Notizen über Ihren Oraegithus pusillus, Passer pusillus Pallas für’s Journal mit, die ein willkommener Beitrag für die Naturgeschichte dieses seltenen Vogels sind. Ich verdanke sie der Güte des Herrn A.H. Betant und der Vermittelung meines Freundes v. Gonzenbach in Smyrna, und gebe Ihnen gleich die Uebersetzung des kleinen aber interessanten Artikels. „Notizen über Serinus pusillus Brandt. Von A. H. Betant. Passer pusillus Pall. — Serinus aurifrons Blyth. — Oraegithus pusillus Cab. cum Tab. — Metoponia pusilla Bp. — Serinus pu- silus Brandt. — Pyrrhula pusiüla et Serinus pusilus Degland I & IIed. — Abbild. Journ. f. Orn. II. 1854. t. 1. Länge des Vogels 11 und 11!/, Centim. Beschreibung. Altes $ (im dritten Jahre): eine Art von Dreieck, von der Schnabelbasis bis hinter die Augen gehend leb- haft und glänzend roth, die Basis der Federn innen goldgelb; Nacken, Hals und Brust schwarz; Rücken schwärzlich, die Federn nach dem Nacken hin mit schmaler, nach dem safrangelben Bürzel hin mit immer breiter werdender gelber Einfassung; ebenso die unteren Theile und die Seiten, wo das Gelb von der Brust abwärts mehr und mehr vorherrschend wird. Der Unterleib von der Höhe der Schenkel ab ganz gelb, etwas heller als der Bürzel; Flügel schwärzlich, die Federn mit einem Saume von unreinem Grau, das sich vom Rücken aus bis nach dem glänzend safrangelben ersten Schwingen hin allmählich in Gelb verwandelt; Unterseite der Flügel grau; Schultern hellbraun, Schwanzfedern oben dunkelgrau, mit einem Gelbbraun gesäumt, das nach dem Ende zu allmählich schwächer wird; unten hellgrau; Schnabel hornbraun, Unterkiefer heller; Füsse und Iris braun. d im ersten Jahre: Stirn, Wangen und Ohrgegend von rother Ockerfarbe, das übrige Gefieder dem des alten 3 ähnlich, nur sind die Farben blasser und das Gelb des ersteren durch Grau oder Gelbgrau ersetzt; Schnabel gleichfalls heller. d im zweiten Jahre: Das Ockerroth des Kopfes ist ver- schwunden und an der Stirn durch ein noch nicht sehr lebhaftes Roth ersetzt, die übrigen Kopftheile schwärzlich, die Federn mit wenig deutlichen graugelben Randfedern; alle Färbungen des Kör- pers werden dunkler. Altes 2: Dem alten & ähnlich, nur dass blos die Kehle schwarz ist; indess sind die Farben überhaupt weniger lebhaft, das Schwarz weniger intensiv und das Gelb blasser. Junges 2:Dem alten 2 ähnlich, aber mit noch bleicheren Farben. Das Material für meine Beobachtungen wurde mir in sechs Exemplaren dieses interessanten Vogels geliefert, welche ich in Smyrna zu Anfang des Jahres 1866 sammeln konnte. Die Diffe- renzen der Kleider sind am Datum ihres Todes folgende: 230 E. Baldamus: Briefliches über Serinus pusiülus. N. 1. am 20/3. Kopf ockerfarben, alle anderen Farben bleicher. N. 2. „ 17/8. Stirn roth, der Kopf hat fast gänzlich seine Ockerfarbe d verloren; die übrigen Farben weniger bleich. N. 3. „ 4/8 Vollständig ausgefärbt, Stirn lebhaft roth, mehr Ocker- i farbe am Kopfe, aile übrigen Farben lebhaft. N e ” 108 Stirn roth, Färbung blasser. FIN. 6. „ 17/5. vollständig ausgefärbt, Stirn lebhafter roth, die übrige Färbung weniger blass. Das & — N. 3. — welches allein seine vollständige Färbung wieder angenommen hatte, lebte seit nahezu 2 Jahren in Gefangen- schaft. Die drei im August in Folge Erkrankung gestorbenen Exemplare — N. 2. 3. und 5. — hatte ich seit dem Winter selbst im Käfige; die Veränderung des Gefieders war im Verlaufe dieser Zeit sehr wenig bemerklich. Diese Exemplare, welche mindestens im Frühjahre 1865 ge- boren waren und ihre Kleider weder im Frühjahr noch im Sommer verändert hatten, scheinen mir den Gedanken an eine regelmässige jährliche Mauser unmöglich zu machen, wohl aber für einen lang- samen Uebergang vom Jugend- zum Alterskleide zu sprechen (?) der — wenigstens für das & — mindestens 2 Jahre bis zur An- nahme des vollkommen ausgefärbten Kleides dauern würde. Die Kleider der sechs Individuen selber stützen diese Annahme und lassen voraussetzen, dass die 2 ihr ausgefärbtes Kleid bereits im zweiten Jahre annehmen, das übrigens niemals so brillant als das männliche wird. Diese Vögel haben ein sehr lebhaftes Naturel und erscheinen sehr eifersüchtig: ich hatte 2 $ und 1 2 in einem Käfige, und nahm das eine & halbtodt heraus, so arg war es von dem andern gemisshandelt worden. Ihre Stimme ist ein schwaches, ganz angenehmes Pfeifen (‚„‚sifflement“), hinsichtlich des Futters begnügten sie sich sehr wohl mit dem, was man gewöhnlich den Kanarienvögeln reicht. Meine Versuche, ein Paar unter sich zum Nisten zu bringen, sind missglückt. Das & im vollkommenen Kleide war ein Jahr vorher mit einem Kanarienweibchen gepaart worden. Die Eier waren grünlich, wie die des Kanarienvogels mit mehr oder weniger braunen Flecken und Strichelchen. Auch die Jungen glichen der Mutter und zeigten nur einige schwärzliche Fle&&en. Diese That- sache würde beweisen, dass der Vogel sicher zu dein Genus Serinus und nicht zu Pyrrhula oder Passer gehört.“ Ich bemerke schliesslich nur noch, dass die Folgerung des H. Betant aus der ‚„Thatsache“ der Aehnlichkeit der Eier und Jungen mit denen des Kanarienvogels schon um deswillen eine gewagte ist, weil sie eben Bastarde — „metis“ — sind, wie er sie selbst nennt, und hoffe Ihnen nächstens weitere Mittheilungen des eifrigen Ornithologen über den so seltenen Vogel zusenden zu können. Coburg, im Januar 1871. Dr. E. Baldamus. G. v. Koch: Ornithologische Notizen. 231 Ornithologische Notizen vom Jahr 1870. Sylvia hypolais. Am 16. August fing ich durch Betippen init einer Leimruthe in unserm Garten zu Hirschberg a. d. Saale einen heuer ausgebrüteten Spottvogel, welcher in wenigen Tagen, ohne dass ich mich besonders viel mit ihm abgegeben hätte, so zahm wurde, dass er mir beim Eintritt in das Zimmer freudig entgegenflog, sich auf meinen Kopf oder Schulter setzte, mir von den Lippen trank, aus meiner Linken frass, während ich ihn mit der Rechten streichelte oder auch festhielt ete. Bald wurde er auch gegen andere Leute, selbst Fremde, ebenso zahm, so dass er dadurch manchmal sogar lästig wurde. Dabei befand er sich immer wohl und munter und ist dies (Mitte November) jetzt noch. Sein Futter bestand aus Käsequark, Eiern und Fleisch, manchmal eine Fliege oder einen Mehlwurm. Sylvia trochilus. Am 9. August schoss ich bei Hirschberg a. d. Saale einen Fitis, welcher auf dem Unterrücken eine Feder stehen hat, die ganz einer Schwanzfeder gleicht. Dieselbe ist . 49 Mm lang, ca. 8 Mm breit und an der Spitze stumpf zugespitzt, wie ungefähr an einer mittleren Schwanzfeder. Der Schaft und die Spule ist so stark wie bei einer Schwanzfeder, die Fahne auf beiden Seiten gleich breit. Die Wurzel dieser abnormen Feder ist von der der mittleren Schwanzfeder etwas über 1 Cm. entfernt und befindet sich an einer Stelle, wo sonst eine gewöhnliche Deck- feder steht. Sie ist also als eine verwandelte Deckfeder anzusehen, und dadurch erhält dieser Fall einiges Interesse. Sollte sich Jemand für das in Rede stehende Exemplar inter- essiren, so steht es ihm zur Verfügung, doch muss ich bemerken, dass es in der Mauser und schlecht geschossen ist, also zum Aus- stopfen wenig taugen wird. Garrulus glandarius. Unter einem Gelege vom Eichelhäher fand ich neben sonst ganz normal gefärbten Eiern eins, welches fast ganz weiss aussah, ausserdem aber den übrigen ganz und gar glich. Carbo cormoranus. Mitte November wurden in der Nähe von Heidelberg 3 Stück Cormorane geschossen und 2 davon an das zoologische Institut der Heidelberger Universität abgeliefert. Heidelberg, im December 1870. G. v. Koch. Briefliches über Merops Forsteni. Im Jahre 1840 fand Forsten in Nord-Celebes einen Vogel, -den Schlegel später als Merops Forsteni Schl. beschrieben hat. Es gelangte nur ein Exemplar nach Leyden und überhaupt nach Europa, und dieser schöne Vogel ist lange ein Desiderat der Or- nithologen geblieben, sowohl wegen seiner Seltenheit als besonders auch wegen seiner Aehnlichkeit mit einer andern westafrikanischen 232 Dr. Ad. Bernh. Meyer: Merops Forstent. Art. Von Leyden aus gab man sich alle Mühe, um ein zweites oder mehr Exemplare des Merops Forsteni zu erlangen, allein um- sonst. Wallace glückte es nicht, den Vogel wieder aufzufinden, Rosenberg hielt sich mit dem besondern Auftrage und der be- sondern Absicht nach dem Vogel zu suchen lange dort auf, wo er das erste Mal geschossen, dennoch konnte er keines Exemplares davon habhaft werden. Mir nun ist es endlich geglückt, das Thier in mehreren Exemplaren, & und 2 zu erlegen, und zwar an dem- selben Platze, in der Nähe von Rurükan, an welchem Wallace längere Zeit eine Sammelstation etablirt hatte. Dieser im Leben sehr schöne Vogel hält sich in tiefen, schwer zugänglichen Wäldern auf, sitzt auf den höchsten Bäumen und hat die Gewohnheiten aller Meropidae. An sich ist er keinenfalls selten, er ist nur schwer zu finden, weiler sich, wie gesagt, in dichte Wälder zurück- zieht. Den Inländern selbst ist der Vogel daher unbekannt, und erst nach vielen vergeblichen Bemühungen ist es mir gelungen, seiner habhaft zu werden. Manado (Üelebes), März 1871. Dr. Adolf Bernhard Meyer. Friede den kleinen Vögeln. Circular der Gesellschaft der „Freunde der kleinen Vögel“ zu Gothenburg in Schweden. Dank den ernstlichen Forschungen während der letztverwichenen Decennien, sowohl hier in Schweden — dem Vateriande Linnes — wie auch in anderen Ländern, hat sich die Ueberzeugung von der grossen Bedeutung der kleinen Vögel im Haushalte der Natur immer fester begründet. So hat denn jetzt die Bevölkerung hier in weitesten Kreisen schon einsehen gelernt, von welcher Wichtig- keit es sei, auf alle Art diese thätigen Mitarbeiter an der Ver- tilgung eines grossen Theiles derjenigen Insecten, die mehr oder weniger unsere Wälder und Felder, Gärten und Wiesen verheeren, in Schutz zu nehmen, sie zu hegen und zu pflegen. Man bezweitelt daher auch nicht länger, dass die kleinen Vögel das Ihrige dazu beitragen, die Scheunen des Landes zu füllen und über dessen Wälder Frische und fröhliches Gedeihen zu verbreiten; und dass also, was unser Land betrifft, ihre Thätigkeit nichts Geringerem gilt, als seiner Haupterwerbsquelle: dem Ackerbaue und dem Forst- wesen. Ä In jüngster Zeit sind von einem Ende unseres Landes bis Friede den kleinen Vögeln. 235 zum andern Vereine entstanden, Vereine, die Jung und Alt, ganze Schulen, sowohl Schüler als Lehrer, umfassen, und deren Mitglieder hier am Platze allein nach Tausenden zählen. Auch in den Volks- schulen bilden sich nach und nach neue derartige Vereine, und alle mit der einen gemeinsamen Losung: „Friede den kleinen Vögeln'“ Bereits sind Tausende künstlicher Nistkästehen an den Stämmen der Bäume befestigt worden, und Tausende unserer kleinen Vögel haben in denselben ihre Wohnsitze aufgeschlagen, und es finden sich in Folge dessen nun auch solche Arten ein, die wegen Mangels der für ihr Dasein nothwendigen Bedingungen bisher fortblieben. Da, wo dies geschehen, hat sich Friede über die Natur ergossen, begrüsst von Vogelsang in Flur und Wald. In Frieden hegen und pflegen die kleinen Vögel ihre Brut, in Frieden durchkreisen sie die Lüfte, jubelnden Gesang zum Himmel tragend, gesellig folgen sie dem Ackersmanne hinter dem Pfluge. Doch kann der Schutz, den wir ihnen angedeihen lassen, nie von so grosser Wirkung sein, wie zu wünschen wäre, wenn man nicht — falls so etwas nicht schon geschehen sein sollte — auch in anderen Ländern zu demselben Streben sich vereinigt, diesen beschwingten Wesen, die obenein durch ihre lieblichen Bewegungen, ihre Farben und Formen das Auge entzücken, Schutz zu gewähren. Denn vergebens werden wir hier oben im hohen Norden denjenigen kleinen Vögeln, die nur während des kurzen Sommers bei uns weilen, Sicherheit und Ruhe bereiten, wenn ihnen nicht auch ein ähnlicher Schutz zu Theil wird während ihrer langen Reise nach, und während ihres Aufenthaltes in den fernen Ländern, wohin die Natur sie führt, sobald die Zeit herannahet, wo des Winters Schnee unsere Fluren deckt. Dies ist es, warum wir Eure Mithülfe anrufen! Was wir Euch dagegen geloben — Dieses! Wir wollen fortfahren, alle diejenigen Arten kleiner Vögel zu pflegen und zu schützen, die hier für längere oder kürzere Zeit ihren Aufenthalt nehmen, und also auch solche, die nur während der wärmeren Jahreszeit unserem Lande angehören! Sie werden dadurch immer zahlreicher — und die Schaaren derjenigen immer grösser werden, die, den Norden verlassend, theils Eure Länder durchziehen, theils auch während der kälteren Jahreszeit bei Euch weilen. Verfolgt sie also nicht! Nehmt sie vielmehr in Schutz! Lasset auch Eure Jugend, die Zöglinge Eurer Schulen, Liebe fassen zu diesen kleinen Gästen aus 254 Deutsche ornithologische Gesellschaft: der Fremde, um sie ebenso zu hegen und zu pflegen, wie alle die anderen kleinen Vögel, die da bauen und wohnen in Euren Landen. Zu dem Segen, der hieraus entspringen muss, wird sich auch noch die veredelnde Rückwirkung auf das Gemüth der Kinder gesellen, eine Rückwirkung, die wahrlich nicht gering anzuschlagen, indem jene da lieben lernen, wo sie früher verfolgt und geraubt, ja vielleicht blutig verfolgt und Leben geraubt haben! — Ja, noch einmal: „Friede den kleinen Vögeln!“ Möge diese unsere Losung erschallen im Osten und Westen, von des Eismeeres öden kalten Klippen und Gestaden bis zu den Gefilden, wo die Palme schützend auch über einige unserer lieben Gäste unter den kleinen Vögeln ihre Krone ausbreitet! Schliesslich wollen wir nicht unterlassen noch mitzutheilen, dass wir ebenfalls, ausgerüstet mit zweckmässigen Geräthschaften für die Bearbeitung des Erdreiches zur Aufnahme von Waldsamen, bereits begonnen haben, zu geeigneten Zeiten hinauszuziehen in kahle Wildnisse, um auch mit eigener Hände Arbeit das Unsrige beizutragen, dass den kleinen Vögeln für künftige Zeiten noch mehr Zufluchtsstätten sich darbieten, die ihrem Wohlbefinden zuträglich und ihrer Entwickelung förderlich. Gothenburg, den 4. Juni 1370. Im Auftrage der Gesellschaft Die Freunde der kleinen Vögel („Smäfoglarnas vänner“): A. W. Malm, Vorsitzender. J. V. Petersson, Secretär. Rrutsche arnithalagische Genellschaft zu Berlin. Protokoll der XXXIIH. Monats-Sitzung. Verhandelt Berlin, Montag den 3.April 1871, Abends 7'/, Uhr, im Restaurant „Schlossbrauerei“, Unter den Linden 8. Anwesend die Herren: D’Alton, Cabanis, Bau, Bolle, Gelz und Freese. Von auswärtigen Mitgliedern: Herr Ludw. Holtz aus Barth, Pommern. Vorsitzender: Herr Golz. Protokollt.: Hr. Bau. Protokoll der XXXIH. Monats-Sitzung. 235 Der Seeretair berichtet über eingegangene Zusendungen. Es sind dies zunächst zwei den Vogelschutz betreffende Druck- sachen: Jabresbericht (1870) des Vogelschutz-Vereins zu Elbing, von R. Förtsch, und ein Cireular der Gesellschaft der ‚‚Freunde der kleinen Vögel“ zu Gothenburg in Schweden. (Letzteres ist in diesem Hefte abgedruckt.) Der Vortragende vindicirt dem Journale für Ornithologie das Verdienst, gleich im ersten Jahre seines Entstehens (1853) die wichtige Frage des Vogelschutzes gebührend angeregt zu haben, indem der geistreiche Dr. Gloger dafür gewonnen wurde, diese Frage wissenschaftlich zu behandeln. Dr. Gloger habe hierauf in popu- lären Schriften seine Bemühungen erschöpfend fortgesetzt. Alle neueren Anläufe von Privaten und Vereinen, so löblich dieselben an sich seien, drehten sich mehr im Kreise, als dass sie vermöchten, das gestörte Gleichgewicht in der Natur wieder herzustellen. Das Aushängen z. B. von Nistkästen, sowie die Anlage von Futter- plätzen im Winter, seien nur partielle Hülfsmittel. Die ersteren kämen nur den Höhlenbrütern und zwar nur einem Theile der- selben, die letzteren nur den härteren Standvögeln zu Gute. Die grosse Masse der Weichfresser dagegen (welche zugleich vorzugs- weise die Pflegeeltern des so nützlichen Kuckuks wären) ginge leer aus. Die Hauptursache der Verminderung der nützlichen kleinen Vögel seien die Ausrottung der Hecken, Feldhölzer, Büsche und fast jeden Strauchwerks auf den Aeckern, die gleichsam militärische Bewirthschaftung der Staatsforsten, kurz die Beseitigung fast alles dessen, was gerade den Vögeln eine beliebte Zufluchts- und Brutstätte gewährt haben würde, zu Gunsten der fortschreitenden Cultur unserer Land- und Forstwirthschaft. Den Vögeln erginge es wie den In- dianern, sie würden durch die fortschreitende Cultur aus ihren an- sestammten Jagdgründen verdrängt. Es sei daher die Frage des durchgreifenden Vogelschutzes in letzter Instanz eine nationalökono- mische Frage und die Gewährung des Schutzes ein finanzieller Calecül, von dem es sehr fraglich wäre, ob er zu Gunsten der Vögel ausfallen werde. Aus der hierdurch bedingten Verzichtleistung auf die An- nehmlichkeit eines reichen Vogellebens in der freien Natur ergäbe sich gleichsam für den Liebhaber der Vogelwelt das Recht zum Halten gefangener Vögel. Eine Verkürzung oder gar ein Verbot desselben würde keineswegs ein merkbares Resultat für den Vogel- schutz abgeben, wohl aber bei vielen für die Vogelwelt sich Iuter- 236 Deutsche ornithologische Gesellschaft: essirenden die Theilnahme an derselben mindern. Letzteres wäre aber schon deshalb bedenklich, da es zur Zeit eben hauptsächlich nur Liebhaber der Vogelwelt wären, welche deren Schutz anstrebten. So lange dieser die Sache Einzelner oder localer Vereine wäre, hätten dieselben die Pflicht, in ihrer Umgebung zweckmässig zu wirken, und habe auch unsere ornithologische Gesellschaft auf den Vorschlag des Herrn Dr. Bolle den rationellen Vogelschutz auf ihr Programm gestellt. Der Vortragende schliesst mit der Bitte an den anwesenden Herrn Bolle, dass er seinen in dieser Beziehung verheissenen Auf- satz dem Journale baldigst einverleiben möge. Hierauf theilt der Secretair einen Brief des Herrn Russ mit, worin Letzterer die Mitglieder der Gesellschaft zum Besuche seiner Vogelstube auffordert, da er jetzt viele neue und zum Theil seltene Arten besitze, namentlich 2 Paar Amauresthes fringiloides, Xanthodina, dentata, Vidua paradisea, axillaris, Munia malacca, sinensis, ferrugtinea, Platycercus paradiseus, multicolor, scapulatus, Euphema pulchella, Conurus cactorum etc. Endlich Neochmia phaöton in 2 Pärchen, bisher wohl kaum lebend nach Deutschland gekommen. Herr Holtz erwähnt, dass er bereits 1 Gelege vom Haliaetos albiella und 6 Gelege vom Corvus corax gefunden habe. | Hieran anschliessend theilt Herr Bau mit, dass er am gestrigen Tage Ardea cinerea mit theilweise ziemlich stark gebrüteten Eiern, Buteo vulgaris mit 2 und Astur palumbarius mit 1 Ei gefunden habe, dass auch am 27. März in der Spandauer Forst ein Gelege von 4 Eiern des Falco peregrinus gefunden worden sei. Herr Cabanis legt, mit Bezug auf den in einer früheren Sitzung behandelten Gegenstand (s. d. Bericht S. 154); ein von Herrn v. Krieger neuerdings zur Ansicht eingesandtes und gleich- falls bei Sondershausen geschossenes Exemplar des gemeinen Bussards vor, welcher als Varietät gleichsam einen Uebergang in der Färbung zwischen Buteo vulgaris und tachardus zu bilden scheint. In einer Discussion über bemerkenswerthe absonderliche Nist- plätze theilt Herr Bau mit, dass er im Jahre 69 an der Havel, mitten unter einer Colonie Erdschwalben, Parus coeruleus in einem Erdloche auf 3 Eiern brütend gefunden habe, dass auch Saxicola oenanthe öfters in diesen Löchern brüte. Ferner erwähnt Derselbe, dass er ein Gelege von Anas boschas aus emem Baumloche erhalten habe, welche Erscheinung von Herrn Bolle vollkommen bestätigt wird. Endlich erwähnt der Vortragende, dass er am 20. März Protokoll der XXXIV. Monats-Sitzung. 237 ungeheure Schaaren von wilden Gänsen auf den Saatfeldern zwischen Lichtenrade und Glasow (2!/; Meilen von Berlin) gesehen habe. Golz. Bau. Cabanis, Secr. Protokoll der XXXIV. Monats-Sitzung. Verhandelt Berlin, Montag den 1. Mai 1871, Abends 7", Uhr, im Restaurant „Schlossbrauerei“, Unter den Linden No. 8. Anwesend die Herrn: D’Alton, Cabanis, Bau und Bolle. Vorsitzender: Herr Bolle. Protokollf.: Hr. Bau. Herr Bolle übernimmt in Abwesenheit der .designirten Herrn Vorsitzenden den Vorsitz. Herr Cabanis spricht über Parus cinctus Bodd. sibireceus Gm. — und legt einige von Dr. Dybowski in Sibirien südlich vom Baikal- see gesammelte Bälge vor, welche durch abweichende Färbung eine beachtenswerthe Abart constatiren und als Parus (‚Poeeila) - obtectus zu sondern sind. Herr Cabanis weist nach, dass die zur europäischen Ornis gerechnete und aus Skandinavien und von Archangel in den Sammlungen befindliche Meise mit Buffon’s Abbildung vollkommen stimme. und ihr ‚daher die Namen Parus sibiricus Gm. und der ältere ceinezus Bodd. mit Recht gebühren. Die lebhafte braun- rothe Färbung der Bauchseiten und des Afters und der ähnlich gefärbte Rücken sind charakteristische Abzeichen der Art. Haube und Nacken sind nicht grau, sondern in’s Bräunliche und Röthlich- graue ziehend.. Dagegen ist P. obteetus vom Baikalsee ein viel einfacherer, weniger lebhaft gefärbter Vogel. Die Unterseite zieht vorherrschend in’s Weisse, die braunröthliche Färbung der Weichen ist nur sehr verloschen und in beschränktem Maasse angedeutet. Die Oberseite zieht überall stark in’s Graue, so dass der Unter- schied in der Färbung des Scheitels und Rückens keineswegs so lebhaft in’s Auge springt, sondern die Rückenfärbung ist etwa nur von dem Tone, welchen man bei cinctus an der Haube und dem Nacken findet, während letztere Körpergegenden bei odtectus viel entschiedener grau sind. Flügel und Schwanz sind bei ob- tectus verhältnissmässig länger. Hr. Dr. Dybowski notirte am frischen Vogel: Ganze Länge & 151, 2 147 Mm,; Flugweite 214 bis 206; Abstand der Flügelspitze von der Schwanzspitze 40 Mm.; 238 Protokoll der XXXIV. Monats-Sitzung. Iris dunkelbraun. Die Exemplare wurden am 1. October erlegt, also nach frisch erfolgter Mauser, der Vogel wird daher zur Be- gattungszeit noch obsoleter erscheinen. Schon die sibirischen Reisenden v. Middendorfi und Radde sprechen von Abarten des P. sibiricus, und ist es aus den Angaben des Herrn v. Middendorft, welche in der Hauptsache auf odtectus passen, fast der Schluss zu ziehen, dass ein so lebhaft gefärbter Vogel, wie der in Nord- europa vorkommende, am Ende gar nicht in Sibirien vorkomme. Der bisher von allen europäischen Ornithologen als Parus sibirieus aufgeführte Vogel dürfte schliesslich diesen seit Gmelin geführten Namen gar nicht verdienen, es ist daher der.ältere von Boddaert gegebene jedenfalls willkommen. Herr Cabanis unterscheidet daher vorläufig Poecila cincta (Bodd.) aus Nordeuropa und Poecila obtecta aus Sibirien. Mit letzterer verhalte es sich jedenfalls ähn- lich wie mit Sita caesia, europaea und uralensis, und sei ein Aus- einanderhalten bei unserer derzeitigen unvollikommenen Kenntniss jedenfalls erspriesslicher, wenn auch weniger bequem, um nicht zu sagen weniger „geistreich“. | Herr D’Alton macht, mit Bezug auf das in der letzten Sitzung beregte Thema des Vogelschutzes, die Mittheilung von einer der hiesigen Vossischen Zeitung entnommenen Notiz und giebt letztere als für den Vogelschutz von durchgreifender Wichtig- keit zu Protokoll. Die Notiz lautet wörtlich: „Florenz, 18. April. (Tr. Ztg.) Eine neue österreichisch-italienische Commission tritt in den nächsten Tagen hier zusammen. Beide Regierungen haben nämlich beschlossen, sich wegen Erlassung eines Gesetzes zum Schutze der für die Agricultur nützlichen Vögel, und namentlich auch der Singvögel, zu verständigen, da, wenn die Sache in Italien und den an Italien grenzenden Österreichischen Provinzen in der bisherigen Art und Weise fortgeht, eine voll- ständige Vernichtung dieser nützlichen und angenehmen Thiere bevorsteht. Von Seiten Oesterreichs wurde der Director des K. K. Naturalien-Cabinets Ritter v. Frauenfeld, welcher gestern Abend bereits hier eingetroffen ist, von Seite Italiens der Professor der Naturgeschichte Cavaliere Targiani-Tarfetti mit der Leitung dieser Unterhandlungen betraut, welche in den nächsten Tagen beginnen werden.‘ Der Vorsitzende legt hierauf die neuesten Lieferungen (50. bis 63.) des Prachtwerkes der Grafen Turati: Naturgeschichte der in der Lombardei nistenden Vögel, zur Ansicht vor und be- Nachrichten: Eingegangene Schriften. 239 spricht dasselbe Herr Bolle wird das eingehende Referat hier- über dem Journale zum Abdruck übergeben. Herr Bau erwähnt, dass in diesem Jahre der Fischadler, Pandion haliaötos, der sonst in der Mark nur bei Königs-Wuster- hausen brütete, auch im Grunewald bei Berlin gefunden sei. Bolle. Bau. Cabanis, Secr. Nachrichten. An die Redaetion eingegangene Schriften. 947. The Ibis. A. Quarterly Journal of Ornithology. Edited by Osbert Salvin. Third Series, Vol. I. No. 2. April 1871. — Von der British Ornithologist’s Union. 948, Dr. P. L. Selater and Osbert Salvin. Third List of Birds, col- leeted during the Survey ofthe Straits of Magellan by Dr. Cunningham., Wits additional Note on Nests and Eggo by the Eiditor (of the Ibis). — Von den Verfassern. 949. G. R. Gray. Notes on tbe Bills of the Species of Flamingo (Phoeni- copterus) Cum Tabb. X!II—XV. [From the Ibis for October 1869.) — Vom Verfasser. 950. G. R. Gray. Descriptions of New Species of Birds from the Solomon and Banks’s Groups of Islands. [From the Annals and Magazine of Natural History, for May 1870.] — Vom Verfasser. 951. Extraet from the Record of Zoological Literate, containing the Por- tion relating to Aves for 1869 by Alfr. Newton Vom Ver- fasser. 959, A. E. Brehm. Gefangene Vögel. Ein Hand- und Lehrbuch für Liebhaber einheimischer und fremdländischer Käfigvögel. Erster Theil: Die Stubenvögel. V. Lieferung. — Vom Verfasser. 9538. J. Reinhardt. Bidrag til Kundskab om Fuglefaunaen i Brasiliens Campos. (Slutning.) Kjobenhavn. — Vom Verfasser. 954. I. V. Barboza du Bocage. Melanges ornithologiques: Deeription d’un Pelican apparemment nouveau d’Afrique oceidentale (Pelecanus Sharpei) et observations sur quelques especes du m&me genre. — Sur ’existence et Yhabitat du Francolinus rubricollis (Lath. nee Rüpp.) [Extracto do Jornal de Scieneias mathem., pysicas e naturaes, No. XI. Lisboa. 1871.] — Vom Verfasser. 955. Dr. Ph. L. Selater. Descriptions of three apparently new Species of Tyrant-birds of the Genus Elainea, with Remarks on other known Species. |From Proc. Zool. Soe. London, Deebr. 6, 1870.] — Vom Verfasser. 956. Ph. L. Selater and Osbert Salvin. Characters of New Species of Birds colleeted by Dr. Habel in the Gailopagos Islands. |From Proc. Z. Soc. London, May 12. 1870.] — Von den Verfassern. 957. Ph. L. Selater & O. Salvin. On Venezuelan Birds collected by Mr. A. Goering. Part. IV. Cum Tab. XLVIL, XLVIll. (Chloro- spingus Goeringi, Diglossa gloriosa; Urochroma dilectissima). |From Proc. Z. Soc. London, Novbr. 15, 1870.] — Von Denselben. 958. Selater and Salvin. On Birds colletted by Mr. George M. Whitely on the Coast of Honduras. [From Proc. Z. Soc. London, Decbr. 6, 1870.] — Von Denselben. 959. Selater and Salvin. Descriptions of five new Species of Birds from the United States of Columbia. Cum Tab. LIlI. (Zyranniscus leucogonys, cinereiceps, improbaus.) [From Proc. Z. S. London, Deebr, 6, 1870.] — Von Denselben. 240 Eingegangene Schriften. Tauschgesuch. 960. H. E. Dresser and R. B, Sharpe. Notes on Lanius excubitor and its allies. |From Proc. Z. Soc. London, Juni 23, 1870.] — Von den Verfassern. %1. R. B. Sharpe. On the Birds of Angola. Part. I. With Notes by the Colleetor J. J. Monteiro. Cum Tab. XLIII. (Hirundo angolensis) From Proc. Z. Soc. London, Novbr. 26, 1869.] — Vom Verfasser. 962. R. B. Sharpe. On a new Kingfisher belonging to the Genus Zany- ne: [From Proc. Z. Soc. London, Decbr. 9, 1869.] — Von Dem- selben. 963. Sharpe. On the Genus Pelargopsis Gloger. [From Proc. Z. Soc. | London, Jan. 27, 1870.] — Von Demselben. | 964. Sharpe. On Campephaga Anderssoni, an apparently undesceribed Species of this Genus from South-western Africa. Cum Tab. IV. [From Proc. Z. Soc. London, Jan. 27, 1870.] — Von Demselben. 965. Sharpe. On the Birds of Angola. Part II. Cum Tab. XIII. (La- niarius Monteiri, Laniarius icterus.) |From Proc. Z. Soc. London, March, 10, 1870.]| — Von Demselben. %6b. Sharpe and Dresser. On some new or little-known points in the Economy of the Common Swallow (Hirundo rustica.) [From Proc. 2. Soc. London, April 28, 1870.] — Von den Verfassern. 967. Sharpe. Contributions to the Ornithology of Madagascar. Part I. Cum Tab. XXIX. (Mystacornis Crosleyi) rom Proc. Z. Soc. Ikondon, June 9, 1870.] — Vom Verfasser. %8. Sharpe. On a Collection of Birds from China and Japan. With Notes by the Collector Rob. H. Bergmann. [From Ann. and Mag. of Nat. Hist. for August 1870.) — Von Demselben. %9. Sharpe. On additional Collections of Birds from the Fantee Country. Cum Tab. XIV. (Drymaeca brachyptera, Pytelia Schlegeli.) [From The Ibis for October 1870.] — Von Demselben. 970. Sharpe. On a new Musicapine Bird from Madagasear. Cum Tab. XV. (Pseudobias Wardi.) [From The Ibis for October 1870.] — Von Demselben. 971. Allan O0. Hume. Additional Observations regarding some species of Birds noticed by Mr. W. T. Blanford, in his „Ornithological notes from Southern, Western and Central India.“ [From Journ. Asiatie Soc. of Bengal, Vol. XXXIX. HU, 1870.] Vom Verfasser. 972. Geo. N. Lawrence. Deseriptions of New Species of Birds from Mexico, Central-America and South-America, with a Note on Rallus longirostris. [Reprinted from Annals of the Lyceum of Natural His- tory, Febr. 1871.] — Vom Verfasser. 973. E. F. von Homeyer. Erinnerungsschrift an die Versammlung der deutschen Ormithologen in Görlitz im Mai 1870. Nebst vier Anlagen: Das Hochgebirge Scandinaviens und seine Vögel, von Brehm, Si- birische Vögel, von Cabanis; Portugiesische Vögel, von E. F. v. Homeyer; Der Tannenhäher, von Wiedemann in Triest. Stolp 1871, bei C. Schrader. Tauschgesuch. (Europäische Vogeleier.) Unterzeichneter wünscht schöne Gelege von Agusla naevia, haliaetos, albicilla, Bubo mazimus, Totanus ochropus, Ciconia nigra, Grus cinerea, Falco palumbarius, milvus, ater, peregrinus, subbuteo etc. ete. gegen nord- und süd-europäische Vogeleier einzutauschen und bittet Ornithologen sich mit ihm in Verbindung setzen zu wollen. Dr. Th. Holland. Stolp (Pommern). Druck von G. Pätz in Naumburg a. d. S. er u u wit Y 1 7 $ = magn.nai Tab.hl. hie.l. Fuligula cristata, Ray._Fig.2. Anas boschas,L. (fem.)_Fiß.3.Mareca penelope, (fem._Fiß.4 Ahynchaspis clypeata,leach.(mas.ad)_ Fiß.d, Aythia marila, Bp.(m.ad.)_Fiß.6. Ahynchaspis elypeata,(fem.)_Fiß.7. Querquedula falcata,gp._Fip.B. Aix sponsa, Boje.(mas.ad.)_Fiß.9.Merganser tastor,Bp.(mas.ad.)_ Fi. |D. Anas boschas, L.(mas.ad.) Yame fe " Kar 7, “ ij - 4. 1m kumenohsk cis, kral, dvarnz Imahlıskauny Syn Bolumala Hasso vlras i ARE BT EL ERE A "Sep1aA}sg[aS — 'I18L 3eıq ur 3919 PA "IA UOA NOUIg „sedong [0A AP yYonqpueg souoyfeyss yaIFeydsuasstm soIn3 ur Aoyep IST IXOL Iaq "IST Ted OP uoSorougumg uayosredome yosyods uofaraA Toq A9PIa] S9 OIM 'SOpueIsJINngeN ua]pWads souTd UHZUgIH Up UR 9STO\ TOUaTSurıpypanpun ur Jyaru yoIs Iyuas YUOZTIOH AOYOSTSOTOUJFTUIO UTOS ‘I9J10T USPWOAF HUTaY PISOTOYNUIO UOUISTIOXDO Anz u9duUnyaIzegT UEYIIMFEeUISIPUEMIEA 9Ip pun ayqundsmprsog uayosıyeursIsks uwoumwasfe ap PUIS 19sseHIoA UEPp INA 'osIaM Aopuesnuas ur pun 9sstoßy WOUSSHTIN Aw UaJIy puN waSUNUPIQ Ip u9anZ UaZzany UL aStI9IyerelD pun aNaqıead UOISTIBIT AOYIITIFEUISUASSIM pun [EISIOS IOUJIOMSUHUUINIIUB IL IST XL WS“ :Ix9], Up Aoqn yoIs Jaossng ufıog ur stueger) “IQ UoA 9TSoJoy}Tuag AN Teunof sed -uofeye3 Strg ayeMas uozynN uoss013 wMIp -nJg pun Juprarsyuf) UOY9SIS0J00Z wog Sep Yaaı 9zues sep any SToIg Aop TPgep ‘aoyragıea3 NONSInEUOL OU + I un kaxtarınn ; uoA spdoang johon Jap ayuonasahuneN Naturgesehiehte der Vögel Europas. Von Med. Dr. Anton Fritsch. In Commission bei F. Tempsky in Prag. Das nun vollendete Werk, dessen Herstellung fast 20 Jahre erfordert hat, enthält auf 61 Tafeln 708 Abbildungen der sämmtlichen Vögel Europas in ihren verschiedenen Farbenkleidern. Dieselben sind in lithografischem Farbendruck hergestellt, welcher nicht nur den sorgfältig mit Wasserfarben colorirten Abbil- dungen sleichkommt, sondern dieselben durch Gleiebheit der Exemplare und durch Dauerhaftigkeit übertrifft. Der Text ist in Octav 506 Seiten stark und enthält ausser Synonymik und einer kurzen Be- = schreibung der Arten, auch Angaben über Vaterland, Nahrung, Lebensweise und alles Wissenswerthe in kurzer Darstellung. Preis 72 Gulden. (48 Th.) (Oesterreichische Lehranstalten können dasselbe um den ermässigten 4 Preis von 40 fl. direkt vom Verfasser beziehen.) Die Originale zu den sämmtlich nach der Natur gemachten Zeichnungen sind nicht blos aus der Sammlung des Prager Museums, welche durch Ankäufe aus der Baron Feldege’schen Sammlung sehr be- reichert wurde, sondern auch nach Exemplaren der Museen von Wien, Berlin, Halberstadt und Pest, ferner aus der Sammlung des zoologisch-botanischen Vereins in Wien und der prachtvollen Privat-Sammlung des Herrn Woboril in Prag. In Anerkennung des “wahren "wissenschaftlichen Werthes hat das hohe Ministerium = des Unterrichtes mittelst Erlasses vom 26. März 1859 dieses Werk allen Lehranstalten empfohlen und zur Anschaffung für die Bibliotheken der Gymnasien und Realschulen gerathen und auch neuester Zeit die Beischaffung für die Lehrerbildungsanstalten in Böhmen veranlasst. Alexander von Homeyer, einer der hervorragendsten jetzt lebenden Ornithologen Deutschlands, äussert sich über das Werk im Journale für Ornithologie 1870, Heft 2, p. 150 am Schlusse einer längeren Abhandlung folgendermassen: „Demnach sei dieses treffliche Werk jedem Ornithologen auf das Wärmste empfohlen, besonders aber den jungen Ornithologen, denn es eignet sich kaum ein zweites Handbuch so gut in die Wissenschaft einzuführen als gerade dieses, Auch für die Herren Lehrer und die Herren Jäger ist dies ein unentbehrliches Hilfsbuch; erstere werden sich zum Vortrag gut orientiren, letztere werden gewiss jeden erlegten seltenen Vogel leicht zu finden wissen und sich betreffs Nutzens oder Schadens, betreffs Bestimmung im Naturhaushalt ausreichend belehren können.“ Im offieiellen Berichte über die Weltausstellung zu Paris im Jahre 1867, welcher vom k. k. österreichischen Central-Comite veröffentlicht wurde, finden wir in der 12. Lieferung pag. 211 nach- stehende Würdigung: „Med. Dr. Ant. Fritsch, Custos der zoolog. Abtheilung am Museum zu Prag hat in Cl. 89 das von ; ihm herausgegebene Werk: „Naturgeschichte der Vögel Europas“ ausgestellt. Die Zeichnungen sind sehr ; correkt, der lithographische Farbendruck ist sehr gelungen und der Text sehr sorgfältig und mit wissenscha ft- ® licher Genauigkeit gearbeitet, dabei der Preis für das ganze Werk das beim zoologischen Unterricht und Stu- dium grossen Nutzen gewährt, billig gehalten. Das Journal für Ornithologie von Dr. Cabanis in Berlin äussert sich über den Text: „Dieser Text ist mit anerkennenswerther Sorgfalt und wissenschaftlicher Präcision hearbeitet, und charakterisirt in kurzen Zügen die Ordnungen und Arten mit kritischem Fleisse und in genügender Weise. Für den Verfasser sind die allgemeinen systematischen Gesichtspunkte und die verwandtschaftlichen Beziehungen zur exotischen Ornithologie keine fremden Dörfer, sein ornithologischer Horizont senkt sich nicht in undurehdringlicher Weise an den Gränzen eines speciellen Geburtslandes, wie es leider bei vielen specifisch europäischen Ormithologen der Fall ist. Der Text ist daher ein gutes wissenschaftlich gehaltenes Handbuch der Vögel Europa’s.“ Drack von Dr, Ed. Gregr in Prog 1871. — Selbstverlag, JOURNAL für ORNITHOLOGIE. Reunzehnter Jahrgang. Be eg 1871. Die Structur des Vogel-Eies und deren Beziehungen zur Systematik. Von W.v. Nathusius. (Königsborn.) Beim Vogelei wurden mit Ausnahme des Dotterhäutchens, _ welches man irriger Weise mit demjenigen zarten Häutchen, das schon im Eierstock das Ei umgiebt, identificirte, diejenigen Hüllen, welche den Dotter umgeben, nachdem dasselbe den Oviduct ver- lassen’ hat, also Eiweiss, Schalenhaut und Schale, als accessorische, - äusserlich und mechanisch hinzugefügte betrachtet; es konnte sich - also für den Ornithologen nur ein verhältnissmässig geringes In- .teresse an dieselben knüpfen, und Sammlungen von Eiern oder vielmehr Eischalen, konnten fast mehr als Curiositäten betrachtet werden. | In einer Reihe einzelner, in der Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie Bd. XVIL 2, XIX. 3, XX. 1, XXL 1. u. ff. erschie- nener Abhandlungen glaube. ich nachgewiesen zu haben, dass diese sanze Auffassung eine unzutrefiende ist, dass sie in keiner - Weise mit denjenigen Thatsachen übereinstimmt, welche die ge- _ genauere, namentlich die mikroskopische Untersuchung normaler und abnormer Vogeleier ergiebt, und dass sich diese Hüllen mit Evidenz als organisirt, zum Ei selbst gehörig und aus demselben erwachsen, also als ein wirkliches Zubehör des Individuums er- geben. Nichts wird hieran dadurch geändert, dass der junge Vogel in einem gewissen Stadium seiner Entwickelung die frühere . Hülle verlässt und nun erst Vogel genannt wird. So wie der Schmetterling seine Puppenhülle dem Verfall als etwas Todtes hinter sich lässt, und trotzdem Niemand bestreiten wird, dass die - Chitinhülle der Puppe ein Organismus, dass die Puppe in.ihrer Cub. Journ. f. Ornitlı. XIX. Jahrg. No. 112, Juli 1871. 16 242 W. v. Nathusius: Gesammtheit dasselbe Individuum als der aus ihr hervorgehende Schmetterling: ist, ebenso ist das Vogelei, wie es den Oviduct ver- lässt, ein zusammengehöriger Organismus, ein durchweg organi- sirtes Individuum, es ist in seiner Totalität der Vogel, nur in einer früheren Entwickelung, dem Eizustande. Von diesem Gesichtspunkte aus wird die genauere Kenntniss auch der bisher so vernachlässigten Hüllen des Eies von einer sehr weitgreifenden Bedeutung für die Systematik, also für die Orni- thologie überhaupt sein, denn es bedarf kaum der Erinnerung daran, dass es die Entwickelungsgeschichte ist, in welcher eine tiefer greifende Systematik ihre Motive für die Entscheidung so mancher noch dunkler Fragen zu suchen gewöhnt ist, und selbst- verständlich greifen wir weit tiefer, wenn wir bis auf den Ei- zustand des Vogelindividuums zurückgehen, müssen also dem Kern der Fragen näher rücken, als wenn wir uns begnügen, das aus- seschlüpfte Individuum mit dem erwachsenen zu vergleichen. Wir übersehen dann den reichen und mannichfaltigen Organismus, den das Individuum in seinem Eizustande noch in und an sich trägt. Die makroskopischen Methoden reichen nicht aus, um in das Wesen dieses Organismus auch nur einigermassen einzudringen. Wir sind hier auf die Mikroskopie hingewiesen, müssen das Gebiet der Histiologie betreten, und wenn sich deshalb für jetzt nur die zur Mittheilung histiologischer Thatsachen bestimmten literarischen Organe zur Darlegung der Resultate der näheren Untersuchung der Eihüllen eigneten, so wird es um so näher liegen, eine kurze Zusammenstellung derselben für die ornithologische Fachliteratur zu geben. Es muss in derselben allerdings auf die schwer zu entbehrende Beigabe von Abbildungen verzichtet werden, und dieses, sowie der Zweck einer kurzen orientirenden Darstellung schliesst die Möglichkeit aus, in derselben die experimentalen Be- weise des Vorgetragenen zu geben und die früheren oder noch jetzt entgegenstehenden Ansichten historisch oder polemisch zu berück- sichtigen. Wer die Frage kritisch prüfen und sich ein selbst- ständiges Urtheil über dieselbe bilden will, wird deshalb auf die Eingangs eitirten Arbeiten und die in denselben enthaltenen zahl- reichen Abbildungen zurückgehen müssen. Die Structur derjenigen Theile des Eies, die nicht Dotter sind, wird am verständlichsten, wenn wir von der Schalenhaut (membrana testae) ausgehen. Es ist bekannt, das sie aus mehr oder weniger verwachsenen und verfilzten Lagen glasheller Fasern Die Structur des Vogeleies u. deren Beziehungen zur Systematik. 343 besteht, zwischen denen sich Luft befindet. Letztere bewirkt die porzellanartige Undurchsichtigkeit. der ganzen Membran. Das Dotter- häutchen (membrana vitelli) zeigt im Wesentlichen genau dieselbe Structur, ist jedoch in jeder Beziehung sehr viel feiner und zarter gebaut; ausserdem sind in den Lücken seines Fasernetzes zarte Membranen ausgespannt, und lassen frisch in Glycerin gelegte Lamellen desselben die Fasergerüste mehr andeutungsweise her- vortreten. Erst trockne Präparate und die stärksten Vergrösserungen zeigen sie in voller Deutlichkeit und Zierlichkeit. Das Letztere gilt jedoch nur für die inneren Schichten des Dotterhäutchens, wie es an rohen oder gekochten Eiern gewöhnlich präparirt wird. Seine äusseren Schichten zeigen nur an günstigen Objeeten Andeutungen davon, dass auch hier Fasernetze in den membranösen Lamellen vorhanden sind. Der Dotter fluctuirt mit diesem Dotterhäutchen in einem Quantum wirklich flüssigen Eiweisses, das aber nur den kleineren Theil der ganzen Eiweissmenge ausmacht. Nach aussen und bis an die Schalenhaut besteht das Eiweiss aus concentrischen Schichten membranöser Lagen, zwischen denen sich schwache Schichten flüssiger Eiweissmasse befinden, und in welchen ebenfalls ganz zarte Fasernetze zwar schwierig, aber doch unzweideutig nachzuweisen sind.. Diese äusseren und inneren membranösen Schichten sind endlich durch die von ihnen ausgehenden Chalazen in der Richtung der Längenachse des Eies verbunden, und diese Chalazenschnüre bestehen wiederum aus vielfachen membranösen Lagen, sind knäuel- förmig in Spiralen aufgerollt und bilden dadurch elastische Polster, welche den Dotter von den Polen ab nach dem Centrum des Eies drücken, von wo aus er durch sein specifisch leichteres Gewicht je nach der Lage des Eies in dem mittleren flüssigen Eiweiss in die Höhe steigt, jedoch nur so weit der Schale sich nähern kann, als es die äussere membranöse Schicht gestattet. Das Gesammtbild dieser Structur lässt sich leicht an mässig feinen Schnitten durch das Weisse hart gekochter Eier, die in Glycerin unter Deckgläschen eingeschlossen sind, studiren und dort auch schon mit unbewaft- netem Auge, wegen der verschiedenen Durchsichtigkeit der mem- branösen und der ursprünglich flüssigen Eiweissschichten ver- folgen. Es ist also das gesammte Eiweiss einschliesslich der Dotter- und der Schalenhaut ein zusammenhängendes, auf den Typus von Fasernetzen und von diesen gestützten Membranen, die das flüssige 16* 244 W. v. Nathusius: Eiweiss einschliessen, zurückzuführendes organisches Gebilde, welches wohl ohne Zweifel aus der Zone pellucida des Eierstockeies er- wachsen ist. Auch bei letzterer will Kramer (Verh. d. Physik. Medic. Ges. z. Würzburg. Neue Folge I. Bd. 3. Heft 1868) schon bei sehr jungen Follikeln Andeutungen der Faserstructur gefunden haben, was ich bisher zu bestätigen keine Gelegenheit hatte, aber nicht bezweifle. Den Nährstoff zu dem so schnellen und beträcht- lichen Erwachsen des Eiweisses aus der Zone pellueida liefern un- bestritten die Secretionsdrüsen des Oviduets, Wir gehen zur Schale über. Ihre Entwickelungsgeschichte ist beim Vogelei noch so gut als unbekannt; neben dem, was die abnormen weichschaligen Eier zeigen, lassen sich jedoch Schlüsse auf dieselbe aus demjenigen ziehen, was verschiedene Reptilien- eier zeigen, denn bei aller Verschiedenheit im Einzelnen ist die wesentliche Uebereinstimmung des Bildungsprincips der Schale bei Schlangen und Schildkröten mit dem des Vogeleies in die Augen springend. Indem bei ersteren die Schalenbildung in den man- nichfachsten Entwickelungsgraden zum Abschluss gelangt, sind wir wohl berechtigt, zunächst uns auf diese Beobachtungen zu stützen. Es giebt Schlangeneier, deren Hülle nur aus einer der mem- brana testae sehr ähnlichen Faserhaut besteht und wo nur zuweilen an den Enden der einzelnen Fasern keulenförmige Anschwellungen beobachtet werden können. Solche Anschwellungen sind der Anfang der Schalenbildung, wie ich zuerst am Ringelnatterei fand, auf das ich deshalb etwas näher eingehe. Seine Schale ist von leder- artiger Beschaffenheit, enthält sehr wenig oder gar keinen kohlen- sauren Kalk und wird fast gänzlich aus Fasern, ähnlich der Schalen- haut des Vogeleies, gebildet. Vielfach lässt sich aber hier eine röhrenförmige Beschaffenheit der Fasern, mindestens eine Differeneirung des Inhalts von der äusseren Schicht nachweisen. Es treten ferner zahlreich die schon erwähnten keulenförmigen Verdiekungen der Endungen auf, und diese gehen in der pe- ripherischen Schicht so weit, dass sie zu zellenartigen rundlichen Körpern werden, welche ausser kernartigen Einschlüssen zahl- reiche feine Körnchen enthalten und von einer Membran umgeben sind, welche die directe Fortsetzung der äusseren Schicht der Faser ist, während die in ihnen enthaltenen Körnchen dem Inhalt der diekeren Fasern entsprechen. So wird die äussere Schicht der Eischale von einem ziemlich dichten Pflaster dieser rundlichen, Die Struetur des Vogeleies u. deren Beziehungen zur Systematik. 245 wenn auch häufig linsenförmig abgeplatteten Körperchen gebildet. Ueber ihnen liegt jedoch noch eine zarte Cuticula. Bei anderen aber auch noch weichschaligen Schlangen- und Schildkröten -Eiern ist die Schalenbildung weiter vorgeschritten. Die zuletzt erwähnte Cuticula ist nicht vorhanden. Die runden Terminalkörperchen der Schalenhautfasern sind zu stark verkalkten Buckeln geworden, welche nach innen mit einem kegelförmig aus- laufenden Ansatz in der Faserhaut inserirt bleiben, sich aber nach aussen halbkugelförmig über deren Oberfläche erheben und so einen harten aber biegsamen Panzer bilden. Bei den Reptilieneiern mit starrer Schale sind die einzelnen Buckeln zu einer zusammenhängenden Platte verwachsen, die nach aussen eine annähernd ebene Fläche hat, während nach innen ihre Basis als zitzenförmiger Fortsatz bleibt, der mit seiner Spitze in der Faserhaut inserirt und dort so fest verwachsen ist, dass er sich mechanisch nicht von den äussersten Faserschichten trennen lässt. Durch diese zitzenförmigen Fortsätze der inneren Schalen- fläche, die ich, um sie kurz zu bezeichnen, ihrer Form entsprechend Mammillen der Schale genannt habe, bildet sich nun über der Schalenhaut ein System communicirender Lufträume, welches einer- seits mit den Interstitien der Fasern zusammenhängt, andererseits durch einzelne zwischen den Berührungsgrenzen der Mammillen bei ihrem Verwachsen bleibende Lücken, den sogenannten Poren- kanälen, sich bis zur äusseren Schalenfläche fortsetzt. Mit diesem Entwickelungszustande der Reptilieneischale sind wir beim normalen Vogelei, welches uns genau dasselbe zeigt, an- gelangt, und es tritt uns das sehr bedeutungsvolle Resultat entgegen, dass die sämmtlichen Eihüllen eine organische Ein- heit darbieten*), dass sie zusammen auf die organische *) Als eine höchst frappante Demonstration der typischen Ueberein- stimmung der verschiedenen Eihüllen will ich hier die anscheinend gar nicht sehr seltenen Fälle anführen, wo sich das Dotterhäutchen unter dem gewöhnlichen Eiweiss mit einer vollständigen Kalkschale über- zieht, welche allerdings nicht den normalen Speciescharakter, wohl aber voll- ständig den allgemeinen Typus der Schale der äusseren Faserhaut, wie er hier charakterisirt ist, trägt. Bei einer Dotterschale vom Haushuhn, die ich besitze, sind dem entsprechend auch die Fasern der Membran, welche diese Schale auskleidet, die also das Dotterhäutehen sein muss, vollständig zu denjenigen Dimensionen und Formen entwickelt, welche sie in der normalen Schalenhaut besitzen. Diesen interessanten Fall führe ich hier speciell an, weil ich ihn anderweitig noch nicht publieirt habe. 246 W. v. Nathusius: Grundform der Faser zurückzuführen sind, welche letztere wir zunächst als eine elementare Form behandeln müssen, obgleich sich unschwer nachweisen lässt, dass auch noch die Faser eine feinere organische Structur besitzen muss, deren Complication sich noch gar nicht absehen lässt. Nachdem so die äussere Form der Eischale und ihre Ent- stehung angedeutet ist, müssen wir näher auf ihre innere Be- schaffenheit eingehen. Auch neuere Autoren sind durch die Re- sultate der Behandlung von Schalenstücken mit Säuren zu falschen Schlussfolgerungen verleitet. Die Blasenräume, welche durch die Entwickelung der Kohlensäure und die Desaggregation des gallert- artigen Substrats, das die Lösung der Kalksalze hinterlässt, ent- stehen, sind als eine -igenthümliche Structur der Schale aufgefasst worden, während sie nur ein aus ihrer Zerstörung hervorgehendes Artefact sind. Es sind zur mikroskopischen Beobachtung geeignete Dünnschliffe in verschiedenen Richtungen durch die unveränderte Schale erforderlich, um eine Einsicht in ihre Beschaffenheit zu gewinnen, die dann allerdings durch die vorsichtige Behandlung solcher Schliffe mit Chromsäure, welche bei Entfernung der Kalk- verbindungen das gallertartige Substrat gleichzeitig erhärtet, eine‘ tiefer eindringende wird. Solche Schliffe darzustellen, ist mir nach einigen vergeblichen Versuchen in befriedigender Weise gelungen, nicht nur bei den dickeren Eischalen, sondern auch bei ziemlich dünnen, z. B. bei nur O,, Mm. dicken Tauben-Eischalen; neuer- dings sogar bei der nur O,g6;s Mm. dicken Schale von Troglodytes parvulus. Eine so erschöpfende Darstellung dieses Verfahrens, dass sie auch dem in der gebräuchlichen Technik des mikrosko- pischen Präparirens nicht Bewanderten die Anwendung ohne Wei- teres ermöglichte, würde hier zu weit führen. Ich begnüge mich, anzuführen, dass der Regel nach die Schale zunächst mit Kanada- balsam zu durchtränken und zu überziehen, und dieser durch Er- hitzen in den Zustand zu bringen ist, wo er bei gewöhnlicher Temperatur vollständig erhärte. Für Tangentialschliffe, d. h. solche Schliffe, deren Ebene mit Tangenten der Schalenftäche parallel liegt, wird ein Schalenstück, der Regel nach von der in- neren Seite, nachdem es mit Schleifstein resp. Feile im Rohen vorbereitet ist, mit geschlemmtem Schmirgel und Wasser auf einer rauh geschliffenen Glastafel gewöhnlich so weit abgeschliffen, dass die Schliffebene im Centrum des Stückes die äussersten Ma- millenendungen fast berührt und hier die äussersten Schichten der - Die Structur des Vogeleies u. deren Beziehungen zur Systematik. 247 Faserhaut schneidet. Zu diesem Behuf müssen mittlere und dünne Schalen haltbar gemacht werden, indem auf die äussere Seite der Stücke eine mehrere Mm. starke Schicht von Mastix angeschmolzen wird. Das Stück wird nun mit der abgeschliffenen inneren Seite auf dem definitiven Objeetträger mit vollständig erhärtetem Ka- nadabalsam fest angeschmolzen, die äussere Seite bis zur ge- wünschten Dicke abgeschliffen und mit frischem Kanadabalsam in der gewöhnlichen Weise unter dem Deckgläschen eingeschmolzen. Für Radialschliffe, d. h. solche, deren Ebenen mit Radien des Eies zusammenfallen, werden je nach der Schalendicke mehrere oder wenigere Stücke von correspondirender Wölbung und Form zusammengeschmolzen. So werden handliche Stücke erhalten, mit denen man, ähnlich wie oben gesagt, weiter verfahren kann. Die dünnsten Schalen werden alternirend zwischen dickere Schalen anderer Eier gelegt und mit diesen zusammengeschmolzen. Ich habe z. B. die Taubenei-Schalen zwischen Schwan- oder Gänse- Eichalen gelegt und sind namentlich die letzteren, da sie leicht und billig zu beschaffen stehen, zu dieser Aushülfe zu empfehlen. Diese Schliffe lehren, dass die Grundsubstanz der Schale, wie diejenige des Knochens, stark liehtbrechend und durchsichtig, also eme homogene Substanz ist, in welcher die Kalkverbindungen, eben wie beim Knochen, mit einem noch nicht näher bekannten Substrat in einer so innigen Verbindung stehen, dass sie der stärksten Vergrösserung als homogen erscheint. Die Undurch- sichtigkeit der Eischale entsteht daher, dass in diese Grundsub- stanz zahlreiche runde Körperchen eingeschlossen sind, deren Bre- chungsindex von dem der ersteren sehr verschieden ist. Ihre Grösse ist bei den verschiedenen Familien eine sehr abweichende. Bei Psrttacus habe ich sie bis 0,00375 Mm. Durchmesser gefunden, beim Strauss auf 0,0003 bis 0,0004 Mm. geschätzt... Bei den Schwänen und Gänsen sind sie noch kleiner, bei Aalieus und Pelecanus 0,0008 Mm., bei Zarus 0,0011 Mm., bei Uria 0,0025 Mm., bei den Osceines verhältnissmässig gross (Elster und Sper- ling 0,0015 Mm., Troglodytes 0,0014 Mm.). Dass es sich für so kleine Dimensionen mehr um Schätzung als präcise Messung han- delt, ist selbstredend. Bei schwächeren Vergrösserungen und durch- fallendem Licht erscheinen sie als dunkle Punkte, bei stärkeren können sie den täuschenden Eindruck von durchsichtigen, aber stark lichtbrechenden Körnchen machen; eine genaue Controle ergiebt jedoch, dass ihr Berechnungsindex sehr viel geringer als der 248 W. v. Nathusius: der Grundsubstanz ist, einfache Hohlräume sind sie indess nicht. Nachdem der Kalkgehalt der Schale aus geeigneten Schliffen durch Chromsäure entfernt wurde, traten die Körperchen mit nun relativ stärkerem Brechungsindex aus der weniger dicht geworde- nen Grundsubstanz hervor, und die weit grösseren aber einzelner stehenden Körnchen in gewissen Reptilien-Eiern, die ich für das- selbe halten muss, besitzen eine leicht nachweisbare, den Stärke- mehlkörnern ähnliche, geschichtete Structur; ich halte sie also auch im Vogelei für wennschon kleine Organe, deren Bedeutung allerdings gänzlich unbekannt ist. Nur so viel steht fest, dass sie entweder gar keinen Kalkgehalt, oder doch einen viel geringeren, als die Grundsubstanz der Schale haben. | Ausserdem kommen noch eckige Einschlüsse in den äusseren Schichten gewisser Eischalen vor. Sie scheinen wirklich leere Hohl- räume zu sein, denn unter Umständen dringt der Kanadabalsam in sie ein und macht so die Schichten, in denen sie enthalten sind, durchsichtig. Diese Trübungen oder Verdunkelungen der durchsichtigen Grundsubstanz sind nun nicht etwa gleichmässig in letzterer ver- theilt, sondern regelmässig in Gruppen und Schichten in einer Weise geordnet, welche für verschiedene Familien charakteristisch ist. So entstehen in den Schliffen bei durchfallender Beleuchtung und den schwächeren Vergrösserungen, wo die einzelnen Körperchen - nicht zu erkennen sind, sondern in ihrer Gesammtmasse verdunkelnd auftreten, Zeichnungen, die oft von überraschender Zierlichkeit sind. Diese Zeichnungen schliessen sich einigermassen an eine vorhandene Structur der Grundsubstanz an. Diese besteht einer- seits in einer durchgehenden, der Oberfläche annähernd parallelen Schichtung, andererseits in einer Gliederung in radial gestellte Säulen, und es zeigt z. B. das Straussen-Ei der ersteren ent- sprechend auf den Radialschliffen eine dunkle Horizontalstreifung durch dünnere undurchsichtige Schichten, die zwischen etwas dicke- ren durchsichtigen liegen, und der letzteren entsprechend auf Tangentialschliffen in gewissen Regionen derselben sehr zierliche dunkle Dreiecke auf einem hellen Grunde, welche aus den Quer- schnitten undurchsichtiger Säulen entstehen. Ein grosser Theil der Eischalen zeigt sehr viel einfachere Bilder, indem die En- dungen der Mammillen durchsichtig sind, oder doch nur einzelne dunkle Körperchen enthalten, während die Hauptmasse der Schale ziemlich gleichmässig. undurchsichtig ist. Die Structur des Vogeleies u. deren Beziehungen zur Systematik. 249 In den äusseren und äussersten Schalenschichten, die zuweilen noch mit einem nicht verkalkten und sich mit Carmin lebhaft röthenden Oberhäutchen überzogen sind, zeigen sich sehr mannich- fache und bezeichnende Bildungen, auf welche aber hier ohne er- läuternde Abbildungen nicht eingegangen werden kann. Endlich kommen noch die schon erwähnten Porenkanälchen iu Betracht, indem sie bei manchen Eiern, z. B. von Struthioniden, nicht einfach verlaufen, sondern entweder in einer Richtung, und zwar der Meridianrichtung des Eies einmal oder mehrmals ge- gabelt sind (/thea, Dinornis und Aepyornis), oder sich armleuchter- förmig verzweigen (Siruthio). Auch die Faserhäutchen und die Eiweisshülle überhaupt be- sitzen bei den Eiern verschiedener Vögel eine abweichende und ohne Zweifel charakteristische Structur, sie ist aber schwierig zu verfolgen, und eben so schwierig würde die Beschaffung umfassen- den Materials sein; es ist also die Structur der Schale dasjenige Kriterium, an dem ich die Frage nach der systematischen Be- deutung dieser Verhältnisse zunächst geprüft habe. Selbstverständlich handelt es sich nur um Anfänge in der Kenntniss des ungeheuren Forschungsgebietes, welches die Ei- schalenstructur der gesammten Vogelwelt darbietet. Meine Samn- lung umfasst allerdings gegenwärtig etwas über 600 Schliffe von Vogelei-Schalen, abgesehen aber von wirklichen Doubletten, die zur Controle schwerer verständlicher Verhältnisse bei unvollkomme- nen Präparaten vielfach unentbehrlich waren, und von dem Um- stande, dass günstigen Falles drei Präparate erforderlich sind, um die. Verhältnisse einer einzelnen Eischale klar zu legen, nämlich Radialschliff, Tangentialschliff durch die äussersten und Tangential- schliff durch die inneren Schichten, erforderte die sehr schwierige Frage nach der Variation oder der individuellen Abweichung inner- halb derselben Art zahlreiche Wiederholungen; es sind ferner zahlreiche Präparate von den so sehr instructiven Abnormitäten namentlich der Hühnereier vorhanden; es waren endlich noch zahlreiche Folgen weiterhin zu erwähnender besonderer Präpa- rate zur Bestimmung der Dimensionen der Mammillen herzustellen. So umfasst diese anscheinend beträchtliche Menge von Präparaten doch nur eine verhältnissmässig geringe Anzahl von Gattungen, die sich bis jetzt etwa auf folgende beschränken: Troglodytes, Fringila, Corvus, Psittacus (2 Arten), Vultur, Falco (2 Arten), Haliaötos, Sacorkhamphus, Ulula, Columba (4 250 W.v. Nathusius: Arten und zahleiche Varietäten), Gallus, Phasianus, Meleagris, Pavo, Numida, Ferdix, Tetrao, Rhynchotus (2 Arten), Trachypelmus (2 Arten), Tinamus, Megapodius, Struthio, Ichea, Dromazius, Oa- suarius, Aepyornis, Dinornis (3 Arten), Apteryx, Otis, Grus, Ardea (2 Arten), Oiconda (2 Arten), Alca, Pelecanus, Halieus, Larus, Anser (4 Arten), Cereopsis, Cygnus (3 Arten), Anas (8 Arten ein- schliesslich der sehr abweichenden Erismatura mersa). Es sind also noch zahlreiche Lücken vorhanden, und die Re- sultate, die man aus dem Vorliegenden zieht, sind nothwendig den ausgesetzt, durch spätere Beobachtungen berichtigt oder ergänzt zu werden. Es dürfte sich jedoch wenigstens das mit zweifelloser Bestimmtheit ergeben, dass gewisse, wohldefinirte Typen der Eischalen-Struetur gewissen natürlichen Grup- pen (Familien) entsprechen und dass der Regel nach die Stellung einer Art zu diesen Gruppen mit grosser Bestimmtheit schon aus der blossen Schalenstruetur zu entnehmeniist. Ich kann mir nicht versagen, für letzteres wenigstens ein interessantes Beispiel anzuführen. Die neuere Systematik der Ornithologie war mir gänzlich fremd, als ich, von ganz anderen Gesichtspunkten ausgehend, diese Untersuchungen begann, und suchte ich den älteren Systemen entsprechend in der Trappe eine Uebergangsform von den Straussen zu den von diesen so verschie- denen Hühnern, fand dies aber nicht bestätigt und sagte (Zeitschr. f. Zoologie Bd. XX p. 121.:) „Sowohl hierdurch als in manchen anderen Beziehungen scheint das Trappen-Ei sich ganz von den Hührnern zu trennen und würde unter den bis jetzt untersuchten Eiern die meisten Analogien mit dem Kranich-Ei bieten. Welcher Werth bei dem jetzigen Stande der Untersuchung auf ein der- artiges ziemlich auffallendes Resultat zu legen ist, muss dahinge- stellt bleiben.“ Erst später wurde mir klar, dass also hier trotz des Vorur- theils, das mich eine Verwandtschaft mit den Hühnern suchen liess, der Schalentypus gegen meine Erwartung auf die richtige Stellung der Trappe zu den Grallatoren geführt hatte. Sonst hebe ich noch hervor, dass die ältere Controverse zwischen Owen und Geoffroy St. Hilaire einerseits und Bianconi andererseits über den dem madagaskarischen Aepyornis anzuwei- senden Platz sich nach der Schalenstructur unbedenklich zu Gunsten der Ersteren entscheidet. Aepyornis ist unzweifelhaft ein . Die Structur des Vogeleies u. deren Beziehungen zur Systematik. 251 echter Struthionide und kein Raubvogel, und zwar ist er unter sämmtlichen Struthioniden die der Gattung Struthio am nächsten stehende Form. Dagegen stimmt Dinornis so wesentlich mit Arhea überein, dass ich dieselben zu einem Genus stellen möchte. Ebenso würden Dromaius und Casuarius zusammen gehören. Die Trennung eines Theils der Gallinaceen in Phasianiden und Tetraoniden, wie sie gebräuchlich ist, kann ich in der Schalenstruetur nicht bestätigt finden. Gallus, Meleagrıs und Phasianus stimmen mit sich und mit Perdie und Tetrao vollständig überein; Pavo ist sehr ab- weichend und Numida löst sich so ab und tritt so nah an Ca- suarius und Dromaius heran, dass mindestens eine Uebergangsform zu letzteren vorliegt. Megapodius erscheint nach der einen bis jetzt untersuchten Form ganz eigenthümlich. Leider habe ich Craeiden noch nicht untersuchen können. Die Crypturiden sind in gar keine Beziehung zu den eigentlichen Gallinaceen zu bringen, wohl aber‘ mit Ozis zu der dieser ähnlichen Form der Grallatoren (Grus.). Hier findet auch Apteryx, an welchem ich durchaus keine struthioniden Beziehungen zu finden weiss, seine Stelle. Dieses letztere Resultat widerspricht, wie ich sehr wohl weiss, den namentlich von Owen ausgehenden Ansichten über die systematische Stellung von Apteryx. Es steht mir keine Kritik derselben auf demjenigen Gebiet, wo sie ihre Begründung fanden, zu. Ich muss mich begnügen, dasjenige, was die Eischalenstructur ergiebt, ihnen einfach gegenüber zu stellen, darf aber vielleicht daran erinnern, dass die Schwierigkeit, eine systematische Gruppirung der verschie- denen Vogelformen auf den bisherigen Wegen zu erreichen, eine anerkannte ist und auch das auf diesen bisher Erreichte vielfach noch im Stadium der Controverse sich befindet. So dürfte für das neue Kriterium der Eischalenstructur wenigstens eine Beachtung neben den übrigen wohl zu beanspruchen sein. Gehen wir zur Betrachtung desjenigen über, was die Schalen- struetur bezüglich der weiteren Sonderung innerhalb der Familien- gruppen ergiebt, so erscheint es wahrscheinlich, dass sie zu Ab- grenzungen der Genera wohl geeignet sein dürfte, wenn auch in den einzelnen Fällen für jetzt noch Zweifel übrig bleiben, welche darin liegen, dass ein umfassenderer Ueberblick nöthig sein wird, um das Maass zu bestimmen, mit dem gewisse Structurunterschiede für die Entscheidung ins Gewicht fallen. Das bei Weitem grösste Interesse wird man dem Speeiesunter- schied beimessen, wenn man sich klar macht, dass ein Zweifel an 252 W. v. Nathusius: der Bedeutung der älteren Begrenzungen des Artbegriffs, durch Darwin’s celassische Untersuchungen über die Ausdehnung der Variation bei den Hausthieren eine so starke Grundlage bekommen hat, dass wenigstens das Entscheidende der früher angenommenen Speciescharaktere schwerlich noch aufrecht zu erhalten ist. Diese hinfällig gewordenen äusserlichen Charaktere durch schärfere, aus einem tieferen Eindringen in das Wesen der Organismen entnom- mene zu ersetzen, ist offenbar die Zeitaufgabe einer soliden und objectiven Naturhistorie, auch wenn sie die wilden und phan- tastischen Vermuthungen zurückweisen muss, die sich unter der Bezeichnung „Darwinismus“ an die werthvollen Thatsachen, die wir Darwin verdanken, geknüpft haben, aber in einer so losen logischen Verbindung mit denselben stehen, dass sie vor einer kaltblütigen Kritik, die doch Beweise verlangt und sich nicht mit Explicationen begnügen kann, nicht bestehen dürfen. Leider stehen der Fixirung eines unterscheidenden Species- charakters auch in der Eischalenstructur Schwierigkeiten entgegen. Bei den einfacher erscheinenden Schalen, z. B. bei den Tauben ist bezüglich derjenigen Structur-Verhältnisse, die oben erwähnt sind, zwischen den verschiedenen Species, die ich untersuchte (©. livia, oenas, palumbusund turtur) durchaus kein Unterschied zu finden. Dasselbe findet bei Ardea cinerea und egretta, bei Ciconia alba und nigra statt. Bei complieirter gebauten Schalen findet zwar das Gegentheil statt. Vergleicht man einzelne Eier von Cygnus olor mit, C. musicus und plutonius, von Anser cinereus mit A. segetum, so Scheint ein sehr beträchtlicher specifischer Unterschied evident; ebenso bei den verschiedenen Entenarten. Geht man aber bei diesen sehr charak- teristischen Schalen zur Vergleichung von verschiedenen Individuen derselben Species über, so zeigen sie ebenfalls sehr bedeutende Abweichungen unter sich. Diese Abweichungen dürften nicht als Variationen im engeren Sinne zu bezeichnen sein; sie sind dafür zu capriciös. Durchaus nicht an die Domestication geknüpft, finden sie sich ganz parallel auch bei den wilden Formen des Hausgeflügels, z. B. Gänsen und Enten, und auch bei solchen wilden Vögeln, die nicht gezähmt sind (Anser segetum, Anas ferina). Eine bestimmte Beziehung zu den durch die Domestication hervorgebrachten Varie- täten ist nicht nachzuweisen, und wahrscheinlich kommen sie sogar bei verschiedenen Eiern desselben Geleges vor. Als Abnormitäten möchte ich sie indess auch nicht in allen Fällen bezeichnen, wenig- stens zeigten 5 Eier von CÜygnus olor eine zusammenhängende _ Die Struetur des Vogeleies u. deren Beziehungen zur Systematik. 253 Reihe von Modificationen, so dass ich nur mit einer gewissen Willkür eins dieser Eier als das normale bezeichnen könnte. Es sind eben individuelle Schwankungen, denen jedenfalls eine race- mässige Bedeutung nicht beizulegen ist. Sie gehen jedoch bei den Schwänen, die ich bis jetzt am vollständigsten untersucht habe, nicht so weit, dass sie den Speciesunterschied vollständig verwischen. Es bleiben bestimmte Charaktere, durch welche die 5 unter sich verschiedenen Eier von Cygnus olor aus der Domesticität deutlich von den unter sich eben so verschiedenen 3 Eiern des wilden Oygnus musieus unterschieden sind. Noch grösser ist der Unter- schied der beiden vorhergehenden von ©. pluionius, wo die zwei untersuchten Eier auch untereinander übereinstimmen. Jedenfalls aber sind diese individuellen Schwankungen höchst störend, wenn es sich um so feine und schwierige Fragen, wie die Uebereinstimmung von Varietäten derselben Species handelt. Glück- licher Weise hat die eingehende Beschäftigung mit diesen Verhält- nissen auf ein Kriterium geführt, das in dem bisher erörterten noch nicht berücksichtigt wurde. Es besteht dieses in den Dimensionen der mehrerwähnten Mamillen, namentlich in der Flächenausdehnung ‚ ihres Querschnitts, ehe sie mit einander verwachsen oder sich doch wenigstens eng zusammenschliessen. Diese Dimensionen stehen in keiner direeten Beziehung zu der Grösse und Dickschaligkeit der Eier, so dass z. B. bei dem zarten Ei von Columda livia die Fläche dieser Querschnitte fast die doppelte, als bei dem grossen Ei von Dromaius novae hollandiae ist. Ueberhaupt bewegen sich diese Verschiedenheiten in sehr viel engeren Grenzen als die Grösse und Dicke der Schalen. Ferner sind diese Dimensionen keineswegs bezeichnend für ganze Familien oder Gattungen; sie können auch bei ganz nahestehenden Formen wesentlich von einander abweichen. Besonders auffallend ist dieses bei .Dromaius und Casuarius, deren bis auf die Färbung fast identisch erscheinende Schalen hierin so verschieden sind, dass bei der des letzteren die Flächen der Mam- millenquerschnitte fast das Dreifache derer von Dromaius betragen (0,021: 0,0078 [IMm.). In solchen frappanten Fällen tritt der Unterschied bei jedem Tangentialschliff auch ohne besondere Messung entgegen. Zur Bestimmung feinerer Unterschiede sind besondere Präparate nöthig, welche in der Art hergestellt werden, dass ein Schalenstückchen ; mit seiner äusseren Seite vermittelst eines Tropfens erhärteten Kanadabalsams auf dem Objeetträger angeschmolzen, dann so weit 254 W.v. Nathusius: abgeschliffen, dass in der Mitte des Präparats die Schliffebene durch die Mammillenendungen geht, und endlich mit dem feinsten rothen Eisenoxyd (Polirpulver, Colcothar) eingerieben wird. Dieses füllt die Fugen und Zwischenräume zwischen den abgeschliffenen Mammillen aus, und letztere heben sich nun bei direkter Beleuch- | tung mit grosser Schärfe ihrer Umrisse von der rothen Füllmasse | ab. Allerdings haben wir es mit Bildungen zu thun, denen jede mathematische Regelmässigkeit abgeht, bei denen also einzelne Messungen nur einen sehr geringen Werth haben. Es bietet ein solches Präparat wegen der Wölbung der Eischale Querschnitte der Mammillen aus den verschiedensten Tiefen, also auch von den verschiedensten Grössen, ausserdem durch theilweise Verwachsung von Mammillen entstandene unregelmässige Formen dar. Werden aber die grössten Querschnitte von annähernd regelmässigen Formen aufgesucht und mit dem Zeichenprisma bei genau be- stimmter Vergrösserung in gewisser Zahl, z. B. je 12 Stück ge- zeichnet und diese Umrisszeichnungen passend geordnet und zusammengestellt, so erhält man sehr wohl vergleichbare Resultate, deren Präcision gegenüber den obwaltenden Schwierigkeiten wahr- haft überraschend ist. Es gehörten lange Reihen solcher Bestim- mungen dazu, um den Grad ihrer Zuverlässigkeit festzustellen, und es würde allerdings die Mittheilung aller dieser Reihen nothwendig sein, um dem Leser eine selbstständige Kritik derselben zu ermög- lichen. Ich hofie sie publiciren zu können, sobald die noch nicht ganz beendeten Untersuchungen abgeschlossen sein werden. Einigen Ersatz für die Zeichnungen zur Beurtheilung der charakteristischen Dimensionen wird die Angabe der Flächengrösse in OJMillimetern nach einer ungefähren Messung der mittleren Querschnitte jeder Reihe gewähren. Es giebt in dem Ausschneiden aus Papier, bei welchem das Verhältniss zwischen Gewicht und Fläche genau bestimmt ist, und der Gewichtsbestimmung ein Mittel, um auch die unregelmässigsten Formen, wie diese canelirten oder gezackten und vielfach in die Länge gezogenen Querschnitte sie darbieten, genau zu messen. Indess würden auch sehr zeitraubende ‚Messungen nicht entfernt dieselbe deutliche Anschauung der Ver- hältnisse als die Zeichnungen gewähren, und erschien demnach für den hier vorliegenden Zweck der orientirenden Andeutung eine Messung, die mehr auf Schätzung beruht, genügend. Eine solche ist es, auf welcher die nun anzuführenden Zahlen beruhen. Ich wende mich zuerst zu Oygnus. Zwischen C. plutonius und Die Structur des Vogeleies u. deren Beziehungen zur Systematik. 255 musicus ist der Unterschied ein sehr deutlicher und bestimmter. Bei ersterem ist die durchschnittliche Fläche der Mammillenquer- schnitte bei dem einen Ei 0,023 [JMm., bei dem andern 0,021 [JMm., während sie bei musicus für 3 Eier 0,035, 0,033 und 0,032 beträgt. ©. olor steht hierin zwischen beiden in der Mitte. Bei3 Eiern sind diese Zahlen 0,027, 0,024 und 0,023. Man sieht hieraus, wie es auch die Zeichnungen ergeben, dass wo die Unterschiede so gering sind, wie zwischen ©. plutonius und C. olor, die Fehlergrenze der Methode eine sichere Unterscheidung nicht zulassen würde, während dieses für C. plutonius und ©. musicus allerdings der Fall ist. Bei Anser wird die Frage um so interessanter, als die domesti- ceirte Form in ihrer physiologischen Beschaffenheit von der wilden so sehr abweicht, also hier eine tief eingreifende Wirkung der Domestication vorliegt. Bei der Hausgans ist die Fläche der Mammillenquerschnitte Ä zwischen 0,024 --. 0,021 [JMm. Bei Anser cimereus -. - - - .. 0,023 — 0,023 $ regen zo ie ala OA A OLAD ee euanoides = ie.53%: Jura.) 0,04 „. Cereopsis novae hollandiae 0,015 Von Letzteren ist je nur ein Ei untersucht, so dass auch nur eine Zahl angegeben werden konnte. Man sieht, dass die Hausgans mit A. cinereus vollständig übereinstimmt, während sie beide von den anderen drei Arten sich auffallend unterscheiden, dass also die Domestication, obgleich sie den Organismus so vielfach und wesentlich veränderte, diesen Species- charakter nicht verwischen konnte. Dass die anderen 3 Arten so übereinstimmen, widerspricht dem nicht, dass hier ein unveränderlicher Speciescharakter vorliegt, zeigt aber allerdings, dass auch verschiedene Species in dieser Beziehung so nah übereinstimmen können, dass ein Unterschied nicht nach- zuweisen ist. Zwei als Bastarde von A. cygnoides mit domesticus aus Ver- schiedenen Bezugsquellen erhaltene Eier ergeben auffallender Weise übereinstimmend 0,030 L] Mm., also wesentlich mehr als die Hausgans (0,021—0,024), obgleich bei der reinen cygnordes die Zahl noch geringer (0,014) ist. Ein so überraschendes Resultat möchte ich als constatirt erst nach einer längeren Reihe von Beobachtungen annehmen; zudem ist der reine oder hybride Cha- rakter der vorliegenden Eier von cygnoides nicht ausser Zweifel. 256 W. v. Nathusius: Bestätigte sich dieses Verhältniss, so würde es dadurch erklär- licher werden, dass die so ermittelten Dimensionen die Resultate complicirter und nach verschiedenen Richtungen einwirkender Umstände sind. Bei Anas liegt die Sache nicht so klar als hei Anser;, aller- dings ist auch hier zwischen der Hausente und A. boschas ein Unter- schied nicht nachzuweisen; dieses hat aber hier weniger Bedeutung, als dasselbe auch für einige andere Species gilt, die ich untersuchte, nämlich für A. ferina und moschate. Bei A. querguedula sind die Querschnitte freilich auffallend kleiner. Beim Haushuhn sind die Resultate unvollständig, weil ich noch keine der wilden Formen untersuchen konnte; ich kann nur angeben, dass die Mammillenquerschnitte sowohl beim Cochinchina- huhn als bei der Bantam-Zwergform und, auch bei einem Doppel- Ei und kleinen Spur-Ei des gewöhnlichen Huhnes übereinstimmende Dimensionen zeigen. Ganz besonders interessant erschienen die Tauben, da die Ab- stammung aller gezähmten Spielarten von Columba livia als un- zweifelhaft betrachtet wird, und die sehr weit gehende Variation derselben das wichtigste Fundament für Darwin’s Auffassungen über die Abänderung auch der specifischen Charaktere gewesen ist. Die wilden Formen ergeben für die durchschnittliche Fläche der Mammillenquerschnitte in []Mm. folgende Zahlen: ©. turtur 0,0074 — 0,0072. C. palumbus 0,0098 — 0,0083. C. oenas 0,912 0:08 ©. livia fera 0,014 — 0,013. Die bis jetzt untersuchten Haustauben: Ei Nr. 2. Mövchen ‘0,013. „ „3 Feldtaube 0,014. a a > » 0,011. ed 2rPrap> 0,0 zı. SS Kröpfer. 100,0 Wie man sieht, sind zwischen den wilden Formen die Unter- schiede meistens ebensowohl ausgesprochene, als die Ueberein- stimmung von C. livia mit verschiedenen zahmen Varietäten eine befriedigende ist. Allerdings stehen sich in ersterer Beziehung ©. oenas und C. livia so nahe, dass der Unterschied innerhalb der möglichen Fehlergrenze der Beobachtungsmethode liegt. Dass diese in gewissen Fällen, die aber doch nur Ausnahmen sind und Die Structur des Vogeleies u. deren Beziehungen zur Systematik. 257 durch wiederholte Präparationen eliminirt werden können, ziemlich weit liegt, zeigt das erste Präparat von der Feldtaube Nr. 4. Ueberhaupt ist dieseBeobachtungsreihe noch nicht geschlossen, da die Hinzufügung einer grösseren Zahl von domesticirten Varie- täten, zu welchen ich das Material bis jetzt nicht erlangen konnte sewiss wünschenswerth ist; zunächst aber scheint das bei den Gänsen erhaltene Resultat: dass ein constatirter Spezies- charakter mit grosser Hartnäckigkeit auch den Ein- flüssen der Variation und Domestication wider- steht, bei den Tauben bestätigt. - Noch in einigen anderen Fällen habe ich versucht, Species- unterschiede in dieser Richtung bei nah verwandten Formen fest- zustellen; bei Ardea egretia und A. cinerea ohne Erfolg. Die Di- mension der Mammillenquerschnitte sind hier, wie die übrige Schalenstructur, zu wenig abweichend, um einen Unterschied er- kennen zu lassen. Grösser ist der Unterschied bei Odconia alda und Ü. nigra, es tritt aber hier der übele Umstand ein, dass, wohl in Folge einer sehr unregelmässigen Form der Mammillen, die Resultate bei ver- schiedenen Ei-Individuen, und auch bei verschiedenen Präparationen von demselben Ei, ziemlich schwankende sind. Es ergab: Oiconia alba-Ei Nr. 1. Präp. Nr. 1. 0,0112 [Mm. ” „ ” „ 7 ” ” 2. 0,0181 „ ” „ ”» ” 2. 2) ” r 0,0143 „ „ » ” ” ” ”„ „ 2. 0,0153 ” also Durchschnitt 0,0135 ,„ Ciconia nigra-Ei Nr.1. Präp. Nr. 1. 0,0080 ,„ I.Zeichnung. F le lan Ip 009 erkiZeichnung: » ” ”„ ” „ „ ” 2. 0,01 10 DL ”» ” „ „ 2. „ „ 1 0,01 16 I ”„ ” „ 22 3:7 ” bb] 2. 0,0098 „ also Durchschnitt 0,0100 Man sieht, dass bei der Durchschnittszahl ein erheblicher Unter- schied stattfindet, den ich auch als einen specifisch charakteristischen betrachten möchte; je interessanter ein solcher aber zwischen zwei so nahestehenden Formen, als dem weissen und dem schwarzen Storch, bei welchen, soviel mir bekannt, bis jetzt nur Unterschiede in der Färbung des Gefieders und der Lebensweise constatirt wurden, Cab. Journ. f. Ornith. XIX. Jahrg. No. 113. Juli 1971. 17 I 258 W.v. Nathusius: erscheint, um so bedauerlicher ist es, dass die Schwankungen der einzelnen Beobachtungsresultate so weit gehen. Im Allgemeinen wird man erwarten müssen, dass je stumpfer die Mammillen enden, um so unsicherer begreiflicher Weise die Be- stimmung ihrer Querschnitte auf diesem Wege werden wird. Es würde sehr wünschenswerth sein, bei den sonst wenig charakteri- | stischen und zarten Schalen der so zahlreichen Gruppe der Öseinen solche Bestimmungen vornehmen zu können; es ist jedoch nach einigen Versuchen wenig Aussicht, dass dieses möglich sei. Die Herstellung solcher Schliffe auch von den zartesten Schalen bietet keine wesentlichen Schwierigkeiten, die Fugen zwischen den ab- oestumpften Mamillenendungen sind aber, wenigstens bei Mota- cilla, so flach, dass der Schliff auch nach dem Einreiben von Eisen- oxyd kein deutliches Bild derselben giebt. Wie weit dieses bei Motacila beobachtete Resultat, für die übrigen Oscinen gilt, kann ich freilich mit Bestimmtheit nicht sagen. Im Vorstehenden glaube ich die erlangten Resultate unge- schminkt vorgetragen zu haben. Wenn auch unleugbar ist, dass für gute Species in vielen Fällen ein Unterschied im Bau der Ei- Schale nicht gefunden werden kann; wenn ferner auch da, wo ein solcher Unterschied höchst wahrscheinlich ist, die Mängel der Beobachtungsmethode seine Fixirung nicht zulassen, so bleibt. doch eine Zahl von wichtigen Fällen, wo sich ein bestimmter Species- unterschied herausstellt, der der Variation nicht unterworfen zu sein scheint. Auf die Bedeutung dieser Fälle glaube ich zum Schluss noch einmal hinweisen zu dürfen. Die Schlussfolgerung Darwin’s, dass, weil es ihm gelungen, einige äussere Charaktere, die man bisher als die Species bezeich- nende zu betrachten sich gewöhnt hatte, als solche nachzuweisen, die bei Hausthieren und Culturpflanzen der Variation unterliegen, nun überhaupt keine Species im alten Sinne bestehen könne, lässt sich schon a priori als eine unzutreffende nachweisen. Bedenken wir, von welcher unabsehbaren CGomplication jeder thierische und pflanzliche Organismus ist, so ergeben sich diejenigen Charaktere, deren Variabilität Darwin nachgewiesen hat, als etwas durchaus Aeusserliches und gegen diejenige Summe von Structuren und eigen- thümlichen Bildungen, die der Organismus enthält und enthalten muss, durchaus verschwindend. In seinem Werke über die Va- riation der Hausthiere und Culturpflanzen gelangt Darwin selbst Die Structur des Vogeleies u. deren Beziehungen zur Systematik. 259 zu der Betrachtung, dass es z. B. eine „wunderbare“ Organisation der Spermatozoen eines Stieres sein müsse, welche bewirke, dass falls derselbe von einer milchreichen Mutter stamme, die von ihm ausgehende Befruchtung einer andern Kuh es als Regel herbei- führe, dass deren weibliches Product wiederum milchreich wird. Es ist in der That unleugbar, dass wenigstens die specifischen Eigenthümlichkeiten des Individuums schon in der Eizelle der Mutter resp. der Spermatozoen des Vaters ausgeprägt sein müssen, dass sie also in der Tiefe einer uns noch gänzlich unbekannten Structur liegen! Welcher wissenschaftliche Leichtsinn ist es also, nach einigen groben, auf der äussersten Fläche der Erscheinung liegenden Kriterien über das Vorhandensein unabänderlicher Species- Eigenthümlichkeiten absprechen zu wollen. Zumal bei der jetzigen Lage der Naturwissenschaft, wo fast jedes Jahr neue, ganz über- raschende Thatsachen bringt, ist es doch fast unbegreiflich, wie man dazu kommen kann, Schlussfoigerungen zu ziehen, bei welchen stillschweigend vorausgesetzt wird, dass unsere dürftige Kenntniss vom Wesen der Dinge das Maass derselben sein könne. Solche Betrachtungen sind ohne Zweifel berechtigt, führen jedoch nur zu einer Negation, und deshalb ist es wohl nicht ohne Bedeutung, wenigstens auf ein bisher gänzlich unbeachtetes und unbekanntes Kriterium, wie das der Eischalenstructur, hinweisen zu können und darauf, dass dasselbe in seiner specifischen Eigen- thümlichkeit, wie bei der Graugans den die physiologischen Eigen- schaften, und bei den Tauben den die äussere Form des Orga- nismus so wesentlich abändernden Einflüssen der Domestication und Zuchtwahl fest wiedersteht. Auch dieses Kriterium ist ja noch ein äusserliches, den Kern der Organisation nicht erfassendes, und es könnte nicht überraschen, wenn es doch in anderen Fällen durch äussere Verhältnisse modi- fieirt würde; es dürfte aber dieser Befund doch wenigstens die Richtung andeuten, in welcher sich die Untersuchung vertiefen müsste, wenn sie in solider inductiver Methode den Kern der specifischen Eigenthümlichkeit von den äusseren Einflüssen unter- liegenden Erscheinungsformen zu trennen, oder gar ein Vorhanden- sein der ersteren zu leugnen die Berechtigung erlangen will. Endlich bemerke ich noch, dass von meinen Schalenschliffen eine ziemlich vollständige. Suite der Struthioniden, einschliesslich der ausgestorbenen Dinormis und Aepyornis, sich auf dem K. K. Y 260 Dr. Fr. Wahlgren: zool. Museum in Wien, und eine Suite der noch lebenden Stru- thioniden auf dem K. zool. Museum in Berlin befindet; so wie dass meine Sammlung in meinem von Magdeburg aus leicht zu erreichen- den Wohnort für Ornithologen gern zur Einsicht steht. Ein Ei im Eie. Von Dr. Fr. Wahlgren. Wenn „ein Ei im Eie“ immer als eine grosse Seltenheit be- trachtet werden muss im Verhältniss zu den ungeheuren Massen von. Vogeleiern, deren Inhalt theils für ökonomische Zwecke, theils für oologische Sammlungen untersucht wird, sind doch mehrere Fälle von dergleichen Anomalien in verschiedenen Schriften erwähnt. In dieser Beziehung möchte ich auf Isid. Geoffroy St. Hi- laire’s „Histoire. generale et particuliere des Anomalies de l’or- ganisation chez ’Homme et les Animaux“ T. III. Paris 1836 ver- weisen, wo diese Anomalie unter der Klasse ‚„Monstres doubles endocymiens (par inelusion)“ geführt wird. — Bisweilen findet man das äussere Ei, wie normal, Dotter und Eiweiss enthaltend, wäh- rend das innere, öfters sehr kleine Ei nur mit Eiweiss gefüllt ist (vergl. Retzius, Oefversigt of Weten. Akad. Förhandl., Stockholm 1847); oder das äussere enthält nur Eiweiss, das innere dagegen sowohl Dotter als Eiweiss und unterscheidet sich durch nichts von gewöhnlichen Eiern, als dass es kleiner ausfällt (vergl. Stein, Cab. Journ. f. Ornith. 1870 S. 144); oder beide sind in dieser Hinsicht ganz normal gebildet. — DBisweilen ist das äussere Ei grösser — ja viel grösser — als ein gewöhnliches Ei derselben Species, oder sonst von abnormem Aussehen, aber dieses ist nicht immer der Fall. Wie man schon a priori, der ausserordentlich aufgetriebenen Thätigkeit der Generationsorgane unserer Haushühner zu Folge, annehmen möchte, rühren die. meisten bekannten Fälle eines „Eies im Eie‘“ von diesen nützlichen Vögeln her; aber auch die Hausente producirt bisweilen ähnliche Doppeleier, von denen Dr. Altum (Cab. Journ. f. Ornit. 1865. 5. 310) drei erwähnt. Hier im Lande möchte dieses bei Hausenten etwas sehr Seltenes sein — wenig- stens habe ich niemals davon reden hören. Noch seltener möchte es im Allgemeinen bei der Hausgans vorkommen. — Dr. Altum beschreibt (1. c.) ein solches, wo das äussere Ei eine Länge von Ein Ei im Eie. 261 127 Mm. und eine Querachse von 75 Mm. hatte, und das darin eingeschlossene Ei resp. 78 Mm. mit 59 Mm. mass. Vor Kurzem hat Herr Proprietair Holm auf Skönabäck an das Universitäts- Museum zu Lund (Schweden) ein Ei von einer Hausgans über- liefert, das sehr nahe mit dem von Dr. Altum beschriebenen über- einstimmt, und ist es dieses Geschenk, welches mir Anlass gegeben, diese Zeilen niederzuschreiben. — Dieses Ei wurde von einer ge- wöhnlichen Hausgans diesen Frühling gelegt, und weil es seiner ausserordentlichen Grösse wegen allgemeine Verwunderung erregte, wollte Herr Holm es als ein Curiosum aufbewahren; deswegen wur- den ziemlich grosse und gar nicht kunstmässige Löcher in beide Enden gemacht und der Inhalt ausgeblasen. Dieser bestand aus „einer grossen Menge Eiweiss und zwei verschiedenen Dottern“, — aber ausserdem war noch ein ganzes Ei darinnen. In diesem Zustande wurde es nun dem Universitäts-Museum zugesandt. — Leider hatte das innere, nicht ausgeblasene Ei, durch seine Schwere, die Schale des äusseren auf der Seite etwas zerquetscht; doch diesen Umstand benutzte ich, um ein passendes Seh-Loch anzu- bringen, worauf das innere Ei gebührend ausgeblasen wurde, und es zeigte sich dabei, dass es ein vollständiges Dotter und Eiweiss enthielt. — Und nun steht das ganze Ding als ein sehr hübsches und seltenes Präparat in unseren Sammlungen aufgestellt. Die beiden Eier sind von ganz weisser Farbe und die Textur der Schalen hat nichts Abnormes; die Aussenfläche des äusseren Eies ist jedoch hier und da etwas rauher. Das äussere Ei hat eine cylindrisch-ovale Form und ist an beiden Enden gleichmässig abgerundet; seine Länge beträgt 130 Mm., seine Querachse 80 Mm.; es übertrifit also in Grösse - selbst das Ei des Cygnus olor (resp. 122 und 75 Mm.) und sehr bedeutend ein gewöhnliches Hausgansei (resp. 82 & 87 Mm. und 57 & 60 Mm,), mit welchem letzteren das innere Ei sowohl in Form als Grösse übereinstimmt — es hält in der Länge 82 Mm. und in der Quere 55 Mm. — Da Keiner, soviel mir bekannt ist, gesehen, wie es in der That zugeht bei der Bildung von dergleichen Doppeleiern, können wir blos dazu schliessen aus dem, was wir von der Entstehung ge- wöhnlicher Vogeleier, von dem Bau und von der Vorrichtung des Eileiters kennen. — Das Dotter mit seiner Haut wird, wie wir wissen, in dem Eierstock gebildet; die übrigen, das vollständige Ei constituirenden Theile rühren von dem Eileiter (Eiergang) her, 262 Dr. Fr. Wahlgren: dessen vorderes, dem Eierstocke nahe liegendes Ende sich mit einer weiten Mündung, dem Trichter, in den Unterleib öffnet. Ist nun ein Dotter reif, so wird es durch diese Mündung aufgenommen, was wahrscheinlich durch einen Zustand bedeutender Blutfülle, eine Erection, des Trichters möglich gemacht wird. Durch eine darauf- folgende, langsame „peristaltische“ Zusammenziehung des vorderen Abschnittes des Eileiters wird das neue Ei fortgeschoben, und um die Dotterhaut lagert sich erst eine dünne Schicht einer fester werdenden Masse, welche die sogenannten Hagelschnüre (chalarae) bildet; danach wird das Ganze, während es langsam durch den Tubatheil geführt wird, mit dem Eiweiss bekleidet und somit wird das Volumen des Eies, wie es gelegt wird, bestimmt. Nun ist es auch fertig, in eine andere Abtheilung des Eierganges, den Eihalter (Uterus), hineinzutreten. Von dem vorgenannten Theile durch eine kleine faltenlose Einschnürung geschieden, ist dieselbe eine längsovale Erweiterung des Ganges, mit dickeren Wänden, und eine faltenreiche, papillöse oder villöse Schleimhaut. Hier erhält das Ei seine Schale und seine Form. Der Gang wird unten halsartig verengt, die Scheide (vagina) bildend, die in die Kloake mündet. Nun ist es offenbar, dass das in die Tuba hineingekommene Ei (Dotter) als ein Incitament betrachtet werden muss, das in dem Eileiter theils eine Reihe von aufeinander folgenden Contractionen, d. h. einen motus peristalticus, nach aussen erregt, theils eine Ab- sonderung, es sei von Eiweiss oder von Schalenelementen, nach Beschaffenheit der Stelle, wo es sich befindet, hervorruft. Ist nun kein Ei unterwegs, so findet auch in der Regel keine Absonde- rung dieser Substanzen statt. — Die Art und Weise der peristal- tischen Bewegung ist im Allgemeinen wohl bekannt vom Darm- kanale her; aber ebenso wie in diesem muss natürlich auch im Eiergange ein motus antiperistalticus entstehen können, wenn ein veränderter Nerveneinfluss oder ein krampfartiges Zusammenziehen auf irgend einer Stelle oder ein mechanisches Hinderniss dergleichen retrograde Bewegungen veranlasst. Ebenfalls wissen wir, dass in demselben Maasse ein Organ zu einer abnorm gesteigerten Thätig- keit gezwungen wird, um so leichter geräth es in Unordnung, desto leichter treten Störungen in der Inneryation u. s. w. ein. Und gerade dies ist der Fall mit den Apparaten des Eierlegens bei un- seren Hausvögeln — am meisten bei den Haushühnern, weniger bei unseren Enten und Gänsen, so dass abnorme Eier jeder Art und Ein Ei ım Eie. 263 somit auch ein „Ei im Eie‘“ in demselben Verhältnisse angetroffen _ werden dürften. Wie oben angedeutet, kennt man drei verschiedene Arten der Anomalie beim „Ei im Eie“: 1. Das innere Ei enthält nur Eiweiss, das äussere sowohl Dotter als Eiweiss. Eine solche Missbildung dürfte auf zweierlei Art ent- stehen können: entweder dadurch, dass irgend ein Theil der Tuba, in Folge eines alterirten Nerveneinflusses und ohne dass sich Dotter vorfindet, einen Klumpen Eiweiss absondert, welcher in den Eihalter geführt und dort mit einer Schale umgeben wird; oder es entsteht auf irgend einer Stelle der Tuba eine krampfartige Zusammen- ziehung, wodurch ein Theil von dem Eiweis eines im Herabsteigen begriffenen Eies abgeschnürt, in den Eihalter separat: hinabgeführt und mit einer Schale umgeben wird. Gewöhnlich werden diese oft sanz kleinen dickschaligen oder sonst missgestalteten Eier weiter gefördert und gelegt; bei uns sind sie allgemein bekannt unter den Namen: Hexeneier, Hahneier (hexägg, tuppäg). Wenn aber ein solches Ei nicht bei Zeiten ausgeführt wird, sondern liegen bleibt, entweder weil es nicht seiner Kleinheit wegen den Eihalter zu einer genügenden Uontraction veranlassen kann, oder weil die Va- gina krampfartig zusammengezogen ist und dabei ein neues Ei mit vollständigem Dotter und Eiweiss in den Eihalter geführt wird, so muss das kleinere Ei in das Eiweiss des andern eingedrückt und das Ganze mit einer beide umschliessenden Schale umgeben wer- den, wonach das Legen des Doppeleies auf gewöhnliche Weise vor sich geht. — 2. Das innere Ei ist normal und gleicht einem gewöhnlichen Eie, das äussere dagegen ist nur mit dem Eiweiss versehen. Diese Anomalie kann entweder auf die Weise entstanden sein, dass, ge- rade als ein Ei im Eihalter seine volle Ausbildung erhalten, die Tuba aus irgend einer Veranlassung eine Portion Eiweiss abson- dert, welche um das noch im Eihalter liegende Ei herum hinab- gepresst wird, und durch die vermehrte Ausdehnung dem Eihal- ter Impuls giebt, neue Schalelemente um das Ganze abzusetzen; oder auch es entsteht — und dieses halte ich beinahe für wahrschein- lieher —, nachdem sich ein Ei in gewöhnlicher Weise im Eihalter ausgebildet hat, in diesem in Folge von Krampf in Vagina oder von anderen Ursachen eine antiperistaltische Bewegung, wodurch das schon fertige Ei ein Stück zurück in die Tuba getrieben und dort mit einem Ueberzug von Eiweiss versehen wird, alsdann, in 264 Dr. Fr. Wahlgren: den Eihalter zurückgeschoben, eine neue Schale erhält, worauf es wie gewöhnlich gelegt wird. Das äussere Ei wird somit immer etwas grösser als normale Eier ausfallen. 3. Das innere Ei ist von normaler Beschaffenheit (oder etwas klein), mit Dotter und Eiweiss versehen; das äussere, welches als- dann eine bedeutende Grösse erreicht, hat ebenfalls Eiweiss und Dotter (bisweilen sogar zwei Dotter). Diese Anomalie setzt eine wenigstens für den Augenblick gesteigerte Thätigkeit der eier- bildenden Organe voraus. (Manche Hühner legen oftmals Eier mit zwei Dottern, was natürlich daher kommt, dass diese von den Ovarien ausgestossen und so unmittelbar hintereinander von dem Bierleiter aufgenommen werden, dass sie, von einem gemeinsamen Eiweiss umschlossen, hierauf eine gemeinsame Schale erhalten; von dieser Beschaffenheit sind oftmals diejenigen, welche wir Rieseneier, Jätteägg, nennen.) Diese Form vom „Ei in Ei“ dürfte auf die oben unter 2, erwähnte Art, mit dem Unterschied, welcher durch den vollständigeren Inhalt des äusseren Eies bedingt wird, entstehen, und hierbei muss man entweder einen sehr intensiven Krampf in der Vagina und eine hierdurch hervorgerufene antiperi- staltische Bewegung in dem Eihalter annehmen, wobei das erste Ei dem in der Tuba allmählich avancirenden Eie entgegen geführt wird, wodurch auch das erstere des Eiweiss-Ueberzuges theilhaftig wird; oder auch lässt es sich durch die Annahme erklären, dass in dem Eihalter eine so grosse Schlaffheit herrscht, dass dieser nicht das erste Ei hinauszutreiben sucht, sondern auch dem neu zuge- kommenen Platz einräumt, dessen Eiweiss sich dann um das vorher dort befindliche Ej ergiesst, worauf die Bildung der äusse- ren Schale erfolgt und der erschlaffte Eihalter dureh die unnatür- liche Ausspannung zu Contraetion incitirt wird. Dass ein der- gestalt vergrössertes Ei nicht ohne entsprechende Anstrengung der bezüglichen Theile gelegt werden kann, ist einleuchtend. Man kann sich ja auch Doppeleier denken, welche nur Eiweiss enthalten — ich kenne jedoch keinen solchen Fall. — Manches könnte noch über diesen Gegenstand gesagt werden, aber im Allgemeinen ist unsere Kenntniss von der Physiologie der hierher gehörenden Organe in ihren feineren Details noch ziemlich. mangelhaft; und ausserdem fehlen bis jetzt alle Untersuchungen sowohl über den Zustand der eierlegenden Organe bei den Indivi- duen, welche solche Anomalien produciren, als auch über die näheren Details überhaupt, welche bei der Erklärung dieses Ein Ei im Eie. 265 Phänomens berücksichtigt werden müssen. — Die obigen Zeilen dürften somit eigentlich als eine Aufforderung betrachtet werden, bei vorkommenden ähnlichen Fällen zu ermitteln zu versuchen, wie es sich mit den Generationsapparaten der Thiere, welche dergleichen Doppeleier gelegt haben, verhält. — Lund in Schweden, 12. Mai 1871. Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas, nach eigenen 30jährıgen Beobachtungen zusammengestellt von Dr. Jean Gundlach. - Einleitung. Die Ornithologie der Insel Cuba wurde bis zum Ende des ersten Viertels dieses Jahrhunderts fast gänzlich übersehen oder doch nur unter der weitläufigeren Bezeichnung „Westindien“ ange- führt. Nur wenig wusste man in ornithologischer Hinsicht von Cuba. Da begann eine neue Epoche mit einigen von Mr. Tem- minck in den planches coloriees beschriebenen Arten von Cuba und mit einer Aufzählung von 45 Arten, die Mr. W. Sharp Mac Leay ‘auf Cuba bei Habana gesammelt und dem Mr. M. A. Vigors über- ‚schickt hatte. Diese Aufzählung geschah unter dem Titel „On some species of birds from Cuba“ in dem Zoological Journal 1827 tom. III. p. 452. — Diese Arbeit ist im Allgemeinen correct und enthält 6 als neu beschriebene Arten, von denen jedoch 2 schon bekannt waren. Spätere Trennungen von Arten, die als gleich an- gesehen waren, und spätere Berichtigungen geben jedoch bei Bei- behaltung derselben Vögel ein anderes Namensverzeichniss, und ich halte es für passend, hier das alte und neue zusammen- zustellen. . Polyborus brasiliensis VPolyborus Auduboni ass. . Accipiter fringulordes n. sp. | ist richtig und neue Art. . Falco sparverius KL en z Ei | F. (Tinn.) dominicensis Gmel. „ Sparverioides N. Sp. . Strix flammea "Strie furcata Temm. „ oceipitalis (ist vom Se- St. (Glaucidium) Siju Orb. negal) . Alcedo aleyon | ist richtig. . Todus vwiridis ’T. multicolor Gould. 266 3 Dr. Muscicapa virens . Turdus rubripes . Sylvia canadensıs „ ecoronata „ maculosa „. pensiis 5. Pyrrhula nigra > collarıs Vig. n. Sp. . Tanagra zena ‚ leterus dominicensis Vie . Leistes humeralis n. sp. . Sturnella ludovician«a . Quiscalus versicolor . Corvus Jamatcensis . Trogon temnurus . Psittacus leucocephalus . Picus percussus . Colaptes auratus 7 Fernandinae n. sp. } superciliaris . Crotophaga ani . Oolumba zenarda 2 leueocephala ei inornata VIig. n. Sp. . Nycticoraz violacea . Ardea exilis „ alba (ist von Europa) » virescens „ eaerulea Ten Conıtıch ist richtig als “Contopus virens, obgleich Mr. Vigors wohl die gemeine Art Blacicus carıbaeus hatte. ist richtig. » » » „ „ ” „ ” ) 9 “Euethia canora Gmel. (also keine . neue Art). (Spindalis) Pretrei Less. | = (Xanthornus) hypomelas Du- \ bus, erst später von domint- | censis getrennt. sf-richtig und neue Art. St. hippocrepis Wagl. anstatt'O. Gundlachi oder Q. atro- /violaceus Orb. C. nasicus Temm. Dieser Name ist von Mr. Vigors als synonym angeführt. ist richtig. ” ” Col. chrysocaulosus Gundl. (1858). ist richtig. D) » ” “Ör. suleirostris Swains. ist richtig. pr und neue Art. VA. Egretta Gm. Dieser Name ist von Mr. Vigors als synonym angeführt. ist richtig. yR) p2] Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 267 v8. Tantalus loculator ist richtig. 39. Aramus scolopaceus VAramus giganteus Bon. (1825). 40. Totanus chloropygius 1816 | T.(Rhyacophilus ) solitarius Wils. (1813). Dieser Name ist von ı Mr. Vigors als synonym gesetzt. v4. F flavipes | ist richtig. 42. Gallinula Martinica lenap u 43. Parra Jacana „ „ v44. Charadrius vociferus v45. Anas sponsa Re Vier Jahre vorher besuchte der Herzog Paul Wilhelm von Württemberg die Insel, wo er sich drei Monate aufhielt, Er sam- melte ganz in der Nähe von Artemisa auf einer Kaffeepfianzung des Herrn Don Enrique Desdier, welche Pflauzung ich gut kenne was also meinen Berichtigungen mehr Glauben geben muss. Aber erst im Jahre 1835 erschien die „erste Reise nach Nordamerika von P. W. Herzog von Württemberg“, und auf $. 73 dieses Wer- kes findet man ein Verzeichniss von 89 Arten von Vögeln, welche derselbe auf Cuba sammelte. Auch dieses Verzeichniss will ich einer Kritik unterwerfen. Vorher muss ich jedoch bemerken, dass in Folge einer auf Seite 600 der Isis für 1847 gedruckten Abhandlung des Dr. G. Hartlaub in Bremen über die Ornithologie Westindiens der Herzog eine aus- führliche briefliche Mittheilung an Herrn Dr. Hartlaub machte, mittelst deren dieser Gelehrte in Naumannia II ein berichtigtes Verzeichniss gab. Aber dennoch blieben viele Irrthümer im Ver- zeiehnisse und falsche Angaben. Ich will bei Aufzählung der vom Herzoge erwähnten Arten auch das Hartlaub’sche Verzeichniss prüfen und corrigiren” vw“ Cathartes aura ist richtig. Falco sparverius — ist nordamerikanische Art. Auf Cuba ist nen (Gm. ; Falco (Circus) uliginosus wird von hudsonicus (diese auf Cuba) zu trennen sein. Falco, von den Bewohnern San, Antonio genannt, ist ohne Zweifel die dunkle Abänderung des ’F. (Tinnuneulus) dominicensis 4m., von Vigors’ sparverioides genannt. Uebrigens habe ich nie den Namen San Antonio nennen hören, ebenso wie den von San Nicolas, den Dr. Hartlaub noch mit, den wissenschaftlichen Namen F. mercurialis und plumbiceps, die der Herzog giebt, anführt. Der | | ) 268 Dr. Jean Gundlach: F. plumbiceps wird die helle Abänderung des dominicensis sein. — Die Angabe des Herzogs, „ein kleiner, träger Falke, welcher tage- lang, ohne sich zu bewegen, beutespähend auf der höchsten Spitze eines Baumes sitzt“, ist eine Täuschung oder unvollständige Beob- achtung, wie man aus der von mir zu gebenden Beschreibung sehen kann. , Strie Asio? war ohne Zweifel ein Glaneidium Siju Orb. — Den in Hartlaub’s Verzeichnisse gegebenen Fundort ‚Rio Gange“ kenne ich nicht und vermuthe, es sei ein Schreibfehler statt Rio Mangas oder Fluss Mangas, denn das Städtchen Mangas ist sehr nahe bei der Kaffeepflanzung, wo der Herzog sammelte. Noctua nyctea war ohne allen Zweifel eine Strix furcata. Nach den von Dr. Hartlaub gegebenen Mittheilungen sah sie der Herzog angenagelt, konnte sie also weder präpariren, noch genau unter- suchen, daher der Irrthum und dadurch die falschen Betrachtungen über die weite geographische Verbreitung dieser arktischen Art. Lanius carolinus, von Hartlaub als Z. carolinensis (der richtige Name) angeführt. Sicherlich fand hier ein Irrthum statt, und mag der beobachtete Vogel ein Tyrannus gewesen sein. — Der Herzog führt zwar zwei Tyrannusarten auf, dieses stösst jedoch meine Vermuthung nicht um, weil man auf Cuba mehrere Arten finden kann. Bis jetzt habe ich wenigstens keine Anzeige und keine Spur von Lanius. 9 Arten Fliegenschnäpper und Tyrannen. Darunter Muscicapa ruticilla und eine ähnliche M. faveola des Herzogs. Erstere ist _ richtig als WSetophaga ruticilla, die zweite ist ein Weibchen oder junges Männchen. “M.(Vireo) olivacea ist jedenfalls richtig, obgleich die beobachtete Art 'V. (Phyllomanes) barbatulus Cab. gewesen sem. wird, denn olivaceus ist äusserst selten. — M. (Vireo) cantatrız ist richtig, wenn auch der Name in den älteren Namen Moveboracensis Gm. geändert werden muss. Ueber die beiden zweifelhaften Arten finde ich eine Aufklärung durch Nr. 34 des Hartlaub’schen Ver- zeichnisses, die M. oder Tyrannula pusilla Swains., welche aber vielleicht so wie die von Lembeye später angeführte M. pusilla eine (Empidonax) acadica gewesen sein kann. — Der Tyrannus sulphuraceus soll nach den an Dr. Hartlaub gegebenen Mittheilungen auf Cuba sehr selten, auf Haiti gemein sein. Da ich lange Zeit und zu allen Jahreszeiten in den als Fundort angegebenen Cienegas gejagt habe und nie etwas von einer solchen Art sah oder hörte, so vermuthe ich, dass hier eine Verwechselung des Vaterlandes Neue Beiträge zur Ornithologie Oubas. 269 stattfand. — T. ferox ist mir gänzlich unbekannt. — Unter T. nigriceps Swains.? mag der Herzog eher den Ymagnirostris Orb. gehabt haben, als den dominicensis, den Dr. Hartlaub unter Nr. 9 nennt, weil letzterer einen grauen Oberkopf, ersterer aber einen schwarzen hat. — Uebrigens ist die Angabe des Dr. Hartlaub, dass dominicensis bei Sagra fehlt, ein Irrthum, denn Orbigny hat daselbst die Art nur mit dem Namen matutinus Vieill., welcher aber dem Namen griseus Vieill. weichen muss. Bombyeilla Waertedna: PB. 1808 ist richtig, nur muss der Name mit dem älteren "BD. cedrorum Vieill. vertauscht werden. Ueber den angegebenen Fundort „Rio Gange“ habe ich bei Sirix Asio gesprochen. 2 Arten Tanagra. T. multicolor ist später in mehrere Arten und mit Recht getheilt worden. Die eubanische Art ist "Preirei Less. Die 7. palmarum mag wohl ein Weibchen von Zretrei ge- wesen und wegen der Verschiedenheit des Gefieders verkannt wor- den sein. | Turdus jamaicensis. Ich habe nie diese Art auf Cuba ge- sehen, auch führt sie sonst Niemand an. Ich vermuthe hier einen Schreibfehler für @arolinensis, die sehr gemein als Zugvogel ist. — T. polyglottus ist richtig. — Dass Hartlaub den Namen jamaicensis auch hat, ist kein Beweis für seine Richtigkeit. 5 Arten Sänger sind unter anne Namen richtig, nämlich: Sylvia (Turdus) aurocapellus. ist “Seiurus aurocapillus. Sylvia pu- silla ist ein Synonym der 'anadensis (junger Vogel). Sylvia oliva- cea ist ein Name, der damals noch nicht existirte, also wohl ein Manuseriptname des Herzogs. (Sylvra olivacea ist von Giraud 18341 gegeben und gehört einer Art von Mexiko und Guatemala.) Sollte der Herzog die Musicapa olivacea gemeint haben, so ist diese schon unter den Fliesgenschnäppern genannt. — Sylvia trichas oder besser Turdus trichas Linn. ist '@eothlypis trichas. — Ueber die unbe- stimmte Art giebt Hartlaub keine direete Auskunft. Da er aber den"Serurus noveboracensis anführt, der beim Herzoge fehlt, so kann man annehmen, es sei diese Art. v- 1 Schwalbe, wahrscheinlich Airundo coronata, ist Petrochelidon fulva Vieill. 5 Ammern und Finken. Der Herzog giebt keinen Namen an, wohl aber Dr. Hartlaub. ZPasserina olivacea Vieill. und Ammodro- mus. maritimus. Die erstere Art muss mit, dem. älteren Namen Fringila (Euethia) lepida L. belegt werden, die zweite ist wohl 270 Dr. Jean Gundlach: x falsch bestimmt worden. Vielleicht war die beobachtete Art ein (Coturniculus passerinus. 4 Cassiken. IJeterus versicolor, oder besser Quiscalus versico- lor Vieill. ist gleich Gracula Quiscala L., aber sicher nicht euba- nisch. Vermuthlich hielt der Herzog den atroviolaceus Orb. oder Barita Linn. dafür. Dieses scheint auch Hartlaub anzunehmen, in- dem er den 'Q. atroviolaceus Orb. unter Nr. 16 anführt, aber nicht angiebt, ob er diesen Namen anstatt des verszcolor oder anstatt des Cassicus niger adoptirt. Jedenfalls findet sich in Hartlaub’s neuem Verzeichnisse ein Arrthum, denn airoviolaceus hat dunkelbraune Augen, dagesen'Chalcophanes baritus weisse oder vielmehr blass strohgelbe Iris. Der Cassicus niger oder die zweite vom Herzoge angeführte Art ist noch etwas im Zweifel, welche Art eigentlich von Gmelin beschrieben wurde. Mr. Baird schwankt zwischen Scolecophagus ferrugineus Sw. und Quiscalus versicolor. Ich möchte annehmen, der Herzog habe damit den Chalcophanes Baritus oder vCh. Gundlachi Cassin, welches der Name für die cubanische Art ist, bezeichnen Söwolt! Die dritte Art des Herzogs, Cassiceus cay- anus, weiss ich auf keine Weise zu deuten. Sollte der Name cayanus ein Schreibfehler für cayennensis Linn. sein, so könnte man wegen Aehnlichkeit der Färbung vermuthen, es sei die Art Xanthornus dominicensis Linn. gewesen, von welcher in 1850 die Art“hypomelas Bon. für Cuba getrennt ist. Die vierte oder Cassı- cus flavigaster ist ein Synonym von Aanthornus dominicensis Br. (dieser auch von Hartlaub erwähnt) und also nicht cubanische Art, da ihr cubanischer Verwandter X. Ahypomelas heisst. — Demnach sind die 4 vom Herzoge gegebenen Namen zu ver- werfen. “Sturnus hippocrepis Wagl. ist richtig. Ye 2 Colibris. Davon ist Trochlus gramineus in Ricordü Gerv. zu ändern, was auch von Hartlaub gethan ist. Die zweite Art 7r. Veolabiis ist richtig. | YAlcedo aleyon ist richtig. 2 Spechte, Picus radiolatus und ruficeps. Beide Namen sind zu ändern. P. radiolatus ist von Jamaica. Er Bi wohl statt Ysuperciliaris Temm. angeführt, und ruficeps statt Percussus Temm., was auch schon Hartlaub angiebt. 2 Kuckuke. Cuculus (Coceyzus) dominicus? von carolinensis verschieden — war äh americanus Linn. — Es u noch Zweifel zu bestehen, ob lominieus zu fmericaniıs oder zu orythr ophthal- Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 271 mus Sehöre.*) Da aber Cuba die drei bekannten Arten von Coc- eyzus besitzt, so hat sie auch die hier in Frage stehende. Die an- dere Art, von Ouculus (Saurothera) vetula zu trennen, wurde im la Sagra’schen Werke Saurothera Merlini Orb. genannt, wie auch Hartlaub angiebt. / Trogon silens des Herzogs war damals schon als ee Temm. beschrieben. + YPsittacus leucocephalus ist riebtie: Die sehr kleine Perrüche ist“Conurus evops Wagl. Diese Art wurde früher als guyanensis Linn. angeführt. Hartlaub führt sie als Conurus squamosus an. 2 Rebhühner, Tetrao (Perdix) virginianus und eine mit Odon- ee rufus Vieill. verwandte Art, sind zu einer Art, nämlich Ortyz Cubanensis Gould als beide Geschlechter zu vereinigen. Von den 5 Taubennamen sind nur 2 richtig, nämlich Meucoce- phala und passerina. Die 3 anderen Arten caribaea, Jamaicensis und squamosa? kommen nicht auf Cuba vor, ebenso dominicensis, welche Hartlaub anführt, ohne anzugeben, für welche andere Art er sie nennt. Ich getraue mich nicht, diese 4 Namen für eubani- sche en zu deuten. Charadrius vociferus ist richtig. Grus americana (Ardea) L. ist eine a Art, die, welche auf Cuba auch vorkommt, ist '@. canadensis L. Der Herzog sagt zwar, „wohl zu unterscheiden von dem grossen weissen Grus struthio“, giebt aber den Namen americana, welcher mit stru- thio zusammenfällt. 2 | 8 Reiher. Die Namen von 5 Arten, "Egretta, Kcandhdissima, He- rodias ‚"caerulea und’irescens bleiben unverändert, bei 3 ist eine Aenderung vorzunehmen. A. alba war in dem schon besprochenen Verzeichnisse des Vigors mit Egretta vereinigt, und wird auch von Mr. Orbigny in dem La Sagra’schen Werke (wie wir später sehen werden) vereinigt, obgleich alda eine Art der alten Welt ist. — Hier aber führt der Herzog die alba getrennt auf, und vermuthe ich, dass er dabei die auch auf Cuba lebende 4A. ocerdentalis, die erst 1833 von Audubon benannt wurde, vor sich hatte. — 4. ludovi- ciana. Der Herzog denkt hier wohl an Zudoviciana des Wilson, *) Mr. Baird schrieb mir am 22. October 1864, als er mir Nach- richt über die ihm zur Ansicht geliehenen Vögel gab: „the others are the C. americanus and erythrophthalmus, neither is what 1 named dominicus from Jamaica‘, re 2 Dr. Jean Gundlach: denn ludoviciana des Linne ist ein Synonym von verescens, die er auch angiebt. Da nun der Name ludoviciana für diese Art unpas- send, ebenso der von Ord. ed. Wils. ihr gegebene Name leucogaster der Ardea leucogastra Gmel., einer grösseren Art gehört, so passt nur der von Gosse in 1847 gegebene Name rujicollis. — Die letzte Art hat zwar den richtigen Namen, doch mit falscher Priorität, denn der in Parenthese gesetzte Name wolacea Wils. ist von Linne und älter als cayennensis Gmel. “ Tantalus loculator und Phoenicopterus americanus (besser ruber Linn.) sind richtig. yIbis alba ist richtig, aber an rubra zweifle ich. In dem spä- ter zu besprechenden Werke von Ramon de la Sagra wird Ibis rubra auch angeführt, da ich aber nach 30 Jahren, und auf den verschiedenen Theilen der Insel jagend, nie diese Art sah, auch nicht einmal sichere Nachricht von einem nothwendiger Weise durch sein schönes Gefieder in die Augen fallenden Vogel erhielt, so glaube ich annehmen zu müssen, dass ein junger Vogel der weissen Art, der ein braungemischtes Gefieder ähnlich dem des jungen le, hat, Anlass zu einer Täuschung gab. Platalea ajaja ist richtig. Tringa semtipalmata ist wohl richtig, der ältere Name ist aber YEreunetes petrificatus und muss daher gelten. ‘ Himantopus nigricollis, “Parra jacana, "Rallus virginianus sind richtig. Letztere Art kommt nur äusserst selten auf Cuba vor und so könnte man annehmen, dass der Herzog das Glück hatte, diese Seltenheit statt der sehr gemeinen crepitans oder carolınus ZU tödten. Mag es nun sein wie es will, das Resultat trifft stets eine auf Cuba vorkommende Art. Porphyrio martinicensis ist richtig. Fulica leucopyga Wagl. ist vielleicht als Synonym von Yameni- cana mel. richtig. Zeucopyga ist eine mexikanische Art. Procellaria Wilson‘ oder vielmehr YOceanites Wisoni Bon. ist richtig. 2 Möven. BR vom Herzog gegebene Name der einen Art ist richtig als Atrieilla, die andere Art führt Dr. Hartlaub als zono- rhynchus Rich. auf. Ich will diese Bestimmung nicht als: irrig er- klären, da ich aber denYZarus Smithsonianus Coues, der früher als argentatus von den amerikanischen Autoren angegeben wurde, mehrmals beobachtete, so könnte man glauben, die vom Herzoge beobachtete zweite Art sei dieselbe. i | Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 273 3 Seeschwalben. “Sterna. fuliginosa ist richtig, die andere wird auch von Hartlaub ohne Namen gelassen. Pelecanus Thajus ist irrig und muss “fuscus L. heissen. — „Ein grosser Cormoran... der sich dem Haleus ceristatus nähert und auch in Mexiko und Louisiana vorkommt“, ist, wie auch Hartlaub angiebt, Aoridanus Aud. — Der Herzog nennt Dysporus Sula. Dieser Name ist richtig und mit jider zusammenfallend. Wie aber Dr. Hartlaub diesen Namen in Suwa bassana auct. ändern konnte, begreife ich nicht. Diese Art ist noch nie von mir und meinen Bekannten beobachtet worden. ”Tachypetes aquilus ist richtig. vPlotus anhinga ist richtig. 4 Enten, nämlich Anas moschata ist keine einheimische, son- dern aus Südamerika eingeführte Art. Nie habe ich diese auf hohen Bäumen nistend gesehen, eben so wenig wild in den Regio- nen der Wurzelbäume (Rhizophora mangle), wie der Herzog an- giebt. — Diese Angabe ist also gänzlich irrig. Als der Herzog sie auf hohen Bäumen sitzend und nistend zu sehen glaubte, hatte er wohl die Dendrocygna arborea vor sich. Die zweite Art benennt der Herzog A. bahamensis. Nie haben wir auf Cuba eine baha- mensis beobachtet, auch kommt diese Art nicht in den Vereins- staaten Nordamerikas vor. Der selige Dr. Bryant hat viele Ba- hamainseln besucht und führt sie eben so wenig an. Ich will hiermit das Vorkommen auf den Bahamainseln nicht bestreiten, aber für Cuba leugne ich es. Da die dritte Art americana richtig ist und das Weibchen eine entfernte Aehnlichkeit mit dahamensis hat, so könnte so der Irrthum entstanden sein. — Die vierte Art caudacuta ist richtig, nur muss das Wort in Geuta geändert werden, denn so schrieb Linne. Stephens in 1824 schrieb zuerst caudacuta. Dr. Hartlaub erwähnt nun noch Mergus cucullatus, was richtig ist, und Nycetibius jamaicensis, welche Art auf Cuba nicht vor- kommt. Er mag eine der 4 Arten Caprimulgidae, die auf Cuba vorkommen, für Nyetibius gehalten haben. ‚ Schliesslich bemerke ich noch, dass der Herzog vom Cham- bergo (Cassicus flavigaster) redet. Der Chambergo genannte Vogel ist Dolichonya oryzivorus und kommt als Zugvogel in ungeheurer Zahl; der Cassicus (siehe vorn seinen wahren Namen hypomelas) heisst Solibio. Aus Vorhergehendem sieht man, wie viel Irrthümer in dem vom Herrn Herzog gegebenen Verzeichnisse sind. Cab. Journ. f. Ornit. XIX. Jahrg. No. 113, Juli 1871. 13 274 ‘Dr. Jean Gundlach: Neu erschien im Jahre 1839 der ornithologische Theil der Historia fisica, politica y natural de la isla de Cuba par Don Ra- mon de la Sagra von Mr. Alcides D’Orbigny bearbeitet. Dieses Werk hat eine französische und eine spanische Ausgabe. Ich ge- brauche letztere. Der Umstand, dass Mr. D’Orbigny nicht selbst auf Cuba beobachtete, sondern seine in Südamerika gemachten Beobachtungen auf die gleichen Arten von Cuba anwandte, giebt oft Anlass zu Irrthümern, sei es wegen der Zeit der Fortpflanzung oder wegen jährlicher Wanderungen. Ich will keine Kritik über solche Beobachtungen vornehmen, denn in meinen zu gebenden Beiträgen kann man bei jeder Art das sicher Beobachtete sehen. Ich will nur prüfen, welche gegebenen Namen der von ihm aufge- zählten 129 Arten richtig und welche falsch sind. (Es. sind eigent- lich 130 Arten, denn Nr. 17 ist zweimal da. Man kann aber so corrigiren, dass man die Nr. 8 als 7!/, oder Varietät setzt.) 1.“Cathartes aura (Vultur.) L. ist richtig. B. Ri Polyborus vulgaris Vieill. ist südamerikanisch. — Pol. Audu- boni Cass. ist: der Name. 3. Rostrhamus sociabilis (Herp.) Vieill. ist richtig. 4.“Nisus fringilloides (Aceipiter) Vig. ist richtig. 5. Circus cyaneus (Falco) Mont. Man hält den amerikanischen für hudsonius L. 6. Falco columbarius L. ist richtig. 1. Falco sparverius L. ist vom Festlande Amerikas. Die an- tillische Art ist dominicensis Gmel. St 1), Falco sparverioides Vig. ist Abart der vorigen. 9.08). Ons Siguapa D’Orb. ist richtig. 10 (9). "Noetua Siju D’Orb. ist richtig. 11 (10). Strix furcata Temm. ist’ richtig. 12 (11). Vireo gilvus Bon. ist Vireo oder Phyliomanes barba- tulus Cab. 4 13 (12). "Turdus rubripes Temm._ist richtig. 14 (13). Zurdus minor Gmel. ist T. fuscescens Steph. (ein Theil von minor) und zwar der von D’Orbigny abgebildete vn Der andere Theil des minor L. Gm. ist auch cubanisch, "Swainsoni Uab. 15 (14). Turdus mustelinus Gml. ist richtig mit Gm. 16 (15).”Turdus carolinensis (Licht.) ( Musicapa) L. Gm. ist richtig mit Linn. 17 (16). Orpheus polyglottus, Turd. L, ist richtig. Neue Beiträge zur ÖOrnithologie Cubas. 275 rein (ist Seiurus) aurocapillus Sw. (Motacilla) Linn. ist richtig mit Linn. 18. Seiurus sulfurascens D’Orb. ist zu noveboracensis Gm. zu ziehen. 19. Sylvia coronata Lath. ist richtig nach Weglassung des Synonyms maculosa L. Nach Baird’s Review ist coronata L. S.N.1. 1766, 333, aber nach D’Orbigny hat Linne auf S. 333 den Namen corona aurea. 20. Sylvia palmarum Läth. ist richtig, aber die Synonymie ist noch zweifelhaft. 21. ‘Sylvia caerulescens Lath. ist richtig. 22. Sylvia pensilis Lath. ist richtig mit Aenderung in den früheren Namen "dominica L. 1766. 0 23. Sylvia trichas Lath. ist richtig als Geothlypis trichas L. (Turdus). s 24. Sylvia americana Lath. ist richtig als "Parula americana L. (Parus). n 25. Sylvia maritima Wils. 1812 ist Synonym vom älteren Pe- riglossa) tigrina Gm]. (Motacilla) 1788. 3 26. Sylvia maculosa Lath. ist richtig. 27. Tanagra zena Vig. Die Linneische zena wurde in mehrere Arten getrennt. Die cubanische Art ist T. (Spindalis) Pretrei Less. 28. Pyranga aestiva Vieill. (Tanagra) Gmel. ist richtig. 29. "Pyranga rubra (Tanagra) Linn. ist richtig. 50. Tyrannus magnirostris D’Orb. ist richtig. Ist abgebildet auf tab. 14, aber mit verwechseltem Namen, matutinus. 31. Zyrannus caudifasciatus D’Orb. ist richtig. 32. Tyrannus matutinus Vieill. Der Name ’griseus Vieill. ist besser. Auf tab. 13 mit verwechseltem Namen, magnirostris. 39. Zyrannus Phoebe (Muscicapa) Lath. ist Myiarchus Sagrae Gundl. mss. (Siehe diese Art.) 34. Muscicapa virens Gmel. ist mit Ausnahme der Synonymie richtig und mit Linn. co 35. Muscicapa ruticilla Gm. ist als Setophaga ruticilla richtig und mit Linn. 36. Setophaga mitrata Gm. ist als Myiodioetes mitratus Yichtig. 37. "Culieivora caerulea (Motacilla) L. Der Artname ist richtig. 38. Muscipeta carıbaea D’Orb. ist als PBlacieus Caribaeus richtig. 39. Hirundo purpurea L. Die cubanische Art ist als rypto- leuca Baird in 1865 von der nordamerikanischen purpurea getrennt. 15 * 216 Dr. Jean Gundlach: ‚40. Caprimulgus carolinensis (Br.) Gm. ist richtig als Amtrosto- mus carolınensis. -. 41. Caprimulgus vociferus (Wils.) — Die cubanische Art ist “Antrost. cubanensis Lawr. 42. Passerina cyanea Vieill. (Tanagra) L. richtig: als “Cyano- spiza Cyanea. u / 43. Passerina ciris (Vieill.) (Kmber:za) L. richtig als" Cyano- spiza ciris. = 44. Passerina olivacea (Vieill.) Emberiza Gm. ist Synonym von Fringila (Euethia) lepida L. Die von Orbigny gegebene Synonymie ist wegzulassen, denn Pyrrhula collaris Vig. ist “Euethia canora (Loxia) Gm. 45. Carduelis pinus Swains. halte ich für ein aus einem Käfige entflohenes Exemplar dieser nordamerikanischen Art. 46. Linaria caniceps D’Orb. Ich kann die gegebeng „Bit und die Beschreibung nur auf ein junges Männchen von”“Cyano- spiza ciris beziehen. 47. Pyrrhula nigra, (Vieill.) (Loxia) L. ist richtig. 48. Fringilla dominicana Vieill. = (Loxia) Lath. ist auch wohl ein aus dem Käfig entflohenes Exemplar gewesen. 49. Sturnella ludoviciana Vig. (Sturnus) L. mag in hippocrepis Wagl. zu ändern sein. Man ist noch etwas im Zweifel, ob die cu- - banische DR wirklich verschieden ist. (Siehe unten meine Beiträge.) 50. Ieterus humeralis D’Orb. ist richtig. % 51. Xanthornus dominicensis Briss. muss Ahypomelas (Dubus) Bon. heissen. 52. Quiscalus versicolor Vieill. ist sicher nicht auf Cuba vor- kommend. 53. Quiscalus barytus Vieill. (Graeula baryta) Linn. Die cu- banische _ Art ist 1866 G@undlachi Cassin genannt. 54. Quiscalus atroviolaceus D’Orb. ist richtig. 55. Corvus jamazcensis? Gm. ist nicht diese Art, sondern Masi- cus nz auch von D’Orbigny schon in der Synonymie erwähnt. 56. aerehn cyanea Vieill. (Certhia) L. . 57. “Orthorhynchus Colubris (Trochilus) L. | Aue ix Bel: 58. “Orthorhynchus Ricordü (Ornismya) Gerv. us Ei 2 59.” Alcedo aleyon Gmel. (besser Linn.) a 60.’ Todus multicolor Gould. Me 61. Pieus Pancralı L. Die ceubanische Art ist seit 1863 ( Campephilus ) Bairdii Cass. Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 277 62. “Pieus variıs L. ist richtig. 63.” Picus percussus Temm. ist richtig. 64. Colaptes auratus (Cuculus) L. ist eine neue Art Col. chry- socaulosus Gundl. 69. Colaptes superciliaris Temm. ist richtig. 66, Colaptes Fernandinae Vig. ist richtig. 67. Cocceyzus carolimensis ist zwar richtig, doch ist @mericanus L. älter. , 68. Saurothera Merlin D’Orb. ist richtig. 69. “Crotophaga ani L. ist richtig. 70. “Pittacus leucocephalus Aldr. L. ist richtig. +71.” Macrocereus tricolor (Ara) Vaill. ist richtig. 12. Oonurus guyanensis (FPsitt.) L. ist nicht dieser, sondern “evops Wagl. 73.” Trogon temnurus Temm. ist richtig. 74.” Oolumba leucocephala Gmel. ist richtig, aber der Autor ist Linn. 75. Columba portoricensis Temm. führt den Namen Corensis Gmel. 16.”Columba inornata Vigors ist richtig. T7Y Columba eyanocephala Gm. ist richtig. 18.”COolumba carolinensis Gm. ist richtig. 79. Columba zenaida Bon. 1825. Bonaparte benannte sie 1838 Zenaida amabilis Bon. 80. Columba montana Gmel. richtig, aber der Autor ist Linn. "al. Columba passerina Gmel. richtig, aber der Autor ist Linn. 82. Ortya virginianus (Tetrao) L. muss in ©. cubanensis Gould (Odontoph.) geändert werden. 83. Ardea alba Belon muss A. Egretta Gmel. heissen. 84. Ardea candidissima Gmel. ist richtig. 85. Ardea herodias Linn. ist richtige. 86. Ardea leucogaster Gmel. muss in Tuficollis Gosse geän- dert werden. 87. Ardea oaerulea Catesby L. ist richtig. 88. Ardea virescens L. ist richtig. 89."Ardea exilis Gmel. ist richtig. 90. Nycticoraw vulgaris. Die amerikanische Art wird N. Gar- deni: Gm. . genannt. 91. Nyeticorax violacea Vig. (Ardea) L. ist richtig. 92. Platalea ajaya Linn. TE Eleinl, Kinn’) BaRrichhie. 278 Dr. Jean Gundlach: 94. de americanus Seba. Der Name Tuber L. ist vor- zuziehen. 95. Ibis rubra (Scolopax) L. ist wohl mit alba L. zu tauschen. 96. Scolopax gallinago L. muss in“'Sc. Wilsoni Temm. geändert werden. 37. “Totamus flavipes ( Scolopaz) Gmel. Die. Art- 98.” Totanus longicauda (Tringa) Lath. Bechst. ( namen sind 99.” Totanus solitarius (Tringa) Wils. richtig. 100. Tringa Temminckü Leisl. muss in “minutilla Vieill. geän- dert werden. y 101. Vanellus squatarolus, Tringa L. ist richtig als Syuatarola helvetica L. ( Tringa)). 102.“ Charadrius vociferus Linn. ist richtig. 105. Parra jacana L. ist richtig. | 104. Aramus Guarauna (Scolopax) Gm. muss in Giganteus Bon. geändert werden. 105. Rallus longirostris Gmel. Zweifelhafte Art, wohl Trepitans Gmel. 106. Rallus variegatus amel. 107."Rallus carolinus L. 108. Porphyrio martinica (Fulica) L. ist richtig. 109. Gallinula chloropus (Fulica) L. ist nicht diese Art, son- dern galeata (Crex) Licht. 110. Fulica atra L. ist nicht diese Art, sondern Gnnericana, Gnl. 111. Colymbus dominicensis Br. Gm. richtig, vielleieht ist do- minicus L. besser. 112. Colymbus carolinensis Br. Ein besserer Name ist a L. 113.”Anas sponsa Linn. 114.“ Anas arborea Linn. Die Artnamen sind richtig. 115.“ Anas americana Lath. Gmel. 116. Anas discors Gmel. richtig, aber mit Linn. 117. Anas marila Linn. Dieser Name muss in affınıs Eyton corrigirt werden. 118. Anas spinosa Linn. ist der junge Vogel, dominiea, L. der alte. 119. Anas mexicana Gm. Lath. muss in “elypeata L. geändert werden, _ 120. Pelecanus fuscus L. ist richtig. 121. Phalacrocorax graculus Bon., (Pelec.) Gm. Corrigire in Aoridanus Aud. 122. Sula fusca Vieill., besser ist der Name Da fiber Linn. \ Die Artnamen sind richtig. - Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 279 123. Fregata aqua (Pelecanus) L. Der Artname ist richtig. 124. ‚Phaeton aethereus L. Die hiesige Art ist Aavirostris Brandt. 125. Tarus atrieilla L. ist richtig. 126. Sterna stolida L. ist richtig als Anous stohdus. < 127. Sterna cayennensis mel. Die hiesige Art ist "Thalasseus regius Gamb. 128. Sterna fuliginosa Gmel. ist richtig als Heliphınd fuliginosa. 129. Sterna. anglica Mont. ist richtig als“@elochelidon anglica. Die Ornithologie Cubas war mit diesem Werke also bedeutend verbessert worden, doch mehrte sich bald die Zahl, denn noch in demselben Jahre, worin dieser Theil des la Sagra’schen Werkes erschien, kam ich zur Insel und begann meine Studien. Ich wollte Anfangs sammeln, beobachten, um später ein sicheres Resultat zu haben. — Im Jahre 1848 veröffentlichte der älteste Sohn meines - Freundes, des bekannten (besonders den Ichthyologen) Don Felipe Poey, Don Andres Poey auf Verlangen des Don Miguel Rodriguez Ferrer in den Memorias de la Real Sociedad Economica von Habana ein Verzeichniss der cubanischen Vögel. Um dieses Verzeichniss aufzustellen, benutzte er unter anderen Mitteln auch mein hand- schriftliches Verzeichniss und das von Don Juan Lembeye, der sich damals eifrig mit Ornithologie beschäftigte und von dem bald die Rede sein wird. Don Andres Poey zählt 208 Arten auf. Da dieses Verzeichniss in einer Zeitschrift erschien, die im Auslande wenig oder nicht vorhanden ist, da es als erste Arbeit eines Anfängers nothwendiger Weise Mängel hat, die sich auch in Druckfehlern und irrigen Behauptungen darthun, und da die als Zusätze gegebenen Arten schon 2 Jahre nachher in einer weitläufigen Arbeit und mit richtigerer Bestimmung aufgezählt werden, so glaube ich, dass man das Poey’sche Verzeichniss übersehen kann. Ich finde es auch nicht von späteren Autoren citirt. Nun erschien in 1850 diese neue Bearbeitung. Don Juan Lembeye gab einen Band mit dem Titel „Aves de la isla de Cuba“ heraus. Da er das la Sagra’sche - Werk zu Grunde legte, so erwähnt er nur. die Arten, die in diesem fehlen und fügte 20 Steindruckplatten hinzu. Viele. dieser sind aus dem berühmten Werke des Mr. Audubon (kleine Ausgabe) Birds of America copirt und Lembeye hätte dieses angeben müssen. Die von ihm neu gegebenen Abbildungen lassen Vieles zu wünschen. Am Ende seiner Arbeit giebt er noch ein Verzeichniss der bis zum October 1850 beobachteten Vogelarten, worunter jedoch auch meh- rere sind, die ich später ganz aus dem Verzeichnisse wegen Mangel 280 Dr. Jean Gundlach: an Genauigkeit oder Beobachtung gestrichen habe. Lembeye hat einer jeden Art, deren Trivialnamen er nicht kannte, einen von ihm erdachten gegeben und diesen im Verzeichnisse mit einem * be- zeichnet. Doch blieben einige solcher Namen ohne *. Ich werde aber in meinen nachfolgenden Beiträgen nur die wirklich beim Volke üblichen Trivialnamen aufnehmen. Da dieses Werk von späteren Autoren citirt wird und es ein wesentlicher Zusatz zu la Sagra’s Werk ist, so will ich das Verzeichniss,, was ja am mei- sten interessirt, prüfen. Noch muss ich sagen, dass ich grossen Antheil an der Vervollständigung nahm, auch darin neue Arten be- schrieb, dass ich aber auch Theil an den Irrthümern, die das Werk hat, habe. Zuerst will ich das D’Orbigny’sche Verzeichniss mit dem Lembeyischen vergleichen und angeben, wo letzteres abweicht, und dann die Arten nennen, welche als Zusatz dienen. Die Nr. 12 Vireo gilvus führt bei Lembeye den Namen oliwa- ceus (Muscicapa) Wils. Eigentlich aber muss man "darbatulus Cab. setzen, denn diese ist die häufige Art, mit der gelvus wohl ersetzt een muss. “Olivaceus ist auf Cuba äusserst selten. Die Nr. 20 Sylvia palmarum Lath. führt den Namen petechia Lath. Lembeye änderte den Namen, durch Audubon bewogen, Mr. Baird hat aber die petechia wieder getrennt. u Die Nr. 27 Tanagra zena erhielt ihren richtigen Namen Pretrei Less. Die Nr. 48 Fringilla dominicana ist als ungewiss susgeid»aoh Die Nr. 60 Todus multicolor führt den Namen portoricensis Less. Die Nr. 83 Ardea alba ist in Egretta verbessert. Die Nr. 96 Scolopax gallinago ist in “Wilsonii Temm. geändert. Die Nr. 100 Tringa Temminckü ist als pusila angeführt, wel- cher Name in minutilla Vieill. zu ändern ist. ; Die Nr. 109 Gallinula chloropus ist durch Yaleata Pr. Wied verbessert. 5 \ Die Nr. 110 Fulica atra ist gestrichen und durch “@mericana Gm. ersetzt. Die Nr. 117 Anas marila ist in martloides corrigirt. Dieser Name muss aber dem älteren @/finis Eyton wieder weichen. Die Nr. 119 Anas mexicana hat den besseren Namen lypeata L. Die Nr.121 Phalacrocoraz gracubus ist in floridanus Aud. corrigirt. Alle anderen Namen wurden von Lembeye beibehalten, und ar auch hier, was ich bei diesen Namen früher angab. Die von Lembeye ‘und mir in diesem Verzeichnisse als zur Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 281 cubanischen Fauna gehörig angeführten Namen, welche in la Sagra’s Werke fehlen, sind: 1. Cymindis uncinatus Ilig — muss Regerhinus Wilsoni Cass- heissen, ) 2. Pandion Haliaötus Sav. — oder vielmehr Pandion caroli- nensis Gm. 3. Morphnus Urubitinga? Cuv. — muss "Hypomorphmus Gund- lachi Cab. heissen. 4. Buteo borealis Gm. 5. Buteo latissimus oder pennsylvanıcus Wils. bilden beide (Nr. 7 alt, Nr. 6 jung) nur eine und zwar neue Art @und- lachı Lawr. 8. Nisus fuscus Gmel. muss gestrichen und zu Fringilloides ge- setzt werden. 9. Falco communis oder peregrinus Gm. oder vielmehr @natum Bon. 10. Otus brachyotus L. -- Die amerikanische Art ist als Bra- chyotus Cassinti Brewer getrennt. 11. Noctua nudipes Daud. 12. Vireo flavifrons Vieill. 13.“ Vireo solitarius Vieill. 14.“ Vireo noveboracensis Gmel. 15.” Vireo Gundlachi n. sp. Lembeye. 16. Orpkeus ohne Namen ist Mimus Gundlachi Cabanis._ 17. Sylvia aestiva Gm. ist albieollis? Gm. oder besser Gund- lachi Baird. 18. Sylvia discolor Vieill. 19." Sylvia striata Wils. 20. Helinaia vermivora Lath. 21. Helinaia Bachmannü Aud. 22. Euphone musica Gmel. Die Anführung dieser Art beruhte auf einem Irrthum, und ist die Art auszustreichen. 93. Muscicapa Elizabeth Lemb.n.sp. muss M; 'yiadestes Eliz. heissen. 24, Muscicapa fusca Gmel. — Ich halte diese Art für neu, keineswegs für fusca. 25. Muscicapa, pusilla Swains. — Ist nicht diese, sondern @ca- dica Gmel. 26. VSetophaga Jormosa Wwils. 27. Hirundo americana Wils., besser ist der Name ber Bart. 28. Hirundo coronata Mus. ber. — ist die Alva Vieill. 6. Astur Cooperi Bon. 7. Astur pieatus Pr. Wied 282 ‚ Dr. Jean Gundlach: 29. "Hirundo bicolor Vieill. 30.“ Hirundo riparia L. 31." Oypselus Iradi Lemb. 32.” Chordeiles virginianus Briss., ist zwar auch auf Cuba vor- kommend, doch bezieht sich das Gesagte auf Oh. minor Cab. 33. Passerina collarıs Vig. (Pyrrhula) ist Euethia canora (Ip- xıa,) Gm. 34. Fringilla Cubae Gerv. — ist‘ Pyrrhomitris cueullatus Swain. von Südamerika, und als Käfigvogel zu streichen. 35. Emberiza pallida Aud. ist nicht diese Art, sondern Gocia- ls Wils. _ 36. Eimberiza savanna Wils. (Fring.) 37." Emberiza passerina Wils. (Fring.) 38." Dolichony oryzivora (Emberiza) Linn. 39.” Coccoborus ludovicianus (Fring.) L. 40. Coccoborus coeruleus (Fring.) L. 41. Icterus assimilis Gundl. n. sp. 42.“ Xanthornus Baltimore (Oriolus) Linn. 43. Corvus ohne Namen ist jetzt C. minutus Gundl. 44. Anabates Fernandinae n. sp. Lemb. ist jetzt; Teretistris Fernandinae. 45.” Mniotilta varıa (Motacilla) Linn. 46. Orthorhynchus Helenae Gundl. n. sp. 47." Coocyzus erythrophthalmus Wils. 48. Ooccyzus senieulus Lath. Der ältere Name minor Gm. ist vorzuziehen. | 49. Columba ohne Namen, Torcaza salvaje genannt, ist die “ inornata Vig. 50. Columba mystacea Temm. ist nicht diese, sondern "mar- tinica Linn. 51. Columda ohne Namen, Camao genannt, ist Ganicgps: Grundl.n.sp. 52. Grus poliophaea Wagl. Der ältere Name ='2|5 2 den Monaten 55 ® a ss Piz ee Eu: Ale | z Lem we Ko N . | Nov.— März Gemein |IIl| I EN | - |* |Sehr selten | TEL] IT ? } Selten .| III. * . |* | Sehr selten | IIL.| II. # or 5 v.|TlI. a „. VE) VW. Ä 4 „>> TLEr I % | ind zolleitengE Mae * IR Selten 11. | VI | . |* | Sehr selten |III.| II. N ie * |Sehr gemein| V. | IH. 2| | . |* | Sehr selten | V. | III. A Is laden 2: 8 EEE el | . |* |Nicht selten | V. | III. | | . ı April, anal . |. |9ehr gemein 1I., VI ee RES v. | Im. Kae . | April, Mai | . N Gemein Il. | VI. hr \ } | 1. «10 11.| 1. | | . \* | Sehr selten | VI.| IV. TB END ea URN 5; 111. 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VI. | IV. 234../Gelochelidon ara- DEDN, na a Ne. 5 @ De Selten V1.| IV. 236.1Sylochelidon regia| ? |? dee % 5 - |. |Sehr gemein) III.| II. 241.1Larus Smithsonia- nus * E - | *| Sehr selten |IIL.| II. Die Leser werden einsehen, dass Jetzt nur noch wenige Zweifel bleiben und dass diese sich besonders auf die Fortpflanzung be- ziehen. Seit dem Erscheinen meines Katalogs im Repertorio ist kaum etwas verbessert worden. (Ueber "Chaleophanes Gundlach, “Todus multicolor., “Crotophaga ani habe ich gesprochen und kann num nur noch angeben, dass auch Mr. Baird, der mein typisches Exemplar von "Mimus Gundlachi Cab. verglich, gefunden hat, dass Mimus EHillü Marsh. und M. bahamensis Bryant als Synonyme zu Gundlachi gezogen werden müssen.) Die Ursache dieser Stockung ist doppelt, erstens dass die Commission von Habana für die all- gemeine Ausstellung in Paris vom Jahre 1871 mich beauftragte, meine Sammlungen mit einigen anderen, z. B. Versteinerungen, Herbarium, Holzsammlung u. a., nach Paris zu bringen und dort auszustellen, wodurch ich also für länger als 1 Jahr unthätig wurde und zweitens, weil bald nach meiner Rückkehr zur Insel die Re- volution von Cuba ausbrach und so alle Reisen und Jagden un- möglich wurden. Sollte der politische Zustand der Insel wieder in Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 295 Ruhe kommen, dann werde ich wo möglich meine gewohnten Studien fortsetzen. In allem Uebrigen verweise ich auf die nun folgenden Beiträge, welche meine eigenen Beobachtungen sind. (Fortsetzung folgt.) Zusätze und Berichtigungen zu dem Aufsatze „die im Umanschen Kreise in den Jahren 1867, 1868 und 1869 beobachteten Vögel“*) nach Beobach- tungen gemacht im Jahre 18%0. Von Forstmeister H. Goebel. (Siehe März-Heft S. 151.) [10.] Chloris vulgaris. Am 7. Juni fand ich das Nest auf einer Hainbuche 3° hoch mit 5 schwach bebrüteten Eiern. Maasse: Länge 20—19—20—19; Breite 14—14—14—14 Mm. [13.] Miliaria valida. War in diesem Jahre (70) recht häufig vertreten, in feuch- ten Niederungen sich aufhaltend, | 197. Emberiza cirlus, Aaunammer. Den 28. Mai fand ich das Nest etwa 1’ hoch mit 3 frischen Eiern. Maasse: Länge 21—21—20; Breite 16—16—16 Mm. 198. Melanocorypha calandra, Kalanderlerche, beobachtete ich an der Chersonschen Grenze am 14. September in einem Flug von 30 Stück. [31.] Falco peregrinus. Ist nicht so selten als Brutvogel, wie ich bisher annahm; ich fand in diesem Jahre 3 Gelege, am 19., 22. und 24. April. | Maasse: 1) Länge 52—50—51; Breite 409—40—38 Mm. 2) Länge 49—50—49—49 Mm. ; Breite 39—40—39—39 Mm. 3) Länge 50—51—49; Breite 39—40—383 Mm. [43.] Haliaetus albicilla, ve ich in 2 Paaren in diesem Jahre als usrsl beobachtet. Am 19. April fand ich den Horst mit 2 schwach bebrüteten Eiern, *) Bei den bisher beobachteten Vögeln führe ich die alte Nummer in Klammer an, bei den neu hinzukommenden die fortlaufende des Registers. 296 H. Goebel: am 3. Mai bestieg ich den andern und fand 5 Junge darin. Der Horst war eine vollständige Schlachtbank, es fanden sich ,‚ ausser 2 jungen entengrossen Gänsen, Reste von Fischen, Hühnern und Enten vor. Maasse: Länge 2—1; Breite 54—57 Mm. 146.] Milvus regalis. Auch von diesem Raubvogel fand ich in diesem Jahre den Horst am 6. Mai mit 2 frischen Eiern. Maasse: Länge 60-58: Breite 45—_42 Mm. [39.] Agula fulva ist wohl chrysaetus, wenigstens ein ge- tödtetes Exemplar musste ich als Goldadler anerkennen. — [199.] Scops zorca, Zwergohreule, Den 16. Juni fand ich den Horst in einem hohlen Baum und fing das sehr fest sitzende Weibchen über den 3 Eiern. Maasse: Länge 30—28—32; Breite 27—27 - 26 Mm. [52.] Brachyotus vulgaris. War sehr häufig in diesem Jahre, besonders im Herbst lagen im Umkreise oft 5—6 zusammen. 200. Sirigiceps pallidus, Steppenweihe, Am 7. September schoss ich ein & an der Chersonschen Grenze. [74] Rutieilla phoenicura. Ich fand in diesem Jahre mehrere Nester dieses Vogels, erstes am 20. letztes am 31. Mai. Maasse: Länge D: 19 Mx.. 19 M., 18 Mm.:; Breite 14 14 13 Mm.; Spurei 14 Mm. Länge, 11 Mm. Breite. [&0.] Turdus visceivorus. Am 2. Mai fand ich das Nest dieser Drossel mit 4 recht stark bebrüteten Eiern. Nestmaasse: Acusserer Durchmesser 150, innerer 100. Aeussere Höhe 100, innere 60. | Nestmaterial: Trockne Grashalme und Wurzelfasern, Unterbau aus feuchter Erde, in die Wandungen war keine Erde gemischt. Standort: 6° hoch, auf einer Hainbuche, au den Stamm sich lehnend, in einer düstern Waldpartie, am Rande einer tief liegen- den schmalen Wiese. | Maasse: Länge 29—293—29—30; Breite 22—23—-23 23 Mm. [94] Hypolais hortensis. Am 2. Juli fand ich das Nest dieses bis hinzu von mir nur % We, Zusätze zu den im Umanschen Kreise beobachteten Vögeln. 297 einmal auf dem Zuge beobachteten Vogels mit 5 bebrüteten Eiern. Das Nest stand im nördlichsten meiner Reviere, das an den Swe- nigorodschen Kreis grenzt und schon einzelne Birken besitzt. Das Nest war, wie immer, mit Birkenbast ausgekleidet, so dass es scheint, dass der Vogel in Folge dieser Gewohnheit an Birken- wälder gebunden ist. | Eiermaasse: Länge 19—17—18—17 Mm; Breite 13—14—14—14 Mm. [95.] Calamoherpe turdoides. Ich fand 2 Gelege dieses Vogels im hohen, fingerdicken Rohr, in das arundinacea schon nicht mehr baut. Nestmaasse: Aeusserer Durchm. 94—96, innerer 53—56 Mm. Aeussere Höhe 120—125, innere 60 Mm. Material: Feine Sumpfgräser und Binsenblätter mit etwas Pflanzenwolle. Neststand: 4 und 6° hoch, auf Rohrblättern aufsitzend. Eiermaasse: | 1) Länge 22—21 Mm., am 17. Juni frisch. Breite 16—15 Mm. 2) Länge 23—23 -23 Mm., am 1. Juli stark bebrütet. Breite 17—16—17 Mm., 5 Stück (2 zerbrochen). 201. Locustella ? Ich habe an 2 Orten in unserm Kreise, die ich zufällig zum ersten Mal besuchte, eine Locustella-Art in Menge schreien hören, ob naevia oder fluviatilis kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, da es mir nicht gelang, einen der Vögel zu schiessen, ich glanbe aber, dass es eher Auviatılis sein wird. Zuerst gehört am 27. April. a [104] Agrodroma campestris. 2 Gelege dieses Vogels gefunden am 17. Juni mit 5 schwach bebrüteten. Eiern auf einem Öden, sonnverbrannten Weideplatz am Ufer eines Teiches, als Schutz nur eine vielästige Unkrautstaude besitzend; das zweite Mal in einem undichten Hirsefelde am 25. Juli mit 4 Eiern, die grosse, aber abgestorbene Embryonen besassen, wohl in Folge des häufigen Regens. Das Weibchen sass aber trotz- dem ganz fest und verliess das Nest erst, als ich ganz nahe war. Maasse: 1) Länge 21—21—22—20—21 Mi. Breite 16—16—16—16—16 Mm. 2) Länge, 20—20—20—20 Mm. x Breite 16—16—15—15 Mm. 288 H. Goebel: [144.] Machetes pugnae. In diesem Jahre traf ich am 14. September 3 Exemplare (27, 1 2) dieses Vogels in Gesellschaft von 2 Actodroma minuta am Ufer eines kleinen Teiches an, und tödtete mit einem Schuss alle, mit |} Ausnahme des einen Strandläufers. | 202. Numenius arcuatus, Grosser Brachvogel. Am 2. April 6 Stück beobachtet. [146.] Totanus glareola. Ist Brutvogel unseres Kreises, den ich auf dem Sokolowschen Sumpfe neben flüggen Jungen schoss, die auf dem Kopfe noch ein- zelne Flaumfedern zeigten. 203. Anthropoides virgo, Jungfernkranich. / Schon im vorigen Jahre beobachtete ich ziemlich spät im Jahre auf einem grossen Steppenheuschlage eines von mir verwalteten Gutes ein Paar Kraniche, doch kam mir virgo gar nicht in den Sinn. In diesem Jahre, als ich das Paar ganz nahe sah, fiel mir die Kleinheit auf und zugleich allerhand Sprünge und Wendungen, die die Vögel machten. Jetzt fiel mir Dr. Brehm’s Beobachtung über das sonderbare Benehmen des @. virgo während der Brutzeit ein, ich suchte den Heuschlag fleissig ab und hatte die Freude, am 6. Mai das Nest mit 2 frischen Eiern zu finden. Im Herbst beob- achtete ich noch 4 Kraniche an der Chersonschen Grenze auf einem ähnlichen Heuschlage. Da bei uns alle Steppenheuschlage aufge- rissen werden, so wird wohl @. virgo, der ja ein echter” Steppen- vogel ist, bald verschwinden aus unserm Kreise, wie denn Ots tetraz, die früher häufig gewesen sein soll, jetzt nicht mehr zu finden ist. Maasse: Länge 79—77; Breite 48—50 Mm. [165.] Crex pratensis. Am 2. Juli das Nest mit 4 frischen Eiern gefunden. Maasse: Länge 33—37—36—37 Mm.; Breite 27—28—27—27 Mn. 1166.] Oriygometra porzana. . 2 Nester gefunden, am 2. Juni mit 3 frischen Eiern, am 30..Juni mit 8 schwer bebrüteten und einem faulen Ei. Maasse: 1) Länge 33—33—34; Breite 23—22 24 Min. 2) Länge 33; Breite 24. 204. Mergulus albellus, Zwergsäger. Am 28. März eine Schaar von. 12 Stück auf einem Teiche beobachtet, auf dem das Eis noch nieht vollständig geschmolzen war, auf den Schollen sitzend während eines heftigen Sturmes. Zusätze zu den im Umanschen Kreise beobachteten Vögeln. 299 Es kommen also als neu beobachtet hinzu: Brütende Zugvögel: Emberiza cirlus, Locustella ? Scops Zorca, Anthropoides virgo. Durchzugvögel oder zufällig beobachtete: Melanocorypha calandra”), Numenius arcuatus, Strigiceps pallidus, Mergulus albellus. Aus der Rubrik c. Durchreisende sind unter die Rubrik b. Brü- tende Zugvögel zu versetzen: Mivus rufus, Totanus glareola, Hypolais hortensis, Örex pratensis. Aus der Rubrik c in die Rubrik a Standvögel zu versetzen: Hoaliaetus albicilla. Aus der Rubrik d. Wintergäste in die Rubrik a: Turdus visciworus. Berichtigungen. In dem bis jetzt gedruckten und mir zu Händen gekommenen ersten Abschnitt haben sich folgende Fehler beim Drucken oder beim Abschreiben des Manuscriptes eingeschlichen: 1870. Pag. 178 Zeile 14 anstatt Kanelkafluss steht Ka- nelkefluss. Zeile 16 anstatt Krasnostawschen steht Kresnostowschen- Pag. 180 statt Alauda arvensis steht Alauda cristata. Pag. 181 sollte stehen, statt Sitta caesia, Sitta wralensis. Pag. 194 6. Zeile von unten muss 38 an Stelle von 39 und umgekehrt stehen. Pag. 195 Zeile 9 sollte stehen anstatt 31—31—30 die Ziffern 34—35—34, ll — — 34 — Pag. 198 Zeile 4 von unten: Der Autor, von dem ich sprach, ist Berge. — Ob aber die Beschreibung oder vielmehr Vergleichung der Pandion-Eier mit Milan-Eiern auf eigener Beobachtung beruht oder in Folge von falsch bestimmten Eiern hervorgerufen wurde, wie so viele andere Fehler Berge’s, kann ich natürlich nicht wissen. So gezeichnete Eier können nur grosse Seltenheiten sein. — Februar 1871. Uman, 15 *) Werde ich wohl auch mit der Zeit als Brutvogel finden, da er im Nachbargouvernement in grosser Anzahl brütet. E43 300 Wilhelm Lübder: Notizen über den „Bock“ bei Stralsund. Von Wilheim Lühder. Die Fortsetzung der Insel Zingst nach Osten hin bildet eine nur mit seichtem Wasser überspülte Sandbank von mehr als 1 UMeile Ausdehnung. Diese Bank, der „Bock“ genannt, wird im Norden von der Ostsee, im Osten vom Vierendehls-Strom (Durchfahrt zwischen Bock und Hiddens-Oie) und im Süden von dem östlichen Ausläufer der Grabow begrenzt. Sie ist, sonst durchaus eben, mit vier Hügeln besetzt, die in gerader Linie von West nach Ost lie- gend als grüne Inseln die Bank schmücken und von den Küsten- anwohnern als „erster“, „zweiter“, „dritter‘‘, „vierter Werder“, von West anfangend, unterschieden werden. Der erste Werder ist der grösste und höchste; er mag wohl den zwölften Theil der ganzen Bank ausmachen und sich mit seinen höchsten Punkten etwa 30 Fuss über das Niveau derselben erheben, während die drei übrigen nur einige Morgen Fläche haben und wenige Fuss hoch sind. Steile Abfälle finden sich an keinem der Werder. Bebaut ist nur der erste, und zwar auch nur mit einem kleinen Häuschen, welches von einem Hirten bewohnt die Sammel- stelle für die im Sommer hier weidenden Mastochsen bildet. Die Communication mit dem Festlande ist eine höchst spärliche, und es mögen Wochen, im Herbst und Winter selbst Monate hingehen, in denen kein Besuch auf dem Werder eintrifft. Nimmt man zu der hieraus sich ergebenden Einsamkeit noch den Umstand, dass bei niedrigen Winden das Wasser von dem grössten Theile der Bank abläuft und Milliarden von Weichthieren und Kerfen aller Art auf und in dem nassen Sande zurücklässt, so ist leicht ersicht- lieh, dass der, Bock nicht allein einen günstigen Brutort für Strand- und Seevögel, sondern auch besonders eine vorzügliche Sta- tion für die nordischen Wanderer abgeben muss. — In letzterer Hinsicht denselben kennen zu lernen war der Zweck einer Exeur- sion, die ich mit meinem Freunde Reichenow am 12. September ‚vor. J. dahin machte, nachdem der Besitzer, Herr Baron von Kloot- Trautvetter auf Hohendorf, bereitwilligst seine Erlaubniss dazu er- theilt hatte. Wir konnten selbstverständlich nur diejenigen Wanderer beob- achten, die zur Zeit unserer Anwesenheit durchkamen — und deren Artenzahl war keineswegs die grössere — aber sie boten doch des Notizen über den „Bock“ bei Stralsund. 301 Interessanten genug und liessen uns gern die Entbehrungen ver- gessen, die uns in mehrfacher Hinsicht auferlegt waren. Unsere Aufmerksamkeit erregten zuerst mehrere Schaaren von Tringa alpina, welche, nach Tausenden zählend, die gerade ziemlich wasserfreie Bank weithin bedeckten und äusserst eifrig denn Nahrungserwerb oblagen. Wir konnten an die Vögelchen bis auf wenige Schritte herangehen, während sie ungenirt den nassen Sand weiter durchstöberten. Dabei kam die Schnabelspitze fast gar nicht vom Boden, so dass es aussah, als ob die kleinen Thier- chen auf drei Beinen dahintrippelten. Standen die nächsten end- lich auf, so liessen sie sich doch ein paar Schritte weiter schon wieder nieder; ein Aufstehen des ganzen Schwarmes erfolgte nur auf einen Schuss, der mehr als ein Dutzend zu Boden streckte. Unter diesen Schwärmen hefanden sich einzelne Exemplare von Pelidna subarguata, die uns in Flügen für sich nicht zur Be- obachtung gelangte, während A. v. Homeyer bemerkt (d. Journal, 1870, p. 230), dass er auf Mallorka die Pelidna in einem dicht- gedrängten Schwarme beobachtete. Gleichfalls vereinzelt fand sich unter den 7. a/pina - Flügen Canatusislandicus, der seiner Grösse wegen immer schon auf weite Distanz zu erkennen war. Diese Vögel erwiesen sich fast eben so harmlos wie ihre kleinen Verwandten und leisteten ihnen im Kerfsuchen getreulich Beistand. Für sich sahen wir auch diese Art nicht. Von Squatarola varia mischte sich auch hin und wieder ein Exemplar in die Gesellschaften; stets aber waren dies junge Vögel, während die Alten mit den übrigen Jungen kleine Flüge für sich bildeten. Manchmal sahen wir auch ein altes Männchen von allen übrigen Vögeln abgesondert seiner Nahrung nachgehen. Die Gegenwart eines Kiebitzregenpfeifers machte die Kleinen. so- fort bedeutend scheuer. Aegialitis cantiana trafen wir in einer kleinen Schaar von 5—-6 Individuen an, es waren aber sicher viel mehr da. Die .Vö- gelchen hielten sich stets abgesondert von den Tringa - Flügen; selbst ein einzelner, den Freund Reichenow schoss, hatte sich ab- gesondert aufgehalten. Für Calidris arenaria scheint die Oertlichkeit nicht pas- send zu sein; der Vogel zieht die vor den Dünen liegenden weis- sen Sandflächen der Insel Zingst selbst vor. Hier habe ich ihn 302 Wilhelm Lühder: am 29. October vor. J. mit Herrn L. Holtz zusammen in ziem- l icher Anzahl angetroffen. Telmatias gallinago fanden wir in geringer Zahl an den) Wasserrillen, welche das Innere der Werder durchzieben. | Numenius arcuatus und phaeopus waren in grosser Menge vorhanden, hielten sich aber weniger in der Nähe der Wer-. der als am äussersten Rande der Bank an der See auf. Bei ihrer immensen Vorsicht und der absoluten Unmöglichkeit für den Schützen, auf der ebenen Sandbank Deckung zu finden, vermochten wir uns ihnen nicht auf Flintenschussweite zu nähern; zumal die sonst wohl bei der Keilhakenjagd zur Anwendung gebrachten Kniffe hier nichts verschlugen. Ihren Uebergang von der Nordseite der Bank zur Südseite und umgekehrt bewerkstelligten die Vögel sehr vorsichtig in grosser Höhe. Limosa rufa fand sich bald bei dem Kleingewimmel als ver- einzelter Gast, bald schlug sie sich zu den Numenius oder bildete auch kleine Gesellschaften — bis ein Dutzend Stück — für sich, wie wir mehrere solche beobachten konnten. Die Pfuhlschnepfe war durchaus nicht scheu, so dass man sich ihr ohne Mühe frei herangehend schussrecht nähern konnte. Eine Ausnahme machte natürlich der Fall, wo sie sich unter der Obhut der Numenius befand. | Von Haematopus ostralegus vermochten wir auf dem Bock nur einen Flügel zu entdecken, der nach Aussage des Hir- ten einem vor mehreren Tagen auf dem ersten Werder durch einen : Falken geschlagenen und verzehrten Vogel angehört hatte. Auf dem Zingst aber sah ich, gelegentlich der schon oben erwähnten Excursion mit Herrn Holtz, auf einer kleinen von der Brandung umspülten Sandbank eine Schaar dieser Vögel, die ihre Flugrich- tung nach dem Bock nahm, so dass es wohl nur Zufall war, dass wir im September keine Austernfischer antrafen. Ardea cinerea zeigte sich in den Morgenstunden an den tiefen Wasserrillen des ersten Werders in einigen Exemplaren, die wahrscheinlich einer nach Aussage des Herrn Holtz in der Nähe von Barth befindlichen Colonie angehörten. Bekanntlich macht ja der Reiher von seinem Nistorte aus ziemlich weite Touren; so sehen wir bei Greifswald und noch weit westlich davon Reiher fischen, die unbedingt in der Warsiner Colonie — 3 Meilen östlich von Greifswald — zu Hause sind. Ein höchst interessantes Bild gewährte das Verhalten des Notizen über den „Bock“ bei Stralsund. 303 Kranichs, @rus einerea. Der Bock ist der Schlafplatz aller Vögel dieser Art, die auf dem Festlande in 2—3 Meilen Entfer- ' nung weiden. Gegen Sonnenuntergang kamen sie in langen Reihen _ und grossen ungeordneten Haufen über die Grabow gezogen und _ steuerten dem Nord- oder Nordostrande der Bank zu, wo sie in dem seichten Wasser hart an der See die Nacht zubrachten. Schon "aus weiter Ferne kündigten sie ihr Kommen durch ihre Trompeten- töne an und setzten den Gesang auch an dem Schlafplatze noch bis in die Nacht hinein fort. In langer, langer Linie waren die stolzen Vögel wie ein Regiment Soldaten in dem gelb erscheinen- den Wasser der Bank aufmarschirt, im Rücken die weissschäumen- den Brandungswogen der dunklen See; das ganze Bild von den Strahlen der scheidenden Sonne in einen goldigen Schimmer ge- kleidet — es war ein köstlicher Anblick! Morgens bereits lange vor Sonnenaufgang brachen die Vögel in grösseren oder kleineren Trupps unter fortwährendem Trompeten auf und wandten sich dem Festlaude zu. Am 13. September Morgens, wo ein starker West- sturm wehte, liess sich eine Heerde von etwa 200 Stück in der Nähe des Häuschens auf dem ersten Werder nieder; ihnen mochte die Fluganstrengung doch wohl etwas zu stark gewesen sein. Aller- dings wehte der Sturm auch so heftig, dass wir kaum auf den Beinen stehen konnten und die während des Vormittags geschos- senen Vögel so schnell weggerollt wurden, dass wir sie laufend einholen mussten. Für eine Nacht hatten wir einen hübschen Schlachtplan gegen die Kraniche entworfen: der Sohn des Hirten, der gegenwärtig war, sollte in weitem Bogen die Vögel umgehen und sie von der See her uns zutreiben; ein starker Wind begünstigte das Unter- nehmen sehr und wir würden den vollständigsten Erfolg gehabt haben, wenn nicht der Mond sich eine Viertelstunde zu früh hinter dicken Regenwolken versteckt hätte. Die ganze Heerde kam nach einigem Hin- und Herschwenken richtig auf uns zu, und wir, die wir hinter einem Heuhaufen gekauert harrten, hörten die Vögel rings um uns her, oft kaum 20 Schritte weit, trompeten, ohne etwas Anderes als dicke Finsterniss bemerken zu können. Es klingt unglaublich, ist aber Factum, dass wir das Geschrei der aufstehenden Vögel trotz des von uns abstehenden starken Windes auf fast eine halbe Meile hörten. Allerdings hatten auch wohl zweitausend Kehlen an diesem Monstreconcert Theil. Von Mövenarten konnten wir mit Sicherheit Zarus marinus, 304 Wilhelm Lühder: Notizen. eanus und ridibundus nachweisen. War die Bank mit Wasser bedeckt, so schwärmte Alles durcheinander hin und her; trat aber das Wasser zurück, so gingen die Möven mit ihm, so dass sich zuletzt an der See ein grosser weisser Streifen von mehreren Tau- senden von Mövenvögeln bildete, die durch ihr unruhiges Hin- und | Herfliegen und Laufen den Flocken weissen Brandungsschaums von Ferne täuschend ähnlich sahen. ZLarus marinus war in ge- ringerer Anzahl vorhanden und gesellte sich ihren Verwandten nicht gern bei, hielt sich vielmehr abseit und blieb auch bei abge- laufenem Wasser stets auf der Bank zurück. Die Hauptnahrung der Möven schienen die jungen, 2 Zoll langen Pleuronectes jlesus auszumachen, die in wahrhafter Unzahl das flache Wasser bewohnten und beim Freiwerden der Bank in grosser Menge zurückblieben. Wir fanden die im nassen Sande abgedrückten Formen der Fischehen und daneben die Fussspuren der Möven, so dass wir immer im Stande waren, die Art festzu- stellen, die sich des betreffenden Fisches bemächtigt hatte. Der Schlafplatz der Möven lag nicht auf dem Bock, sondern wahrscheinlich auf dem Südhorn von Hiddens-Oie; wenigstens kam die grösste Anzahl Morgens aus östlicher Richtung gezogen. Die grossen Entenschwärme, die das flache Wasser oder, falls dieses abgelaufen, die Seckante besetzten, bestanden. soweit wir beobachten konnten, nur aus wenigen Species. Wir unterschieden Anas boschas, die in vorwiegend grösster Zahl vorhanden war, Anas penelope, querquedula und crecea. Die letztgenannten kleinen Arten fanden sich zu Nacht auch in einzelnen Exemplaren auf den Wasserrillen der Werder ein. Während des ganzen Tages wechselten die Enten — grosse wie kleine — von Nord nach Süd und umgekehrt über. wobei sie die Wasserräume zwischen den Wer- dern zu ihren Strassen wählten. Vulpanser tadorna hielt sich in einigen wenigen Pärchen vorzugsweise am dritten Werder auf, der auch bei beflossener Bank etwas sandiges Vorland nach der Grabow zu hat. Wildgänse standen in einzelnen Exemplaren oder zu 2 und 3 beisammen weit über den Bock verstreut. Sie hatten in der Re- gel kleine Gesellschaften von beiden Numenius um sich versammelt, waren im Ganzen aber nur in geringer Anzahl vertreten. Einem alten Pärchen von Haliaötus albicilla schien die Sanitätspolizei über den Bock übertragen zu sein; sie hielten sich den ganzen Tag über auf der Bank auf, wo sie von einzelnen Dr. Anton Fritsch: Die Vögel Böhmens. 305 angeschwemmten Baumästen herab ihr Terrain beobachteten. Ge- legentlich machten sie auch bedenkliche Bewegungen gegen die zahmen Gänse des Hirten. Das beste Geschäft machten sie nach Aussage des Hirten vor einigen Jahren, wo eine Sturmfluth meh- rere hundert Schafe von Hiddens-Oie weggerafit und auf dem Bock angetrieben hatte. Greifswald, im December 1870. Die Vögel Böhmens. Von Dr. Anton Fritsch in Prag. (Fortsetzung; siehe Mai-Heft S. 161—205.) 1435. Die Schneespornammer. Plectrophanes nı- valis Meyer. (Emberiza nivalis L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 25. Fig. 17, 18. pag. 228. — Erscheint in strengen Wintern in kleinen Schaaren, wo sie sich dann längs der Strassen unter anderen Am- merarten herumtreibt. Ich erhielt ein Exemplar bei Prag im Jän- ner 1850. Hoffmann bei Podebrad im Winter 1869. Dr. Sir bei Jiein im Jänner 1870. 144. Die Grauammer. Emberiza miliaria L. (Cyn- chramus miliarius). Fr. Vög. Eur. Taf. 19. Fig. 21. pag. 230. — Häufig auf nassen Wiesen in den fruchtbaren Gegenden des mitt- leren Böhmens. Fehlt auffallender Weise der Gegend von Frauen- berg gänzlich, so dass die Exemplare des dortigen Museums aus der Gegend von Laun angeschafft werden mussten. | Es scheint, dass diese Ammer erst jetzt von Jahr zu Jahr häufiger wird, denn sie ist dem Landvolke fremd und dasselbe hat wirklich keinen besondern Namen dafür. Der von Pressl einge- führte Name Propaska scheint aus einer anderen slavischen Sprache entnommen zu sein, aber bei Balbin steht: „Pistek vel Strnad vetsi“ und damit mag diese Art gemeint sein. Die deutschen Jä- ser nennen diese Ammer irrthümlich Hortolan. Im Winter bringt man diese Art unter anderen Ammern auf den Prager Markt. Herr Hromadko in Pardubic besitzt ein Albino. 145. Die Rohrammer Emberiza schoeniclus. (Em- beriza arundinacea Gm.) Fr. Vög. Eur. Taf. 20. Fig. 2, 5, 12. pag. 231. — An den Rändern grösserer Teiche, die mit Rohr und Ge- büsch bewachsen sind, kommt die Rohrammer häufig vor; so in der Gegend von Pardubic, Frauenberg u. s. w. Sie kommt Anfangs Cab. Journ. f. Ornith, XIX. Jahrg. No, 112. Juli 1871. 20 306 Dr. Anton Fritsch: April und zieht erst im December fort, überwintert aber auch zu- weilen bei uns. 146. Die Gartenammer (Ortolan). Emberiza hor- tulana, L.. Fr. Vög. Eur. Tat. 17.. Pie. 1, 2 paczsaı Kennzeichen: Schnabel und Füsse fleischfarbig; die Kehle, ein Streif um’s Auge strohgelb. Brust und Seiten gelblich rostfarben. Gegenwärtig häufig in dem Elbethale zwischen Melnik und Leitmeritz und im Egerthale bis nach Kaaden, auf den mit Obst- bäumen bepflanzten Hügeln in Hopfengärten, Weingärten u. s. w. Sie kommt jetzt in Gegenden des mittleren Böhmens z. B. bei Schlan vor, wo sie vor 20 Jahren gewiss nicht vorkam. (Näheres darüber in meinem Artikel: Ueber die Verbreitung des Ortolan in Böhmen. Journal für Ornithologie 1871. 1. Heft pag. 31.) Sonst kommt die Gartenammer nur sehr einzeln im übrigen Böhmen vor: Hohenelbe 1833 ein Exemplar als grosse Seltenheit von Kablik angeführt; bei Eger 1843 und bei Falkenau von Pal- liardi als einzelne Erscheinung erwähnt. Im Museum zu Frauen- berg fand ich ein bei Wohrad geschossenes Exemplar, das Niemand kannte! Zimmermann beobachtete diese Ammer bei Bensen brü- tend. Südlich von Schlan in der Umgegend von Prag, sowie bei Turnau, Jiein, Podebrad u. s. w. fehlt bisher diese Art sicher, wie ich mich auf wiederholten im Juni und Juli unternommenen Ex- cursionen überzeugte. Die Landbewohner und selbst die Jäger kennen den Vogel nicht und hatten keinen böhmischen Namen für denselben. Auch Balbin führt nichts an, was auf diese Art bezogen werden könnte. Alles das deutet darauf hin, dass er erst in neuerer Zeit bei uns häufiger wurde. Im Winter zieht die Gartenammer nach Süden, und es wäre interessant über deren Ankunft und den Wegzug in Böhmen Nähe- res zu erfahren. Der Gesang, nach dem man den Vogel erkennt, besteht aus vier gleich hohen tri tri tri tri und einem niedrigeren traurig klingenden gezogenen träää. 147. Die Zipammer. Emberiza cia L. (Emberiza bar- bata ‚.‚Scop.). Fr. Vög. Eur. Taf_20, Fie.18. Tar. 25 rede pag. 233. — Palliardi führt an, dass Herr Häring diese Ammer öfters auf dem Frühlingszuge beobachtete, und behauptet, dass sie sogar in Böhmen brütet. Obzwar ich zweifle, dass dieser dem Sü- den von Europa gehörige Vogel in Böhmen regelmässig erscheine, so will ich doch seine Kennzeichen anführen, damit man auf Die Vögel Böhmens. 307 _ ihn aufmerksam wird: Hauptfarbe roströthlich; Kehle hell asch- grau oder weissgrau, die kleinen Flügeldeckfedern hellaschgrau gekantet. | Hält sich gerne in felsigen Gegenden in der Nähe von Quel- len auf. -148. Die Zaunammer. Emberiza cirlus L. Fr. Vög. Eur. Taf. 17. Fig. 3, 4. pag. 234.— Ein sehr seltener, aus dem Süden Europas kommender Gast, den Herr Woboril bei Klecan unweit Prag aus einer Schaar gewöhnlicher Ammerlinge heraus- schoss. Auch das Exemplar unseres Museums soll in Böhmen er- legt worden sein. Da der Vogel leicht übersehen werden kann, will ich seine Kennzeichen anführen. Kopf, Hals undalle unteren Theile sindim Grunde hellgelb; der Bürzel schmutzig olivengrün. 149. Die Goldammer. Emberiza eitrinella L. Fr. Vög. Eur. Taf. 17. Fig. 7. — Einer der häufigsten Vögel Böhmens, der überall vorkommt mit Ausnahme des Hochwaldes. Im Winter sammeln sich die Ammerlinge auf den Strassen und kommen bei grossem Nahrungsmangel oft bis in die Stadt Prag (z. B. auf den Oberen Rossmarkt), aber in den letzten Jahren haben sie sich etwas von der Stadt zurückgezogen und verschwanden selbst aus der nächsten Umgebung. 150. Die Fichtenammer. Emberiza pityornis. Fr. Vög. Eur. Taf. 20. Fig. 7, 15. pag. 236. — Soll nach Gloger in Böhmen beobachtet worden sein. Sie gehört dem südöstlichen Europa an und wurde schon öfters in Ungarn und Oberösterreich angetroffen. Tschusi fand sie vor einiger Zeit auf dem Wiener Vogelmarkt lebend. Da sie leicht mit der jungen Rohrammer ver- wechselt werden kann, will ich ihre Kennzeichen anführen: Mitte des Scheitels, Wange und Gurgel weisslich, erstere beide mit schwärzlicher Einfassung, der Bürzel rostfarbig, am Männchen die Kehle rostroth, am Weibchen weiss, auf der Seite rostbraun gefleckt. 151. Die Kappammer Emberiza melanocephala. _ (Euspiza melanocephala Bp.) Fr. Vög. Eur. Taf. 17. Fig. 6. pag. 239. — Das einzige Exemplar dieser südeuropäischen Ammer, das in Böhmen erlegt worden sein soll, befindet sich in der Kablikischen Sammlung (gegenwärtig am Gymnasium in Jiein) mit der aus- drücklichen Bemerkung „aus dem Budweiser Kreise“. 152. Der Kirschkernbeisser. Coccothraustes vul- garis Br. (Fringila coccothraustes Temm.) Fr. Vög. Eur. Taf. 27. 20 * 308 Dr. Anton Fritsch: Fig. 8. p. 240.— Kommt das ganze Jahr hindurch in Gärten und Parkanlagen, aber nicht sehr häufig vor. Im Winter trifft man ihn längs der Strassenalleen auf den Vogelbeerbäumen. | 153. Der Buchfink. Fringilla coelebs L. Fr. Vög. Eur. Taf. 26. Fig. 10, 11. pag. 241. — Einer der häufigsten Vögel in Gärten, an Baumalleen, in Parkanlagen und Wäldern. In den Gebirgsstädten, wie z. B. in Karlsbad, ersetzt der Buchfink den dort fast ganz fehlenden Sperling. In Prag nisten zahlreiche Paare in den grösseren Gärten. 154. Der Bergfink, Fringilla montifringilla L. Fr. Vög. Eur. Taf. 25. Fig. 13, 14. pag. 242. — Erscheint im Win- ter auf dem Zuge in grossen Schaaren und wird in Unzahl auf dem Vogelherde gefangen. Man vermuthet, dass einzelne Paare auch bei uns brüten. Fierlinger beobachtete ihn 1841 schon im Monate Juli, und auch Häring giebt an, ihn schon im Sommer in Böhmen beobachtet zu haben. Sonst nistet er blos in Norwegen, Lapp- land u. S. w. ı 155. Der Haussperling. Passer domesticus By. (Fringilla domestica L.) (Pyrgita domestica Cuv.) Fr, Vög. Eur. Taf. 20. Fig. 16. Taf. 24. Fig. 17. pag. 243. — Häufig in Dörfern und Städten. Die neueren Untersuchungen über die Frage, ob . der Sperling schädlich oder nützlich sei, wurden mit grosser Em- . sigkeit geführt und die Körner im Kropfe der Sperlinge gezählt, um den Schaden sicherzustellen, und die Häute der Raupen, um den Nutzen abschätzen zu können. Das Resultat war kein befriedigen- des, denn es lautete: „Der Sperling sei nicht ganz zu vertilgen, doch sei seine Zahl auf eine mässige zu beschränken.“ 156. Der Feldsperling. Passer montanus Aldrov. (Fringila montana L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 20. Fig. 13. pag. 245. — Hält sich mehr in Gärten, Strassenalleen und auf Waldrändern; ist nicht so häufig, wie der vorige. Herr Hromadko in Pardubie besitzt 2 Albinos dieser Art. 157. Der Grünling. Fringilla chloris Temm. (Chlo- rospiza chloris Bp.) Fr. Vög. Eur. Taf. 17. Fig. 12. pag. 247. — Häufig in Gärten und in Baumalleen; im Winter ziehen sie haufen- weise mit Finken und Bergfinken und werden mit ihnen zugleich auch viel am Vogelherde gefangen. 158. Der Zeisig. Fringilla spinus L. (Chrysomitris spinus Boie.) Fr. Vög. Eur. Taf. 17. Fig. 10, 11. pag. 248. — Brü- tet in Nadelwäldern und bei Prag selbst im Zavistthal.e. Im Winter Die Vögel Böhmens. 809 zieht er in grossen Schaaren und wird massenhaft Beute der Vo- gelsteller. Er ist ein beliebter Stubenvogel, welcher durch seinen Hleissigen Gesang auch die anderen Stubenvögel aufmuntert. 159. Der Stieglitz. Fringilla carduelis L. (Carduelis elegans Steph.) Fr. Vög. Eur. Taf. 25. Fig.7. pag. 250. — Häufig ' an kahlen mit Disteln bewachsenen Stellen. Auf den reifen Disteln wird er im Herbste vermittelst mit Vogelleim angestrichener Schweinsborsten gefangen, um als Stubenvogel zu dienen und mit Canarienvögeln Bastarde zu erzeugen. 160. Der Girlitz. Fringilla serinus L. (Serinus fla- vescens Gould.) Fr. Vög. Eur. Taf. 17. Fig. 9. pag. 251. War vor Jahren in Böhmen selten und wenig gekannt. In der Kablikischen Sammlung ist er seit dem Jahre 1845 mit der Bemerkung „selten“. Bei Prag erhielt ich ein einziges Exemplar im Jahre 1849 und H. Lokaj zwei von Vysocan; er ist auch bisher in der Umgegend der Hauptstadt nicht anzutreffen. Bei Bensen im nördlichen Böhmen erschien er vor 20 Jahren, bei Budweis vor 15 Jahren. Gegenwär- tig ist er im grössten Theile der östlichen Hälfte von Böhmen ganz gemein, bei Turnau, Jiein, Frauenberg, Königgrätz, Chotebor u. s. w. Auch im Riesengebirge wird er von Jahr zu Jahr häufiger und brütet gegenwärtig an manchen Stellen, wo ihn im Jahre 1865 A. v. Homeyer noch nicht antraf. Das Landvolk behauptet übereinstim- mend, dass dieser kleine Vogel erst vor 15 bis 20 Jahren häufig wurde, und schreibt diesen Umstand der Verbreitung des Raps- baues zu. Sie nennen ihn „Semenacek“. 161. Der Gimpel. Fyrrhula vulgaris Pall. (Lozia pyrrhula L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 22. Fig.1, 2. pag. 253. — Brütet in unseren Gebirgswaldungen und zieht im Winter im Lande herum. Ausser den einheimischen Gimpeln pflegen auch Zugvögel aus nordischen Gegenden einzutrefien, welche viel stärker und zu- weilen am Hinterhalse hinter der schwarzen Kopfkappe noch etwas roth gefärbt sind. Es kommen schwarze Varietäten vor, die aber oft erst in der Gefangenschaft entstehen. In einer Privatsammlung sah ich einen ganz schwarzen Gimpel mit weisser Kopfplatte In manchen Gegenden befassen sich die Bewohner damit, die jungen Gimpel verschiedene Lieder pfeifen zu lehren. 162. Der Fichtengimpel. Corythus enucleator Cuv. (Loxia enucleator L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 19. Fig. 13. Taf. 22. Fig. 14. pag. 254. — Erscheint als Seltenheit im Winter bei uns. Am 8. December 1845 erhielt Kablik 3 alte Männchen bei Hohenelbe; 310 Dr. Anton Fritsch: im Jahre 1846 waren diese schönen Gimpel bei Hohenelbe bereits. im September und October sehr häufig. Nach Palliardi sollen sie auch im Jahre 1847 in Menge am Fusse des Riesengebirges ge- schossen worden sein. Herr Lokaj fand einmal ein Exemplar auf | dem Prager Vogelmarkte unter Kreuzschnäbeln. BR 163. Der Kieferkreuzschnabel. Loxia pityopsit-. tacus Bechst. (Curvirostra pinetorum Meyer.) Fr. Vög. Eur. Taf. 19. Fig. 10. Taf. 22. Fig. 9. pag. 255. — Erscheint immer nach Ab- lauf einiger Jahre, aber dann ziemlich häufig. So traf ich sie im October 1849 in grosser Anzahl am Vogelmarkte zu Prag. 164. Der Fichtenkreuzschnabel. Loxia curviro- stra L. (Crucirostra abietum Meyer.) Fr. Vög. Eur. Taf. 22. Fig. 8. pag. 256. — Hält sich das ganze Jahr in unseren Gebirgs- wäldern auf, wo sie im Sommer (Juni, Juli) in grosser Anzahl auf Leimruthen, unter denen ein Lockvogel verborgen ist, gefangen | werden. In den langgezogenen Weberdörfern des nördlichen Böhmen sah ich fast bei jedem Hause einen solchen kleinen Vogelherd, dem |} der bei seinem Stuhle arbeitende Weber auflauerte. (Abergläubische Leute hängen den Käfig mit diesem: Vogel oberhalb der Krankenlager, damit er die Krankheit an sich zieht.) 165. Der weissbindige Kreuzschnabel. Loxia bi- fasciata. (Loxia taenioptera Gloger.) Fr. Vög. Eur. Taf. 19. Fig. 11. Taf. 22. Fig. 7.— Dieser dem Norden von Amerika angehörige und namentlich an der Hudsonsbai häufige Vogel erschien bereits wie- derholt im nordwestlichen Böhmen. 1841 wurden einige Exem- plare bei Eger und im März 1845 mehrere bei Grasslitz gefangen und kamen aus der Feldeggischen Sammlung in die unseres Muse- ums. Palliardi erhielt sie auch in dem letzterwähnten Jahre lebend von Wildstein. 166. Der Schneefink. Montifringilla nivalıs Brehm. (Fringila nivals L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 24. Fig. 13. pag. 260. — Nur mit grossem Zweifel führe ich diesen Alpenbewohner unter den böhmischen Vögeln auf. Fierlinger giebt an, dass er bei Hohenelbe in strengen Wintern vorkomme. Palliardi theilt mit, dass der Schneefink nach Forstmeister Lusek bei Diedova und Pla- nan auf der Herrschaft Richenburg im Chrudimer Kreise alljähr- lich auf dem Durchzuge wahrscheinlich unter Bergfinken vor- ‚komme. In beiden Fällen vermuthe ich eine Verwechslung mit der Schneeammer. Die Exemplare des Frauenberger Museums stammen aus Steiermark. Die Vögel Böhmens. 311 167. Der gemeine Hänfling. Fringilla cannabina = Br. (Einoia cannabina Bp.). Fr. Vög. Eur. Taf. 26. Fig. 17. 18. page. 260. — Ziemlich häufig an Waldrändern, in Weingärten, Feld- hölzern und Obstgärten. Besonders fand ich den Hänfling häufig in der Gegend von Schlan und Laun, wo ich ihn auch öfters in Steinbrüchen antraf und mich an seinem schönen Gesang er- götzte. 168. Der Berghänfling. Fringilla montium Gm. (Einota montium Bp.) Fr. Vög. Eur. Taf. 26. Fig. 19. pag. 262. — Kommt als Seltenheit im Winter sparsam nach Böhmen. Er ist nach dem gelben Schnabel und nach dem bei dem Männchen kar- minroth angeflogenen Bürzel zu erkennen. Ich fand ihn einigemal am Vogelmarkte und Palliardi bei Franzensbad. 169. Der Flachsfink. Fringilla linaria Temm. (Acan- this linaria Bp.) Fr. Vög. Eur. Taf. 26. Fig. 15, 16. pag. 262. — Kommt in manchen Jahren im Herbste in grossen Schaaren aus dem Norden gezogen und kehrt erst im März dorthin zu- rück. Es kommen beide Formen, sowohl die kleinere, röth- lichere (rufescens), als auch die grössere mehr graue (linaria), bei uns vor. Fünfte Ordnung. Tauben. 170. Die Hohltaube Columba oenas L. (Palumbaena oenas Bp.) Fr. Vög. Eur. Taf. 29. Fig. 4. pag. 267. — Häufig in Waldungen, welche viele hohle Laubholzbäume haben. Sie fehlt daher der nächsten Umgebung der Stadt Prag, und wird auch unter den böhmischen Wildtauben am seltensten auf den Prager Vogelmarkt gebracht. 171. Die Ringeltaube. Columba palumbus L. (Co- lumba torguata Penn.) Fr. Vög. Eur. Taf. 29. Fig. 3. pag. 268. — Bewohnt grosse Fichten- und Tannenwälder, sowie auch Laubholz- wälder, die grosse starke Bäume haben. Sie kommt bei uns Ende März an und legt ihr Nest nicht in hohle Bäume, sondern auf starke Aeste. Sie wird öfter als die vorige Art auf den Prager Vogelmarkt gebracht. Im Herbste sammeln sich die Ringeltauben zu kleinen Schaaren und ziehen im October nach dem Süden. Unsere Haustaube stammt von keiner der bei uns einheimischen Wildtauben, sondern von der im südlichen Europa häufigen Feld- taube (Columba livia Briss.), von der man bei uns halbverwilderte . Exemplare, mit weissem Bürzel und 2 schwarzen Streifen über dem 312 Dr. Anton Fritsch: srauen Flügel, sowohl in Städten, als auch auf dem Lande, auf schroffen Feldpartien antriftt. | 172. Die Turteltaube Turtur auritus Ray. (Co- lumba turtur L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 29. Fig. 1. pag. 271. — Die häufigste unserer Wildtauben, welche in ganz Böhmen und selbst | in der Nähe der Hauptstadt vorkommt. Sie hält sich in gemisch- ten Waldungen, die an Felder und Wiesen grenzen, auf. Siekommt in der Mitte Aprils paarweise oder einzeln an und zieht im Sep- tember in Gesellschaften von 8—12 Stück wieder fort. Die bei uns so beliebte zahme Lachtaube (Columba risoria) ist in Asien und Afrika zu Hause. Sechste Ordnung. Hühner. 173. Das Fausthuhn. Syrrhaptes paradosus Gr. (Tetrao paradoxus Pall.) Fr. Vög. Eur. Taf. 32. Fig. 12. pag. 276. — In den Jahren 1859-1864 machte das Erscheinen des kirgisi- schen Fausthuhns grosses Aufsehen unter den Ornithologen. Aus bisher unbekannten Ursachen verliessen diese Vögel ihr Vaterland und erschienen in mehreren hundert Exemplaren im nördlichen Europa. Auch in Böhmen wurden zu dieser Zeit meh- rere erlegt, und zwar das erste Exemplar bei Dobris, von wo es vom Forstmeister Fiskali nach Prag zum Ausstopfen geschickt wurde. Bald darauf wurde ein Männchen vor einem Thore Prags gefunden, das sich an den Telegraphendrähten erschlagen hatte und sich jetzt im Museum zu Prag befindet. Im südlichen Böh- men wurde ein Exemplar an dem sandigen Rande eines Teiches im Vytejicer Revier auf der Herrschaft Libejic erlegt und befindet sich im Museum zu Frauenberg. Nach Mittheilungen des Dr. Schier wurden auch 2 Paar bei Chlumee erlegt. Näheres über diese in- teressante ornithologische Erscheinung veröffentlichte ieh im Jour- nal für Ornithologie, 1863 pag. 295, und in der Zeitschrift Ziva, 1864 pag. 264. 174. Das Haselhuhn. Bonasia sylvestris Brehm. (TZetrao bonasia L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 31. Fig. 1, 2. pag. 280. — Ist über die Waldungen von ganz Böhmen verbreitet, wird aber von Jahr zu Jahr seltener. So waren z. B. die Haselhühner noch vor 10 Jahren häufig im Ponesicer Revier bei Frauenberg, von wo sie gegenwärtig ganz verschwunden sind. Im Böhmerwalde sind sie noch häufig. Von Roketnik am Fusse des Riesengebirges steigen sie im Winter bis in die Gegend von Jicin herab. Bei Weisswasser sollen Die Vögel Böhmens. 313 sie im Revier Klobocka häufig sein. Südlich von Prag trifft man sie zuerst bei Dobrichovic, wo ich vor einigen Jahren selbst einige erlegte. Die Schusslisten von ganz Böhmen weisen im Jahre 1867 blos 854 Stück, im Jahre 1863 nur 556 Stück auf. Es ist interessant zu vernehmen, dass Versuche zur Acclima- tisation von Steinhühnern (Perdix rubra) bereits im Jahre 1863 auf der Herrschaft Frauenberg gemacht wurden. Vor etwa 10 Jahren wurden ähnliche Versuche vom Fürsten Fürstenberg in den Pürglitzer Waldungen angestellt, führten aber zu keinem günstigen Resultate, da diese südlichen Hühner unsern strengen Winter nicht vertragen konnten. 175. Das Auerhuhn. Teirao urogallus. (Urogallus major Br.) Fr. Vög. Eur. Taf. 36. Fig. 3, 4. pag. 238. — Ist häufig in den erossen Gebirgswaldungen und kommt bei Prag schon in den Waldungen bei Dobrichovie vor. Im südlichen Böhmen balzen die Auerhähne der tiefer gelegenen Waldungen um viele Wochen früher, als die der höchst gelegenen. Im Jahre 1857 wurden in ganz Böhmen 469 Stück erlegt, im Jahre 1864 363 Stück. (Fortsetzung folgt.) Dentarhe urnilhulagische Graellschnft zu Berlin. Protokoll der XXXV. Monats-Sitzung. Verhandelt Berlin, Montag den 5. Juni 1871, Abends 7, Uhr,im Restaurant „Schlossbrauerei“, Unter den Linden Nr. 8. Anwesend die Herren: Bau, Cabanis, Freese, Brehm, Mieth, Golz, Bolle und Russ. Vorsitzender: Herr Golz. Protokollf.: Hr. Bau. Der Vorsitzende theilt einen Brief des zur Zeit noch bei dem Heere in Frankreich befindlichen Mitgliedes, des Herrn Rei- chenow mit. Der Brief ist aus Compiegne vom 23. Mai datirt und enthält die folgenden ornithologischen Notizen: „Die schönen Waldungen hier in der Umgegend von Com- piegne haben mir: bisher nur wenig Bemerkenswerthes geboten. Sie sind verhältnissmässig arm an befiederten Bewohnern. Besonders sind Höhlenbrüter wegen Mangels der nöthigen Nistlöcher sehr wenig vertreten. Das Fehlen von Raubvögeln erklärt wohl 314 Deutsche ornithologische Gesellschaft: eine sehr starke Nachstellung derselben von Seiten der Forstbeam- ten, der gehegten Fasane wegen. In grosser Menge dagegen sind die drei Taubenarten C. palumbus, oenas und turtur vorhanden. Von Krähen habe ich als Standvögel auch hier, wie bei Paris, nur die Saatkrähe (C. frugilegus) gesehen. Bei Paris beobach- tete ich im Winter während der Belagerung einige Male kleine, herumstreichende Gesellschaften der Nebelkrähe (C. corniz); die Rabenkrähe (C. corone) sah ich nie. In der Umgegend des be- rübmten Schlosses Pierrefonds fand ich beim Durchstreifen einer mit Erlen bewachsenen, sumpfigen Waldparcelle ein Nest der Amsel (Merwa vulgaris) auf der Erde. Meines Wissens ist eine derartige Nistweise genannten Vogels noch nicht beobachtet. Die Amsel war dicht vor mir aufgeflogen und wandte, um mich zu täuschen, die gewöhnlichen Verstellungskünste an. Wirklich liess ich mich irre führen und folgte dem anscheinend fluglahmen Vogel, bis sein plötzliches Auffliegen mich eines andern belehrte.. Ein noch nicht flügges Junge vermuthend, kehrte ich zu der Stelle zu- rück, wo ich das Thier aufgejagt, und fand hier frei auf oder viel- mehr in der Erde, am Fuss eines Erlenbaumes, das Nest, welches im Uebrigen die gewöhnliche Bauart zeigte. Es enthielt drei frische Eier. Da ich nicht versäumt, die nöthigen Instrumente in den „Dachs“ zu packen, bin ich im Stande, die Maasse der Eier noch beizufügen, welche in den Dimensionen von solchen unserer Gegend etwas abweichen. Länge: 28 Mm.; Breite: 21,5 Mm. Alle drei gleich. Anton Reichenow. Herr Bolle knüpft hieran folgende Bemerkung. Er habe im Süden Europas die Amselnester immer in einer Höhe von 20—80' gefunden, da die Amseln dort treffliche Brutplätze in dem häufig die Bäume berankenden Epheu fänden. Im nördlichen Europa jedoch habe er die Nester gewöhnlich 1—4’ hoch gefunden, da den Amseln der Epheu hier gänzlich fehlt. Ferner erwähnt Herr Bolle, dass er Bastarde vom Loxia butyracea, mit Canarienvögeln gepaart, gezüchtet habe. Der Secretär berichtet über die folgenden beiden Gesell- schaftsschriften: 1. Erinnerungsschrift an die Versammlung der deutschen Ornithologen in Görlitz im Mai 1870, von E. F. von Homeyer. Nebst vier Anlagen: A. Das Hoch- gebirge Scandinaviens und seine Vögel. Vortrag von Dr. Brehm. B. Sibirische Vögel, von Dr. Cabanis. C. Portugiesische Vögel, Protokoll der XXXV. Monats-Sitzung. 315 von E. F. von Homeyer. D. Der Tannenhäher, Corvus caryo- catactes, von Dr. Wiedemann in Triest. Stolp 1871, bei C. Schrader. Preis 12 Sgr. — Die Frühjahrsversammlung in Görlitz im Mai 1870 wurde von unserer Gesellschaft nur versuchsweise und als eine ausserordent- liche berufen. Es konnte daher von einem speciellen Berichte über dieselbe im Journal um so mehr Abstand genommen werden, als auf der Versammlung, welche von 46 Theilnehmern besucht wurde, der lebhafte Wunsch mehrseitig sich geltend machte, das Andenken an die in jeder Beziehung so angenehmen Tage von Görlitz durch eine eigene ausführliche Erinnerungsschrift gefeiert zu sehen. Herr E. F. von Homeyer hat sich der Herausgabe unterzogen, und wird die Beschaffung der Schrift, als Supplement zum Jour- nal, allen Mitgliedern unserer Gesellschaft angelegentlich empfoh- len, um so mehr, als der Raum des Journals selbst ein specielles Eingehen auf die ausführlichen Protokolle und den mannichfachen ornithologischen Inhalt hier nicht gestattet. *) 2. Bericht über die XVIIL Versammlung der deutschen Ornithologen-Gesellschaft zu Hannover und Hildesheim 8.—10. Juni 1870. Herausgegeben vom Vorsitzenden der Gesellschaft Ferd. Baron Droste. Münster. Gedruckt (in diesem Jahr) bei E. ©. Brunn. Der Bericht der Ornithologen-Gesellschaft, welche, zum Unter- schiede von der unsrigen, neuerdings „die alte“ genannt zu werden pflegt, bringt ausser den Protokollen noch 8, zum Theil ausführ- lichere ornithologische Anlagen. Als besonders wichtig und erfreu- lich hebt Referent aus den Protokollen den Antrag zum Zweck einer Vereinigung mit unserer Gesellschaft hervor und den Be- schluss, „die nächste Versammlung in Berlin abzuhalten und, um eine Einigung zu ermöglichen, womöglich zur selben Zeit, wenn die Berliner Gesellschaft eine Generalversammlung angesetzt hat“. Hieran anknüpfend theilt Herr Brehm einen an ihn gerich- teten Brief des derzeitigen Präsidenten der deutschen Ornithologen- Gesellschaft, Freiherrn von Droste mit, in welchem derselbe dem Wunsche nach einer Vereinigung beider Gesellschaften Ausdruck =) In Kürze mögen hier nur zwei sinnentstellende Druckfehler berich- tigt werden: Seite 9 Zeile 17 v. u. statt Turdus rufus ist zu setzen: Mi- mus polyglottus, und Seite 17 Zeile 10 v. o. ist vor dem Worte „verschieden“ das Wort: nicht einzuschalten. (yanecula coerulecula ist mit der Lin- neschen swecica identisch, nicht aber mit leucocyana. D. Herausg. 316 Deutsche ornithologische Gesellschaft: giebt. Als Bedingung von Seiten, wenn auch nicht im ausdrück- lichen Auftrage, der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft stellt .er das Verlangen, dass sein Verein ohne vorherige Wahl in Bausch und Bogen in den unsrigen übertreten dürfe. Herr Brehm erklärt sich für Ablehnung dieses letzteren Vor- schlags, weil er eine thatsächliche Aufhebung einzelner Paragraphen unserer Statuten nach sich ziehen würde. So gern unser Verein bereit sei, dem andern entgegen zu kommen, müsse doch darauf bestanden werden, dass von neu Eintretenden, gleichviel ob sie einzeln oder in einer grösseren, unter sich bereits verbundenen An- zahl zum Eintritte sich melden, unsere Statuten ausdrücklich an- erkannt werden, um so mehr, als eine Abänderung der letzteren keineswegs ausgeschlossen ist, es vielmehr in dem Belieben der einzelnen Mitglieder steht, solche Abänderungen unter den vor- gesehenen Bedingungen herbeizuführen. Nachdem noch der Vorsitzende die Gewinnung neuer acti- ver Mitglieder als die Hauptsache bezeichnet und Herr Cabanis ‚die Vereinigung beider Gesellschaften nicht nur als willkommen, sondern unter den gegenwärtigen Zeitverhältnissen als selbstver- ständlich bezeichnet hatte, einigte man sich auf Vorschlag des Herrn Brehm dahin, einen unserer Vorstandsmitglieder gewisser- maassen als Obmann zu ernennen, und fiel die einstimmige Wahl auf Herrn Hauptmann Alexander von Homeyer, von welchem man überzeugt ist, dass er das gemeinsame Interesse am unbe- fangensten zu vereinigen wissen wird. Alle weiteren Verhand- lungen in dieser Angelegenheit würden somit, die Bereitwilligkeit Herrn von Homeyer’s vorausgesetzt, mit und durch diesen zu geschehen haben. Herr Cabanis spricht über die Gattung der echten Dom- pfaffen (Pyrrula), welche gegenwärtig 9 Arten zählt, die von Mr. Tristram kürzlich in The Ibis, 1871, p. 232 wie folgt cha- ‘ rakterisirt sind: A. Arten der nördlichen Region. Alle mit schwarzem Kopf a. Mit weissem Bürzel: | Majores. — 1. P. coccinea Selys, Europa. 2. P. Cassini! Baird, Alaska. Minores. — 3. P. rubicilla Pall. (= pyrrhula Lin., vulgaris Temm., europaea Leach.). Ganz Europa, ausgenommen Scandinavien (?) und der äusserste Süden. 4. P. grisewentris Lafr. (= orientalis Temm.), Japan. Protokoll der XXXV. Monats-Sitzung. 17 b. Ohne weissen Bürzel: 5. P. murina Godm., Azoren. B. Bewohner der Himalaya-Region. Kopf nicht schwarz. 6. P.erythrocephala Vig. Im ganzen Himalaya. Männ- chen mit rothem, Weibchen mit gelbem Kopf. | 71. P. aurantiaca Gould. Kaschmir. Kopf und Rücken des Männchen orange. 8. P. erithacus Blyth. Sikhim. Kopf und Rücken aschfarben, Brust lebhaft roth. 9. P. nipalensis Hodgs. Oestlicher Himalaya. Kopf und Rücken aschfarben, Unterseite heller aschfarben. . Hieran anschliessend legt Herr Cabanis zwei specifisch ver- schiedene Pärchen von Dompfaffen vor, welche von Dr. Dybowski südlich vom Baikalsee gesammelt sind und somit das Vorkommen von 2 Arten dieser Gattung auch am Baikalsee, wenn auch nur im Winter und als Zugvögel, constatiren. In anderen Theilen von Sibirien wurden diese 2 Arten (coccines und orientalis), letztere jedoch nur für die Ööstlichsten Striche (Amur), schon von den be- kannten drei russischen Reisenden beobachtet, leider aber mit dem Bestreben abgehandelt, die Identität beider nachzuweisen. Beide Arten vom Baikalsee gehören zu der vorstehenden Abtheilung A. mit weissem Bürzel und repräsentiren entschieden 2 ver- schiedene Species. - Die eine Art stimmt vollkommen mit der grösseren europäl- schen Abart, welche als coceinea Selys gesondert wird. Das Männ- chen hat eine Flügellänge von 3° 5°‘ Par. Maass, das Weibchen 3” 3‘, Beide wurden am 30. Januar 1869 erlegt. Schon Herr von Schrenck hat ganz zutreffend bemerkt, dass Schlegel und Bonaparte bei beiden europäischen Abarten die Maasse irrthümlich um 1 Zoll zu gering angaben. Ueberhaupt sind die Acten über die Species-Dignität der europäischen Dompfafien noch nicht ge- schlossen; ausser der grösseren und kleineren Abart, welche gegen- wärtig in Geltung sind, haben z. B. die Vogelhändler auch solche mit kurzen und mit langen schwarzen Koppen unterschieden u. s. w. Es wäre hier für die specifisch europäischen Ornithologen ein in- teressanter Fall zur kritischen Sichtung und schliesslichen Ent- scheidung. Letztere müsse aber auf ein genügendes Material aus allen Landstrichen des weiten Verbreitungsbezirks basiren und schliesslich nicht etwa dahin führen, „Alles in einen Topf zu wer- 318 Deutsche ornithologische Gesellschaft: fen“, sondern vielmehr mit richtigem Verständniss die natürlichen Gründe der doch einmal vorhandenen Abweichungen klar darzu- legen. Wie oben angegeben, stimmen die sibirischen Exemplare mit der grösseren europäischen Abart und werden sich daher sicher auf die Pyrrhula rubicilla Pallas beziehen, von welcher dieser Autor angiebt, dass sie in ganz Russland und Sibirien vorkomme (daher füglich auch wohl in Scandinavien, dem Vaterlande Linn@s). Im Widerspruche hiermit aber werde öfters die kleinere (westliche) Ab- art als rubicilla Pall. gesondert. Die zweite Art vom Baikalsee ist kleiner als die vorher- sehende, das Männchen, am 27. October 1869 erlegt, hat eine Flügellänge von 3‘ 2°“ Par. Maass, das Weibchen, am 6. März 1870 erlegt, hat 3 1‘ Flügellänge. Beiden fehlt der charakteri- stische rothe Fleck auf der Aussenfahne der kleinsten Armschwinge. Die Vögel können daher nur mit P. griseiventris — orientahs und mit Cassinn Baird in Betracht gezogen werden. Exemplare der japanischen Art liegen leider zur Vergleichung nicht vor, es passen aber die Maasse und die Färbung gut zu den verglichenen Be- schreibungen. Jedoch befindet sich das Männchen in einem ab- weichenden Kleide. Die vollkommen ausgefärbte, schwarze Kappe scheint der Annahme eines Jugendkleides zu widersprechen; den- noch hat der Vogel kein Roth, auch nicht die leiseste Andeutung von dieser Färbung an Wangen und Kehle. Die ganze Unterseite ist gleichmässig aschgrau gefärbt, heller und matter als die schön aschgraue Oberseite, nur der Unterbauch und die unteren Schwanz- decken sind weiss. Bei der japanischen Art soll sich, nach Schle- gel, das Roth des Männchens im Winterkleide auf die Wangen und Kehle beschränken, es fragt sich daher, ob das gänzliche Feh- len des Roth auch an diesen Stellen nicht dennoch lediglich auf ein bisher noch unbekanntes Kleid der japanischen Art zu beziehen sei? Unmöglich wäre freilich nicht, dass P. Cassini, bisher nur nach einem einzigen Exemplare aus dem Russischen Nordamerika bekannt, seine Winterwanderung durch das östliche Asien nähme. Diese Art soll kein Roth an der Unterseite haben, nur die Wangen sollen schwach rosa angeflogen sein. Wollen wir auch die weisse Zeichnung längs des Schaftes einiger Schwanzfedern als zufällige Variation betrachten, da sie in der ganzen Gattung ungewöhnlich ist, so soll Cassinn doch etwas grösser als coccinea sein und als Männchen die Unterseite nicht aschgrau, sondern braun wie das Weibchen von grisewventris haben. Protokoll der XXXV. Monats-Sitzung. 319 Eine weitere neue Art auf das eine Exemplar vom Baikalsee zu begründen, hält der Vortragende für durchaus nicht räthlich, er bedauert jedoch, dass es bisher nicht möglich war, weitere Exem- plare zu erlangen und dadurch die Lösung der Frage vertagt zu sehen, und schliesst mit der Bemerkung, dass Pallas bereits ähnlich gefärbte Vögel in Sibirien an getroffen haben müsse, wie aus fol- sender Note von Pallas hervorgehe: „Feminae in Sibiria saepius totae plumbeo-canescentibus, subtus dilutioris sunt coloris“. — 974. 975. 976. I. 978. 379. I80. 981. 982. 983. Golz. Bau. Cabanis, Secr. Nachrichten. An die Redaction eingegangene Schriften. (Siehe Mai-Heft, Seite 239, 240.) Dr. O0. Finseh. Monographie der Gattung Certhiola. (Aus den Verhandl. d. k. k. zoolog.-botanischen Gesellsch. in Wien, Jahrg. 1871 besonders abgedruckt.) — Vom Verfasser. Bericht über die XVIII. Versammlung der deutschen Ornithologen- Gesellschaft zu Hannover und Hildesheim 8.—10. Juni 1870. Heraus- gegeben vom Vorsitzenden der Gesellschaft Ferd. Baron Droste. Münster bei E. C. Brunn. — Vom Herausgeber. The Ibis. A Quarterly Journal of Ormithology. Edited by Osbert Salvin. Third Series, Vol. I. No. 3. Juli 1871. — Von der British Ornithologists Union. Gottlieb von Koch. Synopsis der Vögel Deutschlands. Kurze Beschreibung aller in Deutschland vorkommenden Arten. Mit 296 Ab- bildungen auf 8 Tafeln. Heidelberg, Carl Winter’s Universitätsbuch- handlung, 1871. — Vom Verfasser. R. Förtsch. Jahresbericht des Vogelschutz - Vereins zu Elbing. (1871.) — Vom Verfasser. W. v. Nathusius. Ueber die Eischalen von Aepyornis, Dinornis, Apiery& und einiger Crypturiden. Mit Tafel XXV. XXVI — Nach- trag zu der Mittheilung über die Schale des Ringelnattereies und die Eischnüre. Mit Tafel XXIV. B. [Abdr. aus d. Zeitschr. f. wissensch. Zoologie, XXI. Bd.] — Vom Verfasser. Dr. L. Buvry. Zeitschrift für Acelimatisation. Organ des Aceli- matisations-Vereins in Berlin. Neue Folge. IX. Jahrg., 1871, No. I. bis VI. — Von der Gesellschaft. Dr. Theodor Holland. Die Wirbelthiere Pomnerns, systematisch geordnet nebst Tabellen zur Bestimmung derselben nach der analy- tischen Methode. Stolp, 1871, bei ©. Schrader. — Vom Verfasser. Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia. January— December 1870. — Von der Academie. J. A. Allen. On the Mammals and Winter Birds of East Florida, with an Examination of certain assumed specific Characters in Birds 320 Nachrichten: Eingegangene Schriften. Anzeigen. and a Sketch of the Birds Faunae of Eastern North America. With Five Plates. [Abdr. aus Bulletin of the Museum of Cömparative Zoo- logy at Harvard College, Cambridge, Mass. Vol. II. No. 3. — Vom Verfasser. 384. Annual Report of the Board of Regents of the Smithsonian Institu- tion, for 1869. Washington, 1871. — Von der Smithson-Institution. Verlags-Anzeigen: Verlag von B. F. Voigt in Weimar. Die Praxis der Naturgeschichte, Ein vollständiges Lehrbuch über das Sammeln lebender und todter Naturkörper; deren Beobachtung, Erhaltung und Pflege im freien und ge- fangenen Zustand; Konservation, Präparation und Aufstellung in Samm- lungen etc. Nach den neuesten. Frfahrungen bearbeitet von Philipp Leopold Martin, 1. Präparator am Königlichen Naturalienkabinet in Stuttgart. In drei Theilen. I. Theil: Taxidermie oder die Lehre vom Konserviren, Präpariren und Naturaliensammeln auf Reisen, Ausstopfen und Aufstellen der Thiere, Naturalienhandel etc. gr. 8. Geh. 1 Thlr. 15 Sgr. Il. Theil: Dermoplastik und Museologie oder das Modelliren der Thiere und das Aufstellen und Erhalten von Na- turallensammlungen. Unter Mitwirkurg von Präparator Bauer, Prof. Dr. Gustav Jäger, Stadtdirektions-Arzt Dr. Steudel und der Thier- und Land- schaftsmaler Paul Meyerheim und Friedrich Specht von Philipp Leopold Martin. Mit 6 lithographirten Tafeln. gr. 8. Geh. 2 Thlr. 7! Ser. Der III. Theil, unter dem Titel: „Naturstudien oder der Umgang mit der lebenden Natur‘‘ befindet sich unter der Presse, Vorräthig in allen Buchhandlungen. 4 Chr. Ludw. Brehm’s Vogelhaus und seine Bewohner oder Pflege und Züchtung der in Käfigen und Volieren zu haltenden ein- heimischen und tropischen Schmuck- und Singvögel. Dritte Auflage, herausgegeben von | Phil. Leop. Martin. Mit 2 litograph. Tafeln. 1872. gr. S. Geh. 1 Thir. 7', Sgr. Vorräthig in allen Buchhandlungen. Druck von G. Pätz in Naumburg als JOURNAL für ORNITHOLOGIE. Neunzehnter Jahrgang. Zur Bildung; des Brustbeins und Schultergürtels der Vögel. - A Von Wilhelm Lühder. Ein „natürliches System“ ist das Dichten und Trachten der Ornithologen. — Bis jetzt ist es noch Keinem gelungen, dies Ziel zu erreichen, wie Viele auch schon an dem Gebäude gearbeitet haben. Ein „natürliches System“ soll eben nicht nach Schnä- beln oder Füssen, oder sonst einem oder einigen Merkmalen zusammengestellt sein, sondern vielmehr alle inneren wie äusseren Kennzeichen nebst der Lebensweise berücksichtigen. Dass eine solche Arbeit für jetzt unmöglich ist, liegt auf der Hand. Es fehlt uns an dem nöthigen Material, und bevor dasselbe in hinreichen- . der Menge beschafft ist, darf an die Ausführung eines derartigen Unternehmens gar nicht gedacht werden. Unsere Hauptaufgabe ist daher vor der Hand, Material zu sammeln, um für die Zukunft zu ermöglichen, was sich in der Gegenwart nicht voll- bringen lässt. Sollte die folgende Abhandlung in ihrer gegenwärtigen Fas- sung im Stande sein, diesem Zwecke zu dienen und zu dem Ge- bäude durch diese oder jene Thatsache einen Baustein zu liefern, so würde es mir zur besonderen Freude gereichen. Die Arbeit war nämlich bereits vor Jahresfrist in grössere Massstabe pro- jectirt, wozu die betrefienden Untersuchungen vorlagen ; unvor- hergesehene Ereignisse jedoch verhinderten die Ausführung, welche gegenwärtig der äusserst knapp bemessenen Zeit wegen nicht mehr nach dem ursprünglichen Plane erfolgen konnte. Aus demselben Grunde musste auch die Beigabe von Tafeln unterbleiban, was ich Cab. Journ. f. Ornith. XIX. Jahrg. No. 113. Septbr, 1971. 21 322 Wilhelm Lühder: um so mehr bedauere, als die betreffenden Abbildungen in den ‚osteologischen etc. Handbüchern nicht selten recht mangelhaft ge- zeichnet sind. | Die Untersuchungen wurden angestellt in den osteologischen Sammlungen zu Greifswald und Berlin, zu welchen mir der Zutritt von den betreffenden Directoren, den Herren Geh. Medizinalräthen Professoren Dr. Budge und Dr. Reichert, bereitwilligst gestattet wurde. Ich fühle mich gedrungen, den genannten Herren hier öffentlich meinen Dank auszusprechen. Die einschlägige, -sehr reiche Literatur wurde in gewissenhafter Weise benutzt, soweit sie mir zu Gebote stand; zu meinem leb- haften Bedauern waren mir aber mehrere ausländische Zeitschriften nicht erreichbar. — Die Fähigkeit der Vögel, anhaltend zu fliegen, beruht in der Entwickelung starker Brust- und Armmuskeln, welche ihrerseits wieder kräftige Stützknochen bedingen. Das Brustbein und der Schultergürtel sind es, die diesem Zwecke dienen, und, um ihm in ausgiebiger Weise dienen zu können, eine theilweise äusserst starke Entwickelung erlangt haben. Wir können am Vogelbrustbein ein vorderes Episternum, ein mittleres Mesosternum und ein hinteres Hyposternum oder Sternum abdominale unterscheiden, von denen aber das Mesosternum (schlechtweg Sternum genannt) der entwickelt- ste Knochen ist, während die anderen knorpelig oder ligamentös auftreten und nur zum Theil ossificiren. Das Sternum trägt auf seiner äusseren Fläche eine mediane Knochenplatte, die Crista sterni, und an seinem Vorderende in gelenkiger Verbindung die ungemein entwickelten Ossa coracoidea, die mit den Scapu- lae und den gewöhnlich zu einer Gabel(Furcula) verwachsenen Claviculae zusammen den Schultergürtel bilden. Die Formen dieser Knochen und ihre äusserst mannigfachen Veränderungen innerhalb der Vogelklasse sollen in dem Nach- stehenden ihre eingehende Behandlung finden. gi Das Brustbein. Die starken Flugmuskeln haben das Sternum der Vögel zu einer im Verhältniss zu den übrigen Vertebraten kolossalen Aus- dehnung entwickelt. Dasselbe deckt nicht allein die Brusthöhle Zur Bildung des Brustbeins und Schultergürtels der Vögel. 323 von vorn und unten vollständig, sondern in vielen Fällen auch noch einen grossen Theil der Bauchhöhle. Rücksichtlich der Stellung des Sternums im Vogelkörper ist zu bemerken, dass dasselbe mit der Medianlinie des Körpers einen nach hinten offenen spitzen Winkel bildet, der mit dem Flugvermögen wächst und abnimmt. Eine Ausnahme bilden allerdings die Struthionidae, indem bei ihnen der Winkel am grössten (circa 60°) und das Flugvermögen Null ist. Die Gestalt des Sternums ist, in rohen Umrissen gegeben, ein Oblongum mit einem Vorderrand (Margo anterior), zwei Seiten- rändern (Margines laterales) und einem Hinterrand (Margo posterior); seine Flächen sind muldenförmig und zwar die äus- sere convex, die innere concav. Der Grad der Concavität der in- neren Fläche ist bedingt durch die Entwickelung der pectoralen Luftsäcke und daher bei guten Fliegern am grössten. Die äussere Fläche trägt bei allen fliegenden Vögeln in ihrer Medianebene eine vertikal aufstehende dreieckige Knochenplatte, die Crista sterni, welche vorzugsweise den Zweck hat, die In- sertionsflläche für die Muskeln zu vergrössern. Zur Erhöhung der Leichtigkeit besteht das Sternum aller fluggewandten Vögel, besonders der Luftschwimmer, aus zwei dün- nen concentrischen Knochenplatten, die, an den vier Rändern ver- wachsen, einen durch feine Knochenbälkchen wohl gestützten Hohf- raum einschliessen, der durch weiter unten zu beschreibende Löcher von den Lungen aus mit Luft gefüllt wird. Durch diese Einrich- tung wird an Knochenmasse und somit an Gewicht sehr viel ge- spart, ohne dass damit der Festigkeit des Ganzen im Geringsten Eintrag gethan wäre. Nähern sich diese Sternalplatten einander, so wird der Luftraum kleiner und kleiner und kann so auf den ver- diekten Margo anterior und die Vorderenden der Mgs. latera- les beschränkt werden, ja sogar, bei völliger Verschmelzung der Platten zu einem massiven Stück, ganz verschwinden. Auf der äusseren Fläche des Sternums finden sich mehrere Grannen, die die Begrenzung der Flugmuskeln abgeben. Vom Coracoidalgelenk geht nach dem Aussenrande des Sternums die Spina coraco-sternalis, die eine Vertiefung des vorderen äusseren Sternaltheils, aus der der Musc. coraco-sternalis ent- springt, nach hinten begrenzt. Sie tritt stark hervor (bei Phala- crocorax jedoch fast gar nicht) und bildet einen flachen, bei den Anatidae kurzen starken Bogen. Eine zweite Granne, die Spina subclavii, zieht von der Mitte des Coracoidalgelenks entweder 21* 324 Wilhelm Lühder: schräg nach der Crista sterni zu, oder läuft dem Margo late“ ralis annähernd parallel und nähert sich der Crista erst an ihrer Verschmelzungsstelle mit dem Corpus sterni. Sie bildet die seit- liche und hintere Grenze des Musc. subela vius, desjenigen Mus- kels, der nach Magnus*) neben der Hebung des Flügels die Funktion hat, den Vogelkörper in der Luft im Gleichgewicht zu erhalten. Bei Vögeln also, die einen dicken Kopf oder langen Hals haben. ohne zugleich in langen Beinen ein Gegengewicht zu besitzen, muss diese Granne besonders stark entwickelt sein, wie wir es auch in der That bei den Alcae, vielen Zamellirostres, Psittacini ete. fin- den. Die dritte Granne, Spina pectoralis, die den Muse. pecto- ralis major et minor nach hinten begrenzt, verläuft vom End- punkte der Crista nach dem Margo lateralis und fällt, falls die Crista bis an’s Endedes Corp. sterni reicht, meist mit dem Margo posterior zusammen. Die innere Seite des Sternums stellt meist eine glatte Fläche dar, die entweder einfach muldenförmig sein (Laptatores, Struthio- nidae, Herodinidae, Procellaridae, Pelecanidae) oder durch einen quer verlaufenden Sattel in zwei Abtheilungen zerfallen kann: eine vor- dere Pars pectoralis und eine hintere Pars ventralis, wovon die erste die Eingeweide der Brust, die zweite einen Theil der Baucheingeweide trägt. Die P.ventralis kann nur angedeutet .oder bis zu einer halben Mulde entwickelt sein (Oscines, Clamatores, Zy- godactylae, Opisthocomus, fast alle Grallatores, Laridae, Podiceps,) oder eine flachere oder tiefere Mulde darstellen, indem das Corp. sterni sich nach hinten wieder erhebt (Columba, Gallinacei, Ral- lidae, Lamellirostres, Colymbus, Alcae). Die Pars pectoralis hat die grösste Tiefe bei denjenigen Vögeln, wo nur sie allein ent- wickelt ist (ausgenommen die Drevipennes). Es ist dies ganz er- - klärlich, weil hierher scharfe Flieger gehören, bei denen die inneren Luftsäcke einen grossen Umfang besitzen, mithin auch der sie deckende Knochen eine starke Wölbung haben muss. In der Regel liegt die tiefste Stelle am Vordertheile oder in der Mitte der Mulde, bei den Zerodinidae aber am Ende derselben. Am flachsten ist die P.pectoralis bei denen, die eine vollständig entwickelte P. ven- tralis haben (bei Columba ist der Pectoraltheil noch einigermassen tief); es sind dies gehende, watschelnde oder schwimmende Vögel, von denen das Flugvermögen nur zeitweilig, von manchen fast gar nicht ausgeübt wird, wohl aber eine gute Stütze der Baucheinge- *) Archiv-f. Anat. u. Physiolog. 1868, p- 682 ff. Zur Bildung des Brustbeins und Schultergürtels der Vögel. 325 weide bei ihrer meist massigen Entwickelung und der horizontalen Haltung des Körpers nothwendig erscheint. Auf die Luftlöcher, welche sich im pectoralen Theil der inneren Sternalfläche finden, werde ich bei Besprechung der Pneumaticität zurückkommen. Das Verhältniss der Länge des Sternums zu seiner Breite ist ein sehr variables.. Grösste Länge mit kleinster Breite gepaart finden wir unter den Grallatores bei Grus cinerea und Psophia ere- piüans, das umgekehrte Verhältniss unter den Natatores bei den Pelecanidae und Procellaridae (Diomedea); beide Dimensionen in starker Entwickelung dürften nur bei den Anatidae und Colymbus anzutreffen sein. Im Allgemeinen kann man sagen: das Sternum ist kurz und breit bei guten Fliegern und Luftschwimmern; lang und schmal bei den watenden und in kurzen Distanzen scharf flie- senden Vögeln, die selten und nicht lange in der Luft schweben; lang und breit bei den Läufern, Schwimmern und Tauchern. Höchst interessante Verschiedenheiten bieten die Ränder des Sternums dar. Zwar schliesslich alle auf einen einheitlichen Grund- plan zurückführbar, weichen sie doch in den verschiedenen Ord- nungen, Familien und Gattungen so mannigfach davon ab, dass es nicht immer ganz leicht ist, denselben in dem so umgebildeten Sternum zu erkennen. Ich will versuchen, in dem Nachstehenden die Veränderungen, denen die Sternalränder nach meinen Unter- suchungen unterworfen sein können, zu entwickeln. a Margo anterior. Der Vorderrand begreift den Theil, der nach vorn und oben gelegen die Verbindung des Sternalkörpers mit dem Schultergürtel- und Episternalapparat vermittelt. Er entsteht durch das Ausein- anderweichen der inneren und äusseren Sternalplatte zu einer Ver- dickung. Auf diese Weise werden zwei Lippen gebildet, eine obere (hintere) und eine untere (vordere), zwischen denen die Rabenbeine artikuliren, Die Oberlippe stellt einen meist stumpfen (oft rechten, selten spitzen) Winkel dar, dessen in der Medianebene liegender Scheitel oft abgerundet erscheint, und dessen Schenkel nach hinten divergiren. Bei der Unterlippe ist der Winkel in der Regel etwas spitzer. Als ein wichtiges Merkmal setzt sich auf den Scheitel des Un- terlippenwinkels ein nach vorn und oben gehender, zum Episternal- apparat gchöriger Fortsatz auf, die Spina sternalis (oder Pro- 326 Wilhelm Lühder: cessus episternalis), der nur selten fehlt (Caprimulgus, Stru- thionidae, Alectorides, Oiconia, Mergus). Die Bildung dieser Spina ist eine mannigfache. Am einfachsten ist sie bei den Vulturini, Falco, Strigidae, Oypselus, Trochilus, Procellaria, Platypus, Podiceps, wo sie entweder ein Knöpfchen oder einen schwachen Stift darstellt; dann durchläuft sie verschiedene Stadien der Entwickelung, indem sie bald stabförmig freistehend ist, wie bei den Eurylaeminae; bald nach unten eine grössere oder kleinere Lamina trägt; bald mittelst dieser Lamina ganz mit dem Vorderrande der Crista verschmilzt. Ihre höchste Entwickelung erhält sie als grosser Schnabel mit aus- gefurchter First bei Aguela und besonders Oolymbus, und als starke vorstehende Gabel bei den Oscines und einigen Olamatores. Bei den Gallinacer. stellt sie eine grosse dreieckige vertikale Platte dar, mit der Basis nach vorn, und ist hier wie bei Merops, wo sie eine Drei- gabel (mit im Dreieck gestellten Spitzen) bildet, noch dadurch in- teressant, dass sie die Gelenkfurche der Rabenbeine überbrückt und sich an den Scheitel der Oberlippe anlegt. Eine ebensolche Ueber- brückung führt die Spina bei sonst schwächerer Entwickelung bei Buceros aus. Ohne eine derartige Brücke zu bilden zieht sie sich auf die Oberlippe hinüber bei Prcus, Cypselus, Vanellus, Totanus, Scolopazx.*) Auf dem Scheitel der Oberlippe findet sich eine freie Spina nur selten, so bei Cueulus, Columba, Falco; sie ist von ge- ringer Entwickelung, bei Columda jedoch grösser als die der Un- terlippe. In der Regel ragt die obere Lippe weiter vor, als die untere; eine wirkliche Gleichheit beider Lippen in der Prominenz habe ich selbst bei Oucwus**) nicht finden können; länger als die obere ist die Unterlippe bei Colymdus.***) Die Furche zwischen beiden Lippen ist zur Gelenkbildung mit Knorpel ausgelegt, ebenso die Unterlippe überknorpelt, weil darauf die Coracoidea mit einer Kante gelenkige Stütze nehmen. Der oben beschriebene Winkel der Unterlippe steht hinsichtlich seiner Grösse im umgekehrten Verhältniss zur Spannweite der Fur- cula, ist also am kleinsten bei den Vögeln mit weiter Auslage der Furcularäste, so bei den Raptatores, Herodinidae, Pelecanidae etc. Am grössten (fast 180°) dürfte dieser Winkel bei Colus sein. ®) Bei Larus, wo Magnus a. a. OÖ. ein solches Verhalten der Spina angiebt, habe ich es nicht gefunden. **) Magnus a. a. O. schreibt Cuculus Gleichheit beider Dee zu. *#+) Ebenda. Zur Bildung des Brustbeins und Schultergürtels der Vögel. 327 b. Margo lateralis Die Seitenränder des Sternums hat Magnus sehr natürlich in drei Abtheilungen zerfällt. Die vordere, von dem Processus late- ralisanterior gebildete, die mittlere rippentragende und die hin- tere, vom letzten Rippengelenk bis zum Ende des Seitenrandes reichende. Der Processus lateralis anterior, welcher mit seinem Vorderrande noch der Oberlippe des Margo anterior angehört, ist in seiner Ausbildung und Richtung vielen Veränderungen unter- worfen. Was zunächst die Ausbildung betrifft, so ist er am schwäch- sten bei den Kaptatores diurni (Falco ausgenommen), Trochtlus, Opisthocomus; mittelmässig und spitz bei den Pszttacini; von an- nähernd derselben Längenentwickelung, aber abgerundet oder abge- stutzt, bei den Alectorides, Columbae, Scolopacidae, Charadriadae, Colymbidae, Aptenodytidae. Die Herodinidae zeigen mit Ausnahme von Grus, wo eine schwächere Ausbildung vorliegt, einen Processus von breiter, unter einem Winkel von 60° zugespitzter Form. Alle Gattungen der Struthiondae haben verschieden gestaltete Fortsätze: Casuarius hat sie kurz und breit mit stumpfer Spitze, während sie bei Szruthio schmaler und länger entwickelt und mit schärferer Spitze versehen sind; ARhea zeigt schmale, ziemlich lange, am Ende scheibenförmig verbreiterte, Apteryx ebensolche Fortsätze mit ein- fach abgerundetem Ende. Die merkwürdigste, sonst nicht weiter vorkommende Bildung haben die Fortsätze bei Dromaeus, wo sie zuerst breit sind, dann schmal und linealisch langfort verlaufen und sich nach innen krümmen. Breit und gerade abgeschnitten bei mit- telmässiger Länge ist der Processus bei den Zaridae und Procel- laridae; bedeutend länger, nach der unregelmässig abgerundeten Spitze zu allmählich sich verschmälernd, bei den Zamellirostres. Gleichfalls lang und breit mit breitem abgerundeten Ende tritt er bei den Pelecanidae auf. Die höchste Ausbildung aber erlangt er bei den Oscines, Meropidae, Haleyonidae, Gulbulidae, Colius, Rham- phastos, wo schräge Zuspitzung stattfindet, und bei den Buceridae, Mombotidae, Eurylaeminae, Dendrocalaptes, Picidae, Cuculus, Gallina- cei, Rallidae, wo er abgestutzt oder stumpf zugerundet erscheint. Dies sind nur kurze Andeutungen der Ausbildungsverschiedenheiten des Processus lateralis anterior; wollte man ihn genau ab- handeln, so müsste man mit seinen Bildungen bei den Oscines und Gallinacei allein schon Bogen füllen. | Die Richtungen, welche der Processus von seiner Basis ab 328 i ‚Wilhelm Lühder: nimmt, kann man auf vier Normen zurückführen, die mit grösserer oder geringerer Genauigkeit inne gehalten werden. Er geht gerade nach oben und aussen bei den Kaptatores, Caprimulgidae, Cypseh- dae, Trochilidae, Opisthocomus, Fsittacini, Columbae, Casuarius, Ap- teryı, Ithea, Alectorides, Herodinidae, Anatidae, Laridae, Pelecami- dae, Aptenodytes; nach oben und innen bei Dromaeus; nach oben ) und hinten bei den Momotidae und Musophagidae (von der Basis aus erst nach vorn und dann nach hinten gebogen); nach oben und vorn endlich bei den Oseines, Meropidae, Halcyonidae , Buceridae, Eurylaeminae, Galbula, Fthamphastos, Queulus, Oolvus, Preidae, Gal- linaceı, Struthio, Rallidae. Im Allgemeinen sind hiernach die Processuslaterales an- teriores bei Vögeln mit grosser Flugkraft am _mässigsten ent- wickelt und am einfachsten geformt; am stärksten und ausgebildet- sten dagegen bei denen, die mit schwachem Flugvermögen versehen sind oder dasselbe nicht häufig, benutzen. Der rippentragende Theil des Margolateralis entsteht wie der Margo anterior durch Auseinanderweichen der Sternalplatten zu einer Verdickung, wodurch auch hier zwei Lippen gebildet wer- den (eine innere und eine äussere), die durch Querbalken, die Trä- ger, der Rippengelenkflächen, mit einander verbunden sind. Bei vielen Vögeln geht dieser Rippentheil noch ein gut Stück den Hin- terrand des Proc. lat. ant. hinauf, so dass sich auf demselben eine bis drei Rippen ansetzen, Die Querbalken verlaufen etwas schräg nach hinten und aussen und bestehen aus zwei an den Einden lie- genden Köpfehen und einer verbindenden dünneren Leiste, Das erste oder vorderste Rippengelenk_ stelli gewöhnlich nur ein ein- faches Köpfchen dar. Weil die Rippen sich schräg von hinten und oben kommend auf diese doppelten Gelenkköpfchen setzen ‚„ sind dieselben nicht durchaus, sondern nur auf der nach hinten liegen- den Seite überknorpelt. Die eigenthümliche Form dieser Rippen- gelenke gestattet natürlich nur Excursionen des Sternums in der Medianlinie, eine Einrichtung, die für die Ausübung des Flugver- mögens von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit ist. Die Ausdehnung. des rippentragenden Theils kann ein Fünftel bis zwei Drittel der Länge des Seitenrandes betragen. Die beiden rippentragenden Seitentheile können ihrer Richtung nach entweder nach hinten divergiren, parallel laufen, oder con- vergiren. Divergenz finden wir bei den meisten Kaptatores, Cypse- us, Trochilus; Parallelität bei einigen Aaytatores, Psittacus, La- Zur Bildung des Brustbeins und Schultergürtels der Vögel. 329 rus etc.; Convergenz, als die häufigste Erscheinung, bei den meisten übrigen Vögeln. Die Zahl der wahren Rippen jederseits schwankt bei den Vögeln zwischen drei und neun. Ich will die Zahlenverhältnisse mit Zugrundelegung der Magnus’schen Resultate, soweit ich sie richtig befunden, hier tabellarisch darstellen. Zahl der Rippen. 3 Rhea, wahrscheinlich auch Dinornis elephantopus. 4 fast alle Olamatores, Strigidae, die meisten Gallinacer und Columbae, Botaurus, Ardetta, Aptery.r, Dromaeus, Casuarius. 5 Öscines, Irhamphastos, Picidae, Psittacus , (rufirostris, leucocephalus, sulphureus, erithacus, aureus)*), Ca- catua moluccensis, Opisthocomus, Vultur, Cractdae, Didus, Struthio, Platalea, Tantalus, Ciconia, Ardea, Parra, Phoenicopterus, Pelecanidae. 6 Psittacus, (amazonicus, dominicus, ochrocephalus, ma- cao, Melopsittacus)*), Falco, Haliaetos, Gypaetos, Ca- thartes, Porphyrio, Platypus, Mergus, Lartdae, Pro- cellarıdae, Aptenodytes. 7 Aguda, Asturidae, Circus, Milvus, Anthropoides, Fulica, ÖOygnus (olor und atratus), Lestris, Alcae. 8 (GFrus cinera. 9° | Cygnus musteus. Streng genau stimmen die einzelnen Individuen derselben Art hinsichtlich ihrer Rippenzahl nicht immer überein; man muss daher, um das Gesetz zu finden, eine grössere Anzahl von Individuen un- tersuchen. Mitunter kommt es sogar vor, dass auf einer Seite eine wahre Rippe mehr steht, als auf der andern. Solchem Umstande ist es gewiss auch zuzuschreiben, dass bei Bronn **) auf Taf. V dem Casuarius galeatus 5 wahre Rippen statt 4 gezeichnet sind. Wie die Sternalplatten vor den Rippentheilen zu scharfen Kan- ten verwachsen waren, schliessen sie sich gleich hinter dem letzten Rippengelenk wieder zu solchen zusammen, die nun bis ans Ende =) Ich führe nach Magnus die angezogenen Papageien unter dem Gat- tungsnamen Psittacus auf, weil es mir bei einigen nicht möglich ist, sie mit genügender Sicherheit zu erkennen, um ihnen einen entsprechenden neueren Gattungs- und Artnamen beizulegen. **) Klassen und Ordnungen des Thierreichs ete. VI. Bd. IV. Abthlg. 330 Wilhelm Lühder: der Margineslaterales gehend die dritte Abtheilung derselben ausmachen. Diese Kanten convergiren nach hinten nur selten ( Aa- liaetos, Pandion, Aquwila chrysastos, Casuarius, Dromaeus), ebenso findet nur selten Parallelität statt (G@ypaötos, Ardea): beides in den Fällen, wo der Hinterrand des Sternums ein annähernd solider ist. Die Divergenz ist die am häufigsten vorkommende Richtung und in der Regel um so stärker, je grösser die Convergenz der rippentra- genden Abtheilungen war (besonders 'ausgeprägt bei den Oscines, vielen Clamatores und Zygodactylae, Rallidae etc.). In einem Bo- gen, anfangs divergirend und dann convergirend, bewegen sich die Ränder bei einigen Psittacini, Trogon, Sarcorhamphus, Apteryx, einigen Rallidae, Anatidae, Podiceps, Pelecanidae, Aptenodytes. Diese dritte Abtheilung des Margo lateralis fehlt gänzlich bei @ypogeranus, wo der merkwürdig gebildete Hinterrand gleich hinter dem rippentragenden Theile beginnt. c. Margo posterior. Der Hinterrand entsteht durch Verschmelzen der Sternalplatten zu einer meist scharfen Kante, die einem gewissen Plane folgend in ihrer Form mehrfach verändert werden kann. Recht gut kann man diese Veränderungen, von der niedrigsten und complicirtesten Form anfangend, in vier Stadien der Entwickelung. bringen, die natürlich ihre Uebergangsformen haben. Erstes Stadium. Der Rand trägt jederseits der Median- linie zwei Ausschnitte (Abdominalbuchten) und dem entsprechend zwei Processus laterales posteriores. | Am ausgeprägtesten zeigt sich diese Form bei den ‚Phasiant- dae und Tetraonidae, wo die Buchten so gross sind, dass das ganze Sternum in fünf schmale Lappen zerfetzt wird. Beide Buchten (der Einfachheit halber wird nur eine Seite in Betracht gezogen) gehen etwa gleich weit in das Sternum hinein (bis gegen den Rippentheil des Mgo. later. hin), so dass die innere Bucht, weil der Hinter- rand einen spitzen gothischen Bogen darstellt, bedeutend grösser ıst als die äussere. Dass durch eine solche Entwickelung das Flug- vermögen sehr beeinträchtigt ist, liegt auf der Hand. Die Fort- sätze, namentlich der äussere, sind an ihrem Ende stark beilförmig verbreitert. Bei den Oracidae und Penelopidae ist die innere Bucht viel kleiner, so dass sie nicht neben, sondern hinter der äusseren liegt. Ebenso verhält es sich bei @oura, wo der innere Processus nur einen kurzen Stift darstellt; bei den übrigen (olumdae sowie Zur Bildung des Brustbeins und Schultergürtels der Vögel. 331 bei Pterocles überbrückt der innere Fortsatz mit seinem beilförmigen Ende die innere Bucht und gestaltet sie zu einem Foramen. Bei Didus und Didunculus ist auch das Foramen verschwunden. In einem gerade abgeschnittenen oder schwach gebogenen Hin- terrande finden sich zwei Buchten bei den Meroprdae, Coraciadae, Haleyonidae, Podargus, Galbulidae, Fchamphastidae, Trogonidae, Musophagidae, Oolius, Picidae, Strigidae (Str. fammea und Nyctea nivea ausgenommen, die nur eine Bucht haben), Platalea, Scolopa- cidae, Charadriadae, Laridae (einige Laridae haben manchmal eine, manchmal zwei Buchten), ZPocellaridae. Auch hier giebt es noch wieder Unterschiede in so fern, als die äussere Bucht grösser als die innere sein kann oder umgekehrt, oder Gleichheit beider Buch- ten stattfindet. Das Grössenverhältniss zwischen Buchten und Sternum schwankt ungemein und dürfte sich schwerlich bei zwei Arten genau gleich stellen. Es mag daher genügen zu sagen, dass bei Colius und den Galbulidae die Buchten am relativ grössten, bei Alcedo ispida am kleinsten sind. Fast alle Arten haben an beiden oder wenigstens an dem äusseren Processus beilförmig verbreiterte Enden, die bei Alcedo mit ihren Spitzen so nahe an einander und an das Corpus sterni herantreten, dass nur schmale Spalten offen bleiben. Durch diese letztere Form wird der Uebergang zu den Momotidae her- gestellt, wo keine Buchten, sondern zwei Foramina über dem Rande vorhanden sind. Die Scolopactdae und Charadriadae, auch die Zaridae haben gewöhnlich statt des beilförmigen Endes an dem äusseren Processus eine Erweiterung in Form einer rundlichen Platte. Gleichheit in der Tiefe beider Buchten stellt sich nur sel- ten heraus und dann bei Vögeln mit relativ breitem Brustbein, wie Alcedo ispida, Coracias, Trogonidae, Laridae, Procellaridae. Ueber- ragt wird die äussere Bucht von der inneren bei den Preidae und Platalea; sonst ist die äussere Bucht die grössere. Der Ueber- gang zum zweiten Stadium, in welchem der innere Proc. later. posterior mit dem Corpus sterni verschmolzen ist, wird von den Tauben durch Diduneulus und Didus vermittelt und findet sei- nen prägnantesten Ausdruck bei den Crypturi. Die Bucht nimmt bei ihnen fast die ganze Sternalhälfte ein und lässt von dem Corp. sterni nur einen äusserst schmalen Streifen stehen. Der Proces- sus ist sehr schmal und geht, ohne seine Breite zu verändern, in einem nach aussen gekrümmten Bogen bis dicht an das Ende des 332 Wilhelm Lühder: Sternalkörpers heran. Die feste Fläche des Brustbeins ist hier die relativ kleinste von allen fliegenden Vögeln. Den Crypturi zunächst folgen die Kallidae, welche beide Familien überhaupt die grösste Verwandtschaft zeigen. Die Bucht reicht hier noch nicht gauz bis zur Mitte der Längenausdehnung des Sternums, und der schmale Processus geht entweder in schräger Richtung nach hinten und aussen und zugleich in einem schwachen Bogen nach oben, oder verläuft ähnlich wie bei den Orypturs., Mit Ausnahme von Parra, wo er nur bis an’s Ende des Corp. sterni geht, überragt der Processus das- selbe um ein Beträchtliches und endigt in der Regel in einer schei- benförmigen Verbreiterung. Das Corp. sterni ist an seinem Ende stumpf zugespitzt, nur bei Parra sendet es dem Processus kurze schnabelförmige Fortsätze entgegen. Grosse Aehnlichkeit mit den kiailidae hat der Margo posterior bei Aptenodytes. Der Proces- sus umschliesst hier die tiefe Bucht in flachem Bogen und geht bis nahe an die Medianlinie heran, das Corp. sterni weit überragend. Am gleichförmigsten in der Bildung des Hinterrandes, wie über- haupt der ganzen Knochen, die den Gegenstand dieser Unter- suchungen bilden, sind die Oseines. Der Rand ist entweder gerade abgeschnitten oder in flachem Bogen abgerundet; die Bucht geht meist bis zu dem Trennungssattel der Pars pectoralis und ven- tralis vor, reicht also nicht bis zur Mitte der Sternallänge. Der Processus geht schräg nach aussen und hinten, ist schmal und trägt am Ende eine beilförmige Verbreiterung, deren innerem Schnabel vom Ende des Sternalkörpers aus ein ebensolcher entgegensteht. Die relativ kleinste Bucht, oft von unregelmässiger Form, finden _ wir bei den Caprimulgidae, Epopidae, Cuculus, Orotophaga, Opistho- comus, Buceridae, Struthio, Apteryx, Alectorides (Psophia ausge- nommen), Herodinidae (die Grues ausgenommen), Anatidae, Colym- bidae , Alcae. Der Processus ist schmal und bogenftörmig bei den Anatidae, Colymbidae und Alcae; er nähert sich, die Bucht um- schliessend, dem Ende des Corp. sterni, von wo aus ihm ein Schnabelfortsatz entgegensteht, der sich bei den Anseres oft, bei Mergus stets mit ihm vereinigt. Bei Podiceps allein geht er, die Bucht weit offen lassend, ein Stück über das Ende des Corp. sterni hinaus, welches sich hier in zwei kurze und stumpfe, schräg nach binten gehende Schnäbel theilt. Der Sternalkörper der Tauchenten, Alcae und Colymbus ist in eine dünne Knochenplatte verlängert, die nur als Hyposternum aufgefasst werden kann. Knorpelig angedeutet ist sie bei vielen Vögeln (wenn sorgfältig skelettirt wird, Zur Bildung des Brustbeins und Schultergürtels der Vögel. 333 wohl bei allen), und auch bei Colymdus ist die Verknöcherung noch keine vollständige, wie die vielen Fontanellen beweisen. Die Beran- dung: dieser Hyposternallamina ist eine unregelmässige, gewöhnlich jedoch ungefähr bogenförmige. Bei Uria grylle und Mormon findet sich merkwürdiger Weise neben der Bucht nach innen noch ein kleines Loch. Apteryz hat eine tiefe unregelmässige Bucht und davor im Sternum ein rundes Loch; bei S{ruthio ist die Bucht zwar flach, der Processus ragt aber ein Stück über das Sternalende hinaus. Eine kleine Bucht, verbunden mit einer geringen Ueber- ragung des Corp. sterni durch den Processus, finden wir bei den Pelecanidae, Herodinidae, Palamedea. Der Seitenfortsatz ist breit, bei den Pelecanidae und Palamedea nach seinem Ende zu verschmä- lert, weil die Bucht hier nach hinten breiter wird; bei den Zero- dinidae bleibt er gleich breit und trägt bei Oiconia einen kurzen Schnabel nach innen. Dicholophus und Otis sind einander in der Bildung des Hinterrandes insofern ähnlich, als das Corp. sterniim Form einer stumpfen Spitze vorragt, gegen die der gerade nach hinten gehende, unverbreiterte Processus bedeutend zurück bleibt; bei Otis jedoch ist die Verschmelzung des inneren Fortsatzes mit dem Sternalkörper nicht vollführt, und also eine kleine innere Bucht vorhanden. Die übrigen hierher gehörigen Vögel zeigen eine ziem- lich gleichmässige Bildung. Der Rand ist in schwächerem oder stärkerem Bogen abgerundet, die Bucht klein (namentlich Opistho- comus und Buceros), und der Processus in Folge dessen sehr kurz und breit. Sein Ende ist bei Merops und Cuculus ganz schwach schnabelig gegen den Sternalkörper zu, an welehem letzteren Merops jederseits der Medianlinie eine kleine zum Hyposternum gehörige Knochenspitze trägt. Im dritten Stadium ist auch die letzte Bucht überbrückt und so nur ein Foramen vor dem sonst soliden Hinterrande vorhanden. Zu dieser Form hinüber führen die Anatidae durch die Anse- res, während die Psettacini durch Sittace (macao und ararauna) mit offener Bucht auf das zweite Stadium zurückleiten. Es gehören hierher die Zurylaeminae, viele Psittacini und Raptatores diurni; constant aber ist die Form nur bei den Falconidae und Eurylae- minae. Die Adler und Geier haben je nach dem Alter eine kleine Bucht, ein Foramen oder ein solides Sternum; ich möchte wenig- stens annehmen, dass allen grossen Raubvögeln bei genügend vor- geschrittenem Alter auch das kleine Foramen aus dem Sternum ganz verschwindet. Völlige Gewissheit über diesen Punkt sich zu 334 Wilhelm Lühder: verschaffen, ist schwer, weil die Klugheit und das seltene Vorkom- men dieser Vögel die Beschaffung des nöthigen Materials ungemein erschwert. Bei den Psittacini liegen die Verhältnisse ganz ähnlich, indem sich bei verschiedenen Individuen derselben Species (Psitta- cus erithacus) ein grösseres oder kleineres Foramen und auch ein ganz solides Sternum zeigt. Der Hinterrand hat bei den Eurylae- minae und Psittacini meist die Form eines Kreisbogens, bei den Raptatores diurn? die einer liegenden geschlungenen Klammer (——), wenn er nicht, wie bei Haliaötos und einigen Aquilae, gerade ab- geschnitten ist. Wenn sich also eine scharfe Grenze zwischen dem dritten und dem | vierten Stadium, wo das Sternum ohne Einschnitte und Foramina ist, nicht markiren lässt, so hat doch dieses letztere Stadium auch seine charakteristischen Familien und Gattungen. Es gehören hierher die Oypselidae, Trochilidae, Haliaetos, Fypogeranus, Casuarius, Dromaeus, Grues, Psophia, Talassidroma, bei denen eine Foramenbildung nicht vorkommt. Der Hinterrand ist hier entweder in starkem Bogen abgerundet (Trochlidae, Psophia), oder schwach gebugen (Cypselidae, Talassidroma), oder endlich gerade abge- schnitten (Haliaetos, Grues). Die Möglichkeit einer Buchtenbildung ist angebahnt bei Uasuarius und Dromaeus, wo der Hinterrand erst etwas eingezogen und dann in eine stumpfe Spitze verlängert ist. Eine ganz eigenthümliche Form hat der Rand bei Gypogeranus: „Er ist zugespitzt, wie die Spitze einer geschnittenen Gänsefeder,“ sagt Selenka sehr treffend.*) Wie schon oben gelegentlich des Mrg. lateralis bemerkt, beginnt der Hinterrand bei diesem Vo- gel unmittelbar hinter den Rippengelenken; er nähert sich der Me- dianlinie zuerst in einem schräg nach hinten und innen gehenden flachen Bogen und fällt dann noch schräger in gerader Linie gegen dieselbe ab. Das Ende der Crista ragt als kurze Spitze vor. Wir sehen aus dem Vorstehenden, dass die Entwickelung des Hinterrandes mit der des Flugvermögens gleichen Schritt hält (die nicht fliegenden Vögel ausgenommen). Tief ausgeschnitten bei den schlechten Fliegern, verdichtet er sich mehr und mehr, bis er bei den Luftschwimmern völlige oder fast völlige Solidität erlangt. Die Buchten und Foramina des Sternums sind mit einer star- ken bindegewebigen Membram ausgefüllt. *) Bronn, Klassen und Ordnungen des Thierreichs ete. VI.B. IV. Ab- theil. p. 54. Zur Bildung des Brustbeins und Schultergürtels der Vögel. 335 Die Crista sterni ist in der Medianlinie der äusseren Sternalfläche vertikal aufgesetzt. Sie ist als eine Aussackung dieser Fläche zu betrachten, indem ihre Seitenflächen sich unmittelbar aus derselben erheben; und zwar allmählich bei den Raptatores, Herodinidae ete., in ziemlich schar- fen Winkeln dagesen bei den Natatores und vielen Grallatores, Öscines, Clamatores etc. Ebenso wie das Corp. sterni besteht sie aus zwei (seitlichen) parallelen Platten, die einen mit knöchernen Bälkchen durchsetzten Hohlraum einschliessen. Dieser Raum ist von dem des Sternalkörpers nicht getrennt, und erfolgt sein Ver- schwinden ganz in derselben Weise, wie bei dem letzteren ange- geben. Die allgemeine Form der Crista ist ein Dreieck mit zwei freien Seiten: einem kurzen Vorderrande und einem langen Unter- rande. Der von beiden Rändern eingeschlossene Winkel ist die Spinaanterior (oder Processus manubrialis), durch deren Form die des Vorderrandes der Crista wesentlich bedingt wird. Es lassen sich die Bildungsverschiedenheiten am besten verfolgen, wenn man die jedesmalige Lage der Spina anterior zum Processus episternalis in’s Auge fasst. Denkt man sich die Spitze der Spina mit dem Ende des Cor- pus sterni und der Spitze des Processus episternalis ver- bunden, so schliessen diese Linien einen Winkel ein, der am grössten ist bei Opisthocomus (ca. 110°), am kleinsten bei Mergus (ca. 25°). Zwischen diesen beiden Extremen giebt es eine Menge Lagen der Spina, die man sich als Resultate einer annähernd parallelen Be- wegung derselben zu der Verbindungslinie des Sternalendes mit der Spitze des Proc. episternalis vorstellen kann. Verfolgen wir die Spina auf diesem Wege und sehen wir, welche Veränderungen sie und der Vorderrand der Crista erleiden. Die Spina liegt, wie gesagt, gegen den Episternalfortsatz am weitesten zurück bei Opisthocomus. Der Vorderrand stellt hier einen schräg nach hinten und unten verlaufenden, nach vorn ofienen Bo- gen dar, wodurch der Spina die Form eines kurzen Schnabels er- theilt wird. Bedeutend weiter vorgerückt ist die Spina bei den Gallinacei, und springt, weil die Ausschnittscurve des Vorderrandes dem Anfangsstück einer Archimedischen Spirale gleicht, als starker Schnabel (mit der Firste unten) vor. Ganz ähnlich ist die Bildung bei Psophia und Dicholophus, die sich dadurch schon von Otis un- terscheiden, indem bei letzterer Gattung die Spina wieder um ein Beträchtliches vorgerückt und abgerundet ist, während der Vorder- 336 Wilhelm Lühder: rand nur eine schwache Ausbuchtung zeigt. Die Ausfüllung des Vorderrandes wird vollständig bei den Sirigidae und Orypturi, so dass derselbe hier eine gerade, wenig schräg nach hinten und un- ten verlaufende Linie darstellt, und die Spina nicht schnabelig ist. Eine wenig weiter vorgeschobene Lage zum Proe. episternalis hat die Spina bei den Oscines, Caprimulgidae, Momotidae, Musopha- gidae, Colius, Picidae, Raptatores diurni, Charadriadae , Scolopaci- dae. Der Vorderrand durchläuft in dieser Gruppe eine ganze Reihe von Ausfüllungsstadien. Am tiefsten ist er ausgeschnitten bei den Oscines, wo er S-förmig und oft sogar, wenn die grosse Lamina des Proc. episternalis etwas scharf absetzt, winkelig erscheint. Von ganz ähnlicher Form, aber lange nicht so tief greifend, ist die Aus- buchtung bei den Musophagidae; die Uebrigen zeigen einen, in flachem regelmässigen Bogen ausgeschnittenen Vorderrand, der, besonders schwach gebogen bei den Momotidae, bei den Pieidae zur geraden Linie wird. Die Spina bildet bei den Oscines, den meisten Raptatores diurn!, Charadriadae, Scolopacidae noch einen kurzen Schnabel, ist aber bei den Uebrigen gewöhnlich rechtwinkelig. Jetzt rückt die Spina in eine zum Proc. episternalis gleich weit vor- geschobene Lage, d.h. die Verbindungslinie der Spina mit der Spitze des Proc. epist. steht vertikal auf der Verbindungslinie des letzte- ren Punktes mit dem Endpunkte des Sternums. Diese Bildung zei- gen die Epopidae, Alcedo, Rhamphastidae, Cuculus, Trogon, Oroto- phaga, Galbulidae, Psittacini, Columbae, Scopus, Ardea, Grues, Ral- lidae, Tachypetes. Sehen wir uns wieder nach der tiefsten Aus- buchtung des Vorderrandes in dieser Gruppe um, so finden wir, dass dieselbe bei Ardea und Trogon fast zwei Drittel eines Kreises beträgt. Die Spina ist hier wie bei Cueulus, wo der Rand etwas mehr ausgefüllt ist, spitz schnabelförmig. Hieran schliesst sich hin- sichtlich der Verdichtung des Randes Galdbula, Crotophaga, welchen zunächst Alcedo, Balearica, die Rallidae, Columbae, Rhamphastidae und Psizttacini folgen. Die Spina ist ganz kurz schnabelig, bei den Columbae aber und noch mehr bei den Psittaeini so vollständig ab- gerundet, dass man ihre Stelle kaum noch erkennen kann, und der Vorderrand im Bogen in den Unterrand übergeht. Eine ganz ähn- liche Abrundung der Spina findet sich bei Upupa; jedoch ist bei ihr der Vorderrand nicht bogenförmig, sondern gleich unterhalb des Proc. episternalis spitzwinkelig ausgeschnitten. Gänzlich aus- gefüllt zu einer geraden Linie wird der Vorderrand bei Tachypetes. Bei Grus und Anthropoides ist der Rand sogar weit im Bogen Zur Bildung des Brustbeins und Schultergürtels der Vögel. 337 vorgewölbt, und seine Grenze mit dem Unterrand nur als Ver- wachsungsstelle der Furcularäste mit der Crista markirt. Nach vorn über die Lage des Proc. episternalis hinaus rückt die Spina bei den Oypselidae, Trochilidae, Eurylaeminae , Meropidae, Buceridae, Palamedea, Oiconia, Platalea, Anatidae, Colymbidae, Pe- lecanidae (Tachypetes ausgenommen), Alcae, Aptenodytidae; und zwar liegt der tiefste Ausschnitt des Randes bei den Zurylaeminae, Alcae, Aptenodytidae, die sämmtlich eine lange breitgeschnabelte Spina anterior haben. Bedeutend schwächer ist die Ausbuchtung bei den Meropidae, Ciconia, Platalea, deren Spina wie die der Co- lumbae abgerundet ist. Einen in ganz flachem Bogen ausgeschnit- tenen Vorderrand und aus diesem Grunde eine kurzschnabelige Spina haben die Oypselidae, Trochilidae, Palamedea, Podiceps; fast geradlinig stellt er sich bei den Duceridae, Anatidae, Pelecanidae, Colymbus. Den Grad des Vorrückens der Spina über den Proc. episternalis betrefiend, finden wir dasselbe gering bei den Bury- laeminae; dann steigert es sich bei den Meropidae, Cypselidae, Tro- chilidae etc.; nimmt schneller zu bei den Anatidae, Buceridae, Golym- bidae, Pelecanidae, Aptenodytidae, Alcae, bis es bei Mergus seinen höchsten Grad erreicht, und die Spina einen spitzen Keil bildet. Der Vorderrand ist dicker wie die übrige Crista, und zwar ent- steht diese Verdickung durch Auseinanderweichen der Cristalplatten zu einem jederseitigen Wulst. In der von den beiden Wulsten um- uferten Rinne verläuft der Länge nach vom Proc. epistern. nach der Spina anterior eine Granne, die zum Episternalapparat ge- hört, und durch deren grössere oder geringere Entwickelung die Form des Vorderrandes wesentlich mitbedingt ist. Ist sie schwach, so erscheint der Rand, wie beschrieben, wulstig verdickt (Raptato- res, Gallinacei etc.); bei zunehmendem Hervortreten macht sie zuerst den unteren Theil des Vorderrandes (gegen die Spina Hin) schnei- dig (Scolopacidae, Charadriadae ete.); später den ganzen Vorderrand (Oseines, Psittacini, Anatidae etc.) und steht dann gewöhnlich mit dem Processus episternalis in enger Verbindung. Mit der Zu- nahme der Grannenentwickelung stellt sich meist ein allmähliches Verschwimmen der unteren Hälfte der Wulste in den Cristal- flächen ein. Der Unterrand der Crista bietet wenig Bemerkenswerthes. Er stellt eine nach unten convexe Curve dar, deren grösste Krümmung in der Regel in ihrem vorderen Drittel liegt; nur bei Merops und Caprimulgus ist der hintere Theil der Curve nach unten concav, so Cab. Journ. f. Ornith. XIX. Jahre. No. 113. Septbr. 1871. 22 338 Wilhelm Lühder: dass hier der Unterrand eine flach S-förmige Gestalt hat. Ein Kreis mit verschiedenen Radien ist die Curve bei Trochilus, Oypselus, Ci- conia, den kleineren Scolopacidae und Charadriadae etc. Die kleinste Curbatur zeigt der Unterrand bei Mergus, wo er fast geradlinig ist; die grösste bei Tachypetes. Nach hinten zu verliert er sich entweder vor dem Ende des Corpus sterni in der äusseren Fläche desselben (Haliaötus, Vultur, Neophron, Oygnus, Pelecanidae mit Ausnahme von Tachypetes), oder geht bis in die Nähe des Margo posterior, wo er sich in zwei nach hinten divergirende Aeste theilt, die bis an den Hinterrand laufen. Es wird auf diese Weise zwischen Crista und Margo posterior sterni eine dreieckige gleichschenklige Platte eingeschoben, deren Basis im Sternalrand liest. Am deutlichsten ausgeprägt finden wir dies Verhalten bei den Raptatores (Gypogera- nus, Pandion ausgenommen); kleiner ist die Platte bei den Oscines und den meisten Natatores; noch kleiner bei vielen Clamatores, Zy- godactylae, Columbae. So verschwindet die Platte allmählig, indem sich ihre Seitenkanten einander mehr und mehr nähern und zuletzt parallel werden bei vielen Olamatores, Gypogeranus, Pandion, Gal- linacei, vielen Grallatores etc. Das Grössenverhältniss der Crista zum Sternum ist ein sehr variables. Die Crista, ein reines Product der Muskelthätigkeit*), wächst mit der Entwickelung und Ausübung des Flugvermögens; sie fehlt daher absolut den nichtfliegenden Vögeln (Struthionidae)), ist bei anderen, die nur wenig zu flattern vermögen, rudimentär (Stringops) und nimmt so zu, bis sie bei den Trochilidae und Öypse- lidae die höchste Ausbildung erlangt. Ein ganz eigenthümliches Verhalten zeigt uns die Urista bei Grus, Anthropoides und Cygnus (musicus). Sie stellt eine hohle Kapsel dar, die jedoch nicht einfach durch Wegfall der Knochenbälkchen entstanden-ist, sondern vielmehr als eine Einstülpung des Vorder- randes in die Crista hinein angesehen werden muss. Es sind näm- lich die inneren Wände der Kapsel der äusseren Oberfläche der Crista ganz gleich, dazu die Begrenzungsplatten nicht etwa massiv, sondern von ganz derselben Construction, wie oben der Bau der Crista geschildert wurde. Bei Cygnus ie diese Kapsel im ganzen Vorderrande der Crista geöffnet, bei Grus und Anthropoides dagegen in ihrem Vordertheile durch spongiöses Knochengebilde geschlossen bis auf ein rundes Loch gerade über der Spina an- *) *) Im embryonalen Lebeu ist die Crista bei dAugbareu Vögeln entweder gar nicht vorhanden, oder schwach angedcutet. Zur Bildung des Brustbeins und Schultergürtels der Vögel. 339 terior.*) Die Bedeutung solcher Einrichtungen ist folgende: Bei Oygnus musicus biegt die Trachea, aus der Brust kommend, über denMargo anterior sterni und die Verwachsungsstelle der Fur- cularäste in die Crista hinein, macht darin eine Biegung und läuft dann über der Spina anterior heraus am Halse nach oben; bei Grus und Anthropoides geht sie ebenso aus der Brust den Vorder- rand der Crista entlang durch das erwähnte Loch in letztere hin- ein, macht darin zwei Biegungen (eine nach vorn und eine nach hinten) und kommt durch dasselbe Loch heraus, um am Halse auf- wärts zu steigen. Eine Andeutung dieses merkwürdigen Verhaltens ist auch bei Cygnus olor und Ciconia gegeben, wo sich unmittelbar unter dem Processus episternalis oder seiner Stelle eine grosse lange, aber nicht tiefe Grube im Vorderrande der Crista befindet. Eine fernere Andeutung zeigt Balearica mit tief rinnenförmig ausgehöhl- tem vorderen Cristalrand. Das Episternum. Muskeln und Sehnen können bei den Vögeln in Knochen und Knochen in Ligamente verwandelt werden. Der letztere Fall dürfte beim Episternum eingetreten sein, welches wir nach Harting**) in einer Anzahl ligamentöser Blätter zu erkennen haben, die zwischen ' Sternum, Coracoideum und Furcula ausgespannt sind. Verlockend ist allerdings der Gedanke, dieses Gebilde nicht als Vertretung von Knochen anzusehen, ein Gedanke, der bis vor kurzer Zeit die Prä- paratoren der anatomischen Sammlungen bestimmt hat, dasselbe einfach vom Skelett zu entfernen. In Folge dieses Uebelstandes ist das Material ein noch ungemein dürftiges, und kann aus dem Grunde von einer eigentlichen durchgehenden Untersuchung der erwähnten Theile und einer endgültigen Feststellung ihrer Bedeu- tung wohl kaum schon die Rede sein. Der Apparat besteht aus vier theilweise verknöcherten Blät- tern, einem hinteren verticalen, zwei seitlichen, welche letztere mit der Bildung der Furcula ihre Lage ändern, und einem mittleren horizontalen. *) Gute, richtige Abbildungen dieser Verhältnisse s. Bronn a. a. O, Tal. X **) Harting, l’appareil Episternal des oiseaux. Utrecht 1864 ist mir lei- der nicht zugänglich; die Harting’s Arbeit betreffenden Citate sind Bronn und Gegenbaur entnommen. 22% 340 Wilhelm Lühder: Das hintere Blatt vermittelt die Verbindung der Furcula mit dem Sternum. Es liegt in der Ebene der Crista sterni und füllt den Raum aus zwischen dem Proc. episternalis, der Verwachsungsstelle der Furcular- äste (Tuberculum interfurculare) und der Spina anterior. Gelegentlich des Vorderrandes der Crista wurde einer Granne Er- wähnung gethan, die in der Mitte des Randes entlang zieht — sie ist eine Verknöcherung des hinteren Blattes. Weitere Verknöche- rungen desselben bildet der Processus epistern. mit seiner La- mina, wenn eine solche auftritt, und eine Lamina, die von dem Tu- berculum interfurculare in das Blatt hineingeht (Lamina interfurcularis). Die Grösse des Blattes steht mit der Entfer- nung der Fureula von dem Vorderrande der Crista in geradem Ver- hältniss, so dass es in der Verwachsung der Furcularäste mit der Spina anterior verschwindet. | Die Formveränderungen des Proc. episternalis sind bereits oben bei dem Margo anterior sterni behandelt, es würde also hier noch die Laminainterfurcul. hinsichtlich ihrer Form etwas näher zu betrachten sein. Die Lamina ist nicht ausnahmslos vor- handen, vielmehr fehlt sie einer ganzen Reihe von Familien und Gattungen, so den Trochilidae, Steatornis, Halcyonidae, Meropidae, Momotidae, Buceridae, Musophagidae, Colius, Galbulidae, Psitacim, Strigidae, Orypturi, Alectorides (Psophia nicht), vielen Anatidae; ist schwach entwickelt zu einer kleinen rundlichen Platte bei den Ca- primulgidae, Coracias, Trogonidae, Raptatores diurni, Columbae, Ral- lidae, Charadriadae, Scolopacidae, Laridae, Procellaridae, Colymbidae. Stark, einen ziemlichen Theil des hinteren Blattes verknöchernd, ist die Lamina bei den Oscines, Eurylaeminae, Cuculus und Psophia; am stärksten aber entschieden bei den meisten Gallinacei, wo sie ent- weder eine lange schmale Platte (Crax etc.) oder ein grosses Drei- eck darzustellen pfiegt. Die Richtung der Lamina ist in der Regel eine nach hinten gehende; bei den meisten Öscines jedoch geht sie nach oben. Opisthocomus, Gypogeranus, die Herodinidae (mit weni- sen Ausnahmen) und Pelecanidae zeigen uns die Verschmelzung des Tuberc. interfurculare mit der Crista, vermittelt durch das hintere Episternalblatt; und zwar ist die Verwachsung eine syndes- motische bei Gypogeranus, den meisten Herodinidae und Phalacroco- rax, eine knöcherne bei Opisthocomus, Grus, Anthropoides, Pelecanus und Tachypetes. Das Blatt verschwindet hier zu gleicher Zeit, in- dem sein letzter Rest das Tuberculum unmittelbar mit der Spina Zur Bildung des Brustbeins und Schultergürtels der Vögel. 341 anterior verklebt, resp. verknöchert; nur bei Opisthocomus dürfte ein Verschwinden des Blattes in der Verwachsung nicht eintreten, weil die letztere durch eine lange schmale Lamina vermittelt wird, die vom Tubere. interfurculare zu der Gegend des Proc. episternalis zieht, in der Cristalebene auf der äusseren Sternal- fläche nach hinten läuft und so in den Vorderrand der Crista übergeht. Die Seitenblätter sind mit dem hinteren Blatte an seiner Vorderkante verwachsen und gehen von da jedes zu dem Coracoid und Furcularast seiner Seite. Sie bilden in Folge dessen mit einander einen Flächenwin- kel, dessen Scheitel die (gerade oder krumme) Verbindungslinie des Proe. episternalis mit dem Tuberec. interfulculare ist. Fehlt das hintere Blatt, so fällt der Scheitel in den Vorderrand der Crista (Ciconia); ist das Blatt sehr klein, so kann der Scheitel zum Theil in der vorderen Kante desselben, zum Theil im vorderen Cri- stalrand liegen (F’sittacus). Der Flächenwinkel der beiden Seiten- blätter ist am kleinsten bei den Vögeln mit geringster Auslage der Coracoidea und Furcularäste, am grössten bei den Adlern. Auch die Seitenblätter haben eine Verknöcherungsstelle in den Gabelzinken des Proc. episternalis der Oscines und einiger Olamatores. Eine ausgedehnte Verknöcherung der ganzen Blätter ist von Harting bei Larus glaucus beobachtet, freilich nur ein vereinzelter Fall. Das mittlere Blatt ist zwischen den Aesten der. Furcula ausgespannt. Es ist klein und fehlt häufig. Eine Verknöcherungsstelle hat es nur in wenigen Fäl- len, so bei Fulica und Podiceps in Form einer im Winkel der Fur- cularäste ausgespannten kleinen Knochenlamelle, und bei den Rei- hern und Rohrdommeln, wo aus dem Scheitel des Furcularwinkels ein Stift aufwärts ragt. Bei Dromaeus zeigt der ganze Apparat die meiste Aehnlichkeit mit dem der Saurier, ohne jedoch Verknöcherungen darzubieten, während bei Struthio die Seitenblätter, mit Ausnahme zweier kur- zer, zum Margo anterior sterni laufender Ligamente, durch- aus verknöchert sind. *) S. 2. Der Schultergürtel. Wie zu Anfang erwähnt, wird der Schultergürtel der Vögel Jederseits aus drei Knochen gebildet. Die Scapula liegt parallel ») Bronn, 2.2.0. 342 Wilhelm Lühder: der Wirbelsäule auf den Rippen und setzt sich im Schultergelenk mit einem zweiten Knochen in Verbindung, der zum Vorderrande des Sternums zieht und allgemein als Os coracoideum bezeichnet wird. Gleichfalls direct oder durch Bandmasse mit einem kurzen Fortsatz der Scapula verbunden ist der dritte Knochen, der ge-_ wöhnlich mit dem der andern Seite zu der Furcula verwächst und mit seinem unteren Ende sich durch Vermittelung des hinteren Episternalblattes mit der Crista sterni in Verbindung setzt. Man hat ihn als Schlüsselbein anzusehen, eine Ansicht jedoch, die nicht immer Geltung gehabt hat. Bertholin, Blumenbach, Nitzsch etc hielten das Coracoid für das Analogon der Clavicula der Mamma- lien und sahen in der Furcula einen den Vögeln eigenthümlichen Knochen. Auch Cuvier trat anfangs dieser Auffassung bei, bis er sich später von der Unrichtigkeit derselben überzeugte und lehrte, dass man die frühere Clavicula als eminent entwickelten Proces- sus coracoides der Scapula, die Furcula aber als Vogelschlüssel- bein anzusehen habe. Geotiroy St. Hilaire, Meckel, Pfeiffer, Gegen- baur schlossen sich dieser verbesserten Cuvier’schen Ansicht an, resp. bewiesen ihre Richtigkeit und die Unhaltbarkeit der früheren. Man sollte somit wohl annehmen dürfen, dass keine Zweifel mehr bestehen könnten; indessen hat in neuester Zeit die alte Deutung wieder einen warmen Vertheidiger gefunden in Bonsdorfi*), der ihre Richtigkeit zu beweisen strebt. Ich will nicht näher auf die Schrift selbst eingehen, nur Bonsdorff gegenüber noch bemerken, dass das Schultergelenk der Wirbelthiere aus Scapula und Co- racoid gebildet wird, ohne Betheiligung der Clavicula. Es liegt kein Grund vor, Theile, die in schönster Ausbildung an der richtigen Stelle vorhanden sind, gewaltsam anders zu deuten. Durch die Aneinanderlagerung der Schulterknochen wird ein von oben nach unten führender kurzer Kanal gebildet, der mit dem Namen Foramen triosseum belegt worden ist. a. Scapula. Das Schulterblatt der Vögel ist sehr einfach gebaut. Es stellt einen schmalen, platten und oft sehr langen, säbelförmigen Knochen dar, der, wie schon gesagt, mit der Wirbelsäule parallel laufend, den Rippen sich auflagert. Hieraus erhellt schon, dass es in der *) E. J. Bonsdorff, Kritik der allgemein angenommenen Deutung der Furcula bei den Vögeln. Leipzig 1869. (Separatabdruck aus d. Acten d, wissenschaftl. Gesellsch. zu Helsingfors.) Zur Bildung des Brustbeins und Schultergürtels der Vögel. 343 Medianebene (oder vielmehr parallel zu derselben) eine nach oben ceonvexe Curve bilden muss. Diese Krümmung ist meist eine uner- hebliche (am stärksten bei den Zaridae) und kommt allen Vögeln zu; eine zweite aber, annähernd vertical zur Medianebene und mit der Concavität nach aussen (nach der Seite) tritt nicht so allge- mein auf, erreicht dafür aber auch bei einer Menge von Vögeln einen viel höheren Grad. An die Entwickelung dieser letzteren Krümmung lassen sich die Hauptformunterschiede der Schulter- blätter anknüpfen, wobei man die Krümmung in der Medianebene als selbstverständlich nicht weiter hervor zu heben braucht. Ganz gerade oder fast ganz gerade (abgesehen also von der gemeinsamen Krümmung) ist die Scapula bei Ficus, Pterocles und den Struthüonidae. Bei Pterocles ist das verbreiterte Ende (mit Ende oder Spitze ist der hintere Endpunkt der Scapula gemeint) stumpf abgeschnitten, bei Picus und Struthio dagegen rechtwinkelig nach aussen umgeknickt. Wenig gekrümmt, breit, mit spatelförmigem, abgerundeten Ende ist der Knochen bei Caprimulgus, Otis, Apteno- dytes, namentlich bei letzterem Vogel sehr breit; bei Coracias da- gegen läuft er in derselben Curbatur schmal, nur in der Mitte wenig verbreitert, und sehr spitz aus. Stärker krümmt er sich bei den Herodinidae, Psophia, Rallidae, Anatidae, Laridae und Pelecanidae. Die Krümmung kann hier noch ein regelmässiger Bogen genannt werden, mit dem kleinsten Radius bei Psophia. In ihrem Verlaufe gleich breit bleibend oder doch nur ganz gering sich in der Nähe des Endes verbreiternd, geht die Scapula in dieser Gruppe in eine meist stumpfe Spitze aus. Am verbreitetsten ist eine vierte Form, in der der Knochen zwei Drittel seiner Länge gerade verläuft und dann schwächer oder stärker nach aussen geknickt erscheint. Stets ist er gegen die Knickungsstelle hin stark verbreitert und geht spitz aus bei den Oscines, vielen Clamatores (Alcedo hat die stärkste Knickung), vielen Zygodactylae, Raptatores, Columbae; stumpf da- gegen unter Bildung einer Endscheibe bei den Gallinacei, Palamedea, Dicholophus. Opisthocomus zeigt ganz die Bildung der letztgenann- ten Vögel, nur liegt bei ihm die Knickung nicht im zweiten, son- dern im ersten Längendrittel. An das Ende des Schulterblattes, namentlich wenn dasselbe ein stumpfes ist, setzt sich bei vielen Vögeln als Verlängerung ein Knorpelstück an, welches ich als Os suprascapulare (Carti- lago suprascapularis) deuten zu müssen glaube. Am Gelenkende, wo die Scapula stets am dicksten ist, haben 344 Wilhelm Lühder: wir zwei Fortsätze zu unterscheiden, einen nach innen gehenden, der dem Acromion der Mammalien entspricht, und einen nach aussen gehenden, der überknorpelt ist und die hintere Hälfte der Schultergelenkpfanne bildet. Zwischen beiden Fortsätzen ist der Knochen gerade abgeschnitten und mit dem Os coracoideum verwachsen. Die Länge der Scapula wächst mit dem Flugvermögen; sie ist am kleinsten bei den Siruthionidae, am grössten bei Oypselus und den Trochtlidae. Von einer Spina ist auf dem Schulterblatte der Vögel keine Andeutung gegeben; man kann aber der Anlagerung der Muskeln nach wohl den dorsalen-medianen Rand als eine solche ansehen *), wofür auch die Verlängerung desselben in das Acromion spricht. b. Os coracoideum. Gegenbaur**) hat ‚nachgewiesen, dass die rechtwinkelig mit einander verbundenen Schulterknochen, Scapula und Coracoid, bei den Vögeln als ein Skelettstück anzusehen seien analog der Bil- dung bei den Mammalien; und in der That gehen, wenn knöcherne Verwachsung stattfindet (häufig ist sie syndesmotisch), die Hohl- räume beider Knochentheile (falls beide pneumatisch sind) ohne Trennung in einander über. Wir haben also in dem Coracoideum unzweifelhaft den Proc. coracoides der Scapula vor uns; die Beschreibung seiner Bildung ist jedoch einfacher, wenn man es nicht von der Scapula aus, sondern selbstständig betrachtet. Das Coracoid ist der weitaus stärkste Knochen des Schulter- gürtels. Es ist in der Mitte rundlich, an seinem hinteren (unteren) Ende, welches zum grössten Theil überknorpelt in der Gelenkrinne des Margo anterior sterni artikulirt, stark verbreitert, ja oft mit einem nach aussen gehenden Flügel versehen. Gegen das Schulterende hin verdickt es sich mehr und verbreitert sich zu gleicher Zeit unter Bildung dreier Fortsätze. Vom Sternalende aus treiien wir zuerst auf den ‚‚inneren Haken“, dem gegenüber auf der äusseren Seite, etwas mehr nach vorn, die Tuberosi- tas humeralis sich befindet, welche, auf ihrer oberen Seite über- knorpelt, die vordere Hälfte der Schultergelenkpfannne bildet. Das äusserste vordere Ende, welches mit dem Furcularast in mitunter I" Bronn, a. a. ©. p. 69. **) Untersuchungen z. vergl. Anat. der Wirbelthiere. 2. Heft. Leipzig 1865. Zur Bildung des Brustbeins und Schultergürtels der Vögel. 345 _ gelenkige Berührung tritt, stellt die kolbige, abgerundete und in vertikaler Richtung verbreiterte Tuberositas furcularis dar. Die Verbindungsstelle mit dem Schulterblatt liegt zwischen dem „inneren Haken“ und dem inneren Ende der Tuber. humeralis, also nicht am vordersten Ende des Coracoids, sondern ein ziem- liches Stück rückwärts. Der „innere Haken“ muss seiner Bedeu- tung wegen etwas näher betrachtet werden. Der Haken fehlt nirgends ganz, obwohl er zuweilen sehr schwach entwickelt sein kann (ÖOscines, einige Clamatores, Gallinaceı, Pelecanidae). In der Regel geht er in Form eines platten Knochen- stiftes in das Seitenblatt des Episternums hinein und reicht bei Opisthocomus, den Psittacini und Strigidae bis an den Fur- eularast. Bei den meisten Vögeln trägt er an seinem hinteren (un- teren) Rande eine allmählig in den Körper des Coracoids ver- laufende Lamina, die bei den grossen Tag- und Nachtraubvögeln, den Struthionidae, einigen Rallıdae, den grösseren Laridae und Pro- cellaridae, Aptenodytes durch ein Foramen zum Theil von dem Co- racoid abgetrennt ist. Bei Ots ist von der Lamina nur das hin- terste (unterste) Stückchen vorhanden, welches dem „inneren Haken“ als kleine Spina entgegenragt. Am stärksten ist die La- mina bei Siruthio, wo sieden grössten Theil des Epister- nalseitenblattes ossificirt (s. oben beim Episternum). Dass diese Knochenbildung dem Coracoid nicht angehört, haben Gegen- baur und Selenka*) nachgewiesen; es ist also der „innere Haken“ des Coracoids nebst seiner Lamina als Verknöcherungsstelle des seitlichen Episternalblattes anzusehen und gehört somit zum Epi- sternum. Das sternale Ende des Coracoids ist am wenigsten verbreitert bei den TZrochilidae und Apienodytes; etwas mehr bei den Oscines, Haleyonidae, Colius, Gallinacei, Dicholophus; nimmt dann an Breite zu bei den Raptatores, Podiceps, Struthionidae, Anatidae, den meisten Olamatores und Zygodactylae, den meisten Grallatores, Laridae, Co- Iymbus, bis es bei den Procellaridae (Procell. glacialis) seine grösste Breite erlangt. Dieses Ende ist ziemlich dünn, indem der Knochen von vorn nach hinten allmählig an Dicke abnimmt. Stets ist das hintere: Ende von innen und aussen etwas schräg nach hinten ab- geschnitten, so dass zwei Kanten entstehen, die zu einander sehr verschieden grosse Winkel bilden können, und von denen die in- nere verdickte und überknorpelte sich mit einer mittleren Leiste *) Bronn, a. a. O. 346 Wilhelm Lühder: gelenkig in die Rinne des Margo anterior sterni und mit dem unteren Rande auf die Unterlippe desselben setzt. Die äussere Kante ragt frei und bildet meist den hinteren seitlichen Rand eines dünnen Knochenflügels, der aus einer starken Verbreiterung des sternalen Coracoidalendes resultirt. Dieser Flügel ist schnabelig nach vorn gebogen bei Caprimulgus, Coracias, Colymbus ete., mit | einer Spitze gerade nach aussen gehend bei den Scolopacidae, Cha- radrıadae, Rallidae, Anatidae, T,aridae etc., breit und abgerundet bei Otıs. Merkwürdig ist das Verhalten der Sterno-Coracoidalgelenke bei Trochilus und Opisthocomus. Trochilus hat nämlich keine Rinne in dem Margoanterior. sondern die Coracoidea artikuliren in Kugel- gelenken auf dem abgerundeten Rande; bei Oprsthocomus sind die Coracoidea an ihrem hinteren Ende unter sich und mit dem Ster- num knöchern verwachsen. Das längste und zugleich schwächste Coracoid haben die Osei- | nes, Ithamphastidae, Colius, Picidae, Felecanidae; von mittlerer Ent- wiekelung nach Länge und Stärke ist es bei den meisten Olamato- res und Zygodactylae, Columbae, Gallinacei, Herodinidae, Anatidae; kurz und stark haben es die Macrochires, Raptatores (besonders diurni), Struthionidae, viele Grallatores und Natatores (bei Aptenody- tes ist es am stärksten überhaupt). Die inneren Spitzen der sternalen Coracoidalenden betreffend, ist zu bemerken, dass dieselben einen kleinen Abstand von einander behalten können (Ciconia, Pelecanidae etc.), oder sich in der Me- dianebene berühren (Zaridae, Anatidae etc.), oder endlich, wie bei den Reptilien und Amphibien, über einander greifen. Der letztere Fall tritt ein bei .Dromaeus und in geringerem Grade bei den Rap- tatores diurni, Ardea, Platalea. Auf der Oberfläche des Coracoids sind zwei Muskelgrannen hervorzuheben. Die Spina coraco-brachialis beginnt auf der äusseren (unteren) Fläche der sternalen Verbreiterung und läuft das Üoracoid aufwärts, wo sie allmählig verschwindet. Sie bildet die Verlängerung der Sp. subclavii des Sternums und begrenzt den Musculuscoraco-brachialis longus nach innen und den M. subelaviusnach aussen. Die Spina coraco-sternalis begrenzt denM.coraco-sternalis nach aussen und oben und fällt gewöhn- lich mit dem vorderen (oberen) Rande des Flügels der sternalen Verbreiterung des Coracoids zusammen. Zur Bildung des Brustbeins und Schultergürtels der Vögel. 347 c. Clavicula. Die Schlüsselbeine der Vögel verwachsen in der Regel in der Medianlinie mit einander zu der Furcula. Eine Ausnahme machen die Rhamphastidae, einige Papageien aus den Gattungen Psittacula, ' Platycereus, Pezoporus, Melopsittacus, ferner Dromaeus und Casuarius, indem bei den beiden Struthioniden die Claviculae nur als innere Fortsätze der Schulterblätter auftreten, bei den Ahamphastidae und Papageien zwar selbständige Knochen bilden, aber spitz gegen die Crista hin verlaufen, ohne sich zu erreichen. Wiederholt ist bald diesem, bald jenem der kleinen Papageien die Olavicula abge- sprochen worden; ich habe sie aber gerade bei denen, wenn auch mitunter sehr rudimentär, vorgefunden und nur bei Psütacula passe- rina und Melopsittacus undulatus vermisst, bin aber keineswegs der Meinung, dass sie diesen beiden Vögeln nun wirklich fehle, .sondern elaube vielmehr, dass das Nichtvorhandensein auf Rechnung fehler- haften Skelettirens zu schieben sei. Selenka*) hat diese Ansicht bereits ausgesprochen und ich bin überzeugt, dass spätere Unter- suchungen sie bestätigen werden. Struthio fehlt die Clavicula gänzlich. Die Fureula setzt sich entweder mittelst ihrer freien Enden syndesmotisch stumpf an das Acromion (Musophagıdae, Öpisthoco- mus, Galbulidae, Aquila, Sarcorhamphus, Cathartes, Gypogeranus, Oryp- turi) oder geht, sich dicht anlegend, an der Innenseite daran ent- lang in der Richtung der Scapula aufwärts (Oseines, Trochilidae, Coracias, Upupa, Halcyonidae, Eurylaeminae , Colius, Trogonidae. Rhamphastidae, Picidae, Palamedea — bei Psophia und Dicholophus setzt sie sich aussen nach dem Foramen triosseum zu an das Acromion Oiconia, Scolopacidae, Charadriadae, Anatidae, Colymbrdae) _ oder ist endlich durch längere oder kürzere Ligamente mit dem Acromion verbunden. Die Verbindung der Furcula mit der Crista erfolgt durch das Episternum in bereits geschilderter Weise. An die Tuberos. furcularis des Coracoids legt sich die Olavicula ent- weder nur leicht an, oder verdickt sich unterhalb derselben und tritt mit ihr theilweise in gelenkige Verbindung (Cypselus, Capri- mulgus, Musophagidae, Raptatores, Pelecanidae, angedeutet bei Cueu- lus, Columbae, Alcae). Die einfachste Form des freien Endes der Clavieula ist geringe _ Verbreiterung und spitze Endigung ( Trochilidae, Musophagidae, He- » Bronn, a. a. 0. 348 Wilhelm Lühder: rodinidae, Scolopaeidae, Charadriadae, Anatidae, Laridae, Pelecanidae,, Colymbidae, Alcae). Manchmal findet sich an der Berührungsstelle mit dem Coracoid ein kleines vorderes Tuberculum, welches zu‘ einer zweiten Form führt, wenn es zu einem wirklichen eoracoida- | len Fortsatz entwickelt ist (Meropidae, Halcyonidae, GFalbulidae, Tro- gonidae, Colius, Orypturi). Durch Ausfüllung der so gleichsam ge- | bildeten Gabel entsteht eine dreieckige Endplatte, deren freie | Ecken gegen Coracoid und Scapula hinweisen (Oscines, Opisthoco- mus, Eurylaeminae, Rhamphastidae, Certhiadae, Picidae). Geht die Ausfüllung noch weiter, so bildet sich eine rundliche Scheibe am Clavicularende (Oaprimulgus, Coracias, Epopidae, Cuculus, Buceridae, Psittacini, Columbae, Gallinacei, Alectorides, Rallidae), die sich bei den Raptatores zu einem nach hinten gebogenen Schnabel ausdehnt. In ihrem ganzen Verlaufe gerade sind die Furcularäste nur bei Opisthocomus, wo sie in einem spitzen Winkel zusammentrefien ; sonst erleiden sie in der Regel eine doppelte Krümmung, einmal nämlich in der Medianebene (es ist hier die Projecetion des Fureu- larastes auf die Medianebene gemeint) und dann in der durch sie selbst bestimmten Fläche. Die letztere Krümmung kann in fünf verschiedenen Formen auftreten: 1. Die Aeste sind nur wenig ge- bogen und treffen unter einem spitzen Winkel zusammen, dessen Scheitel mitunter etwas abgerundet sein kann (Trochilidae, Muso- phagidae, Strigidae, Gallinacei, Psoplia, Dicholophus, Herodinidae, Rallidae, Pelecanidae, Colymbidae, Aptenodytes). 2. Die Aeste con- vergiren langsam und vereinigen sich zu einem Kreisbogen (Otıs, Palamedea, Laridae, Procellaridae). 3. Die Aeste laufen die Hälfte ihrer Länge parallel und treffen zu einem gothischen Bogen zu- sammen (Oscines, Eurylaeminae, Psittacini, Pieidae). 4. Sie laufen gut zwei Drittel ihrer Länge parallel und kommen zu einem Halb- kreis zusammen (Meropidae, Haleyonidae, Momotidae, Galbulidae, Cuculus, Trogonidae, Colius, Columbae, Scolopacidae, Charadriadae, Anatidae, Alcae). 5. Die Aeste divergiren vom acromialen Ende an erst ein Stückchen, wenden sich dann und bilden von der Wende- stelle an zusammen einen Halbkreis (Buceridae, Raptatores diurm, . Crypturi). Die Krümmung in der Medianebene ist entweder eine einfach bogenförmige oder eine S-förmige. Der Bogen ist, mit alleiniger Ausnahme der Psittacini, wo er nach hinten geht, nach vorn convex. Bei den Columbae, Gallinaca und Rallidae (Parra ausgenommen) ist er am schwächsten, durchläuft dann verschiedene Krümmungs- Zur Bildung des Brustbeins und Schultergürtels der Vögel. 349 ‚grade und ist am stärksten bei den grossen Tagraubvögeln, Oygnus musicus, Colymbus und Aptenodytes, indem er hier gegen die Ver- _ wachsungstelle der Aeste hin wieder aufwärts steigt bis in die Nähe des Proc. episternalis. Bei den Vögeln mit S-förmigen Aesten sind die letzteren mit dem oberen (acromialen) Drittel nach vorn ‚concav und in dem übrigen Laufe nach vorn convex (Öscines, Eury- laeminae, Picidae, Certhiadae), nur bei den meisten Zerodinidae und Pelecanidae findet genau das Umgekehrte statt. Gewöhnlich ist die Fureula rundlich und nur gegen die freien Enden hin von aussen nach innen abgeflacht; bei mehreren Fami- ‚lien jedoch ist sie in ihrem ganzen Verlaufe plattgedrückt (Cora- cias, Momotidae, Meropidae, Halcyonidae, Galbulidae, Musophagidae, Psittacini, Raptatores, Otis, Palamedea, Colymbus, Aptenodytes) und bei einigen sogar windschief gedreht (grosse Raptatores diurni, Otis, Palamedea). Der Abstand des Tuberculum interfurculare von der Crista ist ein sehr verschiedener. Am weitesten sind beide Punkte von einander entfernt bei Opisthocomus und am nächsten liegen sie sich natürlich bei den Vögeln, deren Furcula mit der Crista ver- wachsen ist (s. Episternum). Sehr nahe, fast bis zur Berührung geht die Furcula der Rhamphastidae, Strigidee und einiger Rallidae und Procellaridae an die Crista heran, so dass man oft glauben möchte, es fände wirklich syndesmotische Verwachsung statt. Se Die Pneumaticität. Beim Vogel erweitern sich einzelne Lungenbläschen zu Säcken, die sich zwischen die Eingeweide lagern und sogar Ausläufer in die Knochen senden.*) Diese Einrichtung hat die doppelte Folge, dass einmal, die in grosser Menge eingeathmete und theilweise in die Knochen gestriehene Luft auch bei der Exhalation noch weiter rücksichtlich ihres Sauerstofigehalts ausgenutzt wird (doppelte Ath- mung), und zweitens die Knochen, ohne an Festigkeit zu verlieren, ein bedeutend geringeres Gewicht erlangen, was das specifische (Gewicht des ganzen Vogelkörpers erniedrigt und somit die Flug- fähigkeit wesentlich fördert. Dazu kommt, dass die Knochenluft beim Durchstreichen der Lungen vorgewärmt, also dünner und leichter als die atmosphärische ist. Wilbrand **) meint, dass auch *) Bronn, a. a. O. **) Handbuch der vergl. Anat. Darmstadt 1838. 350 Wilhelm Lühder: | die relativ stärkere Stimme der Vögel mit den bedeutenden im es 5 $ a u Körper aufgespeicherten Luftmengen in Zusammenhang zu brin- gen sei. | Die pneumatischen Knochen können entweder hohle Blasen darstellen oder, wie es bei Brustbein und Schultergürtel der Fall, im Innern (wie bereits. mehrfach geschildert) mit Knochenbälkchen | durchzogen sein. Meistens sind die Knochen so dünnwandig, dass ınan schon von aussen die Hohlheit und zellige Struktur erkennt; das sicherste Kennzeichen jedoch für die Pneumatieität bleiben die ein- und ausführenden Oeffnungen. Diese liegen meist an der Kör- perseite der Knochen und an besonders vertieften und gedeckten | Stellen. Bei langen Knochen, wie die des Schultergürtels, liegen sie an den Enden. Ihre Gestalt anlangend sind sie rundlich, mit glatten, abgerundeten Rändern. Bei jungen Vögeln sind die später pneumatischen Knochen noch mit Mark gefüllt, welches erst nach und nach, wie Nitzsch*) beobachtete, von den einführenden Oefi- nungen aus beginnend, resorbirt wird, um den eindringenden Lun- genbläschen Platz zu machen. a. Pneumaticität des Brustbeins. Das Sternum finden wir durchaus pneumatisch bei allen guten Fliegern, theilweise Luft enthaltend bei Läufern und Schwimmern, luftlos bei den Tauchern, denen ein lufthaltiger Knochen von solcher Grösse die Ausübung ihrer Tauchfähigkeit wenn nicht unmöglich ınachen, so doch sehr erschweren würde. Die einführenden Luft- löcher liegen in der Regel auf der inneren Fläche (Ciconia hat in dem ausgehöhlten Obertheil des vorderen Cristalrandes, Merops in der Dreigabel desProc. episternalis einige Luftlöcher und bei Coracias führt zwischen den Coracoidalgelenken ein Loch in den Margo anterior) und sind in zwei Linien gruppirt, wovon die eine median von vorn nach hinten, die andere quer in der Nähe des Margo anterior und im Bogen nahe den Marg. laterales bis zum Ende des rippentragenden Seitentheils verläuft. Beide Linien schneiden sich also in der Medianlinie, welche Stelle wir der Kürze halber als „Kreuzpunkt“ bezeichnen wollen. Die Oeffnungen können nun bei den einzelnen Gattungen in beiden Linien auftreten, oder nur in der Bogenlinie, oder auf den Kreuzpunkt beschränkt sein. In der Mittellinie allein finden sich | | | die Löcher selten (Oris). Ausserdem können aber noch einige Löcher *) Osteographische Beiträge z. Naturgesch. d. Vögel. Leipzig 1811. Zur Bildung des Brustbeins und Schultergürtels der Vögel. 351 an der Innenfläche des Proc.later. anterior hineinführen (Capri- mulgus, Cuculus, Picidae, Psittacini, die grösseren Raptatores, Colum- bae, Herodinidae). Nur ein einführendes Loch, welches im Kreuzpunkt steht, weisen die Oypselidae, Epopidae, grösseren Scolopacidae und Chara- ‚ driadae, die Schwimmenten, Mergus, Laridae auf, und zwar führt dasselbe bei Mergus und den grösseren Zaridae in den vorderen Cristalrand und lässt das übrige Sternum luftlos, während es bei den kleinen ZLaridae, den Scolopacidae und Oharadriadae nur in einen ganz kurzen Blindsack geht. Auf die Mittellinie beschränkt sind die einführenden Löcher, wie gesagt, bei Otis. Sie stehen. spärlich und sind so klein, dass sie mit den weiten Lufträumen der dicken hohen Crista und des Sternums in gar keinem Verhältniss stehen. Wenn die Luftlöcher in der Bogenlinie allein stehen, so findet sich im Kreuzpunkt entweder ein besonders grosses Loch oder doch eine starke Anhäufung kleinerer (Caprimulgus, Strigidae , Cygnus musicus); bei Phalacrocorax jedoch steht im Kreuzpunkt kein Loch und nach den Seiten hin nur sehr wenige und kleine. Bei den meisten Vögeln stehen die Löcher in beiden Linien, doch ist die Dichtigkeit des Vorkommens und die Vertheilung nicht überall gleich. Am spärlichsten sind sie bei den Gallinacei, wo nur an der tiefsten Stelle der Pars pectoralis und in der Nähe der Proc. later. anteriores einige wenige Löcher stehen. Etwas dichter sind sie gestellt bei den Oscines, einigen Clamatores, Psitta- cus, den kleinen Raptatores diurni, Columbae und meistens befindet sich dann im Kreuzpunkt ein grösseres Loch, bei Psiitacus sogar deren zwei. Ein grosses Loch in der Nähe jedes Proc. later. an- terior und dazu einige kleine in der Mittellinie finden sich bei den Picidae. Eine ziemliche Anhäufung in der Mittellinie, geringer da- gegen in der Bogenlinie, beobachten wir bei den Herodinidae ; bei Ciconia können allerdings die Löcher der Mittellinie auch sehr oft in quergezogene Gruben verwandelt werden, und bei Ardea stehen die Löcher nur im tiefsten Theile der Mulde. Grus hat, der Tra- chea in der Crista wegen, eine erhabene Mittellinie, die Löcher lie- gen deshalb zu beiden Seiten derselben, weil sie nur an vertieften Stellen vorzukommen pflegen. Bei den Anseres und Cygnus olor überragt die Dichtigkeit der Lochstellung in der ganzen Bogenlinie die ‚der Mittellinie bedeutend. Im Kreuzpunkt steht ein grosses Loch. Die regelmässigste und vollkommenste Entwickelung hat das 352 Wilhelm Lühder: Arrangement der Luftlöcher bei den grossen Raptatores diurni. Im Kreuzpunkt stehen die Löcher am grössten und dichtesten, so dass man bis in die Spitze der Spina anterior hineinsehen kann, und nehmen von hier nach den Enden beider Linien hin allmählig an Dichtigkeit und Grösse ab. Doch kommt auch hier bei Buteo und Milvus eine theilweise Umwandlung der Löcher wie bei Ciconia vor. | Die ausführenden Oeffnungen finden sich, falls sie vorhanden sind, zwischen den Lippen der rippentragenden Seitenrandtheile. Ein partiell pneumatisches Brustbein haben die Cypselidae, Otis und die Schwimmenten, bei denen einzelne Partieen des Cor- pussterni durch Verschmelzung der Platten dicht geworden sind, ferner die Gallinacei, die nur den Vordertheil des Sternums bis zur inneren Abdominalbucht und den Vorderrand der Crista (Teirao und Pavo die ganze Urista) luftführend haben. Bei Siruthio scheint sich die Sternalpneumaticität auf die dicken Margines laterales zu beschränken. Bei Mergus, den grösseren Zaridae, Scolopacidae und Oharadriadae erhält nur das obere Stück des vorderen Cristalran- des Luft, und bei den Pelecanidae ausser dem vorderen Cristalrand noch der verdiekte Margo anterior. Absolut unpneumatisch, also markhaltig oder massiv ist das Brustbein der kleinen Oscines und Strigidae, der Tauchenten, Ral- lidae, Scolopadicae, Charadriadae, Procellaridae, Colymbidae und Alcae. b. Pneumaticität des Schultergürtels. Von den Knochen des Schultergürtels ist das Coracoid am häufigsten luftführend. Eine partielle Pneumaticität findet hier nicht statt; es ist entweder ganz pneumatisch (wobei natürlich die Wände verschiedene Dicke haben können) oder ganz mit Mark ge- füllt, welch’ letzterer Fall bei den kleinen Oscines, einigen Clama- tores, Strigidae und Columbae, den kleinsten Gallinacei, Ardea, Bo- taurus, den Rallidae, Charadriadae, Scolopacidae, Laridae, Platypus, Colymbidae eintritt. Die Luftöffnungen finden sich beim Coracoid im Foramen triosseum; bei den grossen Tagraubvögeln geht auch von der Aussenseite der Tuberos. furcularis ein kleines Loch in den Knochen hinein, und bei den grossen Gallinacei, (rrues und einigen Picidae liegen die Oefinungen nur an der inneren Fläche des sternalen Endes unter dem Museulus coraco-ster-. nalis. Die Scapula ist luftlos bei den Vögeln mit unpneumatischem Coracoid. In die luftführende Scapula tritt die Luft gleichfalls vom Zur Bildung des Brustbeins und Schultergürtels der Vögel. 353 ' Foramen triosseum aus ein und zwar meist in die untere Seite des Acromions. Etwas mehr nach vorn und oben bei einigen grossen Gallinacei und Anatidae, bei Strutkio aber in die innere ‚ (nach der Medianebene gelegene) Seite gleich über der Verwachsung ' mit dem Coracoid. Die Furcula ist der einzige Knochen des Schultergürtels, bei ' dem partielle Pneumatieität auftritt. Bei den Corvini und Strigidae ' nämlich ist nur das obere (acromiale) Ende luftführend, während die übrige Furcula dicht ist. Unpneumatisch finden wir sie fast bei allen Vögeln, deren Coracoid luftlos ist. Die Oefinungen der pneumatischen Furcula liegen auf der äusseren Seite des Knochens und zwar gewöhnlich im Foramen triosseum, bei den Schwä- nen aber ziemlich weit unterhalb der Verbindungsstelle mit dem Coracoid. Bei Grus stehen die Claviculae mit der Crista in ofiener Zellengemeinschaft und empfangen ihre Luft aus dieser, weil son- stige einführende Löcher fehlen. Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. ——” Nach eigenen 30jährigen Beobachtungen zusammengestellt von Dr. Jean Gundlach. (Fortsetzung; siehe S. 265 — 295.) Erste Ordnung. Aceipitres. l. FAMILIE VULTURIDAE. Gattung Cathartes lieg. = TCathartes aura (Vultur) L. — Aura oder Aura tinnosa. v Vergleiche, was ich bei dieser Art im Journal, Erinnerungs- schrift 1854, Seite LXXIX gesagt habe. Daselbst ist jedoch ein Druckfehler geblieben, nämlich in der 10. Linie steht Augenbrauen um die... anstatt Augen braun, um die... Auch das im Jour- nal IX. Nr. 54 Seite 401 über Cath. urbis incola. Das eben aus dem Eie geschlüpfte Junge ist mit einem weissen Flaume bedeckt, dieser fehlt aber fast ganz am Kopfe und im Nacken, wodurch diese Stellen schwärzlich erschei- nen. Beine schwärzlich. Iris braun. Das ausgefiederte Junge hat einen schwarzen, an der Wurzel mit Hellbraun gemischten Schnabel, braune Iris, weiss- liche Beine, als seien sie überpudert. Die Schilde der Zehen und Cab. Journ. f. Ornith. XIX. Jahrg. No. 113, Septbr. 1871. 23 354 Dr. Jean Gundlach: auch diese selbst nach den Krallen hin schwärzlich. Kopf und | Nacken mit einem kurzen dunkelbraunen Flaume. Gefieder schwarz- | braun, die Halsfedern am grösseren Theile mit bläulichem Glanze, aber mit mattem Rande. Die kleinen Flügeldecken haben brei- tere matte Ränder und die mittleren Decken ausserdem einen | schmalen weissen Spitzenrand. Schwungfedern und grosse Flügel- | decken ohne Glanz, die Flügeldecken der 2. und 3. Ordnung fast | gänzlich glänzend, nur gegen die Spitze hin mit schwarzem mat- | ten Rande. Schwanzfedern an der ganzen Aussenfahne glänzend. Die 2.—5. Schwungfeder mit ausgeschnittener äusserer Spitzen- hälfte. Am alten Vogel sieht man die 3. und 4. Schwungfeder am längsten und den Schwanz gerundet. Es giebt auch rein weisse und weissgefleckte Varietäten. Der Aura ist auf Cuba Standvogel und äusserst gemein, da ihn selten Jemand tödtet, denn sein Nutzen durch Wegschaffung von Unreinlichkeiten und todten faulenden Thieren hat ihm den Schutz des Publikums erworben. Höchst sonderbar ist es, dass, während nicht allein Cuba und Jamaika, sondern auch das Festland von Nord- und Südamerika Auras besitzen, Santo Domingo und Porto-rico keine haben. Ich habe auch keine auf Martinique gesehen, doch ist dieses noch kein Beweis, da ich nur im Hafen von Fort de France war. Der Grund, weshalb genannte Inseln keine Auras haben, ist mir gänzlich un- erklärlich. Man sieht ihn überall, wo er Nahrung finden kann, und kaum hat man z. B. ein Thier geschlachtet , so sieht man auch schon ° Auras herbeifliegen, obgleich man vorher keinen in der Luft sah. — Dieses hat die Frage verursacht: sieht oder riecht der Aura ,„ wo Nahrung für ihn ist? — Auch Audubon u. a. m. haben diese Frage zu beantworten gesucht, ich kann ihm aber noch nicht völ- lig beistimmen, vielmehr bin ich der Meinung des Mr. Gosse in seinen Birds of Jamaica Seite 2, dass beide Sinne, je nach der Ge- legerheit, in Wirkung treten können. Mr. Gosse siebt Beispiele an und ich will auch noch Einiges sagen. Ich tödtete eine Capro- mys Fournieri (ein hasengrosses Nagethier). Sie fiel vom Baume herab in ein Dickicht von Jicaco (Chrysobalanus) und es war mir unmöglich, das todte Thier zu sehen. Nun war dieses Gebüsch ausserdem von hohen horizontalästigen Jucarobäumen (Bucida ca- piata) überwachsen. Am dritten Tage kam ich an dieser Stelle Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 355 ' vorüber und sah viele Auras auf den niederen Aesten des Jucaro- baumes, höchstwahrscheinlich vom Gestanke des todten Thieres _ herbeigeloekt. — Man brachte vor vielen Jahren zur Insel die Art- stolochia labiosa, deren Blüthenknospen die Grösse und die Gestalt einer Ente haben, weshalb man sie hier Flor de pato, Entenblume, nennt. Sobald die Blume sich öffnet, verbreitet sie einen Aas- gestank und die Blume füllt sich mit Schmeissfliegen an. Nun hat man aber auch Auras zu diesen Blumen kommend gesehen. — Ich versteckte ein todtes Schweinchen neben einer Mauer und unter. einer dichtbelaubten Murraya ewxotica. Es war unmöglich, das Schweinchen zu sehen, da ich noch grosse Blechplatten darüber ge- legt hatte. Am dritten Tage sah ich Auras auf der Mauer hin- und hergehen und mit vorgestrecktem Halse niederblicken. Nun kann man aber auch deutlich sehen, wie der Aura wäh- rend seines ohne Flügelschlag ausgeführten Schwebens den Kopf nach allen Seiten bewegt, gewiss um Beute mit dem Gesichte auf- zufinden. Auf diese Weise müsste er doch wohl oft durch ruhig schlafende Thiere angeführt werden, da giebt man aber als Grund an, er könne gerade wegen seines guten Gesichtes die Athmungs- bewegungen der Brust sehen. Er frisst nicht allein Aas und frisches Fleisch, sondern be- gnügt sich oft bei Mangel mit Koth und selbst faulenden Pfilanzen- stoffen. Getödtete Auras blieben verschont, doch wurden abgebalgte Körper verzehrt. Die am Brande gestorbenen Ochsen bleiben auch verschont. Angeschossene oder gefangene Auras brechen das im Kehlsacke Befindliche wohl wegen Furcht aus. Ich hatte einen ge- fangenen angebunden und er stellte sich Anfangs bewegungslos. Hat sich ein Aura einmal an frisches Fleisch gewöhnt, so ist er oft schädlich, indem er auch Hühnchen fängt und frisst, oder in den Zuchtpfianzungen nach stattgefundenen Geburten zuerst die placenta u. s. w. aufzehrt und dann selbst noch die kleinen Ferkel angreift. Doch sind solche schädlich gewordene Auras selten, ich habe aber einen getödtet, weil er einem noch lebenden Ferkel den ‚ganzen Schenkel abgefressen hatte. Man sieht, wenn gerade keine Nahrung vorhanden ist, den Aura in hoher Luft gerade oder in grossen Kreisen fliegen und zwar fast ohne Flügelschlag und dennoch nach allen Richtungen, mit und gegen den Wind. Nie habe ich einen schöneren Flug ge- sehen, und selbst der Fregatvogel fliegt nicht so schön und bewegt weit ölter die Flügel. Giebt es aber irgend ein todtes Thier, wäre 23# 356 Dr. Jean Gundlach: es auch klein, so sinkt er tiefer und tiefer, beschreibt engere Kreise und schlägt öfter die Flügel. — Da, wo Schlachteplätze sind, wo ein grösseres Aas liegt, vereinigen sich viele solcher Auras, und da sie in verschiedener Höhe und Richtung fliegen, bilden sie ein schönes Gewirre, das man Aurero (etwa durch Aasgeierei zu über- setzen) nennt. Zuletzt lassen sich die einen zum Aase nieder, die anderen besetzen nebenstehende Mauern, Dächer, Bäume, und in deren Mangel nehmen sie Platz auf der Erde. Nur einige fressen zu gleicher Zeit und jagen die Zudringlichen mit einer buckligen Stellung und aufgespreizten Rückenfedern und etwas ausgebreite- ten Flügeln und Schwanz auf sie zulaufend zurück. Nur einer kommenden Caraira (siehe die nächste Art) machen sie Platz. Die Augen und die Kloake sind die Theile, welche zuerst an- gegrifien werden, jedoch fressen die Auras lieber das in der Zer- setzung begriffne, als das noch frische Thier (gerade das Gegen- theil der Caraira), und selbst nach Regengüssen kehren sie zu den übriggebliebenen getrockneten Resten zurück, weil sie, durch die Feuchtigkeit erweicht, neuen Gestank verbreiten. — Wenn ein Ge- witter bevorsteht (was hier in den Tropen meistens im Mittage der Fall ist), sieht man oft einen Aurero vor den Gewitterwolken hoch durch die Luft ziehen. Da man hier in den Städten gegen 1 Uhr Mittags ausserhalb der Stadt an einem Orte das Rindvieh, an einem andern die Schweine schlachtet, so kommen zu dieser Zeit, eine ungeheure Anzahl Auras, um die Abfälle zu fressen. Gegen Abend ziehen sie sich zu den Palmen und hohen Bäumen in den Gärten zurück und bilden so, durch die Menge, Aureros. Sie schlafen auf diesen Bäumen oft gesellschaftlich. Nach starken Regengüssen und nach thaureichen Nächten setzen sich die Auras auf einen freien hohen Punkt, z. B. Baum- ast, Mauer, Fels, — breiten beide Flügel aus mit nach der Sonne gerichtetem Rücken oder Brust und in einer senkrechten Stellung, was einen ganz sonderbaren Anblick gewährt. Der Aura hat keine Stimme. Im Zorn oder Furcht giebt er ein Geräusch von sich, was durch die ausgeblasene Luft entsteht. Niemand verfolgt den Aura, des Nutzens wegen, den er leistet durch Wegschafiung faulender Körper, und Niemand isst ihn, ein- mal weil er Aas frisst, und dann, weil alle seine Theile einen eigen- thümlichen üblen Geruch haben, den ich schon beim Ausblasen sei- ner Eier beobachtet habe. Da ihn Niemand verfolgt, ist er nicht scheu. Im Frühjahre wird er sehr von den im Nisten be- Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 357 schäftigten Cernicalo ( Tinnunculus dominicensis) und Pitirre (Melt- tarchus griseus) verfolgt, so lange er in der Nähe ihrer Nester fliegt. Diese Vögel verfolgen jedoch auch andere grössere Vögel. Die Auras pflegen jährlich das alte Nest oder vielmehr Nist- platz für die neue Brut zu gebrauchen. Ueber die Eier siehe Jour- nal 1857 Seite 145. Ich habe Eier von 0,070 + 0,045 Mm. und von 0,073 + 0,050 Mm. Die von Mr. Gosse angegebene Sage von Begattung mit schwarzen Hühnern und Truthennen ist hier nicht bekannt, da- gegen giebt man Aehnliches von der Caraira an. Il. FAMILIE. FALCONIDAE. Gattung Polyborus Vieill. TPolyborus Auduboni Cass. — Caraira. Mr. Cassin unterschied diese Art, in den Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia 1865, sie von der in Südamerika lebenden Art trennend. Pol. Auduboni ist, wie es scheint, nur auf Cuba, auf keiner andern Antille bekannt, und lebt ausserdem in den südlichen Staaten Nordamerikas, z. B. Florida, Luisiana, Texas und in Mexico. — Alles was von den Ornithologen über Polyborus von den Vereinigten Staaten und Cuba gesagt wurde, bezieht sich auf gegenwärtige Art und nicht auf Polyborus (Falco) 'tharus Molina oder F. cheriway Jacg,, F. brasiliensis Gm., Pol. vul- garis Vieill. Es ist möglich, dass die Leser, so wie ich, die Proceedings nicht besitzen, und es wird ihnen wohl angenehm sein, eine von mir entworfene Beschreibung der verschiedenen Altersstufen zu haben. Die 4. Schwungfeder ist die längste. Der Schwanz ist gerundet. Alter Vogel in beidenG@eschlechtern. Die Federn des Scheitels bilden eine Art Haube und sind, wie die der Flügel, des Rückens, der Seiten, der Schenkel und des Bauches, schwarzbraun. Nacken, Kehle, Bauch und Schwanzdecken löwengelb, die Wangen und das Kinn heller gefärbt. Schultern und Brust löwengelb, mit schwarzbraunen Querbinden. Die 6 ersten grossen Schwingen mit einem weisslichen, schwarzbraun gebänderten Flecke (die erste hat nur Weiss an der Wurzel der inneren Fahne, die folgenden an bei- den Fahnen, sich aber mehr und mehr von der Wurzel entfernend). Schwanzfedern löwengelb mit schwarzbraunen Querbinden und breiter Spitze, die äusseren mit fast ganz schwarzbrauner Aussen- — 358 Dr. Jeaı: Gundlach: fahne. Schnabel hellbläulich, Wachshaut und nacktes Gesicht orange- farben. Beine hellorangefarben. Iris kastanienbraun. Junger Vogel. Die schwarzbraune Farbe bei den Alten ist nur braun, die löwengelbe ist schmutzigweiss, die Schulter- und Brustfedern haben noch nicht die Querbinden, sondern sind braun mit einem weisslichen Längsfleck und schwarzem Schafte. Schnabel hell bleifarben, Wachshaut und nacktes Gesicht rosenfarbig, auf welchem letzteren bei gewissen Gemüthsstimmungen gelbliche oder weissliche Flecken hervortreten. Bei frisch erlegten verschwindet die rosenrothe Farbe bis auf einen Fleck unter dem Auge. Beine hell graulichgelb oder auch graulichgrün ; Iris wie bei den Alten. Nestjunges mit einem isabellfarbigen Flaum, mit Ausnahme des Oberkopfes, des Oberarmes und eines Fleckens an der Seite der Brust, welche Stellen dunkelbraun sind. Schnabel hell rosenfarbig. Beine blass graulichgrün. Augenstern braun. Die Maasse sind auf Seite LXXIX der Erinnerungsschrift des Jahrgangs II des Journals angegeben. ' Später nach dem Meter ge- nommene sind mir abhanden gekommen. Die Caraira bewohnt besonders gern und als Standvogel die Sumpigegenden und die, wo grosse Zuchtpflanzungen sind, selten ist sie aber in den anderänn sowohl bewaldeten, als mit Zucker- und Kaffeepflanzungen besetzten. Sie sucht besonders frisches Aas, greift aber auch lebende kranke oder verwundete Thiere oder Vö- gel an oder tödtet junge Vögel. So sah ich zwei Carairas einen jungen Ibis oder Eudocimus albus verfolgen, bis er ermüdet unter- lag. — In einem Neste fand ich Ueberreste einer Süsswasserschild- kröte, ich weiss aber nicht, ob diese todt gefunden oder getödtet wurde. — Eines Tages fand ich eine Stelle der Sumpfgegend oder Cienaga de Zapata, wo auf einzeln stehenden Bäumen viele Reiher- nester (von Ardea Herodias) waren. Sobald die Alten vor mir flohen, erschienen einige Carairas, wahrscheinlich um die Jungen zu holen. Die Reiher kehrten jedoch bald zurück und vertrieben die Carairas. — Ich hatte unter einem starkbelaubten Bueidabaume eine getödtete Schneegans aufgehängt, um sie bei meiner Rückkehr mitzunehmen. Ich fand sie von einer Caraira halb aufgefressen. Ich habe aber auclı gesehen, wie eine Caraira den Tod einer kran- ken Kuh abwartete. Als ich einige Stunden später wieder bei der Stelle vorbeikam, war die Kuh todt und die Caraira rupfte die Augen aus. — Ich habe Krokodile getödtet, und bald darauf kamen geraden Fluges Carairas, um das Aas zu fressen. Hat eine Caraira ä / j} j Ü Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 359 viel gefressen, so tritt ein kleiner Kropfsack aus den Federn her- ‚ vor, der, wie die übrige Haut, blassgelb ist. Die Caraira fliegt eher wie ein Rabe als wie ein Habicht, denn sie fliegt stracks auf ohne Kreise zu beschreiben und mit ' vielen Flügelschlägen, welche so ein Geräusch hervorbringen. Erzürnt oder in Furcht lässt sie ein feines Geschrei hören, zufrieden und niedersitzend giebt sie ein anderes Geschrei, das ihrem brasilianischen Namen Caracara ähnlich ist, und dabei hebt sie den Kopf so zurück, dass der Scheitel den Rücken berührt "(ähnlich den Störchen, welche jedoch beim Klappern den Kopf nach dem Bauche hin biegen). Man sieht sie oft in Paaren bei einander, und auf dem Aase eines Rindviehes oder eines Pferdes vereinigen sich viele. Da aber die Caraira lieber frisches Fleisch frisst und der Aura faulendes, so sieht man, dass die Caraira zu- erst frisst, und dieses hat zum Glauben Veranlassung gegeben, dass die Caraira vom Aura als König bevorzugt werde. — Bisweilen ge- wöhnt sich eine Caraira so an frisches Fleisch, dass sie neben den Wohnungen Hühnchen ergreift, also schädlich wird, da sie sonst nützlich zu nennen ist. — Ich habe mehrmals Junge aufgezogen und diese wurden äusserst zahm, bissen mich nicht, liessen sieh den Rücken streicheln, was ihnen wohl zu thun schien, denn sie breiteten die Flügel und den Schwanz aus und legten sich nieder. Wenn sie mich kommen sahen oder wenn Leute vor ihrem Käfige standen, pflegten sie ihre surgelnde Stimme ertönen zu lassen. — Wenn ich eine lebende Landkrabbe (Cordiosoma Guanhumi) in den Käfig steckte, so war es interessant zu sehen, wie die Caraira mit einem plötzlichen Schnabelhieb ein Bein nach dem andern der Krabbe abriss und “wohl Bedacht hatte, nicht von den Scheeren ergriffen zu werden. — Ich hatte eine 15 Jahre lang. Sie starb, während ich die 3jährige Reise machte. — Eine andere war schon 13 Jahre alt, als sie von einem Bienenschwarm überfallen wurde und dadurch ihr Leben ver- lor. Ich habe andere ebenfalls zahme bei Freunden gesehen. Ihr Gang auf dem Boden ist keineswegs schwerfällig, wie bei anderen Raubvögeln, sondern leichtfertig und mit einer Art Anstand. Ueber Fortpflanzung siehe Journal, Erinnerungsschrift Seite LXXIX und in 1857 Mai, Seite 146. Ich bemerke, dass die Ver- “ schiedenheit der angegebenen Maasse auf der Verschiedenheit des Maassstabes beruht, denn die auf Seite LXXIX sind nach dem 360 Dr. Jean Gundlach: kleineren spanischen Maassstabe, letztere auf Seite 146 nach dem grösseren deutschen genommen. Die Nistzeit ist, je nach der gehabten Witterung, verschieden. N Im Jahre 1850 gab es erst im März frische Eier, im Jahre 1854 im se ni green ei November, im Jahre 1557 im December, Es wäre aber auch mög- A lich, dass sie mehrere Bruten hat. — Man hat hier den Glauben dass man Bastarde von Caraira und Huhn beobachtet habe. Es ist sicherlich ein Irrthum. Aehnliches giebt man auf Jamaica von dem Aura an. Gattung Regerhinus Kaup. rRegerhinus Wilsonii (Cymindis) Cass. — Gavilan sonso, enano, azul. — Caguarero. Diese Art wurde von Mr. Richard C. Taylor bei Gibara im östlichen Theile der Insel entdeckt und von Mr. John Cassin be- nannt und in Proceedings of Acad. of Nat. Sc. of Phil. April 1847 beschrieben und abgebildet. Im Kataloge des A. Poey 1848 wird . sie als Cymindis cayennensis Gm. angeführt. In Lembeye’s Werke wird die Art auf Seite 20 in der Anmerkung als wahrscheinlich für Asturina cinerea Vieill. angekündigt und im Supplemente des- selben Werkes auf Seite 125 mit dem Namen Cymindis uncinatus | lllig. gegeben. Im Journal, Jahrgang II. Erinnerungsschrift Seite LXXX, gebe ich unter letzterem Namen die Beschreibung des Männchens und ne sage: „Ich habe diesen Vogel zuerst als die Insel Cuba bewoh- nend aufgeführt“. Diese Behauptung ist aber nun als unrichtig zu streichen. Nun vermuthete aber Dr. Cabanis an angeführter Stelle ganz richtig, mein Vogel möge der Regerhinus Wilsoni sein. Was die spanischen Namen betrifft, so heisst Gavilan sonso dummer Habicht, enano Zwerg- oder kurzbeiniger, azul blauer. Ca- guarero heisst Caguarafresser. Caguara nennt man im östlichen Theile der Insel die grösseren Schnecken (Heliw-Arten). Ich bin mit Mr. Cassin’s Beschreibung und Abbildung zufrie- den, nur ist wohl das Geschlecht bei den beiden Cassin’schen Exemplaren verwechselt worden, denn nach meinen 4 erlegten Exem- plaren ist das Cassin’sche Weibchen mein Männchen und umge- kehrt, und schon nach Analogie mit anderen Arten könnte man ‚ solches vermuthen, da z. B. die Circus-Arten ein graues & und ein braunes 9 haben. Das von mir auf Seite LXXX gegebene Maass 1’ 5 1°“ ist 1 2 ı Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 361 zwar dem von Cassin gegebenen, 17 Zoll, scheinbar sleich, aber in Wirklichkeit verschieden, denn meine Angabe ist nach dem kleine- ren spanischen Maasse und Cassin’s nach dem grösseren eng“ lischen. Wir beide eeben das Maass des 3. Nun aber ist bei Raubvögeln das 9 grösser als das d. Ich habe für das Weibchen 1’ 5% 10% spanisch, was jedoch noch nicht zu 17 Zoll kommt. Diese 17 Zoll sind aber an einem Balge, der verlängert sein konnte, genommen. In Millimetres sind die Maasse des frischen Vogels: & ein Exemplar 0,585 Mm., Länge 0,795 Flugbreite, 0,177 Schwanzlänge. & ein Exemplar 0,402 Mm., Länge 0,804 Flugbreite, 0,200 Schwanzlänge. 9 ein Exemplar 0,420 Mm., Länge 0,835 Flugbreite, 0,203 Schwanzlänge. 9 ein Exemplar 0,423 Mm., Länge 0,840 Flugbreite, | 0,205 Schwanzlänge. Auf Seite LXXX habe ich die Beschreibung eines Männchens gegeben, muss aber eine Stelle berichtigen; am Ende der Linie 9 anstatt „Untertheile weiss mit 5 ‚..“@ ]ege man „Untertheile weiss, jede Feder mit 3 schwarzbraunen Binden‘“. Anstatt einer selbstgefertigten Beschreibung des @ will ich hier Cassin’s Beschreibung des vermeintlichen & copiren, denn sie passt vollkommen: Corpore toto supra nigro-fusco, in capite pallidiore, subtus albo, plumis totis a mento usque ad caudae tectrices inferiores nOnN- nullis faseiis transversis nitide rufo-castaneis; his coloribus collum in vittam eireumductis. Primariis quartis, quintis et sextis longis- simis et fere paribus, pogoniis externis fere nigris, internis prima- ‚iorum externorum a basi pene ad medium albis, parte reliqua TU- bida ad castaneum vergente, primario quovis (in pogoniis interno) maculis duobus nigris et inaequaliter formatis, apice nigro. Cauda dorso concolore, nisi pallidiore, ad basin alba, fasciis ad quatuor, Jatis, fere nigris, fascia ab apice secunda vitta angusta, rufa, ob- scure definita, comitata. Caudae apice subtiliter albo marginato. Rostro permagno (quam in quavis alia hujusce generis, specie lar- giore) flavido albo, ad basin coeruleum-corneum vergente. Die Beschreibung seines 2 (aber meines 3) heisst: 9 Corpore toto supra coeruleo-cinereo, in capite pallidiore, subtus faseiis concoloribus, ferrugineo tinctis. 1 362 Dr. Jean Gundlach: Der Entdecker, Mr. Taylor, sagt nun noch in einem Briefe an Mr. Cassin: „with greenish yellow iris“. — Ich fand sie bläulich- weiss, woran vielleicht eine verschiedene Jahreszeit Antheil nimmt, Er giebt in demselben Briefe die Nahrung als aus Vögeln be- stehend an. Sollte er sich nicht wohl geirrt haben? Ich fand im Magen Thiere von Schnecken (Heliv), die er auf Bäumen sucht und mit dem starken Schnabel zerbricht. Seine Fänge scheinen schon durch ihre Schwäche anzuzeigen, dass sie keine Fangwerk- zeuge sind. Auch bestätigt diese Nahrungsweise sein angegebener Name Caguarero. Die Art ist, wie auch Mr. Taylor schon angiebt, sehr selten. Ich schoss nur 4 Exemplare während meines Aufenthaltes in dem östlichen Theile der Insel. Ich beobachtete Exemplare nicht allein auf den hohen Bergen im Bezirke Guantanamo, sondern auch im Flachlande, z. B. am Cautoflusse im Bezirke Bayamo und in der Savana (Steppe) von Cienfuegos. Ueber Fortpflanzung habe ich noch nichts beobachtet. Gattung Rostrhamus Less. DE Rostrhamus sociabilis (Herpetotheres) Vieill. — Gavilan caracolero. Man vergleiche, was ich im Journal 1861 Seite 402 über die Priorität des Namens und in dessen Erinnerungsschrift Seite LÄXX über das Nisten sage. ARostrhamus niger Less. 1831 soll derselbe Vogel sein. | Die Art ist in Sumpfgegenden (Brüchen) und an grossen Tei- chen, doch, wie ich bis jetzt beobachtet habe, nur an der südlichen Seite der Insel Cuba, stets anzutreffen. Obgleich sie häufig und Standvogel ist, habe ich doch nie ihre Nester mit Gewissheit beob- achtet. Nie habe ich sie Fische fangend oder fressend gesehen, was der Aussage D’Orbigny’s im la Sagra’schen Werke widerspricht. Ueberhaupt habe ich die von ihm angegebenen Sitten nicht für den cubanischen Vogel passend gefunden. Ich habe sie zwar einige- mal in grosser Zahl bei einander beobachtet, doch habe ich bei den kleineren Teichen stets dieselben Individuen beobachtet, welche also nicht wandern, nur höchstens von einem Teiche zu einem nahe- stehenden andern. Nur nach den grossen ersten Regengüssen der Regenzeit sieht man die nach und nach zu den noch Wasser habenden Teichen gekommenen vielen Exemplare zurück nach den nun wieder mit Wasser gefüllten, vorher trockenen Teichen fliegen. Der Flug gleicht nicht (wie D’Orbigny sagt) dem der Carai- | \ , Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 369 ras, sondern ist schwebend, nahe am Wasser mit langsamem, aber ' beständigem Flügelschlage. Wenn der Vogel eine Ampullaria (Süss- _ wasserschnecke), welche seine einzige Nahrung auszumachen scheint, _ an der Oberfläche des Wassers erblickt, hält er seinen Flug ein, lässt sich mit vorgestreckten Beinen sanft nieder und ergreift die Schnecke, die er dann zu einem seiner Speiseorte trägt. Dort zieht er das Thier aus dem Gehäuse, ohne dieses zu erbrechen. Unter _ einem solchen Speiseorte, welcher ein stehender Pfahl, ein Baum- stumpf oder ein freistehender Ast ist, sieht man einen Haufen von geleerten Gehäusen. Da Niemand diese Vögel verfolgt, so sind sie nicht scheu, und umgekehrt fürchten die kleinen Vögel dieselben nicht und setzen sich oft dicht neben sie, weil sie ihn nicht als Feind erkannt haben. Von Zeit zu Zeit lässt er seine, der Silbe gä, vielmals schnell hintereinander wiederholt, gleichende Stimme hören. Man hat in neuerer Zeit die Art auch in Florida entdeckt. Es. ist übrigens sonderbar, dass diese in Südamerika und Cuba ge- meine Art auf der in der Mitte liegenden Insel Jamaica nicht vor- kommt, und wäre es wiederum sonderbar, wenn meine Beobach- tung; dass sie an der Nordküste Cubas fehlt, sich ferner bestätigt, dass sie wieder in Florida vorkommt, ohne längs des mexikani- sehen Meerbusens, z. B. in Luisiana oder Texas beobachtet zu sein. — Es könnte möglich sein, dass, ähnlich wie bei der Caraira, bei genauer Vergleichung der hiesige Vogel vom südamerikani- schen“abweiche, und ich will daher eine von mir nach verschiede- nem Alter entworfene Beschreibung geben. Altes Männchen. Schwarzbraun, mit einem graulichen An- fluge; einige Rückenfedern und die der Flügel mit roströthlichem, wenig bemerkbarem Rande. Die Schwingen an der Wurzel der In- nenfahne etwas mit Grau gemischt. Obere Schwanzdecken weiss, einige mit schwarzbrauner Linie über den Schaft hinweg. Untere Sehwanzdecken weiss. Schwanzfedern an der Wurzel und der Spitze graulichweiss (die Wurzel an den äusseren bis zur Mitte an den mittleren bis zu Y/,). Schnabel schwarz, Wachshaut und Beine röthlichorangefarben. Iris blutroth. Altes Weibchen. Obenher schwarzbraun , Stirnfedern weisslich mit schwarzem Schafte; Kehle und Wangen lehmgelblich weiss schwarz gestrichelt; eine schwarzbraune Binde vom Auge nach dem Halse hin. Die Federn des Rückens, der Schultern und die Flügeldecken an der Spitze mit einer ganzen oder in der Mitte 364 Dr. Jean Gundlach: unterbrochenen rostfarbigen Binde. Die Deckfedern und Sehwingen zweiter Ordnung schwarzbraun, am Spitzenrande etwas heller. ' Obere und untere Schwanzdecken weiss, Schwanzfedern wie beim | &. Körperseiten schwarzbraun, an der Mitte der Brust haben die Federn jederseits einen roströthlichweissen Streif, an den Bauch- | federn herrscht diese Farbe vor mit noch einem schwarzbraunen | Querfleck nahe an der Spitze. Schwingen schwarzbraun, an der | Wurzel der Innenfahne weisslich mit einigen schwarzbraunen Bin- '' den. Schnabel schwarz, Wachshaut, Beine und Iris wie beim 4, jedoch weniger lebhaft gefärbt. E Junges Männchen. Es gleicht dem Weibchen, aber die rostrothe Farbe ist weiter ausgebreitet bis zu den Rändern der Kopffedern und den Deckfedern zweiter Ordnung des Flügels. Im |) Nacken sind die Ränder weisslich. Anstatt der weissen Farbe an Kehle und an den Schwanzdecken sieht man eine löwengelbe. Die Schienenfedern gleichen den Bauchfedern, und an diesen ist statt eines Querfleckes ein runder. Wachshaut, Beine und Iris noch dunkler und noch weniger grell als beim 2. | 3. Länge 0,460 Mm., Flugbreite 1,182, Schwanzlänge 0,190. DO, AOL TAN „Al H 1,232, 3 0,200. Die Flügelspitze ragte nur 0,010 Mm. über die Schwanz- spitze hinaus. | Die Beschreibung des R. taeniurus Cab. von Para stimmt nicht mit der eubanischen Art. Vergleiche die Anmerkung auf Seite LXXX des Journals. Gattung Pandion Savigny. +Pandion carolinensis (Falco) Gmel. — Guincho. 7 Ob die amerikanische Art wirklich specifisch von der europäi- schen verschieden ist, wie die nordamerikanischen Ornithologen be- haupten, kann ich nicht entscheiden. Ich will hier nur angeben, was ich über die Art selbst beobachtet habe. Anfangs September kommen viele, aber einzeln in kurzen Zwischenräumen fliegende Exemplare des Morgens, immer in der- selben Richtung fiiegend, längs der Nordküste (ich beobachtete bei der Stadt Cardenas), und man sieht später einzelne Exemplare an den Flussmündungen, auch an grossen Teichen und mehrere noch auf den Cayos (d. h. kleine Inseln an den Küsten). Diese Beob- achtung lässt mich glauben, dass die Art alsdann von Nordamerika, einwandert. | Ich habe übrigens Exemplare auch in den Sommermonaten auf Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 365 den Cayos getödtet, auch eins im ersten Jugendkleide. Doch habe ‚ich nie die Fortpflanzung selbst beobachten können, glaubwürdige Personen haben mich aber versichert, sie niste auf den Üayos, | woran ich nicht zweifle. Dasselbe sagt Gosse für Jamaica. Gattung Zypomorphnus Cab. +Hypomorphnus Gundlachi Cab. — Batista. vr Ueber diese Art, die schon A. Poey nach Lembeye’s Angabe als Urubitinga brasiliensis Aud. (gewiss falsch) und Lembeye in sei- nem Werke als Morphmus Urubitinga? Cuv. beschrieb, sehe man _ das im Journal, Erinnerungsschrift, Seite LXXXI Gesagte. Ueber seine Lebensweise kann ich nur noch sagen, dass diese _ Art nie aus den mit Mangle (Zlhizophora und Avicennia) bewach- senen Küsten und Cayos sich entiernt. Auf der nahen, zu Cuba _ gehörigen Insel Pinos (d. h. Fichteninsel) ist er auch sehr häufig. In seinem Magen fand ich Ueberreste von Krabben und anderen Schalthieren, es ist jedoch möglich, dass er auch Wirbelthiere frisst, ich habe jedoch noch keine Beweise dafür. — Vielleicht kommt er auch auf Jamaica vor, denn Mr. Gosse und Mr. March erwähnen den Morphnus Urubitinga, ohne ihn jedoch in Händen gehabt zu haben. Sein Nest stand auf einer Avicennia etwa 12 Ellen hoch und bestand aus Reisern, so wie die Nester der Raubvögel im Allge- meinen. Das Ei ist schmutzigweiss mit blaugrünem Schein und hat an dem stumpfen Ende einige blasslilafarbige Flecken. Die Maasse des Eies sind 0,058 + 0,045 Mm. Sein Fiug ist im Verhältnisse schnell, mehr in gerader Rich- tung und nicht Kreise beschreibend. Sowohl tliegend ais sitzend schreit er batista, woher sein Trivialname. Andere sagen, und so auf der Pinosinsel, Copete. 3. Länge 0,488, auch 0,520, auch 0,554 Mm., Flugbreite 1,226 und 1,232. 9. Länge 0,566, auch 0,610 Mm., Flugbreite 1,367, auch 1,418. Gattung Duteo Guv. TButeo borealis (Falco) Gm. — Im westlichen Theile der Insel Gavilan, im östlichen Guaraguao, auch Carraguao. Ich glaube die Beschreibung der Art übergehen zu dürfen, da sie von den nordamerikanischen Ornithologen in den verschie- denen Altersstufen gut beschrieben ist. Dagegen will ich das über Lebensweise Beobachtete angeben. Ueber die Synonymie siehe Journal 1861, Seite 402. > 366 Dr. Jean Gundlach: Diese auf Cuba als Standvogel lebende Art ist in gebirgigen und waldigen Gegenden gemein, in waldlosen Ebenen aber selten oder gar nicht vorhanden. Ihre Nahrung besteht in jungen Hutias (Capromys) und anderen kleinen Säugethieren, in Vögeln und viel- leicht auch in Reptilien. Doch habe ich letzteres noch nicht beob- achtet. Da, wo nahe am Walde oder an dem Fusse der Gebirge | Landleute wohnen, stösst sie oft auf das zahme Federvieh. | Ihr Flug ist oft sehr hoch und schwebend für längere Zeit ohne Flügelschlag in Kreisen auf Beute spähend, und hat sie eine solche gefunden, so stösst sie kopflings auf sie herab. Andere Male sitzt sie ruhig auf einem freien Aste, ebenfalls nach Beute schauend. Zuweilen lässt sie ihr durchdringendes, etwas gedehntes Geschrei hören, welches dann unter den Vögeln eine Alarm ist. Man sieht oft ein Paar in Gesellschaft fliegend oder sitzend und nach der 3rütezeit eine ganze Familie in der Luft kreisen. Die Art lebt auch auf Jamaica. | Als ich mit einigen Personen den nahe bei der Stadt Baracoa befindlichen Berg Yunque de Baracoa (der 6000 Fuss hoch sein soll) bestiegen hatte, steckten wir auf einer vorspringenden Spitze eine Stange mit einem langen weissen Zeuge als Fahne auf, da- mit sie von der Stadt aus gesehen werden könne. Kaum flatterte diese Fahne, so kam auch schon ein solcher Bussard und stiess mit Geschrei nach dieser Fahne, wie es wohl die Raubvögel auf der Krähenhütte nach dem Uhu thun. Ich sah im März sein Nest auf hohen, im Walde befindlichen Bäumen, z. B. auf Ceiba (Eriodendron anfractuosum), auf deren horizontalen Aesten eine Menge Schmarotzerpflanzen wachsen und dem Neste eine gute Unterlage geben. Das Nest bestand aus Rei- sern und mit weicheren Pflanzen in der Mitte. Die 4 Eier maassen 0,055 + 0,045; 0,054 + 0,044; 0,060 — 0,047 und 0,056 + 0,045. Die Schale ist dick, aber glatt. +Buteo pennsylvanicus (Falco) Wil. — Halcon, Gavilan/ Ueber Synonymie siehe Journal, Erinnerungsschrift Seite LXXXH und Journal 1861 Seite 403. Der spanische Name Carraguao ge- hört der vorigen Art. Auch über Lebensweise habe ich Seite LAXXH gesprochen. Obgleich die Art gemein ist, habe ich doch noch nicht ihr Nest finden können, was darin seinen Grund haben mag, dass es wohl, wie das Nest der vorigen Art, auf den grossen Schmarotzerpflanzen Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 567 steht und dass diese es nicht schen lassen. Ich habe noch nicht - vollkommen ausgewachsene Junge beobachtet. Ich finde in den bekannten Reports (die ich so oft erwähnte) eine gute Beschreibung der Gefieder des alten und des jungen Vo- gels, so dass ich eine von mir gemachte für überflüssig halte. — Doch will ich darauf aufmerksam machen, dass man die Alten be- sonders an den wenigen Schwanzbinden, an den mehr rautenförmi- gen Brustflecken, die Jungen an vielen Schwanzbinden und mehr länglichen Brustflecken unterscheiden kann. Das Gefieder ist auch bei Alten dunkler als bei Jungen. | Gattung Accipiter Br. FAeceipiter Gundlachi Lawr. — Gavilan. Ich entdeckte den jungen Vogel schon im Jahre 1839, den alten aber erst 1849. Als Lembeye sein Werk herausgab, kannten wir nur den Jungen und bestimmten ihn als A. Cooperi Bon., und noch im Supplement konnte der alte Vogel angeführt werden, und zwar mit dem Namen pileatus Pr. Wied. Als Herr Dr. Cabanis meine ersten Beiträge im Journal 1854 » bekannt machte, vermuthete er nach meiner mitgetheilten Beschrei- bung, dass ich nicht den echten pdleatus, sondern den alten F'. Stan- leyi oder, was gleich ist, Oooperi besitze. Hierin hatte er insofern richtig geurtheilt, als er in beiden als Arten angenommenen Vögeln nur eine Art sah. Er hatte jedoch kein Exemplar von mir und konnte also die Wahrheit selbst nicht finden. Als ich später ein echtes Exemplar von A. Cooperi aus Nord- amerika sah, erkannte ich sogleich, dass der cubanische Vogel ver- schieden war, und sandte dann sowohl den als Cooperi wie den als pieatus angesehenen Vogel an Mr. Lawrence, denn durch Dr. Ca- banis aufmerksam gemacht, betrachtete ich beide schon als eine Art. Mr. Lawrence erkannte die Art als neu und benannte sie Ac- cipiter Gundlachi. Die Beschreibung beider Alter und meine brief- lichen Mittheilungen wurden in Annals of the Lyceum of Nat. - Hist. of New-York 1860 bekannt gemacht, und ein Auszug davon steht im Journal 1861 Seite 200, aber nur mit der Beschreibung des alten Männchens. (Hier lese man Seite 201 Linie 2 „Schenkel grünlichgelb‘ anstatt „Beine“ [legs], d. h. tarsus und Zehen.) Ver- gleiche auch die Beschreibung auf Seite LXXXII im Journal 1854. Da ım Auszuge (1861 Seite 200) sich die Beschreibung des Jungen nicht befindet, auch nicht die Angaben über Lebensweise, so gebe ich sie hier und zwar vervollständigt. 368 Dr. Jean uadlacı Junger Vogel. Obenher eschenbraun, mit einem Anfluge von Rothbraun an Brust und Halsseiten. Die dunklen Längsstrei- fen der Unterseite sind breiter als bei Cooper: und bedecken den ganzen Bauch; die Körperseiten sind mit rothbraun breit gebän- dert und die Hosenfedern haben an ihrem Ende breite, rothbraune Tropfenflecke, welche wie unregelmässige Querbinden erscheinen; Cooperi hat diese Theile mit verlängerten Tropfenflecken und diese sind an den Hosen durchaus schmal. Der Schwanz ist wie bei C'ooperi gezeichnet, aber von dunklerer Farbe. Junge im ersten Gefieder haben die Federn des Kopfes, des Halses und die kleinen Flügeldecken mit rostrothen Rändern und die Unterseite mit schmalen braunen Längstlecken. Altes Weibchen, wie Männchen gefärbt, nur die Farben unreiner. Es maass: Länge 0,512 Mm., Flugbreite 0,912, Schwanz 0,230. Man findet die Art sowohl auf hohen Bergen, als auch im Flach- lande. Der Flug ist schnell, nicht in Kreisen, sondern in gerader Richtung und auch nicht hoch. Man sieht öfters junge Vögel, sel- ten alte. Die Nahrung besteht in Vögeln, und ich sah sie Tauben bis zu den Häusern, ja bis zu einem offenen Stall verfolgen und ergreifen. In einem Walde, nahe bei dem grossen Sumpfe, fand ich das Nest. Es enthielt leider keine Eier mehr, sondern schon ausgefie- derte Junge. Es stand auf einem hohen Baume und hatte den Bau, wie man ihn bei Raubvögeln findet. Beide Alten jagten in der waldlosen Umgegend besonders nach Ortyz cubanensis und ver- riethen sich durch ihr oft ausgestossenes Geschrei, das ich mit kä . kä, mehrmals schnell wiederbolt, vergleiche. Ich vermuthe, dass die Eier im März gelegt wurden, denn ich beobachtete die Jungen Anfangs Mai. --Accipiter fringilloidesVigors. — Etwa (?) Halcon genannt. Auch diese Art wurde von Lembeye und mir verkannt, und mit dem nordamerikanischen fuscus verwechselt, d.h. wir glaubten, den fuscus vor uns zu haben und liessen fringüloides als zweifelhaft bestehen. Dieser Irrthum hatte seinen Grund darin, dass wir nur junge Vögel kannten und die Beschreibung des Mr. Vigors nicht passend fanden. Erst im Jahre 1855 schoss ich ein altes 2 und in 1857 ein altes & (die einzigen Alten, die ich bis jetzt beobach- tete), und nun ward ich überzeugt, dass diese mit fringilloides Vig. Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 869 gleich seien. Um jedoch sicher zu sein, schickte ich meine Exem- plare an Mr. Lawrence, um sie mit dem /uscus zu vergleichen, was auch geschah und als Resultat die Echtheit der Vigors’schen Art gab. In den Annals of Lyceum Mai 1860 giebt Mr. Lawrence die Beschreibung der 5 überschickten Exemplare und meine ihm über- schickten Bemerkungen; im Auszuge im Journal 1861 Seite 201 übergeht Herr Albrecht die Färbung der Junger. Ich gebe sie nach Lawrence’s Text: Ein junges Z ist obenher eschenbraun mit röthlichbraunen, dunkelgestreiften Wangen; die Brust hat hellbraune Flecken und dunkler braune Binden über dem Bauche. Unterbauch und Hosen weiss mit matter brauner Querzeichnung. Ein junges 2 ist blasser eschenbraun obenher, die Sei- ten des Kopfes und des Halses mit dunklen Streifen und kaum röthlicher Färbung; pfeilförmige Flecken an der Brust von blass rothbrauner Farbe, und schmale geschlängelte Querlinien an dem Bauche und Hosen von blasserer brauner Farbe. Ein anderes junges 9 hat die Seiten des Kopfes roth- braun mit dunklen Streifen, und die Kehle blassröthlich. Die Zeichnung der Unterseite ist deutlicher und dunkler, die Hosen haben mehr Querbinden als bei den anderen Exemplaren. Auch diese Art habe ich, wie die vorige, sowohl in Gebirgen als in Ebenen angetroffen (bis jetzt jedoch nur 8 Mal). Aber ich habe nie das Nest gesehen, obgleich ich das alte Weibchen im Juni in einem Fichtenwalde schoss, wo es wohl sein Nest hatte, denn - es stiess auf mich, wie es die Cernicalo ( Tinnunculus) zu thun püe- gen, wenn sie genistet haben. Sie fangen kleinere Vögel, doch selbst von der eigenen Grösse. Der Flug ist trotz der kurzen Flügel sehr schnell. Ihre Gestalt ist schlank. Sie ist der kleinste hiesige Tagraubvogel. Gattung Circus Lacepede. Circus hudsonius (Falco) Linn. — Gavilan. 7 Obgleich diese Art in den Wintermonaten in allen flachen, waldlosen Gegenden oft gesehen wird, meistens im Jugendkleide, selten im aschgrauen des alten Männchens, so kann ich dennoch nur das Wenige sagen, dass sie nur in waldlosen Gegenden, über kleines Gebüsch, Felder und Sümpfen fliegt, um ihre Nahrung, die aus Säugethieren, Vögeln, Reptilien und grossen Insecten besteht, aufzusuchen. Sie fliegt meistens niedrig, ohne bestimmte Rich- tung, zuweilen, schnell umwendend, sich senkend oder hebend, je Cab. Journ. f. Ornith. XIX. Jahrg. No. 113. Septbr. 1871. 24 370 Dr. Jean Gundlach: nachdem sie Beute zu finden hofft. Diese frisst sie, in Er- mangelung von Bäumen oder Pfählen, auf einem sonstigen etwas erhöhten Punkt, wie einer Erdscholle oder Stein. Man sieht sie fast regelmässig täglich dieselben Plätze und zur selbigen Zeit be- suchen. Im Frühjahre verschwindet sie und erscheint wieder im Herbste. Vergleiche noch das im Journal 1854 Seite LXXXIU Gesagte. Gattung Nauclerus Vig. | +Nauclerus furcatus (Falco) Linn. — Wohl Gavilan genannt.” Ich sah einen solchen Vogel vor mehr als 20 Jahren über einem grossen Teiche bei Cardenas fliegend, dann erlegte ein Freund aus einem Schwarm von etwa 50 Stück ein Exemplar bei Bahia honda und gab es mir. Später sah man ein anderes über der Cienaga (Bruch) de Zapata; im Jahre 1856 kam ein Schwarm in die Nähe von Habana und es wurden mehrere erlegt. Ein an- deres wurde August 1861 erlegt. Endlich in 1866 wurden mir ein Paar mit geschossenem Flügel, doch noch lebend, gebracht, welche einige Stunden weit östlich von Habana mit vielen anderen Exemplaren über einem Teiche flogen. Ich konnte an ihnen Fol- gendes bemerken. Schnabel schwarz, an der Wurzel bleigrau. Beine hellbleifarben. Iris sehr dunkelbraun. & Länge 0,596 Mm., Flugbreite 1,528, Schwanz 0,332, mittelste Feder 0,146. 2 Länge 0,604 Mm., Flugbreite ungewiss, Schwanz 0,340, mittelste Feder 0,155. Die Färbung wich etwas von der des Exemplares von 1861 ab, d. h. bei diesem war die Farbe der Schwingen und grossen Flügeldecken von derselben Farbe als Rücken und kleine Flügel- decken. Beide Geschlechter (die Exemplare von 1866) waren gleich gefärbt, nämlich: Kopf, Hals, alle Untertheile (wie Kehle, Brust, Bauch, Seiten und untere Flügeldecken) weiss. Die Wurzeln der Schwungfedern zweiter Ordnung auch weiss. Rückenfedern und kleinere Flügeldecken des ÖOberarmes schwarz mit metallischem türkenblauem oder, je nach dem Lichte, grünem Scheine Die eigentlichen kleinen Flügeldecken schwarz mit dunklem grünlichem Scheine. Grosse Flügeldecken und Schwingen ebenso, aber matt und wie mit einem grauen Ueberzuge. Schwanzfedern ebenfalls. Die kleinen Schulterfedern fast gänzlich weiss. An vielen Kopf- 12 f Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 371 und Oberhalsfedern sind die Schafte grau. Die schwarzgrünlichen Federn des Bürzels und Schwanzwurzel haben graue bogige: (die Convexität nach der Spitze zu gerichtet) Querbinden. Mr. Gosse führt die Art auch für Jamaica an, ohne sie selbst beobachtet zu haben. Ueber Lebensweise kann ich nichts sagen, auch nichts über seine Nahrung, da die beiden mir gebrachten Exemplare einen leeren Magen hatten. | Gattung Falco Linn. {Falco anatum Bon. — Halcon oder Halcon de patos. u Diese als verschieden vom europäischen Edelfalken betrachtete Art kommt jährlich mit den wilden Enten zur Insel Cuba, ist auch auf den Bahamas und auf Jamaica beobachtet worden. Man sieht sie vom October bis April einzeln oder gar nicht in den mit Pflanzungen versehenen Theilen der Insel, dagegen nicht selten in der Cienaga de Zapata, wo sie einzeln an den Rändern der grossen Teiche auf hohen freistehenden Aesten das Auffliegen der Enten- ' schwärme abwartet, dann aber mit einem pfeilschnellen Fluge die schon schnell genug fliegenden Enten verfolgt und angreift. Ver- fehlt sie den Angriff, so erneuert sie ihn nicht, wie die Habichte und Sperber, sondern kehrt zu ihrem gewohnten Sitze zurück, um eine neue Gelegenheit abzuwarten. Wenn sie keinen Angriff beab- siehtigt, fliegt sie nicht besonders schnell, auch habe ich sie nie Kreise beschreiben gesehen. Ich sah wie ein Falke eine Ente tödtete. Er stand damit auf dem Erdboden. Ein Aura kam auf ihn zu und er verliess mit Zorngeschrei seine Beute, die aber bald darauf eine Caraira dem Aura abnahm. Ich finde eine gute Beschreibung des alten und des jungen Vogels in Cassin’s Werk „Ilustrations of the Birds etc., Philadel- ‚phia 1856“ (welches eine Fortsetzung von Audubon’s Birds of Ame- rica bildet), und zwar in einer darin gegebenen Synopsis of the North American Birds, Seite 86. Ich könnte hier meine gemachten Beschreibungen geben, ziehe aber vor, die Gassin’sche Beschreibung zu übersetzen. | „Alter Vogel. Stirnband weiss; Obertheil des Kopfes, Rücken, Flügeldecken und Bürzel blaulichgrau; jede Feder mit schwarzbraunen Querbinden durchkreuzt. Bürzel und Unterrücken heller und mit weniger zahlreichen dunklen Binden. Kehle, ‚Seiten des Halses und oberer Theil der Brust weiss mit einem röthlich- 24* 372 Dr. Jean Gundlach: gelben Scheine ohne Flecken, die anderen Untertheile von derselben Farbe mit dunklerem Schatten und mit herzförmigen oder runden schwarzen Flecken an der Unterbrust und dem Bauche, und ebenso gefärbte Querbinden an den Seiten, an den unteren Schwanzdecken und den Schienen. Schwingen schwarzbraun mit gelblichweissen Querbinden an der Innenfahne. Schwanz schwarzbraun mit grauen Querbinden, welche an der Innenfahne sehr blass und fast weiss sind und mit weisser schmaler Spitze. Wangen mit einem schwar- zen, an dem alten Vogel engerem und deutlich begrenztem Fleck, welcher von der Farbe des Oberkopfes durch einen weissen Raum getrennt ist. Obertheil des Halses mit gelblichen Federn ver- mischt, welche eine Art unregelmässiges Halsband bilden. Schna- bel von heller bläulicher Hornfarbe, an der Wurzel noch blasser. Tarsen und Zehen schön gelb. Beide Geschlechter sind sich gleich. „Junger Vogel. Das ganze Gefieder ist obenher braun- schwarz, fast gleichfarbige an allen Theilen und mit nur geringer oder keiner Spur von den Querbinden, welche man am Alten sieht. Schwanz einfarbig dnnkelbraun mit Flecken oder unregelmässigen Querstreifen von röthlichweisser Farbe, häufig nur an der Innen- fahne. Stirnfleck dunkelweiss, der breite Raum an den Wangen schwarz, nicht nach hinten von der Farbe des Oberkopfes getrennt. Untertheile weiss und gelblichweiss, jede Feder, ausgenommen an der Kehle, mit einem breiten dunkelbraunen Längsstreif; diese letztere Farbe herrscht an den Seiten und dem Bauche vor. Kehle weiss, fast jede Feder mit einer engen schwarzen Centrallinie. Tarsen und Zehen bleifarben, | „Maasse. Weibchen ganze Länge 19—20 Zoll; Flügel 141,—15, Schwanz 71,—8 Zoll. Männchen und Junge kleiner.“ Gattung Hypotriorchis Boie. | +Hypotriorchis columbarius (Falco) L. — Falconcito, Halconeito. Nur zuweilen habe ich diese Art beobachtet und erlegt. Ich habe sie mehr bei Teichen, als anderswo und nie im Walde selbst gefunden. Sie nistet gewiss nicht auf Cuba. Obgleich ich mich auf Cuba beschränken sollte, kann ich doch nicht umhin, die Aufmerksamkeit auf Jamaica zu richten, wo diese Art gemein und ein Standvogel sein soll (nach Gosse und March in Proceed. Ac. N. H. Phil. 1863). Ist die jamaicanische Art viel- leicht eine verschiedene neue Art?*) *) Sicherlich nicht! [29 D. Herausg. Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 373 Gattung Tinnuneulus Vieill. ATinnunculus dominicensis (Falco) Gmel. — Cernicalo. Man vergleiche Alles über diese Art Gesagte in Journal 1854 Erinnerungsschrift Seite LXXXIV und folgende, in Annals of the Lyceum of Nat. Hist. of New York 1860 im Artikel Notes on some Cuban Birds, von welchem Herr Albrecht einen Auszug im Journal 1861 Seite 199 gab. Als Resultat hat sich stets ein Unterschied zwischen den Vögeln Cubas und denen Nordamerikas heraus- gestellt. — In Nordamerika hat man auch nicht die so grosse Verschiedenheit in der Färbung gefunden. Es bleibt nur die Frage, ob die cubanische Art mit der dominicensis übereinstimmt. Da hat nun Dr. Saussure ein dunkelgefärbtes Weibchen von Santo Do- mingo als neue Art Hypotriorchis ferrugineus abgebildet und be- schrieben, und ich halte diese für gleich unserer cubanischen dunklen Abart. Ich habe auch ein Weibchen von Portorico, es hat mehr dunkle Längsflecken auf der Brust als unsere obenher gleichgefärbten hellen Weibchen. Um ein Endurtheil zu geben müsste man vorher wohl viele Exemplare von Santo Domingo, Portorico, den Bahamasinseln und vielleicht noch anderen kleineren Antillen besitzen. Jamaica scheint diese Art nicht zu besitzen. Auf Cuba kann man eine sehr lange Reihe von verschiedenen Färbungen vorzeigen, von denen ich voll- ständig gewiss bin, dass sie nur einer einzigen Art angehören. Der Cerniealo ist auf Cuba einer der überall vorkommenden Arten, gemein besonders in den Pflanzungen, wiewohl man auch welche im Walde selbst finde. Man wird nicht leicht eine mit Palmen und Bäumen besetzte Stelle finden, die keinen Cernicalo hätte. Gewöhnlich leben sie Paarweise und beide in Frieden, da- gegen dulden sie keine anderen in ihrem Reviere, was jedoch nicht gross ist. Man sieht sie auf einem Aste, auf dem Dachgiebel, auf einem Glockenstuhl, wie ihn die Pflanzungen haben, auf der Spitze oder dem neu emporschiessenden Palmblatte, oder auch auf den anderen horizontal stehenden, u. s. w., ruhig (doch nicht tagelang, wie der Herzog Paul Wilhelm von Württemberg angiebt) nach Beute schauen, welche meistens in Eidechsen, Heuschrecken und anderen Inseeten besteht, und dann mit pfeilschnellem Fluge ohne Flügel- schlag sich auf die gefundene Beute stürzen und fangen. Man muss dabei bewundern wie sie oit aus weiter Ferne ein solches Thier wahrnehmen. Er frisst aber auch kleine Vögel, und habe ich ihn ‚bei Sonnenuntergang mit Glück auf Fledermäuse Jagd machend 374 Dr. Jean Gundlach: gesehen. Dass er in der Dämmerung die grossen Schwärmer (Sphinges): fängt, kann man täglich beobachten. Zur Zeit der Liebe rufen sich beide Gatten mit kirrendem Tone, um sich Geschenke zu machen. Man sieht sie auch hoch in der Luft in Kreisen flie- sen, dann wieder sich fast bis zur Erde stürzen, aber da plötzlich mit demselben Impuls wieder nach oben sich richten und so spie- len. Dabei lassen sie oft wie der europäische Thurmfalke eine ähnliche Stimme hören. Zuweilen hält er in seinem nach Beute suchenden Fluge ein, bleibt rüttelnd wohl eine Minute lang auf demselben Puncte, ändert diesen auch wohl, und stürzt sich dann auf die Beute oder, wenn keine solche da ist, fliegt weiter. Hat er einmal Eier oder Junge, so kann kein grösserer Vogel ruhig durch sein Revier fliegen, besonders verfolgt er dann die Auras, auch die Reiher. Da er eigentlich keinen Schaden verursacht, viel- mehr oft lästige Thiere vernichtet, verfolgt man ihn kaum, und manche Leute ziehen ihn jung auf und er gewöhnt sich an die Menschen, wird sehr zahm und kommt zum Hause zurück. Im März und April lest er in einen hohlen Baum oder Baum- ast, in eine hohle Palme, in ein Mauerloch oder Felsenspalte, ohne besondere Unterlage 3—5 Eier, welche im Journal 1857 Seite 146 beschrieben sind (daselbst ist bei Ei 6 ein Druckfehler, denn Länge 3 344‘ muss 1‘ 31/,‘ heissen). — Die Eltern sind oft von ver- schiedenen Abarten, d. h. dunkler Mann mit heller Frau und um- gekehrt, auch eine von diesen Färbungen mit einer Zwischenfär- bung :oder beide Eltern sind dunkel oder hell gezeichnet. Die Jungen sind dann ebenfalls oft in demselben Neste verschieden. Die eben geborenen Jungen haben einen weisslichen Flaum. III FAMILIE STRIGIDAE. Gattung Otus Cu. 5 +Otus Siguapa Orb. — Siguapa.” Ich übergehe die Beschreibung des Gefieders, weil sie von Mr. D’Orbigny im la Sagra’schen Werke gut gegeben ist. Man vergleiche das, was ich im Journal III, Seite 465 sagte. Soweit die Beobachtungen gehen, ist diese Art nur auf Cuba vorkommend, wo sie jährlich seltener wird, weil das Fällen der Wälder sie vertreibt: und weil man sie, so oft man sie bei Tage ruhig sitzend sieht, zu fangen oder zu erlegen sucht, obgleich sie dem Menschen keinen Schaden verursacht; es reicht hin, dass sie zu den Eulen gehört, um vom Pöbel gehasst und gefürchtet zu werden. Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 315 Ich habe zwar eine Anzahl Exemplare erlegt, auch noch un- vollständig gefiederte Junge, konnte aber nie ein Nest finden. Es ist möglich, dass sie in hohle Bäume niste, doch kann man daran zweifeln, da die europäische Otus in Nester brütet. Die Exemplare, welche ich bei Tag sah, sassen ruhig auf einem gutbeschatteten Aste, meistens im Walde, doch auch auf Fruchtbäumen, die nicht vom Walde entfernt standen. Ihre in der Dämmerung gegebene Stimme ist eher ein wie Hu lautender dumpfer Ruf, den man weit hört und der abergläubische Menschen schreckt. Der Magen hatte Reste von Vögeln und Mäusen, doch zweifle ich nicht, dass sie auch Reptilien und grössere Insecten fressen. Ich habe gefangene alte Vögel längere Zeit im Käfig gehabt.. Nach dem Meter genom- mene Maasse sind: & Länge 0,425 Mm., Breite 1,100, Schwanz 1,165. N I un, ” 170. Gattung Brachyotus Gould. +Brachyotus Cassinii Brewer. — Hat keinen besonderen Namen, wegen des sehr seltenen Vorkommens. Ueber den Namen habe ich im Journal IX, Seite 404 berich- tet. Vergleiche auch das Journal III, Seite 465 Gesagte. Ich kann über diese Art keine eigenen Beobachtungen geben, da ich selbst sie nie beobachtete, sondern nur frisch erlegte Exem- plare erhielt. Es waren 4 zu verschiedenen Zeiten, 2 sassen auf einem Baume, aber nicht im Walde, und 2 sassen zwischen hohem Grase auf Steppen. — Der Name Carabo, den Lembeye hat, ist hier unbekannt. Gattung Glauceidium Boie. +Glaucidium Siju (Noctua) Orb. — Siju oder Sijou pla- tanero. Vergleiche, was über diese nur auf Cuba (bis jetzt) bekannte Art im Journal III, Seite 465, — in Annals Lyc. Nat. Hist. N.-Y. 1860 und in der Uebersetzung dieses Artikels im Journal IX, Seite 202 berichtet ist. Man findet sie sowohl im Walde, als auch bei Wohnungen und in Obstgärten. Sie ist eine sehr gemeine, selten verfolgte Art, die sich besonders von Eidechsen, Inseceten und ihren Larven, aber auch bisweilen von kleineren Vögeln ernährt. Die kleineren Spei- sen bringt sie mit einem Fusse haltend, zum Schnabel, die grösse- ren zerreisst sie in Stücken nach Art der anderen Raubvögel. Sie 376 Dr. Jean Gundlach: ist kein eigentlicher Nachtvogel, denn man findet sie am hellen Tage jagend und an den hellsten Stellen sitzend, von wo aus sie nach Nahrung spähen, die sie dann durch einen schnellen Flug er- | haschen. Im Affecte oder auch wohl bei Fureht erheben sie den Schwanz, bis er fast den Rücken berührt und beugen ihn von einer | Seite zur andern, wobei der Körper ruhig bleibt. Sie drehen den Kopf fast vollständig um, wenigstens mit Leichtigkeit wie der europäische Wendehals zur Hälfte, so dass die beiden schwarzen Nackenflecke nach vorn zu stehen kommen und bei flüchtigem An- blicke wie Augen aussehen. Ihr Flug ist kurz, aber schnell und sanft. Die Stimme ist entweder (wie bei der Otus Siguapa, nur schwächer) ein Ruf, oder besteht aus vielen Tönen, die schnell, gleichsam in einer Tonleiter, wiederholt werden und plötzlich auf- hören. Im März und April findet man ihre 3—4 weissen, 0,030 Mi. langen, 0,025 Mm. breiten Eier in einem Baumloche oder in einer früher von Spechten ausgehöhlten Palme. Das noch nicht . befiederte Junge ist mit einem weisslichen Flaum bedeckt. Maasse: & Länge 0,165 Mm., Flugbreite 0,330, Schwanzlänge 0,060. ERBEN Re es 0,335, er 0,065. 2 er 20182, „ 0,385, s% 0,068. 2 rer 5 0,365, 5 0,068. Gattung G@ymnoglau.s Cabanis. +Gymnoglaus nudipes Daud. — Siju Cuco, Cotunto. Ich habe von dieser Art im Journal III, Seite 466 eine Be- schreibung und Bemerkungen über Lebensweise gegeben; Mr. Law- rence that es auch in den Annals Lye. Nat. Hist. N. York 1860 in den Notes on some Ouban Birds etc., wovon ein übersetzter Aus- zug im Journal IX, Seite 202 steht. — Sodann hat Dr. Thiene- mann im Journal V, Seite 146 über die Eier berichtet. Es ist mir das Vaterland des Daudin’schen typischen Exem- plares nicht bekannt, das von St. Croix stammende Exemplar des Mr. Newton in der Ibis abbildet, wird als verschiedene Art von Mr. Lawrence betrachtet. Es scheint also diese Art nur auf Cuba vorzukommen. Sie ist ein vollkommener Nachtvogel und man sieht sie bei Tage nur dann, wenn sie aus Baum- und Palmlöchern oder aus Felsenhöhlen aufgescheucht ist und selbst dann fliegt sie nur bis zur nächsten dunklen oder schattigsa Stelle. Ihr Fiug ist schn ell a Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. 377 bei Tage etwas schwankend. Ihre Nahrung besteht in kleineren Wirbelthieren und Insecten. Ihre gewöhnliche Stimme ist ein dumpfes Pü, meistens vielmals und dann allmählich in Stärke ab- nehmend wiederholt. Andere Mal einige mehr schreiende Töne. Maasse: & Länge 0,165 Mm., Flugbreite 0,330, Schwanzlänge 0,060. B.20172 5 n 0,335, 55 0,065. ? ” 0,185 „ ” 0,385 ) „ 0,068. DB .:0.180: 8, he 0,365, “ 0,065. In Ruhe reicht die Flügelspitze bis 0,038 oder 0,040 vor die Schwanzspitze. Das noch unbefiederte Junge hat einen weisslichen Flaum. Gattung Strix Linn. +Striz furcata Temminck. — Lechuza. ir Vergleiche das im Journal III, Seite 467 Gesagte, besonders wegen der Artverschiedenheit nach Dr. Cabanis’ Ansicht. Der Schwanz ist nur wenig gegabelt oder ausgebuchtet, so dass die innere Schwanzfeder nur 3 Linien oder 6 Mm. kürzer ist als die zur Seite befindlichen. Die 2. Schwinge ist die längste. Alter Vogel. Die Federn des Scheitels, des Nackens, des Rückens, Steisses und die Deckfedern des Flügels und des Schwan- zes weisslich, fein graubraun gescheckt, ihre Wurzel und Seiten lehmgelblich. Gegen die Spitze hin hat jede Feder auf dem schwar- zen Schafte 1 oder 2 weisse, graubraune gerandete Flecken. Viele Flügeldecken und bisweilen auch Halsfedern haben einen grossen Theil weiss, besonders ihre Innenfahne. Grosse Schwingen weiss mit 4 graubraunen Flecken auf dem Schafte anstatt der Querbin- _ den, kleinere Schwingen und die beiden mittleren Schwanzfedern mit nur 2, die übrigen weiss. Die erste und zweite Schwinge an der Aussenfahne, die 6 oder 7 grösseren an der Spitze von der Färbung des Rückens. Das Gesicht, die Untertheile und der Flü- gelrand weiss, die Federn dieses Bandes und einige der Brust haben fast immer einen dreieckigen dunklen Fleck gegen die Spitze hin. Vor dem Auge sieht man einen rostrothen Fleck. Schnabel röth- lichweiss, Wachshaut röthlich. Beine schmutzigweiss mit dunklen Schildern. Iris sehr dunkelbraun. Maasse: & Länge 0,415 Mm., Flugbreite 1,153, Schwanzlänge 0,145. 5 2 0,450 „ „ 1 9 1 60 $) „ 0, 150. Bu OAAUR A, F well n 0,155. SR - 378 Dr. Anton Fritsch: Die Flügelspitze reicht in ruhiger Stellung 0,040 Mm. über die Schwanzspitze hinaus. Ein sehr altes Weibchen hatte überall die dunklere . Zeichnung und keine weissen Stellen. Seine Färbung war also der von der europäischen fammea oder der nordamerikanischen pratincola. und der perlata ähnlich, doch unterschied es sich durch 1 die von Dr. Cabanis gegebenen Charaktere. Die Schwingen und Schwanzfedern hatten einige aus braunen Punkten gebildete Quer- binden. Die Jungen unterscheiden sich durch grössere Ausdehnung der weissen Stellen. Der Schwanz und die Unterseite weiss ein- farbig, die Binden auf den grossen Schwingen sind nur durch einen Wisch neben dem Schafte angezeigt. Die der kleineren Schwingen sind fast abwesend. Die Obertheile des Körpers haben fast kein Grau. Ein Exemplar hatte 4 schwärzliche Binden auf den 3 inneren Schwanzfedern und 3 auf den äusseren. Auf den grossen Schwingen sah man 4, auf den kleinen 3 Querbinden. Bei Tage lebt diese Eule in Kirchthürmen, zerfallenen Gebäu- den, Felsenhöhlen, in hohlen Bäumen und Palmen, an stark be- schatteten Stellen auf Bäumen u. s. w. und kommt bei Dämmerung hervor. Man sieht sie dann zu Hofräumen oder zu frisch bebauten oder eben abgeernteten Feldern fliegen, um ihre Nahrung, die be- sonders in Mäusen und Ratten besteht, zu suchen. Sie ist also nützlich. Bisweilen ergreift sie auch kleine Hühnchen oder geht in Taubenschläge. Beim Fliegen lässt sie eine schrillende Stimme hören. Die Jungen geben sich durch eine zischende Stimme, wie von ausgestossener Luft berrührend, zu erkennen. Ihr Flug ist leichtfertig, aber nicht schnell, und, wenn sie jagt, niedrig. Ueber Fortpflanzung siehe Journal III, Seite 467. (Ende der Ordnung Raubvögel. Fortsetzung folgt.) Die Vögel Böhmens. Von Dr. Anton Fritsch in Prag. (Fortsetzung; siehe Juli-Heft S. 305—313.) 176. Das Rackelhuhn. Tetrao medius Auct. Fr. Vög. Eur. Taf. 31. Fig. 5, 6. pag. 289. — Kommt äusserst selten und zwar nur an Stellen vor, wo das Auerwild und Birkwild zugleich vorkommt; denn es wird dieser Vogel nur für einen Bastard beider Die Vögel Böhmens. 379 Arten gehalten. Im Böhmerwalde, wo sich die Verbreitungsgrenze des Birk- und Auerwildes bisher nicht berühren, würde noch kein Exemplar angetroffen und es fehlt dieser interessante Vogel sogar dem Museum zu Frauenberg. Als sichere Fundorte sind mir be- kannt: die böhmische Schweiz (Schönbach), Rozmital bei Pribram (Lokaj), die Pürglitzer Waldungen (Hüttenbacher), Maschendorf (Kablık). Ausserdem besitzt unser Museum ein Exemplar als Ge- schenk des Fürsten Rohan und auch die bu, Sammlung hat eins aufzuweisen. 177. Das Birkhuhn. Teirao tetri® L. (Lyrurus tetrie Sw.) Er. Vög. Eur. Taf. 31. Fig. 4, 3. pag. 290. — Ist viel häu- figer und hat einen viel grösseren Verbreitungsbezirk als der Auer- ‚hahn und wird besonders auf dem Zuge in kleinen Feldhölzern angetroffen. Auch kommt er bei uns bis in die Niederungen der Elbe bei Brandeis, wo ich ihn selbst im Herbste aus Weiden- gestrüpp aufflliegen sah. Bei Prag kommt er schon bei Kuchelbad und Komoran vor. Die Schusslisten für ganz Böhmen weisen für das Jahr 1857 2300 Stück, für das Jahr 1864 1336 auf. Wieder- holt wurden schon weisse Varietäten erlegt, und zwar sollen sie im Böhmerwalde immer an einer gewissen Stelle vorkommen. Die bei uns eingebürgerten Fasanen nehmen aus verschiedenen meist socialen und finanziellen Ursachen alljährlich ab. Es dürfte interessant sein, einige statistische Daten darüber zu vernehmen. Auf der Schwarzenbergischen Herrschaft Frauenberg wurden ab- geliefert: 1732 180 Stück. 1792 421 Stück. 1820 218 Stück. Io 1: 1800, 4301 +2, 1830,36 433 173000: 2 18310.:.351i..55, 1840 103: 4, 1869... 144, , Die sämmtlichen Schwarzenbergischen Herrschaften lieferten im Jahre 1869 1102 Stück Fasanen ab. Die Schusslisten für ganz Böhmen weisen für das Jahr 1857 50.609 Stück, 1863 52.028 Stück, 1864 39.296 Stück aus. Im Jahre 1852 waren nach Palliardi in Böhmen 214 Fasan- gärten, in denen 40,000 gezogene und 20,000 wilde Stück enthalten waren. 178. Das Rebhuhn. Stiarna perdix Bp. (Tetrao perdix L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 30. Fig. 9. pag. 295. — Die Rebhühner nehmen im Ganzen mit fortschreitender Entwaldung zu. Ein Bei- 380 Dr. Anton Fritsch: spiel davon bietet uns wieder die Herrschaft Frauenberg, wo ich durch Güte des Herrn Forstmeisters Hojdar die folgenden interes- santen Daten erhielt. Es wurden bei dem genannten Forstamte abgeliefert: 1697 127 Stück. 1792 1198 Stück. 1830 761 Stück. 1733.60 1800 765° 1840 2027 , 1780 372°, 1810 2316 , 1869 1438 „ 178774345: 1,, 1820 4340 „ Die sämmtlichen Schwarzenbergischen Herrschaften lieferten im Jahre 1869 13.700 Stück. Die Schusslisten für ganz Böhmen weisen für das Jahr 1857 301.159 Stück, 1863 536.806 Stück, 1864 586.195 Stück aus. In Jahren, wo die Rebhühner auffallend häufig sind, kommen auch viele Varietäten vor: weisse, scheckige, blassröthliche und be- sonders schön sind die schwarzbraunen mit hellrostrothem, Kopfe, von denen vor einigen Jahren in der Gegend von Stredokluk meh- rere erlegt wurden. Alte Jäger erzählen bei uns, dass in manchen Wintern ungeheuere Schaaren fremder Rebhühner gezogen kom- men, welche etwas kleiner sind, als die einheimischen und dunklere Fussfärbung haben. Da solche Züge auch in Deutschland bekannt sind, so wäre es wichtig, vorkommenden Falles etwas verlässliches darüber zu erfahren. Ausserdem unterscheiden bei uns die Jäger noch eine Abart des Rebhuhns, welche an’ hochgelegenen, steinigen Stellen vor- kommt und sich durch geringere Grösse und hellgelbe Fussfärbung unterscheiden soll. | Nach Palliardi giebt es auf der Herrschaft Chudenic Klattauer Kreises derartige Hühner, die beinahe ganz grau von Farbe und viel kleiner als die gewöhnlichen sind, schneller fliegen und höher in die Luft steigen. Namentlich sollen diese Hühner, die man dort „Kieselhühner“ nennt, in der klippigen Gegend am Dobrava- gebirge vorkommen. 179. Die Wachtel. Coturniz communis Bonnat. (Te- trao coturniz L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 30. Fig. 7, 8. pag. 294. — Ein häufiger und in manchen Jahren sehr zahlreich vorkommender Vogel, der im Mai gezogen kommt und Ende September wieder südlicher zieht. Die Schusslisten für ganz Böhmen weisen jährlich beiläufig 10.000 Stück erlegte Wachteln auf. Siebente Ordnung. Sumpfvögel. 180. Die Wasserralle Rallus aquaticus L. Fr. Vög. Die Vögel Böhmens. 381 Eur. Taf. 35. Fig. 8. pag. 297. — Erscheint bei uns im Mai, hält sich an sumpfigen Wiesen auf und brütet an Teichrändern, die mit Binsengras bewachsen sind. Im Herbste bleibt sie sehr lange bei uns und H. Lokaj erhielt schon Exemplare mitten im Winter. 181. Die Wiesenralle Ortiygomeira crex Gr. (Ralus erex L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 32. Fig. 2, 6. pag. 298. — Häufig in Feldern fruchtbarer Gegenden, wo sie im Frühjahre ihre Anwesen- heit durch fleissiges Wiederholen ihres Geschreies kundgiebt. Im Herbste wird sie während der Hühnerjagden oft auf feuchten Wie- sen angetroffen; im October zieht sie wieder südlicher. 182. Das gesprenkelte Sumpfhuhn. Porzana ma- ruetta Gr. (Rallus porzana L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 32. Fig. 1. pag. 299. — Ist häufig in wasserreichen Gegenden, wo es bei uns von April bis zum October anzutreffen ist. Besonders häufig soll es in der Gegend von Weisswasser sein. Auf den Prager Wild- pretmarkt kommen auch jeden Herbst zahlreiche Exemplare. 183. Das Zwergsumpfhuhn. Porzana pygmaea Bp. (Rallus Bailloni Vieill.) Fr. Vög. Eur. Taf. 32. Fig. 3. pag. 301. — Palliardi führt an, dass diese Art bei Elbekostelee vom H. Häring erlegt wurde. Da diese Art von der folgenden schwer zu unter- scheiden ist und ich bisher kein Exemplar in den einheimischen Sammlungen gesehen habe, so dürfte es rathsam sein, eine Bestä- tigung der obigen Angabe abzuwarten. Die Kennzeichen sind: Oben olivenbraun, Rücken und Schultern auf schwarzem Grunde mit vielen feinen weissen Zeich- pungen und Puncten; im Alter die Tragfedern schwarz mit weissen Bändern; die Füsse hellröthlichgrau. Länge 17 Cm. 184. Das kleine Sumpfhuhn. Forzana minuta Bu (Rallus minutus Pall., Rallus pusillus Gm.) Fr. Vög. Eur. Taf. : Fig. 3. pag. 131. — Brütet auf den Teichen bei Frauenberg n selten und war auch früher bei Pardubic am Ceperka-Teich und am Bohdanec anzutreffen, wie zahlreiche Exemplare in den Samm- lungen zu Pardubic beweisen. Sonst scheint es im ganzen Lande sehr selten zu sein, denn Herr Lokaj erhielt es nur Amel und ich sah nie ein frisch erlegtes Exemplar. Kennzeichen. Oben olivenbraun, die Mitte des Rückens schwarz mit wenigen ovalen weissen Fleckchen; die Tragfedern im Alter hellschieferblau; die Füsse schöngrün. Länge 17—13 Cm. 185. Das gemeine Teichhuhn. Gallinula chloropus Lath. (Fulica chloropus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 35. Fig. 1, 2. 382 Dr. Anton Fritsch: pag. 304. — Ziemlich häufig an Teichen, Sümpfen und ruhigen | Stellen der Flüsse; zieht im Herbste nach dem Süden und kehrt zurück, sobald die stehenden Gewässer vom Eise befreit sind. | 186. Das schwarze Wasserhuhn (Blässente). Fu- lica atra L. Fr. Vög. Eur. Taf. 35. Fig. 6. pag. 305. — Ueberall an Teichen häufig. So wurden z. B. im Jahre 157 n ganz Böhmen 5162 Stück Blässenten erlegt. Das Museum zu Frauen- berg besitzt 2 Exemplare noch nicht flügger Jungen, welche das Gefieder unten schön rosenfarbig gefärbt haben. Dieselben wur- den am Teiche Nakri bei einer grossen Blässentenjagd erlegt. Die ganze Brut des einen Nestes soll so gefärbt gewesen sein. Wir werden auf diese sonderbare Färbung noch bei der Knäckente zu sprechen kommen. 1857. Der gemeine Kranich. Grus cinerea Bechst. (Ardea grus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 44. Fig. 4. pag. 307. — Der Kranich scheint früher bei uns nicht so selten gewesen zu sein, denn im südlichen Böhmen war im Jahre 1677 ein Schussgeld von 45 Kr. auf ihn ausgesetzt. Ich weiss nur von 2 sicher in Böhmen erlegten Exemplaren, die im Museum zu Frauenberg sich befinden. Das eine wurde bei Frauenberg auf der Munitzer Wiese im Jahre 1862 vom Forstadjuneten Reiner erlegt, das zweite bei Krummau. Palliardi sagt: „Der Kranich kommt öfters auf feuchten Wiesen und Teichrändern schon im März zu 5—6 Stücken vor“, führt aber keinen speciellen Fall für Böhmen an. 188. Die grosse Trappe Otis tarda L. Fr. Vög. Eur. Taf. 36. Fig. 5. pag. 311. — Kommt von Zeit zu Zeit aus Ungarn zu uns. Im Jahre 1848 wurde ein Exemplar bei Wittingau erlest. Am 15. März 1850 bei Benatek, am 1. März 1850 bei Sadska, 1859 bei Sezemin unweit Pardubie. | 189. Die Zwergtrappe. Otis tetraz. Fr. Vög. Eur. Taf. 36. Fig. 1, 2. pag. 313. — Kommt ähnlich, wie die vorige, zuweilen aus östlichen Gegenden zu uns und zwar meist in jungen Exemplaren. Kablik erhielt im J. 1838 ein Exemplar aus der Ge- gend von Prag, woselbst ich im J. 1850 auch ein junges Männchen am Wildpretmarkte kaufte Ein altes Pärchen wurde nach E. Pur- kyne bei Weisswasser erlegt, 1853 beim Dorfe Cas bei Pardubie (Hromadko), 1860 im Herbste bei Borkovie.. Einmal im Winter ein Weibehen von Winterberg. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese kleinen Trappen zuweilen in Böhmen nisten. Brr Die Vögel Böhmens. 383 190. Der Triel. Oedienemus erepitans Temm. (Cha- radrius oedienemus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 36. Fig. 5. pag. 316. — Brütet nach Lokaj zwischen Modran und Cholupie bei Prag. Es wurden daselbst die Eier gefunden und ich erhielt noch nicht flügge Junge. Wahrscheinlich brütet er auch bei Raudnitz und bei Laun, auf welchem letzteren Orte ich ihn im Sommer nach dem Schnitt. wiederholt bei Malnitz und Priesen antraf. Im Zuge kommt er alljährlich besonders im Herbste fast in ganz Böhmen, aber im Ganzen nicht häufig vor, so bei Münchengrätz, Pardubic, Franzens- bad, Frauenberg u. s. w. 191. Der Kiebitz. Vanellus ceristatus, M. et W. ( Tringa vanellus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 38. Fig. 3, 4, 5. pag. 317. — Brütet häufig auf nassen Wiesen, Teichrändern und an Sümpfen, selbst unweit Prag bei Cholupie, Bechovice u. s. w. Im Herbste sammeln sich die Kiebitze in grossen Schaaren, um im October nach dem Süden zu ziehen. 192. Der Goldregenpfeifer. Pluvialis apricarius Bp. (Charadrius auratus Suck.) Fr. Vög. Eur. Taf. 37. Fig. 1, 3. pag. 322. — Erscheint alljährlich auf dem Herbstzuge in Böhmen, wo er aus dem Norden kommt, um an den Ufern des Mittelmeeres zu überwintern. Herr Lokaj erhielt im November 1850 zwei Exem- plare von Horovic, in deren Mägen er nachstehendes vorfand: Ueber 50 Häute von Agrotis segetum, dann an 100 Käfer: Harpa- lus aeneus, Amara, ‚Sitones lineatus, hispidulus, Phytonomus variabihs, nigrirostris, Cleonus albidus, Opatrum sabulosum u. 8. W. Bei Hostoun unweit Prag traf ich im Herbste 1847 einen Schwarm von etwa 50 Stück an. 193. Der Kiebitzregenpfeifer. Squwatarola helve- tica Cuv. (Tringa helvetica L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 38. Fig. 7, 8. pap. 325. — Ist viel seltener in Böhmen als der Goldregenpfeifer. Ich fand ihn blos einmal am 13. September 1850 am Prager Wild- pretmarkte, wo ihn Herr Lokaj ebenfalls nur einmal antraf. Palliardi erwähnt auch eines Weibehens und in den schönen Dammlungen zu Frauenberg und Pardubie fehlt er auch nicht. 194. Der Mornellregenpfeifer. Eudromias mori- nelluws Boie. (Oharadrius morinellus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 33. Fig. 16, 17. pag. 325. — Das Brüten dieses nordischen Vogels in Böhmen gehört zu den interessantesten ornithologischen Ereignis- sen. In ganz Europa brütet er nirgends südlicher als unter dem 67°; nur im Riesengebirge trifft‘ man ihn seit Jahren in vielen 384 Dr. Anton Fritsch: Paaren brütend an. Nach den neuesten Beobachtungen von A. v.Ho- mayer und v. Tschusi kam er nur noch auf der weissen Wiese, dem Brumberge und auf der Koppenplane in einer Höhe von 4000 bis 4800° vor. Er ist daselbst unter dem Namen „Bierschnepfe“ be- kannt, scheint aber wegen starker Verfolgung und Wegnahme der Eier in den letzten Jahren ganz ausgeblieben zu sein. | Während des Zuges wird er im Herbste in ganz Böhmen auf Ackerfeldern angetroffen. So traf ich ihn im September 1851 bei Schlan an. Herr Lokaj erhielt im October 5 Exemplare von Slivenec bei Prag. Die prachtvoll ausgefärbten alten Vögel, welehe man in den Sammlungen des Herrn Hromadko in Pardubic und des Dr. Schier in Jicin findet, wurden während der Brutzeit im Riesengebirge erlegt. | 195. Der Sandregenpfeifer. ÖOharadrius hiaticula L. (Aegialitis hiatieula L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 38. Fig. 1, 5. pag- 327. — Erscheint selten auf dem Zuge, sowohl im Frühjahr alsim Herbste. Ich erlegte ein Exemplar an einem kleinen Teiche bei Brezan. Herr Lokaj erhielt ihn einigemal im Frühjahre. Palliarci erwähnt, dass dieser Vogel bei Franzensbad im Frühjahre selten, im Herbste häufiger sei. 196. Der Flussregenpfeifer. Charadrius euroni- cus beseke. (Charadrius fluviatilis Bechst.) Fr. Vög. Eur. Taf. 33. Fig. 3, 4, 15. pag. 328. — Brütet häufig an sandigen und mit Ge- rölle bedeckten Ufern, sowohl der grösseren als der kleineren Flüsse Böhmens. Selbst in Prag ist er an der Hetzinsel und bei Liben häufig. Ausserdem traf ich ihn bei Laun, Horazdovic, Frauenberg u. s. w. Kablik führt ihn auch als bei Hohenelbe brütend an. 197. Der Seeregenpfeifer. Charadrius cantianus Lath. Fr. Vög. Eur. Taf. 33. Fig. 2. pag. 329. — Das Vorkom- men dieser Art in Böhmen ist noch nicht ganz sichergestellt. Die Vermuthung dessen basirt sich auf 1 Exemplar unseres Museums, das in Böhmen erlegt worden sein soll, was nicht ganz unwahr- scheinlich ist, da (dieser Vogel an den Landseen Ungarns häufig ist. 198. Der Halsbandgiarol. @lareola pratincola L. (Glareola austriaca Gm.) Fr. Vög. Eur. Taf. 33. Fig. 6, 8. pag. 832. — Wurde bisher nur einmal und zwar am Teiche Oplatil bei Pardubie am 16. Mai 1862 vom Förster Hugo Ostrdal aus einer Schaar schwarzer Seeschwalben herabgeschossen. 199. Der europäische Austernfischer. Zaemato- 1 Die Vögel Böhmens. 385 pus ostralegus L. Fr. Vög. Eur. Taf. 45. Fig. 9. pag. 334. — Dieser dem Meerestrande angehörige Vogel wurde schon einigemal in Böhmen erlest. Ein vor vielen Jahren bei Frauenberg erlegtes . Exemplar kam in die Sammlung des Obersten Feldegg. Seit der Zeit wurde in der dortigen Gegend nur ein Exemplar im Tritener Revier beobachtet. Herr Hromadko besitzt ein Männchen, das im Jahre 1847 am Teiche Ceperka bei Pardubie erlegt wurde. Ich erhielt ein junges Exemplar am 24. September 1850 vom Prager Wildpretmarkt und Herr Voboril sein Exemplar von Elbekostelee. 200. Der Mornellsteinwälzer. sSirepsilas inter- pres L. (Tringa interpres L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 34. Fig. 2, 8. pag. 335. — Die Exemplare der Feldeggischen Sammlung sollen in Böhmen erlegt worden sein. Die Angabe Palliardi’s, dass dieser Vogel nach Voboril nicht selten in. den höheren Regionen des Riesengebirges angetroffen werde, beruht auf einem Irrthum und auf einer Verwechselung mit dem „Mornellenregenpfeifer“, der wahrscheinlich durch das deutsche Synonym „Mornellen“ veran- lasst wurde. Der Mornellensteinwälzer lebt an den Küsten des Meeres, wo er sandige und steinige Stellen aufsucht und erscheint nur auf dem Zuge als Seltenheit im Innern von Deutschland. 201. Der plattschnäblige Wassertreter. Phala- ropus fulicarius Bp. (Phalaropus platyrhynchus Temm.) Fr. Vög. Eur. Taf. 39. Fig. 3. pag. 337. — Dieser hochnordische Vo- gel wurde als Seltenheit schon dreimal in Böhmen erlegt und zwar im Jahre 1843 bei Eger (in der Soos) und kam aus der Feldegsi- schen Samınlung in die unseres Museums, bei Rumburg (Lokaj), bei Pardubic (Hromadko). 202. Der schmalschnäblige Wassertreter. Lobi- peshyperboreus ÜCuv. (Phalaropus augustirostris Naum.) Fr. Vög. Eur. Taf. 39. Fig. 5. pag. 333. — Lebt so wie der vorige im hohen Norden und besucht nur zuweilen das Innere von Deutschland, wo er sich bis auf die schweizer Seen begiebt. Im Jahre 1844 wurde ein Männchen am 6. November auf der Eger schwimmend erlest und kam ebenfalls aus der Feldeggischen Sammlung in unser Museum. Herr Hromadko in Pardubie besitzt ein Exemplar, das am 18. September 1855 von Hugo Ostrdal am ' Teiche Oplatil geschossen wurde. Auch die Kablikische Sammlung enthielt ein böhmisches Exemplar. Herr Schary .besitzt einen jun- gen Vogel, der am 18. November 1854 bei Rumberg erlegt wurde. Cab. Journ. f. Omith. XIX. Jahrg. No. 113. Septbr. 1871. 25 386 Dr. Anton een 203. Der Avosettsäbler. Recurvirostra avocettaL. Fr. Vög. Eur. Taf. 34. Fig.7. pag. 340. — Diese sonderbare Schnepfe mit aufwärtsgekrümmtem Schnabel wurde bei Frauenberg erlegt und kam in die Feldeggische Sammlung. Auch bei Pardubic wur- den bereits solche erlegt. 204. Der grauschwänzige Stelzenläufer (Storch- schnepfe). Himantopus candidus Bon. (Atmantopus rufipes Bechst.) Fr. Vög. Eur. Taf. 34. Fig. 5. pag. 341. — Als noch die Pardubicer Teiche bestanden, erschien daselbst die Storchschnepfe ziemlich regelmässig. Herr Hromadko besitzt sowohl alte als junge Exemplare, von denen die ersteren im Februar 1841 erlegt wur- den. Im Mai desselben Jahres beobachtete sie Palliardi an einem grossen Teiche bei Franzensbad-e Nach ihm wurden auch einige bei Rozpalovic erlegt. | 205. Die Waldschnepfe. Scolopax rusticola L. Fr. Vög. Eur. Taf. 37. Fig. 10. pag. 342. — Brütet in Böhmen auf | Waldschlägen selbst unweit Prag, wo H. Lokaj Nestjunge aus Kuchelbad erhielt. Im Frühjahrszuge wird sie in manchen Jahren in Menge geschossen. Die Schussliste für ganz Böhmen im Jahre 1857 weist 3575 Stück auf. Palliardi führt an, dass im Jahre 1827 auf der Herrschaft Leitomischel 1757 Stück Waldschnepfen erlest wurden. (Im Herbste beim Antreiben.) | 206. Die grosse Sumpfschnepfe. Scolopax major. (Scolopax media Fr.) Fr. Vög. Eur. Taf. 37. Fig. 7. — Diese Art wird bei uns auch Doppelschnepfe genannt, sie ist selten und kommt immer nur einzeln vor. Sie wurde bereits bei Podebrad, Pardubie, Königgrätz (Lokaj), Frauenberg u. s. w. erlegt. Auf dem Prager Wildpretmarkte habe ich sie nie angetroffen. 207. Die gemeine Sumpfschnepfe (Bekassine). Gal- linago scolopacinus Bp. (Scolopa® gallinago L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 37. Fig. 8. pag. 345. — Brütet in Böhmen und bleibt lange bis in den December bei uns und kehrt im März wieder zurück. Man trifft sie häufig auf nassen Wiesen und in Sümpfen. Im Herbste in Kartoffelfeldern und im Gebüsch. 208. Die kleine Sumpfschnepfe Gallinago galli- nula Bp. (Scolopaz gallinula L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 37. Fig. 9. pag. 347. — Ist im Ganzen bei uns seltener als die vorige, aber brütet häufig in den Torfmooren des Böhmerwaldes. Sie bleibt oft bis.spät in den Winter bei uns und Herr Lokaj erhielt ein wohl- Die Vögel Böhmens. 387 senährtes Exemplar zur Zeit, als schon alle Gewässer zugefroren waren. 209. Der Ufersanderling. Calidris arenaria Dp. (Iringa arenaria L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 33. Fig. 7. pag. 349. — Als Bewohner des Meeresufers ist diese Schnepfe im Innern des Continentes überhaupt eine seltene Erscheinung. Sie wurde bisher _ zweimal in Böhmen erlegt; das eine Exemplar wurde im Jahre 1869 am Municer Teiche bei Frauenberg geschossen; das andere besitzt Herr Bräuermeister Schary in Prag, das bei Brezan unweit Prag am 9. November 1854 erlegt wurde. 210. Der kleine Strandläufer. Pelidna minuta Cuv. ( Tringa minuta Leissl.) Fr. Vög. Eur. Taf. 39. Fig. 1, 9. pag. 350. — Erscheint selten, aber dann in ziemlich grosser Anzahl meist im Herbste. Ich erlegte einst 3 Exemplare an einem kleinen Teich bei Cholupie unweit Prag. Nach Fierlinger waren sie im Jahre 1850 in Unzahl an den Pardubicer Teichen. Palliardi führt sie auch aus der Gegend von Franzensbad an. 2er Der Temmincksstrandläufer.;. Treinga,iTem- minckii Leiss. Fr. Vög. Eur. Taf. 38. Fig. 12. pag. 352. — Kommt viel seltener nnd sparsamer zu uns als die vorige Art. Herr Hromadko erhielt sie bei Pardubic, Palliardi zweimal bei Franzens- bad und Pater Hypolit Kühnel (Mitglied des Capucinerconvents, der mehrere Jahre eifrig in der Gegend von Melnik sammelte) bei Melnik. ' 212. Der Alpenstrandläufer Pelidna cinclus Ouv. (Zringa cinclus ei alpina L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 38. Fig. 14. Taf. 39. Fig. 11. pag. 354. — Erscheint im Frühjahre einzeln, im Herbste in grösseren Schaaren an den schlammigen Ufern stehender Ge- wässer. Vor einigen Jahren wurde ein altes Männchen im Sommer bei Brezan unweit Prag erlegt, doch ist es unwahrscheinlich, dass diese Vögel hier gebrütet hätten, da dies regelmässig blos in der Nähe des Meeres geschieht. 213. Pelidna Schinzii. — Diese zweifelhafte Art, welche sich blos durch geringere Grösse vom Alpenstrandläufer unter- scheidet und mit ihm zugleich vorkommt, wurde auch von Palliardi in Böhmen angetroftien. 214. Der bogenschnäblige Strandläufer. Pelidna subarquata Cuv. (Tringa subarguata Temm.) Fr. Vög. Eur. Taf. 55. Fig. 10. und Taf. 39. Fig. 4. pag. 556. — Besucht Böh- 25* 388 Dr. Anton Fritsch: men ähnlich wie der Alpenstrandläufer auf dem Zuge in ziemlich grossen Schaaren und ist in den meisten ornithologischen Samm- lungen anzutreffen. In früheren Jahren wurde er auch öfters auf den Prager Wildpretmarkt gebracht. } 215. Der kleine Sumpfläufer. Limicola pygmaea Koch. (Tringa platyrhyncha Temm.) Fr. Vög. Eur. Taf. 38. Fig. 1. pag. 357. — Dieser in ganz Europa nur sparsam vorkommende Vogel wurde am 16. Mai 1853 von Hugo Ostrdal am Teiche Oplatil bei Pardubic geschossen. Das schöne Exemplar ziert jetzt die Sammlung des Herrn Hromadko. 216. Derisländische Stirandläufer. Tringa canu- tus L. (Tringa cinerea Brünn. Tringa islandica Gmel.) Fr. Vög. Eur. Taf. 38. Fig. 9. Taf. 59. Fig. 2. pag. 358. — Wurde im August 1849 von Palliardi an einem schlammigen Teichrande er- lest. Am 18. September 1853 wurde diese Art abermals am Tei- che Bohdanece bei Pardubic geschossen (Hromadko). Auch die Exemplare der Feldeggischen Sammlung sollen in Böhmen erlegt ' worden sein. 217. Der vielfarbige Kampfläufer. Machetes pugna® Cuv. (Tringa pugnax L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 38. Fig. 1. Taf. 43... Fig. 4, 5. pag. 360. — Brütet nach Kablik einzeln an den grossen Teichen Böhmens, was auch dadurch bestätigt wird, dass Herr Apotheker Khittl (nach Palliardi) im Juni 1838 ein Weibchen mit einem reifen Ei erlegte. Während des Zuges erscheinen - diese Schnepfen ziemlich häufig an den grösseren Teichen, sowohl im Frühjahre als im Herbste. | 218: Der Flussuferläufer. Actitis hypoleucus Boie. (Tringa hypoleucos L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 33. Fig. 13. pag. 362. — Brütet hie und da an Flussufern, so z. B. an der Hetzinsel bei Prag (Lokaj), an der Vattava bei Horazdovic, wo ich ihn im Mai vorigen Jahres antraf. Während des Zuges erscheint er auch an Teichrändern und Wassergräben. | 219. Der Bruchwasserläufer. Totanus glareola Temm. (Tringa glareola L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 38. Fig. 4. pag. 364. — Brütet wahrscheinlich in Böhmen, da er das ganze Jahr sich da- selbst aufhält (Palliardi). Ich glaube ihn auch im Mai d. J. an den Teichen bei Frauenberg beobachtet zu haben. Zur Zugzeit ist er der häufigste unter den Wasserläufern. 220. Der punktirte Wasserläufer. Totanus ochro- pus Temm. (Tringa ochropus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 38. Fig. 2. Die Vögel Böhmens. 389 pag. 365. — Ist etwas weniger zahlreich als der vorige und wird besonders im Herbste an Wassergräben und 'Teichufern angetroffen. Es ist nicht wahrscheinlich, dass er in Böhmen brütet, da er dies blos vom nördlichen Deutschland angefangen nach dem Norden hin zu thun pflegt. 221. Der Gambettwasserläufer. Totanus calidris Bechst. (Scolopax calidris L. Tringa gambetta Gmel.) Fr. Vög. Eur. Taf. 34. Fig. 4, 6. pag. 367. — Vor etwa 10 Jahren traf ich diesen Wasserläufer bei Pardubice häufig brütend an, was wohl jetzt nach Ablassung der Teiche kapm noch vorkommt. Dafür traf ich in diesem Frühjahre am Zvolenover Teiche bei Frauenberg etwa 10 Paare an, die den ganzen Tag mit grossem Geschrei die Krähen von ihren Brutplätzen zu verjagen trachteten. Im südlichen Böhmen wird dieser Wasserläufer „die Kurier- schnepfe“ genannt, 222. Der dunkelfarbige Wasserläufer. Totanus fuscus Leissl. (Scolopax fusca L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 34. Fig. 1, 3. pag. 369. — Erscheint auf dem Herbstzuge ziemlich häufig im September und October auf den Teichen bei Frauenberg und Par- dubie; selten auf dem Frühjahrszuge nach seinen im hohen Norden gelegenen Brutplätzen. 223. Der hellfarbige Wasserläufer Glottis ca- nescens Bp. (Totanus glottis Bechst.) Fr. Vög. Eur. Taf. 38. Fig. 15, 14. pag. 370. — Belebt die Inseln und Ufer der Elbe zwischen Melnik und Pardubie und ist namentlich bei Elbekostelec und Elbeteinic schon gegen Ende Juli anzutreffen, wo er durch sein Geschrei die Aufmerksamkeit auf sich leitet. Im Frühjahre, wo er nach dem hohen Norden brüten geht, ist er seltener. -Im übrigen Böhmen wird er ziemlich selten angetroffen. 224. Die schwarzschwänzige Uferschnepfe ZLi- mosa aegocephala Bp. (Limosa melanura Temm.) Fr. Vög. Eur. Taf. 39. Fig. 6, 10. pag. 373. — Wurde wiederholt auf dem Zuge bei Opatovic (nördlich von Pardubic) sowohl im grauen als rothen Kleide erlegt und kam in die Sammlung des H. Hromadko und Kablik. Auch im Museum zu Frauenberg sind in der dortigen Gegend erleste Exemplare. 225. Dierostrothe Uferschnepfe Limosa rufaBr. (Limosa Meyeri Leissl.) Fr. Vög. Eur. Taf. 39. Fig. 7, 12. — 390 Dr. Anton: Fritsch: Bisher wurde blos das bräunliche Herbstkleid, das früher als eigene Art unter dem Namen Z. Meyeri angeführt wurde, bei uns beob- achtet. Palliardi erhielt ein Exemplar bei Franzensbad am 22. September 1846 und ich fand eins am 12. September 1850 am Prager Wildpretmarkte. Ob das rostrothe Frühlingskleid auch in Böhmen beobachtet wurde, weiss ich nicht. 226. Der grosse Brachvogel. Numenius argquatus Lath. (Scolopax arquata L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 40. Fig. 3. pag. 376. — Kommt auf dem Zuge in Schaaren von 20—30 Stück schon im Juli und August. Ob er in Böhmen nistet, weiss ich nicht sicher, aber in Frauenberg hörte ich seinen flötenden Pfiff Abends etwa am 15. Mai. | 227. Der Regen-Brachvogel. Numenius phaeopus Lath. (Scolopax phaeopus L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 40. Fig. 2. pag. 877. — Ist sehr selten in Böhmen. Fierlinger erhielt ihn im Septbr. 1839 bei Pardubic. Herr Lokaj einmal von Rumburg, das andere Mal von Radnic. Dem Museum zu Frauenberg fehlt diese Art. 228. Der dunkelfarbige Sichler. Plegadis falei- nellus Kaup. (Ibis faleinellus Vieill.) Fr. Vög. Eur. Taf. 43. Fig. >. pag. 578. — Von diesem in Südungarn häufigen Vogel wurden bereits einige Exemplare in Böhmen erlegt. Im Jahre 1840 schoss der Hofjäger Adolf Feldegg ein Exem- plar am Poricer Teiche bei Frauenberg. Ostrdal beobachtete ihn im Jahre 1864 am Bohdanecer Teiche bei Pardubic, Lokaj bei Rumburg, Häring bei Saaz. 229. Der Fischreiher. Ardea cinereaL. Fr. Vög. Eur. Taf. 42. Fig. 3. und Taf. 44. Fig. 2. pag. 381. — Hält sich das ganze Jahr hindurch in Böhmen auf und brütet auf Bäumen, z. B. bei Gratzen unweit Frauenberg. Junge Vögel kommen im Herbste auch in Gegenden vor, wo keine grossen Teiche sind. 250. Der Purpurreiher. Ardea purpurea L. Fr. Vög. Eur. Taf. 43. Fig. 1, 6. — Besucht Böhmen fast jährlich und scheint öfter daselbst zu brüten. Am merkwürdigsten ist in dieser Beziehung das Jahr 1863, wo über hundert Purpurreiher in der Gegend von Frauenberg erschienen und am Teiche „Gross Tissy“ gebrütet haben. Ausserdem wurden sie beobachtet: 1850 bei Brandeis a. d. Elbe, bei Königsaal (Lokaj), 1864 bei Pardubie in grosser Menge am Bohdanecer Teiche (Ostrdal), Königstädtl (E. Purkyne) u. s. w. Die Vögel Böhmens. 391 231. Der Silberreiher. Egreita alba Bp. (Ardea alba L., Ardea egretia Bechst.) Fr. Vög. Eur. Taf. 42. Fig. 5. pag. 384. — Kommt aus Ungarn als grosse Seltenheit meist im Frühjahre zu uns. Am 20. April 1831 wurde ein Exemplar bei Frauenberg er- legt; 3. April 1849 bei Sichelsdorf unweit Landskron (Hromadko), Weisswasser (Em. Purkyne), Podebrad (Hoffmann), Wittingau und Bestrever Teich bei Frauenberg. Ausserdem wurde dieser schöne aber sehr scheue Vogel mehrmals beobachtet, aber nicht erlegt. 252. Der Seidenreiher. Egretta garzetia Bp. (Ar- dea garzeita L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 42. Fig. 2. pag. 384. — Ver- irrt sich noch viel seltener als der vorige nach Böhmen. Im Jahre 1858 wurde ein Exemplar am Rosenberger Teiche erlegt und be- findet sich im Museum zu Frauenbers. 233. Der Schopfreiher. BDuphus ralloides Bp. (Ar- dea comata Pall., Ardea ralloides Scop.) Fr. Vög. Eur. Taf. 40. Fig. 3, 5. pag. 386. — Erscheint in den letzten Jahren fast jedes Frühjahr bei uns. Ostrdal erlegte ihn bereits im Jahre 1852 in Pardubic. Förster Sikesch erhielt ihn bei Kost im Jahre 1862. Im. September 1864 beobachtete Ostrdal 15 Stück am Bohdanecer Teiche bei Pardubic, und erlegte 5 davon. Im selben Jahre wur- den welche bei Kel unweit der Stefaner Ueberfuhr geschossen; so- dann an der „Skupice“ bei Podebrad anfangs Mai 1866 (Hoff- mann), Brandeis a. d. Adler 21. Mai 1867 (Hromadko) bei Kestran unweit Protivin eine Gruppe im Jahre 1869. Ich zweifle gar nicht daran, dass diese kleinen Reiher bei uns in den Elbeniederungen nisten würden, wenn man sie in Ruhe liesse. 234. Der Zwergreiher. Ardeola minuta Bp. (Ardea minuta L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 37. Fig. 5, 4, 5. pag. 387. — Ist die häufigste Reiherart in Böhmen und nistet selbst unweit Prag. Er kommt im April und zieht im September wieder fort. Vor gefangenen lebenden Exemplaren hat man sich sehr in Acht zu nehmen, da sie nicht blos die Hände mit ihrem scharfen Schnabel leicht verwunden, sondern auch den Augen gefähr- lich sind. 235. Die grosse Rohrdommel. Dotaurus stellaris Boie. (Ardea stellaris L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 37. Fig. 6. pag. 389. — Brütet an den grösseren Teichen Böhmens bei Frauenberg und bei KopidIno. Im Herbste erscheint er in manchen Jahren häufig. 236. Der Nachtreiher. Nyeticorazx griseus Strickl. (Ardea nycticorax L., Nycticorax europaeus Steph.) Fr. Vög. Eur. 392 Dr. Anton Fritsch: Die Vögel Böhmens. Taf. 40. Fig. 6, 7. pag. 390. — Besucht uns fast alljährlich und soll sogar nach E. Purkyne bei Weisswasser gebrütet haben. Es wurden sowohl alte als junge Vögel erlest: bei Pardubic (Hro- madko), bei Podebrad (Hoffmann), bei Jiein im Walde des Stribr- nitzer Reviers, am Zvolenover Teiche bei Frauenberg und Grosstisi bei Wittingau. 237. Der gemeine Storch. Ciconia alba Belon. (Ar- dea ciconia L.) Fr. Vög. Eur. Taf. 41. Fig. 3. pag. 392. — Brü- tet blos im südlichen Böhmen und ich will einige seit Jahren be- kannte Brutplätze anführen: Protivin, am Schornsteine des Schlos- ses und auf der Ruine Misenec, bei Treban auf Eichen, in Mazalov auf dem Dache eines Bauerngutes u. s. w. Vor etwa 20 Jahren brütete ein Paar bei Elbekostelec auf einer Pappel; da aber ihr Nest zerstört wurde, kehrten sie nicht wieder zurück. Während des Zuges kommen die Störche in ganz Böhmen vor und fallen oft in kleine Feldhölzer ein, um Nachtruhe zu halten. Es ist sehr zu bedauern, dass bei dieser Gelegenheit diese nützlichen Vögel oft von eifrigen Schützen massenhaft getödtet werden. 238. Der schwarze Storch. Ciconia nigra Belon. (Ardea nigra L.} Fr. Vög. Eur. Taf. 41. Fig. 2. Taf. 44. Fig. 3. pag. 393. — Erscheint einzeln hie und da in Böhmen, so bei Turnau an den Iserwiesen, bei Rumburg (Lokaj), bei Jiein (Dr. Schier), bei Franzensbad (Palliardi). In früheren Zeiten nistete der schwarze Storch bei Wittingau, soll aber in den letzten Jahren nicht mehr beobachtet worden sein. 239; Der weisse Löffler. Platalea leucorodia L. Fr. Vög. Eur. Taf. 42. Fig. 6. pag. 394. — Kam bereits einzeln einigemal in Böhmen vor. Im Jahre 1828 erschienen 10 Stück am Bestrever Teiche bei Frauenberg; aber in dem ornithologisch für Böhmen merkwürdigen Jahre 1863 kamen über 100 Stück nach dem südlichen Böhmen und hielten sich vom Mai bis August auf den Inseln des Municer und Bestrever Teiches, ohne dass man beobachtet hätte, dass sie Anstalten zum Brüten gemacht hätten. Grosser Wassermangel in Ungarn soll diese Vögel nach Böhmen getrieben haben. Merkwürdig ist es, dass sie bei diesem Aufent- halte im fremden Lande ihre Fortpflanzungsthätigkeit für dieses Jahr suspendirt haben. (Fortsetzung folgt.) Dr. Dybowski: Zur Fortpflanzungsgeschichte des Kuckuks. 393 Zur Fortpllanzungsgeschichte des Kuckuks. Briefliche Mittheilung aus Ost-Sibirien. Von Dr. Dybowski. Mit der Annahme: dass der junge Kuckuk die Jungen seiner 'Stiefmutter mechanisch oder unwillkürlich aus dem Neste werfe, kann ich mich nicht einverstanden erklären, da ich Thatsachen auf- zuweisen habe, die zu ganz anderen Resultaten führen. So fanden wir in einem menschenleeren Thale, in der Nähe des Flusses Alen- gui in Daurien, ein Nest des Anthus Richardi. Es war am Fusse eines ziemlich umfangreichen Erdhaufens in eine Vertiefung ein- gesenkt, dessen Oberfläche das Nest von allen Seiten an Höhe be- deutend überraste. In diesem Neste war nur ein junger, noch ganz kahler Kuckuk, der kaum 2—3 Tage, seit dem Auskriechen aus dem Eie, alt sein mochte. Nicht weit vom Neste lagen zwei. junge Anthus, die zwar noch lebten, jedoch schon ausserordentlich schwach - waren, und noch etwas entfernter ein dergleichen Junges, schon todt. Als wir die Jungen in die Hand nahmen, zeigte es sich, dass die Kröpfe voll und der Darmkanal gut angefüllt waren. In- dessen waren die armen Dinger denn doch so durchkältet, dass sie kaum einige Lebenszeichen zu erkennen gaben. Nun fräst es sich, was war wohl die Ursache dieses, jeden- falls unfreiwilligen Verbleibens besagter Jungen ausserhalb ihres Nestes? Der junge Kuckuk konnte dies gewiss nicht gethan haben, da er dazu denn doch noch viel zu schwach war. Die jungen Pie- per selbst konnten noch nicht aus dem Neste kriechen, da dies viel zu tief für sie lag. Es bleibt also nur noch die Annahme, dass es die Eltern gethan, entweder die der jungen Anthus oder die des Kuckuks. Von den Anihus darf wohl hier keine Rede sein; meiner Ansicht nach kann man in diesem vorgeführten Falle nur einzig und allein den Kuckuk dieser That beschuldigen und zwar das Weibchen. — Unweit Darasun, wo kurz zuvor mehrere Kuckuke erlegt wur- den, fanden wir im Monate Juni in einem Neste neben einem jun- gen Kuckuk einen fast schon ausgewachsenen jungen Anthus. Der junge Kuckuk konnte das Nest noch nicht verlassen, ja verstand es nicht einmal sich daraus vor uns zu flüchten, er sass fest auf der Stelle und zischte, während der junge Pieper schon laufen 394 Dr. Dybowski: Zur Fortpflanzungsgeschichte des Kuckuks. konnte und eben vor uns aus.dem Neste schlüpfen wollte. In die- sem Falle muss angenommen werden, dass Niemand vorhanden war, der den jungen Anthus herausgeworfen hätte. — In einem und demselben Neste fanden wir zwei Kuckukseier, deren Farbe jedoch von einander ganz verschiede war. | In dem Neste der Phyllopneuste fuscata fanden wir ein grünes | schwarzgesprenkeltes Kuckuksei, ähnlich dem des Uragus sibiricus, der bekanntlich kein Kuckuksei annimmt, sondern lieber das Nest vernichtet und dessen Material fortnimmt. Neben besagtem Neste aber lagen die Eier der Phyllopneusie, von rein weisser Farbe. — Oft fanden wir beschädigte oder auch auseinandergerissene Nester, deren Eier jedoch nicht ausgefressen, sondern srossentheils zerschlagen in einiger Entfernung von den Nestern herumlagen. Obige Thatsachen sowohl, als noch viele andere Umstände veranlassen uns folgende Ansicht über den Kuckuk auszusprechen: Das Kuckuksweibchen legt seine Eier in die Nester anderer Vögel. Die fremden Eier wirft es nicht mit Willen heraus; ge- schieht dies dennoch, dann dürfte es doch wohl nur zufällig passiren. Jedes Kuckuksweibchen hat sein eignes Revier und gewisse ausgespähete Nester, worin es seine Eier legt. Sieht es, dass ein anderes Kuckuksweibchen sich diesem Reviere nähert, dann wird es verfolgt und herumgejagt. Wenn aber dennoch ein anderes Kuckuks- weibchen ungesehen in ein solch Revier sich einzuschleichen ver- mag, dann kann es wohl vorkommen, dass zwei Kuckukseier in ein und dasselbe Nest gelegt werden. Das Verderben der Nester und Auseinanderwerfen der Eier müssen wir jedenfalls nicht den Kuckuksweibchen, sondern deren Männchen zur Last legen, die eben dadurch ihre Weibchen zur Verlängerung der Paarungszeit wahrscheinlich zwingen wollen. Nach dem Ausbrüten wirft das Kuckuksweibchen die Jungen ihrer Amme aus dem Neste, um dem eignen Nachkommen eine ge- wissere Existenz zu sichern. Jede dieser Ansichten bedürfte indess einer Bestätigung durch sorgfältig angestellte Beobachtungen. Jedenfalls dürften sie besser, als jede andere, dazu geeignet sein, oben angeführte Thatsachen zu beleuchten und aufzuklären. — h L. Taezanowski: Ueber die ostsibirischen Numenius-Arten. 395 Nachtrag zur Notiz über die ostsibirisechen NMumenius-Arten. (Siehe dies Journal, 1871, Seite 56,) Von L. Taczanowski. Zwei junge Exemplare des Numenüus australis, ein Männchen und ein Weibchen, die mir soeben vom Dr. Dybowski aus Sibirien zugeschickt worden sind, und die derselbe in Kultuk am 29. Aug. 1869 erlegt hatte, geben mir Veranlassung über diese asiatische Art einige Bemerkungen zu machen und zugleich die an denselben ausgeführten Messungen anzugeben. Der Unterschied der Maasse zwischen dem früher beschriebe- nen Weibchen und dem jetzigen ist gewaltig gross, zumal in der Länge des Schnabels. Die Färbung ist sonst übereinstimmend, bis ‚auf folgende Differenzen : 1. Die dunkeln Striche auf dem Vorderhalse, der Brust und den Seiten des Bauches sind viel schmäler und endigen pinselartig, beinahe wie an den jungen N. arquata.. An der Mitte des Bauches fehlen sie ganz, während bei dem früher beschriebenen aiten Weibchen dort fast auf allen Federn schmale Striche vorhan- den sind. 2. Die dunkeln Querstreifen der Steuerfedern sind dichter und zahlreicher; denn während die mittleren davon bei dem frühern Weibchen 9 solcher Streifen auf der Länge eines Decimeters haben, finden sich bei diesen ihrer 12 auf 92 Millimetern beim Männchen, und ebensoviel auf 95 Millimetern beim Weibchen. — 3. Die dunkeln Streifen auf den innern Fahnen der Schwung- federn erster Ordnung sind minder regelmässig, und auf den weissen Zwischenräumen derselben zeigen sich viele dunkle Fleckungen. 4. Auf dem Oberkopfe befinden sich kleinere braune Flecke. 5. Auf dem Rücken und den Deckfedern der Flügel sind die lichten Ränder der Federn breiter und mehr gelblich. 6. Die Schwungfedern erster Ordnung, von der dritten an, sind an den Enden weiss gesäumt. Zwei Merkmale jedoch, die Dr. Schrenk in seinem Werke: „Reisen und Forschungen im Amurlande“ B. I, 2. Lief. S. 431, über ein junges Exemplar, das er in Ussurisland erbeutet, anführt, 396 Hauptmann Alexander v. Homeyer: nämlich die Befiederung des Vordergesichtes und dass die erste Schwungfeder kürzer sei als die zweite, bieten unsere zwei Exem- plare schon nicht mehr dar, da sie um Vieles älter, nämlich ganz zu Ende August erlegt waren. Sie konnten demnach 10—12 Wochen alt sein, während jenes, als am 23. Juli erlegt, um 5 Wochen jünger war. An unsern Exemplaren ist keine Anschwellung des Tarsen-Buges mehr vorhanden. z Die Maasse dieser zwei jungen Exemplare sind folgende: g: $: Länge des zusammengelegten Flügels. . 283 Mm. 304 Mm,, Bängedes\Schwanzes six um, Kulaser a8,.2120 0 Länge des Schnabels vom Mundwinkel . 91 „. ORER Höhe des Schnabels an der Stim . .. 33 j 164% Breite des Schnabels ebendaselbt . . . 1 u; LbW,8 Breite des Schnabels am Ende . . . . EEE, 4,308 Länge des Laufess . . . re Ä, SI Länge der Mittelzehe ohne a aaa a) > DOSE Länge des Nagels an der Mittelzehe . . 7 in as Länge der Hinterzehe ohne Nagel . . . 16 ; 16,9. Länge des Nagels an der Hinterzehe . . 4,95,..155 45, Erwiederung. Das Journal für Ornithologie bringt, weiter vorn S. 210 u. ff., einen Artikel des Herrn Dr. Borggreve, welcher als Erster Nach- trag zu seiner „Vogel-Fauna von Nord-Deutschland“ ausser An- derem auch ganz unmotivirte Ausfälle gegen mich enthält. Herr Dr. Borggreve sagt selbst, „dass sein anspruchsloses Büchelchen wesentlich deshalb der Oeffentlichkeit übergeben wurde, um für weitere Forschungen zum Zwecke der Berichtigung und Vervollständigung der bezüglichen Kenntnisse anzuregen“. Selbst- verständlich hätte daher Herr Dr. B. voraussetzen müssen, dass dergleichen „Vervollständigungen“ nicht über das von dem Ver- fasser des Büchelchens gebrachte viele Gute lobend sich verbreiten, sondern die vorhandenen Irrthümer zu berichtigen und die Mängel zu ergänzen bestrebt sein würden. Um so mehr muss es auffallen, dass Herr B. der Logik der „berechtigten Kritik“ nicht anders SL durch persönliche ins begegnen zu wollen scheint. Erwiederung. 397 Meine in diesem Journal, Jahrg. 1870, S. 214 u. ff, gegebenen Zusätze und Berichtigungen wurden in bester Gesinnung und ledig- lich zur Förderung der Sache veröffentlicht, — keineswegs aber etwa um das Interesse .derjenigen Herren Ornithologen zu ver- letzen, welche sich als vorgesetzte Behörde der Vogelwelt zu be- trachten belieben. Nach den gemachten Erfahrungen kann ich ferner nicht die Absicht hegen, der Anregung zur Vervollständigung speciell des Borggreve’schen Buches Folge zu leisten, ich lasse daher alles Weitere auf sich beruhen und beschränke mich als Abschluss der Angelegenheit auf die folgenden 2 Punkte: 1. Herr Dr. B. hat im speciellen Theile seines Buches sich streng an die systematische Anordnung und Synonymik des „clas- sischen“ Werkes von Keyserlingk und Blasius gebunden. Alle Nummern und Namen. desselben werden den bezüglichen Beobach- tungen des Herrn Borggreve zum Grunde gelest, auch die Irrthü- mer werden nicht gestrichen, sondern mit reproducirt. Wie ver- trägt sich das mit der von Herrn Dr. Borggreve „angestrebten taciteischen Kürze“ und mit seiner mit Emphase abgegebenen Er- klärung, „dass er nun einmal zum literarischen Vegetarier verdor- ben sei“? Wozu ist die aufgetischte Kost durch Unkraut „reich- licher“ gemacht? Oder sollen die Irrthümer überhaupt im Ernste stillschweigend etwa als privilegirter Fleischextract mit hingenom- men werden? „Nun das ist eben Geschmackssache!“ um mit Herrn B.’s eignen Worten zu reden. 2. Herr Dr. Borggreve bezweifelt das Vorkommen des Schwar- zen Milans (Milvus ater) in der Gegend von Frankfurt a. M., in- dem er denselben in der bezüglichen Literatur nicht gefunden hat. — Ist es schon ein eigenes Ding, positiver Beobachtung mit negativen Beweismitteln entgegen treten zu wollen, so muss man doch wenig- stens seiner Mittel sicher sein, was hier durchaus nicht der Fall ist. Leissler, Borkhaus, Meyer und Wolff führen den Milvus ater ausdrücklich äls Brutvogel auf, so dass es schwer wird zu erkennen, weiches die Werke sind, welche Herr Dr. B. nach- gelesen, da er die bedeutendsten Schriftsteller, welche in der be- sprochenen Gegend lebten, entweder nicht gekannt oder über- ‚ sehen hat. Schweidnitz. Hauptmann Alex. v. Homeyer. 398 Deutsche ornithologische Gesellschaft: Deutsche urnithulugische Gesollschoft zu Berlin. Protokoll der XXXVI Monats-Sitzung. Verhandelt Berlin, Montag den 4. Sept. 1871, Abends 7, Uhr, im Restaurant „Schlossbrauerei“, Unter den | Linden Nr. ®&. | Anwesend die Herren: Cabanis, Reichenow, Russ, d’Alton, Stoltz, Bau und Golz. | Vorsitzender: Herr Golz. Protokollf.: Hr. Reichenow. Der Vorsitzende beklagt mit allen Anwesenden den jähen, vor wenig Wochen erfolgten Tod unseres treuen Vereinsmitgliedes Freese. Auf seinem und seines Freundes Stoltz Jagdreviere bei Königswusterhausen ertrank Freese, als er, zufällig ohne beglei- tenden Hund, im allzu regen Eifer die von ihm geschossenen Wild- enten schwimmend erreichen wollte: offenbar vom Schlage gerührt, da der kräftige Mann ein Meister in der Schwimmkunst wie in allen anderen ritterlichen Uebungen war. | Freese war bekanntlich Jagdmaler allerersten Ranges, dessen eben nicht zahlreiche Schöpfungen, insonders die grossen Sau- und Hirschjagden, sowie die vielfach copirten „Hirsche von Wölien ver- folgt“ sich im Besitze Sr. Majestät des Deutschen Kaisers befinden. Mit ihm starb aber auch ein vortrefilicher Beobachter unserer Deutschen Vogelwelt. Hätte er sich entschliessen können, zeitwei- lig Pinsel und Palette mit der Feder für’s Journal zu vertauschen, so würde er, der König aller Sprossereigner, nicht blos den Ber- liner Singvogelliebhabern und einem sehr engen Kreise wirklicher Ornithologen bekannt geblieben sein. So viele von letzteren jedoch ihn kennen lernten, gewannen ihn lieb. Als grundgemüthlicher Gesellschafter und ausgezeichneter Reisegefährte eroberte.Freese auf Excursionen durch seinen „unvergleichlichen Humor“ die Her- zen Aller im Sturme, wie dies der Nestor Eugen von Homeyer in seiner Erinnerungsschrift an die vorjährige Frühjahrsfahrt nach Görlitz und in’s Riesengebirge treffend hervorgehoben hat. Die Gesellschaft ehrt das Andenken an den Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Hr. Russ sprach hierauf über verschiedene von ihm auf einer Reise besuchte Vogelstuben und über eine Geflügelmastanstalt. Der Bericht wird besonders abgedruckt werden. Herr d’Alton machte die Erfahrung, dass Fütterung mit frischem Salat nachtheilige Folgen für Stubenvögel habe, Diese Protokoll der XXXVI. Monats-Sitzung. Benachrichtigung. 399 Beobachtung wird durch Hrn. Russ bestätigt, welcher den Verlust australischer Platycircen dem Genuss genannten Grünfutters zu- schreiben zu müssen glaubt. Es folgen Besprechungen der vorstehenden vierten Jahresver- sammlung und wird ein vorläufiges Programm aufgesetzt und der Be- schluss gefasst, sämmtliche Mitglieder durch ein gedrucktes Circu- lar zur Jahresversammlung einzuladen. Der Secretär wird mit der Ausführung des Beschlusses beauftragt. Die Sitzung beschliessen freie Unterhaltungen über neue, in- teressante Züchtungen, bei welchen Hr. Reichenow Gelegenheit nimmt, die neuesten Erfolge des Berliner zoologischen Gartens, namentlich die Zucht von Talegalla-Hühnern (Catheturus Lathami) hervorzuheben. Golz. -Reichenow. Cabanis, Seer. Benachrichtigung an die Mitglieder. Mit Bezug auf SS. 3 und 9 des Gesellschafts-Statuts diene Folgendes zur gefälligen Nachricht; Das berichtigte Mitglieder-Verzeichniss für das kommende Jahr 1872 wird am Schlusse dieses Jahres festgestellt. Die bis dahin nicht etwa abgemeldeten Mitglieder werden in das neue Ver- zeichniss übertragen und bleiben somit der Gesellschaft pro 1872 verpflichtet. Die Zusendung der Journalhefte geschieht auch ferner pünktlich franco per Post, jedoch stets ohne weitere Gewährleistung durch die Gesellschaft. Es wird daher um rechtzeitige Berichti- gung der etwa eingetretenen Veränderung bei den bisherigen Adressen gebeten. Den zur Gesellschaftskasse (durch Postanwei- sung) pränumerando zu zahlenden Jahresbeitrag nimmt der unter- zeichnete Secretär von jetzt ab in Empfang, worauf die Mitglied- karte pro 1372 als Quittung dem nächsten Journal-Hefte beigefügt wird. Letzteres kann jedoch erst nach erfolgter Beitragszahlung expedirt werden. Dr. Cabanis, Secr. (Berlin, Simeons-Str. Nr. 23.) Nachrichten. An die Redaction eingegangene Schriften. (Siehe Juli-Heft, Seite 319, 320.) 9855. G. R. Gray. Hand-List of Genera and Species of Birds, ee those eontained in the British Museum. Part III. Siruthiones, Gral- 400 986. I. 988. 989. IN. 9: 932. 933. 994. 995. 396. In. 998. Nachrichten: Ein Segangene Schriften. lae and Anseres, with Indices of generis and specifie Names. Lon- don, 1871. — Vom Verfasser. A. E. Brehm. Gefangene Vögel. Ein Hand- und Lehrbuch für Liebhaber einheimischer und fremdländischer Käfigvögel. Erster Theil: Die Stubenvögel. Sechste Lieferung. — Vom Verfasser. M. Th. von Heuglin. Ornithologie Nordost-Afrikas. Doppelliefe- rung 22—23. Verlag von Th. Fischer in Cassel. — Vom Verfasser. Aug. von Pelzeln. Ein Beitrag zur ornithologischen Fauna der österreichisch-ungarischen Monarchie. (Separat-Abdr. aus Verhandl. d. k. k. zool.-botaa. Gesellsch. in Wien, Jahrg. 1871) — Vom Ver- fasser. Prof. Carl J. Sundevall. On Birds from the Galopagos Islands. [From Proc. Zool. Soc. London, Febr. 7, 1871.] — Vom Verfasser. Dr. Eug. Rey. Die Ornis von Halle. [Separat-Abdr. aus Giebel’s Zeitschr. f. d. gesammt. Naturwissensch.] — Vom Verfasser. Dr. Ph. L. Selater. Notes on the Types of Tyrannula mexicana Kp. and Zyrannula barbirosiris Sws. [From Proe. Zool. Soc. Lon- don, Jan. 17, 1871.] — Vom Verfasser. Scelater. Remarks on some Species of Dendrocolaptidae in the Collection of the Smithsonian Institution. [From Proc. Z. Soc. Lon- don, Jun. 17, 1871.] — Von Demselben. Scelater. On the Birds of the Island of Santa Lucia, West Indies. Cum Tab. XXI, Icterus laudabilis n. sp. [From Proc. Z. Soc. Lon- don, March 21, 1871.] — Von Demselben. Selater. Notes on rare or little-known Animals now or letely li- ving in the Society’s Gardens. Part II. Birds. [From Proc. Z. Soc. London, May 16, 1871.] — Von Demselben. Sciater. On the Birds of the Vieinity of Lima, Peru. With No- tes on their Habits by Prof. W. Nation, of Lima. Part. IV. [From Pr. Z. S. London, May 16, 1871.] — Von Demselben. W. T. Blanford. List of Birds collected or observed in the Wardha Valley and its Vieinity near Cha’nda. — Notes on Colonel Me. Master’s List of Birds from Nagpore etc. [From the Journal Asiat. Soeiety of Bengal, Vol. XL, Part IL, 1871.] — Vom Verfasser. The Ibis. A Quarterly Journal of Ornithology. Edited by Osbert Salvin. Third Series, Vol. I. No. 4, October 1871. — Von der British Ornithologist’s Union. R. B. Sharpe. A Monograph of the Alcedinidae or Family of Kingfishers. Inutroduetion, London, Published by the Author, 1871. — Vom Verfasser, Ende des Heftes. Druck von G. Pätz in Naumburg ale ES Be Eu #E ” ” # ts maculipenns, Cab. JOURNAL für ORNITHOLOGIE. Neunzehnter Jahrgang. N: 114. November. 187 1. Die Fussbildungen der Vögel. Von Dr. Anton Reichenow. (Hierzu Tafel VI.) Im Fusse liegt die Erklärung der Lebensfunction des Vogels. Wenngleich der Bau der Flügel, die Form des Schnabels, die Beschaffenheit des Gefieders wichtige Momente für die Charakteri- stik eines Vogels bieten; man würde nur ein beschränktes Bild er- halten, wollte man aus diesen Merkmalen auf die Lebensweise zu schliessen versuchen. Eine Klare Vorstellung aber gewinnt man ‚sofort über die Hauptzüge des Lebens und Gewerbes, wenn man die Füsse in den Kreis der Betrachtung zieht, da diese mehr als jedes andere äussere Kennzeichen und bestimmter nach den Ver- hältnissen der Lebensweise abändern und sich den Fähigkeiten an- passen, welche zur Ausübung gewisser Functionen nothwendig sind. | Der wichtigste Theil des Vogeldaseins, der Aufenthalt, wird in den meisten Fällen ausschliesslich durch die Fussbildung bestimmt. Mit nicht geringerer Sicherheit kann man aus dieser auf die Er- nährung und die hieraus abzuleitenden Arten der Lebensmittel schliessen, auch in solchen Fällen, wo die Füsse nicht, wie melır- fach, geradezu Werkzeuge zur Erlangung der Nahrung sind. Ferner verschiedene, auf das Thun und Treiben hinweisende Fähig- keiten, aber auch fast alle Besonderheiten der Ausbildung, welche, durch Verschiedenheit der Lebensweise bedingt, an anderen Thei- len des Vogelkörpers sich finden, welche dem Beobachter des Thier- lebens über die Stellung des betreffenden Vogels im Haushalte der Natur sichern Aufschluss und dem Systematiker als zoologische Merkmale die Mittel zur Aufstellung natürlicher Gruppen bieten, sind am Fusse ausgeprägt, so dass es möglich wird, aus diesem Cab. Journ. f. Ornith. XIX, Jahrg. No. 114. November 1871. =: 08 402 Dr. Anton Reichenow: allein die systematische Stellung eines Vogels, fast immer die Fa- milie, häufig die Gattung, zuweilen die Species und sogar das Ge- schlecht derselben zu bestimmen. | Obwohl die hohe Bedeutung der Fussbildung für die Systema- tik schon früh erkannt, und obwohl viele Forscher auf derselben fast ausschliesslich die Eintheilung grösserer Gruppen begründe- ten, so vernachlässigte man doch ein eingehenderes Studium. | Hierdurch entstanden vielfach die Mängel der aufgestellten Systeme. Und zugleich liegt hierin die Schuld, dass in neuerer Zeit die Fuss- bildung bei den Systematikern in Misscredit gerathen und unbe- achtet geblieben. Erst durch die Untersuchungen von Blasius und Keyserling über die Laufbekleidungen der Singvögel, namentlich aber durch die weitere Benutzung dieser neu entdeckten Hülfsmittel zur natürlichen Abgrenzung der Insessores und specielleren Ein- theilung derselben von Sundevall und Cabanis ist diesem Theile wieder grössere Aufmerksamkeit zugewendet. Wenn wir im Folgenden die Fussformen systematisch behan- delt, von den niederen zu den höheren aufsteigend, die Gruppen charakterisirt und die Vogelfamilien in diese und nach diesen ge- ordnet haben, so war es selbstverständlich nicht unsere Absicht, ein ornithologisches System aufzustellen. Wir haben diese Behand- lung des Gegenstandes nur gewählt, um die Bedeutung der Fuss- bildungen für eine natürliche Eintheilung der Vögel, welche in ihren Einzelheiten noch nicht die gebührende Würdigung gefunden, darzulegen. Vorerst war es uns aber mehr darum zu thun, die. Füsse nach der Summe ihrer Merkmale in naturgemässe Gruppen zusammenzufassen und die Veränderungen und Vervollkommnungen, die zur Erreichung für bestimmte Lebensweise sich eignender For- men nothwendig werden, deren engem Zusammenhange mit letzte- rer wir oben Ausdruck gegeben haben, zu beschreiben. Als Grundlage für eingehendere Untersuchungen lag uns ein so unbedeutendes Material vor, dass eine vollständig neue Bear- beitung des Gegenstandes nach selbstständigen Prineipien nothwen- dig wurde. Die in Illiger’s Prodromus gegebenen und allseitig angenommenen Formencharaktere sind eben so einfach als unvoll- ständig. Ein Festhalten an denselben war daher nicht möglich. Obwohl wir die dort benutzten Bezeichnungen der Füsse möglichst beibehalten, haben dieselben doch ganz andere Anwendung, bezüg- lich neue Begrenzung erhalten müssen. Die Tafeln von Reichen- bach’s avium systema naturale konnten gar nicht berücksichtigt Die Fussbildungen der Vögel. 403 werden, da sie zum grössten Theil fehlerhaft sind. Mit grösserem Vortheil dagegen benutzten wir Swainson’s natural history and classifieation of birds und Cabanis’ ornithologische Notizen im Ar- chiv f. Naturgeschichte Jahrg. 1847. 1. Band. Von den Theilen des Fusses kommt der immer in der Haut versteckte Oberschenkel gar nicht zur Betrachtung bei unseren - Untersuchungen, da wir uns nur mit den äusseren, sogenannten zoologischen Merkmalen beschäftigen. Der Unterschenkel, für welchen man gewöhnlich die anatomische Bezeichnung, tibia, an- wendet, ist nur insoweit zu berücksichtigen, als der unterste Theil desselben nackt oder mit Federn bekleidet ist. Die Be- deutung einer theilweise unbefiederten tibia werden wir beim Wad- fusse kennen lernen. Eine vollständig unbefiederte tibia findet sich nur bei Sirutixo. Eine grössere Wichtigkeit gewinnt der Lauf oder tarsus, da er hinsichtlich seiner Länge und Form, besonders aber in der Art seiner Bekleidung bedeutsame Momente bietet. Seiner Form nach ist er gewöhnlich seitlich zusammengedrückt. Bei einigen Schwimmvögeln ist diese Compression so stark, dass er ‘vorn und hinten scharf, schneidenartig wird. Ist dagegen von dem tarsus eine unverhältnissmässig starke Wirkung erforderlich, wie bei den Spheniscidae zur Fortbewegung, bei den Psitaci zum Hal- ten und Tragen eines sehr schweren Körpers, so ist er stets be- deutend breiter als dick. Bei Läufern ist der tarsus von ziemlich gleichmässiger, rundlicher Form. Die Länge des Laufes werden wir im Verhältniss zu den Zehen und die Bekleidung ebenfalls passender weiter unten besprechen. Mannisfaltis ist die Zahl, Stellung und Gestalt der Zehen. Die gewöhnliche Anzahl ist vier. Man bezeichnet sie zur Unter- scheidung am passendsten mit Zahlen, wobei man von der dem Daumen des Säugethierfusses entsprechenden, gewöhnlich Hinter- zehe genannten ausgeht. Dieser zunächst eingelenkt, die zweite, wird auch wohl Innenzehe genannt. Hierauf folgt die dritte oder ‚Mittelzehe und endlich die am äussersten stehende, die vierte oder Aussenzehe. Die Anzahl der Zehenglieder oder Phalangen wächst mit der Zahl der Zehen stetig um eins. Die erste Zehe hat zwei Phalangen, die vierte demnach fünf. Ausnahmsweise kommt es vor, dass diese Verhältnisse sich ändern. So hat bei den Capri- mulgidae, Pterochidae und Struthionidae die vierte Zehe nur vier Phalangen, bei den Oypselidae die dritte und vierte nur drei Glie- der, wie die zweite. Von den vier Zehen fehlt häufig die erste, | 26 * 404 Dr. Anton Reichenow: nur in einem Falle (Struthionidae) auch die zweite. Die drei letz-- ten Zehen sind immer in gleicher Höhe am tarsus eingelenkt; die erste ist bald in gleicher Höhe mit diesen (tief), bald höher (hoch): angesetzt, und zwar nicht gerade an der Hinterseite des tarsus,, wo sie also der dritten gegenüberstehen müsste, sondern immer mehr oder weniger seitlich. | In allen Fällen, wo die erste Zehe hoch angesetzt, ist sie im Verhältniss zu den anderen von sehr geringer Länge, immer klei- ner als die zweite, selten nur gleich der Hälfte der dritten, oft nur als Nagel vorhanden. Als äusserster Fall der Verkürzung ist end- f lich das gänzliche Fehlen der ersten Zehe anzusehen. Diese Ver- kümmerung wird für die Bewegungsfähigkeit auf ebner Erde von der grössten Bedeutung. Fehlt die in Rede stehende Zehe oder ist sie so hoch angesetzt und kurz, dass sie nicht den Boden be- rührt, also gar nicht benutzt werden kann, so lassen die be- treffenden Vögel die Körperlast beim Gehen nur auf den Spitzen der drei vorderen Zehen ruhen. In Folge dessen brauchen die. Füsse bei jeder Vorwärtsbewegung nur wenig gehoben zu werden und — ein schnelles Laufen wird möglich. Ist die erste Zehe so f lang, dass sie aufsteht, so benutzt der Vogel dieselbe, um dem Gange grössere Festigkeit zu geben; er tritt deshalb zugleich mehr mit den ganzen Zehen und dem Ballen auf, muss also die Füsse beim Fortbewegen höher heben, um die Zehen über den Boden fortzuführen und — die Bewegung wird verlangsamt. Von glei- cher Bedeutung wird die erste Zehe für die Befähigung zum Baumleben. Zum Umfassen von Gegenständen, also hier zum Um- klammern der Zweige, ist sie durchaus nothwendig. Wir können daher ein Baumleben bei allen Vögeln voraussetzen, welche eine in | gleicher Höhe mit den anderen (tief) angesetzte erste Zehe haben — denn nur in diesem Falle kann letztere zur Thätigkeit kommen. Hierbei treten freilich noch Beschränkungen nach der Länge der’ Zehe, der Grösse des tarsus und der Form der Nägel ein. Mit der tiefen Ansetzung der ersten Zehe wird ihr Längenverhältniss zu den anderen wichtig. Während sie, hoch angeheftet, immer am kleinsten war, wird sie nun häufig grösser als die zweite und vierte, zuweilen sogar grösser als die dritte. Länger als die beiden er- steren ist sie bei Vögeln, welche sich geschickt im Gezweige der‘ Bäume bewegen, grösser als die dritte bei einigen Modificationen derselben. Ebenfalls stark ausgebildet, grösser als die vierte, ist sie bei allen Raubvögeln, welche lebende Thiere zur Beute wählen.‘ Die Fussbildungen der Vögel. 405 Eine Ausnahme tritt nur ein, wenn die vierte Zehe wendbar ist (Eulen) und so die Funetion der ersten unterstützt. Auch bei einigen Parridae ist die erste Zehe grösser als die anderen; doch wird das hier allein durch übermässige Verlängerung ihres Nagels erreicht. Die zweite Zehe ist immer kleiner als die dritte, ge- wöhnlich auch kleiner als die vierte. Grösser als letztere wird sie bei einer Modification des Kletterfusses (Galbulidae), ferner bei den Raubvögeln, welche im eigentlichen Sinne vom Raube leben, da sie, zusammen mit der hier, wie erwähnt, ebenfalls stark entwickelten - ersten Zehe, ausschliesslich zum Erwürgen der Beute benutzt wird. Auch bei den Apterygidae und Oasuarinae ist die zweite Zehe grösser als die vierte. Der Zweck solcher Verlängerung ist hier nicht wohl einzusehen. 4 Die vierte Zehe, welche gewöhnlich kürzer als die dritte ist, wird gleich der letzteren oder sogar grösser bei den höchsten For- men des Kletterfusses, ebenso bei mehreren Schwimmfussarten, wo durch diese Bildung ein leichteres und geschickteres Tauchen er- möglicht wird. Bei letzterem führen bekanntlich die Füsse seit- liche Bewegungen aus, indem sie das Wasser nach den Seiten und in die Höhe drücken, und es ist unschwer einzusehen, dass, je stärker der äussere Theil der Schwimmhäute ist, was eben die Ver- längerung der vierten Zehe bezweckt, um so mehr in dieser Weise gewirkt werden kann, um so geringer also der Kraftaufwand wird. Die dritte Zehe ist, wie aus dem Gesagten ersichtlich, in der Regel am grössten. Eine besonders starke Verlängerung zeigt sie bei dem Scharrfusse.. Wie beim Menschen der Zeigefinger wegen häufigerer Benutzung vor den anderen gewöhnlich eine grössere Beweglichkeit besitzt, so zeigt die Verlängerung der dritten Zehe bei den Hühnervögeln, dass dieselbe beim Scharren und Kratzen die hauptsächlichste Anwendung erfährt, und bildet somit zugleich das charakteristische Moment für diese Eigenschaft genannter Vö- gel. Um dies genauer zu bezeichnen, so ist die dritte Zehe bei den Hühnern um ein Fünftel grösser als bei anderen Vögeln, so dass die vierte sich zu dieser wie 1:1,4 verhält, während im Allgemeinen das Verhältniss nur 1:1,2 ist. Eine ähnliche Aus- bildung findet sich noch bei den Struthionidae, Caprimulgidae und Gyrantes, wo aber zum Theil andere Functionen dieser Bildung zu Grunde liegen, was wir an den betreffenden Stellen erwähnen werden. 406 Dr. Anton Reichenow: Eine gleichzeitige Verlängerung sämmtlieher Zehen haben wir endlich bei einigen Formen des Wadfusses. Solche Bildung hat den Zweck, das Einsinken in weichen, schlammigen Boden zu ver- hindern. Indem die langen Zehen einen weiten Raum überspannen, die Körperlast also auf eine grosse Fläche vertheilt wird ist yes! den hierher gehörenden Vögeln möglich, sich auf weichem Sumpf und Schlammgrund, auf schwimmenden Blättern mit Sicherheit zu ' bewegen, wo sie bei gewöhnlicher Fussbildung versinken würden. Diese Ausbildung zeigen am vollkommensten die Parridae. Die Länge des tarsus unterliegt bedeutenden Schwankungen. Am kürzesten finden wir ihn bei einigen Öaprimulgidae, wo er kaum ein Drittel der dritten Zehe ist. Am längsten ist er bei den Phoenicopteridae und erreicht hier das Drei- bis Vierfache der drit- ten Zehe. Je länger der tarsus, um so mehr kann man auf die Laufiertigkeit des Vogels schliessen, um so weniger aber lässt sich ein Baumleben voraussetzen. Bei allen Vögeln, welche ein aus- schliessliches Baumleben führen, ist der Lauf kürzer als die dritte Zehe, wogegen er bei den wenigen Ausnahmen von diesen, welche, trotz der durchaus auf solche Lebensweise hinzeigenden übrigen Ausbildung, auf dem Boden sich mit Geschick bewegen, wie einige Cuculidae, Buceros abyssinicus u. a., länger als letztere ist. Die Nägel der Zehen sind im Allgemeinen kurz und gerade bei Arten, welche auf der Erde sich aufhalten, und bei Schwim- mern. Eine dünne, sehr lang gestreckte Form haben sie bei eini- gen Sumpfvögeln, welche starkgestreckte Zehen besitzen ‚ und un- terstützen so letztere in ihrer Wirkungsweise, die wir oben be- sprochen. Gekrümmt und spitz sind sie bei Baumvögeln und den vom Raube lebenden Raptatores. Analog der Zehenbildung ist der dritte Nagel in der Regel der längste; es folgt der vierte, hierauf der zweite und endlich „a kleinsten, der erste. Wie bei den Zehen im Ganzen, so treten auch hier Aenderungen ein. | Der erste Nagel wird der grösste und stärkste bei den jagen- den Raubvögeln, grösser als der zweite und vierte bei den Familien des Hüpffusses, wo er, in beiden Fällen, an der Function der gan- zen Zehe Theil hat, ausserdem bei den Ardeidae und anderen Schreitfussformen, welche ein theilweises Baumleben führen oder Sumpfvögel sind. Der zweite Nagel wird stärker bei allen Vögeln, welche von animalischer Nahrung leben und solche vor dem Ge- nusse zerkleinern, indem er zum Zerreissen, zum Festhalten der Die Fussbildungen der Vögel. 407 Beute beim Fressen benutzt wird. Daher ist er grösser als der vierte bei allen ARaptatores, vielen Lanüdae, Corvidae und den .Lestri- dinae. Der vierte Nagel zeigt niemals besondere Ausbildung. Der dritte Nagel hat häufig einen gezähnelten Innenrand (Fig. 57), dessen Bedeutung wir nur in einigen Fällen zu erken- nen vermögen, wo er zum Festhalten an rauhen Gegenständen, beim Sitzen auf Baumästen, von Vortheil zu sein scheint. Die Stellung der Zehen wechselt vielfach. Gewöhnlich ist die erste nach hinten, die drei anderen nach vorn gerichtet. Aende- rungen dieser Verhältnisse bilden sich in der Weise, dass entweder alle vier Zehen sich nach vorn richten oder zwei nach vorn, zwei - nach hinten. Erstere Form kann nur Vortheile bieten, wenn die Zehen durch Schwimmhäute verbunden sind (Spheniscidae), indem die zur Fortbewegung im Wasser benutzte Fläche dadurch ver- grössert wird. Sind die Zehen dagegen gespalten, so ist die Ge- brauchsfähigkeit eines solchen Fusses sehr gering, und die Bildung nicht als eine Vervollkommnung, sondern gleichsam als ein missglück- ter Versuch der Natur anzusehen. Sind die Zehen paarig gestellt, so ist gewöhnlich die erste und vierte, seltener die erste und zweite nach hinten gerichtet. Dass diese Bildung, welche die Kletterfüssler repräsentiren, beim Festklammern an Gegenständen vorzügliche Dienste leistet, brauchen wir nicht zu erwähnen. Zwischen der gewöhnlichen Zehenstellung und den beiden erwähnten Verände- rungen kommen nun Uebergangsbildungen vor. So ist die erste Zehe zuweilen wendbar, kann nach hinten und seitlich nach innen . gerichtet werden, womit die Vorwärtswendung aller vier Zehen an- gedeutet ist. Ebenso ist die vierte Zehe oft, so wie nach vorn, nach der Aussenseite wendbar und leitet damit die paarige Stel- lung ein. Es ist noch zu erwähnen, dass auch bei vollständiger Rückwärtsrichtung die vierte Zehe nach der Seite wendbar sein kann*); doch ist eine Verwechselung dieser Bildung mit der eben erwähnten Uebergangsform nicht möglich, da die Wendbarkeit hier niemals eine Drehung nach vorn gestattet, während sie im letzte- ren Falle gewöhnlich nicht über eine rechtwinklige Seitwärts- drehung nach hinten hinausgeht. **) — Die Zehen sind in den 2 *) Psittaci, Cuculidae. **) Ausnahmsweise fanden wir nur bei den (Üolüdae eine grössere Beweglichkeit der vierten Zehe; ebenso bei den Strigidae, was wir weiter unten besprechen werden. 408 Dr. Anton Reichenow: meisten Fällen mehr oder weniger mit einander verbunden, wobei wir folgende Modificationen unterscheiden : Vollständige Schwimmhäute: Die Zehen bis an die Nägel, häufig sogar noch mit diesen durch Spannhäute verbunden, welche an den Rändern keine oder nur geringe Ausbuchtung oder, wie man auch sagt, Ausrandung zeigen. Entweder alle vier Zehen oder | nur die drei letzten so vereinigt (Fig. 63). Gespaltene Schwimmhäute: Alle Zehen mit breiten Hautsäu- men versehen, welche bei den drei letzten Zehen am Grunde stets verwachsen sind. Die Nägel liegen in der Haut. Fig. 53. Lappenbildung: Alle vier Zehen oder nur die drei letzten mit Hautsäumen versehen. In ihrer charakteristischen Form *) sind die Zehen gespalten; bei einigen Varietäten verwachsen die Häute, ‚wie bei der vorhergehenden Form. Immer zeigen die Hautsäume Einkerbungen nach den Zehengliedern, während bei der vorigen Form solche nur wenige und schwach bemerkbar sind. Die Nägel sind frei. Fig. 52, 54 u. 55. | Die Unterschiede vorstehender Bildung von der vorhergehen- den sind scharf genug, um beide Formen wohl als ähnliche, nicht aber gleichartige, wie das vielfach geschehen, erkennen zu lassen. Wir werden später noch bedeutendere Verschiedenheiten des Lap- pen- und Spaltschwimmfusses hinsichtlich der Zehenbildung und Laufbekleidung kennen lernen. Während der Spaltschwimmfuss als eine Modification des Schwimmfusses anzusprechen, sehen wir in dem Lappenfusse eine solche des spaltzehigen Wadfusses. Zurückgetretene Schwimmhäute: Nur die drei letzten Zehen durch Spannhäute verbunden, welche so tief ausgerandet sind, dass mindestens die beiden letzten Phalangen der dritten Zehe an der Innenseite frei werden**), im höchsten Falle aber nur ein Glied der zweiten und dritten und zwei Glieder der vierten Zehe in der Haut bleiben.***) Fig. 58—65. Heftung: Nur die ersten Phalangen der drei letzten Zehen durch Spannhäute verbunden. Halbe Heftung: Die ersten Glieder der dritten und vierten Zehe durch Haut verbunden; die zweite Zehe von der dritten ge- spalten. Spaltung: Die Zehen vollständig unverbunden. *) Vergl. Fulica, Fig. 55. **) Vergl. Sierna, Fig. 66. *#*) Vergl. Anseranas, Fig. 59. Die Fussbildungen der Vögel. 409 Verwachsung: Die drei letzten Zehen verwachsen mit einigen Phalangen. Im geringsten Falle ist nur die vierte mit einem, im höchsten die vierte mit vier, die zweite mit einem Gliede mit der dritten verbunden. Fig. 62. Auf die Vortheile und Mängel der erwähnten Zehenverbindun- gen haben wir nicht nöthig näher einzugehen. Die Bedeutung der Schwimmhäute für die Bewegung im Wasser liegt offen; dass die- selben für Wader durch Verhinderung des Einsinkens in den wei- chen Meeresboden von grossem Nutzen, ist ebenfalls leicht ersicht- lich. Durch das Zurücktreten der Häute, welches in der Spaltung der Zehen die höchste Vollkommenheit erreicht, werden letztere freier und damit zur Bewegung auf dem Lande, auf Bäumen u. s. w. ge- eigneter. Eine Verwachsung tritt immer da ein, wo der Gebrauch des Fusses ein festes Aneinanderlegen der Zehen bedingt, wie es beispielsweise beim Umklammern dünner Zweige nothwendig wird. Als letztes Moment für die Charakteristik der verschiedenen Fussformen haben wir schliesslich der Laufbekleidung Erwähnung zu thun. Wenn der tarsus nicht befiedert, nackt ist, so wird er in der Regel von Horngebilden, Hornplättchen, bedeckt. Nur in wenigen Fällen fehlt dieser Ueberzug. Es zeigen nun jene Hornplatten hinsichtlich ihrer Gestalt und Lage ganz bestimmte Gepräge, wo- durch sie für die Beschreibung der verschiedenen Füsse von Be- deutung werden. *) Wir unterscheiden sechs Bildungsformen, welche wir nach den Fussgruppen bezeichnen, in denen sie am charakteristischsten auf- treten. Schwimmfussbekleidung: Kleine, sechsseitige . Schilder be- decken den tarsus und sind entweder vollständig gleichmässig oder werden nach hinten zu kleiner. Ist der Lauf stark verlängert, so erscheinen gewöhnlich auch diese Schilder in die Länge gezogen, wie das die Bekleidung von Ciconia, Fig. 10, veranschaulicht. Häu- fig runden sich die Ecken der Schilder ab, und es werden diese dann als „körnerartige Schilder“ bezeichnet. Verkümmern sie zu sehr kleinen, rundlichen, körnerartigen Gebilden, so werden sie schlechtweg „Körner“ genannt. Fig. 1. 4. *) Wie der tarsus, so ist auch der nackte Theil der tibia mit Horn- überzug versehen. Da letzterer mit der betreffenden Laufbekleidung fast immer übereinstimmt, so können wir ihn unbeachtet lassen. 40 Dr. Anton Reichenow: Diese Laufbekleidung haben wir als die einfachste und niedrig- ste anzusehen. Wadfussbekleidung: Die Schilder verwachsen vorn und hinten zu grösseren Tafeln, welche wir, da sie breiter als hoch, als „Quer- tafeln“ bezeichnen und im vorliegenden Falle, wo sie ausser Vor- der-, bezüglich Hinterseite, auch noch die Seitentheile des Laufes theilweise umfassen, „Gürteltafeln“ nennen. Häufig stossen die vorderen und hinteren Gürteltafeln. seitlich mit den Rändern zu- sammen, gewöhnlich aber bleibt zwischen ihnen ein schmaler Raum, der von einer oder mehreren Reihen kleiner, rhombischer Schilder bedeckt wird. Die Vordertafeln, selten auch die Hintertafeln, ver- wachsen bei den höchsten Formen zu Schienen. Fig. 11. Zwischen vorstehender Bildung und der vorhergehenden giebt es verschiedene Uebergangsformen. Entweder bilden sich nur vor- dere Gürteltafeln (Fig. 9) oder auch diese nur .theilweise, oder die Gürteltafeln theilen sich in zwei Reihen Quertafeln*), oder neben vorderen Gürteltafeln entstehen seitlich Quertafeln (Fig. 6) u. s. w. Scharrfussbekleidung: Vorn und hinten zwei Reihen Quer- tafeln, die häufig nur schmal sind, oft nur grosse Schilder darstel- len. Seitlich zeigen sich eine oder mehrere Reihen kleiner Fan: bischer Schilder. Fig. 14 a —.c. Auch von dieser Bildung giebt es viele Uebergänge zu den beiden ersteren, indem die beiden vorderen Quertafelreihen zu Gür- teltafeln verschmelzen, oder die hinteren in kleine Schilder sich auflösen (Fig. 22), oder die kleinen Seitenschilder auch noch zu Quertafeln verwachsen (Fig. 15) u. s. w. Sitzfussbekleidung: Ausser vorderen Gürteltafeln, die seitlich gewöhnlich sehr weit umfassen, keine Hornbedeckung. Fig. 33. Variationen dieser Form zeigen entweder gar keine Horn- bedeckung, wie z. B. die Alcedinidae, oder es bilden sich neben den Gürteltafeln unregelmässige oder körnerartige Schilder (Fig. 26). Zuweilen umfassen die Vordertafeln die Aussen- ‘oder Innenseite ganz, legen sich auch zuweilen noch um die Sohle, bedecken. so also allein fast vollständig den tarsus (Fig. 40 u. 41). Kletterfussbekleidung: Ausser vorderen Gürteltafeln, die ge- wöhnlich die Innenseite weiter umfassen als die äussere, ist der tarsus hinten mit einer Reihe vierseitiger Schilder bedeckt. An den Seiten bleibt ein unbekleideter Raum oder es wird derselbe von einer oder mehreren Reihen rhombischer Schilder eingenom- = *) Vergl, Podiceps, Fig. 2. Die Fussbildungen der Vögel. 411 men (Fig. 34, 35 u. 36). Die Hinterschilder, welche das charak- teristischste Moment vorstehender Bildung darstellen, werden .die Anfänge der Seitenschienenbildung der nächsten, letzten Form. Es zeigen (dieselben nämlich fast in allen Fällen eine mehr oder weni- ger starke Drehung nach innen. Wenden sie sich nun vollständig auf die Innenseite, so dass sie an die Vordertafeln stossen, und bildet sich auf der Aussenseite, an die Vordertafeln anschliessend, ebenfalls eine Reihe Schilder, wie die Laufbedeckung von (’eniro- pus (Fig. 28 u. 29) das zeigt, so ist die nächste Form in ihrer Anlage hergestellt. Einen sichern Beweis für solche Entstehung der Seitenschienen finden wir darin, dass in solchen Uebergangs- formen die inneren Seitenschilder, also die verdrehten Hinterschil- der, von geringerer Anzahl als die äusseren sind, indem sie schon zu Längstafeln verwachsen (vergl. wiederum Fig. 28 u. 29); wäh- rend bei gleichmässiger oder besser gleichzeitiger Entstehung man unbedingt gleichartige und gleichnamige Schilderreihen beiderseits erwarten müsste. *) Bei Abarten der Kletterfussbekleidung verwachsen die kleinen Seitenschilder zu je einer Reihe grosser, vierseitiger, so dass ausser Vordertafeln drei Reihen grosser Schilder den Lauf bedecken. Zu- weilen schliessen die Vordertafeln so weit beiderseits um, dass sie an die Hinterschilder stossen. Hüpffussbekleidung: Vorn Gürteltafeln,, seitlich je eine Reihe Deitenschilder oder Längstafeln. Bei den höchsten Formen ver- wachsen die vorderen sowohl, wie die Seitentafeln, zu vollständigen Schienen. (Fig. 42—48.) Die geringen Variationen, welche diese letzte Art bildet, die sich auf Aenderungen der Zahl der Tafeln und Schilder be- schränken, bestätigen uns die Ansicht, vorstehende Form als voll- kommenste und höchste Laufbekleidung hinzustellen. Bei Beobachtung dieser sechs Typen ist es leicht, die Charak- tere der so ausserordentlich mannigfaltigen Bekleidungsarten jed- welcher Fussformen zu erkennen, womit ein letztes Merkmal zur genauen Bestimmung letzterer geboten wird. m *) Die Laufbekleidung von Geococcyz, Fig. 30 u. 31, zeigt recht deut- lich den Uebergang der Kletterfussbekleidung in die in Rede stehende Seitenschilderbildung, indem aussen eine Reihe Schilder von oben wie ein Keil zwischen Vordertafeln und Hinterschilder sich schiebt und letztere nach innen drängt. 412 Dr. Anton Reichenow: Von den verschiedenen Fussformen wird man diejenige als die niedrigste ansehen müssen, welche die einseitigste Ausbildung zeigt, bei der die Anlage einzelner 'Theile nicht als Vervollkommnung von anderen Formen herzuleiten; und solche findet man in dem I. Schwimmfuss (pes natatilis). Der Name begreift die Functionen dieser Gruppe vollständig. Denn wenn auch das Bestreben bemerkbar, neben der Schwimm- fähigkeit die erforderlichen Bedingungen zu weiteren Eigenschaften auszubilden, so wird doch nur Beschränktes erreicht. Die Func- tion des Schwimmens bleibt die hauptsächlichste. Nur ausnahms- weise sind die Veränderungen so bedeutend, dass diese beeinträch- tigt wird. Nach drei Richtungen hin geschehen die Umänderungen. Zu- nächst zur Vervollkommnung der Bewegung im Wasser, was besonders das Tauchen betrifft, zweitens „zur Erlangung einer leichteren und geschickteren Bewegung auf ebener Erde, Ausbil- dung im Gehen, und drittens zum Umfassen von Gegenständen, wodurch den betreffenden Vögeln ein Baumleben möglich wird. Eine grössere Geschicklichkeit im Tauchen wird, wie Seite 405 be- sprochen, durch Verlängerung der vierten Zehe erreicht; das Fest- klammern an Gegenständen, wie es zum Aufenthalt auf Bäumen nöthig, ermöglicht die Verlängerung der ersten Zehe; während die Verkürzung dieser und Verlängerung des tarsus die Lauffähigkeit bedingt. Zu diesen Umbildungen kommt schliesslich noch das Zu- rücktreten der Spannhäute, was aber weniger für eine Vervoll- kommnung in Betreff der Gebrauchsfähigkeit des Fusses, als viel- mehr für ein Vorversuch später allgemeiner zum Durchbruch kommender Bildungsformationen anzusehen ist, obwohl durch das Freiwerden einiger Zehenphalangen auch die Lauffähigkeit ge- fördert wird. Folgendermassen ist die Gruppe zu charakterisiren: Alle vier Zehen oder die drei letzten durch Spannhäute ver- bunden. Treten diese ausnahmsweise weit zurück, so bleiben doch wenigstens zwei Phalangen der vierten Zehe in der Haut; es entsteht also keine Heftung. Auch hat in diesem äusser- sten Falle der Verkürzung der Schwimmhäute der tarsus nur die Länge der dritten Zehe, was, abgesehen von anderen Unter- schieden, eine Verwechselung mit analogen Formen des Wadfusses unmöglich macht*); während bei zugleich stattfindender Laufver- *) Vergl. Plectropterus, weiter unten. Die Fussbildungen der Vögel. 413 längerung die Spannhäute weniger zurücktreten und auch die plat- ten, in der Schwimmhaut liegenden Nägel die Schwimmfussnatur deutlich beweisen.*) Die tibia ist entweder vollständig befiedert, oder der untere Theil ist nackt. Der tarsus ist gewöhnlich kürzer als die dritte Zehe und mit Hornplatten bedeckt, selten theilweise befiedert. Die Hornbekleidung besteht entweder nur in Schildern (Schwimmfussbekleidung), deren Ränder gewöhnlich abgerundet, oder es bilden sich neben diesen Gürtel- und Quertafeln. Reine Wadfussbekleidung, vordere und hintere Gürteltafeln, kommen nur bei einer Form vor (Phoenicopterus), bei einer andern (Oceanites) sogar Vorder- und Seitenschienen, wie wir sie erst bei den Oscines finden. Die meist hoch angesetzte, häufig verkümmerte erste Zehe ist immer am kleinsten; die dritte oder vierte am grössten; die zweite immer kleiner als die beiden letzten. Die Nägel kommen bald stumpf, bald spitz vor, aber selten stark gekrümmt und zeigen die gewöhnlichen Längenverhältnisse. Die verschiedenen Modificationen des Schwimmfusses lassen sich naturgemäss in vier scharf zu charakterisirende Formen ein- theilen, welche aber nicht fortlaufende Stufen der Entwickelung darstellen, sondern, da die sie bedingenden Eigenthümlichkeiten unabhängig von den allgemeinen Veränderungen sind, die als Ver- ‚vollkommnungen des Schwimmfusses anzusehen, zum Theil parallele Reihen bilden müssen. Aber auch innerhalb der einzeinen, parallel nebeneinander stehenden Formen stellen die eingeordneten Fa- ' milien nicht durchweg eine regelinässige Entwickelung dar, da sich die Ausbildungen dieser Formen nicht je auf eine der oben erwähnten Richtungen beschränken; sondern durch ein gleichzeitiges Verändern nach mehreren, theilweise entgegengesetzten Richtungen entstehen in den erwähnten Formen die mannigfaltigsten Com- binationen. — Die niedrigste Form des Schwimmfusses bezeichnen wir mit dem Namen Plattfuss (pes planus). Er zeigt das einseitigste Gepräge in jeder Hinsicht und bildet so mit Recht den Ausgangspunkt für die verschiedenen vorliegen- den Formen. In der That ist dieser Fuss ausschliesslich ein Werk- zeug zur Bewegung im Wasser, zu keiner andern Function ge- eignet. Wegen der Kürze des tarsus und der im Verhältniss zu diesem langen Zehen kann das Gehen der hierher gehörenden Vö- gel nur ein unglückliches Gehumpel bleiben. Ein Festhalten an *, Vergl. Phoenicopterus, weiter unten. 414 Dr. Anton Reichenow: Gegenständen ist vollends unmöglich. Im Wasser aber gestattet die Ausbildung des Plattfusses eine kräftige und schnelle Be- wegung. Alle vier Zehen, auch die stark seitlich und höher als die an- deren angesetzte erste sind nach vorn gewendet. Dritte Zehe am längsten; erste sehr kurz, oft nur als Nagel vorhanden; alle stark, etwas plattgedrückt, mit kurzen, schwach gewölbten, wenig spitzigen Nägeln bewaffnet; die drei letzten durch ausgerandete Schwimm- häute verbunden. Tarsus wenig länger als die Hälfte der dritten Zehe, oft kleiner, dabei, was in solchem Grade bei keinem andern Fusse vorkommt, von vorn und hinten zusammengedrückt, so dass er seitlich sehr schmal ist, vorn dagegen die volle Breite der neben- einander liegenden drei grössten Zehen einnimmt. Wegen dieser Compression des Laufes und der plattgedrückten Zehen haben wir der Form obige Bezeichnung gegeben. Der grösste Theil des tar- sus wie die ganze tibia befiedert; der unbefiederte Theil mit gleich- mässigen, querlaufenden Reihen gleich grosser, sechsseitiger Schil- der bedeckt (Fig. 1). Nur die Spheniscidae Gray repräsentiren den Plattfuss. Die erste Veränderung vorstehender Grundform des Schwimm- fusses und der Fussarten der Vögel überhaupt entsteht nun durch Verkümmerung der beim Plattfusse nach vorn gewendeten ersten Zehe und Umgestaltung des tarsus ‚ welcher anstatt der starken, breiten, eine seitlich comprimirte Form annimmt. Wir finden das bei einer Modification des pes palmatus oder Schaufelfusses. Diese Bildung, welche im Fusse des Alcidae ausgeprägt, ist zugleich der Uebergang zu drei, parallele Reihen darstellenden, von einander streng unterschiedenen Formen des Schwimmfusses. Die Abwei- chungen letzterer von dem Alkenfusse beruhen zunächst auf Ver- längerung der vierten Zehe, häufig über das Maass der dritten, und auf Entwickelung einer kleinen ersten Zehe, und zwar setzt die auf solche Weise veränderte Fussbildung der Procellarüdae den schon durch die Alcidae eingeleiteten pes palmatus fort; während die ein- leitende Modification zu einer dritten Form, dem Ruderfusse (p. steganus), die Colymbidae und endlich die vierte Form ‚ den Spalt- schwimmfuss (p. fissopalmatus) die Podieipinae darstellen. Folgende schematische Zusammenstellung möge das Gesagte erläutern: Die Fussbildungen der Vögel. 415 Vier Zehen nach vorn gewendet, vierte Spheniscidae (pes planus). kleiner als dritte. Drei Zehen, vierte , / ’ Te kleiner als dritte. ä er | | Vier Zehen, . erste | | | nach hinten gewen- | Procellarüdae Colymbidae _ Podicipinae det, vierte gleich! (pes palmatus). (pes steganus). (pes fisso- der dritten oder, palmatus). grösser. Die Vortheile, welche die besprochenen Umbildungen dem Plattfusse gegenüber bieten, liegen hauptsächlich in dem durch Verlängerung der vierten Zehe erleichterten Tauchen. Die Lauf- fähigkeit ist bei den letzteren Arten kaum grösser als bei den Spheniscidae, denn was durch die veränderte Stellung der ersten Zehe hierin verbessert, das wird durch die starke Verlängerung der vierten wieder aufgehoben. Nur die Procellarüdae zeigen etwas grössere Vollkommenheit in dieser Hinsicht, da bei ihnen zugleich eine Verlängerung des tarsus eingetreten. Verfolgen wir nun die drei neuen Formen in ihrer weiteren Entwickelung. Dem Plattfusse in der einseitigen Ausbildung ziemlich gleich- stehend, keiner Veränderung fähig ist der Spaltschwimmfuss (pes fissopalmatus). Das charakteristischste Merkmal dieser Art liegt in den breiten Hautsäumen der Zehen, welche mit einander stark verwachsen und so als tief gespaltene Schwimmhäute erscheinen. Vorzüge einer solchen Bildung lassen sich nicht einsehen. Man kann dieselbe eben nur als eine der so häufigen, zwecklosen, teleologischer Natur- anschauung spottenden Variationen betrachten. Die Diagnose können wir also stellen: Die drei letzten Zehen durch tief* gespaltene Schwimmhäute verbunden; die hoch angesetzte, nach hinten gerichtete erste sehr kurz, kleiner als ein Drittel der dritten und mit einem Hautlappen versehen; vierte am längsten; alle plattgedrückt und mit glatten, in der Schwimmhaut liegenden Nägeln versehen, von denen der der dritten Zehe gezähnelt ist (Fig. 51). Tibia vollständig befie- dert. Der stark seitlich comprimirte tarsus kleiner als die zweite Zehe. Die Bekleidung bilden auf jeder Seite eine Reihe breiter 416 Dr. Anton Reichenow: Quertafeln, die vorn in einer Naht zusammenstossen. An diese setzt sich nach hinten jederseits eine zweite Reihe schmalerer Quertafeln und hieran wieder je eine Reihe kleiner dreieckiger Schilder, die, ungefähr von doppelter Zahl der Tafeln, mit ihren Spitzen nach hinten über den Lauf vorstehen, so dass dieser wie mit zwei Reihen Dorne bewaffnet erscheint (Fig. 2). Die Form kommt nur bei einer Familie, den Podicipinae Bp. vor. Die Gattungen Podica und Helkornis sind hauptsächlich ihrer Fussbildung wegen häufig mit den Podieipinae vereinigt worden, jedoch ohne die geringste Berechtigung. Bei den in Rede stehen- den Gattungen sind die Zehen nicht flach, die vierte kleiner als die dritte, die erste fast gleich der Hälfte der letzteren und wenig höher als die anderen angesetzt. Der tarsus ist nur wenig zusam- mengedrückt. Der unterste Theil der tibia nackt. Die Nägel, ge- wölbt, gestreckt, spitz, ragen aus der Spannhaut hervor. Schliess- lich ist auch die Bekleidung des Laufes vollständig verschieden. Diese Merkmale unterscheiden nicht allein auf das schärfste von der Spaltschwimmfussform, sondern sprechen auch deutlich für die Gleichartigkeit mit der Fulica-Bildung. Die scheinbar dem Podiceps- Fusse gleichgebildeten Schwimmhäute, welche vorzugsweise zu der irrigen Ansicht verleiteten, müssen als stark verwachsene Lappen aui- sefasst werden. Auch bei Fulica ist eine solche Verwachsung zwischen der dritten und vierten Zehe schwach angedeutet; bei den Phalaropodidae, einer verwandten Art, ist dieselbe nahezu der in Rede stehenden gleich. *) Bedeutungsvoller als der .Podiceps-Fuss wird die hinsichtlich ihrer allgemeinen Ausbildung, ihrer Gebrauchsfähigkeit letzterem gleichstehende, durch die Colymbrdae vertretene Modification der nächsten Fussform, indem sie den Ausgangspunkt der formen- reichen Reihe bildet, welche wir unter dem Namen Ruderfuss (pes steganus) besprechen wollen. Der Hauptcharakter dieser Form ist die Verbindung aller vier Zehen durch Schwimmhäute. — Es bedarf kaum der Erwäh- nung, dass hierdurch die Schwimmfähigkeit bedeutend vergrössert wird. Ausserdem aber bildet sich durch Verlängerung der ersten Zehe, die meist auch in gleicher Höhe mit den anderen angesetzt, die Fähigkeit zum Festklammern an Gegenständen. Ein damit . ermöglichtes Baumleben zeigen die am weitesten in dieser Hinsicht *) Vergl. Fig. 52—55. Die Fussbildungen der Vögel. 417 ausgebildeten Phalacrocoracıdae und Plotidae. Am wenigsten wird im Laufen erreicht. Die Pelecanidae, bei welchen auf Kosten des Tauchens, nämlich durch Verkürzung der vierten Zehe und Ver- längerung des tarsus der Fuss zum Gehen sich ausbildet, über- treffen in der Bewegungsfähigkeit auf der Erde zwar alle bisher be- schriebenen Arten, bleiben aber doch hinter den geringsten Anfor- , derungen zurück. Endlich ist mit den Tachypetidae noch das Zu- rücktreten der Schwimmhäute zu erwähnen, wodurch, wie oben gesagt, weniger eine Vervollkommnung erzielt, als Uebergangsglie- der zur nächsten Gruppe erhalten werden. Ein Bild der fort- schreitenden Entwickelung und der Verwandtschaften der einzelnen Arten des Ruderfusses bietet folgende Zusammenstellung: Colymbidae, Phaöthontidae, | | Sulidae, Plotidae, en, Tachypetidae FPelecanidae Phalacrocoracidae (vierte Zehe kleiner als dritte). (vierte Zebe grösser als dritte). Aus den -Colymbidae, die wir als Anfangsglied der Form be- sprochen, entstehen unter Beibehalten der langen vierten Zehe, durch stärkere Ausbildung und tiefe Einseizung der ersten die für ein Baumleben sich eispenden Arten, welche in den Phalacrocora- cidae ihre höchste Vollkommenheit erreichen. Neben dieser Reihe - bildet sich mit den Phaöthontidae eine zweite, deren Unterschied in der kleineren vierten Zehe und der mehr rundlichen Form des tar- sus besteht und deren höchste Entwickelungen wir in den Peleca- nidae und Tachypetidae erwähnten. Folgende Charakteristik der einzelnen Modificationen des Ru- derfusses wird das Gesagte erläutern. Alle vier Zehen. durch in der Regel volle re ver- bunden. Tarsus kleiner als die dritte Zehe. A. Vierte Zehe grösser als dritte. Tarsus mehr oder weniger seitlich zusammengedrückt. Colymbidae Bp.: Tibia befiedert. Erste Zehe hoch angesetzt und nur ein Fünftel der dritten. Nägel wenig gewölbt und stumpf. Laufbekleidung: unregelmässige Schilder, die nach hinten an Grösse abnehmen. *) *) ‚Vergl. Pelekanbekleidung Fig. 4. Cab. Journ. f. Ornith. XIX. Jahrg. No. 114. November 1871. 27 418 Dr. Anton Reichenow: ' Plotidae Bp.: Tibia befiedert. Erste Zehe tief angesetzt, kleiner als | die Hälfte der dritten. Nagel der dritten Zehe viel länger als diean- deren und gezähnelt. Innerste Spannhaut eingekerbt. Laufbeklei- dung: sechsseitige Schilder, die nach hinten körnerartig werden. Phalacrocoracidae Bp.: Tibia befiedert. Erste Zehe tief ange- setzt, gleich der Hälfte der dritten. Nägel spitz; der der dritten gezähnelt. Laufbekleidung: sechsseitige Schilder, die hinten kör- | nerartig sind und an der Innenseite theilweise zu einer Reihe Quertafeln verschmelzen (Fig. 3). B. Vierte Zehe kleiner als dritte. Tarsus von rundlicher Form. Phaöthontidae Bp.: Tibia fast ganz befiedert. Erste Zehe etwas hoch angesetzt, ein Drittel der dritten. Nägel stumpf. Laufbe- kleidung: sechsseitige Schilder, die hinten körnerartig und hier, besonders aussen, knollige Verdickung zeigen. ” | Sulidae Baird.: Tibia befiedert. Erste Zehe tief angesetzt und kleiner als ein Drittel der dritten. Nägel lang und spitz, der der dritten Zehe gezähnelt. Laufbekleidung wie Plotidae. | Pelecanidae Baird.: Unterster Theil der tibia nackt. Tarsus grösser als bei den anderen Arten, beinahe gleich der dritten Zehe. Erste Zehe tief angesetzt, grösser als ein Drittel der dritten. Nä- gel stumpf. Laufbekleidung wie Colymbidae (Fig. 4). | Tachypetidae Bp.: Tibia befiedert. Tarsus auch fast vollständig . befiedert, der unbefiederte Theil ohne Hornbekleidung. Erste Zehe tief angesetzt und grösser als ein Drittel der dritten. Nagel der dritten Zehe sehr lang, gestreckt und gezähnelt (Fig. 57). Die Spannhäute treten zurück, wie Fig. 56 darstellt. | Schaufelfuss (pes palmatus). | Die zahlreichen Modificationen dieses Fusses möge folgendes Schema erläutern: Pes palmatus Alcidae, ae ———— Procellarüdae, Mergidae, Fuligulae, | aa Uygnidae, Anates, Lestridinae, Larinae, a | Fr Dendrocygna. ee | Die Fussbildungen der Vögel. 419 Die begonnene Reihe der Aleidae und Procellarüdae fortsetzend, entwickelt sich aus letzterer Form zunächst der Mövenfuss, welcher durch Fortsetzung der Laufverlängerung und Verkürzung der vier- ten Zehe, mit Verlust der Taucheigenschaft, die höchste Lauffähig- keit in der Reihe gewinnt. Zugleich bildet dieser Fuss durch die weitere Entwickelung der ersten Zehe den Uebergang zur nächsten Modification, welche die Sierninae repräsentiren. Der Sterninenfuss ist, die, analoge Bildung der Tachypetidenform des Ruderfusses. Gleich jener stellt er wegen des Zurücktretens der Schwimmbhäute ein: Uebergangsglied zur folgenden Gruppe dar. Eine zweite Reihe beginnend, entsteht aus den Procellaridae, entgegengesetzt dem Laridenfusse, durch Beibehalten der langen vierten Zehe, aber Verkürzung des tarsus die Mersidenform. Die- ser folgen die Arten der Cygnidae und Anates, bei welchen, ähnlich den Zaridae, die Tauchfähigkeit verschwindet, dagegen die Eigen- schaften ‚zum Laufen stärker hervortreten; und endlich entwickelt sich. aus den Anates die im Allgemeinen gleich den Sterninae zu charakterisirende Form der Ansere.. Unabhängig von allen er- wähnten, die dritte Reihe darstellend, stehen die P’hoenicopieridae. Die stark verlängerten Läufe machen, was einzig unter den Schwimmfüssen, ein langsames Schreiten möglich. Wegen der zu- rücktretenden Schwimmhäute reiht sich diese Art, die wir unbedingt als höchste Entwiekelung des Schwimmfusses ansehen müssen, in ihrer Bedeutung der Linie der Anseres und Sterninae an. Diagnose des Schaufelfusses: Die drei letzten Zehen äufer mehr oder weniger ausgeschnittene oder zurücktretende Schwimm- häute verbunden; erste nach hinten gewendet, immer hoch an- gesetzt. *) A. Tibia befiedert. Aleidae Vig.: Tarsus kleiner als vierte Zehe. Diese kleiner als die dritte; erste fehlt. Nägel schwach gekrümmt und spitz. Schwimmhäute voll. Laufbekleidung: sechsseitige Schilder, die hinten körnerartig. B. Unterster Theil der tibia nackt. Procellarüdae Boie: Tarsus kleiner oder grösser als dritte Zehe. Erste Zehe nur als kleiner spitzer Nagel vorhanden. Fehlt sie, so ist, als Unterschied von den Alcidae, die vierte Zehe doch wenig- 'stens gleich der dritten, während jene in anderen Fällen ausnahms- weise auch kleiner sein kann. Nägel spitz, gewölbt, nur bei Ocea- *) Die einzige Ausnahme bildet Anseranas, vergl. pag. 421. 278 420 Dr. Anton Reichenow: nites grallaria platt gedrückt. 'Schwimmhäute voll. Laufbeklei- dung: gewöhnlich sechsseitige Schilder, die hinten kleiner oder körnerartig. : Bei Öceanites verschmelzen, wie schon erwähnt, die Schilder zu einer Vorder- und Seitenschienen, was einzig unter den Schwimmfussformen dasteht und bei den Oscines sich findet. An der Länge der tarsus und der Zehen, dem Vorhandensein oder Fehlen der ersten Zehe und der Bekleidung des Laufes las- sen sich die einzelnen Gattungen der Procellartidae unterscheiden, worauf wir jedoch hier nicht näher eingehen können. Mergidae Bp. und Fuligulae Br : Tarsus kleiner als die zweite Zehe ohne Nagel. Erste Zehe immer vorhanden, kleiner als ein Drittel der dritten und gelappt (Fig. 49); vierte grösser als dritte, selten gleich. Nägel der vierten Zehe ganz in der Schwimmhaut; Nagel der dritten auf der. inneren Seite zur Hälfte in der Haut, aussen frei (Fig. 63). Schwimmhäute voll oder zwischen der drit- ten und vierten Zehe schwach ausgerandet. Die Lauftbekleidung bildet vorn eine Reihe Quertafeln*), welche von oben nach unten allmählig breiter werder. An diese setzt sich nach hinten, aber nur auf der Aussenseite, eine zweite Reihe Quertafeln oder grosser Schilder; den übrigen Raum bedecken kleine, vier- bis sechsseitige Schilder, welche hinten körnerartig sind (Fig. 5). Anates Br.: Tarsus grösser als die zweite Zehe ohne Nagel, | aber kleiner als vierte. Erste Zehe kleiner als ein Drittel der dritten, nicht gelappt (Fig. 50); vierte kleiner als dritte. Nägel am Grunde in der Schwimmhaut; der der vierten Zehe nur aus- nahmsweise fast ganz in der Haut. Spannhäute schwach ausge- randet. Laufbekleidung wie bei den vorhergehenden. | Öygnidae Bp.: Tarsus kleiner als die zweite Zehe. Erste Zehe kleiner als ein Viertel der dritten; vierte kleiner als dritte. Nägel stumpf, zur Hälfte in der Haut. Schwimmhäute voll. Die Lauf- bekleidung bilden vorn grössere, hinten kleinere, oft abgerundete Schilder. Anseres Bp. und Dendrocygna Sws.: Tarsus grösser als die zweite Zehe, oft grösser , als die dritte (Chenalopes, Üereopsis). Dritte Zehe grösser als vierte; erste kleiner als ein Drittel der dritten und dann die Schwimmhäute voll (Anser, Cygnopsis u.a.) oder grösser und dann die Schwimmhäute mehr oder weniger zu- rücktretend (.Dendrocygna, Bernicla**) u. a.). Nägel im ersten Falle *) Es ist das der erste Anfang von Gürteltafelbildung. **) Vergl. Fig. 58 und 65. Die Fussbildungen der Vögel. 421 am Grunde in der Schwimmhaut und stumpf, im letzteren frei und spitz. Das stärkste Zurücktreten der Schwimmhäute kommt bei Anseranas vor (Fig. 59). Von analogen Formen des Wadfusses *), welche eine ähnliche Verkümmerung zeigen, unterscheidet letztere Gattung der kurze tarsus, der nur gleich der dritten Zehe ist, als Schwimmfuss. Unterschieden von anderen Formen des pes pal- matus ist genannte Gattung noch durch die tief angesetzte erste Zehe. Die Laufbekleidung der Anseres bilden sechsseitige Schilder mit abgerundeten Rändern, die nach hinten kleiner werden. Bei Dendrocygna sind die Schilder in der Regel. deutlich, mit scharfen Rändern. **) Laridae Bp. und Lestridinae Bp.: Tarsus meist grösser als die dritte Zehe. Diese grösser als vierte; erste gleich ein Viertel der dritten oder kleiner, ausnahmsweise fehlend (Zar. tridactylus). Nä- gel am Grunde in der Schwimmhaut. Bei den Lestridinae ist der Nagel der zweiten Zehe stärker als die übrigen und gekrümmter, was auf die ausgeprägtere Raubnatur dieser Vögel vor den anderen Möven hinweist.***) Schwimmhäute voll oder schwach ausgeran- det. Laufbekleidung: vorn zum ersten Male vollständige Gürtel- tafeln, sonst kleine sechsseitige Schilder; auf der Aussenseite noch neben diesen eine Reihe Quertafeln (Fig. 6 u. 7). Sterninae Bp. und Rhynchopinae Bp.: Tarsus kleiner als die dritte Zehe, selten gleich. Dritte Zehe grösser als vierte; erste grösser als ein Viertel der dritten. Nägel frei, dünn und spitz. Schwimmhäute mehr oder weniger zurücktretend; im äussersten Falle (@ygis) werden zwei Phalangen der dritten und vierten Zehe frei (Fig. 66 u. 67). Laufvekleidung: entweder nur sechsseitige Schilder oder vorn zwei Reihen grösserer Schilder oder vorn Gür- teltafeln. Eine Unterscheidung der einzelnen Gattungen der öter- ninae nach den Fussbildungen lässt sich namentlich auf das ver- schiedene Zurücktreten der Spannhäute begründen. Phoenicopteridae Gray: Unbefiederter Theil der tibia grösser als zwei Drittel des tarsus. Dieser drei- bis vierfach so lang als die dritte Zehe. Vierte Zehe kleiner als dritte; erste kleiner als ein Sechstel der dritten. Nägel platt, in der Schwimmhaut liegend. *) Vergl. Zehenbildung von Recurvirostra, Fig. 61. **) Die übereinstimmende Fussbildung von Dendrocygna mit den An- seres möchte ein Wink sein, diese Gattung als selbstständige Familie zu sondern. *#*) Vergl. auch pag. 406, 422 Dr. Anton Reichenow: Schwimmhäute etwas zurücktretend. Laufbekleidung: vorn und hinten Gürteltafeln, die eng an einander stossen (Fig. 8). Wenngleich Fhoenicopterus die Charaktere des Schwimm- und Wadfusses vereinigt, so zeigt sich doch mehr Uebereinstimmung mit ersterer Form. Besonders sprechen die platten, in der Schwimm- haut liegenden Nägel, die bei Wadern niemals vorkommen, für die hier geschehene Einreihung genannter Gattung. Ebenso unter- scheiden die starken Hautsäume an den Aussenseiten der vierten und zweiten Zehe von den analogen Wadfussformen, von Zeeurvi- rostra u. a. (Fig. 60 u. 61). Ein ungleich einfacheres Bild als der Schwimmfuss bieten hin- sichtlich der Entwickelung die Formen der nächsten Gruppe, des II. Woadfuss (pes vadans), Hier ist nicht mehr das unsichere Schwanken in den Bildungs- veränderungen, eine Vervollkommnung bald nach dieser, bald nach der andern Seite, mit Verlust bereits erworbener Fähigkeiten, sondern trotz der bedeutenden Mannigfaltigkeit der Formen eine bestimmte, stetige Fortbildung. Wenngleich daher die Entwicke- lungsgrundlagen sich einfacher gestalten, so ist andererseits durch allmähligen Uebergang der Modifieationen in einander die Varietä- tenbildung so ungeheuer, dass ein Zusammenfassen der Gattungen unter gemeinsame Merkmale, innerhalb der einzelnen Formen, sehr schwierig, ein Herleiten der verschiedenen Modificationen aus ein- ander, bezüglich ihrer Verwandtschaft, geradezu unmöglich wird. Wie bei der vorigen Gruppe die Bewegung im Wasser, ist bei dieser die Bewegung auf ebener Erde die Charakterfähigkeit. Wäh- rend jene der Hauptsache nach volle Schwimmhäute und kurzer tarsus bedingen, wird diese erreicht durch Zurücktreten der Schwimmhäute und Verlängerung des tarsus, worauf auch schon die Uebergangsformen des Schwimmfusses hinwiesen. Wegen des langen Laufes und der am unteren Theile stets nackten tibia geben wir der Gruppe den Namen Wadfuss, womit wir auf die fast allen Mitgliedern dieser Gruppe eigene, mit der Ernährung verbundene Beschäftigung hinweisen und zugleich einem bei Betrachtung solcher Füsse sich uns aufdrängendem Ver- gleiche Rechnung tragen, nämlich dem eines mit aufgekrämpten Hosen im Wasser watenden Mannes. Der Plan, welcher den Veränderungen der einzelnen Formen Die Fussbildungen der Vögel. 423 zu Grunde liegt, besteht nun darin, neben dem Erd- ein Baum- leben zu erwerben, was hauptsächlich auf Entwickelung der ersten Zehe beruht, oder die Fähigkeiten zur Bewegung auf weichem Bo- den, zum Sumpfleben, auszubilden, was durch Verlängerung sämmt- licher Zehen erreicht wird. Unabhäneig von diesen Veränderungen, aber sie im Sinne der Vervollkommnung unterstützend, wird noch ‚durch allmähliges Verschwinden der Verbindungen der Zehen eine freiere Bewegung letzterer ermöglicht. Hiernach stellen wir zwei Formen auf: Fehlt die erste Zehe oder ist sie hoch angesetzt und so kurz, dass sie den Boden nicht oder nur mit dem Nagelgliede berührt, beim Gehen also gar nicht oder nur in sehr geringem Maasse zur Anwendung kommt, so wird den betreffenden Vögeln, wie pag. 404 näher erörtert, eine mehr oder weniger schnelle Be- wegung möglich und wir nennen den Fuss „Lauffuss (pes cursorius)“. Ist die erste Zehe dagegen tief oder nur so wenig höher als die anderen angesetzt, dass sie beinahe mit ihrer ganzen Länge auf- liegt, so wird durch ihre Benutzung beim Gehen die Bewegung verlangsamt. Wir nennen diese Bildung „Schreitfuss (pes gresso- rius)“ Da eine Verkümmerung der ersten Zehe den betreffenden Vögeln nur ein Erdleben gestattet, mit Ausbildung jener aber neben dem Erd- auch ein Baumleben möglich wird, die Aufenthaltsbe- dingungen sich also vielseitiger gestalten, so müssen wir den Schreitfuss, als eine höhere Bildungsstufe, dem Lauffuss überord- nen. Innerhalb dieser beiden Formen verändern und vervollkomm- nen sich nun die Wadfussarten durch Verschwinden der Spannhäute. Volle Schwimmhäute, wie wir sie bei der vorigen Gruppe gesehen, kommen gar nicht mehr vor; bei den niedrigsten Arten finden wir noch zurückgetretene, wodurch ein enger Anschluss an die höch- sten Schwimmfüsse hergestellt wird. Als neu aber tritt die Bildung der vollen Heftung auf, mit welcher jede Aehnlichkeit mit der er- sten Gruppe verschwindet. Nach der Heftung, bei weiterer Ver- vollkommnung, zeigt sich halbe Heftung und endlich gänzlich un- verbundene, gespaltene Zehen. Wie erwähnt, ist der untere Theil der tibia bei dem Wadfusse stets nackt — ein paar als abnorm zu betrachtende Ausnahmefälle lassen wir vorläufig unberücksichtigt. Je mehr ein Vogel den Auf- enthalt am oder im seichten Wasser liebt, oder auch je mehr er ein Wüstenleben führt, wo gewissermassen ein Waden in dem tie- fen, lockern Sande nöthig, um so länger ist das unbefiederte Stück tibia (in der weitesten Ausbildung /Zimantopus] erreicht es fast drei 424 Dr. Anton Reichenow: Viertel der Tarsuslänge), je kürzer letzteres, um so. mehr kann man auf ein Feld- und Waldleben schliessen. Zu ähnlichen Schlüs- sen berechtigt die Länge des tarsus, die um so bedeutender, je aus- gebildeter die Lauffähigkeit des Vogels ist; während bei einem Wald-, Baum- oder Sumpfleben der tarsus oft kleiner als die dritte Zehe wird. Letztere ist immer am längsten; die vierte grösser als die zweite; die erste immer nach hinten gewendet, hoch oder tief angesetzt, grösser oder kleiner als die Hälfte der dritten oder fehlend, immer aber kleiner als die dritte, wenn nicht, wie bei einigen Rallen, ihr Nagel sich ungewöhnlich verlängert. Die Nägel sind niemals flach, stets gewölbt, stumpf oder spitz, gekrümmt oder gestreckt; der der dritten zuweilen gezähnelt; der der zweiten in einigen Fällen grösser als der vierte, jedoch unbedeutend. Als Lauf- bekleidung kommen vor: nur Schilder, die sich von der analogen Öchwimmfussbekleidung aber dadurch unterscheiden, dass die Rän- der scharf, nie abgerundet sind; Gürteltafeln, entweder nur vorn (Fig. 9) oder vorn und hinten (Fig. 11), die bei den höchsten Formen sogar zu Schienen zu verschmelzen beginnen. Die nackte tibia zeigt gewöhnlich dieselbe Bekleidung als der tarsus. Lauffuss (pes eursorius). Da mit Verkümmerung der ersten Zehe die Lauffähigkeit sich ausbildet, so stellt der dreizehige Wadfuss die Charakterform des pes cursorius dar. Wie aber beim Schwimmfusse die niedrigsten Formen den Gruppencharakter, das Schwimmen, am vollkommen- sten aufwiesen, ist auch hier der dreizehige Fuss als Ausgangsbil- dung anzusehen, indem durch Ausbildung der ersten Zehe die Ueber- sänge zum Schreitfusse erreicht werden. Nach den Zehenverbindungen unterscheiden wir vier Modifica- tionen, die eben so viele Vervollkommnungsstufen bilden, deren durch © vereinigte Arten aber nicht jedesmal als eine aus den nächsten Verwandten zusammengesetzte Familie anzusehen ‚sind. Denn ausser der gleichartigen Zehenanlage finden wir oft sehr ver- schiedene Bildungen in diesen Gruppen, welche mehr Verwandt- schaft zu Gliedern einer andern Reihe als zu solchen der: ihrigen zeigen. Wegen solcher Mannigfaltigkeit der Bildungen können wir auf die Entstehung der einzelnen Arten nicht eingehen, sondern müssen uns darauf beschränken, bei Beschreibung der verschiede- nen Modificationen auf die Unterschiede und Verwandtschaften hin- zuweisen, welche für eine allgemeine Systematik der Vögel von Einfluss werden können. : Die Fussbildungen der Vögel. 425 Der Gesammtcharakter des Lauffusses ist folgender: Tarsus meist grösser, seltener kleiner als dritte Zehe. Erste Zehe fehlt, oder, wenn vorhanden, ist sie immer hoch angesetzt und kleiner als die Hälfte der dritten ohne Nagel. Die Laufbe- kleidung bilden bei niederen Formen sechsseitige Schilder, bei höheren vordere und hintere Gürteltafeln, welche seitlich einen schmalen Streif für kleine vierseitige Schilder übrig lassen (echte Wadfussbekleidung). Selten umfassen die Gürteltafeln so weit die Seite, dass dieser Raum verloren geht. Den nächsten Anschluss an die Schwimmfussformen, die nie- drieste Form des Lauffusses und des Wadfusses überhaupt, den Ausgangspunkt somit für alle weiteren Entwickelungen bildet die Modification, welche wir charakterisiren durch A. Zehen durch zurückgetretene Schwimmhäute verbunden. Tarsus wenigstens doppelt so lang als die dritte Zehe. Die wenigen hierher zu zählenden Arten der Recurvirostrinae und Dromadinae unterscheiden sich dadurch, dass die erste Zehe fehlt oder kleiner als ein Viertel der dritten ist, oder dass sie - wenigstens ein Drittel der Länge dieser erreicht. Das erstere zei- gen die Cladorhynchus (3 Zehen) und Recurvirosta«, das letztere Dromas. Erstere haben als Laufbekleidung nur sechsseitige Schil- der, welche gleich dem tarsus von länglicher, gestreckter Form *), diese vorn und hinten Gürteltafeln mit seitlicher Reihe vierseitiger Schilder. Auch ist bei Dromas der Nagel der dritten Zehe ge- zähnelt. Der lange tarsus und nackte Theil der tibia, die Schwimm- häute, welche noch Bewegung im tiefen Wasser erlauben, beweisen, dass die eben besprochenen Vögel noch ausschliesslich dem Was- ser, dem Meere angehören. Anders wird es mit den Arten der nächsten Modification, die zum Theil schon das Binnenland und zwar ebene Felder zum Aufenthalt wählen. DB. Zehen geheftet; dritte immer kleiner als der tarsus. Die vollkommensten Läufer dieser Unterart, mit drei Zehen und einem tarsus, welcher länger ist als das Doppelte der dritten Zehe, sind die Otididae Selys. und die Gattung Oedienemus. In weiten Ebenen und Brachfeldern kann ihre Fussbildung zur Gel- tung kommen. In der Lebensweise diesen nahe scheint nach der Fussbildung die Gattung Dicholophus zu stehen, bei welcher die '..#) Vergl. Laufbekleidung der Ciconia, Fig. 10. 426 Dr. Anton Reichenow: erste Zehe so hoch angesetzt und kurz ist, dass sie nicht den Bo- den berührt. | Den ferner mit gehefteten Lauffüssen versehenen, sehr ver- schiedenen Familien zuertheilten Gattungen, Xenus, ‚Symphemia, Ereunetes, Hemipalama und Numenius, mit längerer, aufstehender erster Zehe, steht eine weniger schnelle Bewegungsfähigkeit zu. Sie führen ein Strandleben. Denn da die Heftung weniger als Schwimmhäute gegen Einsinken in den weichen Meeresgrund schützen, treiben sich die betreffenden Vögel mehr auf dem festen Strandboden umher, um hier ihre Nahrung zu suchen. Bei Xenus ist der Bildung der Zehenverbindungen besonders Erwähnung zu thun. Obwohl dieselben noch deutlich als Heftung zu charakteri- siren, zeigen sie doch ‚eine ausnahmsweise starke Ausbildung. Na- mentlich treten die Säume, welche sich die Zehen entlang ziehen, sehr hervor. Es erscheint daher diese Form als nächster Ueber- gang zu den zurückgetretenen Schwimmhäuten der Recurvirostrinae (vergl. Fig. 64). Die Otididae und Oedienemus haben nur Schild- bekleidung, Numenius vorn Gürteltafeln, die übrigen, ausser Dicho- lophus, reine Wadbekleidung. Bei letzterwähntem greifen die Gür- teltafeln seitlich weiter um und stossen eng an einander (vergl. Fig, 9-ustL). C. Nur dritte und vierte Zehe geheftet; dritte immer kleiner als der tarsus. | Den fertigsten Läufern der vorigen Gruppe analog stehen in dieser dritten Unterart die Öursorieae Gray. Mehr als jenen, er- leichtern diesen die drei kurzen und dicken Zehen eine schnelle Bewegung im Sande; daher die Wüste ihre Heimath ist. Wie scharf die Fussbildung den Aufenthalt des Vogels kennzeichnet, ist besonders in dieser Familie zu beubachten. Die Gattung Ayas hat längere Zehen, die dritte ist drei Viertel des tarsus, und das be- dingt die von den Verwandten abweichende Lebensweise dieses Vogels an den Ufern von Flüssen und Seen. Letzterer Gattung ähnlich leben die ebenfalls dreizehigen A/aematopus, während Hi- mantopus mit sehr langem tarsus und langer nackter tibia, was an die niedrigsten Arten von A. erinnert, wieder grössere Wadfähigkeit besitzt. Mit drei Zehen oder ganz kurzer, nicht aufstehender er- sten, haben wir noch die Charadrieae zu erwähnen. Eine Art der- selben, Squatarola helvetica, bildet eine interessante Uebergangsform des dreizehigen zum vierzehigen Lauffuss, indem von derselben Varietäten mit und ohne erste Zehe vorkommen. Mit längerer, Die Fussbildungen der Vögel. 427 aufstehender erster Zehe, bald ein Strandleben führend , bald auf Feldern und Wiesen, immer aber in der Nähe von Wasser sich aufhaltend, gehören zu dieser Abtheilung die Gattungen Zimosa, Machetes, Totanus, Actiturus, Actitis, Glareola und Chionis; ferner die Psophüdae, Gruidae und Eurypyga. Als Laufbekleidung finden wir in der vorstehenden dritten Modification, wie bei der vorigen Art, drei Bildungen, und zwar nur Schilder bei Faematopus, Himantopus und den Charadrieae ; vordere Gürteltafeln bei den Cursorieae, Psophüdae, Gruidae und Eurypyga*); bei den übrigen reine Wadfussbekleidung. Bei eini- gen Cursorieae ist noch der gezähnelte Nagel der dritten Zehe bemerkenswerth. Bei den beiden Familien der Psophüdae und Gruidae ist der Nagel der zweiten Zehe grösser als der der vierten. **) D. Zehen unverbunden; dritte bald kleiner, bald grösser als der tarsus. Bedeutend reicher an Varietäten als die vorhergehenden ist diese Abtheilung. Die unverbundenen und daher frei beweglichen Zehen gestatten vielseitigere Bewegung und Aufenthalt und die neu auftretende Laufverkürzung bietet hierzu ebenfalls ein wichtiges Moment. Daher ist auch die Lebensweise der hierher gehörenden Arten eine sehr mannigfache.. Neben Strand-, Wüsten-, Feld- und Wiesenbewohnern, haben wir noch Wald-, Gebirgs- und Sumpfvögel. Da bei dem Aufenthalt im Walde oder Gebirge die Eigenschaft des Wadens vollständig wegfällt, so finden wir auch, neben mehr oder weniger verkürztem tarsus, eine fast vollständig befiederte tibia, bei welcher höchstens ein kurzer, das Fussgelenk bildender Theil nackt bleibt. Wir sehen das mehr oder weniger bei den Scolopacidae , besonders aber den Urypturidae und Turniei- dae. Einen Sumpfvogel dagegen kennzeichnen die verlängerten *) Die Fussbildung von Zurypya hat mit der der Ardeidae, zu wel- chen die Gattung oft gestellt wurde, nicht die geringste Aehnlichkeit; die weit nackte tibia nähert sie dagegen den Gruidae. Leider konnten wir die verwandte Gattung Rhinochetus nicht untersuchen. *#*) Dieser Bildung ist jedoch nieht ein gleicher Zweck als der ähn- lichen, bei Fleischfressern vorkommenden, pag. 406 besprochenen zu vin- . dieiren. Die Forın des vergrösserten Nagels bleibt eine nur schwach ge- krümmte, stumpfe, kann also eine Benutzung des letzteren, wie in jenem Falle, zum Zerreissen der Nahrung, nicht ermöglichen. Auch bei einigen Hühnern kommt eine derartige Vergrösserung des zweiten Nagels vor, deren Grund wir nicht zu erkennen vermögen. 428 Dr.- Anton Reichenow: Zehen und gestreckten Nägel, was wir später noch genauer be- sprechen werden. 3 Zu vorstehender Abtheilung gehören die Läufer xar’&&oxnp, welche die Ordnung Brevipennes Dum. vereinigt. Bei einer Art derselben findet sich der einzig dastehende Fall, dass ausser der ersten auch noch die zweite Zehe verloren geht. Die einzelnen Familien der Ordnung sind streng unterschieden. Mehr Wald- bewohner als Vögel der Ebenen wegen fast vollständiger Befiede- rung der tibia sind die Apterygidae und Üasuarinae. Erstere sind die schlechtesten Läufer, da bei ihnen der tarsus nur gleich der dritten Zehe ist. Auch findet sich bei ihnen noch die erste Zehe als Nagel vorhanden. Bei letzteren ist der tarsus schon länger, bei Dromaeus sogar doppelt so lang als die dritte. Beide Fami- lien stimmen darin überein, dass die zweite Zehe grösser als. die vierte, die Nägel gestreckt, wie bei Sumpfvögeln, der zweite auch länger als der vierte ist. Die Laufbekleidung bilden sechsseitige oder unregelmässige, oft körnerartige Schilder, die am vorderen, unteren Theile zu Quertafeln verschmelzen. Bei den Rheidae und Struthionidae ist die tibia ganz oder zum grössten Theile nackt. Die dritte Zehe kleiner als die Hälfte des tarsus. Die Aheidae kennzeichnen die drei, etwas schwachen Zehen als Bewohner wei- ter Ebenen, während die beiden kurzen, dicken Zehen der Stru- thionidae, von welchen die vierte auch nur vier Phalangen besitzt, diese als Wüstenläufer charakterisiren. Die Laufbekleidung der LRheidae bilden vordere und hintere Gürteltafeln; bei den Struthio- nidae dagegen ist der tarsus unbedeckt bis auf einige wenige vor- dere Quertafeln. Die Crypturidae und Turnicidae werden gewöhnlich mit den Rasores vereinigt. Ihre Fussbildung zeigt auch eine Eigenthüm- lichkeit, welche sie dem Scharrfusse nähert, eine starke Verlänge- rung der dritten Zehe nämlich vor der zweiten und vierten, wo- durch, wie im allgemeinen Theile schon besprochen, die Oharakter- fähigkeit jener Form, das Scharren und Kratzen, hauptsächlich be- dingt wird; aber die Spaltung der Zehen, die mehr oder weniger nackte tibia, die Lautbekleidung weisen die Fussiorm der beiden genannten Familien unbedingt dem Wadfusse zu. Eine vollstän- dige Verkümmerung der ersten Zehe finden wir hier nur bei der Gattung Ortygis. Am längsten wird selbige Zehe bei Nothura, wo sie etwas grösser als ein Drittel der dritten. Bei den Gattungen Attagis und Thinocorus ist die dritte Zehe grösser als der tarsus, Die Fussbildungen der Vögel. 429 bei allen übrigen kleiner. Die Laufbekleidung ist ziemlich über- einstimmend bei allen: vorn Gürteltafeln, sonst Schilder. Nur Aita- gis zeigt reine Schildbekleidung, während bei Crypturus und No- thura vordere und hintere Gürteltafeln vorkommen. Sehr eigen- thümlich ‚sind die Schilder bei der Gattung Trachypelmus. Es lösen sich dieselben nämlich mit ihren Rändern los und geben dadurch dem tarsus ein borkenartiges Ansehen. Den Charadrieae der vorigen Modification analog gebildet sind die Gattungen Calidris, Tringa, Canutus, Felidna und Limicola, welche tbeils drei Zehen (Cahdris), theils ganz kurze, nicht auf- stehende erste Zehe besitzen. Die Laufvedeckung dieser Gattungen bildet nur reine Wadiussbekleidung. Die dritte Zehe ist stets kleiner als der tarsus, oıt fast gleich. Eine längere, aufstehende erste Zehe (länger als ein Viertel der dritten) findet sich bei den Scolopaceae Baird und der Gattung Sirepsdas, bei welchen beiden auch eine Verlängerung der Zehen eintritt, indem die dritte gleich oder grösser als der tarsus ist. Bei Sirepsdas ist ein schwacher Ansatz einer äusseren Bindehaut bemerkbar. Es steht diese Art somit gewissermassen als Verbindungsglied der Scolopaceae mit Formen der vorieen Unterart da und würde hier natürlich am nächsten an die erwähnten Totaneae sich anschliessen. Der stark befiederten tibia der Scolopaceae ist schon gedacht worden. Bei Scolopax rusticola ist die tibia vollständig beiedert vvd es stellt diese Art eine der erwähnten Ausnahmen von dem auf die Tibia- Bildung sich beziehenden, wichtigen Gruppencharakter dar. An die Scolopacidae schliessen sehr eng die kurzzebisen Rallen sich an. Wir verstehen hierunter die Gattungen Rallus, Orex, Or- tygarchus, Aramides, Tribonyx, Alecthelia, Eulabeornis und Porzana, also ungefähr die Rellinae Gray. Der tarsus dieser ist häufiger grösser, seltener kleiner als die dritte Zehe, nur zuweilen kürzer als die zweite; die ersie Zehe eleich einem Drittel der dritten, sel- ten länger, immer aber kürzer als die Hälfte letzterer ohne Nagel. Der nackte Theil der tibia immer kürzer als die Hälfte des tarsus. Die Lautvedeckung’ bildet reine Wadiussbekleidung; doch schieben sich häufig die hinteren Tafeln auf die Aussenseite und lösen sich nach unten in Schilder auf. Schliesslich haben wir noch die interessante Familie der Pha- _ laropodidae Gray zu erwähnen, interessant hauptsächlich wegen der hier auftretenden Lappenbildung. Wie im allgemeinen Theile aus- eimnandergesetzt, ist die Lappenbildung nicht als Schwimmfussform 430 Dr. Anton Reichenow: mit gespaltenen oder zurücktretenden Spannhäuten anzusehen, son- dern als eine in frühere Formen zurückgreifende Modification des spaltzehigen Wadfusses. Die Lappen der Phalaropodidae sind, be- sonders bei Lodipes, am Grunde stark verwachsen (Fig, 52): Der tarsus ist gleich der dritten Zehe; die tibia ziemlich gleich der | Hälfte jenes; die erste Zehe kaum ein Drittel der dritten. Die Laufbekleidung ist sehr eigenthümlich und zeigt Aehnlichkeit mit der des Spaltschwimmfusses. Sie besteht bei Lobipes in vorderen Gürteltafeln, welche aussen weiter umschliessen als innen. An diese legen sich aussen, nur einen Zwischenraum für eine Reihe kleiner Schilder lassend, eine andere Reihe Quertafeln, welche oben etwas die Sohle umfassen, nach unten aber schmäler werden und nach hinten eine Reihe kleiner dreiseitiger Schilder absondern, die durch Vorspringen vom Lauf eine Zähnelung darstellen (Fig. 12): Die von den Gürteltafeln freigelassene Innenseite des Laufes bedecken mehrere Reihen kleiner Schilder. Bei Phalaropus verschmelzen auch letztere zu Tafeln; die Zähnelung aber ist schwächer. Schreitfuss (pes gressorius). Gleich den Arten des pes cursorius zerfällt der Schreitfuss nach den Zehenverbindungen in Unterabtheilungen, deren wir hier Jedoch, da zurückgetretene Schwimmhäute nicht mehr vorkommen, nur drei haben. Die Veränderungen der Arten innerhalb dieser Modificationen sind geringer als beim Lauffusse ‚ daher weniger Uebergänge vorhanden und schärfere Charakteristik der betreften- den Familien möglich. Vervollkommnung in der Charaktereigen- schaft der Form, der Ausbildung zum Baum- oder Sumpfleben, finden wir in der Verlängerung der ersten Zehe und Krümmung der Nägel, bezüglich in Verlängerung sämmtlicher Zehen und Streckung der Nägel. Die erste Zehe ist stets vorhanden ‚ tief oder so wenig höher als die anderen angesetzt, dass sie fast mit ganzer Länge den Bo- den berührt, dabei wenigstens gleich der Hälfte der dritten ohne Nagel, meistens länger, selten Sogar grösser als die ganze dritte, Eine Ausnahme macht nur die Gattung ulica, bei der die erste Zehe nur ein Drittel der dritten ist. Der tarsus ist länger oder kürzer als die dritte Zehe. Die Nägel sind bald stumpf, bald spitz, gekrümmt oder gestreckt; der der dritten zuweilen gezähnelt. A. Zehen geheftet; dritte kleiner als der tarsus; erste höch- stens gleich der Hälfte der dritten. Hierher gehören, als niedrigste Form, durch gleichartige Bil- Die Fussbildungen der Vögel. 431 dung im Einzelnen vereinigt, die Ciconudae Bp., Scopidae Bp. und Plataleimae Bp. Bei ihnen ist die erste Zehe wenig höher. angesetzt als die anderen, die dritte meist kleiner als die Hälfte des tarsus; nur bei den Plataleinae zwei Drittel desselben. Die Nägel sind stumpf und kurz; bei Scopus findet sich ein gezähnelter dritter Nagel. Die Laufbekleidung bilden bei allen nur sechsseitige Schil- der (Fig. 10). Ein kürzerer tarsus, der nur wenig länger als die dritte Zehe, tief angesetzte erste Zehe und spitzere, gekrümmtere Nägel unter- scheiden den Fuss der /bidae Bp. Genannte Ausbildung erleichtert schon mehr als die vorhergehende den Aufenthalt auf Bäumen; dagegen zeigt die Kürze des nackten Theils der tibia bei einigen, dass diese weniger im Wasser ihre Nahrung suchen. Die Lauf- bekleidung unterscheidet sich von derjenigen der vorigen Familien dadurch, dass vorn die Schilder zu Tafeln verschmelzen. Bei Ibis faleinellus kommt Zähnelung des dritten Nagels vor. B. Nur dritte und vierte Zehe geheftet; dritte kleiner oder grösser als der tarsus; erste grösser als die Hälfte der dritten. Nägel spitz; der der ersten am grössten. In dieser Abtheilung finden wir die am vollkommensten für ein Baumleben ausgebildete Form des Schreitfusses, welche die Ardeidae Leach. repräsentiren. Die dritte Zehe ist gleich zwei Drittel des tarsus, selten grösser als dieser. Die Nägel sind spitz und gekrümmt; der der ersten Zehe, was uns hi2r zum ersten Male aufstösst und was wir erst bei den Hüpffussarten in gleicher Be- deutung wiederfinden werden, immer am grössten; der der dritten Zehe immer gezähnelt. Daneben haben diese Vögel eine weit nackte tibia, was ihre ausgeprägte Wadbeschäftigung bekundet. Wegen solcher Vielseitigkeit der Ausbildung ist der Reiherfuss als höchste Form des Wadfusses überhaupt anzusehen. Was die Laufbeklei- dung betrifft, so finden wir vorn Gürteltafeln, welche unten sich häufig in Schilder auflösen, im übrigen unregelmässige Schilder ; nur auf der Innenseite bildet sich häufig eine Reihe Quertafeln. Eine Ausnahme von dieser Laufbedeckung macht allein die Gat- tung Tigrisoma , wo selbige nur in sechsseitigen Schildern besteht. Eine zweite Modification vorstehender Abtheilung stellt die noch unvollkommene Bildung eines Sumpffusses vor, welche die Palamedeae aufweisen. Der tarsus ist hier nur gleich der vierten Zehe. Die Nägel lang und gerade; der erste am längsten. Die erste Zehe bleibt noch die kürzeste. Auch sind die Zehen und 453 Dr. Anton mehlkensw. Nägel verhältnissmässig stark. Die Laufbekleidung bilden nur sechsseitige Schilder. | C. Zehen unverbunden; dritte grösser, seltener kleiner als der tarsus. Nagel der ersten Zehe in einigen Fällen am längsten. Die hierher gehörenden Arten sind hauptsächlich zur Bewe- sung im Rohr und Sumpf ausgebildet. Daher sind die Zehen sehr schlank und so verlängert, dass der tarsus meistens kleiner als die zweite Zehe wird. Im Anschluss an die Phalaropodidae, mit Lappen an den Zehen und wenig hoch angesetzter erster Zehe, haben wir zunächst die Gattungen Fulica, Podica und Podoa (Heliornis). Die Zehen sind hier so stark verlängert, dass der mehr oder weniger seitlich com- primirte tarsus kürzer als die zweite ist. Der nackte Theil der tibia sehr kurz. Die Lappen sind bald mehr, bald weniger ver- wachsen. Bei Fulca findet sich eine geringe Verwachsung nur am Grunde zwischen der dritten und vierten Zehe, bei Podica auch zwischen der zweiten und dritten, bei Podoa aber ist die Verwach- sung so stark, dass nur die beiden letzten Phalangen der Zehen frei beweglich bleiben (Fig. 54 u. 55). Auch die erste Zehe trägt einen starken Lappen, während bei den Phalaropodidae nur ein sehr schmaler Hautsaum an derselben. Die Nägel sind spitz, aber nur kurz und schwach gekrümmt. Fulica bildet, wie erwähnt, die einzige Ausnahme von einem allgemeinen Formencharakter des Schreitfusses, indem die erste Zehe nur ein Drittel der dritten ist. Doch findet sich die erste Zehe so wenig hoch angesetzt, dass sie fast vollständig auf dem Boden aufliest. Ferner bedingen die stark verlängerten Zehen, die Form und Bekleidung des Laufes die Trennung von den Phalaropodidae und Einreihung an vorstehender Stelle. Die Laufbekleidung der in Rede stehenden Gattungen sind: vorn Gürteltafeln, auf der Sohle, einen schmalen Streif bildend, ganz kleine, körnerartige Schilder, seitlich unregelmässige Schilder, die oft theilweise, besonders aussen, zu einer Reihe Quertafeln ver- wachsen (Fig. 135). Den eben besprochenen Arten hinsichtlich der allgemeinen Ent- wickelung gleich stehend, den Uebergang von den kurzzehigen Rallen zum echten Sumpffusse der Parridae vermittelnd, folgen die noch übrigen *) Gattungen der Gallinulae Gray und ferner die Gat- tungen Aydrocicca, Corethrura, Ortygometra. Auch hier ist die erste Zehe grösstentheils noch wenig höher angesetzt als die anderen. *) Nämlich nach Ausschluss der Gattungen: Fulica, Podoa und Podica. Die Fussbildungen der Vögel. 433 Der tarsus ist kürzer als die zweite der schlanken Zehen. Diese ohne Lappen. Die spitzen, schwach gekrümmten Nägel sind kurz, was den betretienden Vögeln vor den langzehigen Rallen ein Herum- klettern im Rohr gestattet. Der Nagel der ersten Zehe am klein- sten. Der nackte Theil der tibia noch kleiner als die Hälfte des tarsus. Die Bekleidung bilden vordere Gürteltafeln, seitlich je eine Reihe Quertafeln, welche entweder hinten zusammenstossen oder noch einen schmalen Raum für kleine körnerartige Schilder lassen, ebenso auch seitlich selten an die Vordertafeln stossen. An der Innenseite lösen sich die Quertafeln oft in Schilder auf. Die höchste Form des Sumpffusses repräsentiren die Parridae Gray. Die schlanken Zehen werden durch die langen, dünnen, ge- raden Nägel in ihrer Länge oft fast verdoppelt. Das hierdurch mögliche Ueberspannen einer grossen Fläche erlaubt diesen Vögeln, über schwimmende Blätter und dünnen Schlamm mit Leichtigkeit fortzueilen, während andere Vögel von gleicher Grösse solcher schwebende Boden nicht tragen würde. Die nackte tibia ist grösser als die Hälfte des tarsus. Dieser kleiner als die zweite Zehe. Die erste Zehe wegen ihres langen Nagels zuweilen am grössten. Er- ster Nagel häufig am grössten. Die Laufbekleidung besteht in vorderen und hinteren Gürteltafeln, die seitlich zusammenstossen und oft, besonders vorn, zu einer vollständigen Schiene ver- wachsen. | Wir haben nun noch einige Bildungen zu erwähnen, welche wohl als Schreitfüsse erkennbar sind, aber keinen bestimmten, auf eine der erwähnten Abtheilungen hinweisenden Charakter haben, sondern wegen der mannigfaltigen, »icht untereinander im Zu- sammenhange stehenden Ausbildungen der einzelnen Theile, Ueber- gänge zwischen verschiedenen Formen bilden. Balaeniceps: Die schlanken, langen, gespaltenen Zehen erinnern an die Rallen. Die gekrümmten, spitzen Nägel, von denen der erste am längsten, und die weit nackte tibia zeigen Aehnlichkeit mit den betreffenden Theilen des Reiherfusses, während die nur in Schildern bestehende Laufbekleidung auf Verwandtschaft mit den Störchen hinweist. Opisthocomus: Der Fuss dieser Gattung, welche beständig im System umhergeworfen wird, ist entschieden als Schreitfussform an- zusehen. Zwar ist die tibia vollständig befiedert; doch haben wir schon einen gleichen Ausnahmefall in Scolopax rusticola kennen ge- lernt, und können diese abnorme Bildung, wie bei letzterer Art, Cab. Journ. f. Ornith. XIX. Jahrg. No. 114. November 1871. 28 434 Dr. Anton Reichenow: als Hinweis auf ein ausschliessliches Waldleben des Vogels erklären. Durch die langen, gespaltenen Zehen (die dritte ist viel grösser als der tarsus) nähert sich Opisthocomus den Rallen. Die gekrümmten, spitzen Nägel, von denen der erste gleich dem dritten, deuten widerum auf ein Baumleben. Die Lautbekleidung ist eine sehr niedrige: nur sechsseitige Schilder; was ebenfalls auf die Ein- reihung in die Gruppe des Wadfusses hinweist. | Endlich ist noch, einen Uebergang vom Schreitfusse zur näch- sten Gruppe und zwar zum Scharrfusse vermittelnd, eine Form der Megapodüdae zu erwähnen. Der Fuss der Gattung Megapodius zeigt mehr Verwandtschaft zu vorstehender Abtheilung als zur Scharrfussform. Ein kleines Stück der tibia ist nackt. Die dritte Zehe ist kaum länger als die vierte. Die Nägel sind rallenartig gestreckt; der erste am längsten. Das sind Schreitfusscharaktere, die den Merkmalen der folgenden Gruppe entgegengesetzt. Zwi- schen der zweiten und dritten Zehe ist ein schwacher Ansatz einer Bindehaut bemerkbar. Darin ist nicht etwa eine Entstehung hal- ber Heftung zu erkennen, denn bei solcher ist ja die vierte und dritte Zehe verbunden; sondern wir müssen vielmehr jene Haut- bildung als Hinweis auf volle Heftung oder, wenn man will, als Ueberrest solcher deuten, wodurch die Stellung der Form als Ver- bindungsglied mit der folgenden Gruppe gerechtfertigt wird. Die nahe verwandte Gattung 7alegalla oder Catheturus, welche eng an Megapodius sich anschliesst, haben wir wegen einiger schon scharf hervortretender Scharrfusscharaktere der folgenden Gruppe einge- reiht. Die Laufbekleidung von Megapvdius bilden vordere Gürtel- tafeln, hinten und an den Seiten je eine Reihe Quertafein (Fig. 15). Während wir in den bisherigen Fussformen nur Werkzeuge zur Fortbewegung kennen gelernt haben, erhalten wir im III. Raubfuss (pes raptorius) Bildungen, die beim Nahrungserwerb eine wichtige Stelle ein- nehmen. Eine Erweiterung der Bewegungsfähigkeit findet sich bei der Gruppe nieht. Im Gegentheil verkümmert jene sogar zu Gunsten der neuen Grundeigenschaft. Letztere wird bedingt durch die Bil- dung des Laufes, der kurz und kräftig, und durch die Länge und Beschaffenheit der Zehen und Nägel und besteht in der Be- fähigung zum Scharren und Kratzen oder zum Ergreifen der Beute. Die Fussbildungen der Vögel. 435 Als Hauptunterscehied von der vorhergehenden Gruppe ist hier die tibia immer vollständig befiedert, häufig auch der tarsus und sogar die Zehen. Schwimmhäute kommen niemals vor, nur ganze und halbe Heftung und Spaltung der Zehen, in welchem letzteren Falle die vierte aber gewöhnlich Wendezehe ist, das heisst: die Beweglichkeit der nach vorn gerichteten Zehe erlaubt eine Drehung derselben nach aussen. Die erste Zehe ist hoch oder tief ange- setzt; selten fehlt sie, in ihrer höchsten Ausbildung erreicht sie die Länge der zweiten Zehe. Die dritte Zehe ist bald kürzer, bald länger als der tarsus; doch sind die Längenunterschiede selten be- deutend. Die zweite ist häufig grösser als die vierte. Die Nägel sind stumpf oder spitz, mehr oder weniger gekrümmt; der zweite sewöhnlich grösser als der vierte. Der Laufbedeckung. liegt Schwimm- und Wadfussbebleidung zu Grunde oder der Typus, welchen wir als Scharrfussbekleidung besprochen haben. Obwohl die beiden Formen, welche wir in dieser Gruppe ver- einigen, wesentliche Unterschiede zeigen, so ist doch die beiden zu- kommende Eigenschaft, den Fuss zur Erlangung der Nahrung zu gebrauchen, so eigenthümlich; auch zeigt das Gepräge im Ganzen - so gleichartige Momente — es möge besonders auf die Zehenver- bindungen, die Befiederung des Laufes und der Zehen hingewiesen sein —, dass ein Zusammenfassen der beiden Arten gerechtfertigt erscheint. Indessen erreichen dieselben nicht eine gleiche Höhe der Entwickelung. Gespaltene Zehen finden sich nur bei Arten des Greif- fusses. Ferner ist Schienenbildung am tarsus einigen Modificatio- nen dieses eigenthümlich. Ausserdem kommt derselben Form ein ganz neues Bildungsmoment zu, die erwähnte Wendbarkeit der vierten Zehe, welche auf die später auftretende vollständige Rück- wärtswendung dieser Zehe hinweist und somit als Vorversuch spä- terer, höherer Gebilde, dieser Fussform ein höheres Gepräge gegen- über dem Scharrfusse verleiht. Letzterer dagegen bietet in seinen niedrigsten Modificationen einen engen Anschluss an die Wadfuss- formen, und wir werden daher mit ihm die Gruppe beginnen. Scharrfuss (pes radens). = Da die Benutzung dieses Fusses zur Erlangung der Nahrung bekanntlich im Scharren und Kratzen besteht, so haben wir der Form: obige Bezeichnung beigelegt. Genannter Eigenschaft ent- sprechend, sind Lauf und Zehen stark; die Nägel kurz und kräf- tig, selten spitz Hauptsächlich aber bedingt die Scharrfähigkeit 25 * 456 Dr. Anton Reichenow: die im Verhältniss zu der zweiten und vierten stark verlängerte dritte Zehe, was wir schon im allgemeinen Theile besprochen. *) Die dritte Zehe ist bald grösser, bald kleiner als der tarsus; die erste hoch oder tief angesetzt, immer am kleinsten, selten feh- lend; die zweite nur wenig kleiner als die vierte; die drei letzten immer geheftet. Der Nagel der ersten immer am kleinsten, der ler zweiten zuweilen etwas grösser als der vierte. Der tarsus ist entweder nackt oder befiedert; doch bezieht sich letzteres meist nur auf den vorderen und seitlichen Theil, während die Sohle nackt bleibt und mit kleinen, körnerartigen Schildern bedeckt ist. Die Eigenthümlichkeit der Hornbekleidung haben wir schon früher be- sprochen.**) Die mannigfaltigen Varietäten der typischen Lauf- bedeckung (Fig. 14—24) werden wir an den betreffenden Stellen näher beschreiben, da sie zur Unterscheidung der Familien und Gattungen oft von grosser Bedeutung. Ein sehr eigenthümliches, uur beim Scharrfusse vorkommendes Gebilde ist noch zu erwäh- nen: der Sporn, ein dorniger Ansatz am hinteren, unteren Ende des tarsus, der zuweilen doppelt vorhanden. Da der Sporn den Vögeln als Wafte dient, so findet er sich bei den Männchen be- ‚leutend stärker ausgebildet als bei den Weibchen, und wir lernen hier den Fall kennen, in welchem an der Fussbildung auch die Un- terscheidung des Geschlechtes möglich ist. Auf die Bekleidung des Laufes, ob er nackt oder befiedert, und auf die Art der Ansetzung und Länge der ersten Zehe begrün- den wir eine speciellere Eintheilung des Scharrfusses. A. Tarsus nicht befiedert oder nur am oberen Theile wenig. Erste Zehe grösser als ein Viertel der dritten. Die erste Zehe ist entweder tief oder hoch angesetzt. Danach können die hierher gehörenden Vögel sich bald mit grösserer Ge- schicklichkeit auf Bäumen bewegen, bald sind sie auf ein reines Erdleben angewiesen. Wenn wir bezüglich dessen Scheidungen vornehmen, so sind die beiden entstehenden Abtheilungen nicht als Entwickelungsstufen, sondern als parallel stehende Varietäten an- zusehen. A. a. Erste Zehe tief angesetzt, immer grösser als die Hälfte der dritten; diese kleiner als der tarsus. An die Gattung Megapodius anschliessend, erhalten wir mit der niedrigsten Form dieser Abtheilung, welche die Megapodüdae reprä- 2 *) Vergl. pag. 405. %*) Vergl. Scharrfussbekleidung, pag. 410, Fig. 14a, b, c. Die Fussbildungen der Vögel. 4537 sentiren, den allmähligen Uebergang des Schreitfusses in den Scharrfuss. Der Megapodius-Form am nächsten stehen die Gat- tungen Talegalla oder Catheturus.*) Talegalla Cuvieri, das wir unter- suchten, hat noch Rallencharaktere in der etwas nackten tibia, den ‚ziemlich gleich langen drei letzten Zehen und den gestreckten Nägeln. Doch zeigt sich die Scharrfussnatur schon stärker in der zwar noch schwachen Heftung der Zehen und dem ersten Nagel, der nicht wie bei Megapodius länger als die anderen, sondern am kürzesten ist. Taleg. oder Catheturus Lathami hat dieselbe Zehen- und Nägelbildung wie die eben beschriebene Art und steht Mega- podius dadurch näher, dass nur, wie bei diesem, zwischen der zweiten und dritten Zehe eine schwache Hautverbindung sich fin- det; dagegen ist die tibia vollständig befiedert. Erstere Art hat als Laufbekleidung nur vordere Gürteltafeln, sonst Schilder; letz- tere, mehr hühnerartig, vorn zwei, auf beiden Seiten und hinten je eine Reihe Quertafeln, bezüglich grosse Schilder.**) Bei der Gat- tung Leipoa erinnert nur die Länge der Zehen und Nägel noch an die Rallen; im Uebrigen zeigt diese Gattung vollständigen Scharr- fusscharakter. Die Bekleidung bilden vorn zwei Reihen Tafeln, sonst Schilder, die zuweilen auf der Aussenseite zu Quertafeln zu verschmelzen anfangen (vergl. Gallus Fig. 23 u. 24). An die Megapodüdae reihen zunächst die Penelopinae Gray sich an. Neben dem allgemeinen Formcharakter zeigen diese als Be- sonderheit nur lange, spitze, wenig gekrümmte Nägel, von denen der erste ziemlich gleich dem dritten ist. Die Laufbekleidung bil- den vorn Gürteltafeln, hinten zwei Reihen Quertafeln, zwischen die sich zuweilen noch eine Reihe Schilder einschieben, seitlich mehrere Reihen Schilder, die zuweilen jedoch auf der Aussenseite fehlen, indem sich hier die betreffende Reihe der Hintertafeln über die sanze Seite ausbreitet und an die Vordertafeln anstösst (Ortalida, Fig. 18 u. 19; Penelope, Fig. 16 u. 17). Nur bei Oreophasis ver- kümmern die Hintertafeln zu Schildern. Als höchste Modification vorstehender Reihe haben wir endlich die Cracinae Gray. Die Nägel sind, wie ein häufiger Aufenthalt auf Bäumen das nothwendig macht, mehr oder weniger spitz und .ge- krümmt. Reine Scharrfussbekleidung bedeckt den tarsus; zu- *%) Wir machen besonders auf die verschiedenen Fussbildungen der durch diese beiden synonymen Gattungsnamen vereinigten Arten auf- merksam. **) Vergl. Bekleidung von Megapodius, Fig. 15, 438 Dr. Anton Reichenow: weilen sind zwischen die Hintertafeln kleine Schilder eingeschoben (Fig. 20). A. b. Erste Zehe mehr oder weniger hoch angesetzt, immer kleiner als die Hälfte der dritten; diese kleiner oder grösser als der tarsus. Häufig Spornbildung. Diese Modification zeigen die Odoniophorinae Gray, Perdieinae Gray, Phasianidae Vig. und Meleagrinae Gel. Den beiden ersten Familien fehlt der Sporn, bis auf die Gat- tungen Cuccabis, Francolinus, Tetraoperdix und Ithagenis. Letztere hat sogar zwei Sporen. Die dritte Zehe ist bei diesen beiden Fa- milien meist grösser als der tarsus. Die Laufbedeckung bildet entweder reine Scharrfussbekleidung, oder es verkümmern die Hin- tertafeln, so dass ausser den vorderen Tafeln nur Schilder vorhan- den sind. Eine grössere Mannigfaltigkeit hinsichtlich der Lauf- bedeckung bieten die Phasianidae, denen auch die vollständig gleich- gebildeten Meleagrinae beizuzählen sind. Der tarsus ist hier immer orösser als die dritte Zehe. Stets ein Sporn vorhanden — nur den meisten Numida-Arten fehlt dieser ausnahmsweise. Die Lauf- bekleidung bildet fünf verschiedene Modificationen. Die von uns untersuchten Gattungen vertheilen sich in diese folgendermassen. 1) Vorn Gürteltafeln, sonst nur Schilder. — Polypleetron. .2) Vorn Gürteltafeln, hinten zwei Reihen Quertafeln, seitlich Schilder. — Pavo, Argus (Fig. 21). 3) Vorn zwei Reihen Tafeln, sonst nur Schilder. — Numida, Lophophorus, Tragopan, Crossoptilon, Phasianus (Fig. 22). 4) Vorn zwei Reihen Tafeln, hinten nur auf der Aussenseite eine Reihe Tafeln, sonst Schilder. — Gallus, Phasianus (versicolor) (Fig. 23 u. 24). 5) Vorn und hinten zwei Reihen Quertafeln, seitlich Schilder, also echte Scharrfussbekleidung. — Meleagris, Lophalector, Thau- malea und Nychihemerus. B. Tarsus befiedert. Erste Zehe grösser oder kleiner als ein Viertel der dritten, zuweilen fehlend. Auch hier können wir nach der Länge der ersten Zehe, damit zugleich auf ein theilweises Baum- oder ausschliessliches Erdleben hinweisend, zwei Formen unterscheiden. B. a. Der Modification A. a. entsprechend, vereinigen wir hier die Gattungen Tetrao und Bonasia. Bei diesen ist die erste Zehe meistens ein Drittel der dritten. Der tarsus kleiner als die dritte Zehe. Die unbefiederten Zehen haben, besonders bei Tetrao, Die Fussbildungen der Vögel. 439 sehr breite, mit Schildern bedeckte Hautsäume, von denen nach unten eine Reihe spitziger Hornfransen abstehen. Beim Festhalten auf Zweigen kommt diese Bildung jedenfalls vortheilhaft zur An- wendung. Bei Bonasia ist ein kleiner Theil des Laufes häufig un- befiedert und dann mit Horntafeln und Schildern bekleidet. B. b. Der Modifiecation A. b. gleichartig bilden diese zweite Abtheilung die Gattung ZLagopus und die Pierochdae Bp. Bei ihnen ist die erste Zehe ganz kurz, nicht aufstehend, höchstens ein Vier- tel der dritten. Letztere ist bei Zagopus länger als der tarsus, bei den andern kürzer. Die Zehen sind nackt oder befiedert. Bei Syrrhaptes, welchem, als einzigem Falle der Scharrfussformen, die erste Zehe fehlt, sind die drei letzten stark verwachsen und an der Sohle mit dicken Hornwarzen besetzt. Bei allen Pierochdae hat die vierte Zehe nur vier Phalangen. Fangfuss (pes capiens). Diese Form des Raubfusses dient zum Ergreifen, Tödten und Zerreissen der Beute. Die Ausbildung für solchen Zweck bedingt so ‘bedeutende Veränderungen, dass die Bewegungsfähigkeit des Fusses dabei verkümmert. In den meisten Fällen ist daher die Be- wegung der Raubvögel auf der Erde eine sehr unbeholfene. Die Eigenschaften zum Reissen und Greifen gründen sich hauptsächlich auf das Längenverhältniss der Zehen und Länge und Form der Nägel. Die erste Zehe wird grösser als die vierte und gleich der zweiten, welche beinahe der dritten an Länge gleichkommt. Von den starken, gekrümmten, spitzen Nägeln‘ wird der zweite grösser als der vierte und dritte; der erste am grössten. Je mehr ein Vogel lebende Thiere zur Beute wählt, je mehr er also vom Raube lebt, um so stärker sind die genannten Eigenschaften ausgebildet, um so grösser und kräftiger ist vor Allem der erste Nagel, wel- chem beim Ergreifen und Tödten die grösste Wirkung zufällt, falls nicht, wie bei den Eulen, die vierte Zehe gewendet werden kann, und dadurch der Nagel dieser den ersten in seiner Function unter- stützt. Je mehr dagegen ein Raubvogel mit schon Getödtetem und Aas vorlieb nimmt, um so kürzer ist die erste Zehe, um so schwächer ihr Nagel. Ebenso wird auch die zweite Zehe schwächer. Immer aber bleibt der Nagel der zweiten grösser als der vierte, da er beim Zerkleimern der Beute, zum Festhalten und Entgegenwirken: dem Reissen mit dem Schnabel am meisten zur Anwendung kommt. Ist die zweite Zehe kürzer als die vierte, so verlängert sich da- gegen die dritte Zehe besonders stark, wie beim Scharrfusse , auch 440 Dr. Anton Reichenow: ihr Nagel wird am grössten; und sie übernimmt beim Zerreissen der Nahrung die Function der zweiten, was bei vielen Geiern der Fall ist. Die allgemeine Diagnose können wir folgendermassen stellen: Tarsus kleiner oder grösser als dritte Zehe, nackt oder befie- dert. Dritte Zehe immer am grössten; erste Zehe tief angesetzt oder, bei den Eulen, so wenig höher als die anderen, dass sie beim Sitzen oder Laufen auch auf ebener Grundlage, wobei der tarsus ja immer eine schräge, niemals senkrechte Stellung hat, mit ganzer Länge den Boden berührt; erste oder vierte Zehe am kleinsten — im ersten Falle ist entweder die vierte Wendezehe oder die zweite ist kürzer oder gleich der vierten und die dritte stark verlängert. Nagel der zweiten Zehe immer grösser als derjenige der vierten. Zehen nackt oder befiedert, geheftet, halb geheftet oder gespalten. Die niedrigste Modification des Fangfusses zeigen die Geier, zu welchen wir die Cathartidae Bp,, Vulturidae Bp , Gypogeranidae Bp. und Polyborinae Gray zählen müssen. Bei ihnen sind die Zehen sanz oder halb geheftet; Spaltung kommt niemals vor. Die erste Zehe ist immer am kleinsten; die vierte gewöhnlich grösser als die zweite, selten gleich derselben. Der erste Nagel am kleinsten oder grösser als der vierte, der dann am kürzesten, selten aın grössten; der dritte im letzteren Falle nie grösser als der zweite, sonst am grössten. Der tarsus bald grösser, bald kleiner als die dritte Zehe, niemals vollständig befiedert. Die Laufbekleidung bilden grössten- theils nur sechsseitige Schilder. Dem Scharrfusse wegen der langen dritten Zehe, des Verhält- nisses der übrigen und der wenig spitzen und gekrümmten Nägel am ähnlichsten, nicht zum Ergreifen und Tödten der Beute be- fähigt, ist der Fuss der Cathartidae Bp. und der Gattung Neophron. Wegen solcher Ausbildung leben diese Vögel ausschliesslich vom Aase. Die erste Zehe ist am kleinsten; auch der Nagel derselben. Die Laufbekleidung besteht nur in körnerartigen Schildern. Bei Neophron findet sich nur halbe, bei den anderen ganze Heftung. Mehr Räuber, durch die langen Läufe einzig unter den Fang- fussformen sind die Gypogeranidae Bp. Hier ist der Nagel der ersten Zehe grösser als der der vierten. Die langen Läufe, welche grösser als das Dreifache der ganz gehefteten Zehen, lassen sofort weite, steppenartige Ebenen als Aufenthaltsort dieser Vögel ver- muthen. Einzig ist auch die Bekleidung des tarsus, welche in vor- deren und hinteren Gürteltafeln besteht. Die Fussbildungen der Vögel. 441 Am raubgierigsten von den Geiern sind die Vulturidae Bp. und Polyborinae Gray. Bei ersteren sind die Zehen ganz geheftet. Der erste Nagel ist der grösste; der zweite gleich dem dritten oder grösser. Die zweite Zehe ist gleich der vierten; die dritte grösser als der tarsus. Die Laufbekleidung bilden nur körnerartige Schil- der. Bei den Polyborinae sind nur die beiden letzten Zehen gehef- tet. Der erste Nagel ist gleich dem zweiten und grösser als der dritte. Die. dritte Zehe ist bald kleiner, bald grösser als der am oberen Theile etwas befiederte tarsus. Die Schilder am tarsus ver- wachsen am vorderen Theile unten häufig zu Tafeln. Höher “ausgebildet als die Geier, die höchsten Glieder der Form überhaupt enthaltend, sind die Falken. Wir begreifen damit die sämmtlichen übrigen Tagraubvögel. Bei ihnen ist die vierte Zehe immer kleiner als die zweite — nur bei einigen Falconinae . fast gleich. Bei diesen letzteren und Gypaitus ist auch die erste Zehe nur gleich der vierten, während sie gewöhnlich diese an Grösse übertrifit. Der Nagel der ersten Zehe ist stets am gröss- ten; der der zweiten ihm zuweilen gleich und grösser als der dritte. Der tarsus grösser, seltener kleiner als die dritte Zehe. Meistens kommt halbe Heftung vor, ganze niemals, Spaltung der Zehen nur ausnahmsweise. Die Laufbekleidung besteht in Schil- dern oder neben solchen in Gürtel- oder Quertafeln.. Ausnahms- weise kommt Schienenbildung vor. Die Varietätenbildung der Füsse der einzelnen Falkenfamilien ist so gross, dass ein genaues Cha- rakterisiren letzterer ein sehr specielles Eingehen auf die Arten erforderte. Wir müssen uns daher darauf beschränken, Einzelnes hervorzuheben. Als die höchsten Formen haben wir die Fussbildungen der Accipirinae Sws. und einiger Gattungen der Agwlinae Sws. (Aquila, Spizaötus, Morphnus) anzusehen. Bei ihnen findet sich die in der allgemeinen Besprechung des Fangfusses erwähnte höchste Aus- bildung zum Fangen und Morden, von der besonders hervorzu- heben, dass der erste Nagel am grössten oder gleich dem zweiten und beide um Bedeutendes stärker als die beiden anderen. Der tarsus ist bei dem letzten meist vollständig befiedert; bei den Ac- cipärinae aber ist er nackt, und es zeigt eine Gattung dieser die erwähnte Schienenbildung (Fig. 25). Spaltung der Zehen findet sich bei den Gattungen Pandion und Haliaetus. Den längsten tarsus haben die Circinae Bp., bei welchen der - 442 Dr. Anton Reichenow: selbe fast doppelt so lang als die dritte Zehe ist. Bei der Gattung Pandion und den Cireinae ist die vierte Zehe Wendezehe; und wir erhalten mit ihnen einen Uebergang zu der letzten Modification des Fangfusses, dem Eulenfusse. Dass trotz der Raubgier, die alle Eulen besitzen, die erste Zehe und ihr Nagel am kleinsten, erklärt sich dadurch, dass die gewendete vierte Zehe die Wirkung jener unterstützt. Das zweite Nagel ist immer am grössten; der dritte häufig diesem fast gleich. Die dritte Zehe ist die längste; die erste die kürzeste; die zweite grösser als die vierte, welche Wendezehe. Tarsus und Zehen sind in der Regel befiedert, und zwar ist die vierte so beweglich, dass sie über die rechtwineklige Seitwärtswendung hinaus noch etwas rückwärts gedreht werden kann.*) Niemals aber ist es dem Vogel möglich, diese Zehe vollständig nach hinten zu richten. Die einzigen Ausnahmen von vorstehender Charakteristik des Eulenfusses bilden Abweichungen von der zuletzt erwähnten Lauf- befiederung, indem dieselbe zuweilen fehlt (Sir. ceylonensis, Aymnogl. nudipes) oder schwach ist (Str. Aammea). An den Scharrfuss schliesst eine neue Gruppe sich an. Die- selbe stellt den Uebergang zu solchen Bildungen dar, welche, um- gekehrt als es bisher der Fall war, für den Aufenthalt auf Bäu- men geeigneter als zum Erdleben sind. Mit ihr hört daher auch die hohe Ansetzung der ersten Zehe auf, welche von nun ab bei allen folgenden Formen in gleicher Höhe mit den anderen ange- setzt ist und nur in seltenen Ausnahmen verkümmert. IV. Spaltfuss (pes fissus). „Wer einen Girrvogel kennt,“ sagt Brehm, „kennt alle.“ Das bezieht sich, wie auf die Gesammtheit der Ausbildung, so insbeson- dere auf die Füsse. Der Spaltfuss, denn dieser ist es, den ge- nannte Vögel repräsentiren, zeigt kaum nennenswerthe Varietäten. Die allgemeine Diagnose gestaltet sich folgendermassen: Tibia vollständig befiedert. Die dünnen Zehen unverbunden, länger als der gleichfalls schwache tarsus; die erste tief angesetzt und am kleinsten; die dritte — worin der Anschluss an den Scharr- fuss zu erkennen — vor der zweiten und vierten stark verlängert. Nägel dünn, spitz und gekrümmt; der erste meistens grösser als *) Vergl. pag. 407. Die Fussbildungen der Vögel. 443 der zweite und vierte, aber kürzer als der dritte. Die Laufbeklei- dung bilden Schilder, welche vorn häufig theilweise in zwei Reihen Quertafeln verwachsen, womit wir wiederum ein Moment erhalten, _ welches an die Scharrfussbildung erinnert. Ein Zweck möchte der langen dritten Zehe nicht wohl zu imputiren sein. Zum Scharren ist der tarsus zu kurz und schwach, auch die Nägel zu dünn und spitz. Sie muss daher als zurückgebliebener oder, wenn man will, sich wiederholender Charakter des Scharrfusses aufgefasst werden. Im Uebrigen zeigt die in Rede stehende Fussform nicht die ge- ringste Verwandtschaft zu irgend einer andern Bildung und wir müssen sie deshalb, trotz ihrer Einfachheit, welche einen starken Contrast zu den so mannigfache Varietäten aufweisenden übrigen bildet, als selbstständige Gruppe ansehen. Als Ausnahmen von dem allgemeinen Charakter sind nur zu erwähnen: Die Kouridae Bp., bei welchen der tarsus grösser als die dritte Zehe ist, und die Treronidae Bp., welche einen breiten tarsus und starke, breite Schwielen an den Zehen haben und wegen solcher Ausbildung ein ausgedehnteres, fast ausschliessliches Baumleben führen. Letztere sind daher auch als die höchsten Glieder der Gruppe anzusehen, während die Gouridae, wegen des langen tarsus besserer Läufer, den Anschluss an den Scharrfuss vermitteln. V. Baumfuss (pes arboreus). Hierin begreifen wir Formen von sehr verschiedener, zum Theil sehr mangelhafter Ausbildung. Bewegungsfähigkeit auf ebe- ner Erde steht den betreffenden Vögeln gar nicht oder nur in sehr beschränktem Grade zu.*) Es sind ihnen daher ausschliesslich Bäume als ihr Aufenthalt angewiesen. Aber auch hier bewegen sieh nicht alle mit gleichem Geschick. Einige benutzen dieselben nur während der Ruhe. Ihre Füsse sind so mangelhaft gebildet, dass sie nur zum Sitzen oder Festhalten benutzt werden können. Ihre Nahrung suchen diese Vögel daher fliegend, in der Luft (Ca- primulgidae, Oypselidae), oder nehmen sie im Fluge von der Erde, von Pflanzen auf und stossen sogar der Beute in’s Wasser nach (Trochilidae, Alcedinidae ete.). Andere dagegen sind Baumvögel im wahrsten Sinne des Wortes. Auf Bäumen suchen sie ihre Nahrung, pflegen sie der Ruhe, treiben sie ihre Spiele. Ihr Fuss *) Nur wenige Ausnahmefälle werden wir beim Sitz- und Kletterfusse kennen lernen. 444 Dr. Anton Reichenow: eignet sich zu leichter Bewegung sowohl am Stamm, an der Rinde, als im Gezweig (Musophagidae, Picidae, Psittaci ete.). Wegen der ausserordentlichen Verschiedenheiten der einzelnen Formen lassen sich nur wenige allgemeine Kennzeichen für die Gruppe aufstellen. Tibia gewöhnlich vollständig befiedert, zuweilen ein kleines Stück derselben nackt. Tarsus bald befiedert, bald nackt, häufig sogar ohne Hornbekleidung. Zehen stets unbefiedert, nie durch Schwimmhäute verbunden, doppelt geheftet oder gespalten; oder, was uns bisher noch nicht vorkam, es verwachsen die drei oder doch die beiden letzten mit einer bis drei Phalangen. Die dritte Zehe ist gewöhnlich die längste, selten kleiner, gewöhnlich grösser als der tarsus; die vierte oft wendbar oder ganz nach hinten gerichtet und im letzteren Falle oft grösser als die dritte; die zweite, welche auch nach hinten gerichtet sein kann, in der Regel kleiner als die vierte, nur in einem Falle des Kletterfusses gleich (dieser oder grösser; die erste stets tief angesetzt, am kleinsten oder gleich der zweiten, zuweilen seitwärts nach innen oder auch nach vorn gewendet. Nagel der ersten Zehe der kleinste, selten gleich dem zweiten. Die Laufbekleidung, welche, wie erwähnt, häufig fehlt, besteht in der Regel in vorderen Gürtel- tafeln, welche bald mehr, bald weniger die Seiten umfassen, im Uebrigen in vier- bis sechsseitigen oder unregelmässigen oder körnerartigen Schildern von sehr mannigfaltiger Gruppirung, was wir bei den einzelnen Arten genauer besprechen werden. Eine Uebersicht der Formen des Baumfusses, ihrer Verwandt- schaft zu einander und der Vertheilung der Vogelfamilien in die- selben bietet die auf nächster Seite folgende Tabelle. Die niedrigsten und Grundformen bilden der Haftfuss und der Klimmfuss. Obwohl beide im Einzelnen sehr von einander ab- weichen, zeigen sie doch einige übereinstimmende, wesentliche Mo- mente, welche sie gleichartig erscheinen lassen und damit ihre parallele Stellung im umstehenden Schema rechtfertigen. Bei bei- den kommt, zum letzten Male, Heftung der Zehen vor. Ferner findet sich bei beiden Wendezehenbildung; und zwar betritit Dies beim Haftfusse die erste, beim Klimmfusse die vierte Zehe. Die erstere Form besitzen nur die echten Caprimulgidae, d. i. die Chor- dedilhinae Cab. und Caprimulginae Cab., die letztere die Colüdae Gray, Musophagidae Sws. und Leptosominae Bp. Die Fussbildungen der Vögel. 445 Pes arboreus here a et et Bi j (p. enitens) e N ————— (p. haerens) A. B. Caprimulgtdae, Cohidae, en Leptosominae, | udR = | | | | Pittaci, Trogonidae, Galbulidae, a. Cueulidae, pselidae Steatornithinae, adha- (v yetibirnae, A. B. C. Rhamphasti- nans). N Podarginae, dae, " \Burystomus, " \Capitonidae, Besten Bucconidae, sk ec. Picidae, Alcedinidae, D. B. /Meropidae, _—— une) Prionitidae, (p. scansorius). Todus, Trochilidae, C. ‘ Coracias, Bucerotidae (p. insidens). Aus dem Haftfusse entwickeln sich nun zwei neue Formen. Durch vollständige und constante Wendung der ersten Zehe nach der Klammerfuss, welchen die Oypselidae Gray re- Bei der zweiten Art dagegen, dem Sitzfusse, wendet die drei letzten lche viele Fami- en höech- | vorn entsteht präsentiren. * sich die erste Zehe wieder constant nach hinten; Zehen verwachsen theilweise. Diese Bildung, we h lien vereinigt, wird auch der Uebergang zu späteren, zu d ‘sten Formen der Vogelfüsse. | Analog diesen letzteren Fussarten entwickelt sich aus den Mu- \ \sophagidae und Leptosominae durch vollständige Rückwärtswendung ‘ler vierten Zehe der Kletterfuss, der aueh mannigfache Varietäten bildet, aber keine weitere, höhere Ausbildung erreicht. | Wenden wir uns zur näheren Betrachtung der fünf Formen des Baumfusses. | Haftfuss (pes haerens). Tibia immer vollständig befiedert. Der tarsus schwankt in der Grösse von der Länge der ersten Zehe bis zu derjenigen der drit- 446 Dr. Anton Reichenow: ten, ist ganz oder nur theilweise befiedert; der nacktbleibende Theil vorn mit Gürteltafeln, sonst mit körnerartigen Schildern bedeckt. Zehen geheftet; erste seitwärts nach innen wendbar, am kleinsten; dritte bedeutend länger als zweite und vierte; letztere, wenig grösser als zweite, hat nur vier Phalangen. Erster Nagel am kleinsten; dritter am längsten und gezähnelt. Diese Fussbildung haben die Chordedilinae Cab. und Capri- mulginae Cab. Die Nyetibünae und Steatornithinae, die wir von die- sen trennen, haben vollständig abweichende, dagegen mit den Eurylaeminae übereinstimmende Fussform. *) Aus obiger Charakteristik lässt sich die mangelhafte Ausbil- dung des Haftfusses unschwer erkennen. Der kurze tarsus lässt nur eine unbeholfene, trippelnde Bewegung auf dem Erdboden zu. Wegen der kurzen ersten Zehe ist ein Umklammern von Zweigen nicht möglich. Daher ruhen diese Vögel nur auf starken Aesten; und zwar sitzen sie oder hocken vielmehr der Länge nach auf die- sen, wobei die bewegliche erste Zehe und die sehr lange, mit ge- zähneltem Nagel versehene dritte, mit welcher sie tief in die Spal- ten der Rinde eingreifen und festfassen können, vorzügliche Dienste leistet. Auf die Länge des tarsus und seine Befiederung lässt sich eine Unterscheidung der einzelnen Gattungen gründen, worauf wir hier jedoch nicht eingehen können. Eine grössere Bewegungsfähigkeit gewährt seinen Besitzern der Klimmfuss (pes enitens). Tibia vollständig befiedert. Tarsus unbefiedert, kleiner oder grösser als die dritte Zehe; doch sind die Unterschiede gering. Vierte Zehe nach aussen wendbar; erste am kleinsten. Die Laut- bekleidung bilden fünf bis zehn vordere Gürteltafeln; auf der In- nenseite oder auf beiden legen sich an diese oft je eine Reihe grösserer Schilder; den übrigen Theil bedecken körnerartige Schil- der (Fig. 26 u. 27). Diese Laufbekleidung haben wir, wie die- jenige des Haftfusses, als Modification der Sitzfussbekleidung auf- zufassen. Die Form zerfällt in zwei Modificationen. Die erste, welche die Coliidae Gray besitzen, bildet gewissermassen einen Anschluss an den Haftfuss.. Es ist nämlich ausser der vierten Zehe auch, wie bei den Oaprimulgidae, die erste Zehe wendbar; und zwar ist *) Vergl. pag. 449, Anm. Die Fussbildungen der Vögel. 447 die Beweglichkeit dieser beiden Wendezehen ausnahmsweise so ausserordentlich gross, dass letztere fast im Halbzirkel drehbar sind, nach : vorn oder nach hinten gerichtet werden können. Sämmtliche Zehen sind unverbunden. Aus dieser Beweglichkeit der Zehen ergiebt sich eine grosse Bewegungsfähigkeit für die betrefienden Vögel. Bei der zweiten Modification, welche die Musophagidae ws. und Zeptosominae Bp. aufweisen, ist die erste Zehe immer nach hinten gerichtet. Bei ersterer Familie sind die drei letzten Zehen geheftet, oder nur die dritte und vierte, die zweite dagegen mit dem halben oder ganzen ersten Gliede mit der dritten Zehe ver- wachsen. Bei den Zeptosominae ist die vierte Zehe von der drit- ten gespalten, die zweite mit einem halben Gliede an die dritte eewachsen. Diese Familie bildet den Uebergang zum Kletterfusse. Eine Vereinigung mit den Cuculidae, welchen sie ja gewöhnlich zu- sezählt wird, ist hinsichtlich der Fussbildung nicht möglich, wie die Vergleichung vorstehender Charaktere mit denen letztgenannter Familie beweist. Klammerfuss (pes adhamans). Ein kleines Stück der tibia zuweilen nackt. Tarsus nackt oder befiedert, grösser oder kleiner als die dritte Zehe. Alle vier Zehen nach vorn gerichtet, die erste mit schwach seitlicher Wen- dung, gespalten, seiten befiedert und seitlich zusammengedrückt. Die drei letzten haben nur je drei Phalangen. Dritte Zehe am längsten; zweite fast gleich der dritten, grösser als die vierte; erste am kleinsten. Hornbedeckung findet sich niemals am tarsus. Es braucht nicht erwähnt zu werden, dass bei solcher Aus- bildung die Füsse nur zum Aufhängen und Festklammern benutzt werden können. Fortbewegung mit den Füssen ist den betreftien- den Vögeln nicht möglich; daher sie ausschliesslich ein Luftleben führen. Einige Gattungen der Cypselidae Gray, welche Familie diese Form repräsentirt, weichen dadurch von dem Formcharakter ab, dass die erste Zehe noen nach hinten gerichtet und nur mehr oder weniger wendbar ist, die Zehen auch die gewöhnliche Phalangen- zahl haben (Ohaeturina Scl.), und bilden somit den Uebergang von den Haiftfussformen. Sitzfuss (pes insidens). Ein Stück der tibia häufig nackt. Tarsus nackt, kleiner, sel- tener grösser als die dritte Zehe. Erste Zehe nach hinten gerichtet, 448 Dr. Anton Reichenow: gewöhnlich am kleinsten, ausnahmsweise nur gleich der zweiten oder etwas grösser, aber niemals grösser als die vierte; letztere, besonders ein charakteristisches Moment für die Form bietend, be- deutend grösser als die zweite und fast gleich der dritten; die drei letzten der Regel nach mit einem bis drei Gliedern ver- wachsen; ausnahmsweise gespalten. Von den schwachgekrümmten Nägeln ist der erste am kleinsten. Die charakteristische Laufbe- kleidung dieser Forn: besteht nur in vorderen Gürteltafeln (Fig. 33); abweichend bilden sich neben solchen noch Schilder oder Körner; oft fehlt die Hornbedeekung gänzlich Wegen der mannigfachen Varietäten des Sitzfusses stösst man oft auf Uebergänge zu den beiden verwandten Arten, dem Haft- und Hüpffusse; doch unterscheiden von ersterem stets die Längen- verhältnisse der Zehen, von letzterem die Grösse der ersten Zehe und ihres Nagels, welche beim Hüpffusse stets die zweite und vierte Zehe, bezüglich deren Nägel an Grösse übertreflen. Die Benutzungsweise des Sitzfusses ist im Namen enthalten. Wegen der Kürze der ersten Zehe und ihres Nagels ist das Fest- halten an dünnen Gegenständen, also eine Bewegung im Gezweig in der Regel nicht möglich. Es werden die Füsse nur zum Ruhen, zum Sitzen auf starken Aesten benutzt. Jede Bewegung wird fast nur durch die Flügel bewerkstelligt, auch die Nahrung im Fluge erlangt. Die Charakterbildung des Sitzfusses finden wir in den Füssen der Alcedinidae Bp., Meropidae Gray und Prionitidae Cab. Bei die- sen ist der tarsus kleiner als die dritte Zehe. Die erste Zehe ist die kleinste. Die zweite Zehe ist mit einem, die vierte mit drei Gliedern verwachsen; letztere bedeutend grösser als die zweite und fast gleich der dritten. Bei den beiden ersten Familien ist auch in der Regel ein Stück der tibia nackt und der tarsus ohne Horn- bekleidung. Die Prionitidae haben befiederte tibia. Am Lauf fin- den sich vorn Gürteltafeln, an den Seiten, sowie hinten, je eine Reihe vierseitiger Schilder oder nur seitliche Schilder neben den Gürteltafeln. Einen Anschluss an den Haftfuss bildet eine Modification, welche folgende von uns untersuchte Subfamilien und Genera ver- einigt: Steatornithinae Cab., Nyetibünae Cab., Podarginae Cab., Gatt. Eurystomus Vieill. und Zurylaeminae Cab. Die Annäherung dieser Familien an genannte Form besteht darin, dass dieselben Ueber- gänge von der Heftung der ersten Zehenglieder zu einer Ver- Die Fussbildungen der Vögel. 449 wachsung derselben zeigen. Die Bindehäute schrumpfen immer mehr zusammen, eine Spreizung wird nicht mehr möglich und die Verwachsung tritt ein. Man sieht Das besonders an den ersten drei der aufgeführten Familien. In Folge solcher Uebergangsbil- dungen kommen mannigfache Varietäten vor. So zeigen die Stea- iornithinae fast vollständige Spaltung der Zehen. Bei den Nyeti- bünae erscheint die vierte und dritte Zehe gespalten, die zweite und dritte schwach verwachsen oder geheftet. Die Podarginae haben zusammengeschrumpfte Hefthäute. Bei den übrigen Familien ist die zweite Zehe mit einer halben bis einer ganzen Phalange verwachsen, die vierte mit einen halben bis fast drei Gliedern. Zur alleemeinen Charakteristik der in Rede stehenden Modification sei noch erwähnt, dass der tarsus bald kleiner, bald etwas grösser ist als die dritte Zehe. Tibia meist vollständig befiedert. Erste Zehe häufig grösser als die zweite, ausnahmsweise in einem Falle sogar gleich der vierten (Corydon); die vierte aber immer, dem Form- charakter gemäss, bedeutend grösser als die zweite und fast gleich der dritten.*) Die Laufbekleidung bilden nur vordere Gürteltafeln oder neben solchen körnerartige Schilder. Die noch übrigen dem Sitzfusse eingeordneten Familien stellen Uebergänge von den Charakterfamilien zu Modificationen der näch- sten Gruppe, dem Hüpffusse, dar. Die Verwachsung der Zehen wird schwächer; das Längenverhältniss erleidet Veränderungen. Nackte tibia kommt gar nicht mehr vor; die Laufbekleidung nimmt ein bestimmteres Gepräge an. Wir lassen die Charakteristiken der einzelnen Arten folgen. Die Todus Lin. haben noch starke Zehenverwachsung, ja So- ‚gar die stärkste von allen Sitzfussarten, indem die zweite Zehe mit einer, die vierte mit vier Phalangen verbunden ist (Fig. 62). Die dritte Zehe ist kleiner als der tarsus; die erste gleich der zwei- ten. Der Nagel der ersten ist ziemlich gleich dem dritten, wo- durch sich die Form der folgenden Gruppe näheri; doch ist die erste Zehe immer kleiner als die vierte, was zusammen mit der starken Zehenverwachsung und dem bedeutenden Längenunter- schied der vierten und zweiten Zehe der Gattung ihre Stellung unter den Sitzlussarten anweist. *) Dieses Verhältniss, der ungezähnelte dritte Nagel und die, wie ge- wöhnlich, aus fünf Pha'angen zusammengesetzte vierte Zehe bilden die auffallendsten Unterschiede der Nyetibünae und Sieatornithinae von der Fussform der Caprimulgidae und nöthigen zu der hier geschehenen Ein- reihung genannter Familien. Cab. Journ. f. Ornith. XIX. Jahrg. No. 114. November 1371. 29 450 Dr. Anton Reichenow: Trochilidae Less.: Tarsus kleiner als die dritte Zehe, nackt und ohne Hornbekleidung. Erste Zehe am kleinsten; alle aber nur sehr wenig in der Grösse unterschieden; nur die vierte mit einem Gliede verwachsen. Coracias Lin.: Tarsus kleiner als die dritte Zehe, unbefiedert, vorn mit Gürteltafeln bekleidet, die aussen sehr weit umfassen, im Uebrigen unbedeckt. Erste Zehe am kleinsten; vierte nur wenige grösser als zweite. Nur die vierte mit einem Gliede verwachsen oder alle gespalten. Die Bucerotidae Leach. zeigen sehr variirende Bildung. Der tarsus ist kleiner oder grösser als die dritte Zehe, vorn mit Gür- teltafeln, die sich oft weit um die Seiten herumlegen, sonst mit un- regelmässigen oder körnerartigen Schildern bekleidet. Die erste Zehe ist am kleinsten; alle aber nur wenig in der Länge unter- schieden; zweite mit einer halben bis einer Phalange; vierte mit zwei bis drei verwachsen. Gänzlich abweichend ist Buceros abys- sinicus, welcher einzig unter Sitzfüsslern ein guter Läufer. Bei ihm ist der tarsus daher doppelt so lang als die dritte Zehe und die zweite wenig, die vierte nur mit einem Gliede verwachsen. Zur Erleichterung des Festhaltens auf Aesten, wobei der lange tarsus natürlich nicht vortheilhaft, ist dagegen der erste Nagel am stärk- sten ausgebildet, während derselbe bei anderen Bucerotidae höch- stens die Grösse des dritten erreicht. Kletterfuss (pes Scansorius). Zwar ist auch bei dieser Form des Baumfusses die erste Zehe und ihr Nagel am kürzesten, aber eine der drei letzten nach hin- ien gerichtet, welche so die Function der ersten tleilt. Dass eine solche vierarmige Klammer ein Baumleben in weitester Beziehung gestattet, brauchen wir nicht zu erwähnen. | Die mannigfache Varietäten bildende Form charakterisiren . folgende Merkmale: Tibia immer befiedert. Tarsus in der Regel kleiner, selten grösser als die dritte Zehe, bisweilen am oberen Theile befiedert. Die charakteristische Laufbekleidung besteht in vorderen Gürtel- tafeln und einer Reihe Hinterschilder, während die Seiten unbe- kleidet bleiben oder von einer oder mehreren Reihen kleiner, rhombischer Schilder bedeckt sind. Verschiedene hierbei vorkom- mende Modificationen werden wir an den betreffenden Stellen be- Sprechen. Ausser der ersten ist die vierte oder zweite Zehe nach hinten gerichtet; die erste, immer am kleinsten, verktimmert in Die Fussbildungen der Vögel. 451 “einigen Fällen; die vierte, bei den höchsten Formen grösser als die dritte, ist in anderen Fällen wiederum kleiner als die zweite (G@al- bulidae); die beiden nach vorn gerichteten gewöhnlich mit einer halben bis zwei Phalangen verwachsen. Von den spitzen, stark gekrümmten Nägeln ist der vierte meist gleich dem dritten, zu- weilen sogar grösser; der erste am kürzesten. Wie pag. 445 schematisch aufgeführt, bildet der Kletterfuss vier Modificationen, welche keine Uebergänge in einander aufwei- sen und selbstständige, parallele Reihen darstellen. A. Tarsus kürzer als die dritte Zehe, oft nur von der Länge der ersten, stark, vorn sehr breit. Von den starken, dickschwie- ligen Zehen ist die vierte, wie die erste, nach hinten gewendet, schwach seitlieh wendbar; die zweite und dritte mit einer halben bis einer Phalange verwachsen. Die Bedeckung des immer nack- ten Laufes bilden nur kleine vier- bis sechsseitige Schilder, die hin- ten körnerartig sind. Vorstehende Bildung gehört den Psittaci Bp. an. Wegen der Lauibekleidung, die bei keiner andern Modification des Kletter- fusses vorkommt, müssen wir diesen Fuss als den niedrigsten der in Rede stehenden Form ansehen. B. Zweite Zehe nach hinten gewendet; dritte und vierte mit einem halben Gliede verwachsen. Tarsus kleiner als dritte Zehe, am oberen Theile zuweilen befiedert, nur vorn mit Gürteltafeln be- kleidet, sonst ohne Hornbedeckung. Die Trogonidae Gray repräsentiren diese Fussbildung. Während bei allen anderen Arten des Kletterfusses die vierte, ist hier die zweite nach hinten gerichtet. Man könnte daher die Coliidae des Klimmfusses als Grundform dieser Modification an- sehen, während alle anderen Kletterfussarten an die Musophagidae, bezüglich Zeptosominae sich anschliessen. C. Vierte Zehe nach hinten gewendet, höchstens gleich der zweiten, häufig kleiner; erste fehlt zuweilen (Galb. tridactyla) ; zweite und dritte mit einem bis zwei Gliedern verwachsen. Tarsus kleiner als dritte Zehe, mehr oder weniger befiedert; der unbefie- derte Theil zeigt die charakteristische Kletterfussbekleidung. Diese Modification besitzen die Galbulidae Gray. Die meisten Varietäten besitzt die folgende, vierte Art: D. Tarsus gewöhnlich kürzer, seltener länger als die dritte Zehe. Vierte Zehe nach hinten gewendet, bei den höchsten For- men (Pieidae) länger als die dritte; die zweite gewöhnlich mit 29* ‚452 Dr. Anton Reicherow: einer Phalange verwachsen, selten weniger verbunden oder ge- spalten. Die Reihe eröffnen die Oueulidae Leach.*), welche oleich den Psittaci eine wendbare vierte Zehe haben und damit an die Klimm- fussform anschliessen. Bei den meisten Oueulidae ist die dritte Zehe kleiner als der tarsus, daher einige, wie z. B. GTreococeya, Q8- schickte Läufer sind. Nur bei den Öuculinae und Indicatorinae ist ' die dritte Zehe grösser als der tarsus. Bei letzteren beiden Sub- familien sind auch die beiden nach vorn gerichteten Zehen mit einem Gliede verwachsen, während bei den übrigen Gattungen gar keine oder: nur sanz schwache Zehenverbindung vorkommt. Die Laufbekleidung der Oueulidae zeigt gewissermassen ein höheres Gepräge als die Hornbedeckungen der übrigen Arten vorstehender Reihe. Es bilden sich nämlich die Hinterschilder durch Seitwärts- drehung nach innen zu inneren Seitenschildern, wie das Seite 4ll besprochen, und aussen entsteht eine zweite Reihe Schilder, welche meist nicht vollständig ist, sondern nur am oberen Theile des iar- sus in drei bis vier Schildern besteht (vergl. Öctopterya, Pi9o.32), Die Bildung von Greocoecy& (Pig. 30 u. 31) wurde schon Seite411, Anm. beschrieben. Die Seitenschilderbildung schon am vollkommsten aus- gebildet zeigt von den Cuculidae die Gattung Centropus (Fig. 28 u. 29). Den Charakter der Reihe am reinsten zeigen die Khamphasti- dae Vig., Capitonidae Gray und Bucconidae Gray, bei welchen die zweite Zehe mit einem Gliede verwachsen, die dritte Zehe grösser als der nackte tarsus ist und letzteren ‚reine Kletterfussbekleidung deckt (Fig. 3%). Die Seiten sind in der Regel unbekleidet; selten zeigen sich Schilder. Zuweilen dehnen sich die Vordertafeln über die Seiten bis an die Hinterschilder aus. Als die höchsten Formen vorstehender keihe und die höchsten Kletterfussbildungen überhaupt sehen wir die Füsse der Pieidae an. Der tarsus ist immer kleiner als die dritte Zehe. Zweite Zehe mit einem Grliede verwachsen. Bei vielen Gattungen wird die Vierte Zehe grösser als die dritte. Den Lauf bedeckt reine Kletterfuss- bekleidung, bei welcher die Seiten in der Regel mit kleinen Schil- dern, innen mit einer, aussen ınit zwei bis drei heihen, bedeckt sind. Oft greifen die Vordertafeln so weit auf der Innenseite herum, dass sie an die Hinterschilder stossen. Zuweilen sind Ausser den Vordertafein nur Körner vorhanden und auf der Aussenseite bleibt dann ein Streif nackt (dig. 35—38). *) Die sehon erwähnten Leptosominae ausgenomnen, Eee Die Fussbildungen der Vögel. 453 VI. Hüpffuss (pes saliens). Je höher eine Fussform, welcher wir die Bedeutung einer Gruppe geben können, um so einfacher ist sie, um so weniger Nei- gung zeigt sie, wie aus übersichtlicher Betrachtung des Bisherigen zu ersehen, zur Bildung von Varietäten. Während bei dem Schwimm- fusse fast jede der in die Gruppe eingeordneten Familien eine be- sondere Beschreibung nothwendig machte, also iast jede Familie eine Modification darstellte, könnte man bei der vorstehenden letz- ten und höchsten Fussgruppe, welche die grösste Anzahl Familien vereinigt, wegen der Einfachheit und Gleichmässigkeit der Ausbil- dung beinahe von jeder specielleren Eintheilung abstehen. Denn in der That bieten weder die Gestalt des tarsus, noch die Verhältnisse der Zehen Momente, die scharfe Trennungen der einzelnen Fami- lien ermöglichten. Sobald aber diese eben erwähnten Theile zur Unterscheidung der Füsse ihre Dienste versagen, wird die Lauf- bekleidung von Bedeutung. Diese, welche wir als letztes Erken- nungsmerkmal bei der Beschreibung der bisherigen Fussformen kennen lernten, wird für den Hüpituss von der grössten Wichtig- keit und zum einzigen durchgreiienden Charakter der beiden Mo- dificationen der Gruppe, von denen die eine die Ulamatores, die andere die Oscines darstellen. Die Diagnose des Hüpfiusses haben wir also zu stellen: Tibia in der Regel vollständig befhiedert, nur in wenigen Aus- nahmen die Gegend des Fussgelenkes nackt. Tarsus gewöhnlich nackt, zuweilen am oberen Theile wenig befiedert. Dritte Zehe von ungefährer Länge des tarsus, bald etwas kleiner, bald wenig grösser; erste tief angesetzt, grösser als die zweite und vierte, welche letztern beide in der Regel von ziemlich gleicher Länge; vierte immer mit einem Gliede verwachsen, bisweilen mehr ver- bunden; zweite gewöhnlich gespalten, ausnahmsweise verwachsen. Nägel spitz, gekrümmt, seltener gestreckt; der der ersten Zehe immer am grössten.” ) Solche Ausbildung erlaubt den Vögeln vorstehender Gruppe sowohl einen Aufenthalt im Gezweig der Bäume, wofür die lange erste Zehe und deren Nagel bestimmt, als auch, da der tarsus nicht unverhältnissmässig verkürzt ist, auf ebener Erde eine ge- wandte Bewegung, welche gewöhnlich hüpfend, seltener schreitend ausgeführt wird. i *) Dieses Verhältniss und die Länge der ersten Zehe sind, wie wir schon früher erwähnten, die charakteristischsten Merkmale des Hüpffusses. 454 Dr. Anton Reichenow: Die beiden Modificationen zeigen nun hinsichtlich der Laufbe- kleidung, welche allein ihre Unterscheidung bedingt, folgende Bildungen. In der ersten Abtheilung haben wir reine Sitzfussbekleidung oder Varietäten von dieser. Nur bei den höchsten Formen (Pierop- tochidae Cab.) zeigen sich die ersten Anfänge von Seitenschienen- bildung, also von Hüpffussbekleidung, nämlich: vordere Gürtel- tafeln und seitlich je eine Reihe Schilder von gleichmässiger oder quertafelartiger Form, aber immer in bedeutender Anzahl, 10 oder mehr (Fig. 42). Die zweite Abtheilung charakterisirt reine Hüpfiussbekleidung; und zwar besteht diese in vorderen Gürteltafeln, welche bei den höchsten Formen zu Schienen verwachsen, seitlich in je einer mehr oder weniger vollständigen Schiene, an die zur vollkommenen Aus- füllung des Seitentheils einige Schilder sich anschliessen (Fig. 44 bis 48). Nur bei der Familie Alaudidae und, wie wir noch fan- den, bei einigen Drepaninae sind die Seitenschienen noch getheilt. Doch haben wir genannte Arten unbedingt der zweiten Abtheilung zuzuzählen und nicht mit den höchsten Bildungen der ersten zu vereinigen, da die Seitenbedeckunsen genannter Arten nicht, wie in der ersten Modification, kleine Schilder oder Quertafeln dar- stellen, sondern schon mehr zu Längstafeln verwachsen und höch- stens zu 6 bis 8 vorhanden sind. Zur ersten Modification gehören sämmtliche Olamatores Cak., mit Ausnahme der schon besprochenen Prionitidae, Coracüdae, Me- ropidae, Alcedinidae, Bucerotidae und der Gattung Todus. Da die Unterschiede der Fussbildungen der einzelnen Familien nicht bedeutend genug sind, um die Mittel zu speciellerer Ein- theilung zu bieten, so können wir nur die Bildungsverschieden- heiten übersichtlich darstellen. Wir fassen die Familien nach der Laufbekleidung in vier Gruppen zusammen und möchten damit eben nur auf die Momente hinweisen, welche bei systematischen Behandlungen dieser Vogelfamilien zu berücksichtigen sind und Anhaltspunkte für eventuelle Scheidungen oder Vereinigungen bie- ten können. Die bei früheren Formen schon vorgekommenen, in einander übergehenden und nicht streng auseinander zu haltenden Variatio- nen der Sitzfussbekleidung, nur vordere Gürtelfafeln oder ausser solchen Schilder, oder gar keine Hornbedeckung, haben näach- stehende Familien, welche wir ohne gewählte Folge aufführen - Die Fussbildungen der Vögel. 455 Platyrhynchinae*”), Furnarünae, Psarinae, Piprinae, Lipauginae, Irri- sorinae, Upupinae, Hypocnemididae und Eriodoridae, Die beiden letzten Familien zeichnen sich durch das in der Regel nackte Fussgelenk vor den übrigen aus. Bei den Aypocne- mididae fehlt meist die Hornbedeckung des tarsus vollständig. We- gen der Schwierigkeit des Unterscheidens eines unbekleideten von einem -mit vollkommenen Schienen bedeckten tarsus, an getrock- neten Exemplaren **), glaubte man im vorstehenden Falle häufig, es mit vollständiger Verschienung zu thun zu haben. Cabanis, welcher zuerst den Irrthum aufdeckte, gab den Vögeln daher den Namen „Scheinstiefler“. Eigenthümlich ist die Gattung Myiothera, welche ausser je einer Reihe Seitenschilder noch eine Reihe Hinter- schilder besitzt. Hinterschilder zeigen auch noch die Irrisorinae. Die Eriodoridae haben in der Regel ausser Vordertafeln je eine Reihe Seitenschilder; doch bleibt zwischen diesen und ersteren noch ein Streifen nackt (Fig. 39). Eine sehr starke Verwachsung der vierten Zehe und ebenialls Verwachsung der zweiten finden wir bei den Piprinae und Irrisorinae. Nur Vordertafeln ohne weitere Horn- bedeckung haben die Platyrhynchinae und Purnarünae. Alle übri- sen der genannten Familien zeigen ausser Vordertafeln körner- artige oder unregelmässige Schilder. Eine charakteristische Laufbedeckung haben die Tyrannidae, bei welchen die Vordertafeln die Aussenseite vollständig umfassen, während die Innenseite unbedeckt bleibt. Dasselbe findet sich bei den Phytotomidae, Ampelinae und Fluvicolinae. Bei den, letzteren sreifen in der Regel die Vordertafeln auch innen weit um; und es bleibt zwischen den beiden fast zusammenstossenden Rändern der so umliegenden Vordertafeln nur ein schmaler nackter Streif, wel- cher häufig durch eine Reihe kleiner Schilder ausgefüllt wird. Enntgegengesetzt der eben besprochenen Bildung, erweitern sich bei den Anabatidae***) die Vordertafeln auf der Innenseite stark, bedecken diese ganz und legen sich noch um die Sohle. Auf der Aussenseite bleibt zwischen den beiden Rändern ein Streif un- bedeckt (Fig. 40 u. 41). Die in Rede stehende Familie zeichnet noch eine mehr oder weniger starke Verwachsung der drei letzten *) Sämmtliche aufgeführte Familien sind in den von Cabanis gegebe- nen Bedeutungen gebraucht. *#) Das einzige Merkmal bieten kleine Falten, welche an der nackten Haut häufig, bei Hornschienen niemals vorkommen. | ==) Von ihnen sind die schon besprochenen Furnariinae auszunehmen. 456 Dr. Anton Reichenow: Zehen aus. Bei einigen Dendrocolaptinae tritt eine Aenderung in den gewöhnlichen Längenverhältnissen der Zehen ein, indem die vierte bedeutend grösser als die zweite und auch die erste, und gleich der dritten wird, also ein ähnliches Verhältniss, als wir beim Sitzfusse fanden; doch bleibt der lange Nagel der ersten Zehe im- mer ein charakteristisches Hüpffussmoment. Die höchste Laufbedeckung der Modification zeigen die Pierop- tochidae Cab., für welche die Gattung Menura den Typus bildet (Fig. 42). Ausser Vordertafeln haben diese jederseits eine Reihe von 10 oder mehr Schildern. Bei ihnen ist auch, wie die Regel, nur die vierte Zehe mit einem Gliede verwachsen. Noch weniger als in der ersten Modification lassen sich in der zweiten die Verschiedenheiten der Fussbildungen einer speciel- leren Eintheilung zu Grunde legen. Es lassen sich die Bildungs- unterschiede nur bei gleichzeitiger Berücksichtigung anderer Merk- male des Vogelkörpers für systematische Behandlungen mit Vor- theil benutzen. Wir müssen uns daher darauf beschränken, Ein- zelnes hervorzuheben. Vollständige Verschienung der Vordertafeln haben nur die Luseininae Cab., welche wir daher als höchste Form betrachten (Fig. 48). Den Zuscininae zunächst stehen die Sazicolinae Cab, bei welchen noch die oberen Gürteltafeln verwachsen; und somit über die Hälfte des tarsus durch eine Schiene bedeckt ist, an wel- che sich nach unten zwei bis drei Tafeln anschliessen. Bei den übrigen Familien finden wir in der Regel vier bis sechs vordere Gürteltafeln- (Fig. 47). In einigen Fällen (Paradiseidae) kommt noch eine Verwachsung der Vordertafeln vor, welche sich aber dadurch von der Schienenbildung der Zuseininae unterscheidet, dass sie nicht von oben nach unten vorsehreitend sieh entwickelt, son- dern gleichzeitig alle Tafeln des Laufes betrifft, wie wir solches schon bei früheren Formen (Parridae, Nisus u. a.) kennen lernten. Es sind in diesen Fällen die verwachsenen Ränder der Tafeln stets noch mehr oder weniger deutlich markirt. Die Theilung der Sei- tenschienen bei den Alaudidae und Drepaninae haben wir schon besprochen (vergl. Fig. 43). Eine andere Modification zeigen die Corvidae und weniger deutlich die verwandten Paradiseidae, Sturni- dae u. a. Hier verkümmern die Seitenschienen, werden schmäler, so dass zwischen ihnen und den Vordertafeln ein Raum frei bleibt, welcher durch Körner ausgefüllt wird, und zertheilen sich unten in Schilder (Fig. 44—46). Die Fussbildungen der Vögel. 457 Von besonderen Abweichungen hinsichtlich anderer Theile des Fusses haben wir noch zu erwähnen, dass, analog den Hypocne- mididae und Eriodoridae der vorigen Abtheilung, die Cinelinae eiu naektes Fussgelenk haben. Die meisten Corvidae und Lanüdae eharakterisiren sich als Fleischfresser durch den zweiten Nagel, der grösser als der vierte ist. Den Anabatidae der ersten Modifi- eation gleichartig, verwachsen bei den Paridae und Certhiadae die drei letzten Zehen stärker. Körner- und Insectenfresser lassen sich im Allgemeinen an den kürzeren, stärkeren oder schlankeren Läufen unterscheiden, wofür genaue Bestimmungen nicht anzu- eeben sind. Endlich weisen wir noch auf die gestreckte Form der Nägel, namentlich der ersten, einiger Alaudidae, Emberizinae, Mo- tacillinae u. a. hin, woran auch hier der Aufenthalt des Vogels, in solchen Fällen also ein vorzugsweises Frdleben, zu erkennen ist. Zur Recapitulation vorstehender Arbeit möge schliesslich eine die aufgestellten Fussgruppen und Formen in ihren Ver- wandtschaften übersichtlich darstellende Tabelle folgen: I. Schwimmfuss (p. natatilis), e Plattfuss (p. planus). Ar | ER Spalt- Ruderfuss Sehaufelfuss schwimmfuss (p. steganus). (p. palmatus). (p. fissopal- matus). II. Wadfuss (p. vadans), -— Lauffuss | (p- cursorius), | Schreitfuss | (p. gresso- Fius)o ne | Ill. Raubfuss (p. rapiorius), Sceharrfuss —| — -- 1V. »Spaltfuss (p. fissus). (p. radens), | V. Baumfuss (p. arboreus), | Fangfus || Hafifuss Klmmfuss | (p. capiens). | (p. haerens), (p. enitens), Klammerfuss Sitzfuss Kletterfuss | \(p- adhamans). (p. insidens). (p. scansorius). VI. Hüpffuss (p. saliens). 458 Dr. A. Reichenow: Die Fussbildungen der Vögel. x Erklärung der Tafel: 1. Spheniscus Vdrs. | 23. Gallus Inns. 46. Monedula Auss. 2. Podiceps S. | 24. » : Auss. 47. Motacilla S. 3. Phalacrocorax Inns, | 95. Nisus S. 48, Luscinia S. 4. Pelecanus 8. | 96. Musophaga Auss. 49. Mergus s. Fuligula 5. Mergus s. Anas Auss. | 97. 7 Inns. N. 6. Zarus Auss. 28. Centropus Inns. 50. Anas N. 35 Inns. 29, # Auss. 81. Podiceps N. 8. Phoeniconterus 8. 30. Geococeyx Auss. 92. Phalaropus 2. 9. Numenius S, a‘ 5 Inns. 83. Podiceps Z. 10. Oiconia 8. 32. Octopieryx Auss. 54. Podoa Z. 1l. Toianus S. 33. Sitzfussbekleidung S. 55. Fulica Z. 12. Lobipes Auss. 34. Rhamphastus $. 56. Tachypetes 4. 13. Fulica Auss. 35. Picus Auss. 97. „ N. 14 a,b,c. Perdix Vdrs., | 36, „. Inns. 58. Bernicla 2. Hts. u. S. 37. Campephilus Inns. 59. Anseranas 2. 15. Megapodius S. 38. 5 Auss. 60. Phoenicopterus 7, 16. Penelope Auss. 89. Thamnopkhilus S. 61. Recurvirostra 2. 17. „ Inns. 40. Anabates Inns. 62. Todus Z. 18. Ortalida Auss, 44, e Auss. 63. Mergus 2. 19; ER Inns. 42. Menura 8. ı 64. Xenus 2. 20. Crax Hts. 45. Alauda 8. 65. Dendrocygna 2. 21. Pavo S. 44. Corvus Inns. 66. Sterna Z. 22. Numida S. AB 2, Auss, 67. Gygis 2. NB. Die Zeichnungen sind theilweise im vergrösserten oder verklei- nerten Maassstabe ausgeführt, wie die Erreichung möglichster Klarheit es nothwendig. machte. Bei allen Seitenansichten der Laufbekleidung ist rechts (auf die Figur bezogen) der Vorder-, links der Hinterrand des tarsus. S8. bedeutet Seitenansicht; Vdrs. Vorderseite; Hts. Hinterseite; Auss. Aussen- seite; Inns. Innenseite; N. Nagel; Z. Zehen. Notiz über Ardeola minuta Lin. Im vergangenen Frühjahre hatte ich Gelegenheit, den kleinen Reiher, Ardeola minuta L., bei seinem Brutgeschäfte näher zu be- obachten. Dieser ziemlich scheue Vogel pflegt alljährlich auf den Riddagshäuser Teichen zu brüten, wurde jedoch selten gesehen. Ich bemerkte ihn Anfangs Mai an einer mit Ellern und Weiden- gebüsch dicht bestandenen Stelle eines grösseren Teiches, die nur mit einem Kahne zu erreichen war. Als ich dann am 20. Mai nachsuchte, fand ich auch das Nest mit 3 Eiern etwa I Fuss über dem Wasser in einem Sohlweiden- busche, der mit Solanum nigrum dicht durchwachsen war. Bis Mitte Juni fand ich an folgenden Tagen auf einem haume von etwa 10 Quadratruthen frischgebaute und besetzte Nester von dem- selben Pärchen: A. Nehrkorn: Notiz über Ardeola minuta Lin. 459 13. Mai mit 3 Eiern, Transp. 8 Eier, 24... er are: 5. Juni mit 5 Biern, 2ER 9 SAHNETN, Se ae ee 31. „ „ 2 u 13. ” „ 5 ” Latus 8 Eier, Sa 2 Mer Als ich das erste Gelege ausgehoben hatte, wollte ich am fol- senden Tage das nachgelegte Ei holen, fand dies jedoch zerstört. Bei dem 3., 4., 5., 6. und 7. Gelege hatten die Vögel nur einen Tag gebraucht, um ein neues Nest zu bauen, das jedesmal 1 bis 2 Fuss über dem Wasser im Weidengebüsch stand. Alle Nester waren bedeutend kleiner, wie die, welche ich früher. wohl im Rohre fand, und bestanden zum grössten Theile aus dürren Reisern, den Kernbeissernestern nicht unähnlich. Bei dem 5. Gelege befand sich ein um die Hälfte längeres (walzenförmiges) Ei, als die nor- malen, jedoch ohne doppelten Dotter. Jedesmal fand ich nur das ® brütend, das & indess häufig ganz in der Nähe des Nestes neben dem brütenden 2 sitzend. Eine augenscheinliche Abnahme der Grösse der Eier bei den letzteren Gelegen habe ich nicht gefunden, nur war die Schale etwas zarter. Riddagshausen, im Januar 1871. A. Nehrkorn. Jugendkleider und Eier einiger Vögel aus Klein-Asien. Von Dr. Eugene Rey, in Halle a/S. Unter einer sehr reichen Sendung von Vögeln und Eiern, die Dr. Krüper kürzlich aus Smyrna an W. Schlüter hier gelangen liess, und die des Interessanten sehr viel bot, erlaube ich mir nach- stehend Einiges zur Mittheilung in diesen Blättern auszuwählen. Namentlich dürften die Jugendkieider von Sita Krueperi, Sylvia Rueppelli und Emberiza cinerea, sowie die Eier von Sitta Krueperi ein besonderes Interesse für sich in Anspruch nehmen können, weil dieselben, meines Wissens, noch unbekannt oder wenigstens noch nicht beschrieben sind. 1. Sitta Krueperi v. Pelzeln. Bei ganz jungen Vögeln ist die Brust und der Bauch schmutzig braunroth, und der Färbung der Oberseite noch sehr wenig Blau eingemischt. Die schwarze Kopfplatte fehlt vollständig, und tritt erst ganz allmählig, gleichzeitig mit dem Hellerwerden von Brust und Bauch, hervor. Hinsichtlich des alten Männchens habe ich 460 Dr. Eugene Rey: v. Pelzeln’scher Beschreibung (Cab. Journ. 1866, p. 49) nur hinzu- zufügen, dass die schwarze Kopfplatte im Hochzeitskleide scharf segen die blaugraue Färbung des Hinterkopfes abschneidet, wäh- rend dieselbe im Herbstkleide allmählig in die Färbung des Ge- nicks und Rückens übergeht. Auch das Braunroth auf der Ober- brust ist in diesem Kleide weniger ausgebreitet und von bedeutend geringerer Intensität als im Hochzeitskleide. Die 5 Eier, welehe Dr. Krüper nach vielen vergeblichen Be- mühungen nun endlich aufgefunden hat und von denen der Sen- dung 3 Stück beigefügt waren, messen: Länge 17—17,5 Mm., Breite 15,25 Mm. Sie zeigen in Bezug auf ihre Färbung mehr den Charakter der Eier von Farus eristatus als den der Sta caesia, denen sie aber näher stehen als denen der Sita syriaca. Die Grundfarbe ist ein etwas in’s röthlich Gelbe ziehendes Weiss, die Zeichnung besteht aus rostrothen, meist nicht scharf abgegrenzten unregelmässigen Flecken, die am stumpfen Ende häufiger werden und hier vielfach ineinander fliessen. Gefunden wurden dieselben am 18. Mai a. c. 2. Picus syriacus Hempr. et Ehr. Der Vogel mit seiner an P. medius erinnernden Kopfzeichnung und seinem mehr dem P. major ähnlichen Schnabel ist wohl ge- nügend bekannt, die Eier dürften jedoch noch sehr wenig bekannt sein. Die Maasse sind folgende: Länge: Breite: Durchschnitt aus 5 Eiern: 26,30 Mm. 19,25 Mm. Maximum: 3050 20,00 „ Minimum: 24.10, 19,00» Respective: 23.00, 18,25 ,„ Sie stehen also hinsichtlich der Grösse zwischen P. major und P. medius, denen sie auch in Bezug auf Glanz und Form gleichen. 3. Ozylophus glandarius DW. Dr. Krüper schreibt in seinem die Sendung begleitenden Briefe von einem Gelege Pica vulgaris mit 5 Eiern, von denen 2 abwei- chend gefärbt sind, und einem Eie von Oxylophus glandarius, wel- ches ich mit den meinigen vergleichen sollte. Wer beschreibt aber mein Erstaunen, als beim Auspacken dieses Geleges ein zweites und gar noch ein drittes Kuckuksei durch meine Hände geht! Das von Dr. Krüper als dem Oxylophus glandarius bezeichnete Ei ist etwas abnorm in Grösse und Färbung, die beiden anderen jedoch, die Jugendkleider und Eier einiger Vögel aus Klein-Asien. 461 von einem Weibchen herzurühren scheinen, und die Dr. Krüper ohne Aufschrift gelassen hat, sind gerade ganz normale Eier un- sers Häherkuckuks. Da ich mit diesen 3 Eiern eine verhältnissmässig reiche Suite der immer noch sehr schwer zu bekommenden Eier von Oxylophus glandarius vor mir habe, will ich nicht unterlassen, hier die Maasse der einzelnen Eier aufzuführen. Länge: Breite: Vaterland: Aus dem Neste von: No. 1. 33,50, 25,28, Klein-Asien, Pica vulgaris. N022.%91,00, 23,19 h n a 5 No. 3. 31,00, 23,25, 2 n N N No. 4. 31,00, 24,00, Portugal, Oyanopieca Cooki. No. 30,15, 24,00, . “ 3 Ne. 6. 29,00, 22,25, e HH ” N0#7. 31,25, 23.50: Spanien, s " Ne. 8. 31,50, 23,50, " ? No. 2, 3, 5, 6, 7, 8 gleichen sich in Färbung und Zeichnung ungemein, und stimmen fast genau mit der Abbildung in Cab. Journ. 1853, t. V. überein. No. 4 zeigt mehr den Charakter der Dohleneier. No. 1 trägt auf blassmeergrünem Grunde, in gleich- mässiger Vertheilung über das ganze Ei, kleine graubräunliche Flecke und Punkte, und am stumpfen Ende grössere violettgrüne Flecke. Die Eier von Oxylophus sind bedeutend schwerer als Eier von Oorvus monedula. Ich habe nur solche Eier gewogen, bei denen ich mich überzeugen konnte, dass sie innen voliständig entleert und gut gereinigt waren, und dabei folgende Zahlen bekommen: Kuckuksei: Dohlenei von ganz gleichen Maassen: No. 1. 1025 Mgr. 7353 Mgr. No. 2. aQR DD No. 3. 32, 5 Ba, Ne. 5. SIR, Dat ..y 4. Garrulus melanocephalus Gene. Die grosse Mehrzahl unter den 20 Eiern des schwarzköpfisen Hähers, die Dr. Krüper geschickt hat, hat eine ziemlich lebhaft blaugrüne Grundfarbe, wie sie bei den Eiern des gemeinen Hähers zwar ebenfalls vorkommt, aber nicht so oft angetroffen wird. Ir- send welche durchgreifenden Unterschiede lassen sich jedoch nicht auftinden, auch die Maasse geben keinen Anhalt zur Unterscheidung. 462 Leonhard Stejneger: Garrulus glandarius : Garrulus melanocephalus : Länge: Breite: Länge: Breite: Durchschnitt (aus 100): 31,60, 23,00 (20). 30,80, 23,30. Maximum: 85,00, 23,00. 33,00, 23,00. Resp.: 33,00, 24,00. 31,00, 24,50. Minimum: 29,00, 21,00. 29,00, 23,00. Resp.: — — 29,50, 22,75. 5. Sylvia Rueppelli Temm. Im Juli geschossene junge Männchen sind oberseits bis auf die breit rostgelb gesäumten Schwungfedern fast einfarbig asch- grau und haben eine gleichmässig schmutzigweisse, lehmgelb an- geflogene Unterseite. Bei Exemplaren, die im August eingesam- melt wurden, fangen die Scheitelfedern an sich zu verfärben, indem das sich bildende Schwarz von unten nach oben in jeder einzelnen Feder fortschreitet, wodurch der Scheitel ein geschecktes Aussehen erhält. Von der schwarzen Kehle ist jedoch auch in dieser Alters- stufe der jungen Männchen noch keine Spur zu sehen. 6. Emberiza cinerea Strickl. Junge Vögel sind auf der ganzen hellrostselb überlaufenen Unterseite graubraun gestrichelt; an der Kehle am dichtesten und am gröbsten. Diese Flecke oder Striche verschwinden bei beiden Geschlechtern an Brust und Bauch, sobald die gelbe Färbung der Kehle hervorzutreten anfängt; bei den jungen Männchen verlieren sie sich auch an der Kehle, sobald diese völlig ausgefärbt ist, wäh- rend sie den Weibchen, wie bekannt, bleiben. Erst wenn die jun- gen Männchen die Flecke an der gelben Kehle völlig verloren ha- ben, zeigt sich die erste Spur eines gelben Anfluges zwischen Stirn und Scheitel, und Brust und Bauch werden heller. Schnabel und. Füsse scheinen sich nicht merklich zu verändern, und die gelben Federn an der Brust zeigen sich erst beim alten Männchen im Hochzeitskleide. Nachtrag zu den ornithologischen Notizen aus Meran, Süd-Tirol. Von Leonhard Stejneger. (Siehe Seite 122—124.) Ich gebe hier diejenigen Beobachtungen, welche ich in Meran seit dem 23. Januar d. J. noch zu machen Gelegenheit hatte. Sie Nachtrag zu den ornithologischen Notizen aus Meran. 465 bieten nur sehr wenig von Interesse, es wäre denn, dass sie die Armuth der Gegend an Vögeln constatiren. Weil sie aber meine früheren Notizen immerhin etwas vervollständigen, so lasse ich sie hier folgen: Aguila fulva L. — 15. März war ein lebendiger Steinadler zum Verkauf ausgestellt. Die Bauern nannten ihn „Geier“. Zu 6. Tichodroma phoenicoptera Temm. — 11. März 1871 sah ich selbst einen Mauerläufer auf den unzugänglichen Felsen Ze- noburgs herumklettern. Er war gar nicht scheu und liess sich sehr gut beobachten. Noch den 22. März sah ich ihn auf derselben Stelle. Zu9. Parus ater L. — Ende März sah ich mehrere Meisen dieser Art im Tannenwalde hinter Schloss Laders. Scheint häufiger zu sein, als ich Anfangs glaubte. Zu 1lö. Fringilla nivalis L. — 13. Februar bekam ich wie- der einen Schneefinken. Fringilla linaria Lin. — Diesen Finken habe ich nur ein- mal getroffen. 31. Januar kaufte ich einen lebenden, der mir spä- ter entkam. Zu 24. Unter den Kreuzschnäbeln, die mir zu Gesicht kamen, mögen wohl viele zu curvrostra L. gehören. Ich bekam jedoch mehrere püyopsitacus. e Zu 26 und 27. Pica caudatal. und Garrulus glandarius Bris. waren beide ungewöhnlich zahlreich die ersten Monate von 1871. Von Mitte Februar an sah ich nur einzelne. Turdus torguatus L. — 4. Februar ein einziges Exemplar beim Händler. Hirundo rustica L. — Die ersten Schwalben kamen 1871 den 31. März an. . Tetrao urogallus L. — sah ich einigemal beim Vogelhänd- ler, zuletzt Februar 1871. Gallinula chloropus Lath. — Den 31. März ein lebendiges Exemplar auf dem Markte. Anas crecea L. — 31. März 1871 ein & beim Händler. — Nachschrift. Ich beschäftige mich jetzt mit den Sitta- Arten, bin aber in Mangel von Specimina. Zum Tausche könnte ich Bälge gemeiner Vogelarten aus Norwegen anbieten, vielleicht auch Bier einiger norwegischer Schwimmvögel. Für den Fall, dass Je- mand mit mir in Tauschverbindung treten wollte, gebe ich hier meine Adresse: „St. Olafs gade No. 26. Kristiania, Norwegen.“ Kristiania, 15. Nov. 1871. Leonhard Stejneger. 464 J.Hocker: Ueber d. verschiedene Färbung d. Eier v. Lan. minor. Ueber die verschiedene Färbung der Eier von Lanius minor. Im VI. Jahrg. des Journals 1858, pag. 43 theilt Pastor Pässler - seine Ansicht mit über die verschiedene Färbung der Eier des Za- nius collurio. Er sagt, nach langjähriger Beobachtung sei er zu der Ueberzeugung gekommen, dass Dr. Gloger vollkommen Recht habe, wenn er behaupte, dass die bleichgrünen Eier mit aschgrauen Un- terflecken von jungen, die mit röthlicher Grundfarbe und röthlichen Flecken dagegen von alten Weibchen herrührten. Obgleich nun Alex. v. Homeyer p. 323 desselben Jahrgangs diese Verschiedenheit an bestimmte Localverhältnisse gebunden glaubt, so kann ich nach mei- nen, freilich nur oberflächlichen, Beobachtungen nur der Behauptung des Herrn Pastor Pässler beistimmen, und dies zwar auch in Bezug auf die Eier des Lanius minor, welchen ich seit langen Jahren ganz in der Nähe zu beobachten Gelegenheit hatte. Auf der Westseite meines früheren Wohnortes standen eine Reihe hoher Pappeln, auf welchen jährlich 2— 3 Nester dieses Würgers waren. Oft erhielt ich von diesen ganze Gelege, welche bei lebhafter Grundfarbe eine theils violettgraue, theils dunkelröthliche Fleckenzeichnung hatten. Diese verschiedenartige Färbung der Eier beachtete ich indess nicht so, bis ich endlich durch eine von den gewöhnlichen Eiern ganz abweichende Färbung derselben aufmerksamer wurde. Es hatte sich nämlich hinter meinem Garten in einer Baumpflanzug ein Pär- chen dieser Würger auf einem Apfelbaume sein Nest gebaut. Ich hatte früher gesehen, dass sich die Vögel in den Pappelbäumen, ihrem mir bekannten Nistplatze, schreiend herumjagten, und ver- muthete nun, dass obiges Pärchen ein junges, von den Alten ver- triebenes sein möchte. In dieser meiner Ansicht wurde ich um so mehr bestärkt, nachdem ich den Baum erstiegen und in dem Neste nur 4 schon bebrütete Eier fand, welche kleiner, aber läng- licher als die gewöhnlichen - waren und bei heilgrüner Grundfarbe sehr einzelne aschgraue Unterflecken ohne Oberzeichnung hat- ten. Auch bei Zanius rufus habe ich diese verschiedene Färbung der Eier gefunden, indem ich gewöhnlich solche mit grösseren ver- waschenen Flecken (nicht charakteristische Kennzeichen dieser Eier) erhielt, einmal aber in einem selbst ausgenommenen Neste Eier fand, welche nur zarte aschgraue Punkte hatten und den Eiern des collurio von jüngeren Weibchen sehr ähnlich waren. Obgleich ich nun den allmähligen Uebergang von einer Färbung zur andern bis zur eudlichen Ausfärbung der Eier nicht so beobachtet habe, wie Herr Pastor Pässler, so glaube ich doch nach den von mir gemachten Erfahrungen nicht nur der Ansicht desselben vollkom- men beistimmen zu können, sondern wage auch zu behaupten, dass die genannte Verschiedenheit der Eier bei allen hier heimischen Danius-Arten, und zwar aus der oben erwähnten Ursache vorkommt. Gotha. J. Hocker, Past. emerit. Druck von G. Pätz in Naumburg *la ; Acanthis linaria, 311. — rufescens, 311. Aecentor alpinus, 112.123. 197. — modularis, 66. 123. 197. 221. 225. Aceipiter Cooperi, 367. — fringilloides, 265. 274. 368. — fuscus, 368. — Gundlachi, 367. — nisus, 181, — pileatus, 367. Aceipitres, 158. Accipitrinae, 441. Actaeon, 4. Actitis, 427. — hypoleucus, 21, 22. 23. 25. 140. 388. — rufescens, 213. Actiturus, 427. — Bartramius, 291. — longieaudus, 291. Actodroma minuta, 140. 298. —- Temminckii, 24. 140. Actodromas minutilla, 291. — Wilsonii, 291. Adophoneus nisorius, 197. Addon familiaris, 213. Aegialeus tenuirostris, 292. 294, Aegialites cantiana, 301. — fluviatilis, 137. — hiatieula, 12. 24. 92. 103. 221. 384. — minor, 24. Aegithalus pendulinus,130. 190. Aepyornis, 249. 250. 319. Aethyja ferina, 21. Agelaeus assimilis, 287. — phoeniceus, 287. Agrodroma campestris, 297. Aithyia ferina, 149, — nyroca, 148. Alauda, 458. — alpestris, 191. Cab. Journ f. Ornith. XIX. Jahrg. 24, INDEX. 1871. Alauda arborea, 24. 66. 190. arvensis, 24. 65. 66. 69. 72. 110. 123. 190. 299. brachydactyla, 213. calandra, 191. cinetura, 5. eristata, 118. 191. 228. 299. elegans, 5. frontalis, 6. nemorosa, 70. pallida, 5. Alaudidae, 454. Alca torda, 10. 84. 92. Alcae, 324 u. f. Alcedinidae, 400. 445. 448. Alcedo, 336, — alcyon, 265. 270. 276. — ispida, 66. 135. 188. 331. — semicoerulea, 4. Alcidae, 414. 418. 419. Alecthelia, 429. Alectorides, 326 u. f. A mauresthes fringilloides, 236. Ammodromus maritimus, 269. 287. Ammomanes regulus, 6, Ampelinae, 455. Ampelis garrulus, 200. Anabates, 458. — Fernandinae, 282. Anabatidae, 455. Anas, 458. acuta, 21. 24. 213, 273. 283. affınis, 278. americana, 273. 278. arborea, 278. bahamensis, 273. boschas, 21. 24. 121. 124. 146. 236. 283. 304. carolinensis, 283. caudacuta, 273. clangula, 121. clypeata, 278. 280. 289. collaris, 283. No. 114, November 1871. Anas crecea, 21. 24. 121: 148. 304, 463, cyanoptera, 289. discors, 278. dispar, 107. dominica, 278. ferina, 121. 252. 256. fuligula, 121. fusca, 121. glacialis, 106. 121. histrionica, 92. 107. marila, 278. 280. mariloides, 280. mexicana, 278. 280. mollissima, 12. 82. 85. 106. 107, moschata, 256. 273. nigra, 10. 12. 107. 290. obscura, 289, penelope, 24. 304. querquedula, 21. 24. 25. 64. 121, 148. 256. 304, rubida, 283. rufitorques, 283, spectabilis, 106, spinosa, 278, sponsa, 267. 278. Stelleri, 208. strepera, 213. — tadorna, 10. 82. Anates, 418. 420. Anatidae, 323 u. f. Anous stolidus, 279. Anser albifrons, 22. 146. 283. — bernicla, 88. 102. brachyrhynchus, 86. 87. 92. 102. 104. 107. cinereus, 83. 146. 213. 252. 255. eygnoides, 255. Gambelii, 283. — hyperboreus, 107. — segetum, 10. 22. 106. 107. 146. 252. Anseranas, 421. 458. Anseres, 332. 333. 351. 400. 418. 420. 30 466 Anserinae, 159. Anthropoides, 329 u. f. — virgo, 298. Anthus aquaticus, 115.191. — arboreus, 65. 68. 70. 113. 191. — eampestris, 191. — cervinus, 192. 213. — Judovieianus, 213. — pratensis, 12. 67. 106. 192, — Richardi, 212. 213. 214. 395. — rufogularis, 120. — spinoletta, 123.191. 212, Antrostomus carolinensis, 276, — cubanensis, 276. 286. — vociferus, 286. Aptenodytes, 328 u. f. Aptenodytidae, 327. 337. Apternus tridactylus, 186. Apterygidae, 405. 428. Apteryx, 251.319. 327 u. f. Aquila, 326. 329. 330. 347. 441, albieilla, 153. Bonellii, 176. chrysaätos, 176, 296. clanga, 176. — fulva, 22. 63. 153. 176, 296. 463. — heliaca, 176. — imperialis, 176, — leucocephala, 153. — naevia, 63. 72, 116. 176, 211. 221. — pennata, 61. Aquilae, 334. Aquilinae, 441. Aramides, 429 Aramus giganteus, 267.278. — Guarauna, 278, — scolopaceus, 267. Archibuteo lagopus, 63. 18. Ardea, 329 u. f. — alba, 64. 266. 271. 277. 280. 391. brunnescens, 282. caerulea, 266, 271. 277. candidissima, 271. 277. cayennensis, 272. cinerea, 8, 142, 302.390, comata, 391. eubensis, 282, 288. Egretta, 266. 271. 277. 280, 391. exilis, 266. 277, — flavirostris, 8. — INDEX. Ardea garzetta, 8. 121. 391. — Herodias, 271. 277. — lentiginosa, 282. — leucogastra, DIT. ludovieiana, 271. minuta, 75. 213. 391. nycticorax, 391. occidentalis, 271. 282. Pealii, 282. purpurea, 143. 390. ralloides, 391. rufa, 282. rufescens, 282. ruficollis, 272. 277. stellaris, 391. violacea, 272. — virescens, 266. 271. 277. Ardeidae, 406. 431. Ardeola minuta, 391. 458. Ardetta, 329. — minor, 143. Arenaria calidris, 283. Argus, 438. Ascalopax gallinago, 112. — major, 212, Astragalinus tristis, 19. Astur Cooperi, 281. 234. — Gundlachi, 281. 284. — nisus, 4. 22. 24. 65, 67. 211. — palumbarius, 22. 24. 65. os en — pileatus, 281. 284. Asturidae, 329. Asturina einerea, 360. Athene noctua, 66. 183. Attagis, 428. Aulanax fuscus, 286. — Lembeyei, 286. Balaeniceps, 433. Balearica, 336. 339, Berniela, 458. — brenta, 86. 104. 107. — leucopsis, 24. 86. 104. — rufieollis, 107. Blacieus caribaeus, 266. 275. Bombyeilla americana, 269. — cedrorum, 269. — garrula, 200, 221. Bonasia, 438. — sylvestris, 66. 70. 312. Botaurus, 329. 352. — lentiginosus, 288. 293. — minor, 288. — stellaris, 144. 391. Bracehyotus Cassinii, 281. 285. 375. — palustris, 184. 285. — vulgaris, 296. Brachyurus bankanus, 80. — megarhynchus, 80. — oreas, 80. Brevipennes, 324, 428, Bubo maximus, 116. 183, 221. Bucconidae, 158. 445. 452. Buc:ridae, 327 u. f. Buceros, 326. 333. — abyssinieus, 406. 450. Bucerotidae, 445. 450. Budytes cinereocapilla, 192, — eitreola, 213. — flavus, 192. 214. Buphus ralloides, 391. Butalis grisola, 200. Buteo, 552. — borealis, 281. 365. cinereus, 178. communis, 109. desertorum, 109. lagopus, 24. 109. 153. 222. latissimus, 281. — pennsylvanicus, 366. — tachardus, 56. 109. 153. — vulgaris, 22. 24. 63. 64. 153. 211. : Cacatua moluccensis, 329. Caccabis, 438. Caereba cyanea, 276. Caesarornis Alleni, 34. Calamodyta aquatica, 195. — arundinacea, 194, — fluviatilis, 195. — locustella, 195. — palustris, 195. — phragmitis, 195. — turdoides, 194, Calamoherpe arundinacea, 226. — brevipennis, 4. — certhiola, 213, palustris, 227, — phragmitis, 12. 226. turdoides, 227. 297. Calamophilus biarmicus, 190; Calidris, 429. — arenaria, 92. 107. 140. 283. 301. 387. Calliste florida, 80. Campephaga Anderssoni, 240. 281. Campephilus, 458. — Bairdii, 276. 288. 291. 293. — principalis, 288, 291. Canutus, 429. — islandieus, 301. Capitonidae, 445. 452. Caprimulgidae, 328 u. f. 403. 405. 448. Caprimulginae, 446. Caprimulgus, 326 u. f. — carolinensis, 276. — celimacurus, 214. — europaeus, 137. — voeciferus, 276. Carbo cormoranus, 10. 151. 231. — graculus, 83. Carduelis elegans, 309. pinus, 276. Carpodacus erythrinus,215. — purpureus, 18. Caryocatactes guttatus, 123. Cassieus cayanus, 270. — cayennensis, 270. — flavigaster, 270. 273. — niger, 270. Casuarinae, 405. 428. Casuarius, 251. 327 u. £. Cathartes, 329. 347. — aura, 267. 274. 353. Cathartidae, 440. ‚Catheturus, 437. — Lathami, 399. Cecropis rustica, 201. Centropus, 458. Cepphus Columba, 101.206. — gıylle, 82. 84. 100. 101. 206. — Mandti, 85. 90. 100. 101. 105. 107. 206. — Meissneri, 206. Cereopsis novae hollan- diae, 255. Ceriornis Blythii, 79. Certhia brachydactyla, 151. 189. — familiarıs, 72. 122. 131. 189. — muraria, 189. Certhiadae, 348. 349. 457. Certhiola, 319. Chaeturina, 447. Chaleophanes baritus, 270. 288. 291. — Gundlachi, 292. 293. — Helenae, 288. — Quisealus, 288. Charadriadae, 327 u. f. Charadrieae, 426. Charadrius auratus, 12. 23. 383. 270. 291. INDEX. Charadrius cantianus, 384. — curonieus, 384. — fluviatilis, 384. — hiaticula, 384. marmoratus, 283. morinellus, 119. 121.383. oedienemus, 383. orientalis, 213. pluvialis, 81. 83. semipalmatus, 283. virginianus, 213. virginicus, 283. vociferus, 267. 271. 278. — Wilsonius, 283. Chaulelasmus streperus, 147. 292. 294. Chelidon urbica, 201. Chen caerulescens, 294, Chionis, 427. Chloris vulgaris, 295. Chlorospingus Goering], 239. Chlorospiza chloris, 308. Chordedilinae, 446. Chordeiles minor, 282. — virginianus, 282. Chroicocephalus minutus, 150, — ridibundus, 149. Chrysolampis chlorolaema, — 292. Chrysomitris pinus, 287. — spinus, 308. Ciconia, 326 u. f. 458. — alba, 144. 223. 257, 392. — nigra, 121, 144. 213, 257. 392. Ciconiidae, 431. Cinelinae, 457. Cinelus aquaticus, 10. 64. 66. 111. 123. 192. Circaötos gallieus, 177.211. — hypoleucus, 214. Circinae, 441. Circus, 329. — aeruginosus, 181. — eyaneus, 274, — hudsonius, 274. 369, Cladorhynchus, 425. Clamatores, 324 u. f. 453. Clangula americana, 290. Clytoctantes Alixii, 80. Clytorhynchus pachyce- phaloides, 80. Coceoborus coeruleus, 282. — ludovicianus, 282. Coceothraustes vulgaris, 123. 307, Coccyzus, 79. 467 Coceyzus americanus, 270. 277. — carolinensis, 270. 277. — dominicus, 270. — erythrophthalmus, 270, ' 232. 293. — minor, 282. — seniculus, 282. Colaptes auratus, 266. 277. 288. — chrysocaulosus, 277. 288. — Fernandinae, 266. 277, — supereiliaris, 266. 277. Coliidae, 445. 446. Colius, 326 u. f. Columba, 324 u. f. caniceps, 232. caribaea, 271. carolinensis, 277. corensis, 277. eyanocephala, 277. dominieensis, 271. inornata, 266. 277. 282. jamaicensis, 271. — leucocephala, 266. 271. 277, livia, 7. 256. 311. montana, 277. mystacea, 282. oenas, 69. 70. 135. 256.. 3ll. 314, palumbus, 256. 311.314. passerina, 271. 277. portoricensis, 277. risoria, 312. squamosa, 271. torquata, 311. turtur, 221. 312. 314. zenaida, 266. 277. Columbae, 158. 327 u. £. Colymbidae, 324 u. f. 414. 417, Colymbus, 324 u. f. — arcticus, 107. 121. carolinensis, 278. dominicensis, 278. dominieus, 278. glacialis, 107. septentrionalis, 11. 13. 82. 86. 90. 105. 106, 121. 151. Conirostres, 158. Contopus virens, 266. Conurus cactorum, 236. 266, — — — 223. 296. — — evops, 271. 277, 288, 291. 293. — guyanensis, 271. 277. 288. 291. 30* 468 Conurus squamosus, 271. Coraciadae, 331. Coraeias, 331 u.f. 445. 450. — garrula, 134. 188. 212. Corethrura, 432. Corvidae, 407. 456. 457. Corvini, 353. Corvus, 458. — taryocatactes, 202. 315. corax, 10. 11. 83. 117. 123. 204, cornix, 10. 64. 83. 106. 123. 203. 212. 224. 314. corone, 5. 24, 64.65 72, 110. 123. 203. 212. 224. 314. frugilegus, 10. 203. 221. Sl4. glandarius, 202. jamaicensis, 266. 276. minutus, 282. monedula, 64. 66, 202, nasicus, 266. 276. pica, 10. 11. 24. 202. — spermologus, 214. Corydon, 449, Coryphistera alaudina, 79. Corys arborea, 25. Corythaix persa, 155. Corythus enucleator, 309. Coturniculus passerinus, 270. Coturnix communis, 8.380. — dactylisonans, 136. Cotyle riparia, 10. 24. 25. 201. 293. — rupestris, 61. Cracidae, 80. 329. 330. Cracinae, 437. Crax, 340. 458. Crex, 429. — pratensis, 10. 119. 145. 298, Crithagra albigularis, 17. — butyracea, 15. — Hartlaubii, 15, — Selbyi, 17. Crossoptilon, 438. Crotophaga, 332. 336. — anı, 266. 277. 288. 291. 292. — rugirostris, 291. 292, — suleirostris, 266. 288. 292. Crucirostra abietum, 310. Crypturidae, 331 u. f. 428. Cuculidae, 406. 407. 445, 452. Cuculinae, 452. Cueulus, 326 u. f. — — — — _— INDEX. Cueulus eanorus, 12. 70. 133. 187. — dominieus, 270. — rufus, 187. — vetula, 271. Culieivora caerulea, 275. Curruca atricapilla, 197. — cinerea, 197. — garrula, 197. — hortensis, 197. Cursorieae, 426. Curvirostra pinetorum,310. Cyanecula coerulecula,315. — leucocyana, 315. — suecica, 12. 24. 315. Cyanistes eyanus, 124. Cyanopica ÜCooki, 461. Cyanopterus discors, 289. Cyanospiza ciris, 276. — cyanea, 276. Cygnidae, 418. 420. Cygnus, 329. 338. — musicus, 24. 106. 146. 252. 329. 338, 349, 351. — olor, 252. 339. 351. — plutonius, 252. Cymindis cayennensis, 360. — uneinatus, 281. 360. — Wilsoni, 360. Cynchramus miliaria, 305. Cypselidae, 328 u. f. 403. 445, 447. Cypselus, 326 u. f. — apus, 9. 10. 65. 66. 69, 70. 118. 187, — Iradii, 282. 286. — melba, 187. — unicolor, 9. Dacelo erythrorhynchus, 4. Daphila acuta, 148. Dendrocolaptes, 327. Dendrocolaptidae, 79. 400. Dendrocolaptinae, 456. Dendrocopus major, 185, — medius, 185. ı Dendrocygna, 418. 420.458. | — arborea, 273. Dendrotalco subbuteo, 22. Dendroica Gundlachi, 291, Dentirostres, 158, Dicholophus, 333, 335, 343, 345. 425. Didunculus, 331. Didus, 329. 331. Diglossa gloriosa, 239, Dinornis, 249. 251. 319. — elephantopus, 329. Diomedea, 325. Dolichonyx oryzivorus,273. 282, Drepaninae, 454. Dromadinae, 425. Dromaeus, 251. 327 u. f. 428. Dromolaea leucura, 61. — monacha, 61. Drymoeca Antinorii, 79. — brachyptera, 240. — troglodytes, 79. Dryocopus martius, 186. Dysporus fiber, 273. 278. — sula, 8. 273. Egretta alba, 391. — garzetta, 391. Elainea, 239. Elanus melanopterus, 4. Emberiza arundinacea,305. — aureola, 213. barbata, 306. caesia, 213. cia, 119. 122. 306. cinerea, 462. eirlus, 295. 307. eitrinella, 10. 65. 69. 72, 110. 122, 2283. 307. fucata, 215. hortulana, 221. 306. melanocephala,213.307. miliaria, 305. nivalis, 305. pallida, 282. passerina, 282. pityornis, 307. pusilla, 213. rustica, 215. savanna, 282. schoeniclus, 82. 305. — socialis, 282. Empidonax acadieus, 268. 286, — pusillus, 286. Enneoetonus eollurio, 202. — rufus, 202. Ephialtes scops, 155. Epopidae, 332. 336. 348.351. Eremomela canescens, 79. Ereunetes, 426, — Mauri, 289, 291. petrificatus, 272, 291. — pusillus, 283. 291. — semipalmatus, 289. Eriodoridae, 455. Erithacus rubecula, 226. Erythropus vespertinus, 24. 180. —— — —— — ErerrBareee Erythrosterna parva, 200. Erythrothorax erythrina, 24. Estrelda astrild, 7. — cinerea, 7. Estrelda melpoda, 7. — phoenieotis, 7. — subflava, 7. Eudoeimus ruber, 288. Eudromias asiaticus, 213. — morinellus, 106. 383, Euethia eanora, 19. 266. 276. 282, -— lepida, 269. 276. Eulabeornis, 429. Euligia Bartramia, 289. Euphema pulchella, 236. Euphona musica, 286. Euphone musica, 281. Euphonia chrysogasta, 80. Eurylaeminae, 326 u. f. 445. 448, Eurypyga, 427. Eurystomus, 445. 448. Euspiza melanocephala, 307. Falcinellus chus, 288. — Ordii, 288. Falco, 39. 49. 326. 329. abietinus, 49. aeruginosus, 181. aesalon, 10. 24. 63. 120. 180, alphanet, 42. 45. 54, anatum, 50. 281. 371. apivorus, 178. ater, 153. babylonicus, 42. 45. barbaricus, 41. 44. barbarus, 41. 42. 44, 93. 54. 58. biarmieus, 41. 44, 47. Bonellii, 176. brachydactylus, 177. brasiliensis, 357. buteo, 106. 178, ealidus, 50. 52. eenchris, 153. 181. cervicalis, 41. 44, 47. 48. cheriway, 357. chiqueroides, 47, einerascens, 181. eolumbarius, 274. communis, 49, 50. 51. 129. concolor, 214. cyaneus, 181. dominicensis, 265. 267. 274. Feldeggiü, 42. 43. 44. 45. 47. 53. 54, — fuseus, 50. 51. — gyrfaleo, 49. 51. 91. 154, — halıaötus, 177. erythrorhyn- — — INDEX. Falco herbaceus, 52. — hudsonicus, 267. — ıslandieus, 83. 91. 106. 107. jugger, 48. lagopus, 178. lanarius, 41. 42 44.45, 49. 179. lanarius capensis, 47. lanarius graecus, 42. lanarius nubicus, 41.42. laniarius, 41. 43. 44. lugger, 49. mäcropus, 53. melanogenys, 50. 53. mercurialis, 267. mexicanus, 41. milvus, 153. 178. minor, 50. 51. 54. 56. nisus, 181. Osiris, 41. ossifragus, 177. pallidus, 182. palumbarius, 181. peregrinator, 42. 52. — 45. 46. 52. 53. 54. 55. peregrinus, 49. 52. 53, 65. 179. 281. 295. plumbiceps, 267. puniceus, 44. 53. 54. ruber indicus, 52. rufipes, 63. 153. 180. sacer, 63. 179. shaheen, 52. — — 274. Stanleyi, 367. subbuteo, 180, subniger, 53. sultaneus, 52. tanypterus, 41. 42. 43. 45. 47. 48. 54. 59. thermophilus, 49. tinnunculus, 4. 122. 153. 180. uliginosus, 267. — vespertinus, 120. Falconidae, 333, Faleoninae, 441. Ficedula elaeica, 5. — ieterina, 214. Fissirostres, 158. Fluvicolinae, 455. Formicariidae, 80. Franeolinus, 438. — rubricollis, 239. Fregata aquila, 279. peregrinoides, 42. 44, 107. 108. 116. 154. sparverioides, 265. 267. sparverius, 265.267. 274. 469 Fringilla cannabina, 65. 228. 311. earduelis, 122. 309. chloris, 122. 308. eitrinella, 213. coceothraustes, 307. coelebs, 10 12. 24. 62. 66. 68. 69. 71. 113, 122. 308. Cubae, 282. 287. domestica, 308. domestica var. Italiae, 122. dominicana, 276. 280, incerta, 214. lepida, 269. 276. linaria, 12. 24. 83. 120. 311. 463. montana, 122. 308. montifringilla, 24. 122. 508. montium, 311. nivalis, 120. 122. 310. 463. petronia, 210. serinus, 64. 69. 110. 309. spinus, 24. 65. 67. 69. 71. 110. 121. 122, 308. Fuliea, 329. 341. 430. 432, 458, — americana, 272.273.280. atra, 64. 124. 145. 222. 278. 280. 382. chloropus, 381. leucopyga, 272. Fuligula, 458. — affınis, 290. elangula, 21. 25. 149, eristata, 22. 24. 25. ferina, 219. 223. marila, 24. mariloides, 290. nyroca, 223, — rufına, 64, 223. Fuligulae, 418. 420. Furnariinae, 455. Galbula, 328. 336. Galbulidae, 327 u. f. 405, 445. 451. Galeoscoptes 291. 293. Galerita cristata, 191, Gallinacei, 324 u. f. Gallinae, 158. Gallinago gallinula, 386. — major, 139. — scolopacina, 386. Gallinula Baillenii, 121. — 22. 24. schistacea, 24, 139. 470 Gallinula chloropus, 145. 278. 280. 381, 463, — galeata, 278. 280. — Martinica, 267. — pusilla, 109. 121. Gallinulae, 432. Gallus, 251. 438. 458. Gambetta melanoleuca, 294. Garrulus glandarius, 24. 110. 123. 202. 231. 462, 463. — melanocephalus, 461. Geeinus canus, 186. — viridis, 132. 186, Gelochelidon anglica, 279. — aranea, 294. Gennaja, 39. 41. Geococeyx, 452. 458 Geothlypis trichas, 269.275. Glareola, 427. — austriaca, 384. — pratincola, 137. 384. Glaucidium passerinum, 64. 120. 182. \ — Sıju, 265. 268. 375. Glottis canescens, 23. 142. 389. Goura, 330. Gouridae, 443. Gracula baryta, 276. — Quiscala, 270. Grallae, 400. Grallatores, 324. 335. 338. 346. Grues, 332. 334. 336. 352. Gruidae, 427. Grus, 251. 327 u. f. — americana, 271. — canadensis, 271. 282. — ceinerea, 142. 212, 303. 325. 329, 382. — pavonina, 9. — poliophaea, 282. — struthio, 271. — Virgo, 213. Gygis, 458. Gymnoglaux nudipes, 376. 442 Gypaetos, 329. 330. 441. — alpinus, 159, Gypogeranidae, 440. Gypogeranus, 330 u. f. Gyps fulvus, 175 Gyrantes, 405. Haematopus, 426. — ostralegus, 11. 21. 302. 389. — palliatus, 283. Haleyon rufiventris, 4. INDEX. Halceyonidae, 327 u. f. Halia&tos, 329. 330. 334. 338. 441. — albicilla, 10. 21. 24. 63. 65. 177. 295. 304. — vocifer, 3, Halieus, 247. — ceristatus, 273. — floridanus, 273. Haliplana fuliginosa, 279. Harelda glacialis, 89. 92. 105. Hedymeles 287. — melanocephala, 287. Helinaia Bachmannil, 281. — vermivora, 281. Heliornis, 416. 432. Helminthophaga chrysop- tera, 293.. — peregrina, 293. ludovieiana, Helmitherus Swainsoniij, 291.4293, Hemipalama, 426. — minor, 283. — semipalmata, 283. Henicocichla motacilla, 285. — noveboracensis, 285. — sulphurascens, 285. Herodias caerulea, 293. — egretta, 143. — garzetta, 143. — rufa, 288. — rufescens, 288. — St. Pealii, 288. Herodinidae, 324 u. f. Herpetotheres 'sociabilis, 362. Himantopus, 423. 426. — candidus, 386. — nigricollis, 272, — rufipes, 64. 121. 386. Hirundo americana, 281. — angolensis, 240. apus, 187. — bieolor, 282. ceoronata, 269. 281. eryptoleuca, 275. erythrogaster, 286. — fulva, 281. — horreorum, 281. 286. 291. 293. — purpurea, 275. — rıparia, 201. 282. — rufa, 286. 291. — rufula, 213. — rustica, 10. 12. 22. 24, 25.65. 66. 67. 69. 70. 107. 109. 110. 201. 240. 463. Hirundo urbica, 22.24. 25. 65.67.69. 70.72.110. 201. Hyas, 426. Hydrochelidon fissipes, 290. 292. — leucoptera, 150. — nigra, 150. 290. — plumbea, 292. 294. Hydrocicca, 432. Hydrornia Alleni, 34. Hyphantes baltimore, 293. — costototl, 287. — spurius, 287. 293. Hypoenemididae, 455. Hypolais hortensis, 296. — salicaria, 64. 69. 72. 110. 195. 196. HypomorphnusGundlachi, 281. 365. Hypotriorchis aesalon, 180. — columbarius, 372. — ferrugineus, 373. — subbuteo, 180. Ibidae, 431. Ibis alba, 272. 278. 283. — faleinellus, 283. 288. 390. 431. — Ordii, 288. — rubra, 36. 129. 272. 278. Icterus assimilis, 282. — dominicensis, 266. — humeralis, 276. — hypomelas, 266. 287. — laudabilis, 400. — versicolor, 270. Indieatorinae, 452. Irrisorinae, 455. Ithagenis, 438, Jagoensis, 4. Jynx torquilla, 133. 187. Lagopus, 439. — albus, 24. — alpinus, 92. 124. 205. brachydactylus, 103. — hemileucurus, 92. 98. 103. 205. — hyperboreus, 92. — Islandorum, 205. — mutus, 205. — Reinhardtii, 205. — es, 205. Lamellirostres, 324 u. f. Laniarius ieterus, 240, — Monteiri, 240. Laniidae, 407. 457. Lanius carolinensis, 268, — carolinus, 268. — collurio, 67. 202. 226. 464, — excubitor, 66. 201. 240. Lanius italieus, 201. — ludovieianus, 285. — major, 201. 214. — minor, 66. 201. 464. — phoenieurus, 213. --- rufus, 202. 464. Laridae, 324 u. f. Larinae, 418. 421. Larus, 247. 458, — argentatus, 10. 22. 23. 82. 149. 272.290. 292. atrieilla, 272. 279. eanus, 149. 221. 304. 103. 106. fuseus, 10. 106. 341. 303. roseus, 213. Sabinei, 91. 106. 290. 292. 294. — tridactylus, 85. 89. 93. 102. 103. 106. 107. — zonorhynchus, 290. Leistes humeralis, 266. Leptosominae, 445. 447. Lestridinae, 407. 418. 421. Lestris, 10. 329. — Buffoni, 92. 104. 107. — catarractes, 106. — parasitica, 82, 84. 89, 92. 104. 107. — pomarina, 91. 106, 121. — tephras, 92. Limicola, 429. — pygmaea, 140. 388. Limnodromus griseus, 283. — noveboracensis, 233. Limosa, 427. — aegocephala, 389. — fedoa, 283. — hudsonica, 283. melanura, 142. 389. Meyeri, 389. — rufa, 24. 302. 389. scolopacea, 289, — terek, 107. Linaria caniceps, 276. 287. Linota cannabina, 311. — montium, 311. Lipauginae, 455. Lobipes, 430. 458. — hyperboreus, 385. Locustella certhiola, 156. — fluviatilis, 297. 10. 23. 82. 106. eburneus, 90. 92. 102. glaucus, 88. 93. 94. 104. marinus, 82. 284. 290. ridibundus, 22. 23. 304. Smithsonianus, 272.284. INDEX. Locustella ochotensis, 156. Lophalector, 438, Lophophorus, 438. — Selateri, 79. Loxia bifasciata, 310. — butyracea, 314. curvirostra, 64. 67. 68. 69. 106. 111. 121. 310. enucleator, 309. leucoptera, 212. 215. naevia, 297. pithyopsittacus, 24. 122. 222. 310. pyrrhula,, 309. taenioptera, 215. 310. Luseinia, 458. Luscininae, 456. Lusciola erythaca, 199. — luseinia, 198. 221. — philomela, 198. 221. — phoenicura, 198. — rubecula, 198. — suecica, 198. — tithys, 221. Lycos monedula, 202. Lyrurus tetrix, 379. Machetes, 427. — pugnax, 23. 298. 388, Macrocereus tricolor, 277. Macrochires, 346. Macrorhamphus 289. 293. — scolopaceus, 293. Maecrotarsus nigricollis, 294, Mareca penelope, 21. 22. 23. 148, Megapodiidae, 434. 436, Megapodius, 251. 434. 458. Melanocorypha calandra, 295. Meleagrinae, 438. Meleagris, 251. 438. Melittarchus dominicensis, 286. — griseus, 286. Melopsittacus, 329. 347. — undulatus, 74. 347, Menura, 456. 458. Mergidae, 418. 420. Mergulus alle, 86. 90. 92. 105. 107. Mergus, 326 u. f. 458. — albellus, 25. 298. — .eastor, 219. — eueullatus, 273. 283. — serrator, 24. 25.217.219. Meropidae, 327 u. f. 445, 448, \ 140. 221. griseus, 471 Merops, 326. 333. 337. 350. — apiaster, 134. 188. — Forsteni, 231. Merula olivacea, 207. — rosea, 120. 222. — vulgaris, 314. Metoponia pusilla, 229. Miliaria valida, 295. Milvus, 329. 352. — ater, 3. 21. 179. 397. — niger, 179. 216, — regalis, 3. 178. 296, Mimoeichla schistacea, 291. 29. Mimus bahamensis, 294. — Gundlachi, 281. 293, 294, — Hillii, 294. Mniotilta varia, 282. 293. Molobrus sericeus, 76. Mombotidae, 327 u. f£. Monedula, 458. Montifringilla nivalis, 310. Mormon, 333. — aretica, 82. 92. 101. — fratercula, 107. — glacialis, 90. 101. 105. Morphnus, 441. _ Bon 281. 365. Motaeilla, 458. -— all, 121264165 123. 156. 192. 214. 227. 228. alpina, 197. boarula, 123. 192. campestris, 214. cinereocapilla, 64. Feldeggi, 192. —_ .Hava, Hl. .120s7192: — lugubris, 214. — oenanthe, 200. — sulphurea, 64. 65. 67. 69.111: 192, Munia ferruginea, 236. — malacca, 236, — sinensis, 236, Museicapa acadica, 281. albicollis, 200. 220. atricapilla, 200. collaris, 200. Elizabeth, 281. flaveola, 268. fusca, 281. grisola, 10. 24. 70. 200. olivaeea, 289. parva, 72.108. 116. 121. 200. — pusilla, 268. 281. — rutieilla, 268. 275. — virens, 266. 275. Musecipeta caribaea, 275, 120. 472 Musophaga, 458. Musophagidae, 328 u. f. 445. 447. Myiadestes Elizabeth, 281. Myiarchus erinitus, 293. — SNagıae, 275. Myiodioctes mitratus, 275. Mystacornis Crosleyi, 240. Natatores, 325. 335. Nauelerus furcatus, 370. Nectarinia aeik, 79. Neochmia phaöton, 236. Neophron, 338. 440. — perenopterus, 3. Neopipo rubieunda, 80. Niphaea hiemalis, 17. Nisus, 458. — fringilloides, 281. 285. — fuseus, 281. 285. Noctua nudipes, 281. — nyctea, 268. — Siju, 274. Notherodius giganteus, 289. — holosticetus, 289. — scolopaceus, 289. Nothura, 428 Nucifraga caryocatactes, 72. 116. 120. 202. 221. Numenius, 56. 426. 458. arquatus, 11.56. 57. 59, 60. 298. 302. 390. australis, 56. 57, 58. 59. 60. 395. borealis, 60. longirostris, 283. minor, 60. minutus, 60. nasieus, 57. 58. 59. 60. phaeopus, 9. 12. 24. 56. 60. 121. 142. 302. 390. Numida, 251. 438. 458. — meleagris, 7. Nychthemerus, 438. Nyeifraga caryocatactes, 159. — guttata, 117. Nyctale funerea, 185, — Tengmalmi, 64. 66. 112, 120, Nyctea nivea, 182.285. 331. — scandiaca, 91. Nyetibiinae, 445. 448. 449. Nyctibius jamaicensis, 273. 287. Nycticorax europaeus, 143. 391. — Gardeni, 277. — griseus, 391. — violacea, 266. 277. INDEX. Nycticorax vulgaris, 277. Oceanites, 413. — grallaria, 420. — Wilsoni, 272. a 452. 458, Odontophorinae, 438, Odontophorus rufus, 271. Oedemia amerleana, 290. — fusea, 25. 64. — nigra, 25. — er 213. Oedienemus, 425. — cerepitans, 383. Opisthocomus, 324 u. f. 433. Oraegithus pusillus, 229. Oreophasis, 437. Oriolus galbula, 204. 223. Orpheus lividus, 213. polyglottus, 274. Ortalida, 458. ÖOrthorhynchus 276. — Helenae, 282, — Ricordii, 276, Ortygarchus, 429. Ortygis, 428. Ortygometra, 432. — crex, 381. — minuta, 61. — porzana, 145. 298. — pusilla, 145. — pygmaea, 61. Ortyx Cubanensis, 271. 277. — virginianus, 277. Oseines, 247. 324 u.f. 453. Otididae, 425. Otis, 251. 333 u. £. — Mae Queenii, 222. — tarda, 121. 136, 382. — tetrax, 137. 298. 382, Otus brachyotus, 281. — Siguapa, 274. 374, — vulgaris, 184. Oxylophus glandarius, 460. Pachycephalidae, 80. Palaeornis torquatus, 155. Palamedea, 333 u. £. Palamedeae, 431. Palumbaena oenas, 311. Palumbus torquatus, 135. Pandion, 330. 338, 441. — carolinensis, 281. 364. — haliaötos, 3. 21. 24. 177. 281. Paradiseidae, 456. Paridae, 457. Parra, 329. 332. — Jacana, 267. 272. 278. Parridae, 405. 406. 433. Parula americana, 275, colubris, Parus ater, 70. 122. 189. 463. biarmieus, 190. borealis, 24, 25. caudatus, 24. 122. einctus, 237. coeruleus, 24. 122, 236. eristatus, 24. 190. 1 eyanus, 124. 189, | major, 24. 65. 122. 189. obtectus, 237. palustris, 122. 190. — pendulinus, 190. — sibiricus, 237. Passer domesticus, 10. 24. 72. 308. — erythrophrys, 6. — Hansmanni, 6, — jagoensis, 6. 7. — montanus, 24, 308. — pusillus, 229. — salicarlus, 6. Passerina ciris, 276. — collaris, 282. — cyanea, 276. — olivacea, 269. 276. Pastor roseus, 64. 204. Pavo, 251. 352. 438. 458. Pelargopsis, 240. Pelecanidae, 324 u. f. 417. 418, Pelecanus, 247, 340. 458. — fuscus, 273. 278. — Sharpei, 239, — Thajus, 273. Pelidna, 429, — cinelus, 387. minuta, 387, — pectoralis, 289. pusilla, 289. Schinzil, 289. 387. — subarquata, 24.301.387. Penelope, 458. Penelopidae, 330. Penelopinae, 437. Perdieinae, 438. Perdix, 251. 458. — cinerea, 124. 136. — coturnix, 124. — rubra, 313. — saxatilis, 121. 124. Periglossa tigrina, 275. Pernis apivorus, 56. 109. 153. 178. Petrochelidon fulva, 269. Petroeichla saxatilis, 118. 123. Petrocinela saxatilis, 199. Petronia stulta, 155. — —— Pezoporus, 347, Phaöton aethereus, 8. 270. 290. — ceandidus, 8. 290. — flavirostris, 279. 290. Phaötontidae, 417. 418. Phalacrocoraeidae, 417. 418. Phalacrocorax, 323. 340. 351. 458. — eristatus, 214, — foridanus, 278. 280, — graculus, 278. 280. — mexicanus, 284. 290. — resplendens, 284. 290. — Townsendi, 284. 290. Phalaropodidae, 429. Phalaropus, 430. 458. — angustirostris, 385. _ — cinereus, 81. 82.90. 222, — fuliearius, 90. 103. 385. — platyrhynchus, 385. — rufescens, 222. Phasianidae, 330. 438. Phasianus, 251. 438. — elegans, 80. Phileremos Kollyi, 214. Philolimnos gallinula, 139. Phoenicopteridae, 406. 418. 421. Phoenicopterus, 239. 329. 413. 4583, — americanus, 272. 278, — antiquorum, 9. — ruber, 272. 278. Pholidocoma musica, 14. Phyllomanes barbatulus, 268. 274. — olivaceus, 291. 293. Phyllopneuste borealis, 213. fuscata, 156, 394. hypolais, 223. montana, 120. rufa, 65. 69, 70. 110. 196, Schwarzi, 156. sibilatrix, 72. 196, sibirica, 157. superciliosa, 213. trochilus, 11. 196, Phylloscopus fuscatus, 157. Phytotomidae, 455. Pica caudata, 123. 202. 223. 463. — vulgaris, 461. Picidae, 327 u.f. 445, 452, Pieus, 326. 343. 458. — ceanus, 132. 186. 211. — cirris, 186. - INDEX. Picus leuconotus, 24. 186, 211. major, 24. 66. 113, 122. 132. 185, martius, 24, 65. 66. 122. 185. 221. medius, 133, 185. minor, 24. 118. 186._ percussus, 266. 270. 277, pipra, 186. prineipalis, 276. radiolatus, 270. ruficeps, 270. supereiliaris, 270. syriacus, 460. tridactylus, 64. 120. 186, varius, 277. viridis, 122. 186. Piprinae, 455. Planesticus migratorius, 291. 293. Platalea, 329. 331. 337. 346, — ajaja, 36. 272. 277. — leucerodia, 222. 392. Plataleinae, 431. Platycereus, 347. — multicolor, 236. — paradiseus, 236. — scapulatus, 236. Platypus, 326. 329. 352. Platyrhynchinae, 455. Plectrophanes nivalis, 102. 106. 220. 305. Plegadis faleinellus, 390, Ploceinae, 74. Plotidae, 417. 418, Plotus anhinga, 273. 284. Pluvialis apriearius, 383. — Podarginae, 445. 448, 449, Podargus, 331. Podica, 416. 432, Podiceps, 324 u. f. 458, — cristatus, 151. — minor, 151. — rubricollis, 75. 91. 106, — suberistatus, 151. 213 Podicipinae, 414. 416. Podoa, 432. 458. Poecila obtecta, 237. — palustris, 190. Polyborinae, 440. Polyborus Auduboni, 265. 292, 293. 274. 284, 291. 397. — brasiliensis, 265. — Cheriway, 284. 357. — tharus, 291. 357. — vulgaris, 274. 357. Polypleetron, 438. Porphyrio, 329. 4713 Porphyrio Alleni, 34. — chloronotus, 34. — erythropus, 34. hyazinthinus, 34. 37. martinica, 35. 278. martinicensis, 272. melanotus, 34. — smaragdonotus, 34. Porzana, 429. — carolina, 294. marginalis, 61. — maruetta, 3831. minuta, 381. pygmaea, 381. Pratincolarubetra, 69. 113. 199. 225. — rubicola, 199. Prionitidae, 445. 448. Procellaria glacialis, 85. 89. 94. 104. 107, 206. 222. 345. — Wilsoni, 272. Procellariidae, 324 u. f. 414, 418. 419. Progne ceryptoleuca, 286. 291. 293. — purpurea, 286. 291, Psarinae, 455. Pseudobias Wardi, 240, Psittaei, 407. 445. 451. Psittacini, 324 u. £. Psittacula, 347. — passerina, 347, Psittaeus, 247. 328. 329. 341. 351. — erithacus, 334. ; — leucocephalus, 266 277. Psophia, 332 u. f. — crepitans, 325. Psophiidae, 427, Pterocles, 331. 343. Pteroclidae, 403, 439. Pteroptochidae, 456. Puffinus einereus, 121, Pyranga aestiva, 275. — rubra, 275.. 293. Pyrgita domestica, 308. Pyrophthalma melanoce- — — — 271. phala, 61. Pyrrhocorax alpinus, 120. Pyrrhomitris cueullatus, 282. 387. Pyrrhula, 316. — aurantiaca, 317. — Cassini, 316. — coceinea, 316. — collaris, 266. 276. — enucleator, 212. — erithacus, 317, 30** 474 Pyrrhula erythrina, 215. — erythrocephala, 317. europaea, 316. griseiventris, 316. murina, 317, nigra, 266. 276. nipalensis, 317. orientalis, 316. pusilla, 229. pyrrhula, 316, rosea, 213. rubicilla, 316. vulgaris, 67. 122. 309. 316, Pyrrhulauda crueigera, 6. — nigriceps, 6. Pytelia Schlegeli, 240. Quiscalus atroviolaceus, 266. 270. 276. — Barita, 270. 276. — Gundlachi, 266. 276. 288, — versicolor, 266. 270,276, Rallidae, 324 u. f. Rallinae, 429. Rallus, 429. — aquaticus, 124. 144.212, 380. Baillopi, 381. carolinus, 272. 278. erepitans, 272. 278.289. crex, 381 elegans, 289. Gossei, 283. longirostris, 240. 278. 289. minutus, 283. 381. porzana, 381. pusillus, 381. variegatus, 278. — virginianus, 272. Raptatores, 79. 159. 324 u. f. 406. 407. Recurvirostra, 458. — avocetta, 212. 386. Recurvirostrinae, 425. Regerhinusuneinatus, 284. — Wilsoni, 281. 284. 380. Regulus eristatus, 124. 196, 212. — ignicapillus, 196, 212. Rhamphastidae, 331 u. £. 445. 452. Rhamphastos, 329. 458. Rhea, 249. 251. 327. 328. 329. Rheidae, 428. Rhimamphus.aestivus, 285. — albicollis, 285. 291. — 327. 328. INDEX. Rhimamphus caerules- cens, 286. — canadensis, 286. — dominica, 286. 291. — Gundlachi, 285. 291, — maritimus, 286. — palmarum, 286, — pensilis, 286, — pityophila, 287. — ruficapillus, 286. — superciliaris, 291, — tigrina, 286. Rhyacophilus 267. 294, Rhynchaspis elypeata,213. 223. solitarius, Rhynchopinae, 418. 421. Rostrhamus niger, 362, — soelabilis, 274. 362. Rubeeula familiaris, 24. Ruticilla arborea, 67. 70. Lt; — domestica, 65. 66. 67. 69.7722 31:0, — phoenieura, 226. 296. — tithys, 226. Salicaria arındinacea,221. 223. — fluviatilis, 222. — loeustella, 221. 223. palustris, 222. 223. phragmitis, 222. 223. sericea , 214. turdoides, 223, Sarcorhamphus, 330, Saurothera Merlini, 277. — vetula, 271. Saxicola aurita, 213. — oenanthe, 10. 11, 00% 82, 11:0), 190. 236. — rubetra, 199. 222, — rubicola, 108. 199 — stapazina, 213. Saxicolinae, 456. Scansores, 158, Scolecophagus neus, 270. Scolopaceae, 429. Scolopacidae, 80. 327 u.f. Scolopax, 326. — arquata, 390. — calidris, 389. — fusca, 389, — gallinago, 24. 278. 280, 386. — gallinula, 24. 386. 24, 222. — 347. ein ferrugi- 225. Scolopax major, 24. 386. — media, 386. — phaeopus, 390. — rusticola, 24. 72. 124, 138. 386. 429. — Sabini, 214. — Wilsoni, 278. 280, Scopidae, 431. Scops asio, 285. — zorca, 116. 183. 296. Scopus, 336. Seiurus aurocapillus, 269. 275. — noveboracensis, 275. — sulfurascens, 275. Serinus aurifrons, 229. — flavescens, 309. — luteolus, 108. 109. — pusillus, 229. Setophaga formosa, 281. — mitrata, 275. — rutieilla, 268. 275. Sitta caesia, 65. 66. 113. 122. 151. 189725872399 — europaea, 131. 238. — Krüperi, 459. — uralensis, 130. 238, 299, Somateria mollissima, 10. 88. 222. — spectabilis, 88. 98. 101. 105. — thulensis, 88. 98. 101. 105. Spatula elypeata, 21. 148. Spermestinae, 74. Spheniscidae, 407. 414. Spheniscus, 458. Spindalis Pretrei, 266. 275. Spinites pallidus, 287, Spiza ciris, 18. 287, — cyanca, 18. Spizaetus, 441. Spizella socialis, 287. Squatarola helvetica, 278, 3893. 426. — varia, 301. Starna perdix, 379. Steatornis, 340. Steatornithinae, 445. 448. 449, Sterna, 458. Antillarum, 284. 292, anglica, 223. 279. arctica, 13. 82. 89. cayennensis, 279. Douglasii, 222. — fissipes, 284. 290. — fuliginosa, 273. 279. — hirundo, 22. 23.106.150. 269. —— Sterna leucoptera, 121. macroura, 10. 103. 107. 222. minufa, 150. 284. nigra, 284. 290. paradisea, 222. 292. stolida, 279. Sterninae, 418. 421. Sternula Antillarum, 290. 292, 294. — frenata, 292. — superciliaris, 290. Strepsilas, 429. — interpres, 106. 283. 385. Strigiceps einerascens, 181. — ceyaneus, 181. — pallidus, 296. — Swainsoni, 182. Strigidae, 326 u. f. Stringops, 338. Strix aluco, 184. Asio, 268. 269. brachyotus, 12. 184. bubo, 183. ceylonensis, 442. dasypus, 185. — flammea, 4. 331. 442. — funerea, 64. 221. furcata,265.268.274,377. nisoria, 182. 221. noctua, 183. nycetea, 106. 182. oceipitalis, 265. otus, 184. passerina, 182. Schumavensis, 184, scops, 183. Siju, 265. ulula, 182. uralensis, 184. Struthio, 249. 251. 327 uf. 403. Struthiones, 399. Struthionidae, 323 u. f. 403. 405. 428, Sturnella hippocrepis, 276, — ludoviciana, 266. 276, Sturnus hippocrepis, 270. — — — — — 185. 265, De — — vulgaris, 10. 66. 67, 123. 204. Sula bassana, 73. 223. 273. — fiber, 290. — fusea, 278. 290. Sulidae, 417. 418. Surnia funerea, 120. — ulula, 182. Sycalis brasiliensis, 17. — canariensis, 17. Sylbeoeyelus earolinensis, 289, INDEX. Sylbeoeyclus podiceps,289. Sylochelidon regia, 294. Sylvia aestiva, 281. albicollis, 281. americana, 275. arundinacea, 195. atricapilla, 5. 69. 72. 113. 124, 197. aurocapilla, 269. eaerulescens, 275. canadensis, 266. 269. cariceti, 195. ceinerea, 5. 69. 197. 227. conspieillata, 5. coronata, 266. 275. eurruea, 70. 197. eyanecula, 198. dichrosterna, 198. discolor, 281. fitis, 196. fluviatilis, 27. 195. Gundlachi, 281. hortensis, 65. 196. 224 227. hypolais, 28. 196. 231. ignicapilla, 196. locustella, 27. 195. luseinia, 198. maculosa, 266. 275. maritima, 275. nisoria, 197. 222, 227. olivacea, 269. orphea, 213. palmarum, 275. 280. pensilis, 266. 275. petechia, 280. philomela, 198. phoeniecurus, 198. phragmitis, 195. pusilla, 269. regulus, 196, rubecula,68.70.124 198. rufa, 196, Rüppelli, 462. sarda, 214. sibilatrix, 1986. striata, 281. tithys, 124. 199. trichas, 269. 275. trochilus, 223. 231. troglodytes, 188. turdoides, 194. — Wolffii, 198, Sylvicola pityophila, 237. Sylviidae, 80. Symphemia, 426. Syrnium aluco, 117. 184, — uralense, 63. 64. 72. 112. 120. 182. 184. Syrrhaptes, 439. — paradoxus, 64. 312. — — — 475 Taehornis 286. Tachypetes, 336. 338. 340. 458. — aquila, 9. 273. Tachypetidae, 417. 418. Talegalla, 437. Tanagra multicolor, 269. — palmarum, 269. — Pretrei,266.269.275.280. — zena, 266. 275. 280. Tanagridae, 79. Tantalus, 329. — loculator, 267.272. 277. Tanysiptera, 240. Telmatias gallinago, 83. 502. Tenuirostres, 158. Tereeia cinerea, 22. 23. 24. 25. Teretistris Fernandinae, 282. Tetrao, 251. 352. 438, — bonasia, 24. 312. eoturnix, 380. hyperboreus, 98. medius, 219. 878, paradoxus, 312, perdix, 379. subalpinus, 11. 12, 82, tetrix, 24. 69. 110. 124. 379. urogallus, 24. 66. 68. 70. 112. 313. 463, — virginianus, 271. 277. Tetraonidae, 330. phoenicobius, —— — | Tetraoperdix, 438. Thalasseus 290. — regius, 279. 290. Thalassidroma,, 334. Thamnophilus, 458. Thaumalea, 438. Thinocorus, 428, Tiehodroma muraria, 108. 189. 210. — phoenicoptera, 120.122. 463, Tigrisoma, 431. Tinnuneulus alaudarius, 24. 180. — cenchris, 63. 120. 181. — dominicensis, 373. — vespertinus, 24, Todus, 445, 449. 458, — hypochondriacus, 288. 292, — multicolor, 265. 276. 280. 288. 292, 293. — portoricensis, 280. 288. 292. cayennensis, 476 Todus viridis, 265. 288. Totanus, 326. 427. 458. — :ealidris, 12. 81. 83. 141. 389, chloropygius, 267. 289. flavipes, 267. 278. fuscus, 121. 141. 389. glareola, 24. 140. 298. 388. glottis, 24. 389. himantopus, 283. hypoleucus, 12.24 124, longicauda, 278. 289. macularius, 283. melanoleuca, 283. ochropus, 21. 24, 25, 141. 217. 223. 388. semipalmatus, 283, solitarius, 267. 278.289, speculiferus, 283. stagnatilis, 141. 222, vociferus, 283. Toxostoma rufum, 213. Trachypelmus, 429, Tragopan, 438. Treronidae, 443, Tribonyx, 429. 'Tringa, 9. 429, — alpina, 301. 387. arenaria, 387, Bonapartii, 283. 289, canutus, 383, cinerea, 388, gambetta, 389, helvetica, 383, islandiea, 388, maculata, 283. 289. maritima, 12. 86. 102, 105. 106. minuta, 212. 387, minutilla, 278. 289, pectoralis, 283. platyrhyncha, 388. pusillä, 280. 289. rufescens, 283. Schinzii, 121. 283. semipalmata, 272. subarquata, 387. Temminckii, 81, 82.121, 278. 280. 337. — vanellus, 383. Trochilidae, 328 u. f. 445. 450. Trochilus, 326 u. f. — eolubris, 270. 276. 293. — gramineus, 270. — Ricordii, 270. Troglodytes, 247. — 'europaeus, 124. 188. — — —— — —— 280. INDEX. Troglodytes parvulus, 65. | Tyrannus magnirostris, 66. 69. 70. 110. Trogon, 330. 336. — silens, 271. — temnurus, 266. 271. 277. Trogonidae, 331 u. f. 445. 451. Turdus abyssinicus, 207. — Alieiae, 285. 291. 293. atrigularis, 194. aurocapillus, 269. Bechsteinii, 194. earolinensis, 269 274. erythrorhynchus, 207. fuseescens,274.285.293. icterörhynchus, 208. iliacus, 11. 24.123. 193. jamaicensis, 269. 285. merula, 67. 123. 194. minor, 274. musicus, 24, 68.69, 123. 195. mustelinus, 274. obseurus, 193. olivaceus, 206. olivacinus, 207, Pallasii, 285. pallidus, 193. pelios, 208. pilaris, 10.11.24. 64. 66. 116. 125. 193. polyglottus, 269. 274. roseus, 204. rubripes, 266. 274. rufieollis, 213. saxatılis, 199. Swainsonil, 274, 285. 293. torquatus, 66.70.83.110. 118. 194, 222. 465. trichas, 269. 275. viseivorus, 11. 24. 67. 123. 193. 296. — Wilsoni, 285. Turnicidae, 428. Turtur auritus, 136. 312. Tyrannidae, 80. 445, Tyrannisceus einereiceps, 239. — improbus, 239. -— leucogonys, 239. Tyrannula barbirostris, 400. — mexicana, 400. )— pusilla, 268. 286. Tyrannus caudifasciatus, 275. 293. — dominicensis, 269. — ferox, 269. Druck ven EG, Pätz in Naumburg Rn 269 275. — matutinus, 269. 275. — nigriceps, 269. — Phoebe, 275. sulphuraceus, 268. 286. Ulula lapponiea, 24. 25. — uralensis, 221. Upupa, 336. 347, —.epops, 91. 106. 131. 188. 223. Upupinae, 455. Uragus sibiricus, 394. Uria, 247. — Brunnichii, 85. 90. 100. 105. 107. — grylle, 98. 106. 333, — hringvia, 106. — Mandtii, 102, — troile, 10.84.98.100.106. Urochroma dilectissima, 239. Urogallus major, 313. ı Urubitinga brasiliensis, 869. Vanellus, 326, — eristatus, 24. 25. 65. 67. 108. 119.138. 385. — melanogaster, 121. . — squatarolus, 278. Vidua axillaris, 236. — paradisea, 236. Viduanae, 74. Vireo barbatulus, 268. 274, 280. — cantatrix, 268. — flavifrons, 281. 293. — gilvus, 27%, 230. — Gundlachi, 281. — noveboracensis,268.281. — olivacea, 268. 280. — solitarius, 281, Vulpanser tadorna, 304. Vultur, 329. 338, — ceinereus, 175. — fulvus, 63. 175. — Kolbii, 214. — monachus, 175. Vulturidae, 440. Vulturini, 326. Xanthodina dentata, 236. XanthornusBaltimore,282. — dominicensis, 270, 276. 287. 291. — hypomelas, 266. 276. 291. 293. Xenus, 426. 458, — ceinereus, 215. Zenaida amabilis, 277, Zygodactylae, 324 u. f. 270. & No M Rs Y 8 X | @ | rer er 02020502 e R 00090303 5 2 ze | JOURNAL ORNITHOLOGIE DEUTSCHES CENTRALORGAN für die gesammite is In Verbindung mit der deutschen uenithal agischen Gene schaft; u Berlin, mit Beiträgen von Eug. F. v. Homeyer, Dr. Si‘ E. Brehm, Hof-Rath M. Th. v. Heuglin, Victor v. Tschusi, Dr. Karl Russ, Forstmeister H. Goebel, L. Taczanowski, Dr. H. Dohrn, Karl Arlt und anderen Ornithologen des In- und Auslandes, Re. Ta ws Eie:mie bern von Dr. Jean Cabanis, erstem Custos am Königl. Zoolog. Museum der Friedrieh-Wilhelms- Universität zu Berlin; Secr. d. deutschen ornithologischen Gesellschaft zu Berlin. XIX. Jahrgang. BftlL Dritte Folge, 2. Band. Januar 1871. Mit einer schwarzen Tafel. Leipzig, 1871. Verlag von L. A. Kittler. LONDON, PARIS, :_ _NEW-YORK, Williams & Norgate, 14. A. Franck, rue Richelieu, 67. B. Westermann & Co, Henrietta Street, Coventzarden. 440 Broadway. Preis des Jahrganges 6 Thaler prän. „Das Schluss-Heft 1870 wird baldizst nachgeliefert.“ Inhalt des I. Heftes. Aufsätze, Berichte, Briefliches ete.: 1. 2. Va ‘m. Beiträge zur Ornithologie der en Inseln. Von Dr. H. Dohrn . Brieflicher Bericht ae eine ie im en Sen Von M. Th. von Heuglin ; Zur Charakteristik einiger fremdländischen Finken. Von Dr. Ku r Russ.. Eine Reise von Brls nach ee ee er Jaroas law, Wologda und Ustjug vom 8. Mai bis 1. Juni 1864. Von Forstmeister EiiGo8blel: 22.203, DRAN N Curiosa. Von Demselben Notizen über den Flussrohrsänger N, dir sein a kommen in der Nähe von Breslau. Von Karl Arlt . Zur Fortpflanzungsgeschiehte des Purpurhuhns. Von A. E. Brehm Monographische age Genndja und Falco Kaup. VonE.F. von Homeyer. . Notiz über die ehe nen Arten. Von L. Taeza- nowski. ; . Beleuchtung einiger eh, a Le el v. rast zu meiner * Deber- sicht der Vögel Algeriens gestellt. Von Demselben ungen im Böhmerwalde. Tagebuch-Notizen von Kor Ritter von Tsehusi Ä Sula bassana in Hannover neh: Yo v. Minden ade Deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin: 18. Protokoll der XXIX. et Verhandelt Berlin, Montag Pdemsn December 1810... -.. | 14. Protokoll der XXX, Mae unn Verkandelt Beh. Montag den 2. Januar 1871. Ka. 15. Nachtrag zum Verzeichniss der Mitglieder der Gesellschaft. 16. Benachrichtigung an die ee Nachrichten: 17. An die Redaction eingegangene Schriften ; 1. 17 79 In Angelegenheiten des Journals für Ornithologie wird gebeten: Alle für die Redaction sowie für die „ornithologische Gesellschaft“ bestimmten Mittheilungen, Manuscripte, und sonstigen Postsendungen, an den Herausgeber Dr. Cabanis in Berlin, Simeons-Strasse No. 23, zu senden; dagegen alle den Buchhandel betreffenden oder durch Buch händler-Gelegenheit vermittelten Zusendungen, Beilagen ete. an den Ver- leger, L. A. Kittler in Leipzig zu richten. Druck von @. Pätz in Naumburg ®/« N Abi A ng JOURNAL für DEUTSCHES c* NTRALORGAN für die gesammte Ornithologie. In Verbindung mit der dentschen urnithalugischen Gesellschnit zu Berlin, mit Beiträgen von Bus. FE. v. Homeyer, Dr. A. E. Brehm, Dr. Ant, Fritsch, hr Alex. v. Ho- meyer, Hof-Rath M. Th. v. Heuglin, Dr. Ed. Baldamus, Victor v, Tschusi, Dr. Karl Russ, Forstmeister H. Goebel, L. Taczanowski, @. v. Koch, Dr. H.Dohrn, Leonh. Stejneger, Dr. E. Rey, Karl Arlt, Th. Lorenz, Prof. Dr. ®. ee { ‘ und anderen Ornithologen des In- und Auslandes, herausgegeben von Dr. Jean Cabanis, ‚erstem Custos am Königl. Zoolog. Museum der Friedrich-Wilhelms- Universität ; zu Berlin; Secr. d. deutschen en Gesellschaft zu Berlin. XIX. Jahrgang. . Heft II & III. Dritte Folge, 2. Bd. März & Mai 1871. Mit 1 schwarzen und 1 Buntdruck-Tafel. Leipzig, 1871. Verlag von L. A. Kittler. ek ENT kel LONDON, PARIS _NEW-VORK, Ei Williams & Norgate, 14. A. Franck, rue Richelieu, 67. B. Westermann & Co. | . Henrietta Street, Coventgarden. 440 Broadway. . Preis des Tahrganges 6 Thaler prän. Inhalt des II. Heftes. Aufsätze, Berichte, Briefliches etc.: 1. Die Vogel-Fauna im hohen Norden. Ornithöloeische Notizen aus | Finmarken und Spitzbergen. Von M. Th. v. Heuglin 2. Briefliche Mittheilungen. Von Hauptmann Alex. v. Homeyer 3. Buteo tachardus sive desertorum zum zweiten Mal in a. erlegt. Briefliche Notiz von O. v. Krieger 4. Wanderungen im Böhmerwalde. Tagebuch-Notizen von Vietor Ritter v. Tschusi (Schluss von S. 62—73) . 2. 5. Ormmithologische Mittheilungen aus Oesterreich hr Yon De selben ß 6. Pfarrer Bl. Hanfs ornithologische Sammlung. in Mariano von Demselben . ; 7. Ornithologische Notizen aus Meran), Sud "Tirol, ad des Winters 1869/70 und 1870/71. Von Leonhard Stejneger '8. Die Lasurmeise, Parus (Cyanistes) cyanus. Von Th. Lorenz 9. Die in den Jahren 1867, 68 und 69 im Umanschen Kreise (Gou- vernement Kiew) beobachteten Vögel. Von Forstmeister H. Goe- bel. (Schluss von November-Heft 1870, S. 440-456) a 10. Ueber das Nisten der Seidenschwänze in Deutschland.: Notiz von Pfarrer J. Hocker ee —ı Deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin: 11. Protokoll der XXXI. Monats-Sitzung. Verhandelt Berlin, Montag den 6. Februar 1871. (Cabanis: Referat über G. v. Koch, Stellungen der Vögel. Hierzu Tafel I. und Il. — O. v. Krieger: Ueber Raubvögel Thüringens. — Brehm: Darstellung von Vögeln en relief des Herın Plaschke; Abfärben der Federn von Corythaiz persa. — Hellmann: Präservativ. — Cabanis: Ur- . sprung der Recoeur’'schen Seife, und über sibirische Sylvien: Locustella ochotensis und Phyllopneuste Schwarzi) . : 12. Protokoll der XXXII. Monats-Sitzung. Verhandelt Beil, Monlag - den 6. März 1871. (Cabanis: Referat über Bronn’s Thierreich, Abth. Vögel, und A. Fritsch, Vögel Europas. Hierzu Tafel IIL.) : Nachrichten: 13. An die Redaction eingegangene Schriften 14. Druckfehler-Berichtigung 15. Verlags-Anzeigen: Borggreve, Nosel Fanns. von a Nor ddenechiarg. Brehm, Gefangene Vögel eh A 119 122 124 ..180 . 151 152 157 158 159 160 Be des I. Heftes, Mnnanana ' Aufsätze, Weriehtl: Briefliches ete.: 1. 2. SED Die Vögel Böhmens. Von Dr. Ant. Fritsch Nachtrag zu meinem Bericht über die Ornithologie Spitzbergens. Von M. Th. v. Heuglin. (8. März-Heft, $. 87 und ff) Ueber die rothäugige Drossel, Turdus olivacinus Bp. Von ‘Demselben. Anas Stelleri in Europa beätend. Mon A. 6. Nordii . Erster Nachtrag zu meiner Arbeit über „Die Vogel- Fauna von Norddeutschland. Von B. Borggreve. . Die Schnee-Eule auf Hiddens-Oee erlegt. Im 6. Be Ueber Kuckukseier. Von Dr. E. Rey Briefliches über Serinus pusillus. Von Dr. E. B al aus Ornithologische Notizen vom Jahr 1870. Von G. v. Koch Briefliches. über Merops Porstemi. Von Dr. Adolf Bernhard Meyer . Friede den Kleinsn Yapdıa Cialär ne Besellsnbait der „Freunde der kleinen Vögel“ zu Gothenburg in N Deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin: 12. Protokoll’der XXXII. Monats-Sitzung. Verhandelt Berlin, Montag den 3. April 1871. (Cabanis: Vogelschutz, — Holtz: Oolo- gisches. — Bau: Ovlogisches; Absonderliche Nistplätze) 15. Protokoll der XXXIV. Monats-Sitzung. Verhandelt Berk, . Montag den 1. Mai 1871. (Cabanis: Ueber Parus (Poecila,) obtectus n. sp. als Abart von P. cinctus. — D’Alton: Notiz zum Vogelschutz. — etc.) Nachrichten: 14. An die Redaetion eingegangene Schriften . 15. Tauschgesuch. (Europ. V:ogeleier) . ? 161 205 206 208 . 210 DA 225 229 231 231 22 DET 281 239. Er 240 Yı. für die Redaction sowie für die „ornithologische Gesellschaft“ ‘ bestimmten Mittheilungen, Manuscripte, und sonstigen Postsendungen, an den Herausgeber Dr. Cabanis in Berlin, Simeons-Strasse No. 23, zu senden; dagegen alle den Buchhandel hen oder durch Buch“ händler-Gelegenheit vermittelten Zusendungen, Beilagen etc. an a Ver- leger, L. A. Kittler in Leipzi zu richten. Druck von G. Pätz in Naumburg °ls In Angelegenheiten des Journals für Ornithologie wird gebeten: Alle JOURNAL ‘ ORNITHOLOGIE. | DEUTSCHES CENTRALORGAN für die gesammte Ornithologie. | In Verbindung mit der deutschen uruithulagischen Gearllachaft zu Berlin, mit Beiträgen von Eug. F. v. Homeyer, Dr. A. E. Brehm, Dr. Ant. Fritsch, Hauptm. Alex. v. Ho- meyer, Huf-Rath M. Th. v. Heuglin, Dr. Ed. Baldamus, Victor v. Tschusi, Dr. Russ, Dr, Wiln. Lühder, Dr H.Golz, Forstmeister H. Goebel, Dr. Ant. Reiche- | now, Dr Dybowski, L. Taczanowski, G. v. Koch, Dr. H. Dohrn, Leonh. Stej- neger, Dr. E. Rey, Dr. Jean Gundlach, Karl Arlt, Th. Lorenz, Prof. Dr. B. Borggreve, W. v. Nathusius, Dr. F. Wahlgren und anderen Oruithulogen des ‘ In- und Auslandes, I ae raue ag a.bien von Dr. Jean Cabanis, ersten Custos am Königl. Zoolog. Museum der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin; Secr. d. deutschen ornithologischen Gesellschaft zu Berlin. XIX. Jahrgang. Be V. .. Dritte Folge, 2. Bd. September 1871. Moe Buntdruck-Tafel. Leipzig, 1871. Verlag von L. A. Kittler. LONDON, 2 PARIS, NEW-YORK, Williams & Norgate, 14. A. Franck, rue Richelieu, 67. B. Westermann & Co. Henrietta Street, Coventzarden. 440 Broadway. Pıeis des Jahryänges (6 Hefte) 6 Thuler prän. RT AEN EN ler En: Inhalt des V. Heftes, neannnnnn Aufsätze, Berichte, Briefliches etc.: 1. 2. 5. 6. Zur Bildung des Brustbeins und a der Vögel. Von Wilhelm Lühder Saas Neue Beiträge zur Oenithelözie Cuhas, Nach S0jährigen Beobachtungen zusammengestellt von Dr. Jean Gundlach. (Forts: von S. 265—29%.) . . Die Vögel Böhmens. Von Dr. Kuren Beitsch (Forte: von Si 305—313.) . Zur eklansineegeschiehte a Kuckuke Briefiche Mitiheiluße | aus Ost-Sibirien von Dr. Dybowski . die "Nachtrag zur Notiz über die ostsibirischen Nee Arten. (S. d. Journ. S. 56.) Von L. Taezanowski : Erwiederung. Vom Hauptm. Alexander von Honleyer. Deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin: 7. Protokoll der XXXV1. Monats-Sitzung. Verhandelt Berlin, Montag den 4. September 1871... (Hr. Golz: Nachruf an Freese. 7). ®: Benachrichtigung an die Mitglieder NEE RR. Nachrichten: 9. An die Redaction eingegangene Schriften 398 399 399 In Angelegenheiten des Journals für Ornithologie wird gebeten: Alle für die Redaetion sowie für die „ornithologische Gesellschaft“ bestimmten Mittheilungen, Manuseripte, und sonstigen Postsendungen, an den Herausgeber Dr. Cabanis in Berlin, Simeons-Strasse No. 23 zu - senden; dagegen alle den Buchhandel betreffenden oder dureh Buch- händler-Gelegenheit vermittelten Zusendungen, Beilagen ete. an den Ver- 'leger, L. A. Kittler in Leipzig zu richten. Diuck von G. Pitz in Naumburg “a JOURNAL tür ORNITHOLOGIE DEUTSCHES CENTRALORGAN für die gesammte Ornitholosgie. In Verbindung mit der tentschen arnithalngischen Gesellschaft zu Berlin, mit Beiträgen von Eug. F. v. Homeyer, Dr. A. E. Brehm, Dr. Ant. Fritsch, Hauptm. Alex. v. Ho- meyer, Hof-Rath M. Th. v. Heuglin, Dr. Ed. Baldamus, Vietor v. Tschusi, Dr. Wilh. Lühder, Dr. H. Golz, Forstmeister H. Goebel, Dr. Ant. Reichenow, Dr. Dybowski, L. Taczanowski, 6. v. Koch, Dr. H. Dohrn, Leonh. Stej- neger, Dr. E. Rey, Prof. Dr. B. Borggreve, A. Nehrkorn, Dr. Jean Gundlach, Karl Arlt, Th. Lorenz, W. v. Nathusius, Dr. F. Wahlgren und anderen Ornithologen des In- und Auslandes, Dre t’aru's ze geben von Dr. Jean Cabanis, erstem Custos am Königl. Zoolog. Museum der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin; Secr. d. deutschen ornithologischen Gesellschaft zu Berlin. 4 | XIX. Jahrgang. Heft VI. Dritte Folge, 2. Bd. November 1871, Mit 1schwarzen Tafel. Leipzig, 1871. Verlag von L. A. Kittler. LONDON, PARIS, NEW-YORK, Williams & Norgate, 14. A. Franck, rue Richelieu, 67. B. Westermann & Co. Henrietta Street, Coventgarden. 440 Broadway. Preis des Jahrganges (6 Hefte mit Abbildungen) 6 Thaler prän. BR ENEN .t Be Iy Ir ; mh Ai EN Kar N sy Dir, x TERN Or RO 14 % Rh % x ae B NEN SE i x Li en ParTENE a i a SS Idee Van ESERCH RL Sch I } DEE Ne Serie or i K er ehe zb EEE NT \ Kahl Nil : Y peut RETTEN EN DIEIE ’ ß ah N EL N De Ir Teer Br EHER N an 3 ih wu NL N PARTEIEN RT i Area? Ni War i i DEU TNETRE NETTE N a un Karat} “th Ku MiAtEN “ sr ER 2 Fels DR ErR rohen ah i KANN ve EINE N rat REIS TIERE ISA a IE E N ur4 WATER al si a whin EIN Ei REITS EMS % \ ai Ah N e7 N A EN ELRE US DR N AE IE EL NETTER TEEN rt DETIEE EHRT) Pe ae Fr Be ennen W au Y s PT RE NE N ent ARTE AR RC U a N TEEN SE | al sand Ware ER IR Al Rn ae Hast Hi rd REN Malin RT RT A Be A rl a Hr A AR 5 eu ala N BR ER EL Jah ALL ESSEN ERSTELLE BEI IE EE NET! 2 Eule NER SAT TER ARE N Ih Ana E1} EI UN Ba A a ar Ra a Te Dr) Pur Ey ieh uNeır a ae N a Sa en ht Lee ” Kae A AN EE Ri N ae. Ba Sr un Bir A AA a. KrıiE ee Ä sun Pen IE EUELER SCHE Karl Ne IE: aa KLEAE n EREN AST & 7 } rer Si Zu KERLE EDEN! 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